Agentur für Arbeit

Obwohl es mir nicht sonderlich gut geht und mein Selbstvertrauen irgendwo um das Nulllevel herum pendelt, muss ich doch aktiv im Bewerbungsprozess sein. Einen ersten Termin beim Arbeitsamt hatte ich bereits, und wieder habe ich eine sehr nette Sachbearbeiterin zugeteilt bekommen, der das ganze Geschehen am Arsch vorbei geht, die sich aber dennoch um ihre Schützlinge bemüht.

Hintergrund der LMAA-Haltung ist, dass das hiesige Arbeitsamt nur befristete Stellen auf maximal 2 Jahre vergibt. Nach dieser Zeit ist es ausgeschlossen, sich bei irgendeiner Bundesbehörde zu bewerben. Das erklärt, warum ich jedes Mal einen neuen Sachbearbeiter kennen lernen durfte. Bei meinem Termin quatschte ich mit der Sachbearbeiterin über dies und das, weil mein Profil und meine Qualifikationen bereits fein säuberlich im Profil hinterlegt waren und die Dame außer den üblichen Belehrungen und Schriftsätzen nicht wirklich etwas zu tun hatte.

Sie plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. So war sie ebenfalls prekär beschäftigt gewesen und hatte sich beim A-Amt beworben. Die Zusage kam 4 Wochen nach der Geburt ihres 2. Kindes. Da sie Hauptverdienerin ist, musste sie zusagen, nutzte aber die gesetzliche Stillpausenregelung bis zum Erbrechen aus, wofür ich ihr den höchsten Respekt zolle. Ich hätte mir den Stress definitiv nicht angetan.

Mein Termin startete 5 Minuten später, weil sie gerade ihr 8 Monate altes Kind stillte und nicht ganz pünktlich fertig wurde. Seit wann halten sich auch Babies an Termine o.O
Sie erzählte weiter, dass die Arbeitsagentur bemüht war, die Sachbearbeiter nicht in den gleichen Postleitzahlenbereichen wie die Antragsteller zu beschäftigen, um diese vor Übergriffen von Kunden zu schützen. Blöd nur, wenn vor unserer Haustür eine PLZ-Grenze verläuft und die Sachbearbeiterin keine 200m von uns entfernt wohnt und durch das große Einkaufszentrum ums Eck sehr oft in unserer Gegend unterwegs ist.

Sie geht 35 Stunden Teilzeit arbeiten. Ein Kollege in einem benachbarten Kaff von 40k Einwohnern, geht 40 Stunden. Er hat 40 Kunden insgesamt. Sie dürfte wegen der Teilzeit nur 170 Kunden maximal bearbeiten, hat aber nach aktueller Zählung 218 Kunden. Finde den Fehler.

Sie druckte mir den ganzen Papierkram aus, gab mir ein Formular zum ausfüllen, meinte, dass wir uns wahrscheinlich nicht wiedersehen werden, weil ich bis dahin einen neuen Job hätte, aber sie auch nicht so genau hinschaue, ob ich denn alle Kriterien erfülle und alle Bewerbungen abgeschickt hätte. Sie schätzte mich dahingehend ein, dass ich mich schon aus eigenem Antrieb ausreichend bewerben würde. Sollte eine komische Stellenanzeige bei mir landen, auf die ich überhaupt nicht passe, dann sollte ich nur einen Vermerk machen, sie würde mir keine Repressalien auferlegen, da sie weiß, wie mies der Algorithmus des A-Amtes bei der Stellenauswahl ist.

Jetzt müsste ich nur noch den Antrag fürs ALG-1 stellen, aber irgendwie hoffe ich, dass ich doch noch darum herum komme. Da es aber nur noch 10 Tage sind, ist diese Hoffnung realistisch betrachtet extrem unwahrscheinlich.

P.S.: Im Verlauf des aktuellen Bewerbungsprozesses bin ich auch auf alte Bewerbungen gestoßen. Da ich, vor allem digital, nichts wegwerfen kann, habe ich sämtliche Bewerbungsanschreiben der letzten 5 Jahre archiviert. Einige davon finde ich wirklich sehr gelungen, so dass ich diese in einer eigenen Serie veröffentlichen werde.

Ihr dürft gerne raten, ob die jeweilige Bewerbung von Erfolg gekrönt war 🙂

 

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Tiefenentspannt

Vor einigen Wochen flatterte ein Brief in meinen Postkasten, dass ich mich doch bitte zur „Besprechung meiner beruflichen Situation“ beim Arbeitsamt einfinden sollte.
Heute.
Um 8 Uhr.
Morgens.

Ich tat, wie mir geheißen und war sogar überpünktlich. Als ich frierend ob der frostigen Temperaturen mitten in der Nacht vor der Agentur auf Arbeit auf Einlass wartete, verfluchte ich einmal mehr meinen neuen Ex-Chef. Ein wenig erträglicher wurde die Warterei dadurch, dass jeder einzelne der zahlreichen anderen Wartenden auch gerne ganz woanders gewesen wäre. Endlich öffnete sich die Tür und die Menge verschlafener Bittsteller strömte ins Amt.

Auf der Einladung stand, ich solle mich in Zimmer 2.2.25 einfinden, also begab ich mich in den 2. Stock, wo mich diverse Schilder zu den verschiedenen Wartebereichen lotsen wollten. Leider fand ich keinen Wartebereich, der auf mich passte, aber bei der Suche stolperte ich an einer offenen Tür vorbei, schaute aufs Türschild und da stand tatsächlich 2.2.25.

Ich klopfte an, stellte mich vor und fragte, ob ich eintreten dürfte, was bejaht wurde. Der Mitarbeiter begrüßte mich freundlich mit Handschlag. Als erstes ging er meine Arbeitslosenmeldung durch, trug fehlende Angaben nach, ließ sich meinen Personalausweis zeigen und meinte nebenbei, dass er mich deswegen so früh einbestellt hätte, weil das Service Center wohl etwas derartiges in der Akte vermerkt hat. Super, ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas in der Richtung gesagt zu haben, geschweige denn gefragt worden zu sein. Na egal, ich war ja jetzt da.

Er fragte ein wenig kryptisch, ob ich mich denn schon irgendwo beworben hätte. Ich antworte, auf 4 oder 5 Anzeigen, eine Absage, der Rest offen. Auch, dass ich diese Woche nochmal nach Stellen geschaut hätte, es da aber ganz mau aussieht, vermutlich schon das Sommerloch. Er nickte und meinte, dass es auch auf dem Amt gerade schleppend läuft, zeigte sich aber sonst hochzufrieden mit meinen Antworten.

Weiter ging es mit meinem Lebenslauf und der Frage, wann ich denn nun verfügbar sei. Im System war der 31.7. vermerkt, was ich mit der Bemerkung korrigierte, dass es der 30.6. sei, weil da die dreimonatige Kündigungsfrist endete. Das mir gekündigt wurde, war dem Bearbeiter ebenso neu wie die Tatsache, dass ich direkt nach der Elternzeit die Kündigung erhalten hatte. Dadurch machte das von meiner Arbeitsstelle geschickte Entgeltformular erst Sinn und meinen Antrag erstmal wieder hinfällig, da die Leistungsabteilung nur vollständige Anträge bearbeiten kann und dadurch bei mir noch die Bescheinigungen von Krankenkasse und Elterngeldstelle hinzukommen.

Zum wiederholten Male schüttelte der Mitarbeiter seinen Kopf wegen der Schlampigkeit des Service Centers, das einfach nur halbherzig meine Daten erfasst hatte und ich jetzt nochmals losrennen und diverse Schriftstücke besorgen muss.

Allerdings hellte sich die Miene des Bearbeiters ein wenig auf, als er sah, dass ich direkt aus der Elternzeit komme. Denn damit hätte ich Anspruch auf Eingliederungshilfe zum Berufswiedereinstieg und das heißt, ich dürfe eine Weiterbildungsmaßnahme besuchen, so ich denn wolle. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon in einem Seminar „Wie bewerbe ich mich richtig“ gelangweilt aus dem Fenster starren, aber der Mitarbeiter meinte, ich hätte ja schon ITIL v3, wie wäre es denn, wenn wir diese Schiene weiter verfolgen, bspw. mit einem PRINCE2-Seminar.

Echt jetzt? So ganz im Ernst? Als ich damals die ITIL-Schulung machte, hätte ich gerne auch PRINCE2 gemacht, weil dann diese ganze Managementgeschichte abgerundet gewesen wäre, aber ITIL war einfach zu teuer, um da noch den Prinzen hinten ran zu hängen. Das sagte ich auch dem Mitarbeiter und er rieb sich nur die Hände und meinte, ich könnte bei der alten Weiterbildungseinrichtung nachfragen, er hat da guten Kontakt hin, die sind auch ganz gut im Bilden (was ich bestätigen kann) und sie wären vom Arbeitsamt zugelassen. Er nannte noch eine zweite Einrichtung, die ich allerdings nur vom Namen her kannte. Ich könnte auch woanders hingehen, aber soweit er wüsste, bieten nur die beiden genannten den Lehrgang an.

Sobald ich von einem Institut eine Zusage hätte, müsste ich einen Termin bei ihm vereinbaren, am besten per Mail, und dann bekäme ich den Bildungsgutschein. Das wäre dann auch der Zeitpunkt, wo ich ihm eine kurze Liste mit bereits erfolgten Bewerbungen schicken soll, ich bräuchte definitiv nicht den Nachweis von 5 oder mehr Bewerbungen aller 2 Wochen oder ähnlichen Schnickschnack.

Er druckte dann noch den halben Regenwald aus, überreichte mir davon aber nur 3 Blätter, mit weniger Papierverschwendung ist das wohl nicht möglich gewesen, weil das System das nicht kann. Ich bekam also meine Wiedereingliederungsvereinbarung, das Formular zum Elterngeld und den Schrieb für die Krankenkasse. Mit den Worten, dass ich mich, außer um Lehrgang und die Formulare, um nichts mehr kümmern muss, wurde ich verabschiedet.

Joar, so entspannt kann es aufm Amt auch zugehen 🙂

No sleep till Brooklyn

Das Kindlein verweigert den Mittagsschlaf, welchen ich allerdings ganz dringend benötige, um überhaupt was gebacken zu bekommen, wie in Ruhe duschen, Behördenkram erledigen oder Monster erlegen.

Zum Thema Behörden: Letzten Dienstag habe ich mich online offiziell beim Arbeitsamt als arbeitssuchend zum 1.7.2015 gemeldet, am Donnerstag kam ein Anruf von der Agentur, wo ein paar Angaben abgefragt wurden. Es ging vor allem um meinen letzten Arbeitgeber, der der Agentur noch nicht bekannt war, alles andere wäre ja noch in meinem Profil gespeichert. Am Sonnabend kam ein dicker Umschlag mit Unmengen an Formularen, die ich doch bitte ausfüllen solle. Unter anderem wird ein kompletter Lebenslauf inklusiver sämtlicher Zeugnisse in Kopie gefordert. Und zwar bis morgen. Persönlich abzugeben oder per Post.

Geht’s noch?!

Dafür, dass ein möglicher Termin mit meinem Arbeitsvermittler frühestens im Mai kommt, finde ich den Zeitraum ein klitzekleinwenig knapp. Außerdem habe ich alle Daten elektronisch vorliegen, warum kann ich sie im digitalen Zeitalter, in dem wir uns angeblich befinden, nicht per Email schicken oder über eine Portalseite hochladen? Zumal es ja nur um die beiden letzten Arbeitgeber geht, denn alles andere sollte noch in meinem Profil hinterlegt sein.

Dann geht es morgen Vormittag zum Kinderarzt, MMR-Impfung abholen, damit wir den Kindergartenstarttermin auch wahrnehmen können. An sich wollten wir heute nachmittag zum Arzt, aber der Sturm hat uns zum Umdenken bewogen. Unterstützt wurde diese Entscheidung dadurch, dass heute nur lauwarmes Wasser aus der Leitung kam und ich eine zu große Memme bin, als das ich mich bei weniger als 38 Grad unter den Wasserstrahl stelle.

Aber sonst ist alles gut. Oder so 😉