Zweitstudium

Hmpf!

Wirklich viel mehr kann ich derzeit nicht sagen.

Nachdem ich bei der Studienanmeldung bei hochschulstart.de erfahren habe, dass Bewerbungen erst ab dem 2.5.2019 möglich sind, habe ich mir den Termin im Kalender vermerkt.

Der 2.5.2019 kam, ich wollte mich bewerben, wurde aber direkt auf die Homepage der lokalen Uni verwiesen. Nun gut, als alter Internetpionier ringt mir eine weitere Registrierung nur ein müdes Lächeln ab. Klick, Klick, Check. Registrierung durch.

Jetzt die Bewerbung. Dazu muss ich die Stammdaten von Hochschulstart.de eingeben. Und erhalte die Fehlermeldung, dass die Daten in der Hochschulstart-DB nicht vorhanden sind.
Coole Sache!
Habe ich die Sachen aus Faulheit und zur Fehlervermeidung direkt von der Homepage per Copy&Paste auf die Uni-Homepage übertragen.

Ich habe es noch 2x probiert, habe einen anderen Browser genommen, habe die Daten händisch eingegeben – das Ergebnis ist überall gleich.

OK, also ein Ticket beim Tech-Support gezogen und die Sache erstmal auf Eis gelegt.

Am nächsten Tag kam vom Tech-Support das OK, die Anmeldung funktionierte, ich vervollständigte meine Bewerbung. So weit, so gut.
Bis es zum Punkt „Zweitstudium“ kam.

3% aller Studienplätze pro Jahrgang sollen maximal für Zweitstudiengänge zugänglich sein.
3%!

Die Vergabe von Zweitstudiengängen erfolgt anhand eines Punktesystems. Erststudiengangnote: je besser, desto Punkte.
Wissenschaftlicher Ansatz: je bedeutender, desto Punkte.
Soziale Härte: je schlimmer, desto Punkte.

Banaler Berufswechsel: Hahahaha!

Es wird in einem nachrangigen Verfahren berücksichtigt, ob man Familie hat und Kinder, Erziehungs- oder Pflegezeiten.

An sich wollte ich den wissenschaftlichen Aspekt nicht ins Feld führen, weil ich denke, dass die Argumente irgendwie doch zu schwammig sind und es bestimmt einen Haufen Leute gibt, die das schon angegangen sind, und es am Ende eh niemanden interessiert und überhaupt, wer denkt schon an Informatik.

Doch dann dachte ich mir, wie viele Bekloppte (durchaus positiv gemeint) mag es geben, die sich das trockene Feld der Informatik geben, um dann im nicht minder trockenen Feld der Psychologie zu forschen?
Wer „spricht“ wirklich die unverständliche Techniksprache der Administratoren, und kann gleichzeitig die emotionalen Auswirkungen einordnen?

Ich denke, es mag Wissenschaftler geben, die an der jeweils anderen Seite Interesse zeigen, aber nur Interesse reicht in diesem Fall nicht. Man muss schon mit beiden Beinen richtig tief in der Materie stecken.
Und keine Gummistiefel tragen.

So werde ich  also dieses Wochenende einen Text verfassen, der die Synergieeffekte der beiden Gebiete möglichst effektiv vereint. Dazu kommen Argumente, warum ausgerechnet ich die beste aller möglichen Wissenschaftlerinnen für dieses Thema bin. Ein wenig gewürzt mit meinem familiären Background und in der Hoffnung, dass der Gesamteindruck die Summe der Einzelteile bei weitem übertrifft.

Komme ich damit nicht durch, stehe ich ab Herbst bei der Arbeitsagentur wieder auf der Gehaltsliste und darf mich auf olle IT-Jobs bewerben.

Und sind wir doch mal ehrlich: DAS will niemand von uns!

Ernsthaft jetzt?

Da war ja noch der anberaumte Gerichtstermin wegen Steuerhinterziehung, angesetzt auf 3 Dienstage im Juni, jeweils von 9 – 16 Uhr. Aus diesen und jenen Gründen bin ich erst heute dazu gekommen, da nochmal nachzuhaken.

Ich rief gut gelaunt bei der im Schreiben aufgeführten Telefonnummer an, schilderte mein Problem und wollte wissen, wie ich jetzt bei der Absage am Besten vorgehe, welche Angaben sie genau benötigen.
Nicht gefasst war ich allerdings auf die Aussage, dass ein 3-monatiges Baby kein Hinderungsgrund sei.

Wie jetzt?!

Bei der Einführungsveranstaltung sagten sie, dass Termine auch locker mal bis 22 Uhr gehen können, vor allem, wenn viele Zeugen vernommen werden müssen, bei denen man ja nicht so genau planen kann, wie lange die Vernehmung eines einzelnen Zeugen letztendlich dauere. Da der Termin schon auf 3 Tage angesetzt ist und es sich um Steuerhinterziehung handelt, werden mit Sicherheit ein paar Zeugen am Start sein. Ganz ehrlich, ich finde, das ist mit einem 3-monatigen Kind unzumutbar, da kann auch nicht mal eben so der Papa einspringen, schon aus rein anatomischen Gründen.

Denn ich habe vor, den Krümel voll zu stillen und sicher mag mal die eine oder andere Mahlzeit durch abgepumpte Milch ersetzbar sein, doch richtig geplant haben wir auch das nicht, war beim ersten Kind nie nötig. Zu diesem Zeitpunkt geht das Kind noch nicht in die Krippe, so dass Fremdbetreuung erstmal ausfällt. Der Papa geht arbeiten, könnte evtl. sogar Urlaub nehmen, aber ich finde, es ist nicht seine Aufgabe, für meinen Dienst Urlaub nehmen zu müssen, zumal es für ihn definitiv nicht erholsam wäre, da er sich gleichzeitig noch um das große Kind kümmern müsste.

Die Gerichtsmitarbeiterin meinte auf meinen Protest, sie erkundige sich bei ihrer Kollegin. Diese wiederum sagte, ich sollte die Nichtteilnahme schriftlich begründen und wenn sie meiner Argumentation folgen könnten, würden sie sich um einen Ersatzschöffen kümmern.

Jetzt hoffe ich natürlich, dass ich das alles schlüssig darlegen kann. Sicherheitshalber habe ich den Bescheid meiner Frauenärztin über den errechneten Entbindungstermin kopiert, bevor ich ihn an die Krankenkasse geschickt habe. Das ist derzeit das einzige offizielle Dokument und wird hoffentlich anerkannt.

Ehrlich, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir das womöglich alles anders überlegt :/