Verlorene Zeit

Das Jahr begann bekanntermaßen mit einigen Tiefschlägen, die meinem eh schon schwer angeschlagenen Selbst den Rest gaben. Jetzt, mit einigem Abstand, erkenne ich das ganze Ausmaß.

Mir fehlt ein ganzer Monat in meiner Erinnerung. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass es dieses Jahr einen Februar gegeben hat, doch kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen, was ich in dieser Zeit gemacht habe. Ich nehme an, dass ich gegessen und geschlafen habe, mich um die Kinder gekümmert habe. Es gibt Fotos, ich kann mich aber nicht daran erinnern, diese geschossen zu haben.

Erst gegen Ende des Monats setzen meine Erinnerungen langsam wieder ein, als ich funktionieren musste, der Geburtstag meines Mann und meines Sohnes standen an. Ich musste Geschenke besorgen, Feiern planen.

Es gab schon mal eine vergleichbare Zeit, nach meiner ersten stationären Therapie. Als ich entlassen wurde, fühlte ich mich wie ein rohes Ei ohne Kalkschale, nur durch dieses dünne Häutchen darunter geschützt. Zu wenig Schutz für meine Seele, die einfach dicht machte. Damals war ich auch ungefähr einen Monat „weg“, ohne jegliche Erinnerungen.

Ich würde gerne sagen, dass mir diese Blackouts Angst machen, aber das tun sie nicht. Weil ich in dieser Zeit gar nicht mitbekomme, dass ich mich im abgeschalteten Zustand befinde. Das wird mir immer erst einige Zeit später bewusst.

Und nun? Warte ich einfach ab, dass ich in einem Monat meine Therapie beginnen kann und hoffe, bis dahin keinen Blackout mehr zu haben.