Notbremse

Schrieb ich gestern noch, dass ich immerhin nicht heulend im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitze, hat sich das heute bereits überholt.

Mir geht es richtig schlecht. Obwohl alle gestern total nett waren und selbst das Personalgespräch sehr angenehm verlief, gab es zwischen den Zeilen Aussagen, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass meine Arbeitskraft überhaupt noch geschätzt wird.

Mitten in der Nacht, ich glaube, es war halb 5, bin ich heute aufgewacht und sofort stürmten die Gedanken über die Arbeit auf mich herein. Ich ging all die Gespräche der letzten Wochen und Monate in meinem Kopf durch, überlegte, was mich störte, wo die bisher übersehenen Haken lauerten. Das da Haken lauerten merkte ich daran, wie sehr mich das alles beschäftigt und an den höllischen Schmerzen in meiner rechten Schulter. Ein todsicherer Indikator, dass Dinge massiv im Argen liegen.

Am Ende kam eine Liste von Ereignissen heraus, die mich verstörte und von Weinkrämpfen geschüttelt im Bett zurück ließ. Mal schauen, ob ich das noch zusammen bekomme.

  1. Die Beschwerde über BK, besagte Kollegin, die mir wiederholt so massiv ans Bein gepinkelt hat, dass ich mich gezwungen sah, dies meinem Chef zu melden. Seine Reaktion war, dass es wohl nur daran liegt, dass die Rollen im Team nicht klar genug definiert seien und wir diese Rollen anpassen sollten. Wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht, obwohl ich der Meinung war, in meiner Email verdeutlicht zu haben, wie sehr mich diese Situation belastet.
    Bei einem Meeting wenige Zeit später, unterstellte er mir vor versammelter Mannschaft, die den Hintergrund gar nicht kannte, seltsame Befindlichkeiten in dieser Sache und forderte mich auf, diese sein zu lassen.
    Dies hat mich so sprachlos und wütend gemacht, dass ich es mir gespart habe, die ganzen Vorfälle danach, die BK verzapft hat und die negativ auf mich zurückfielen (dooferweise immer nur auf mich), zu melden, weil ich mir weitere Schmähungen in Gegenwart von Kollegen ersparen wollte. Dadurch kann aber BK jetzt quasi machen, was sie will.
  2. Das Personalgespräch wegen meiner Abwesenheiten. Mein alter Chef kannte die ganzen Hintergründe, ihm habe ich vertraut und mich auch anvertraut, warum ich jeweils ausfalle. Er weiß, dass ich trotz des Steißbeinbruchs mit extremen Schmerzen 3 Wochen auf meinem schicken Sitzkissen im Büro saß. Er weiß auch, dass ein Beinbruch beim Kind ein unvorhersehbares Ereignis ist.
    Trotzdem hätte er mir nie Drückeritis oder Faulenzerei unterstellt.
  3. Das Schöffenthema. In der Personalabteilung hat niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wie das mit den Schöffen und den Gerichtsterminen abläuft. Trotzdem wurde mir unterstellt, ich hätte mir die Termine selbst ausgesucht, hätte mir die Termine selbst so gelegt, wie ich gerne frei hätte und so weiter. Dass nichts davon in meinem Einflussbereich liegt, musste ich erst mühsam und ausführlichst erklären.
  4. Der geplante Umzug. Die Firma hat vor einem Jahr ein kleineres Konkurrenzunternehmen aufgekauft und jetzt steht die Verschmelzung der beiden Unternehmen an. Dazu gehört auch, dass Abteilungen von den beiden Standorten zusammengelegt werden. Dafür ziehen Teile der Mitarbeiter von Standort B nach Standort A und umgedreht. Es war immer geplant, dass ich bei dem Umzug mit dabei bin, um so weiter in Kontakt mit meinen alten Kollegen bleiben zu können. Diese Tatsache hat mich ein Stück weit durch den Stress getragen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen waren ein guter und willkommener Ausgleich zum Irrsinn im Büro.
    Als ich nach meiner Krankheit wiederkam, wusste niemand mehr davon, dass ich mit umziehen sollte. Stattdessen wurden Begründungen gesucht, warum es unbedingt besser ist, dass ich hier bleibe. Ich bin anderer Ansicht, aber das ändert nchts daran. In weniger als zwei Wochen werde ich das vorerst letzte Mittagessen mit meinen geliebten Kollegen haben.
  5. Die Arbeitsüberwachung. Seit zwei Monaten müssen sämtliche Mitarbeiter unserer Unternehmenseinheit ihre Arbeitszeit komplett im Ticketsystem erfassen. Alles. Die ganzen 100%. Erreichen wir die 100% nicht, gibt es einen Rüffel.
    Ich halte dies für hochgradigen Blödsinn.
    Dass man versucht, den Arbeitsaufwand in Projekten zu erfassen, ist ok. Dies wird eh meist dem Kunden in Rechnung gestellt oder kann für zukünftige Projekte als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Selbst um kurzfristig verdeutlichen zu können, wie hoch die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern generell ist, könnte man eine solche Erfassung nutzen. Es wird aber dauerhaft gefordert.
    So muss nun jeder Klogang, jedes Telefonat, jedes Emailwegsortieren erfasst werden. Ich empfinde das als Gängelei. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.
  6. Die Arbeitsbelastung. Ich erwarte von einem Chef, dass dieser grob abschätzen kann, wie viel Aufgaben pro Tag oder Woche von einem Mitarbeiter erledigt werden können. Und ich erwarte, dass wenn die Grenze erreicht ist, der Chef entsprechende Maßnahmen ergreift. Mein Chef jedoch kippt alles, was bei ihm auf dem Tisch landet, einfach bei den Mitarbeitern ab, ohne Rücksicht auf Verluste. Und beschwert sich dann, wenn Aufgaben liegen bleiben oder erst verspätet erledigt werden. Schiebt aber gleichzeitig immer noch höher priorisierte Aufgaben dazwischen, die immer gestern fertig sein müssen.
    Von Rücken frei halten, von Druck von oben wegnehmen, von schützend vor den Mitarbeiter stellen keine Spur.

All das war mir dann einfach zu viel. Ich bedauerte, dass ich freiwillig meinen Assistenzposten aufgegeben hatte. Hätte ich damals gewusst, was für Konsequenzen es haben würde, ich hätte dankend abgelehnt. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass mit mir im Zuge des Positionswechsel eine interne Probezeit vereinbart wurde, um zu schauen, ob das Thema Lizenzen überhaupt was für mich ist. Sollte sich herausstellen, dass ich ungeeignet dafür bin, könnte ich wieder zurück auf meinen alten Posten.

So führte mich heute morgen mein erster Weg zu meinem alten Chef, wo ich ihm mitteilte, dass ich die Probezeit beenden und wieder zurück will. Ich erklärte ihm die Gründe, erklärte, wie unglücklich ich bin, wie allein gelassen ich mich fühle und wie schlecht es mir geht. Dass ich derzeit keine andere Möglichkeit sehe, etwas an meiner Situation zu ändern.

Der alte Chef schüttelte nur den Kopf. Er war wütend, wie mein neuer Chef in so kurzer Zeit so viel verbrannte Erde erzeugen konnte. Er meinte, dass dies nicht nur mir so geht, sondern es an allen Ecken und Enden brennt, für die mein neuer Chef zuständig ist. Er fragte sich, was mit dem Kerl los sei. Aber am Ende war er auch ratlos. Ich kann nicht auf meinen alten Posten zurück, den hat nämlich eine andere Kollegin inne. Und im Grunde will ich ihn auch gar nicht wieder, ich mag das Lizenzthema immer noch. Ich mag es, mich in diese Themen einzuwühlen, Detektiv zu spielen, mit Zahlen zu jonglieren.

Was ich nicht mag, ist das Umfeld, das Drumherum, die Unterstellungen und die gehen eindeutig von einer Person aus. Wer sagt, ich solle mir einfach ein dickeres Fell zulegen, dem kann ich nur sagen, dass mein Fell bereits viel dicker ist als bei anderen. 3 Jahre Hotline überlebt man nur, wenn man sich ein kilometerdickes Fell wachsen lässt. Eigentlich habe ich bereits viel zu lange gewartet, habe zu lange Entschuldigungen für meinen neuen Chef gesucht, es auf die Umbruchssituation im Unternehmen geschoben, aber letztendlich waren dies nur Ausreden.

Ein mieser Chef bleibt einfach ein mieser Chef!

Frustriert

Im Moment bin ich ziemlich genervt von meiner Arbeit. Das wird mir grad alles zuviel, und nicht nur weil ich mich nach Urlaub sehne.

Die Arbeitsbelastung ist derzeit enorm hoch und eine Besserung nicht abzusehen. Zuviele Projekte, die alle noch vor meiner Elternzeit abgefrühstückt werden sollen, obwohl sie eigentlich auf 1-2 Jahre angelegt waren. Dazu die Etatplanung fürs nächste Jahr, die allein schon nervenaufreibend genug ist, aber möglichst noch vor meinem Urlaub durchgeprügelt werden muss.

Dann warten alle auf das Intranet-Handbuch für unser Buchungssystem, was ich zwar angefangen habe, aber dessen Fertigstellung durch die anderen Aufgaben auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Das normale Tagesgeschäft fällt auch noch an und ist leider auch genug für einen normal ausgelasteten Arbeitstag.

Dazu kommen noch die Emailbomben, die völlig unerwartet im Postfach auftauchen und die ganze Planung weiter torpedieren. Eine solche Bombe tauchte Dienstag letzte Woche auf. Seitdem beschäftige ich mich täglich 2 Stunden lang damit, Zahlen nachzuforschen, Buchungen anzuschauen und Fehler in den Zuordnungen aufzuspüren. Blöd nur, dass ich seit Dienstag 3 Tage in Ganztagesbesprechungen gefangen war. Und ganz ehrlich, ich bin der Meinung, dass wir genau für solchen Kram das Controlling haben.

Hat aber meine oberste Vorgesetzte heute nicht davon abgehalten, mir nochmal richtig Druck zu machen. Sie bräuchte die Zahlen jetzt aber sofort, weil sonst könnte sie den Monatsbericht für die Gesellschafter nicht fertig stellen. Und die Gesellschafter fragen schon ständig. Ist ja auch nicht so viel. Und mein Chef könne mir ja morgen Vormittag noch helfen, falls ich nicht klar kommen sollte.

Na klar beschäftigt sich mein Chef mit solchem Popelkram, hat ja sonst nix zu tun. Und es hat nichts mit nicht klar kommen zu tun, sondern einfach mit viel zu wenig Zeit für die Vielzahl an Aufgaben. Denn mir sitzt schon die Buchhaltung im Nacken, warum die Rechnungen unserer Abteilung noch nicht fertig sind. Und wenn die ersten Mahnungen eintrudeln, dann steppt der Bär erst richtig.

Was mich ärgert ist, dass es alles so als selbstverständlich hingenommen wird. Wenn das so weiter geht, dann seh ich keine andere Möglichkeit, mir von meiner Ärztin ein Beschäftigungsverbot ausstellen zu lassen. Ich glaube nicht, dass so viel Stress und Druck sich günstig auf die Schwangerschaft auswirken.

Da sind meine Prioritäten klar gesetzt, Loyalität zum Job hin oder her.

EDIT: Ich habe gestern noch die Aufstellung fertig gemacht und war doch recht zuversichtlich, dass sich damit das Thema erledigt hat. Doch leider weit gefehlt. Ich durfte heute wiederran, die ganze Aufstellung nochmal gegen die Plankosten rechnen. Eigentlich hatte ich ja was ganz anderes vor. Also wird die Bugwelle an zu erledigenden Aufgaben, die ich vor mir her schiebe, größer und größer …