Woah!

Ich bin also zu C3 gegangen und habe das Gespräch gesucht. Und was das für ein Gespräch war. Voller Vorwürfe, Kritik, Zurechtweisungen. Ich muss das noch sortieren, aber ein gutes Gefühl habe ich nicht.

Es gab mehrere Kernthemen.

Es konnte nicht nachvollzogen werden, warum ich zwei Weiterbildungen für die ISO 27001 Zertifizierung beantragt habe. Das wurde immer und immer wieder angebracht, bis ich schon nachfragen wollte, ob C3 wisse, dass ich zu 50% in dem Thema bin. C3 erwähnte es dann selber, Zitat: „Sie werden mir ja die Hälfte Ihrer Arbeitszeit weggenommen.“ Ich erklärte, dass alle bei der Zertifizierung Involvierten nur eine knappe Grundbesohlung erhalten haben und wir uns jetzt nach bestem Wissen und Gewissen durch die Themen wurschteln. Weil es aber nicht mein Anspruch ist, mich durch Themen zu wurschteln, sondern ich lieber fundiert arbeite und wir uns außerdem wegen der Kürze der Zeit ein Herumwurschteln gar nicht leisten können, bat ich um Teilnahme an einer Schulung, die genau die praktischen Schwierigkeiten zum Thema hat. Der ISO-Chef ist zusätzlich der Ansicht, dass ein weiterer Auditor für interne Audits unbedingt benötigt wird, was wiederum die zweite Schulung begründet.
Daraufhin wurde mir vorgehalten, warum ich denn C2 um die Schulungen bat und nicht den ISO-Chef, was ich damit begründete, dass der ISO-Chef dafür kein Budget von der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt bekommen habe und ich es – in direkter Absprache mit dem ISO-Chef – über C2 versuchen wollte.

Ich würde nur Forderungen stellen. Nach dem höhenverstellbaren Tisch, nach einem ruhigeren Zimmer, nach Schulungen, etc. Worauf ich erwiderte, dass wenn mir Ausfallzeiten vorgeworfen würden, die unter anderem wegen zweimal eines Bandscheibenvorfalls herrühren, denen ein höhenverstellbarer Tisch vorbeugen könnte, der mir seit Dezember genehmigt wurde und ich nachfrage und niemand etwas weiß oder sich darum kümmert, ich dann sehr wohl mal bei C3 nachfrage, was mit dem Tisch ist. Ich erzählte dann, wie C2 zu mir meinte, dass der Tisch ja genehmigt worden sei und er diese Information augenscheinlich aus der Personalabteilung haben muss, bei meiner Nachfrage dort aber niemand je etwas davon gehört haben will und das mich eben misstrauisch macht. Direkt im Gegenzug warf mir C3 vor, ich würde C2 unterstellen, dass er mir den Tisch unterschlägt. Was ich wiederum sofort verneinte, dass ich C2 das mitnichten unterstelle und das auch nie getan habe. Daraufhin folgte der Vorwurf, dass ich doch nur wieder von den eigentlichen Themen ablenken würde. Wenn ich aber bei ihm, meinem Chef, diese Themen nicht anbringen kann, wo denn dann?

Er sagte dann, dass mir nicht unterstellt würde, dass ich blau machte, aber es ist Tatsache, dass ich viele Ausfallzeiten habe, dieses Jahr eben diese 3 Wochen am Stück und letztes Jahr noch viel mehr. Ich meinte daraufhin, dass es doch nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, dass Menschen ausfallen und erwähnte den berühmten Busfaktor. Es kann jederzeit ein Mitarbeiter (theoretisch) vom Bus angefahren werden und für unbestimmte Zeit ausfallen und dass es ein grundlegendes Problem im Unternehmen sei, keine Vertreter für wichtige Positionen zu schaffen. Ja, den Bus kann man in der Tat nicht vorhersehen, sagte C3, aber andere Ausfallzeiten müssten minimiert werden. „Dann“ sagte ich „sind wir direkt bei der vielzitierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und wenn meine Kinder krank sind, dann werde ich mich um ihre Betreuung kümmern.“ Worauf C3 sagte, dass er auch ein kleines Kind habe und dann eben auch mal 10 Tage ausfalle. Ich erwiderte, durchaus trotzig, dass ich zwei Kinder habe und dementsprechend 20 Tage fehlen könnte. Worauf er mich entsetzt ansah.

Und dann noch die Schöffentätigkeit. Wieder der Vorwurf, ich würde mir da einfach 4 Tage frei nehmen. Ich erklärte, dass ich mich 2013 für die Tätigkeit beworben habe, als ich noch in einem anderen Unternehmen tätig war. Ich könne die Termine nur mit triftigem Grund ablehnen und nur Arbeit ist kein triftiger Grund. Was C3 völlig anders sah. Zitat: „Dann müssen Sie dem Gericht mitteilen, dass Sie nicht an den Terminen teilnehmen können, weil dadurch Ihr Arbeitsvertrag gefährdet ist.“
Ich zitierte also die entsprechende Gesetzespassage, dass einem Arbeitnehmer durch die Ausübung seiner Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile entstehen dürfen. Und ob er mir jetzt wirklich vorwirft, mich ehrenamtlich zu engagieren und meine demokratische Pflicht zu erfüllen. Dann könnten wir ja auch die Freiwilligen Feuerwehren einstampfen, für die nämlich ähnliche Regelungen gelten. Er tiradierte dann, was er so alles machen würde und dass seine Freizeitgestaltung eben seine Freizeit ist und was ich ihm jetzt mit Ehrenamt komme. Und überhaupt würde ich ja wieder nur vom Thema ablenken.

Mir wird vorgeworfen, dass ich als Wirtschaftsinformatikerin doch über die Basics der Lizenzierung insbesondere bei Microsoft Bescheid wissen müsse und auch wissen müsse, wie massenhaft Softwareinstallationen vorgenommen werden und wie das dort mit den Lizenzschlüsseln geregelt ist. Könnte ich wissen, wenn ich dies tatsächlich in meinem täglichen Berufsleben machen würde. Ich habe bisher aber als Wirtschaftsinformatiker, durchaus auch erfolgreich, gerarbeitet, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Thema Lizenzen konfrontiert worden zu sein. In diesem Zusammenhang bat ich darum, eine generelle Lizenzmanagementschulung besuchen zu dürfen, da ich merke, dass ich mich nur durchwurschtel und es wie gesagt nicht mein Anspruch ist. Er meinte, eine solche Schulung gibt es nicht, worauf ich widersprach und sagte, doch, bei Bechtle oder Comparex wird das angeboten. Er wüsste auch gar nicht, was für Inhalte eine solche Schulung hätte. Es war ihm unverständlich, dass es so viel Erklärungsbedarf zu Lizenzmetriken oder Volumenlizenzen oder Best Practices gibt.
Die Schulung werde ich mir wohl abschminken können.

(So ganz nebenbei: Wenn ich diese Basics wissen muss, dann erwarte ich aber im Gegenzug von meiner Führungskraft aber auch, dass sie die Basics des Arbeitsrecht kennt und dazu zählen auch ehrenamtliche Tätigkeiten, seien es Schöffendienst oder Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr.)

Er versteht auch nicht, warum ich für manche Themen so lange benötige. Er hätte bei einem aktuellen Thema nur zweimal telefoniert und schon hatte er alle nötigen Informationen. Ich erklärte, wie ich mir die Knie zerschunden habe, weil ich die IT-Mitarbeiter so oft bekniet habe, mir diese Informationen zu geben. Und ich sagte, wie er, C3 vor einer Woche ganz richtig erkannt hatte, dass solche Informationen schon lange, auch schon lange vor mir, hätten ordentlich dokumentiert werden müssen.  Und dass es mir bei so vielen Themen so geht. Dass ich im Zweifelsfall erstmal rausfinden muss, wer überhaupt Informationen dazu haben könnte. Und ich mir jedes Fitzelchen mühsam zusammensuchen muss, weil nichts, aber auch gar nichts, dokumentiert wurde.

C3 fand es ganz mies, dass ich letzte Woche, einen Tag nach dem sehr ausführlichen Gespräch mit ihm, zu C1 gegangen bin und die Rückkehroption gezogen habe. Meine Einwände, dass dies überhaupt nichts mit dem Gespräch, sondern mit den ganzen Entwicklungen davor und vor allem dem Personalgespräch mit der Personalabteilung zu tun hatte, nahm er gar nicht wahr, sondern pochte immer wieder auf den vermeintlichen Verrat. Er würde auch gar nichts machen, solange ich ihm nicht schriftlich bestätige, dass ich die Rückkehroption nicht mehr in Erwähnung ziehe, was mich direkt zur Entfristung des Arbeitsvertrages brachte.

Da vertritt er nämlich die Meinung, dass eine Entscheidung kurz vorm Auslaufen des Vertrags völlig ausreiche. Mit viel Gnade sagt er sogar so zeitig Bescheid, dass man sich immerhin nicht beim Arbeitsamt melden muss, so man denn verlängert würde. Er könne auch nichts zu früher gegebenen Versprechungen sagen, davon wüsste er nichts und er fühle sich denen auch nicht verpflichtet.

So.Ein.Arsch!

Abgerundet wurde das Gespräch mit dem Hinweis, dass er bei seinen Entscheidungen an die Vorgaben von C2 gebunden ist und mit ihm in regem Austausch stehe.

Heißt also für mich, dass ich jetzt zwei supertolle Chefs auf einmal habe.

P.S.

Woah!

Ich komme gerade aus einem Meeting, wo sich C3 zusammen mit dem ISO-Team und den unterstützenden Admins über den aktuellen Stand eines wichtigen Programms informieren wollte. Die Diskussion eskalierte nach der Hälfte der Zeit, weil C3 einen Rundumschlag an Vorwürfen in alle Richtungen verabreichte, gegen den sich unser ISO-Zertifizierungschef versuchte zu wehren und die Diskussion von der emotionalen zurück auf die Sachebene zu lenken. Es endete damit, dass C3 wütend den Raum verließ und der ISO-Chef eine Email an die Geschäftsführung schreibt, worin er darum bittet, nicht mehr mit C3 zusammen arbeiten zu müssen.

Für mich persönlich war diese Diskussion 1:1 so, wie das Gespräch, dass ich eine Stunde zuvor mit ihm hatte. Es sind grundsätzlich die anderen Schuld, alle arbeiten gegen ihn, jeder regt sich auf und beschimpft die IT und überhaupt. Mir wurde Wahrnehmungsverzerrung vorgeworfen, obwohl C3 derjenige ist, der darunter leidet. Dies wird ganz wunderbar an einem Beispiel deutlich:

Wir wissen, dass es bei der Implementierung des wichtigen Programms einige Schwierigkeiten gab. Der zuständige Kollege hat sich mit viel Einsatz darum gekümmert und den Fortschritt ausführlich dokumentiert. Mein Kollege und ich haben diese Kommentare aufmerksam verfolgt, der ISO-Chef leider nicht. Verständlich, dass er sich hin und wieder (also einmal in zwei Wochen oder länger) erkundigt, wie der aktuelle Bearbeitungsstand ist. Diese Nachfrage, die ohne jegliche Kritik oder Untertöne erfolgte, wurde von C3 als Gängelei gewertet und dass ständig (!) Kritik an seiner Abteilung geübt würde.

Wenn es mich nicht persönlich betreffen würde, täte ich mir ne Schüssel Popcorn holen und das Drama weiter beobachten.

Ende der Fahnenstange

Boah! Ich bin gleichzeitig sprachlos und könnte ausflippen. Und worum geht’s, um die Arbeit. Natürlich!

Ein Kollege aus dem IT-Bereich, der mit mir angefangen hat, fragte die letzte Zeit immer öfter nach, wie es denn mit der Entfristung seines Arbeitsvertrages aussieht. Erst wurde ihm empfohlen, sich doch drei Monate vorm Vertragsende beim Arbeitsamt zu melden, könne ja nicht schaden. Dann wurde ihm gesagt, dass man noch nicht einschätzen könne, ob er tatsächlich ein Zugewinn fürs Team ist und sie noch mehr Zeit benötigen – nach 1,5 Jahren Firmenzugehörigkeit. Dann wurde ihm gesagt, sie würden die Teams neu zusammenwürfeln und sie müssten schauen, ob er von seinen Qualifikationen in eines der neuen Teams passe.

Super Aussagen, die mich sehr hoffnungsvoll gestimmt haben, denn auch bei mir geht es um die Entfristung. Da bei mir aber die gleichen Leute die Entscheidung fällen, erwarte ich keine anderen Aussagen und habe mir Nachfragen bislang gespart.

Jetzt allerdings meinte eine Kollegin, dass neuerdings eine Stellenanzeige auf der Firmenhomepageaufgetaucht ist, die genau meine jetzt von mir besetzte Position beschreibt. Veröffentlichungsdatum: heute, 30.03.2017.

Ich koche innerlich und weiß nicht, was ich dazu sagen soll!

Nichts Neues!

Feuervogel hatte mich bei Achterbahn gefragt, ob es etwas Neues gibt und nach dem initialen

Nö, aktuell nicht.

merkte ich, dass die nachfolgende Antwort doch länger wird und einen eigenen Beitrag verdient. Also dann ein wenig ausführlicher.

Es ist vergleichsweise ruhig, aber irgendwo so, wenn man im Auge eines Tornados steht. Da kann jederzeit die Apokalypse wieder hereinbrechen. Die Stimmung auf Arbeit ist irgendwie seltsam, als ob alle den Atem anhalten.

Der erste Teil der Umzüge wurde in einer großen Hauruckaktion fast ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht. Auf der einen Seite freut es mich, dass die Mitarbeiter so großartige Arbeit geleistet haben, aber auf der anderen Seite wird damit ein völlig falsches Signal an die Geschäftsführung gesendet. „Seht her, wozu brauchen wir irgendeine Planung oder professionelle Helfer, wir kriegen das doch locker nebenbei aus dem Handgelenk geschüttelt.“ Dass meine Kollegin, die das ganze organisiert, kurz vorm Kollaps steht, sieht niemand der Entscheider.

Mit dem Umzug ist auch C1 an den neuen Standort gezogen und evtl. kann ich seinen Firmenparkplatz „beerben“. Das wäre toll, da ich derzeit immer halb illegal parke und Gefahr laufe, dass mein Auto abgeschleppt wird. Trotzdem ich das Fahrrad habe, werde ich an mindestens zwei Tagen pro Woche mit dem Auto auf Arbeit fahren, damit ich das Fußballtraining des Großen zeitlich besser gebacken kriege.

BK ist immer noch im Lizenzteam und macht weiterhin jede Menge Blödsinn. Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird, ich weiß aber auch nicht, ob C1 bereits mit C3 darüber sprechen konnte. Meine Einstellung ist, dass ich nur noch meinen Teil mache und alles, wofür ich nicht zuständig bin, geht zurück an BK. Wie sie es dann verbockt, ist allein ihre Entscheidung, ich werde mir da nicht mehr die Finger verbrennen.

Als nächstes habe ich für Mai ein Mitarbeitergespräch mit C3 geplant, wo ich um die Entfristung und eine Gehaltsanpassung auf die Gehaltsstufe meines Vorgängers bitten werde. Bis dahin sollte ich dann auch ein ruhigeres Büro und meinen seit Dezember genehmigten höhenverstellbaren Tisch gegen meine Rückenschmerzen haben. Beides bereits beantragt. Außerdem möchte ich eine generelle Schulung zum Thema Lizenzmanagement haben, da ich mich bislang nur mit selber angeeignetem Wissen und einer mickrigen Microsoft-Schulung durch die komplexen Strukturen wurschtel. Wird auch nur einer der Punkte nicht erfüllt, fange ich an, Bewerbungen zu schreiben.

Bis dahin kümmer ich mich um meinen Seelenfrieden, der in letzter Zeit massiv zu kurz gekommen ist. Dazu gehören unter anderem weitere Reiseblogeinträge und der Erfahrungsbericht zum neuen Zimmer unseres mittlerweile 3-jährigen und mächtig großen Mädchens. Nebenbei planen wir unseren Sommerurlaub, nachdem sich die Chinareise wohl zerschlagen hat. Da war vom chinesischen Kindergarten eine einwöchige Reise nach Nanjing geplant, wo deutsche Familien bei chinesischen Familien wohnen. Die Eltern würden auf dem Sofa schlafen, die Kinder auf Luftmatratzen in den Kinderzimmern und man käme hautnah in Kontakt mit dem chinesischen Alltag und dem Familienleben. Fanden mein Mann und ich eine klasse Idee und wollten ursprünglich noch ein oder zwei Wochen Individualurlaub hinten dran hängen und das Land erkunden, wo wir doch schon mal da wären, denn der Flug ist immer noch das Teuerste an so einer Reise. Leider hat der Kindergarten bisher auf keine unserer Anfragen bezüglich Kosten oder konkreter Planungen reagiert.

So machen wir nun 12 Tage Urlaub in Dänemark, wo genau wissen wir noch nicht, auch nicht, was wir uns da ansehen werden. Falls jemand Tipps hat: her damit.

Also wirklich Neues gibt es nicht 😉

Achterbahn

Jeden Tag was Neues, soll ja nicht langweilig werden.

Ich hatte am Dienstag meinen alten Chef gebeten, mich quasi wieder zurückzunehmen, weil die Situation zu belastend für mich geworden war. Dass dies nicht ging, war uns beiden klar, aber er versprach, sich etwas zu überlegen. Gestern fragte ich vorsichtig nach und er lud mich zu einer kurzen Unterhaltung ein.

Dabei kam heraus, dass ich neuerdings und von mir unbemerkt einen neuen Chef bekommen hatte, der dritte in 3 Monaten. Ich sollte anfangen, sie für den Blog durchzunummerieren. Chef 3 also ist der neue IT-Leiter, mit dem ich am Montag ein sehr ausführliches Gespräch geführt hatte, ohne zu wissen, dass das mein neuer Vorgesetzter ist. Es ging um die aktuelle generelle Situation und wie man am Besten die alten verkrusteten Strukturen aufbrechen und neue, zielführendere Prozesse etablieren kann. Ich fand ihn erfrischend, aber auch ein wenig naiv, versprach dennoch, tatkräftig mitzuhelfen.

Einen Tag später erzählte ein Kollege von seinen Erfahrungen mit Chef 3, welche mein Bild von ihm ein wenig eintrübte. Gestern rasselte ich ja persönlich mit ihm zusammen. Als mich dann Chef 1 fragte, wie ich Chef 3 einschätzte, konnte ich nur sagen, dass sich meine Meinung quasi stündlich ändere. Mal finde ich ihn toll, mal denke ich, was für ne Plinse. Was ich ihm aber zugute halten muss ist, dass ich offen mit ihm über Probleme reden kann, dass ich nicht das Gefühl habe, auf jedes Wort achten zu müssen und ich denke, dass er eher niemand ist, der andere in die Pfanne hat. Mit der Faust auf den Tisch hauen, das denke ich schon, aber kann bei den IT-lern nicht schaden, die lebten zu lange in ihrem Dornröschenschloss.

Chef 1 meinte weiterhin, dass er Chef 3 empfehlen wird, sich zwischen sämtliche seiner Mitarbeiter und der Beschaffungsabteilung, namentlich BK, zu stellen, um so einen Puffer zu bilden. C1 hätte das auch schon so gemacht, weil anders eine halbwegs konstruktive Zusammenarbeit mit BK nicht möglich gewesen wäre. Ich meinte, das ist toll, nur ist BK Teil des Lizenzmanagementteams, was es mir quasi unmöglich macht, C3 als Puffer zu verwenden, ich könne ihn ja schlecht zu den Teammeetings mitnehmen. C1 sagte, dass er empfehlen wird, das Lizenzmanagementteam aufzulösen, da die Beschaffung dort gar nichts zu suchen hat, sondern erst ins Spiel kommt, wenn es um den letztendlichen Kauf geht. Da sind alle wichtigen Fragen schon geklärt.

Ich hätte C1 knutschen können.

Erneut brachte ich die Sprache auf die Entfristung meines Vertrags und C1 war erstaunt, dass dies immer noch nicht geschehen ist. Ich erklärte, dass ich mit C2 damals beim Positionswechsel vereinbart hatte, dass dies mit der Entfristung einhergeht, aber als ich zwei Wochen später nachfragte, konnte sich C2 nicht mehr daran erinnern. Als ein Kollege C3 vor Kurzem nach der Entfristung fragte, meinte der nur trocken, es wäre ja noch genug Zeit und er sähe gar kein Problem darin, wenn sich der Kollege am 1. Juli erstmal auf dem Amt meldet.

Sowas kommt gar nicht gut und entsprechend zurückhaltend bin ich, jetzt selber C3 zu fragen. Das sagte ich C1 und der kannte – natürlich – die Geschichte auch schon. Und meinte, dass er diese Aussage für sehr unglücklich hielt und dafür C3 ein wenig den Kopf gewaschen hätte, woraufhin C3 einlenkte und seinen Fehler tatsächlich einsah. Der Kollege ist zwar immer noch befristet, aber ein Chef, der einen Fehler einsieht, ist schon mal eine klasse Sache.

Wenn sich die Umzugsgeschichte hier ein wenig beruhigt hat, werde ich einen erneuten Versuch der Entfristung starten. Muss doch irgendwie möglich sein.

Ansonsten unterhielten sich C1 und ich noch über dies und das, an generellen Gesprächsthemen mangelt es derzeit nicht. Ich bin jetzt ein wenig entspannter, was meine persönliche Situation angeht. Dafür verschärft sich die Arbeitslast gerade dramatisch, da wir Ende Mai das Voraudit zur ISO27001-Zertifizierung haben und aktuell nicht ein einziges Dokument auf einem halbwegs brauchbaren Stand ist. Diese ca. 50 Dokumente bis zum Termin aufzupäppeln, ist jetzt meine Aufgabe und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das schaffen soll. Vermutlich so wie immer, ein Dokument nach dem anderen.

Mögest du in interessanten Zeiten leben.

Tja

Hier sollte ein nichtlustig-Comic erscheinen, aber WordPress verweigert die gescheite Einbettung. Wer trotzdem neurierig ist, hier entlang: http://static.nichtlustig.de/toondb/071213.html

Ich sollte einen reinen Arbeitsblog aufmachen.

Ehrlich, was hier gerade abgeht, das kann man sich nicht vorstellen. Wenn man das in einem Film sehen würde, fragte man sich, was für Drogen die Drehbuchschreiber genommen haben. Doch der Reihe nach.

Seit ich hier angestellt bin (vermutlich auch schon seit langer Zeit davor) fährt die Firma voll auf Verschleiß. Es gibt gerade genügend Mitarbeiter, um die anfallenden Arbeiten zu schaffen. Fällt einer aus, wegen Krankheit oder Urlaub, bleiben die Aufgaben dieses Mitarbeiters liegen, weil es niemanden gibt, der sie fachlich und zeitlich übernehmen kann. Eine Kollegin hatte sich beim Skifahren das Bein gebrochen und stand 6 Wochen nicht zur Verfügung. Dieses Ereignis ist jetzt knapp 2 Jahre her, die betroffenen Kollegen, die versuchten einzuspringen, haben sich bis heute nicht davon erholt.

Nicht nur, dass es keine Vertreter gibt, es wird auch nichts dokumentiert. Das Wissen ist allein in den Köpfen der Mitarbeiter und selbst wenn man versucht, die Aufgaben zu übernehmen, muss man sich alles allein durch Versuch und Irrtum erarbeiten. Es gab immer wieder Versuche, wenigstens die zu erledigenden Aufgaben schriftlich festzuhalten, aber nach 2 Mitarbeitern war Schluss, weil wichtigere Dinge dazwischen kamen.

Es gibt keine gescheite Projektkoordination, obwohl es haufenweise Projektmanager gibt. Die Geschäftsführung leiert einfach irgendwelche Sachen an, pocht auf deren zeitnahe Umsetzung, kümmert sich aber Null darum, ob überhaupt genügend Ressourcen dafür vorhanden sind. Und kosten darf es natürlich auch nichts. Das aktuellste Projekt verdeutlicht das am Besten. Es sollen ca. 100 Mitarbeiter von Standort A nach Standort B ziehen, im Gegenzug wechseln 100 Mitarbeiter von B nach A. Jede andere Firma würde dafür ein ordentliches Projekt aufsetzen, mit Projektplan und Budget. Hier hingegen wird das Ganze ad hoc über die Bühne gebracht und die Umzugshelfer sind die Mitarbeiter des IT-Service, welche jetzt 3 Wochen lang nichts anderes machen, als Kartons, Tische und Rechner von A nach B zu schleppen. In der Zwischenzeit bleiben natürlich alle anderen Aufgaben einfach liegen. Ein professionelles Umzugsunternehmen dafür zu beauftragen, wäre zu naheliegend gewesen.

Blöd nur, dass gerade ich jetzt ein Anliegen habe, dessen Umsetzung sehr eklig und nervenaufreibend ist, welches aber trotzdem bis zum 31.3. fertig werden muss. Ich versuche seit drei Monaten, dieses Thema anzubringen, aber immer wurde mir gesagt, dass dies gerade nicht möglich ist, weil andere Projekte wichtiger sind. Nun können sie es aber nicht mehr ignorieren, können es aber auch nicht umsetzen, weil ja alle gerade Umzugskisten schleppen müssen.

Seit 2 Monaten hat die IT-Abteilung einen neuen Chef und dieser schlägt gerade sehr unsanft in der Realität auf. Hatte er am Montag noch euphorisch verkündet, dass er Ordnung in den Laden bringen möchte und die alten Strukturen aufbrechen wird, motzt er die letzten 2 Tage nur noch rum, was das für ein Saftladen hier ist. Am Montag hat ihm mein alter Chef einen ersten Teil von Aufgaben und Projekten übergeben, für die der neue Leiter jetzt zuständig ist. Da sind schon einige Brocken dabei, die einem die gute Laune vermiesen können. Ich hatte ihm gestern mein Thema übergeholfen, welches er – Überraschung – wegen zu hoher Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter abgelehnt hat. Da er aber meinte, wir können das gerne persönlich klären, war ich gerade bei ihm und habe ihm von der Dringlichkeit berichtet und auch, welche Unannehmlichkeiten daraus resultieren könnten.

Er verstand erstens nicht, warum wir nicht schon längst eine solche Übersicht haben und zweitens warf er mir vor, warum ich erst so spät damit ankomme. Tja, weil eben alles andere immer wichtiger war als das. Ich verstehe, dass es nervig und zeitaufwändig ist, die gewünschte Übersicht zu erstellen, aber wir kommen schlicht nicht darum herum. Er meinte dann, ich hätte das eher eskalieren sollen. Joar, weil sich mein Chef in der Vergangenheit bei Eskalationen so gut bewährt hat. „Frau Xayriel, da müssen Sie einfach energischer darauf hinweisen, wie wichtig das Thema ist, dann helfen Ihnen die IT-Kollegen auch.“ Ich kann ihn förmlich in meinem Kopf hören.

Neulich kam eine Kollegin an, die die Projektleitung für die Umzüge übernommen hatte, und meinte, sie freue sich auf den nächsten Mittwoch. Sie hätte da eine Zahnwurzelbehandlung und alles wäre besser, als hier auf Arbeit zu müssen.

Notbremse

Schrieb ich gestern noch, dass ich immerhin nicht heulend im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitze, hat sich das heute bereits überholt.

Mir geht es richtig schlecht. Obwohl alle gestern total nett waren und selbst das Personalgespräch sehr angenehm verlief, gab es zwischen den Zeilen Aussagen, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass meine Arbeitskraft überhaupt noch geschätzt wird.

Mitten in der Nacht, ich glaube, es war halb 5, bin ich heute aufgewacht und sofort stürmten die Gedanken über die Arbeit auf mich herein. Ich ging all die Gespräche der letzten Wochen und Monate in meinem Kopf durch, überlegte, was mich störte, wo die bisher übersehenen Haken lauerten. Das da Haken lauerten merkte ich daran, wie sehr mich das alles beschäftigt und an den höllischen Schmerzen in meiner rechten Schulter. Ein todsicherer Indikator, dass Dinge massiv im Argen liegen.

Am Ende kam eine Liste von Ereignissen heraus, die mich verstörte und von Weinkrämpfen geschüttelt im Bett zurück ließ. Mal schauen, ob ich das noch zusammen bekomme.

  1. Die Beschwerde über BK, besagte Kollegin, die mir wiederholt so massiv ans Bein gepinkelt hat, dass ich mich gezwungen sah, dies meinem Chef zu melden. Seine Reaktion war, dass es wohl nur daran liegt, dass die Rollen im Team nicht klar genug definiert seien und wir diese Rollen anpassen sollten. Wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht, obwohl ich der Meinung war, in meiner Email verdeutlicht zu haben, wie sehr mich diese Situation belastet.
    Bei einem Meeting wenige Zeit später, unterstellte er mir vor versammelter Mannschaft, die den Hintergrund gar nicht kannte, seltsame Befindlichkeiten in dieser Sache und forderte mich auf, diese sein zu lassen.
    Dies hat mich so sprachlos und wütend gemacht, dass ich es mir gespart habe, die ganzen Vorfälle danach, die BK verzapft hat und die negativ auf mich zurückfielen (dooferweise immer nur auf mich), zu melden, weil ich mir weitere Schmähungen in Gegenwart von Kollegen ersparen wollte. Dadurch kann aber BK jetzt quasi machen, was sie will.
  2. Das Personalgespräch wegen meiner Abwesenheiten. Mein alter Chef kannte die ganzen Hintergründe, ihm habe ich vertraut und mich auch anvertraut, warum ich jeweils ausfalle. Er weiß, dass ich trotz des Steißbeinbruchs mit extremen Schmerzen 3 Wochen auf meinem schicken Sitzkissen im Büro saß. Er weiß auch, dass ein Beinbruch beim Kind ein unvorhersehbares Ereignis ist.
    Trotzdem hätte er mir nie Drückeritis oder Faulenzerei unterstellt.
  3. Das Schöffenthema. In der Personalabteilung hat niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wie das mit den Schöffen und den Gerichtsterminen abläuft. Trotzdem wurde mir unterstellt, ich hätte mir die Termine selbst ausgesucht, hätte mir die Termine selbst so gelegt, wie ich gerne frei hätte und so weiter. Dass nichts davon in meinem Einflussbereich liegt, musste ich erst mühsam und ausführlichst erklären.
  4. Der geplante Umzug. Die Firma hat vor einem Jahr ein kleineres Konkurrenzunternehmen aufgekauft und jetzt steht die Verschmelzung der beiden Unternehmen an. Dazu gehört auch, dass Abteilungen von den beiden Standorten zusammengelegt werden. Dafür ziehen Teile der Mitarbeiter von Standort B nach Standort A und umgedreht. Es war immer geplant, dass ich bei dem Umzug mit dabei bin, um so weiter in Kontakt mit meinen alten Kollegen bleiben zu können. Diese Tatsache hat mich ein Stück weit durch den Stress getragen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen waren ein guter und willkommener Ausgleich zum Irrsinn im Büro.
    Als ich nach meiner Krankheit wiederkam, wusste niemand mehr davon, dass ich mit umziehen sollte. Stattdessen wurden Begründungen gesucht, warum es unbedingt besser ist, dass ich hier bleibe. Ich bin anderer Ansicht, aber das ändert nchts daran. In weniger als zwei Wochen werde ich das vorerst letzte Mittagessen mit meinen geliebten Kollegen haben.
  5. Die Arbeitsüberwachung. Seit zwei Monaten müssen sämtliche Mitarbeiter unserer Unternehmenseinheit ihre Arbeitszeit komplett im Ticketsystem erfassen. Alles. Die ganzen 100%. Erreichen wir die 100% nicht, gibt es einen Rüffel.
    Ich halte dies für hochgradigen Blödsinn.
    Dass man versucht, den Arbeitsaufwand in Projekten zu erfassen, ist ok. Dies wird eh meist dem Kunden in Rechnung gestellt oder kann für zukünftige Projekte als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Selbst um kurzfristig verdeutlichen zu können, wie hoch die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern generell ist, könnte man eine solche Erfassung nutzen. Es wird aber dauerhaft gefordert.
    So muss nun jeder Klogang, jedes Telefonat, jedes Emailwegsortieren erfasst werden. Ich empfinde das als Gängelei. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.
  6. Die Arbeitsbelastung. Ich erwarte von einem Chef, dass dieser grob abschätzen kann, wie viel Aufgaben pro Tag oder Woche von einem Mitarbeiter erledigt werden können. Und ich erwarte, dass wenn die Grenze erreicht ist, der Chef entsprechende Maßnahmen ergreift. Mein Chef jedoch kippt alles, was bei ihm auf dem Tisch landet, einfach bei den Mitarbeitern ab, ohne Rücksicht auf Verluste. Und beschwert sich dann, wenn Aufgaben liegen bleiben oder erst verspätet erledigt werden. Schiebt aber gleichzeitig immer noch höher priorisierte Aufgaben dazwischen, die immer gestern fertig sein müssen.
    Von Rücken frei halten, von Druck von oben wegnehmen, von schützend vor den Mitarbeiter stellen keine Spur.

All das war mir dann einfach zu viel. Ich bedauerte, dass ich freiwillig meinen Assistenzposten aufgegeben hatte. Hätte ich damals gewusst, was für Konsequenzen es haben würde, ich hätte dankend abgelehnt. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass mit mir im Zuge des Positionswechsel eine interne Probezeit vereinbart wurde, um zu schauen, ob das Thema Lizenzen überhaupt was für mich ist. Sollte sich herausstellen, dass ich ungeeignet dafür bin, könnte ich wieder zurück auf meinen alten Posten.

So führte mich heute morgen mein erster Weg zu meinem alten Chef, wo ich ihm mitteilte, dass ich die Probezeit beenden und wieder zurück will. Ich erklärte ihm die Gründe, erklärte, wie unglücklich ich bin, wie allein gelassen ich mich fühle und wie schlecht es mir geht. Dass ich derzeit keine andere Möglichkeit sehe, etwas an meiner Situation zu ändern.

Der alte Chef schüttelte nur den Kopf. Er war wütend, wie mein neuer Chef in so kurzer Zeit so viel verbrannte Erde erzeugen konnte. Er meinte, dass dies nicht nur mir so geht, sondern es an allen Ecken und Enden brennt, für die mein neuer Chef zuständig ist. Er fragte sich, was mit dem Kerl los sei. Aber am Ende war er auch ratlos. Ich kann nicht auf meinen alten Posten zurück, den hat nämlich eine andere Kollegin inne. Und im Grunde will ich ihn auch gar nicht wieder, ich mag das Lizenzthema immer noch. Ich mag es, mich in diese Themen einzuwühlen, Detektiv zu spielen, mit Zahlen zu jonglieren.

Was ich nicht mag, ist das Umfeld, das Drumherum, die Unterstellungen und die gehen eindeutig von einer Person aus. Wer sagt, ich solle mir einfach ein dickeres Fell zulegen, dem kann ich nur sagen, dass mein Fell bereits viel dicker ist als bei anderen. 3 Jahre Hotline überlebt man nur, wenn man sich ein kilometerdickes Fell wachsen lässt. Eigentlich habe ich bereits viel zu lange gewartet, habe zu lange Entschuldigungen für meinen neuen Chef gesucht, es auf die Umbruchssituation im Unternehmen geschoben, aber letztendlich waren dies nur Ausreden.

Ein mieser Chef bleibt einfach ein mieser Chef!

Am Montag nichts Neues

Oder auch: Same procedure as last monday? Same procedure as every monday.

Vor zwei Wochen hatte ich mein tolles Personalgespräch mit meinem Chef wegen meiner vielen Abwesenheiten. Ein Thema war unter anderem meine Schöffentätigkeit und die Aussage, dass ich dafür nur 3 Tage pro Jahr freigestellt werden müsste. Eine kurze Internetsuche zeigte, dass diese Aussage eher ein alternativer Fakt ist, denn der Wahrheit zu entsprechen.

Letzte Woche hatte ich es außerdem gewagt, mir 3 Tage Urlaub zu nehmen, um das Zimmer für meine Tochter einzurichten. Der Bericht dazu folgt, sobald ich den Muskelkater vergrault habe. Nach dieser erneuten Abwesenheit ging ich erwartungsfroh und mit dem Schlimmsten rechnend ins Büro.

Kurzer Einschub: Ich hatte schon einige Jobs in meinem Leben und auch welche mit echt üblen Chefs. Es gab Zeiten, da hatte ich Panik, auf Arbeit zu gehen, heulte den ganzen Weg zur Arbeit, riss meine 8 Stunden ab, heulte auf dem Weg nachhause und hatte massivste Schlafstörungen. Ich kenne die dunkle Seite und war so froh, mit dem neuen Job einen tollen Chef und nette Kollegen erwischt zu haben.

Ich ging gerne auf Arbeit. Zwar bin ich nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett gehüpft, dafür bin ich viel zu wenig Morgenmensch. Aber ich freute mich auf die Kollegen, auf die Arbeit, auf spannende Themen. Nicht jeder Tag war eitel Sonnenschein, doch die vielen guten Tage überwogen und trugen mich über solche Durststrecken.

Mit dem Wechsel zur neuen Position und mit dem neuen Chef änderte sich daran auch erstmal nichts. Ich machte weiter mein Ding, traf mich weiter mit den Kollegen zum Essen und ich freute mich sogar auf den bevorstehenden Umzug im Rahmen der Unternehmensfusion.

Das ist jetzt ganze 3 Monate her. Inzwischen kann sich niemand mehr daran erinnern, dass ich mit umziehen sollte. Ich werde also in 1-2 Wochen den direkten Kontakt zu meinen Kollegen fast vollständig verlieren und mit dem übrig gebliebenen Rest vorlieb nehmen müssen. Mein Chef verliert immer mehr den Kontakt zur Realität, was auch andere, die viel mit ihm zu tun haben, immer wieder zu spüren bekommen.

Und zu allem Überfluss habe ich heute ein erneutes Personalgespräch, diesmal direkt mit der Personalabteilung. Es geht um meine Schöffentätigkeit. Vermutlich fanden sie meine Aussage, dass Schöffen zur Ausübung der Schöffentätigkeit von der Arbeit freigestellt werden müssen und durch ihre Schöffentätigkeit keine Benachteiligung im Job erfahren dürfen, nicht so prickelnd.

Um 14 Uhr habe ich das Gespräch und bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt. Vorsichtshalber werde ich mir den Gesetztestext ausdrucken und mitnehmen.

Gerne auf Arbeit gehe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Gründe, Freude an meiner Tätigkeit zu haben, werden jeden Tag geringer. Noch ist es nicht so weit, dass ich heulend hinterm Lenkrad sitze. Heute morgen noch dachte ich mir, dass ich bis Mai durchhalten müsse, dann kriege ich vielleicht doch die Entfristung durch und dann können sie mich alle mal gern haben.

Jetzt stelle ich mir die Frage, wozu überhaupt.

P.S.: Trotz der vielen Gespräche in letzter Zeit hatte ich in den 1,5 Jahren, die ich nun hier bin, kein einziges richtiges Personalgespräch, wo die Leistung als Mitarbeiter eingeschätzt wird und Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehaltsstrukturen verhandelt werden. Kommt vielleicht nächsten Montag, wer weiß.

Verhältnismäßigkeit

Es gibt Dinge, die kriege ich nicht auf die Reihe, egal, wie sehr ich mich anstrenge oder versuche, die Perspektive zu wechseln. Dann frage ich mich, ob es mir nur allein so geht oder ob mir die geistigen Kapazitäten fehlen oder ob die Ursache nicht doch auf der Gegenseite liegt.

Immer wieder passiert mir dies bei finanziellen Dingen. Nun ist allgemein bekannt, dass wir nicht auf Rosen gebettet sind, was dieses Thema anbelangt. Wir kommen gut um die Runden, müssen nicht hungern, können uns auch mal die eine oder andere größere Anschaffung leisten und müssen nicht jeden Cent zweimal umdrehen, was ich im Allgemeinen schon als großen Luxus betrachte. Wir kennen allerdings auch die andere Seite, haben öfter mal mit sehr wenig auskommen müssen (ja, ich guck dich an, olles ALG-II) und haben nichts geschenkt bekommen bzw. alles selbst erarbeitet.

Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, jammern aber auch nicht ständig drüber. Dennoch finde ich erstaunlich, wie wenig sensibel manche damit umgehen.

Meine Tante, die Zeit ihres Lebens immer richtig gut gestellt war, alles immer nur vom Feinsten hatte, der es egal ist, ob ein 2-Kilo-Bio-Suppenhuhn 25€ auf dem Wochenmarkt kostet, fragte vor einiger Zeit an, ob wir an einem geplanten großen Familientreffen mit teilnehmen wollen. Ich wollte gerne, meinem Mann war es egal. Wir sagten allerdings auch sofort, dass es vor allem darauf ankäme, was es denn kosten solle. Ja ja, das weiß sie, entgegnete sie und schob nach, dass sie da ganz tolle und preiswerte Angebote vorliegen hätte. Sie würde sich melden, sobald sie vom Rest der Familie die Zusagen hätte.

Mir schwante da schon Böses. Einen Tag später rief sie wieder an, es gäbe da zwei Orte, ganz toll gelegen (am Arsch der Welt) und super preiswert. Das eine Hotel würde für 3 Nächte nur 400€ kosten, das andere sogar nur 380€. Immerhin für uns alle zusammen, aber mir wurde da klar, dass unser beider Vorstellungen, was preiswert ist, meilenweit auseinander liegen. Ich redete mir das schön, immerhin war es all inclusive und bei Getränken kannste auch schon mal dein Eigenheim versaufen. Da es zu Ostern sein sollte und wir wegen einer schon länger geplanten Parallelveranstaltung eh nur 2 Nächte hätten bleiben können, dachte ich, wir würden es trotzdem finanziell hinkriegen. Leider gab es aber nur 3 Nächte im Paket oder gar keine und so sagten wir das Treffen ab.

Meine Tante hat bis heute nicht verstanden, dass 400€ für ein Wochenende für uns sehr viel Geld ist.

Ein anderes Beispiel ist einer meiner Kollegen, mit denen ich neuerdings das Büro teile. Ich berichtete ihm von unseren Plänen, der Kleenen endlich ein eigenes Zimmer einzurichten. Dazu würden wir zu Ikea fahren, dort unter anderem eine Kommode in weiß kaufen und diese dann mit Klebefolie farbig aufpeppen. Alternativfarben bei dieser Kommode sind leider nur Eiche rustikal oder schwarzbraun und beides finde ich für ein Kinderzimmer unpassend, die Kommode aber vom Stil und Preis her recht ordentlich.

Er fragte mich dann, was wir genau suchen und in welcher Preisspanne und ich sagte 79€ für die Kommode plus 2x 9€ für die Klebefolie, also knapp unter 100€. Er empfahl mir ein Möbelhaus in der Nähe (keines dieser Kettendinger) und meinte, die hätten ganz tolle und preiswerte Sachen. Ich schaute mir also die Homepage an und fand tolle Möbel, alle ohne Preise. Sowas macht mich ja schon stutzig. Dann fand ich die Angebotsseite und auch eine Kommode, die in etwa meinen Vorstellungen entsprach. 50% Preisnachlass klangen hübsch, aber wenn der Ausgangspreis 895€ ist, dann ist es am Ende für uns immer noch unerschwinglich.

Entsprechend äußerte ich mich meinem Kollegen gegenüber und der schaute mich verständnislos an. Es ist doch preiswert und immerhin 50% Rabatt, meinte er. Trotzdem zu viel für uns, entgegnete ich, und fragte nach, was er denn denke, wie viel Gehalt ich bekommen würde, immerhin arbeiten wir für die gleiche Firma. Er schaute nur weiter wie ein Auto, ganz offensichtlich konnte er nicht verstehen, warum ich über 400€ für eine einzelne Kommode nicht ebenso als Schnäppchen ansah.

Beim Fußballtraining des Großen habe ich ähnliches beobachtet. Während die Jungs dem Ball hinterherjagen und die Anweisungen des Trainers ignorieren, haben wir Eltern genügend Zeit, uns zu unterhalten. Da kam dann eine Mutti an und meinte, sie müsse nächste Woche einen neuen ergonomischen Ranzen für ihr Kind holen, sie könnte da einen Rabatt bekommen, so dass der Ranzen nur noch 200 statt 230€ kosten würde. (Echt jetzt, ist das Ding vergoldet?) Ich meinte, dass ich unseren Ranzen, der in einer Aktionswoche knapp unter 100€ gekostet hatte, schon fast unverschämt teuer fand. Erzählte die Mutti, sie hätte aber bei einem Vergleichstest gelesen, dass unsere Marke total schlecht sei und nicht halten würde und überhaupt, 200€ sind ja nicht die Welt.

Neben mir, auf der anderen Seite stand eine Mutter, die seit Jahren nur von Hartz-4 lebt, jetzt eine Weiterbildung zur mobilen Altenpflegerin macht, zu der auch der Führerschein gehört. Leider ist sie beim ersten Mal durch die praktische Prüfung gefallen, weil sie so unglaublich nervös war und die jetzt verzweifelt versucht, entweder das Jobcenter zu überreden, die Kosten für die Nachprüfung zu übernehmen oder das Geld aus privaten Mitteln zusammenzukratzen und dafür ihre Familie und Freunde anbetteln muss. Für diese Frau sind 200€ im Moment tatsächlich die Welt, der Unterschied zwischen ein bisschen Wohlstand oder Armut für immer.

Wenn ich in der Fußballgruppe sage, dass ich im Winter jede Woche 12€ für das Training in einer Indoor-Sporthalle ziemlich happig finde, weil wir ja auch noch die Vereinsmitgliedsbeiträge und die Mannschaftskasse als Kosten haben, ernte ich verständnislose Blicke. Es freut mich, dass die anderen Eltern solche Geldsorgen nicht kennen, finde es aber gleichzeitig vermessen, davon auszugehen, dass es allen anderen ebenso geht.

Wie gesagt, vielleicht fehlt auch nur mir die Verhältnismäßigkeit.

Absicht

So richtig habe ich das gestrige Gespräch noch nicht verdaut. Dauernd muss ich daran denken, was das eigentliche Ziel  sein sollte. Ich habe Ewigkeiten wach gelegen und immer wieder kreisten die gleichen Fragen in meinem Kopf herum. Seltsame Träume begleiteten mich durch die Nacht, die nach nur 5 Stunden Schlaf vorbei war.

Was zur Hölle bezweckte mein Chef mit dem Gespräch? Was war die Absicht dahinter?

Wollte er wirklich herausfinden, ob eine mögliche psychologische Komponente meine Fehltage begünstigt?

Wollte er mir einen Schuss vor den Bug geben? Wollte er mich warnen, dass übermäßiges blau machen doch auffällt? Mich auf eine seltsame verschlungene Art motivieren?

Erwartet er, dass ich jetzt nicht mehr krank werde? Oder dass ich mich krank zur Arbeit schleppe, um dann hier die halbe Belegschaft anzustecken? Soll ich meine Kleene aus dem Kindergarten nehmen, damit sie dort nicht mehr den vielen Viren ausgesetzt ist? Oder meinen Großen vom Verein abmelden, um so das Risiko möglicher zukünftiger Verletzungen zu senken?

All das werde ich nicht tun. Wenn ich krank bin, bin ich krank. Wenn ihm das ärztliche Attest, dass bescheinigt, dass ich zu krank bin, um zu arbeiten, nicht ausreicht, dann ist das sein Problem. Mir hat noch nie ein Arzt den Schein ausgestellt, nur weil ich ein wenig unpässlich war.

Wenn meine Kinder krank sind, werde ich sie pflegen und zwar die jeweils 10 Tage pro Jahr, sofern nötig. Sollte eines meiner Kinder darüber hinaus ins Krankenhaus müssen, so werde ich an der Seite meiner Kinder sein und auf sie aufpassen, egal wie lange es dauert. Meine Familie ist mir hundert, tausend Mal wichtiger als irgendein Job. Und erst recht nicht mehr der aktuelle.

Wenn es meinem Chef zu unsicher ist, dann soll er sich um einen Stellvertreter oder gleich um einen vollständigen Ersatz kümmern. Ich jedenfalls werde nichts an meinem Verhalten ändern und wenn dadurch mein Vertrag nicht entfristet ist, dann ist es eben so.

Ich werde mich nicht erpressen lassen!

Panic Monday – Nachtrag

Das Gespräch war  in etwa das, was ich befürchtet hatte.

Es wurde eröffnet mit „Frau Xayriel, gibt es etwas, was wir als Unternehmen tun können, damit Sie weniger Ausfallzeiten haben?“
Eigentlich ganz nett, aber dann ging es richtig rund. Dieses Jahr hätte ich schon 23 Tage krankheitsbedingt gefehlt, letztes Jahr waren es inkl. Urlaub um die 80 Tage. Wenn man das hochrechnet, werden es dieses Jahr wohl wieder mindestens 60 Tage werden (inklusive Urlaub versteht sich). So viel Abwesenheit ist nicht hilfreich in einer solch verantwortungsvollen Position.

Ich erwiderte, dass weder das Unternehmen noch ich in der Lage sind, diese Fehlzeiten zu beeinflussen, da weder das Unternehmen noch ich vorhersehen können, wann sich eines der Kinder das Bein bricht oder wegen einer notwendigen Operation ins Krankenhaus muss oder ich mir das Steißbein breche oder einen wirklich eklig-hartnäckigen Virus einfange. Um dies zu verhindern, müsste ich ins stille Kämmerlein gesperrt werden, die Kinder dürften nicht zum Training oder in den Kindergarten und überhaupt müsste jeglicher Kontakt zur Außenwelt minimiert werden.

„Aber Frau Xayriel, Sie haben ja auch über Rückenprobleme geklagt und da wurde ja jetzt ein höhenverstellbarer Tisch bestellt.“ – „Ach, wurde das endlich gemacht?“
Das Attest des Betriebsarztes dazu hatte ich noch im alten Jahr erhalten. Ich erzählte dann, was für ein Spießrutenlauf es war, der über ein halbes Jahr dauerte, um das OK für den Tisch zu bekommen und dass, wenn man sich als Unternehmen ein wenig entgegenkommender gezeigt hätte, zwei der letztjährigen Krankheitswochen vermutlich hätten vermieden werden können.

„Aber was machen wir denn nun mit Ihnen?“
„Wenn es Ihnen zu unsicher ist, müssen Sie sich halt nach einem Ersatz umschauen. Die Ausfälle sind wie gesagt nichts, was ich beeinflussen kann oder was ich forciere. Ich sage ja meinem Kind nicht, es soll sich das Bein brechen. Und ich mache auch nicht blau, weil ich gerade keine Lust zum arbeiten habe.“
Mir war das an der Stelle echt zu dusslig.
„Das unterstellen wir Ihnen auch gar nicht.“ Der Einwurf kam einen Zacken zu zügig, um wirklich glaubhaft zu sein.

„Und dann haben Sie ja heute, direkt nach Ihrer Wiederkehr, Urlaub und Freistellungen wegen Schöffentätigkeit beantragt. Das sieht auch nicht sonderlich toll aus.“
„Ich dachte, es wäre von Vorteil, wenn ich die Termine, da sie ja nun bekannt sind, so zeitig wie möglich beantrage, damit sich alle darauf einstellen können. Immerhin sind die Gerichtstermine auch nichts, was ich beeinflussen kann, sondern die werden von außen vorgegeben.“
Dazu erklärte ich noch, dass ich mich bereits 2013 als Schöffe beworben hatte, zu einem Zeitpunkt, wo nicht mal in meinen kühnsten Träumen absehbar war, dass ich hier in dieser Firma landen würde. Mir wurde dann mitgeteilt, dass die Personalabteilung meinte, dass man für solche Tätigkeiten nur 3 Tage im Jahr freigestellt werden muss.* Worauf ich meinte, dass dies spannend ist, da niemand bei Gerichtsverfahren vorher genau sagen kann, wie viele Termine letztendlich benötigt werden und ich bei einem laufenden Verfahren nicht mittendrin sagen kann, dass ich nicht mehr mitmache kann, weil mich die Firma nicht mehr freistellt, weil dann nämlich das gesamte Verfahren neu aufgerollt werden müsste. Fand mein Chef ebenfalls nicht witzig, aber was willste machen?!

Insgesamt lief es also darauf hinaus, dass ich zu viel krank feiere. Ich denke nicht, dass damit mein Vertrag entfristet wird und jede neuerliche Krankheit wird mir über kurz oder lang wieder auf’s Brot geschmiert. Irgendwie weigere ich mich, jetzt zu hoffen und zu beten, dass weder meine Kinder noch ich erneut krank werden, weil ich das für den falschen Weg halte. Menschen werden krank, Menschen werden immer zum unpassendsten Zeitpunkt krank, Menschen haben Kinder, die krank werden, Menschen werden vom Bus angefahren.

Letztendlich fördert ein solches Verhalten doch nur, dass sich die Mitarbeiter todkrank zur Arbeit schleppen, dort die Kollegen anstecken und den Produktionsausfall potenzieren. Und es erzeugt einen Leistungsdruck, der zur innerlichen Kündigung oder zum Burn-out führt und den wieder gerade zu biegen, dauert wesentlich länger, als eine hartnäckige Grippe zu kurieren.

* Eine kurze Internetrecherche hat gezeigt, dass es da keine Begrenzung gibt. Der Arbeitgeber hat den Schöffen freizustellen und der Schöffe darf durch seine Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile erleiden. Was freue ich mich darauf, dass morgen meinem Chef zu verklickern.