Wenn’s mal wieder länger dauert …

Ich habe doch keine Zeit!

Ehrlich, für mich könnte der Tag aktuell 48 Stunden haben und es würde trotzdem nicht für all meine Aktivitäten reichen. Ich schreibe seit mehreren Wochen an der Beziehungsgeschichte meines Mannes und mir. Es ist nicht vergessen, nur benötige ich dafür ein gewisses Maß an Muse und eben Zeit.

Der nächste Blogeintrag für den Reiseblog ist ebenfalls seit mehreren Tagen in Bearbeitung. Dort liegt das Problem nicht an der Muse, so einen Text kann ich jederzeit schreiben. Allerdings möchte ich den Eintrag entsprechend bebildern, doch das Hochladen der Bilder durch unsere Klingeldrahtinternetleitung dauert gefühlte Ewigkeiten. Dann stellte ich fest, dass die Imagedateien zuviel Speicherplatz belegen, aber das WordPress-interne Skalieren nicht die Dateigröße verringert, sondern im Gegenteil noch mehr Speicherplatz belegt, da das skalierte Bild zusätzlich zum Originalbild auf der Medienseite abgelegt wird. Löschen kann man nur beide Bilder komplett, leider nicht selektiv. Heißt also, dass wenn ich den Blog noch eine Weile optisch ansprechend gestalten möchte, muss ich alle bisher hochgeladenen Bilder löschen, durch kleinere Versionen ersetzen und die bisherigen Blogeinträge mit den kleinen Bildern versehen. Dauert vermutlich nur 3-5 Jahre o.O

Dann mausert sich meine Süße derzeit zu einer echten Terrorzicke. Für den ein oder anderen mag es ungwöhnlich klingen, aber ich stille sie immer noch. Nur Abends zum Einschlafen und in der Nacht zum Durchschlafen, manchmal auch Mittags zum Mittagsschlaf. Wenn es nach mir ginge, könnten wir das auch sein lassen, aber sie fordert es, mich stört es nicht sonderlich und sie schläft relativ schnell ein dadurch.
Bisher. Seit ein paar Wochen klappt das nicht mehr so zuverlässig. Sie schläft zwar immer noch ein, doch sobald ich sie ins Bett lege, wacht sie auf und beginnt sofort zu schreien. Dabei ist es egal, ob ich 10 Minuten oder 30 Minuten warte, bis ich sie ins Bett lege, ob sie sich laut schnarchend im Tiefschlaf befindet oder nur friedlich schnuffelnd in meiner Armbeuge liegt. Sie brüllt sich innerhalb kürzester Zeit so in Rage, dass es eine gute Stunde braucht, bis sie einigermassen wieder beruhigt ist. Wir versuchen, sie daran zu gewöhnen, auch mal alleine im Bett einzuschlafen. Dazu lassen wir die Türen zum Schlafzimmer auf und im Vorzimmer das Licht an, so dass sie uns hören kann und nicht in völliger Dunkelheit liegen muss. Funktioniert nur leidlich. Gestern haben wir sie nach 10 Minuten wieder aus dem Bett geholt, da hatte sie sich schon fast komplett wieder ausgezogen. Als wir sie eine Stunde später erneut hinlegten, fing das Brüllen sofort wieder an, hörte aber nach 3 Minuten auf. Vermutlich war sie aus purer Erschöpfung eingeschlafen.
Wie auch immer, dadurch begann mein Feierabend um 22:15 Uhr. Yay!

Seit einigen Wochen sind wir mit dem Umbau des Kinderzimmers vom Großen beschäftigt. Zuerst hatten wir Kleiderschrank und Kommode durch praktischere Modelle ersetzt und jetzt im zweiten Schritt das Hochbett noch höher gebaut. Da mein Mann zwei linke Hände voller Daumen hat, blieb dies fast komplett an mir hängen. Im Urlaub konnte ich tagsüber aus Gründen nichts machen, also habe ich die letzten 3 Tage nach Feierabend jeweils 2 Stunden im Kinderzimmer gewerkelt, bevor ich mich dem Zickenterror stellte.

 

Eigentlich wollte ich heute noch nach Feierabend in den Baumarkt fahren und Klebefolie kaufen, um die Rückseiten der Schränke damit zu bekleben, denn so wirklich hübsch sehen die nicht aus. Heute morgen kam mir spontan die Idee, das nächste Woche zusammen mit dem Großen zu erledigen, wenn ich ihn aus dem Hort abgeholt habe, dann könnte er sich selber die Folie aussuchen. Allerdings benötigt er unbedingt eine Lampe oben an seinem Bett, dass wenn er nachts mal raus muss, das nicht im Dunkeln bewerkstelligen muss. 1,60 m Unterkante sind nämlich ganz schön hoch. Werde ich wohl doch heute losmüssen.

Morgen ist Fussball und natürlich gehen wir dahin, wozu sonst haben wir eine Dauerkarte. Trotzdem geht dadurch der Großteil des Tages flöten. Hinzu kommt, dass ich ganz dringend meinen Personalausweis verlängern lassen muss, was man zum Glück bei uns auch sonnabends machen lassen kann, nur geht damit wieder ein halber Tag weg, aufbrezeln, Passbilder machen lassen, warten und so.

So gerne würde ich auch mal wieder ausgiebig ein nettes Spiel zocken oder in Ruhe ein Buch lesen oder unsere Tatortreiniger-DVDs anschauen, aber dafür bleibt schlicht keine Zeit übrig.

Vom Bürofenster aus kann ich seit zwei Tagen einen jungen Mann beobachten, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein großes Stück Brachland von Steinen bereinigt. Sehr Zen! Vielleicht sollte ich das auch mal probieren.

Nur wann?!

Märtyrer

Die Attentäter von Paris sind tot. Sie legten es die ganze Zeit darauf an, als Märtyrer zu sterben. Unter solchen Vorzeichen ist es für die Einsatzkräfte in der Tat schwierig, die Situation zu klären und die mutmaßlichen Täter am Leben zu lassen.

Was aber geht ist, den Tätern keine Bühne zu geben. Nicht ständig ihre Bilder in allen Medien zu zeigen. Ihre Namen nicht mehr zu nennen. Jetzt, wo dies für eine Fahndung nicht mehr nötig ist.

Ich weiß noch, wie der Amokläufer von Erfurt heißt. Der Bombenleger von Oklahoma. Der Attentäter von Utøya. Dabei will ich das gar nicht, es interessiert mich auch nicht.

Die Taten sind schrecklich und sprechen schon so genug für sich. Sie brauchen nicht mit den Gesichtern der Täter angereichert werden!

Ist das Kunst oder kann das weg?

Während der ersten meiner beiden stationären Therapien gab es auch Malen Kunsterziehung Ergotherapie, wo die Patienten wundervolle Kunstwerke schaffen konnten. Manchmal gab es vorgegebene Themen für Einzelne, manchmal Gruppenthemen, oder manchmal durften wir auch einfach das malen, worauf wir Lust hatten.
Gruppenthemen wurden dann von der Gruppe ausgewertet, mitunter geschah dies auch bei den Einzelthemen. Da wir ja therapiert wurden, waren die künstlerischen Aspekte bei den Auswertungen vollkommen egal, sondern es ging vielmehr darum, was der Künstler ausdrücken wollte, was die Betrachter wahr nahmen und ob eventuell tieferliegende Probleme ihren Weg ans Tageslicht fanden.

Das erste Bild entstand in meiner ersten Stunde und ich sollte versuchen, meine aktuelle Situation/Persönlichkeit/Befindlichkeit darzustellen. Das Format ist A1, ein klares Indiz für eine narzistische Persönlichkeitsstörung. Ich bin offen für Vorschläge, was es sonst noch über mein damaliges Ich aussagt. Das Bild hängt bei uns im Flur.

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Das nächste Bild entstand bei einer freien Themenrunde und offensichtlich war ich an diesem Tag nicht ganz so gut drauf. Gerade bei der ersten Therapie kam das häufiger vor.

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Beim dritten Bild weiß ich noch genau, wie es entstanden ist. Es war wieder freies Thema und wir durften mit den Staffeleien raus in den Garten, wo uns herrlichstes Sommerwetter empfing. Wir verteilten uns im Klinikgarten und ich suchte mir ein schattiges Plätzchen unter einer riesigen alten Eiche und malte einfach drauf los.

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Das letzte Bild war zugleich mein Therapieabschlusswerk und ich sollte wieder meine aktuelle Situation/Persönlichkeit/Befindlichkeit darstellen. Ich wollte wieder das ursprüngliche Format nehmen, griff aber nur zu A2, was möglicherweise schon ein Hinweis auf einen ersten Therapieerfolg ist. Ob mein Klinikaufenthalt sonst noch etwas gebracht hat, überlasse ich der Interpretation des Betrachters 😉

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Die letzten 3 Bilder sind alle im Format A2 und hängen als Abschreckung Dekoration überm Wickeltisch.

Unser Heim soll schöner werden

Irgendwie rappelt’s mich grad wieder und ich muss werkeln. Da Möbel aufbauen aus Platzmangel ausfällt, strapaziere ich eben mein Dekorationstalent.

Erstes Projekt war eine Fotowand, da die Bilder bislang wenig beachtet ihr Dasein in einem Regal fristeten:

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Und wenn ich schon mal bei Bildern bin, bekam der Flur auch gleich welche ab, wir hatten da ein paar schöne Landschaftsmotive aus dem Englandurlaub übrig:

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Zum Abschluss packte ich meinen grünen Daumen aus und topfte ein paar Pflanzen ein und um. Zwei stammen aus dem Treppenhaus, wo ihre Töpfe viel zu klein geworden sind und die beiden Mini-Aloes waren im Topf der großen Aloe drin und gingen dort regelrecht unter:

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Mal schauen, was ich morgen mache 🙂

Wahllichtbildvorlage

Heute morgen war also mein Termin bei der Polizei. Und natürlich hab ich mir letzte Nacht einen Riesenkopp darum gemacht, wie das heute ablaufen wird und ob ich überhaupt eine brauchbare Aussage machen kann, immerhin ist der Vorfall ja schon ein knappes halbes Jahr her und so wahnsinnig lange konnte ich mir die Bösewichter nicht angucken. Ich wälzte mich also unruhig im Bett hin und her und bin dann ohne auch nur etwas geschlafen zu haben, wieder aufgestanden.

Ich bin trotzdem einigermaßen fit bei der Polizei angekommen und nach einer kurzen Erklärung ging es auch schon los. Mir wurde ein Blatt vorgelegt, auf dem 8 Bilder von Frauen abgebildet waren. Nur zwei davon sahen aus, als wenn sie nicht von Drogensüchtigen vom Straßenstrich stammen würden, sehr verlebt, sehr fettige Haare, sehr ungepflegtes Erscheinungsbild. Sorry, falls ich damit Jemandes Gefühle verletze, aber ich kann es nicht besser beschreiben. Mehrere hatten noch die falsche Haarfarbe.

Ich konnte mich relativ schnell auf eine der beiden verbleibenden Personen festlegen, sagte aber auch gleich dazu, dass ich sie nur am Pflegezustand, der Haarfarbe und der Frisur erkennen würde, nicht aber an bestimmten Gesichtszügen. Für solche Details waren die Umstände zu ungünstig.

Der Beamte legte mir daraufhin ein Blatt hin, auf dem 8 Bilder von Männern abgebildet waren. Aber hier musste ich komplett passen. Alle sahen sehr südländisch aus, alle hatten schwarze Haare und eher rundliche Gesichter und nur einer hatte keinen Schnauzbart. Ich hab dem Polizisten dann auch gesagt, dass es bei den Männern nichts bringt.
Ich hätte raten müssen und Lotto spielen bei dem Thema ist doof. Ich will ja auch niemand falsches beschuldigen.

Nach dem Bilder gucken kam der Papierkram. Der Beamte schrieb im Zwei-Finger-Suchsystem und malträtierte die Tastatur so sehr, dass ich jeden Moment dachte, die zerbricht gleich. Ich dachte bisher immer, mein Mann hätte einen harten Anschlag beim Schreiben, aber ich wurde heute eines besseren belehrt. Vermutlich liegt es noch an der alten Schule auf mechanischen Schreibmaschinen, wo man wirklich mit aller Kraft auf die Tasten hämmern musste, um die gewünschten Buchstaben zu entlocken. Vom Alter her hätte es bei dem Beamten jedenfalls passen können.

Ich wartete geduldig, dass der Beamte den Schreibkram fertig hat und schaute mich derweil im Zimmer um. Das Zimmer selbst war nikotingelb gestrichen, überheizt und sehr stickig. Das würde auch erklären, warum den Beamten eine sehr herbe Duftmarke umgab. Sein ihm gegenübersitzender Kollege bearbeitete in aller Seelenruhe diverse ausgedruckte Emails von Onlineanzeigen, jede ordentlich abgestempelt und zusammengetackert. Er löste die Heftklammern professionell und schnippte sie dann seitlich hinter sich vom Schreibtisch. Dort stand aber leider kein Papierkorb, sondern die Klammern landeten einfach auf dem Boden. Ein kurzer Blick auf die beachtliche Sammlung verbogener Heftklammern signalisierte mir, dass der gute Mann das schon immer so machte ™.

„Mein“ Beamter druckte sich mittlerweile einen Wolf und gab mir einen dicken Stapel, den ich unterschreiben sollte. Dabei fiel mir auf, dass er vergessen hatte zu notieren, wen ich denn nun eigentlich als Täterin erkannt haben will. Er nahm also die Blätter wieder an sich, korrigierte im System den Fehler und druckte alles erneut aus. Diesmal unterschrieb ich auch brav und dachte, ich könnte dann gehen. Aber nein, es fehlte noch das Formular A43. Ich konnte mich also weiter im Zimmer umschauen.

So bewunderte ich die antike, handgeschmiedete Wetterstation des Klammer-Übeltäters. Sah die beiden nicht minder antiken Radios. Die an der Pinnwand festgenadelten Schreiben zur Amtshilfe, die alle mehrere Jahre alt waren. Eine Deutschlandkarte, die so alt aussah, als würde sie bei der leisesten Berührung zu Staub zerfallen, aber immerhin schon die wiedervereinigte Republik zeigte. Zwei Werbewandkalender. Und eine Grünpflanze, welche sich sichtlich wohl in diesem subtropischen Klima fühlte. Die Rollläden waren heruntergelassen und von draußen dröhnte das dumpfe Hämmern der Großbaustelle nebenan herein. Wenn das den ganzen Tag so ging, hatten die beiden abends bestimmt immer gut Kopfschmerzen. Und ich konnte verstehen, warum sie die Fenster nur ungern öffneten.

Der Beamte hatte dann auch das letzte Formular fertig, erklärte mir kurz den Inhalt und ich unterschrieb brav. Jetzt war der Termin aber wirklich vorbei und ich wurde noch zur Tür gebracht, damit ich auch ja nicht irgendwo falsch abbiege und hochgeheime Ermittlungsarbeit ausspionieren könnte 😉

Schade eigentlich, ich finde Polizeiarbeit nämlich unglaublich spannend. Sind ja letztendlich auch nur Menschen 🙂