Wer schreibt, der bleibt

Uralte Weisheit, bewahrheitet sich immer wieder 😉

Aktuell geht es dabei um ein Thema bei mir in der Firma, bei dem der Vorstand massiv drängelt, weil die involvierten Kunden so langsam ungeduldig und auch ein wenig ungehalten werden.

Letzten Donnerstag habe ich dazu bereits eine Vorlage erstellt, wo zwei Entscheidungsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen und vor allem Kosten gegenüber gestellt werden. Zumindest war das der Plan, nur scheiterte es an den Kosten. Es gibt nämlich eine spezielle Abteilung bei uns, die sich nur darum kümmert, bei verschiedensten Anbietern Angebote und Kostenvoranschläge einzuholen und nach der Entscheidung für eine Option die entsprechende Bestellung analog des Angebots auszulösen.

An sich eine feine Sache, da diese Abteilung weiß, welche Lieferanten zuverlässig sind und in der Vergangenheit gute Angebote abgegeben haben. Da es sich aber nun um ein Vorstandsthema handelte, war die Angebotseinholung ein wenig dringlicher als sonst üblich. Ich wies die zuständige Kollegin mehrmals darauf hin, aber es kam einfach ein Angebot. Stattdessen wurde mir gesagt, ich solle doch ein altes Angebot nehmen und mir die Zahlen selbst ausrechnen. Im Prinzip ja nicht der schlechteste Ansatz, nur ging es im alten Angebot um die 10-fache Bestellmenge und bei solchen Zahlen greifen eine ganze Reihe von Rabatten und Sonderkonditionen, so dass ich Gefahr lief, einen viel zu niedrigen Preis für das Projekt zu veranschlagen. Als ich das erklärte – worauf die Kollegin eigentlich auch selber hätte kommen sollen – meinte sie, sie würde nochmals nachfragen und sich dann melden, sobald das Angebot da wäre.

Eine Woche später gab es immer noch kein Angebot und mittlerweile eskalierte die Situation. Der Vorstand rief mich persönlich an, ich rief meinen Chef an, wir riefen die Beschaffung an, der Vorstand rief mich erneut an, mein Chef rief den Vorstand an und am Ende bekam ich eine Mail mit dem bereits bekannten alten Angebot und der Aufforderung, doch einfach 5% auf die Preise drauf zu schlagen.

Fand ich jetzt immer noch äußerst suboptimal, aber bevor mich der Vorstand ein drittes Mal anruft, schrieb ich die Vorlage fertig und schickte sie direkt zum Vorstand.

Keine Minute später stand der Auftraggeber für das Projekt bei mir im Büro und wollte wissen, warum das Ganze so lange gedauert hat. Und weil ich zum Glück eben nicht nur alles telefonisch geregelt, sondern auch hin und wieder eine Email geschrieben hatte, konnte ich lückenlos nachweisen, dass unsere Abteilung alle Aufgaben zeitnah erledigt sowie alle Beteiligten über den jeweils aktuellen Stand informiert hatte.

Nur schade, dass der Vorstand mich jetzt als Ansprechpartner auf dem Schirm hat, ich wäre gerne noch eine ganze Weile unerkannt unterm Radar geflogen. Macht das Leben wesentlich ruhiger und außerdem krieg ich viel zu wenig Geld, um in solchen Situationen freiwillig meinen Kopf hinzuhalten 😉

Und jetzt?

Gut Ding will Weile haben, heißt es so schön, doch nicht alles, was lange dauert, wird am Ende gut.

Aktuelles Beispiel ist meine momentane Stellensuche. Vor 5 Wochen werde ich per Xing von einem Personalvermittler kontaktiert, er hätte da eine Stelle und ich würde vom Profil her ganz gut darauf passen.

Da ich Xing eher stiefmütterlich behandle, sehe ich erst eine Woche später die Anfrage und frage nach, ob die Stelle denn noch zu vergeben ist. Der Vermittler meldet sich sofort und bejaht. Wir telefonieren eine halbe Stunde später, er beschreibt die Stelle – IT-Assistenz, genauso wie meine alte Stelle – und ich bekunde mein Interesse. Er möchte meine Bewerbungsunterlagen haben, da ich aber gerade in einem Weiterbildungsseminar sitze, kann ich sie ihm erst am Abend per Email schicken.

Wir telefonieren am nächsten Tag erneut, er ist völlig begeistert von meinem Profil und meint, dass das 100%ig auf die Stelle passt und er würde so schnell wie möglich ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. So schnell wie möglich dauert eine gute Woche, in der Zwischenzeit melden sich zwei andere Personalvermittler mit aussichtsreichen Angeboten und ich grübel mal wieder, welches ich denn am liebsten nehmen würde. Seltsamerweise ist das erste Angebot auf dem letzten Platz, aber bis ich das Vorstellungsgespräch bekomme, haben sich die beiden favorisierten Offerten zerschlagen, so dass es ganz plötzlich zur Nummer 1 wird.

Vor dem Gespräch erhalte ich vom Personalvermittler das ausführliche Stellenprofil und noch ein paar allgemeine Tipps fürs Bewerbungsgespräch (viel lächeln, gut zuhören, Interesse zeigen, ordentlich anziehen, etc.). Als ich das Profil lese, merke ich, dass da eigentlich nur eine bessere Sekretärin gesucht wird und mein Interesse sinkt weiter. Mit wenig Enthusiasmus gehe ich ins Gespräch, ich kann mir ja wenigstens anhören, was sie anzubieten haben und vielleicht kann ich nach Entwicklungs-/Aufstiegschancen fragen. Wie erwartet läuft das Gespräch prächtig, die beiden Interviewer sind unglaublich sympathisch und nach Aussage des It-Leiters hat die Stelle durchaus Potential. Wir reden über die Vertragskonditionen, meinen Gehaltswunsch und die gewünschten Urlaubstage. In meinem alten Job hatte ich € 2.900 und 30 Tage Urlaub. Im neuen Job hätte ich gerne eine 3 als erste Ziffer und standardmäßig gibt es 26 Tage Urlaub, welche ich gerne auf 28 erhöht haben möchte.

Sie wollen sehen, was sie tun können und sie melden sich in spätestens 1,5 Wochen bei mir.

Der Personalvermittler ruft mich am nächsten Morgen an, er hätte mit der Personalchefin der Firma gesprochen und ganz grundsätzlich wollen sie mich haben, nur hapert es derzeit an den Konditionen, denn die Stelle war grundsätzlich für eine bessere Sekretärin ausgeschrieben und für meinen Gehaltswunsch reicht das interne Budget nicht aus. Die Chefin würde aber versuchen, da noch was zu drehen, kann aber nicht sagen, was und wann das sein wird. Mein zwischenzeitlich aufgeflackertes Interesse sinkt wieder, obwohl der Personalvermittler mir immer wieder versucht, die Vorteile des Jobs schmackhaft zu machen. Job-Ticket, subventioniertes Kantinenessen, kostenlose Softgetränke, Sportangebote, Physio, usw. Find ich alles toll, nur wird sowas bei meinem Rentenbescheid nicht berücksichtigt und im Alter subventioniert mir niemand Essen auf Rädern, was ich so auch dem Personaler sage.

Irgendwie war jedoch das Gespräch wirklich gut und es wirkt nach und ich finde es schon schmeichelhaft, dass da intern so für mich geackert wird. Zwischenzeitlich ist sogar ein weiteres Gespräch geplant, diesmal mit dem Vorstand, damit der die fehlenden Mittel im Budget freigibt. Da der Vorstand aber frühestens Mitte Oktober freie Termine für ein solches Gespräch hätte, ich aber möglichst am 1. Oktober anfangen soll, wird die Idee wieder verworfen.

In der Zwischenzeit überlege ich, wo meine persönlichen Grenzen sind, da es mit der 3 definitiv nichts wird. 2.7 in der Probezeit und 2.9 danach sind so meine internen Orientierungsmarken und ich finde das angemessen. Studienabschluss, über 10 Jahre einschlägige Berufserfahrung in unterschiedlichsten Branchen, diverse Zertifikate und ganz brauchbare Softskills sollten ihren Preis haben und ganz so unter Wert möchte ich mich nicht verkaufen.

Das finale Angebot sollte mir heute vorgelegt werden und gerade bekam ich den Anruf vom Personalvermittler und er teilte mir die Eckdaten mit:
2.5 in der Probezeit, 2.7 danach, ein auf zwei Jahre befristeter Arbeitsvertrag*, 26 Tage Urlaub, wobei der Vorstand Heiligabend und Silvester den Angestellten „schenkt“, was nach Aussage des Personalers +2 Urlaubstage macht. (Natürlich wurde wieder das subventionierte Essen und die Freigetränke erwähnt. Dass Heiligabend und Silvester von Haus aus nur als halbe Urlaubstage zählen, hat er gekonnt unter den Tisch fallen lassen.)

Hmpf!

Das Angebot ist schon deutlich unter meinen Marken, aber wiederum nicht so weit weg, dass ich nicht wenigstens drüber nachdenke. Ich hatte mir vorher schon überlegt, dass ich den Job erstmal mache, auch wenn es nicht die erste Wahl ist. Zum einen um dieses leidige und psychisch stressende Thema Bewerbungen vom Tisch zu haben. Zum anderen um nach guten 2 Jahren „Arbeitslosigkeit“ (Beschäftigungsverbot, Mutterschutz, Elternzeit und echte Arbeitslosigkeit läppern sich eben) den Einstieg ins Arbeitsleben nicht gleich mit durchgetretenem Gaspedal schaffen zu müssen und vielleicht auch, um noch ein wenig mental zu gesunden, was bei einem richtig anspruchsvollen Job im Projektgeschäft oder als Teamleiter eher schwierig werden dürfte.

Nun sitzen also Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern und beide flüstern mir permanent Ja oder Nein ins Ohr. Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein. Ja. Nein. Ich mein, Jein!

Vermutlich werde ich es wie beim letzten Mal machen, als mir 2.5 angeboten wurden. Ich nehm den Job an, werde schauen, wie sich die Dinge entwickeln und gleichzeitig der DIS AG Bescheid geben, bei interessanten Angeboten doch bitte an mich zu denken.

Wie würdet ihr euch entscheiden? Oder wart ihr selber schon mal in so einer Situation, wie habt ihr euch da verhalten und wie ist es ausgegangen?

* Die Firma gibt grundsätzlich nur befristete Verträge, wandelt diese aber im Allgemeinen nach einem Jahr in unbefristete Verträge um, wenn der Arbeitnehmer sich bewährt hat.

Pattsituation

Seit dem letzten Update zur Anwaltsgeschichte ist es ja schon eine Weile her, was aber nicht heißt, dass in der Zwischenzeit nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil.

Nachdem die Gegenseite mit einem um 850 Euro höheren Angebot um die Ecke kam, hatte ich mit meiner Anwältin verabredet, dass sie mit der gegnerischen Anwältin telefoniert und versucht, auf dem kleinen Dienstweg eine höhere Abfindung herauszuschlagen. Wir waren zuversichtlich, dass wenn angedeutet würde, dass wir durch meine Rechtsschutzversicherung ohne Kostenrisiko noch eine ganze Weile weitermachen können, dass sich die Gegenseite kooperativer zeigen würde.

Leider tat sie es gar nicht, sondern deutete im Gegenzug an, dass auch bei Klageerhebung keine höhere Abfindung drin ist. Entweder ich nehme das Angebot bis Ende des Monats an, oder es verfällt und wir sehen uns vor Gericht wieder. Rechtssachen sind immer so kompliziert und vielschichtig und so verabredete ich mit meiner Anwältin einen Termin für heute Vormittag, bei dem wir unsere Optionen besprechen wollten.

Sie erklärte mir heute sehr ausführlich die verbleibenden Möglichkeiten und so viele sind derzeit gar nicht mehr. Entweder ich nehme das Angebot an oder ich klage auf Wiedereinstellung.

Klage ich auf Wiedereinstellung, kommt es zunächst zu einer Güteverhandlung, wo der Richter versucht, beide Seiten zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen. Hat dies keinen Erfolg, so hat die Gegenseite 4 Wochen Zeit, sich schriftlich zum Sachverhalt zu äußern. Danach haben wir wiederum 4 Wochen Zeit, um auf dieses Schreiben zu antworten. (Kann auch andersherum sein, das weiß ich jetzt nicht mehr.) Danach wird die erste Verhandlung vorm Arbeitsgericht angesetzt, typischerweise 3-6 Monate später, je nach Auslastung des Richters. Dann wird verhandelt und ein Urteil gesprochen.

Auch hier wieder nur 2 Optionen. Wir verlieren. Pech gehabt. Außer Spesen nichts gewesen, aber ich dürfte meine Abfindung behalten.
Wir gewinnen. Yeah. Ich werde wieder eingestellt, muss meine Abfindung zurückzahlen und darf wieder arbeiten gehen. Was vermutlich in einen täglichen Spießrutenlauf auf Arbeit münden wird, bei dem ich sehr wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit mit Burnout durch Mobbing von selbst kündigen werde. So sind zumindest die Erfahrungen der Anwältin und ich denke, sie hat recht. Die Firma ist nicht so groß, dass ich in der Anonymität der Masse untergehen werden, aber leider auch nicht so klein, dass die Anwalts- und Gerichtskosten irgendwie weh tun, da sie vermutlich eh aus der Portokasse gezahlt werden.

Grundsätzlich waren wir uns einig, dass wir die Wiedereinstellung nicht wollen. So wie das Unternehmen die letzten Monate mit mir umgegangen ist und die Lügen und Schmähungen in den Anwaltsbriefen sind ein sehr deutliches Signal, was sie wirklich von mir halten und das muss ich mir echt nicht geben.

Bleibt im Endeffekt nur noch, das Angebot anzunehmen, auf die Ausstellung eines Zeugnisses analog zu meinem Zwischenzeugnis zu pochen und die Geschichte abzuhaken. Ist nicht ganz das erhoffte Ergebnis, aber trotzdem besser als nichts und ich habe die Hoffnung, dass ich sie vielleicht doch ein klein wenig ärgern und ihnen Zeit rauben konnte.

Was aber als große Erkenntnis bleibt ist, dass ich in Zukunft bei einer Kündigung, egal aus welchem Grund, sofort zur Anwältin gehe. Denn sie erklärte, dass wenn ich sofort gekommen wäre, hätten wir ganz andere Möglichkeiten und viel bessere Erfolgsaussichten gehabt. Die Kündigung mit der freiwillig angebotenen Abfindung, die überhaupt nicht gezahlt hätte werden müssen, ist ein Köder, der an sich Unstimmigkeiten bei der Kündigung bzw. dem Kündigungsgrund überdecken sollte. Sie wird bei solchen Kündigungen immer sehr misstrauisch. Außerdem liegt dann in dem Fall die Beweislast beim Unternehmen und nicht wie im aktuellen Fall bei uns. Wir hätten uns entspannt zurücklehnen können und die Gegenseite hätte ackern müssen.

Und ich Depp hab den Köder bereitwillig geschluckt 😦

Nun also nach vorne schauen, wo gerade 3 vielversprechende Angebote am Horizont heraufziehen. Vielleicht kann ich ja pünktlich zu meiner 2. Prüfung auch noch ein weiteres Erfolgserlebnis vermelden! Oder ich versemmel die Prüfung und die Angebote lösen sich in Luft auf. Wär ja typisch …

Strategieplanung

So langsam komme ich in die heiße Phase, mich tatsächlich auf erste Jobangebote zu bewerben, was wiederum in Vorstellungsgesprächen münden kann. Das jedoch bringt mich zur Frage, wie ich ganz generell diese Bewerbungsphase angehe.

Ganz aktuell hab ich ein wenig so eine „leck mich am Arsch“-Stimmung. Nicht, dass mir ein neuer Job egal wäre, aber ich habe keine Lust auf diese Schauspielerei, dieses Hochglanzprospektwerben in eigener Sache.

„Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben?“ – „Weil ich Geld brauche, um die Miete zu bezahlen.“

„Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ – „Ich weiß noch nicht mal, was ich zum Mittagessen haben möchte.“

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf.“ – „Ja, war geil.“

„Warum haben Sie ihre Kinder nicht im Lebenslauf erwähnt?“ – „Weil diese nicht die nötigen Qualifikationen haben.“

Einerseits könnte das funktionieren, weil es eben nicht das 0815-Standardgeschwurbel eines jeden Bewerbers ist, andererseits kann es auch potentielle Arbeitgeber verschrecken.

Gerade heute bekam ich per Xing folgendes Angebot:

Incident Manager (m/w)

Aufgaben
– 1st level support
– Service Level Management
– Definition, Weiterleitung und Überwachung der eingehenden Tickets laut endsprechender SLAs
– Kategorisierung und Priorisierung
– Reporting
– Initiierung der Abrechnung

Ihr Profil
– Erste Erfahrungen im Arbeiten mit SLM / SLA
– wünschenswert, aber nicht zwingend sind ITIL Kenntnisse
– Erfahrung im Bereich Support
– Organisationstalent

Ihr potentieller zukünftiger Arbeitgeber bietet Ihnen einen hochmodernen, top ausgestatteten Arbeitsplatz und ein inspirierendes Umfeld.

Ernsthaft jetzt? Da wird nicht mal eine abgeschlossene, wie auch immer geartete Ausbildung verlangt, und der Recruiter erwartet, dass ich mit abgeschlossenem Studium, 10 Jahren Berufserfahrung, ITIL v3 Expert Zertifikat UND Festanstellung (auf Xing steht ja nix von meiner Kündigung) darauf eingehe? Ich habe freundlich, aber bestimmt abgelehnt.

Vermutlich werde ich zukünftig einfach improvisieren, je nachdem, wie sympathisch mir das Angebot und die Interviewer sind. Und sollte ich das Gefühl haben, mich zu sehr verbiegen zu müssen, um einigermaßen zu passen, werde ich wohl die gewagteren Antworten probieren, verlieren kann ich dann bei dem Arbeitgeber eh nix mehr.

Wie sind eure Erfahrungen? Welche Strategien habt ihr und wie erfolgreich waren diese?

Ikea

Ausflüge zu Ikea sind bei uns in den letzten Jahren immer spannend, was vielleicht auch daran liegt, dass der Anfahrtsweg so unglaublich lang ist und wir erst jedesmal eine gute halbe Stunde quer durch die Stadt müssen. Als ich noch im Südwesten der Republik wohnte und ein Ikea direkt neben meinem 10-minütigen Arbeitsweg hatte, gab es nie solche Dramen.

Das letzte Ereignis dieser Art gab es vor knapp 1,5 Jahren und trug sich so zu:

Eigentlich wollten wir ja nur kurz zu Ikea. Eigentlich!

Wir haben auch alles generalstabsmäßig vorbereitet:
Einkaufsliste online zusammengestellt und ausgedruckt, Fahrer mit Kombi und Anhänger organisiert, Wohnungsverwaltung bequatscht, dass wir eher in die Wohnung dürfen, 10%-Rabattaktion beim Schweden.

Tja, aber es gibt Dinge, die kann man einfach nicht beeinflussen. Zum Beispiel, dass just an diesem Tag Coldplay in der Stadt spielt und die komplette Innenstadt durch Besucherverkehr lahmgelegt und die direkte Schwedenzufahrt gesperrt ist. Oder dass die einzige andere Ausfallstraße zu den 4 gelben Buchstaben wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Oder aber dass im Möbelhaus selbst so ein Andrang herrscht, dass wir erst eine geraume Weile suchen mussten, bis wir einen freien, hilfsbereiten Mitarbeiter gefunden haben. Oder dass es so voll war, dass wir eine halbe Stunde allein an der Kasse gestanden haben, nur um dann festzustellen, dass die Rabattaktion einen eher fauligen Beigeschmack hat. Denn anstatt 10% vom Kaufpreis erlassen zu kriegen, gibt es nur einen Aktionsgutschein mit den 10% – und der ist sage und schreibe 6 Monate gültig. Na klar, nachdem ich da 3 Einkaufswagen vollgekracht habe, gehe ich die nächsten 6 Monate garantiert wieder zu Ikea. Soviel Wohnung haben wir gar nicht. Also ein wenig den Aufstand geprobt mit dem Erfolg, den Aktionsgutschein in einen normalen, 3 Jahre gültigen Gutschein umgewandelt zu haben.

Doch der Lichtblick war nur von kurzer Dauer, denn an der Warenausgabe haben wir nochmal 45 Minuten gewartet. Da waren die leckeren Hotdogs nur ein kleiner Trost. Als dann die Waren kamen, dachte ich sofort an Mission Impossible. Nach einer ausgiebigen Expertenrunde Tetris war dann doch alles auf die 2 Autos und den Anhänger verteilt, und kurz vor 22:30 Uhr konnten wir dann wieder Richtung Heimat. Aber kaum sind wir losgefahren, fing es an zu regnen – und das bei einem offenen Anhänger und den praktischen Pappverpackungen von Ikea. Passt! Dass sich nach 3 Kilometern der erste Spanngurt löste, ist da nur eine Randnotiz. Zurück in der Stadt haben wir den ausfallenden Besucherverkehr des Abends nur um Haaresbreite verpasst, war aber trotzdem noch nervig durch die Streckensperrungen.

Der Rest ging dann zum Glück aber glatt, und auch der Kleene hat die ganze Zeit ganz lieb mitgemacht, nicht gezickt und nur ganz wenig gejammert. Er hat mich richtig stolz gemacht!

Den erwähnten Gutschein hatten wir immer noch, weswegen ich auch einigermaßen optimistisch war, was den Kostenfaktor der heutigen Aktion anging. Aber Ikea wäre nicht Ikea, wenn nicht doch der eine oder andere ungeplante Gegenstand im Einkaufswagen landete. Überhaupt bestand das Erlebnis heute aus vornehmlich ungeplanten Sachen.

So verschob sich meine Abfahrt durch diverse unvorhergesehene Dinge um gute 2 Stunden, so dass ich spontan beschloss, Mann und Kind als Einkaufsberater mitzunehmen. Außerdem könnten wir so auch das „was gibt’s eigentlich zum Abendbrot“ Problem erledigen. Mit Mann also Treffpunkt verabredet und zum Auto gelaufen. Den Schnee vom Auto gekehrt und festgestellt, dass unter dem Schnee ein dicker Eispanzer matt glänzte. Ein bisschen auf dem Panzer rumgekratzt, aber fast nix bewirkt. Ins Auto gesetzt, dem Gatten eine SMS geschrieben, dass ich mich ein wenig verspäte, dann verbotenerweise das Auto angelassen und die Heizung auf höchste Stufe gedreht. Wieder ausgestiegen und weiter gekratzt. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich erste Löcher im Eispanzer und dann ging das mit dem Kratzen eigentlich recht fix. Trotzdem rechnete ich mit einem grummelnden, durchgefrorenen Mann am Treffpunkt.

Er hat zwar gegrummelt und ihm war auch kalt, aber das hatte ich schon schlimmer erlebt. Kind schnell vom Kindergarten abgeholt und dann ab ins Möbelhaus. Dort angekommen durch die Ausstellung gebummelt und meine Einkaufsliste versucht, abzuhaken, was vor allem dadurch erschwert wurde, dass es das Antonius-Regalsystem nicht mehr im Sortiment gab. Entweder die Ausweichvariante oder aber improvisieren und bis zur Warenhalle schaute ich hier und da und begutachtete andere Regale und Schränke und grübelte darüber nach.

Beim Essen wälzte ich den Katalog, was aber überhaupt nicht hilfreich war, weil ich da drin nix gefunden habe. Dann die Kinderabteilung, wo zwar das gewünschte Babybett, aber leider nicht die gewünschte Matratze ausgestellt war. Das Mobile, was ich eigentlich haben wollte, gab es auch nicht. Dann noch durch die Markthalle, wo ich mir noch eine Garnitur Teelöffel holen wollte. Gab es nur nicht. Überhaupt war die Besteckabteilung sehr enttäuschend, das hatte ich schon anders erlebt. Dafür haben wir aber die gewünschten Teller und Schüsseln bekommen. Wir brauchten dringend Ersatz, zwei Katzen und ein Kind sind nicht unbedingt förderlich für den Geschirrbestand. Als Belohnung für uns Großen gab es jeweils noch einen großen Teepot, falls mal wieder einer kaputt gehen sollte.
Und fürs Kind, was wirklich ganz tapfer mitgemacht hat, gibt es morgen (heute war es dafür schon zu spät) als Belohnung eine Zickzackschere.

Zum Glück haben wir alle Möbel in der Warenhalle gefunden und mussten nicht noch extra zur Warenausgabe. Dann schnell zur Kasse, alles eingescannt und beim Gesamtpreis kurz einen Herzstillstand bekommen, da wir minimal ein wenig ganz schön über das angepeilte Ziel hinausgeschossen sind. Der Gutschein hat den Schock ein wenig abgemildert, doch hatte ich eigentlich mit weniger gerechnet. Letztendlich sind die Ausgaben genau im Rahmen, ich hatte nur bei der ursprünglichen Planung vergessen, zwei CD-Regale mit einzurechnen und das war genau der Betrag vom Gutschein. Nun ja, irgendwas ist immer.

Alles relativ problemlos im Auto verstaut und ab nach Hause. Im Schneckentempo. Denn es hatte angefangen leicht zu schneien. Und bei uns im Flachland bedeutet eine Schneeflocke automatisch den Notstand. Irgendwann hatten wir es dann doch geschafft, mein Mann schleppte brav alles nach oben, während ich das Kind bettfertig machte. Und jetzt lungern wir beide auf der Couch, unwillig, uns überhaupt noch einen Zentimeter zu bewegen.

Nun hoffe ich, dass ich nix vergessen hab und nicht so bald wieder dahin muss.