Bastelanleitung

Nachdem mein kleines Monster schnurrt wie eine Katze und alles artig tut, was man ihm aufträgt, dachte ich, ich zeige, wie der Rechner zusammengebaut wurde, falls es mir jemand nachmachen möchte 😉
(Dieser Beitrag soll vor allen jenen die Angst vorm Selbermachen nehmen, die sich so etwas nicht zutrauen oder denken, das wäre alles total kompliziert und erweiterte Raketentechnik. Ist es nicht! Ich schau dabei besonders Frauen an, die sich gerne hinter dem Argument „das ist Männersache“ verstecken.
Aber eigentlich schreibe ich den Artikel hauptsächlich, um noch einmal das Erlebnis Rechnerzusammenbau rekapitulieren zu können.)

Man nehme die im Artikel aufgelisteten Zutaten und schüttele sie möglichst wenig. Hilfreich ist ebenfalls, dem Postboten beim Pakete tragen zu helfen, ganz besonders, wenn das neue Gehäuse eine Echtglasscheibe hat, welche erstaunlich schwer ist, und man zudem noch unterm Dach wohnt.

Man packe vorsichtig alle Materialien aus, überprüfe auf Vollständigkeit und vor allen Dingen: man hebe die Bedienungsanleitungen auf und legt sie ein wenig abseits, aber dennoch jederzeit griffbereit ab.

Falls sich irgendwer jemals wieder über die viele Luft in Chipstüten oder ähnliche Mogelpackungen aufregen sollte: das ist alles NICHTS gegen die Chiphersteller! (Bestimmt nur Zufall, dass es beide Male um Chips geht.)
Bild 1 zeigt die geöffnete Verpackung des Ryzen-Prozessors. Ganz unten, am schmalen Rand klebt der Chip. Von außen wird er nur durch etwas Plastik geschützt, wie Bild 2 verdeutlicht. Ich persönlich finde das recht abenteuerlich.

Aber so in freier Wildbahn sieht der Prozessor schon recht hübsch aus:

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Als nächstes nehme man das Motherboard.

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Ahhhhh, manche kaufen sich den Playboy oder besuchen irgendwelche Erwachsenenseiten im Internet, ich könnte mir stundenlang solche sexy Schönheiten angucken. Hinter dem 5-eckigen schwarzen Etwas im unteren rechten Bereich leuchtet eine kleine LED und wechselt fröhlich die Farben, was das irgendwo tief in mir drinnen wohnende Mädchen sehr hübsch findet.

Oben mittig befindet sich der Sockel für die CPU. Der Einbau ist denkbar einfach. Den kleinen Hebel unterhalb des Sockels umlegen, den Prozessor auf den Sockel stecken – wobei kleine markierte Ecken sowohl auf dem Sockel als auch auf dem Prozessor helfen, die CPU richtig herum einzulegen. Wenn man die richtige Ausrichtung getroffen hat, gleitet der Prozessor butterweich in den Sockel und der Hebel kann leicht, ohne Widerstand umgelegt werden.

Das Wichtigste beim Basteln am Rechner (wie eigentlich überall): keine Gewalt. Oder wie der Klempner sagt: Nach fest kommt ab. Alle Anschlüsse und Verbindungen sind so gestaltet, dass sie im Normalfall nur auf eine einzige Art passen und sich in der Regel leicht ein- oder ausbauen lassen. Sollte es hakeln, dann ist es nicht der richtige Stecker für den Anschluss oder der Stecker hat nicht die richtige Ausrichtung (unbedingt die kleinen Nasen und Einbuchtungen beachten) oder irgendein Hebel hält noch fest und muss gelöst werden. Die einzige Ausnahme von dieser Regel gilt für die alten 4-adrigen Stromstecker, die sich nur mit fast unmenschlicher Anstrengung wieder lösen ließen und die mich diverse Fingernägel und Hautfetzen gekostet haben.

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Riegel, vielleicht nicht ganz kalorienfrei, jedoch eher unverdaulich, aber doch ganz süß. Die zwei 8GB DDR4 RAM 3000MHz Speicherriegel in einem schicken Rot von Corsair finden ihr Plätzchen oben rechts in den Slots neben dem CPU-Prozessor.

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Das Herzstück sitzt und auch der Arbeitsspeicher glänzt. Auf dem Bild ist gut die goldene Ecke oben links am Prozessorrand zu erkennen.

Als nächstes folgt der einzig wirkliche knifflige Schritt, bei dem man besonders sorgfältig vorgehen sollte: der Einbau des CPU-Kühlers. Mir ist ein kleiner Designfehler unterlaufen, welchen ich vielleicht bei Bedarf noch ändern werde, aber vermutlich bleibt es jetzt so.

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Noctua, der Hersteller des von mir ausgesuchten Kühlers, bietet den Einbau in zwei Ausrichtungen an, je nachdem, wie das Motherboard designed wurde und der Kühler am besten hinpasst. Aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen entschied ich mich, die langen Montagebrücken zu verwenden und damit den Lüfter horizontal zu stellen. Erst im Nachgang fiel mir auf, dass dadurch der zweite Kühlerlüfter mit der Grafikkarte kollidiert und musste diesen wieder ausbauen. Ein vertikaler Einbau hätte vermutlich Platz für beide Lüfter geschaffen, wobei ich mir beim Betrachten der Bilder gar nicht mehr so sicher bin.

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Wie auch immer, das Kniffligste ist das Auftragen der (mitgelieferten) Wärmeleitpaste. Da der Klopper von einem Kühler den Zugang zur direkt darunter befindlichen Platine erheblich erschwert, ist übergelaufene Paste nur schwer bis gar nicht zu entfernen und matscht dann für alle Zeiten aufm Board rum und richtet womöglich irgendwelchen Unsinn an. Von daher, am Besten der Empfehlung des Herstellers folgen, welcher einen mittigen, 5 mm großen Klecks empfiehlt (anderer Hersteller, andere Paste, andere Empfehlung). Dann den Lüfter auf die Metallbrücken setzen und festschrauben. Dabei immer mal nach der Paste schauen, ob sie den Rand erreicht oder sogar überläuft. Bei dem Noctua-Lüfter ist zusätzlich ein Mechanismus eingebaut, der verhindert, dass man die Schrauben überdreht. Sehr löblich!

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So sieht der Kühler mit den 2 mitgelieferten Lüftern aus. Das Board hat zwei separate Anschlüsse für die CPU-Lüfter, aber Noctua hat der Packung einen Adapter beigelegt, wenn man nicht diesen Luxus hat und beide Lüfter auf einen Stecker bringen muss. Man kann hier auch schon wunderbar erkennen, dass der obere PCIe-Slot, der da an der Unterkante des 2. Lüfters vorblitzt, nicht mehr genutzt werden kann. Da meine Grafikkarte der Wahl jedoch so groß ist, kann sie nicht im unteren PCIe-Slot eingesetzt werden und so musste eben der 2. Lüfter weichen. Nach einem knappen Monat Betrieb reicht die einfache Lüftung jedoch völlig aus.

Ich kümmerte mich dann erstmal um etwas einfacheres, dem Einbau der Festplatten und der Energieversorgung. Ich hatte das be quiet! Netzteil mit Kabelmanagement gekauft, wobei ich nicht wusste, was „Kabelmanagement“ eigentlich bedeutet. Netzteile sind für mich immer große schwere Kästen, aus denen eine Menge Kabel ragen, von denen ich noch nie alle gebraucht habe. Genau dieses Thema addressiert das Kabelmanagement, in dem es für jeden einzelnen Strang einen separaten Anschluss bietet. Braucht man einen bestimmten Strang nicht, lässt man ihn weg und hat – schwupps – mehr Platz im Gehäuse. Sehr praktisch!

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Im Hintergrund oben links kann man die Einschübe für die Festplatten sehen. Jede Festplatte wird auf ein eigenes Tray geschraubt und das Tray dann ins Gehäuse geschoben. Die SSD wird ganz platzsparend an die Außenseite des Gehäuses gepackt, den Einbauort kann man gerade so noch in der oberen linken Bildecke erkennen. Ich finde dies eine sehr schöne Lösung, da damit die ganze Stromverkabelung der Festplatten auch im hinteren Gehäuseteil bleibt und nicht wie bei den Vorgängern mit vorne am Board rumbaumelt und grundsätzlich im Weg ist.

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Das Netzteil hat gleich ein ganz eigenes Gehäuse im Gehäuse bekommen, auf dem Bild in der Metallbox mit dem Sharkoon-Namenszug. Das sieht dann gleich viel aufgeräumter aus und mit ner Glasscheibe an der Seite ist Ordnung nicht ganz unwichtig.

Oben rechts die bekannten Einschübe für CD-/DVD-Laufwerke.

Dann wurde es etwas fummlig, als ich das Board ins Gehäuse friemeln wollte. So fummlig, dass ich am Ende den hinteren Gehäuselüfter ausbauen musste, damit sich das Board in die hinteren Gehäusebuchsen schieben ließ. Sobald alles richtig saß, wurde das Board festgeschraubt. Dazu gab es 9 Schraubstellen, aber irgendwie hab ich nur 8 gefunden. Ich glaube, der CPU-Kühler war auch hier zu ausladend.

Am Ende noch die Grafikkarte an den richtigen Platz stehen, den Gehäuselüfter wieder eingebaut, die ganzen Kabel angesteckt und das Kunstwerk bestaunt.

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Besonders bei der Verkabelung hat das Board-Handbuch wertvolle Dienste geleistet, denn nicht immer war durch den Aufdruck auf der Platine erkennbar, welcher Stecker wohin gehörte.

Und dann kam der spannende Moment: das erste Einschalten. Fliegt mir das Ding um die Ohren? Brennt das Teil ab? Macht es überhaupt irgendwas?

Es machte und begrüßte mich mit einem wunderhübschen BIOS:

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Ich hab ein bisschen am BIOS rumgefummelt, dann mit den bekannten Schwierigkeiten Windows 10 installiert und fertig!

Zum Ausreizen der ganzen Technik habe ich mir Assassin’s Creed Origins gekauft und spiele das in den allerhöchsten Einstellungen ohne Probleme. Keiner der vielen, vielen Lüfter dreht höher als im Normalzustand, was ich sehr begrüße. Ganz generell ist der Rechner sehr leise.

Und er leuchtet blau ❤ ❤ ❤

Rosa ist scheiße

Ich habe mich ja auch hin und wieder schon aufgeregt, dass meine Tochter für einen Jungen gehalten wird, weil sie keine rosanen Klamotten trägt. Nicht, weil ich rosa nicht mag, aber weil mir dieses Rollenklischee gehörig auf die Nüsse geht und es teilweise sehr schwierig ist, überhaupt ansprechende Kinderkleidung zu finden, die eben nicht stereotypisch blau mit Autos oder rosa mit Herzen ist.

Neulich beim Schlüpferkauf – und ja, diese Teile heißen Schlüpfer oder Unterhosen, aber auf gar keinen Fall Schlübbis – ist mir das auf absurdeste Weise wieder aufgefallen. Es standen zur Auswahl: Grundton weiß, rosa oder pastelllila; Motive: Elsa aus Frozen oder Disney-Prinzessinnen oder Minnie Maus, in der Nicht-Markenabteilung kotzesüße Katzenbabies. Es fehlten: normale einfarbige Schlüpfer in bunt. Bei den Jungs geht das komischerweise. Der Große hat Unterhosen in knallbunt in orange, rot, grün, blau, grau, schwarz, mit Smileys oder Streifen, eher selten mit Autos oder Raketen.

Nun bin ich nicht die Einzige, die das nervt und jetzt hat es eine Journalistin professionell auf den Punkt gebracht:
Rosa ist scheiße

Noch ein wenig amateurhaft ärgert sie sich im Beitrag, dass sie sich entweder ständig erklären muss oder für merkwürdig gehalten wird. Da ich auch ohne Kinder für merkwürdig gehalten werde, prallten solche Resentiments schon immer an mir ab. Mit dem restlichen Artikel spricht sie mir allerdings voll aus der Seele. Vor allem, was den unterschiedlichen Umgang mit Mädchen und Jungs angeht.

Unser Mädchen hat die Bagger- und Traktorensammlung ihres großen Bruders geerbt. Sie hat mehr Schrammen an Knien und Schienbeinen als ihr Bruder, nicht weil sie ungeschickter ist, sondern wagemutiger und damit auch öfter mal auf die Nase fällt. Der Große wollte früher lange Haare haben, damit er Haargummis und – spangen verwenden kann, hat er bekommen. Nagellack wollten beide, haben auch beide bekommen. Ich ermahne meine Tochter nicht, dass sie sich nicht schmutzig machen soll, sondern ziehe ihr stattdessen robuste, erdfarbene Klamotten an. Ihr Lieblingsshirt ist grün und hat ein Kermitbild drauf. Das Lieblingsshirt des Großen ist gelb und trägt den Schriftzug „Auf Forschungsreise, bitte nicht stören“.

Es sind Kinder, sie wollen die Welt entdecken, auf ihre Weise, ungestüm oder beobachtend, immer neugierig, neuen Sachen grundsätzlich aufgeschlossen, solange immer genügend Gummibärchen vorrätig sind. Warum sollte dieser Forschungsdrang in eine Geschlechterrolle gepresst werden, wo Mädchen nur mit Puppen und Jungs nur mit Autos spielen dürfen? In dieser ganzen Diskussion muss ich dauernd an zwei Memes denken, die in schöner Regelmäßigkeit in meiner Facebooktimeline auftauchen:

  • „Das ist aber ein süßer Junge.“
    „Das ist ein Mädchen.“
    „Aber es trägt blau.“
    „Ja, wir erziehen unser Kind zweifarbig.“
  • „Vorsicht, dein Junge spielt mit einer Puppe, er könnte schwul werden.“
    „Ja und? Er könnte auch einfach ein guter Papa werden.“

Leider wird, und das wird im Artikel auch angesprochen, sehr viel Einfluß von der Umgebung ausgeübt. Im Kindergarten, in der Schule, auf dem Spielplatz, wo auch immer, überall werden die Kinder mit den althergebrachten Stereotypen konfrontiert und müssen sich dann rechtfertigen. So kam mein Großer letztens sehr geknickt aus der Schule. Nach einigem Herumdrucksen rückte er endlich mit der Sprache heraus, dass ihn die anderen Kinder in der Schule ausgelacht hatten, weil er Glitzersachen mag. Seitdem will er partout nichts glitzriges oder glänzendes mehr haben und seine Bilder verziert er nicht mehr wie sonst mit Glitter, nur noch mit Buntstiften und da ja keine Pastelltöne. Und seine Winnie-Pooh-Brotdose findet er doof, weil ein Junge ihn deswegen gehänselt hat.

Mich macht das sehr sehr traurig.