Wenn sich eine Tür schließt …

… öffnet sich eine andere.

Es sei denn, man sitzt im Gefängnis, da sind die Aussichten dann eher trüb.

Oder wie ich gerne sage: Für irgendwas wird es schon gut sein.


Vor 11 Jahren nahm ich einen Job in meiner Heimatstadt an, um nach Jahren im imperialistischen Exil wenigstens wieder in meinem Heimatland arbeiten zu können. Ich war frisch verheiratet und hatte die Nase von Wochenendbeziehungen gründlich voll. Doch leider war die Anstellung nicht von Dauer, denn der Firma fiel nichts anderes ein, als mich als Consultant durch die Weltgeschichte zu schicken. Die Grundsituation war also die gleiche, nur dass ich dafür mehr Geld bekam.

Da dies zu den Hochzeiten meiner damals noch unbehandelten Depressionen war, bat ich darum, nach einem Jahr aus dem Arbeitsvertrag entlassen zu werden. Während des kurzen Intermezzo hatte ich aus Gewohnheit die mir besser bekannten Kollegen im Xing als Kontakte hinzugefügt.

Dann war ich erstmal eine ganze Weile mit mir beschäftigt, machte diverse Therapien, bekam das große Kind, fand einen Job und stieg wieder ins Arbeitsleben ein. Dass dies ein wenig turbulenter war, als ich es gerne gehabt hätte, ist hinlänglich bekannt.

Als ich meine letzte Stelle antrat, änderte ich auch auf Xing wie üblich meine Daten und fügte den neuen Arbeitgeber hinzu. Kurz darauf kontaktierte mich ein Kollege von damals und meinte, dass die Firma einen sehr dubiosen Ruf hätte und mit eher unlauteren Mitteln Geld verdienen würde. Ich horchte auf, forschte im Unternehmen nach und fand heraus, dass die „unlauteren“ Mittel das Geschäftsmodell war und sämtliche Kunden darüber Bescheid wussten.
Ich antwortete dem Kollegen entsprechend und vergaß ihn wie schon zuvor.

Mein nächstes Xing-Update rief wieder jenen Kollegen auf den Plan. Mit Begeisterung sah er, dass ich mich mit dem Thema Datenschutz, Informationssicherheit und ISO 27001 befasste. Er wollte mich für sein Unternehmen abwerben, ich hingegen wollte in diesem umfangreichen und recht unübersichtlichen Themengebiet Erfahrungen sammeln. Wenn wir mit der Zertifizierung durch wären, würde ich mich wieder melden, sagte ich ihm.

Anfang des Jahres, als die Situation unerträglich wurde, nahm zur Abwechslung ich Kontakt zum Kollegen auf und fragte, ob denn sein Angebot noch stehen würde. Kurz darauf trafen wir uns zu einem informellen Gespräch, plauderten über alte Zeiten, er stellte die Firma vor und meinte, dass ich mit meinem Profil ganz gut reinpassen würde.

Ich schöpfte Hoffnung, dass ich sehr bald schon nicht mehr in die alte Firma müsse, sondern mich in einer geordneten Umgebung diesem spannenden Thema widmen könnte.
Aber, natürlich, kam wenig später der Anruf des Kollegen, dass die Firma derzeit umstrukturiert würde (wie ich dieses Wort mittlerweile hasse) und man augenblicklich nicht abschätzen könne, wie lange der Umbau dauere und wie danach der Personalbedarf aussieht. Dennoch habe er mein Profil dem Geschäftsführer vorgelegt, bitte aber um Geduld, er würde sich wieder melden.

Während sich mein befristeter Vertrag dem Ende neigte, fragte ich vorsichtig nach, wie denn die Umbauarbeiten voran gingen. Es wurde nach wie vor gebaut. Ich machte gedanklich einen Haken an die ganze Sache und widmete mich intensiv dem Bewerbungen schreiben. Es gab diverse Angebote, seltsamerweise war die Stellenbörse des Jobcenters die beste Quelle, ich wurde zu vielen Vorstellungsgesprächen eingeladen und bekam aus diesen oder jenen Gründen eine Absage.

Dann kam die Horrorwoche, in der sich mein Opa am Sonnabend umbrachte, am Montag mein Großer auf dem Heimweg vom Hort von einem Junkie überfallen wurde, der ihm den Ranzen klauen wollte und in der ich am Dienstag die niederschmetternde Absage für die Traumstelle bekam. In dieses ganze Chaos hinein bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von eben jenem Kollegen, dass der Umbau abgeschlossen und die Stelle, für die er mich im Auge hatte, jetzt von der Geschäftsführung frei gegeben worden sei. Aber vermutlich wäre er eh schon zu spät dran.

Als ob! Ich konnte aber in der ganzen Aufregung nur kurz zurückschreiben, dass meine Welt gerade im Chaos versinkt und ich mich in 2 Tagen melden würde, wenn ich halbwegs wieder geradeaus denken könnte. Und dass er noch nicht zu spät sei.

Am nächsten Tag kam erneut eine Nachricht, ob ich denn am nächsten Dienstag zwischen 10 und 14 Uhr Zeit hätte. Hatte ich, aber nur zwischen 10 und 12 Uhr, da ich um 14 Uhr ein Vorstellungsgespräch hätte, was ich natürlich nicht sagte.
Daraufhin wurde ich für 11 Uhr zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer und Kollegen eingeladen.

Der Dienstag kam, ich packte es gerade noch so pünktlich zum Termin und wurde direkt vom Geschäftsführer in Empfang genommen. Von meinem Kollegen keine Spur, ich war also auf mich allein gestellt. Was aber gar nicht schlimm war, da mein Gegenüber ein sehr angenehmer Gesprächspartner war, mit dem ich über eine Stunde lang plauderte, über meinen Werdegang, die Irrungen und Wirrungen in meinem Lebenslauf, die Herausforderungen auf einem sich ständig wandelnden Markt und sogar privaten Kram.

Die Chemie stimmte auf Anhieb, wie man so schön sagt. Das Beste war allerdings, dass mein kleinteiliger Lebenslauf mal nicht als Nachteil, sondern als absoluter Vorteil angesehen wurde. Der Geschäftsführer sah mich in der Position einer über allen Abteilungen stehenden Stabsstelle, die sich alle Prozesse und Abläufe im Unternehmen anschauen und diese ordnen würde. Zwar seien seine Mitarbeiter hochmotiviert und super qualifiziert, doch fehle ihnen der Blick für das große Ganze. Auch sei die Vernetzung zwischen den einzelnen Abteilungen noch ausbaufähig, denn es sei häufiger so, dass für kurze Zeit in einer Abteilung der absolute Notstand herrscht, während sich nebenan die Mitarbeiter gerade langweilen. Da wäre es doch super praktisch, wenn man die Auslastung gleichmäßiger auf alle Mitarbeiter verteilen könnte, aber das ginge eben nur, wenn jemand den Überblick über alles hätte.

Und genau da sähe er mich.

Und ich mich irgendwie auch.

Vom Klang her wäre das genau was für mich. Ich bin in dem Sinne kein Spezialist, sondern eher Generalist. Ich kann vieles gut, aber nichts sehr gut. Ich mag das themenübergreifende Arbeiten und ich liebe es, zu abstrahieren und auch zu improvisieren. Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, miteinander zu kombinieren.

Leider war das Gespräch zu schnell zu Ende, da der Geschäftsführer bereits den nächsten Termin hatte. Er würde sich aber am Montag melden und mir dann auch genau sagen können, wie die Stelle heißt und mit welchem Gehalt ich rechnen könnte. Vielleicht würde es auch eine etwas andere Stellenbeschreibung als die, über die wir uns unterhalten hätten, er müsse darüber noch nachdenken. Auf jeden Fall würde ich aber sehr gut passen.

Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Klar war ich super erfreut, das alles zu hören, aber gefeiert wird erst, wenn die dicke Dame singt.

Mein Kollege erkundigte sich noch kurz bei mir, wie es gelaufen ist und zeigte sich ebenfalls hoch erfreut.

Ich ging heim und bereitete mich auf das nächste Vorstellungsgespräch vor, welches ich meiner Meinung nach völlig verkackte, mit totalem Blackout und Gestammel über ein Thema, in dem ich sonst sehr sicher bin. Abends war noch Weihnachtsbasteln in der Schule, wo ich mich mit meiner seit 2 Wochen andauernden, richtig fiesen Erkältung hinschleppte. Für Euphorie blieb da kein Platz mehr.

Am Donnerstag bekam ich zuerst einen Anruf, dass ein Vorstellungs-/Sondierungsgespräch mittelprächtig erfolgreich war und ich für eine, aber nicht meine gewünschte, Stelle in Frage käme. Wenn ich Interesse hätte, sollte ich mich melden und ich würde erneut eingeladen.
Kurz danach rief mich meine Personalvermittlerin an und meinte, das Gespräch, bei dem ich dachte, ich hätte es verkorkst, sei erfolgreich gewesen und ich würde am Mittwoch zu einem zweiten Gespräch eingeladen.

Ich sagte zu allem Ja und Amen, schließlich war meine Unterschrift unter keinen Arbeitsvertrag gekritzelt. Und es gibt ja immer noch die berühmten kotzenden Gäule in der näheren Umgebung von legalen Drogenhändlern.

Der Montag kam und ging, ohne dass ich eine Nachricht erhalten hatte. Ich machte mir Sorgen. Am Dienstag fragte ich bei meinem Kollegen nach, ob er mal beim Geschäftsführer vorsichtig nachhaken könne, was denn nun sei und ich bekam als Antwort, dass der Entscheider krank wäre. Also weiter warten. Am Mittwoch hakte ich nochmals nach und bekam als Antwort: „Vertragserstellung ist im Innendienst angeschoben.“

Ein leises Jubeln meinerseits.

Am Wochenende darauf bekam ich per Email den Vertragsentwurf zugeschickt. Sah alles soweit richtig gut aus. Das Gehalt war ein klein wenig geringer als gewünscht, aber immer noch mehr, als ich je zuvor irgendwo verdient hatte. Leider waren die Urlaubstage nur mit 25 angegeben. Schon ein bissl mickrig. Ich konsultierte meine Freunde, wie ich es am cleversten anstellen sollte und sie meinten, ich sollte schlicht nach mehr fragen.

Was ich dann auch tat, mit dem Hinweis, dass meine letzten Verträge alle mindestens 28 Tage Urlaub hatten. Ist nur so halb geflunkert, denn beim Radio hatte ich 30, bei der letzten Firma 26, gibt im Durchschnitt 28 😉

Knapp eine Stunde später kam per Email die Antwort, dass die Urlaubstage im Vertrag auf 28 geändert würden und der Vertrag sich demnächst per Post zu mir auf dem Weg befände.

Uff, das war einfacher als gedacht.

So wartete ich nun auch den Arbeitsvertrag, schrieb weiter Bewerbungen und sah nebenbei eine Sendung, bei der erklärt wurden, dass Pferde aufgrund ihrer Anatomie eher seltenst kotzen würden, es aber auch kein nie dagewesenes Ereignis wäre.

Drei Tage vor Weihnachten kam der Vertrag. Zwei Tage vor Weihnachten meldete ich mich der Agentur für Arbeit ab. An Silvester unterschrieb ich den Vertrag.

Und am Donnerstag war mein erster Arbeitstag!

Gut Ding will Weile haben. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es wirklich ein gutes Ding ist.

Ich werde berichten 🙂

Agentur für Arbeit

Obwohl es mir nicht sonderlich gut geht und mein Selbstvertrauen irgendwo um das Nulllevel herum pendelt, muss ich doch aktiv im Bewerbungsprozess sein. Einen ersten Termin beim Arbeitsamt hatte ich bereits, und wieder habe ich eine sehr nette Sachbearbeiterin zugeteilt bekommen, der das ganze Geschehen am Arsch vorbei geht, die sich aber dennoch um ihre Schützlinge bemüht.

Hintergrund der LMAA-Haltung ist, dass das hiesige Arbeitsamt nur befristete Stellen auf maximal 2 Jahre vergibt. Nach dieser Zeit ist es ausgeschlossen, sich bei irgendeiner Bundesbehörde zu bewerben. Das erklärt, warum ich jedes Mal einen neuen Sachbearbeiter kennen lernen durfte. Bei meinem Termin quatschte ich mit der Sachbearbeiterin über dies und das, weil mein Profil und meine Qualifikationen bereits fein säuberlich im Profil hinterlegt waren und die Dame außer den üblichen Belehrungen und Schriftsätzen nicht wirklich etwas zu tun hatte.

Sie plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. So war sie ebenfalls prekär beschäftigt gewesen und hatte sich beim A-Amt beworben. Die Zusage kam 4 Wochen nach der Geburt ihres 2. Kindes. Da sie Hauptverdienerin ist, musste sie zusagen, nutzte aber die gesetzliche Stillpausenregelung bis zum Erbrechen aus, wofür ich ihr den höchsten Respekt zolle. Ich hätte mir den Stress definitiv nicht angetan.

Mein Termin startete 5 Minuten später, weil sie gerade ihr 8 Monate altes Kind stillte und nicht ganz pünktlich fertig wurde. Seit wann halten sich auch Babies an Termine o.O
Sie erzählte weiter, dass die Arbeitsagentur bemüht war, die Sachbearbeiter nicht in den gleichen Postleitzahlenbereichen wie die Antragsteller zu beschäftigen, um diese vor Übergriffen von Kunden zu schützen. Blöd nur, wenn vor unserer Haustür eine PLZ-Grenze verläuft und die Sachbearbeiterin keine 200m von uns entfernt wohnt und durch das große Einkaufszentrum ums Eck sehr oft in unserer Gegend unterwegs ist.

Sie geht 35 Stunden Teilzeit arbeiten. Ein Kollege in einem benachbarten Kaff von 40k Einwohnern, geht 40 Stunden. Er hat 40 Kunden insgesamt. Sie dürfte wegen der Teilzeit nur 170 Kunden maximal bearbeiten, hat aber nach aktueller Zählung 218 Kunden. Finde den Fehler.

Sie druckte mir den ganzen Papierkram aus, gab mir ein Formular zum ausfüllen, meinte, dass wir uns wahrscheinlich nicht wiedersehen werden, weil ich bis dahin einen neuen Job hätte, aber sie auch nicht so genau hinschaue, ob ich denn alle Kriterien erfülle und alle Bewerbungen abgeschickt hätte. Sie schätzte mich dahingehend ein, dass ich mich schon aus eigenem Antrieb ausreichend bewerben würde. Sollte eine komische Stellenanzeige bei mir landen, auf die ich überhaupt nicht passe, dann sollte ich nur einen Vermerk machen, sie würde mir keine Repressalien auferlegen, da sie weiß, wie mies der Algorithmus des A-Amtes bei der Stellenauswahl ist.

Jetzt müsste ich nur noch den Antrag fürs ALG-1 stellen, aber irgendwie hoffe ich, dass ich doch noch darum herum komme. Da es aber nur noch 10 Tage sind, ist diese Hoffnung realistisch betrachtet extrem unwahrscheinlich.

P.S.: Im Verlauf des aktuellen Bewerbungsprozesses bin ich auch auf alte Bewerbungen gestoßen. Da ich, vor allem digital, nichts wegwerfen kann, habe ich sämtliche Bewerbungsanschreiben der letzten 5 Jahre archiviert. Einige davon finde ich wirklich sehr gelungen, so dass ich diese in einer eigenen Serie veröffentlichen werde.

Ihr dürft gerne raten, ob die jeweilige Bewerbung von Erfolg gekrönt war 🙂

 

Sour Grapes

Hallo Arbeitslosigkeit!

Wie geht’s, lange nicht gesehen?!

Bin ich sauer, dass meine Elternzeitvertretung immer noch einen Job in meiner alten Firma hat, während ich end- und erfolglos Stellenanzeigen durchforsten und mich dem erniedrigenden Prozess des Bewerbungen Schreibens und Absagen Kassierens stellen muss?

Hell yeah!

Würde ich meinen alten Job wiederhaben wollen?

Hell no!

Dies ist nicht mehr „meine“ Firma, es gibt dort nichts, womit ich mich identifizieren kann oder mit dem ich assoziiert werden möchte. Mein alter, richtig guter Chef ist nicht mehr dort, der vorwärts gerichtete, Innovationen auch gegen den Widerstand der Anteilseigner vorantreibende Vorstandsvorsitzende ist ebenso schon lange fort. Ob dies letztendlich alles so gewinnbringend ist, wage ich zu bezweifeln und hoffe vorsichtig auf deren Untergang. Oder wenigstens einen deftigen Schlag in die Magengrube.

Was ich für die Zukunft geplant habe?

Wenn alles gut geht, darf ich die PRINCE2 Zertifizierung im August machen. Die Nachfrage bei meinem Arbeitsvermittler ergab, dass er auch einer zusätzlichen Weiterbildung im SAP-Bereich nicht im Wege stehen würde, ich müsste mir nur die entsprechenden, für mich passenden Kurse aussuchen.

Es geht.

Voran.

Irgendwie.

Lebenszeichen

Zugegeben, ich habe mich ein wenig rar gemacht. Ich habe aber eine richtig gute Ausrede dafür.

Finde ich!

buchse

Dieser knackige Typ ist an meinem derzeitigen akuten Zeitmangel Schuld 🙂

Vor 4 Wochen kam nämlich der 3. Teil der Witcher-Saga heraus und seitdem nutze ich jede freie Minute, um die große weite Welt Temeriens zu erkunden. Mein Geralt hat in der Zwischenzeit ein paar mehr Sachen an und schon diverse Biester erlegt.
Die eine oder andere Frau war auch darunter 😉

Bewerbungstechnisch sieht es nach wie vor mau aus, in den einschlägigen Jobportalen gibt es keine brauchbaren Stellen, dafür hat mir das Arbeitsamt eine Stelle angeboten, die an sich gut passen würde. Wäre der Arbeitsort nicht gute 80 km entfernt, was für mich einen Arbeitsweg von einer guten Stunde ohne Stau für die einfache Strecke bedeutet. Dazu noch im sehr zeitintensiven Projektgeschäft, wo Überstunden eher die Regel sind, was dann in der Konsequenz täglich 11 oder 12 Stunden Abwesenheit von daheim bzw. keinerlei Kontakt mehr mit wachen Kindern bedeutet. Finanziell wäre es auch nicht der Bringer, öffentliche Verwaltung eben. So erpicht bin ich da ehrlich gesagt nicht drauf.

Dafür hatte der Große sein Erfolgserlebnis an der neuen Schule. Dort war am Freitag Schulfest mit Kuchenbasar, Eisstand, Schulführung und Fußballturnier. Als Krönung kam auch noch das Maskottchen des größten lokalen Fußballvereins vorbei und verteilte Autogramme, was meinen Rabauken mal wieder völlig zum Ausflippen brachte ❤
Jetzt kann er es wirklich kaum noch abwarten, dass es endlich mit der Schule losgeht, obwohl er vermutlich ganz bitterlich enttäuscht sein wird, wenn er herausfindet, dass das Maskottchen nicht jeden Tag in der Schule sein wird.
Ganz generell macht die Schule einen echt guten Eindruck, sehr offen, sehr entspannt, sehr tolerant. In einer der Klassen stammten die Kinder aus 17 verschiedenen Nationen.

Meine Süße macht mir allerdings ein paar Sorgen. Seit zwei Tagen fiebert sie vor sich hin, ohne das es einen ersichtlichen Grund dafür gibt. Ihr läuft nur ein wenig die Nase, aber sonst macht sie einen total fitten Eindruck, rennt durch die Gegend, isst wie ein Scheunendrescher, trinkt viel, macht die Windeln ordentlich voll. Plappert in gewohnt fröhlicher Art vor sich hin und deutet auf alles, was sich vor ihren Zeigefinger schiebt. Und das bei knapp 40 Grad Fieber.
Wenn der große Bruder so hohes Fieber hatte, dann lag er immer schlapp in der Ecke und ging sogar freiwillig ins Bett. Die Kleene ist nur ein wenig kuschliger als eh schon, sonst aber wie immer. Sehr seltsam.

Aber sonst ist alles gut bei uns 🙂

Tiefenentspannt

Vor einigen Wochen flatterte ein Brief in meinen Postkasten, dass ich mich doch bitte zur „Besprechung meiner beruflichen Situation“ beim Arbeitsamt einfinden sollte.
Heute.
Um 8 Uhr.
Morgens.

Ich tat, wie mir geheißen und war sogar überpünktlich. Als ich frierend ob der frostigen Temperaturen mitten in der Nacht vor der Agentur auf Arbeit auf Einlass wartete, verfluchte ich einmal mehr meinen neuen Ex-Chef. Ein wenig erträglicher wurde die Warterei dadurch, dass jeder einzelne der zahlreichen anderen Wartenden auch gerne ganz woanders gewesen wäre. Endlich öffnete sich die Tür und die Menge verschlafener Bittsteller strömte ins Amt.

Auf der Einladung stand, ich solle mich in Zimmer 2.2.25 einfinden, also begab ich mich in den 2. Stock, wo mich diverse Schilder zu den verschiedenen Wartebereichen lotsen wollten. Leider fand ich keinen Wartebereich, der auf mich passte, aber bei der Suche stolperte ich an einer offenen Tür vorbei, schaute aufs Türschild und da stand tatsächlich 2.2.25.

Ich klopfte an, stellte mich vor und fragte, ob ich eintreten dürfte, was bejaht wurde. Der Mitarbeiter begrüßte mich freundlich mit Handschlag. Als erstes ging er meine Arbeitslosenmeldung durch, trug fehlende Angaben nach, ließ sich meinen Personalausweis zeigen und meinte nebenbei, dass er mich deswegen so früh einbestellt hätte, weil das Service Center wohl etwas derartiges in der Akte vermerkt hat. Super, ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas in der Richtung gesagt zu haben, geschweige denn gefragt worden zu sein. Na egal, ich war ja jetzt da.

Er fragte ein wenig kryptisch, ob ich mich denn schon irgendwo beworben hätte. Ich antworte, auf 4 oder 5 Anzeigen, eine Absage, der Rest offen. Auch, dass ich diese Woche nochmal nach Stellen geschaut hätte, es da aber ganz mau aussieht, vermutlich schon das Sommerloch. Er nickte und meinte, dass es auch auf dem Amt gerade schleppend läuft, zeigte sich aber sonst hochzufrieden mit meinen Antworten.

Weiter ging es mit meinem Lebenslauf und der Frage, wann ich denn nun verfügbar sei. Im System war der 31.7. vermerkt, was ich mit der Bemerkung korrigierte, dass es der 30.6. sei, weil da die dreimonatige Kündigungsfrist endete. Das mir gekündigt wurde, war dem Bearbeiter ebenso neu wie die Tatsache, dass ich direkt nach der Elternzeit die Kündigung erhalten hatte. Dadurch machte das von meiner Arbeitsstelle geschickte Entgeltformular erst Sinn und meinen Antrag erstmal wieder hinfällig, da die Leistungsabteilung nur vollständige Anträge bearbeiten kann und dadurch bei mir noch die Bescheinigungen von Krankenkasse und Elterngeldstelle hinzukommen.

Zum wiederholten Male schüttelte der Mitarbeiter seinen Kopf wegen der Schlampigkeit des Service Centers, das einfach nur halbherzig meine Daten erfasst hatte und ich jetzt nochmals losrennen und diverse Schriftstücke besorgen muss.

Allerdings hellte sich die Miene des Bearbeiters ein wenig auf, als er sah, dass ich direkt aus der Elternzeit komme. Denn damit hätte ich Anspruch auf Eingliederungshilfe zum Berufswiedereinstieg und das heißt, ich dürfe eine Weiterbildungsmaßnahme besuchen, so ich denn wolle. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon in einem Seminar „Wie bewerbe ich mich richtig“ gelangweilt aus dem Fenster starren, aber der Mitarbeiter meinte, ich hätte ja schon ITIL v3, wie wäre es denn, wenn wir diese Schiene weiter verfolgen, bspw. mit einem PRINCE2-Seminar.

Echt jetzt? So ganz im Ernst? Als ich damals die ITIL-Schulung machte, hätte ich gerne auch PRINCE2 gemacht, weil dann diese ganze Managementgeschichte abgerundet gewesen wäre, aber ITIL war einfach zu teuer, um da noch den Prinzen hinten ran zu hängen. Das sagte ich auch dem Mitarbeiter und er rieb sich nur die Hände und meinte, ich könnte bei der alten Weiterbildungseinrichtung nachfragen, er hat da guten Kontakt hin, die sind auch ganz gut im Bilden (was ich bestätigen kann) und sie wären vom Arbeitsamt zugelassen. Er nannte noch eine zweite Einrichtung, die ich allerdings nur vom Namen her kannte. Ich könnte auch woanders hingehen, aber soweit er wüsste, bieten nur die beiden genannten den Lehrgang an.

Sobald ich von einem Institut eine Zusage hätte, müsste ich einen Termin bei ihm vereinbaren, am besten per Mail, und dann bekäme ich den Bildungsgutschein. Das wäre dann auch der Zeitpunkt, wo ich ihm eine kurze Liste mit bereits erfolgten Bewerbungen schicken soll, ich bräuchte definitiv nicht den Nachweis von 5 oder mehr Bewerbungen aller 2 Wochen oder ähnlichen Schnickschnack.

Er druckte dann noch den halben Regenwald aus, überreichte mir davon aber nur 3 Blätter, mit weniger Papierverschwendung ist das wohl nicht möglich gewesen, weil das System das nicht kann. Ich bekam also meine Wiedereingliederungsvereinbarung, das Formular zum Elterngeld und den Schrieb für die Krankenkasse. Mit den Worten, dass ich mich, außer um Lehrgang und die Formulare, um nichts mehr kümmern muss, wurde ich verabschiedet.

Joar, so entspannt kann es aufm Amt auch zugehen 🙂

No sleep till Brooklyn

Das Kindlein verweigert den Mittagsschlaf, welchen ich allerdings ganz dringend benötige, um überhaupt was gebacken zu bekommen, wie in Ruhe duschen, Behördenkram erledigen oder Monster erlegen.

Zum Thema Behörden: Letzten Dienstag habe ich mich online offiziell beim Arbeitsamt als arbeitssuchend zum 1.7.2015 gemeldet, am Donnerstag kam ein Anruf von der Agentur, wo ein paar Angaben abgefragt wurden. Es ging vor allem um meinen letzten Arbeitgeber, der der Agentur noch nicht bekannt war, alles andere wäre ja noch in meinem Profil gespeichert. Am Sonnabend kam ein dicker Umschlag mit Unmengen an Formularen, die ich doch bitte ausfüllen solle. Unter anderem wird ein kompletter Lebenslauf inklusiver sämtlicher Zeugnisse in Kopie gefordert. Und zwar bis morgen. Persönlich abzugeben oder per Post.

Geht’s noch?!

Dafür, dass ein möglicher Termin mit meinem Arbeitsvermittler frühestens im Mai kommt, finde ich den Zeitraum ein klitzekleinwenig knapp. Außerdem habe ich alle Daten elektronisch vorliegen, warum kann ich sie im digitalen Zeitalter, in dem wir uns angeblich befinden, nicht per Email schicken oder über eine Portalseite hochladen? Zumal es ja nur um die beiden letzten Arbeitgeber geht, denn alles andere sollte noch in meinem Profil hinterlegt sein.

Dann geht es morgen Vormittag zum Kinderarzt, MMR-Impfung abholen, damit wir den Kindergartenstarttermin auch wahrnehmen können. An sich wollten wir heute nachmittag zum Arzt, aber der Sturm hat uns zum Umdenken bewogen. Unterstützt wurde diese Entscheidung dadurch, dass heute nur lauwarmes Wasser aus der Leitung kam und ich eine zu große Memme bin, als das ich mich bei weniger als 38 Grad unter den Wasserstrahl stelle.

Aber sonst ist alles gut. Oder so 😉