Nichts Neues!

Feuervogel hatte mich bei Achterbahn gefragt, ob es etwas Neues gibt und nach dem initialen

Nö, aktuell nicht.

merkte ich, dass die nachfolgende Antwort doch länger wird und einen eigenen Beitrag verdient. Also dann ein wenig ausführlicher.

Es ist vergleichsweise ruhig, aber irgendwo so, wenn man im Auge eines Tornados steht. Da kann jederzeit die Apokalypse wieder hereinbrechen. Die Stimmung auf Arbeit ist irgendwie seltsam, als ob alle den Atem anhalten.

Der erste Teil der Umzüge wurde in einer großen Hauruckaktion fast ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht. Auf der einen Seite freut es mich, dass die Mitarbeiter so großartige Arbeit geleistet haben, aber auf der anderen Seite wird damit ein völlig falsches Signal an die Geschäftsführung gesendet. „Seht her, wozu brauchen wir irgendeine Planung oder professionelle Helfer, wir kriegen das doch locker nebenbei aus dem Handgelenk geschüttelt.“ Dass meine Kollegin, die das ganze organisiert, kurz vorm Kollaps steht, sieht niemand der Entscheider.

Mit dem Umzug ist auch C1 an den neuen Standort gezogen und evtl. kann ich seinen Firmenparkplatz „beerben“. Das wäre toll, da ich derzeit immer halb illegal parke und Gefahr laufe, dass mein Auto abgeschleppt wird. Trotzdem ich das Fahrrad habe, werde ich an mindestens zwei Tagen pro Woche mit dem Auto auf Arbeit fahren, damit ich das Fußballtraining des Großen zeitlich besser gebacken kriege.

BK ist immer noch im Lizenzteam und macht weiterhin jede Menge Blödsinn. Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird, ich weiß aber auch nicht, ob C1 bereits mit C3 darüber sprechen konnte. Meine Einstellung ist, dass ich nur noch meinen Teil mache und alles, wofür ich nicht zuständig bin, geht zurück an BK. Wie sie es dann verbockt, ist allein ihre Entscheidung, ich werde mir da nicht mehr die Finger verbrennen.

Als nächstes habe ich für Mai ein Mitarbeitergespräch mit C3 geplant, wo ich um die Entfristung und eine Gehaltsanpassung auf die Gehaltsstufe meines Vorgängers bitten werde. Bis dahin sollte ich dann auch ein ruhigeres Büro und meinen seit Dezember genehmigten höhenverstellbaren Tisch gegen meine Rückenschmerzen haben. Beides bereits beantragt. Außerdem möchte ich eine generelle Schulung zum Thema Lizenzmanagement haben, da ich mich bislang nur mit selber angeeignetem Wissen und einer mickrigen Microsoft-Schulung durch die komplexen Strukturen wurschtel. Wird auch nur einer der Punkte nicht erfüllt, fange ich an, Bewerbungen zu schreiben.

Bis dahin kümmer ich mich um meinen Seelenfrieden, der in letzter Zeit massiv zu kurz gekommen ist. Dazu gehören unter anderem weitere Reiseblogeinträge und der Erfahrungsbericht zum neuen Zimmer unseres mittlerweile 3-jährigen und mächtig großen Mädchens. Nebenbei planen wir unseren Sommerurlaub, nachdem sich die Chinareise wohl zerschlagen hat. Da war vom chinesischen Kindergarten eine einwöchige Reise nach Nanjing geplant, wo deutsche Familien bei chinesischen Familien wohnen. Die Eltern würden auf dem Sofa schlafen, die Kinder auf Luftmatratzen in den Kinderzimmern und man käme hautnah in Kontakt mit dem chinesischen Alltag und dem Familienleben. Fanden mein Mann und ich eine klasse Idee und wollten ursprünglich noch ein oder zwei Wochen Individualurlaub hinten dran hängen und das Land erkunden, wo wir doch schon mal da wären, denn der Flug ist immer noch das Teuerste an so einer Reise. Leider hat der Kindergarten bisher auf keine unserer Anfragen bezüglich Kosten oder konkreter Planungen reagiert.

So machen wir nun 12 Tage Urlaub in Dänemark, wo genau wissen wir noch nicht, auch nicht, was wir uns da ansehen werden. Falls jemand Tipps hat: her damit.

Also wirklich Neues gibt es nicht 😉

Achterbahn

Jeden Tag was Neues, soll ja nicht langweilig werden.

Ich hatte am Dienstag meinen alten Chef gebeten, mich quasi wieder zurückzunehmen, weil die Situation zu belastend für mich geworden war. Dass dies nicht ging, war uns beiden klar, aber er versprach, sich etwas zu überlegen. Gestern fragte ich vorsichtig nach und er lud mich zu einer kurzen Unterhaltung ein.

Dabei kam heraus, dass ich neuerdings und von mir unbemerkt einen neuen Chef bekommen hatte, der dritte in 3 Monaten. Ich sollte anfangen, sie für den Blog durchzunummerieren. Chef 3 also ist der neue IT-Leiter, mit dem ich am Montag ein sehr ausführliches Gespräch geführt hatte, ohne zu wissen, dass das mein neuer Vorgesetzter ist. Es ging um die aktuelle generelle Situation und wie man am Besten die alten verkrusteten Strukturen aufbrechen und neue, zielführendere Prozesse etablieren kann. Ich fand ihn erfrischend, aber auch ein wenig naiv, versprach dennoch, tatkräftig mitzuhelfen.

Einen Tag später erzählte ein Kollege von seinen Erfahrungen mit Chef 3, welche mein Bild von ihm ein wenig eintrübte. Gestern rasselte ich ja persönlich mit ihm zusammen. Als mich dann Chef 1 fragte, wie ich Chef 3 einschätzte, konnte ich nur sagen, dass sich meine Meinung quasi stündlich ändere. Mal finde ich ihn toll, mal denke ich, was für ne Plinse. Was ich ihm aber zugute halten muss ist, dass ich offen mit ihm über Probleme reden kann, dass ich nicht das Gefühl habe, auf jedes Wort achten zu müssen und ich denke, dass er eher niemand ist, der andere in die Pfanne hat. Mit der Faust auf den Tisch hauen, das denke ich schon, aber kann bei den IT-lern nicht schaden, die lebten zu lange in ihrem Dornröschenschloss.

Chef 1 meinte weiterhin, dass er Chef 3 empfehlen wird, sich zwischen sämtliche seiner Mitarbeiter und der Beschaffungsabteilung, namentlich BK, zu stellen, um so einen Puffer zu bilden. C1 hätte das auch schon so gemacht, weil anders eine halbwegs konstruktive Zusammenarbeit mit BK nicht möglich gewesen wäre. Ich meinte, das ist toll, nur ist BK Teil des Lizenzmanagementteams, was es mir quasi unmöglich macht, C3 als Puffer zu verwenden, ich könne ihn ja schlecht zu den Teammeetings mitnehmen. C1 sagte, dass er empfehlen wird, das Lizenzmanagementteam aufzulösen, da die Beschaffung dort gar nichts zu suchen hat, sondern erst ins Spiel kommt, wenn es um den letztendlichen Kauf geht. Da sind alle wichtigen Fragen schon geklärt.

Ich hätte C1 knutschen können.

Erneut brachte ich die Sprache auf die Entfristung meines Vertrags und C1 war erstaunt, dass dies immer noch nicht geschehen ist. Ich erklärte, dass ich mit C2 damals beim Positionswechsel vereinbart hatte, dass dies mit der Entfristung einhergeht, aber als ich zwei Wochen später nachfragte, konnte sich C2 nicht mehr daran erinnern. Als ein Kollege C3 vor Kurzem nach der Entfristung fragte, meinte der nur trocken, es wäre ja noch genug Zeit und er sähe gar kein Problem darin, wenn sich der Kollege am 1. Juli erstmal auf dem Amt meldet.

Sowas kommt gar nicht gut und entsprechend zurückhaltend bin ich, jetzt selber C3 zu fragen. Das sagte ich C1 und der kannte – natürlich – die Geschichte auch schon. Und meinte, dass er diese Aussage für sehr unglücklich hielt und dafür C3 ein wenig den Kopf gewaschen hätte, woraufhin C3 einlenkte und seinen Fehler tatsächlich einsah. Der Kollege ist zwar immer noch befristet, aber ein Chef, der einen Fehler einsieht, ist schon mal eine klasse Sache.

Wenn sich die Umzugsgeschichte hier ein wenig beruhigt hat, werde ich einen erneuten Versuch der Entfristung starten. Muss doch irgendwie möglich sein.

Ansonsten unterhielten sich C1 und ich noch über dies und das, an generellen Gesprächsthemen mangelt es derzeit nicht. Ich bin jetzt ein wenig entspannter, was meine persönliche Situation angeht. Dafür verschärft sich die Arbeitslast gerade dramatisch, da wir Ende Mai das Voraudit zur ISO27001-Zertifizierung haben und aktuell nicht ein einziges Dokument auf einem halbwegs brauchbaren Stand ist. Diese ca. 50 Dokumente bis zum Termin aufzupäppeln, ist jetzt meine Aufgabe und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das schaffen soll. Vermutlich so wie immer, ein Dokument nach dem anderen.

Mögest du in interessanten Zeiten leben.

Notbremse

Schrieb ich gestern noch, dass ich immerhin nicht heulend im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitze, hat sich das heute bereits überholt.

Mir geht es richtig schlecht. Obwohl alle gestern total nett waren und selbst das Personalgespräch sehr angenehm verlief, gab es zwischen den Zeilen Aussagen, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass meine Arbeitskraft überhaupt noch geschätzt wird.

Mitten in der Nacht, ich glaube, es war halb 5, bin ich heute aufgewacht und sofort stürmten die Gedanken über die Arbeit auf mich herein. Ich ging all die Gespräche der letzten Wochen und Monate in meinem Kopf durch, überlegte, was mich störte, wo die bisher übersehenen Haken lauerten. Das da Haken lauerten merkte ich daran, wie sehr mich das alles beschäftigt und an den höllischen Schmerzen in meiner rechten Schulter. Ein todsicherer Indikator, dass Dinge massiv im Argen liegen.

Am Ende kam eine Liste von Ereignissen heraus, die mich verstörte und von Weinkrämpfen geschüttelt im Bett zurück ließ. Mal schauen, ob ich das noch zusammen bekomme.

  1. Die Beschwerde über BK, besagte Kollegin, die mir wiederholt so massiv ans Bein gepinkelt hat, dass ich mich gezwungen sah, dies meinem Chef zu melden. Seine Reaktion war, dass es wohl nur daran liegt, dass die Rollen im Team nicht klar genug definiert seien und wir diese Rollen anpassen sollten. Wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht, obwohl ich der Meinung war, in meiner Email verdeutlicht zu haben, wie sehr mich diese Situation belastet.
    Bei einem Meeting wenige Zeit später, unterstellte er mir vor versammelter Mannschaft, die den Hintergrund gar nicht kannte, seltsame Befindlichkeiten in dieser Sache und forderte mich auf, diese sein zu lassen.
    Dies hat mich so sprachlos und wütend gemacht, dass ich es mir gespart habe, die ganzen Vorfälle danach, die BK verzapft hat und die negativ auf mich zurückfielen (dooferweise immer nur auf mich), zu melden, weil ich mir weitere Schmähungen in Gegenwart von Kollegen ersparen wollte. Dadurch kann aber BK jetzt quasi machen, was sie will.
  2. Das Personalgespräch wegen meiner Abwesenheiten. Mein alter Chef kannte die ganzen Hintergründe, ihm habe ich vertraut und mich auch anvertraut, warum ich jeweils ausfalle. Er weiß, dass ich trotz des Steißbeinbruchs mit extremen Schmerzen 3 Wochen auf meinem schicken Sitzkissen im Büro saß. Er weiß auch, dass ein Beinbruch beim Kind ein unvorhersehbares Ereignis ist.
    Trotzdem hätte er mir nie Drückeritis oder Faulenzerei unterstellt.
  3. Das Schöffenthema. In der Personalabteilung hat niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wie das mit den Schöffen und den Gerichtsterminen abläuft. Trotzdem wurde mir unterstellt, ich hätte mir die Termine selbst ausgesucht, hätte mir die Termine selbst so gelegt, wie ich gerne frei hätte und so weiter. Dass nichts davon in meinem Einflussbereich liegt, musste ich erst mühsam und ausführlichst erklären.
  4. Der geplante Umzug. Die Firma hat vor einem Jahr ein kleineres Konkurrenzunternehmen aufgekauft und jetzt steht die Verschmelzung der beiden Unternehmen an. Dazu gehört auch, dass Abteilungen von den beiden Standorten zusammengelegt werden. Dafür ziehen Teile der Mitarbeiter von Standort B nach Standort A und umgedreht. Es war immer geplant, dass ich bei dem Umzug mit dabei bin, um so weiter in Kontakt mit meinen alten Kollegen bleiben zu können. Diese Tatsache hat mich ein Stück weit durch den Stress getragen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen waren ein guter und willkommener Ausgleich zum Irrsinn im Büro.
    Als ich nach meiner Krankheit wiederkam, wusste niemand mehr davon, dass ich mit umziehen sollte. Stattdessen wurden Begründungen gesucht, warum es unbedingt besser ist, dass ich hier bleibe. Ich bin anderer Ansicht, aber das ändert nchts daran. In weniger als zwei Wochen werde ich das vorerst letzte Mittagessen mit meinen geliebten Kollegen haben.
  5. Die Arbeitsüberwachung. Seit zwei Monaten müssen sämtliche Mitarbeiter unserer Unternehmenseinheit ihre Arbeitszeit komplett im Ticketsystem erfassen. Alles. Die ganzen 100%. Erreichen wir die 100% nicht, gibt es einen Rüffel.
    Ich halte dies für hochgradigen Blödsinn.
    Dass man versucht, den Arbeitsaufwand in Projekten zu erfassen, ist ok. Dies wird eh meist dem Kunden in Rechnung gestellt oder kann für zukünftige Projekte als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Selbst um kurzfristig verdeutlichen zu können, wie hoch die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern generell ist, könnte man eine solche Erfassung nutzen. Es wird aber dauerhaft gefordert.
    So muss nun jeder Klogang, jedes Telefonat, jedes Emailwegsortieren erfasst werden. Ich empfinde das als Gängelei. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.
  6. Die Arbeitsbelastung. Ich erwarte von einem Chef, dass dieser grob abschätzen kann, wie viel Aufgaben pro Tag oder Woche von einem Mitarbeiter erledigt werden können. Und ich erwarte, dass wenn die Grenze erreicht ist, der Chef entsprechende Maßnahmen ergreift. Mein Chef jedoch kippt alles, was bei ihm auf dem Tisch landet, einfach bei den Mitarbeitern ab, ohne Rücksicht auf Verluste. Und beschwert sich dann, wenn Aufgaben liegen bleiben oder erst verspätet erledigt werden. Schiebt aber gleichzeitig immer noch höher priorisierte Aufgaben dazwischen, die immer gestern fertig sein müssen.
    Von Rücken frei halten, von Druck von oben wegnehmen, von schützend vor den Mitarbeiter stellen keine Spur.

All das war mir dann einfach zu viel. Ich bedauerte, dass ich freiwillig meinen Assistenzposten aufgegeben hatte. Hätte ich damals gewusst, was für Konsequenzen es haben würde, ich hätte dankend abgelehnt. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass mit mir im Zuge des Positionswechsel eine interne Probezeit vereinbart wurde, um zu schauen, ob das Thema Lizenzen überhaupt was für mich ist. Sollte sich herausstellen, dass ich ungeeignet dafür bin, könnte ich wieder zurück auf meinen alten Posten.

So führte mich heute morgen mein erster Weg zu meinem alten Chef, wo ich ihm mitteilte, dass ich die Probezeit beenden und wieder zurück will. Ich erklärte ihm die Gründe, erklärte, wie unglücklich ich bin, wie allein gelassen ich mich fühle und wie schlecht es mir geht. Dass ich derzeit keine andere Möglichkeit sehe, etwas an meiner Situation zu ändern.

Der alte Chef schüttelte nur den Kopf. Er war wütend, wie mein neuer Chef in so kurzer Zeit so viel verbrannte Erde erzeugen konnte. Er meinte, dass dies nicht nur mir so geht, sondern es an allen Ecken und Enden brennt, für die mein neuer Chef zuständig ist. Er fragte sich, was mit dem Kerl los sei. Aber am Ende war er auch ratlos. Ich kann nicht auf meinen alten Posten zurück, den hat nämlich eine andere Kollegin inne. Und im Grunde will ich ihn auch gar nicht wieder, ich mag das Lizenzthema immer noch. Ich mag es, mich in diese Themen einzuwühlen, Detektiv zu spielen, mit Zahlen zu jonglieren.

Was ich nicht mag, ist das Umfeld, das Drumherum, die Unterstellungen und die gehen eindeutig von einer Person aus. Wer sagt, ich solle mir einfach ein dickeres Fell zulegen, dem kann ich nur sagen, dass mein Fell bereits viel dicker ist als bei anderen. 3 Jahre Hotline überlebt man nur, wenn man sich ein kilometerdickes Fell wachsen lässt. Eigentlich habe ich bereits viel zu lange gewartet, habe zu lange Entschuldigungen für meinen neuen Chef gesucht, es auf die Umbruchssituation im Unternehmen geschoben, aber letztendlich waren dies nur Ausreden.

Ein mieser Chef bleibt einfach ein mieser Chef!

Wer lesen kann …

… ist klar im Vorteil.

Nie war dieser Spruch so aktuell wie heute bei mir auf Arbeit.

Wie bekannt, arbeite ich seit mehreren Wochen an einem Dokument, anhand dessen die Geschäftsführer entscheiden sollen, wie es mit der Microsoft Lizenzierung bei uns im Unternehmen weitergeht.

Bei der Besprechung eines ersten umfangreichen Entwurfs kam es bereits wegen Nichtlesens zu einem Eklat. Im Nachgang hatte ich meinem Chef eine entsprechende Email geschickt, in der ich mich unter anderem beschwerte, dass bevor Anmerkungen zu dem Dokument gemacht werden, dieses doch bitte vorher wenigstens einmal gelesen werden sollte.

Nun gut. Die Wogen glätteten sich, das Dokument wurde weiter von mir überarbeitet, ich habe mit externen Beratern gesprochen, welche das Dokument ebenfalls überprüften und auch alle anderen Beteiligten brachten sich in den Entwurf ein. Gestern konnte ich endlich den finalen Entwurf präsentieren.

Mein Chef wollte, dass in dem Dokument zwei Entscheidungsvarianten aufgelistet werden. Bei meiner Arbeit stellte ich aber fest, dass die gewünschte 2. Option gar keine Option mehr ist, weil sie schlicht viel zu teuer ist. Also nicht nur so ein bisschen teurer, sondern so im mittleren 6-stelligen Betrag teurer. Deswegen liess ich diese weg und erklärte dies in der Informationsmail an alle Beteiligten. Ebenso erwähnte ich in dieser Email, dass ich heute erst ab 12 Uhr im Unternehmen bin, weil hier bei uns die Lehrer streiken und mein Kind erst ab 12 Uhr in den Hort kann.

Ich kam also um 12 Uhr in die Firma und sah mein Telefon wild blinken. Ich solle dringend zurückrufen. Hab ich getan, nur ging keiner ran. In meinem Postfach ebenso eine Mail mit der Bitte um Rückruf.

Als ich endlich die Beteiligten erreicht hatte, beschwerte sich BK (ausgerechnet), dass ich den ganzen Vormittag nicht zu erreichen gewesen wäre. Außerdem beschwerte sie sich, dass sich mein Chef bei ihr beschwerte, dass ich nicht zu erreichen wäre. Ja, beide haben meine Email bekommen.

Mein Chef beschwerte sich außerdem, warum denn nicht wie abgesprochen die 2 Varianten im Dokument wären. Und er wollte eine ausführliche Begründung im Dokument mit konkreten Zahlen und Verlinkungen zu den Beispielrechnungen. Das alles ist aber schon im Dokument drin, auf Seite 2. Hat er also nicht nur meine Email nicht gelesen, sondern auch das Dokument nicht, welches er heute eigentlich der Geschäftsführung vorlegen wollte.

Hab ich gestern noch gefeiert, dass diese leidige Thema endlich vom Tisch ist, darf ich heute nun wieder an diesem beschissenenwundervollen Dokument arbeiten, um die Änderungen einzubauen, die entweder keinen Sinn machen oder aber bereits drin sind.

Ich höre Schilda leise aus der Ferne grüßen …

Torpedo – Nachtrag

Ursprünglich habe ich angefangen zu bloggen, um mir Dinge von der Seele zu schreiben. Ich dachte, wenn ich meine Gedanken zu (virtuellem) Papier bringen würde, verschwinden sie aus meinem Kopf und geisterten da nicht länger herum. Das funktioniert im Allgemeinen recht gut, bei manchen Themen aber überhaupt nicht. So ärgerte ich mich gestern Abend immer wieder über besagte Kollegin und erst nach einer ausgiebigen Runde Diablo 3 wurde es soweit gut, dass ich wenigstens einschlafen konnte.

Erstaunlich ausgeruht und gut gelaunt ging ich heute auf Arbeit, nur um direkt in meinem Büro ebenjene Kollegin vorzufinden, die mit der Assistentin meines Chefs (mit der ich mir das Büro teile) versuchte, einen Termin zu finden, an dem wir gestern durchgesprochenes Dokument finalisieren können. Sie überlegten hin und her und fanden dann einen Termin. Sie fragten mich, ob ich an diesem Termin könne, was ich verneinen musste. An diesem Tag haben wir eine ganztägige Besprechung mit einem externen Berater, den BK (besagte Kollegin) vereinbart hatte und auch mit daran teilnehmen wird.

Könnt ich mich schon wieder aufregen, dass man solche eigenen Mammuttermine nicht auf dem Schirm hat. Dass halbstündige Termine über weniger wichtige Themen untergehen, kein Ding, aber ein ganztägiges Meeting komplett ausblenden?
Nun gut.
Es wurde ein für alle geeigneter Termin gefunden und die Sache war erstmal erledigt. Bis BK auf mich zukam mit einem Vorgang, den an sich sie zu erledigen hat, den sie aber mir aufs Auge drücken wollte. Als ich fragte, warum ich das machen sollte, meinte sie, das wäre eben meine Aufgabe als Lizenzmanagerin. Schulterzuckend nahm ich das Papier entgegen, in der Fülle meiner Aufgaben macht das Ding das Kraut nun auch nicht mehr fett.

BK fragte mich dann, ob was mit mir sei. Und ob was mit mir ist. Zugegebenermassen heftig erklärte ich ihr, was ist. Wie sehr es mich geärgert hat, dass ich bei der Bearbeitung des Dokuments komplett allein gelassen worden bin. BK verneinte dies sofort, meinte, sie und Teammitglied 3 hätten während meiner Abwesenheit zusammengesessen und sich über das Dokument unterhalten und Anmerkungen gemacht. Ich fragte, wo denn diese Anmerkungen sind. Na, die stünden doch in dem Dokument. Darauf erwiderte ich, dass eben nichts in dem Dokument geändert wurde, dass sämtliche Versionen von mir stammen und dass sie, so sie denn tatsächlich Änderungen gehabt hätten, diese per Änderungsverfolgung einarbeiten oder mir per Mail hätten schicken können. Nichts davon ist aber passiert, also solle sie jetzt nicht behaupten, sie hätten an dem Dokument gearbeitet.

Ich führte weiter aus, wie wütend es mich gemacht hat, dass als ich meinen Vortrag begann, sofort der erste Abschnitt als falsch hingestellt wurde. Ja, das hat sie gar nicht gemacht.

Mittlerweile war ich echt richtig sauer. Mir Fehler im Dokument während meiner Präsentation vor meinem Chef vorzuwerfen ist eine Sache, aber hinterher noch abstreiten, genau dies getan zu haben, ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Ist ja nicht so, dass sie das irgendwie diplomatisch geäußert hätte, sondern sie sagte knallhart „das ist aber falsch“. Ich äußerte mich entsprechend und auch entsprechend laut.

Ich solle mich doch beruhigen und sie wüsste gar nicht, warum ich mich so aufrege. Ja, Mädel, DAS ist genau dein Problem. Du hast KEINE Peilung, was du sagst, was du schreibst, was du anrichtest. In deiner kleinen rosaroten Welt machst du alles richtig und alle anderen machen die Fehler.

Hab ich natürlich nicht gesagt, ich war viel zu wütend, um überhaupt noch reden zu können. Mir zitterten die Hände, mein Herz raste und ich hätte am liebsten geweint. Mir war hundeelend zumute. Ich schwieg und wartete, bis sie von alleine gegangen war.

An Arbeit war erstmal nicht mehr zu denken, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, so verletzt, gedemütigt und allein fühlte ich mich. Im Büro konnte ich auch nicht bleiben, denn die Assistentin ist soooo dicke mit BK, da war auch kein einordnendes Gespräch möglich. So machte ich mich auf, meinen Kollegen aus der ISO27001-Zertifizierung zu besuchen. Der war auch öfter schon mit BK zusammengerasselt und der würde mich verstehen oder zumindest meinen Ärger ansatzweise nachvollziehen können.

Konnte er auch und ich beruhigte mich ein wenig. Wir konnten sogar noch ein paar Lizenzthemen auf dem kurzen Dienstweg klären.
Wieder zurück am Platz überlegte ich, was ich machen könnte. Mich belastet die Situation dermassen, dass ich immer noch heulen könnte und ich das nicht als allerbeste Grundlage für konstruktive Zusammenarbeit in der Zukunft erachte. Ich dachte daran, meinem Chef eine Email zu schreiben, ihm die Situation zu erläutern und darum zu bitten, BK aus dem Lizenzteam zu nehmen. Zuvor allerdings wollte ich mit meinen alten Kollegen drüber sprechen, am liebsten hätte ich mit meinem ehemaligen Chef geredet, aber der steckte wie üblich in jeder Menge Terminen fest.

Die Mädels aus meinem alten Team waren aber auch hilfreich. Sie hörten zu und sie sagten ihre Sicht der Dinge. Und was ich ihnen hoch anrechne, sie redeten mir nicht nach dem Mund. Sie sagten mir offen ihre Meinung, waren aber auch grundsätzlich der Ansicht, dass das Verhalten so gar nicht geht. Das (vermeintliche) Bloßstellen vorm Chef nicht, das Abstreiten hinterher erst recht nicht. Ich solle das Wochenende abwarten und drüber schlafen, am Montag wäre immer noch genug Zeit. Sie schafften es sogar, mich zum lachen zu bringen, wofür ich sehr dankbar bin.

Doch nun sitze ich wieder am Platz. An Arbeit ist nicht zu denken und das Bedürfnis zu heulen, ist so stark wie zuvor. Keine Ahnung, wie ich den Tag überstehen soll 😦