High End

Als der Schotte (oder Schwabe) gefragt wird, wie es dazu kam, dass sie jetzt auch noch das 11. Kind bekommen haben, antwortet er: „Alles fing damit an, dass wir noch ein paar Windeln übrig hatten.“

Nun haben wir kein weiteres Kind bekommen und ich bin auch nicht schwanger, trotzdem habe ich ein neues Baby. Und das kam so.

Ich bin ein ruheliebender Mensch. Ich mag es, wenn es still ist. Was mich hingegen auf die Palme bringt, sind nervige Nebengeräusche, die Kreissäge auf dem Hof des Nachbarns, das Klappern loser Teile im Auto, das Rascheln des mitwippenden Fusses, wenn mein Mann mal wieder interessante Musik gefunden hat. Ganz vorne auf der Liste solcher Geräusche sind laute Lüfter bei Rechnern. Da wir unsere Rechner alle im Wohnzimmer haben, lege ich großen Wert auf superleise Rechnertechnik.

Doch dann sabotierte mich mein eigener Rechner. Jahrelang hatte er mir treue Dienste geleistet und das so leise, dass ich immer nachgucken musste, ob denn das kleine Lämpchen brennt, um zu sehen, ob er wirklich eingeschaltet war, wenn ich den Monitor aus Energiespargründen ausgeschaltet hatte. Plötzlich war er laut, irgendeiner der vielen Lüfter drehte auf Hochtouren und wollte sich gar nicht mehr beruhigen.
Ich schaute in diversen Foren nach und stieß auf das Phänomen, dass sich nach bestimmten Windows-Updates die Prozessor- oder Gehäuselüfter nicht mehr regulieren ließen und unter Volllast rotierten. Ich versuchte, die Updates rückgängig zu machen, doch ohne Erfolg. Ich saugte den Innenraum des Rechners mehrmals gründlich aus, denn auch Wollmäuse sind bekannt für Störgeräusche. Leider brachte das ebenso nichts.

Nachdem der Rechner drei Tage lärmte, schraubte ich ihn erneut auf und hielt mein Ohr an alle mechanischen Teile und siehe, es war die Grafikkarte, die sich geräuschemäßig in den Vordergrund drängelte. Nun war der Rechner bereits im 6. Lebensjahr und ich dachte, eine neue Grafikkarte kann nicht schaden. Also ein bisschen gestöbert und geforscht und eine schicke Sapphire RADEON RX 570 8GB GDDR5 NITRO+ geordert. Sie kam auch, wurde eingebaut und mein Rechner war wieder superleise.

Nur doof, dass die Grafikkarte einen PCIe 3.0 Slot benötigt, um mit voller Datenrate übertragen zu können, mein alter Rechner aber nur PCIe 2.0 Slots hat. Das ist irgendwie wie Porsche fahren, aber nicht höher als bis zum 3. Gang schalten zu können. Kann man machen, macht aber keinen Spaß.

Auf meiner neuen Arbeitsstelle hatte ich anfangs einige Probleme mit meinem Rechner, der nur in aller Eile und nicht besonders gründlich für mich vorbereitet worden war. Daher war ich öfter mit einem der SysAdmins zugange und wir quatschten über dieses und jenes und ich meinte, wie toll ich es fände, dass der Rechner so schnell hochfährt und überhaupt schön schnell reagiert. Ja, das liegt an der SSD-Festplatte, die sind einfach irre schnell.
Ich machte mir innerlich eine Notiz, dass wenn ich mir mal einen neuen Rechner zulegen sollte, dann nur mit SSD als C-Laufwerk.

Wenn man sich wie ich arbeitstechnisch öfter auf heise.de umschaut, stieß man die letzten Monate unweigerlich auf die neuen AMD-Ryzen-Prozessoren. Sie sollten leistungsmäßig angeblich den Intels mächtig Konkurrenz machen, dafür im Gegenzug aber nur einen Bruchteil kosten. Die Artikel mehrten sich und ich schaute, was die Ryzen denn in echt können und kosten und welche Voraussetzungen für den optimalen Betrieb nötig sind. Als erstes musste ein entsprechendes Motherboard her. Eines mit den aktuellstens Slots und Anschlüssen, welches die Leistung des Chipsatzes auch ordentlich auf die Straße brachte. Ich entschied mich für ein Asus ROG Strix B350-F Gaming Mainboard Sockel AM4. Denn, und das empfand ich als nicht soooo unwichtig, die Ryzen-Prozessoren können gut und ohne großes Risiko übertaktet werden, um so noch mehr Leistung rauszuholen. Dafür brauchte man allerdings ein entsprechendes Board und das B350 ist so eines.

Als Prozessor wählte ich schlussendlich den AMD Ryzen 7 1800x, bis auf die Threadripper-Serie das Beste, was AMD derzeit anbietet und die Preisunterschiede zwischen 1700, 1700x und 1800x sind so marginal, dass ich problemlos auf das leistungsstärkste Modell zurückgreifen konnte. Gekühlt werden sollte das durch den Noctua NH-D15 SE-AM4 140mm Premium Dual-Tower CPU Kühler. Dieser versprach, dass er ganz leise sei und dennoch ordentlich Leistung bringen würde und man könnte bei Bedarf sogar einen zweiten Lüfter für zusätzliche Kühlung anschließen.

Zur Unterstützung gab es zwei Corsair Vengeance LPX 8 GB DDR4 3000MHz Speicherriegel und wie gewünscht eine Samsung MZ-75E500B/EU 850 EVO interne SSD 500GB Festplatte. Der Preissprung zur 1 TB Variante war mir dann doch zu heftig, zumal ich ja noch 2 normale HDD mit 1 und 2 TB hatte, die vom alten in den neuen Rechner umziehen sollten.

Eingebaut werden sollte all dies auch in ein neues Gehäuse, da durch den Noctua-Lüfter das alte zu klein geworden war. Außerdem waren beim alten Gehäuse sämtliche USB- und Soundanschlüsse auf der Vorderseite ausgefallen, wobei ich mir nicht die Mühe machen wollte herauszufinden, ob dies am Board oder am Gehäuse lag. Denn ich wollte auch das Innenleben endlich adäquat präsentieren. Erst nach dem Kauf der Grafikkarte stellte ich nämlich fest, dass diese leuchtete und ich fand es schade, dieses Gimmick hinter blickdichtem Blech verschwinden zu lassen. So kam dann eben noch ein Sharkoon DG7000-G PC-Gehäuse mit extragroßem Seitenfenster aus gehärtetem Glas dazu. Ich mag Sharkoon, meine Tastatur und Maus sind vom gleichen Hersteller.

Zu guter Letzt bestellte ich noch ein be quiet! Pure Power 10 600W ATX PC Netzteil. Ich hätte zwar auch mein altes be quiet! weiter nutzen können, doch war ich mir unsicher, ob 500W ausreichend sind für das kleine Monster, was ich erschaffen hatte. Zudem plante ich, mein altes Netzteil in den Rechner meines Mannes zu bauen, da seines von xilence viel zu laut war.

Die nächsten beiden Tage schraubte und bastelte ich an meinem neuen Rechner, jede Minute genießend. Zwischendurch war ich mir immer mal wieder unsicher, ob ich alles richtig gesteckt und verkabelt hatte, doch am Ende passte alles zusammen und kein Schräubchen blieb übrig. Dabei half auch, dass alle Hersteller ausführliche Anleitungen ihren Produkten beigelegt hatten.

Das große Finale sollte dann die Installation des Betriebssystems auf der niegelnagelneuen SSD sein. Ich entschied mich für Windows 7, weil ich das sehr gern mag, es unglaublich stabil ist und mir Windows 10 zuviele Daten sammelt. Außerdem stört mich bei Windows 10, dass man die Updates nur verschieben, aber nicht komplett unterbinden kann.
Microsoft hatte jedoch etwas gegen meine Pläne und unterband die Windows-7-Nutzung damit, dass die Installation immer wieder an der selben Stelle abbrach. Erneute intensive Forenrecherche ergab, dass die USB-3-Schnittstellen und Windows 7 absolut nicht miteinander kompatibel sind und so blieb mir am Ende nur die Wahl, auf Windows 10 zu schwenken.
Glücklicherweise gab es vor einiger Zeit ein höchstrichterliches Urteil, dass Software weiterverkauft werden darf und damit konnte ich ein Windows 10 Professional für 1/10. des MS-Preises erwerben.

Die Installation selbst verlief schnell und problemlos und bereits da zeigte sich, dass der Schwenk auf eine SSD-Festplatte einen echten Geschwindigkeitsvorteil bringt. Der ganze Rest war dann nur noch Fleißarbeit und eine halbe Stunde später hatte ich meinen neuen, leisen, superstarken Rechner am Laufen.

Jetzt brauche ich nur noch Spiele oder Programme, die die Leistung meines Babies mal ausreizen können. Empfehlungen Anyone?

Highlight der Woche

Sobald sich die ersten zwei zartfarbigen Streifen auf dem Schwangerschaftstest gezeigt haben und man diese meist erfreuliche Nachricht dem Freundes- und Bekanntenkreis kund getan hat, hagelt es von allen Seiten mehr oder weniger brauchbare Ratschläge und Tipps. Noch häufiger jedoch folgen Kommentare, was denn in den nächsten Monaten und Jahren auf einen als werdende und später seiende Eltern zukommt.

Mit einem hämischen Lächeln auf den Lippen wird vor den schlaflosen Nächten gewarnt, diabolisch grinsend werden die intensivsten Windelwechselgeschichten zum Besten gegeben und mitleidig wird darauf hingewiesen, dass man die Wespentaille ab jetzt getrost für alle Zeiten vergessen kann. Stoisch erträgt man all dies, nur um es dann selbst bei der nächstbesten Gelegenheit den werdenden Eltern aufs Brot zu Schmieren.

Tja, so ist er, der Kreislauf des Lebens.

Aber niemand, wirklich niemand, klärt einen vorher über die wahren Höhepunkte des Elternseins auf: Elternveranstaltungen in den Kinderbetreuungseinrichtungen. Sie kommen meist ganz unschuldig daher und nennen sich „Osterkaffee“. Oder auch getarnt als „Chinesisches Mondfest“. Manchmal versuchen sie auch gar nicht ihre hinterhältige Natur zu verstecken und nennen sich ganz plump „Zuckertütenbasteln für Eltern“.

Je nach Organisationsstufe des Kindergartens wird einem der Termin für die nächste Veranstaltung atemlos zwischen Tür und Angel beim Abholen des Kindes zugerufen, wenn selbiges gerade laut plärrend erzählt, dass ihm der Jeremy-Jason schon wieder eins mit einem Bauklotz über die Rübe gezogen hat, was voll gemein ist, denn dadurch ist der Sprößling mit dem Stift abgerutscht und schon ist sein selbstgemaltes Bild, das viel schöner und glitzriger war als das von Sophie-Anna, total versaut gewesen.
Wenn man Glück hat, wurde der Termin auf einen bunten Zettel gekrakelt, versehen mit ganz vielen Smilies, und an die Tür gepinnt, wo man ihn in Ruhe und viel mühevoller Kleinarbeit entziffern kann, wenn man das Kind abholt. Wenn man Pech hat, holen gerade andere Eltern ihr Kind ab, die Tür steht permanent offen und man bekommt diesen Zettel nie zu Gesicht.
Der 5er im Lotto ist, wenn man auf die Veranstaltungen per Email hingewiesen wird. Der 6er, wenn auch die richtige Emailadresse verwendet wurde. Der 6er mit Superzahl, wenn der gesamte Verteiler im BCC steht.

All diesen Veranstaltungen ist gemein, dass man zwangsläufig auf „andere Eltern“ trifft, während man auf diesen Minikinderstühlen hockt, die Knie irgendwo auf Ohrenhöhe und aus denen man niemals im Leben würdevoll aufstehen kann, sobald man größer als 1,50 m gewachsen ist.

Die „anderen Eltern“ haben zu solchen Veranstaltungen immer den tollsten selbstgebackenen Kuchen dabei, während man selbst froh ist, die letzten vertrockneten Stücke Blechkuchens vom Bäcker um die Ecke ergattert zu haben. Diese Mütter sehen immer aus wie aus dem Ei gepellt, ich bin schon froh, wenn die Essensresteflecke auf meiner Jacke, nachdem sich mindestens eines meiner Kinder unbedingt den Mund daran abwischen musste, während ich ihm zur Verabschiedung einen Kuss auf die Wange gegeben habe, farblich zu denen auf meiner Hose passen.

Allein der Geruch, wenn ich den Hort des GrauensKindergarten betrete. Schon direkt nach Öffnen der Eingangstür schlägt einem der Geruch nach verwesender Kinderkotze entgegen, der sich gleichmäßig im ganzen Haus verteilt hat. Ich weiß nicht, ob die Mischung aus getragenen Kindersocken, trocknenden Matschhosen, Mittagessen und scharfen Reinigungsmitteln diesen Duft erzeugt, oder ob sich tatsächlich vor Urzeiten mal ein Kind an einer unauffälligen Stelle übergeben hat. Ist ja letztendlich auch egal, stinken tut es so oder so erbärmlich.

Heute stand Zuckertütenbasteln auf dem Plan und ich fand mich am vorgeschriebenen Ort zur rechten Zeit ein. Die Erzieherinnen hatten schon mal was vorbereitet und so standen bereits frisch verklebte Tütenrohlinge auf dem Tisch. Ich wurde als Mama des Großen erkannt und prompt gefragt, ob ich lieber eine blaue oder eine grüne Zuckertüte haben möchte. Ich entschied mich für die orangene.

Damit die Tüte nicht sofort den Inhalt preis gibt, lag Krepppapier bereit, mit dem man den Verschluss der Tüte basteln konnte. Ich rissschnitt mit einer Minischere ein entsprechend großes Stück vom roten Papier ab und wollte dieses innen in die Tüte kleben. Mit Leim, der aus dem letzten Jahrtausend stammte. Egal, ich ignorierte die seltsamen Flecken oben auf dem Klebestift und schmodderte den oberen inneren Rand der Tüte ordentlich auf 5 Zentimeter Breite ein.
Vorsichtig drückte ich das Krepppapier auf den Rand, bis ich die Runde rum war. Dann wiederholte ich die Prozedur. Dann wischte ich mir die Kleberklumpen an der Hose ab, bat um den Flüssigkleber und wiederholte die Spiel.

Es gab Buchstaben zum Aufkleben, in bunt, Moosgummi und Glitzer. Die bunten und die glitzernden klebten von selbst, die Moosgummi mussten extra mit Leim versehen werden. Seltsamerweise waren die Buchstaben s, c, h, u, l und e viel zu wenig vorhanden, keine Ahnung warum. Ich half mir, indem ich aus übriggebliebenen Moosgummi-Ns Hs und aus Qs, die eh niemand braucht, Us bastelte. Es gab auch chinesische Drachen und Lampions als Aufkleber, welche ich gerne und reichlich nutzte. Den Namen meines Kindes formte ich aus Glitzerbuchstaben, mit dem Resultat, dass die Hälfte des Glitzers an meinen leimverschmierten Fingern und meiner Hose haftete.
Die Moosgummibuchstaben wollten sich partout nicht der Rundung der Tüte anpassen und flappten ständig vom Untergrund wieder hoch, ganz gleich, wie viel oder welchen Leim ich verwendete. Egal, das ist individuell und wird anderswo Kunst genannt.

Als positiv bleibt mir zu bemerken, dass die Stunde zum Glück frei von „anderen Eltern“ war und ich tatsächlich Spaß hatte. Negativ sticht heraus, dass die „anderen Eltern“ vermutlich so mit Kuchen backen beschäftigt waren, dass sie ihren Kindern nicht so etwas Schnödes wie eine Zuckertüte basteln konnten und die übrigen Eltern zusätzlich diese Aufgabe übernehmen mussten, weswegen es ein paar weniger liebevoll gestaltete Exemplare ohne Namen gibt und weswegen mein Mann grummelnd mit beiden Kindern im Schlepptau vor der Türe wartete, während ich noch fix eine Fremdtüte fertig beklebte.

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Beim nächsten Basteln bringe ich meine eigene Tube Sekundenkleber mit. Wäre doch gelacht, wenn ich mich nicht komplett an eine Zuckertüte pappen könnte 😉