Klärende Gespräche

Nach meinem letzten Blogeintrag war lange Ruhe, was aber nicht heißt, dass nichts passiert ist. Ganz im Gegenteil!

Ich habe mich am Dienstag nach Ostern zu meiner alten Psychiaterin begeben. Die war bei meinen initialen Problemen (über die ich eventuell mal bloggen werde) sehr hilfreich und ich hoffte, sie wird mir auch diesmal helfen können. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Ärztin in der Zwischenzeit verstorben war und ihre Nichte/Schwester/Enkelin oder wer auch immer ihre Praxis übernommen hatte. Dies war insofern ungewöhnlich, als dass die alte Psychiaterin einen wirklich ungewöhnlichen Namen hatte, den auch ihre Nachfolgerin legitim weiter führte.

Die Sprechstundenhilfe wollte mich abwimmeln, meinte, ich solle zu meiner Hausärztin gehen, denn der frühestmögliche Termin war in 2 Wochen. Oder aber ich müsste sehr lange warten. Ich dachte kurz darüber nach, aber dieses Gefühl der Ohnmacht war so stark, dass ich jede Wartezeit in Kauf genommen hätte. Daran änderte auch nichts, dass ich mit meiner 3-jährigen Tochter dort war, weil der Kindergarten die 4 Tage nach Ostern geschlossen hatte.

Ich nahm im Wartezimmer Platz und beschäftigte, so gut es ging, mein Kind. Die Empfangsdame half tatkräftig mit, indem sie Kinderbücher und Bausteine zur Verfügung stellte. Mit halbem Ohr hörte ich ihr bei einem Telefonat zu, wo ein Patient einen Termin wegen Magen-Darm absagte. Sein Unglück war mein  Glück, denn ich konnte so seinen Termin belegen.

Nach nur einer Stunde Wartezeit durfte ich die Ärztin sehen. Sie lenkte als erstes das Kind mit Spielzeug ab und hörte mir dann zu. Ich erzählte ihr von der unerträglichen Situation auf Arbeit, von dem miesen Chef und seinen Spielchen und den Auswirkungen auf meine Psyche. Sie glaubte mir sofort.

Allein diese Tatsache war so wunderbar für mich. Mein Chef hatte alles daran gesetzt, mich in Misskredit zu bringen, aber diese Ärztin glaubte mir auf Anhieb, ohne Beweise, nur durch meine Erzählungen.
Sie schrieb mich umgehend für 2 Wochen krank und machte einen Vermerk, dass wenn ich kündigen sollte, ich nicht in die Sperrfrist vom Arbeitsamt laufe. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber es gab mir einen unglaublichen Boost für mein Selbstvertrauen.

Wir redeten noch über Medikamente und meine Bulimie, kamen aber zu der Übereinkunft, dass beides nicht schlimm genug wäre, um aktiv dagegen anzugehen. Ich sollte in 2 Wochen wiederkommen.

Eine Woche später schrieb ich C2 eine Email, in der ich mitteilte, dass ich krank geschrieben bin und wenn er sich fragte, was das Unternehmen dagegen tun kann, so solle er den Umgang C3s mit seinen Mitarbeitern hinterfragen. Dies war eine direkte Referenz zu dem Gespräch im März, wo es das erste Mal um meine Zuverlässigkeit ging.

C2 rief mich noch am gleichen Tag an und erkundigte sich nach meiner Verfassung und der generellen Ausgangslage. Ich berichtete ihm vom Verhalten C3s und welche Auswirkungen dieses auf mich hatte.
Er bot an, einen Vorgesetztenwechsel zurück von C3 auf C2 (ihn) vorzunehmen und fragte nach, ob es ok wäre, ein klärendes Gespräch mit C3 und einem Publikum meiner Wahl zu führen. Ich solle darüber nachdenken, wer für ein solches Gespräch in Frage käme und er würde das entsprechend organisieren.

Ehrlich, ich fand das toll. Ich wurde sofort angerufen, mir wurde Glauben geschenkt, ich durfte ein Meeting einberufen.

Im Nachhinein hätte ich anders reagieren sollen, aber in dem Moment war ich so erstaunt und zufrieden, dass ich nur ein Gespräch mit C2 und C3 wollte. Ich dachte, C2 würde im Zweifelsfall meine Partei ergreifen, aber anscheinend hatte ich seine Signale im Telefonat falsch interpretiert.

Statt jetzt also meinen alten Chef, C1, und einen Vertreter der Personalabteilung dabei zu haben, saß ich allein C2 und C3 gegenüber. Ich wiederholte meine Anschuldigungen, die C3 glattweg bestritt. Das einzige Zugeständnis war, dass er evtl. beim ersten Personalgespräch ein wenig sarkastisch gelacht habe.
Er hatte nicht mal bemerkt, dass ich mich gegen sein Verhalten beim zweiten Personalgespräch verwahrt hatte und ihn gebeten habe, respektvoller zu sein.

Mehr brauchte ich in diesem Moment nicht wissen, alles war gesagt.

C2 sah dies aber anders. Er meinte nur, dass die Angelegenheit nicht weiter verfolgt werden könnte, weil ja Aussage gegen Aussage stünde und er nicht entscheiden könne, wer nun Recht hatte. Außerdem hätte C3 nie zuvor ein solches Verhalten gezeigt.

Ja, ne, is klar. Dieses Meeting mit dem Datenschutzbeauftragten ist auch nie passiert, C3 hat nie externe Berater wie Klopse dastehen lassen. Nur ich bin der Störenfried.
In einem letzten Akt der Verzweiflung ließ ich all meine Deckung fallen und erzählte C2 tacheles, was genau wie mit C2 vorgefallen ist. Entweder er glaubte mir und würde entsprechende Schritte unternehmen oder aber ich bin zum Ende meines befristeten Vertrags raus aus der Firma.
C2 hörte sich alles an, sagte aber nichts dazu.

Eine Woche später hatte ich einen weiteren Termin bei der Psychiaterin, bei dem ich ihr erzählte, was im Gespräch passierte. Sie schrieb mich umgehend für weitere 2 Wochen krank und wir vereinbarten, dass wir beim nächsten Termin über eine etwaige Medikation sprechen würden.

Die nächsten 2 Wochen schlief ich hauptsächlich oder las bei Wikipedia oder hörte mein GOT-Hörbuch.

Als ich beim nächsten Termin bei der Psychiaterin am Empfang stand, bemerkte ich einen verpassten Anruf auf dem Handy. Die Nummer kam mir irgendwie vertraut vor und nachdem ich mich angemeldet hatte, ging ich kurz aus der Praxis, um zu telefonieren.
Es stellte sich heraus, dass die Personalabteilung mich anrufen wollte, um einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren.

Ich sagte für den nächsten Tag zu.

Die Psychiaterin fand dies alles sehr unglücklich, konnte aber meinen finanziellen Zwang verstehen, nach den 6 Wochen wieder arbeiten gehen zu müssen, um keine monetären Einbussen zu erleiden. Um dies zu ermöglichen, verschrieb sie mir Sertralin in einer 2-wöchigen Rosskur, um mich halbwegs arbeitsfähig zu kriegen.

Den nächsten Tag ging ich also in die Firma, zu dem Gespräch mit der Personalabteilung. Ich wiederholte meine Anschuldigungen, erzählte von den Gesprächen, der Schmach, den Demütigungen. Erneut wurde mir gesagt, dass es keine Zeugen für die Gespräche gibt und deswegen keine personaltechnischen Aktionen gegen C3 unternommen werden können. Wenn ich also weiter für das Unternehmen arbeiten wolle, müsste ich unverändert den Umständen agieren.

OK, soweit kannte ich ja schon die Ausgangslage. Wenn C2 dies so propagierte, wird die Personalabteilung dieser Empfehlung folgen.

Dies war aber nicht der einzige Punkt, der in diesem Gespräch angeschnitten werden sollte.
Gleich nach Abschluss der Respektlosigkeiten von C3 wurde mir vorgeworfen, ich hätte trotz Krankschreibung meine Tätigkeit als Schöffe wahr genommen.

Ich überlegte kurz, ob ich dies abstreiten sollte, denn wirkliche Beweise hatten sie gegen mich nicht. Ich entschied mich jedoch dagegen, erstens, weil ich die entsprechenden Freistellungstage beantragt und bereits genehmigt bekommen hatte und zweitens, weil ich fand, das meine Begründung durchaus stichhaltig war.

Und so erklärte ich: C3 hat meine Glaubwürdigkeit und mein Selbstverständnis so dermassen unterminiert, dass ich keinerlei Selbstvertrauen oder Selbstachtung hatte. Durch die Wahrnehmung der Schöffentätigkeit wurde mir hingegen vermittelt, das meine Anwesenheit, meine Meinung und meine Tätigkeit wertvoll ist. Dies würde mein Selbstvertrauen stärken und mich so durchaus wieder arbeitsfähig machen.

Ich erklärte dies 3x, jedes Mal meinte die Personalchefin, sie könnte meine Argumentation nicht nachvollziehen und verstehe nicht, warum ich trotzdem als Schöffe tätig werde.

Dies war der Moment, wo ich mich entschloss, endlich meine Anwältin zu Rate zu ziehen. Ich telefonierte mit der Vorzimmerdame und bekam einen Termin 3 Tage später.
Pünktlich fand ich mich in der Kanzlei ein und die Anwältin hörte mir aufmerksam zu. Sie erklärte mir dann meine Möglichkeiten, welche zu diesem Zeitpunkt eher dünn waren. Es stand Aussage gegen Aussage und wenn sowohl Bereichsleiter als auch Personalabteilung das Verhalten von C3 schützen würden, blieben mir kaum Handlungsmöglichkeiten.

Also ich ließe mich weiterhin krank schreiben und würde die finanziellen Einbußen nach den 6 Wochen in Kauf nehmen oder ich ginge wieder regulär auf Arbeit, müsste die Zähne zusammenbeißen und C3 ertragen.

Da wir tatsächlich auf mein volles Einkommen angewiesen sind, blieb für mich nur Option 2, Zähne zusammen beißen und auf Arbeit gehen. Immerhin wurde dies durch meine Anwältin erleichtert, nach deren Auffassung ich „nur“ durchschnittliche Arbeitsleistung zu erbringen hätte.

Bevor ich jedoch regulär an meinen Arbeitsplatz zurückkehren konnte, wurde mein Großer krank. Aus nicht bekannter Quelle hatte er sich mit Borkenflechte angesteckt. Nachdem diese Hautkrankheit nach 4 Wochen immer schlimmer wurde, gingen wir zum Arzt, der ihm ein Antibiotikum verschrieb und für den Rest der Woche aus der Schule nahm.
Ich war nicht wirklich böse über die 2 weiteren Tage frei und informierte meinen Chef, C2, über die neuesten Entwicklungen per Email.

Er schrieb mir zurück. Ich solle mich nach den Pfingstfeiertagen wie verabredet in der Personalabteilung melden.
Da ich nichts von einer solchen Verabredung mitbekommen hatte, nahm ich diese Mail einfach so hin.

Am Dienstag nach Pfingsten ging ich wie gewohnt zur Arbeit, stempelte mich ein, in voller Absicht, meine bisherige Tätigkeit wie gewohnt auszuüben.

Ich meldete mich wie befohlen in der Personalabteilung. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich ab sofort von der Arbeit frei gestellt bin. Eine Kollegin der Personalabteilung begleitete mich zu meinem Arbeitsplatz, wo ich meinen Rollcontainer und meinen Schreibtisch räumen durfte.

Weil ich so etwas schon eine ganze Weile eher erwartet hatte, habe ich meinen Schreibtisch und alle signifikanten Dokumente bereits Wochen vorher beräumt und es waren nur noch unbedeutende Papiere übrig. Einen Teil davon gab ich meinem Kollegen, damit er die ISO-Zertifizierung weiter vorantreiben konnte. Den Rest gab ich meinem Nachfolger, der nach erster Einschätzung eine völlige Plinse ist.

Dann gab ich meinen Ausweis der Personalerin und wurde zum Ausgang begleitet.
Unendlich erleichtert fuhr ich nach Hause.

Tags darauf mailte ich meiner Anwältin den Freistellungsvertrag, weil ich mir nicht sicher war, was dies für meine Situation konkret bedeutet. Vornehmlich ging es darum, dass in dem Schreiben das Wörtchen „unwiderruflich“, oder alternativ „widerruflich“, fehlte. Dies hat durchaus Auswirkungen auf mein Verhalten. So dürfte ich beispielsweise nicht in den Urlaub fahren, wenn mein Urlaub nicht bereits genehmigt wurde und „widerruflich“/“unwiderruflich“ fehlt.

Da aber mein Urlaub bereits genehmigt wurde, bin ich auf der sicheren Seite. Allerdings kann ich meine verbleibenden 10 Urlaubstage für dieses Jahr nach Ablauf der Befristung geltend machen, da ohne „unwiderruflich“ mein Urlaubsanspruch nicht berührt wird.

Dies werde ich dann bei entsprechender Gelegenheit tun.

Bis dahin genieße ich meinen bezahlten Urlaub bis Ende September. Ehrlich, es hätte schlimmer kommen können.

P.S.: Nach anfänglichen, sehr heftigen Nebenwirkungen schlägt das Sertralin gut an. Die Angstzustände sind fast weg, mein Appetit ist auf ein Minimum reduziert, meine Laune ist gut. Ich schlafe recht schlecht und mein Herz hat häufig Rhythmusstörungen. Ich nehme am öffentlichen Leben teil und kann meine Familie nach Kräften unterstützen. Ich kann unseren Urlaub planen und schaffe es, den Haushalt einigermaßen zu koordinieren. Ich wünschte, ich hätte mehr Schlaf, aber dies ist Jammern auf sehr hohem Niveau!

Advertisements

Personalgespräch – schon wieder

Ich hatte heute ein Personalgespräch – schon wieder. Diesmal mit C3, weil er den Verlauf unseres letzten Gesprächs nicht sonderlich konstruktiv fand.
Ach, echt?

Am Ende des heutigen Gesprächs fragte er mich, ob ich denn jetzt ein besseres Gefühl als nach dem letzten Gespräch hatte, aber statt ihm meine ehrliche Meinung zu sagen, meinte ich, dass ich neutral in dieses Gespräch gegangen bin und keine Erwartungen hatte, die enttäuscht werden konnten.
Denn innerlich brodelte es schon wieder in mir, ohne jetzt konkret sagen zu können, was mir so gegen den Strich lief. Das wurde mir erst auf dem Heimweg klar, als ich das Gespräch nochmals im Kopf durchging.

C3 ist, obwohl er das Gegenteil behauptet, unglaublich eitel. Kritik an ihm oder seiner Arbeit nimmt er grundsätzlich persönlich. Ich konnte das an seiner Körpersprache ablesen, als er das Protokoll unseres letzten Gesprächs durchging.
Selbiges hatte ich aus dem Gedächtnis im Nachgang erstellt und so neutral wie möglich gehalten. Ich habe sogar einen Kollegen drüber lesen lassen, ob die Formulierungen wirklich sachlich sind, was er bestätigte. Trotzdem reagierte C3 wie ein trotziges Kind. Das Protokoll wäre verzerrend, würde Tatsachen weglassen oder falsch darstellen. Er distanziere sich davon und habe das Protokoll mit eben jenem Distanzierungsvermerk an die Personalabteilung geschickt, damit es in meiner Personalakte landet.

Statt mit mir darüber zu reden, über ein internes Protokoll, das nirgendwo öffentlich abgelegt ist, sucht er die Eskalation. Wie im Kindergarten. Soll er machen, ich poliere im Gegenzug meinen Lebenslauf auf und schreibe Personalvermittler an.

Ganz generell zog er das Gespräch immer wieder auf die emotionale Ebene. Er sprach einen Punkt an, ich schilderte meine Sicht der Dinge, er wurde aufbrausend. Ich atmete tief durch und versuchte nochmals, sachlich meinen Standpunkt zu erläutern. Wumm, wieder eine Explosion. Das war unglaublich anstrengend und ist einer der Hauptpunkte, der mir richtig sauer aufstößt. Denn die Anlässe für die Kawumms waren immer die selben.

Nämlich dann, wenn ich einen anderen Standpunkt als er vertrat, wenn er mit meinen Erklärungen nicht einverstanden war. Wie soll ich mich aber erklären, wenn nicht-konforme Meinungen sofort weggebügelt oder niedergebrüllt werden. Diesmal war es zumindest kein Brüllen, aber schon ein beängstigendes Aufbrausen. Ich hatte nicht das Gefühl, wirklich neutral angehört zu werden.
Nur dann, wenn ich aufzeigte, dass wir bei bestimmten Themen die gleiche Sicht der Dinge haben, gab es eine normale Reaktion. Wie ich damit in Zukunft umgehen soll, weiß ich nicht.

Er hat kaum Verständnis für meine Situation bzw. die Einschränkungen, mit denen ich konfrontiert werde, gezeigt. Stattdessen wird mir mangelnde Ergebnisqualität vorgeworfen. Das kam schon ein wenig überraschend, da sowohl C1 als auch C2 – ungeachtet der Fehltageproblematik – mit meiner Arbeit zufrieden waren. Zur Veranschaulichung zog er ein Gesprächsprotokoll von C2 und mir vom November hervor, in dem meine zukünftigen Aufgaben beschrieben sind. Ich hätte schwören können, dass ich dieses Dokument heute zum ersten Mal gesehen habe, aber C3 meinte, da wäre meine Unterschrift drauf. Als ein Punkte stand dort: „Etablierung und Optimierung eines vollumfänglichen Lizenzmanagement bis Ende Q1 2017“.

Als ich das Ding damals unterschrieben habe, hatte ich nicht mal ansatzweise eine Ahnung, was sich hinter diesem Satz verbirgt. Würde ich diese Vorgabe mit meinem jetzigen Wissensstand lesen, würde ich mich lieber lachend in die Kreissäge stürzen. Jeder mit halbwegs Ahnung und klarem Verstand hätte erkennen müssen, wie aussichtslos eine solche Vorgabe ist. Selbst wenn wir ein einsatzfähiges Programm zur Erfassung und Unterstützung einer solchen Aufgabe hätten, ich das Thema in Vollzeit angehen könnte und mir nicht alle notwendigen Informationen von x Stellen mühsam zusammen suchen müsste, würde ich allerfrühestens Ende diesen Jahres eventuell ansatzweise in die Nähe der Vorgabe kommen.
Mich jetzt immer noch darauf festzunageln, empfinde ich als frech und anmassend.

Womit er Recht hatte ist sein Hinweis, dass ich beim Erkennen der Aussichtslosigkeit des Unterfangens das Thema entsprechend hätte eskalieren müssen. Überhaupt mag er gerne Eskalationen. Bei einem anderen Thema, wo ich wiederholt bei den Kollegen nach Unterstützung anfragte, hätte das passieren müssen. Es C2 zu signalisieren, der damals zuständig war, reichte vermutlich nicht als Eskalation aus und weil ich es nicht schriftlich habe, kann ich dies nicht nachweisen.

Überhaupt: ich muss zukünftig alles schriftlich festhalten. Aussagen meinerseits über mündliche Aussagen und Absprachen mit C1, C2 oder der Personalabteilung können jetzt nicht mehr nachvollzogen werden und lassen mich gegenüber C3 als unglaubwürdig dastehen.
Tolle Wurst!
Steh ich also als Lügner da.

Ganz großes Kino war übrigens auch der „ich stelle immer nur Forderungen“ Vorwurf, konkret, dass ich zwei Schulungen angefragt habe. Ernsthaft, ich zweifel ein wenig an der Zurechnungsfähigkeit C3s.
Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen: Bei dem Meeting mit dem ISO-Chef vorletzte Woche meinte C3, er müsse sich schützend vor seine Mitarbeiter stellen, weswegen er dann ja so ausrastete. Als ich heute meinte, dass ich das eher unschön fand, weil mein Kollege und ich ebenso seine Mitarbeiter sind, wir aber die volle Breitseite abbekommen haben, meinte er, in jenem Moment hatten wir beide den ISO-Hut auf und zählten nicht mehr zu seinem Team.
Dann kam der Vorwurf wegen der Schulungen, woraufhin ich meinte, die eine Schulung hätte ich dann, um in seinem Bild zu bleiben, mit dem ISO-Hut auf beantragt. Ja, das wäre aber was ganz anderes, sagte C3.
Ja ne, is klar.

In diesem Zusammenhang meinte er, er könne gar nicht verstehen, warum jene Besprechung so eskaliert sei, denn er würde ja in seinen Augen immer ganz klare Ansagen machen. Gab aber direkt zu, immer wieder und sehr häufig missverstanden zu werden, so dass es wohl doch an ihm liegen würde.

Erkenntnis -> Einsicht -> Besserung? Ich fürchte, wohl eher nicht.

Irgendwann während des heutigen Gesprächs war wieder so eine Situation, wo er aufbrauste und laut loslachte, nur eben völlig humorlos. Ich wies ihn darauf hin, dass ich eine solche Reaktion als respektlos empfinde, worauf er antworte, eine andere Reaktion verdiene meine Aussage nicht.

Ohne mich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber soziale Kompetenz sieht für mich anders aus.

Gegen Ende fragte ich nach, was denn eigentlich das Ziel der Fehltagsgespräche sei. Er konnte hierzu keine anderen Angaben machen, als isso oder kommt eventuell von ganz oben. Bin also auch hier so schlau als wie zuvor.

In all diesem Chaos gab es sogar noch ein paar handfeste Ergebnisse:

  • Es wird ein 8-Augen-Gespräch mit C1, C2, C3 und mir geben, um dieses Wirrwarr aus den mündlichen Aussagen zu entwirren. Mit viel Glück kann ich meine Glaubwürdigkeit so ein wenig wieder herstellen.
  • In zwei Wochen wird es einen Termin mit C3 geben, wo er sich meine bisherige Arbeit zum Thema Lizenzen zeigen lassen wird und wir gemeinsam eine Strategie für die zukünftigen Aufgaben und Ziele erstellen werden.
  • Das Protokoll des heutigen Gesprächs wird C3 erstellen, mir zur Ansicht und Korrektur geben und danach in die Personalabteilung geben.

Was ich mir tatsächlich wünsche, wäre mal ein Gespräch, wo es um meine berufliche Entwicklung, um Gehalt oder ähnliche Dinge geht, nicht immer solcher Mist!

Woah!

Ich bin also zu C3 gegangen und habe das Gespräch gesucht. Und was das für ein Gespräch war. Voller Vorwürfe, Kritik, Zurechtweisungen. Ich muss das noch sortieren, aber ein gutes Gefühl habe ich nicht.

Es gab mehrere Kernthemen.

Es konnte nicht nachvollzogen werden, warum ich zwei Weiterbildungen für die ISO 27001 Zertifizierung beantragt habe. Das wurde immer und immer wieder angebracht, bis ich schon nachfragen wollte, ob C3 wisse, dass ich zu 50% in dem Thema bin. C3 erwähnte es dann selber, Zitat: „Sie werden mir ja die Hälfte Ihrer Arbeitszeit weggenommen.“ Ich erklärte, dass alle bei der Zertifizierung Involvierten nur eine knappe Grundbesohlung erhalten haben und wir uns jetzt nach bestem Wissen und Gewissen durch die Themen wurschteln. Weil es aber nicht mein Anspruch ist, mich durch Themen zu wurschteln, sondern ich lieber fundiert arbeite und wir uns außerdem wegen der Kürze der Zeit ein Herumwurschteln gar nicht leisten können, bat ich um Teilnahme an einer Schulung, die genau die praktischen Schwierigkeiten zum Thema hat. Der ISO-Chef ist zusätzlich der Ansicht, dass ein weiterer Auditor für interne Audits unbedingt benötigt wird, was wiederum die zweite Schulung begründet.
Daraufhin wurde mir vorgehalten, warum ich denn C2 um die Schulungen bat und nicht den ISO-Chef, was ich damit begründete, dass der ISO-Chef dafür kein Budget von der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt bekommen habe und ich es – in direkter Absprache mit dem ISO-Chef – über C2 versuchen wollte.

Ich würde nur Forderungen stellen. Nach dem höhenverstellbaren Tisch, nach einem ruhigeren Zimmer, nach Schulungen, etc. Worauf ich erwiderte, dass wenn mir Ausfallzeiten vorgeworfen würden, die unter anderem wegen zweimal eines Bandscheibenvorfalls herrühren, denen ein höhenverstellbarer Tisch vorbeugen könnte, der mir seit Dezember genehmigt wurde und ich nachfrage und niemand etwas weiß oder sich darum kümmert, ich dann sehr wohl mal bei C3 nachfrage, was mit dem Tisch ist. Ich erzählte dann, wie C2 zu mir meinte, dass der Tisch ja genehmigt worden sei und er diese Information augenscheinlich aus der Personalabteilung haben muss, bei meiner Nachfrage dort aber niemand je etwas davon gehört haben will und das mich eben misstrauisch macht. Direkt im Gegenzug warf mir C3 vor, ich würde C2 unterstellen, dass er mir den Tisch unterschlägt. Was ich wiederum sofort verneinte, dass ich C2 das mitnichten unterstelle und das auch nie getan habe. Daraufhin folgte der Vorwurf, dass ich doch nur wieder von den eigentlichen Themen ablenken würde. Wenn ich aber bei ihm, meinem Chef, diese Themen nicht anbringen kann, wo denn dann?

Er sagte dann, dass mir nicht unterstellt würde, dass ich blau machte, aber es ist Tatsache, dass ich viele Ausfallzeiten habe, dieses Jahr eben diese 3 Wochen am Stück und letztes Jahr noch viel mehr. Ich meinte daraufhin, dass es doch nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, dass Menschen ausfallen und erwähnte den berühmten Busfaktor. Es kann jederzeit ein Mitarbeiter (theoretisch) vom Bus angefahren werden und für unbestimmte Zeit ausfallen und dass es ein grundlegendes Problem im Unternehmen sei, keine Vertreter für wichtige Positionen zu schaffen. Ja, den Bus kann man in der Tat nicht vorhersehen, sagte C3, aber andere Ausfallzeiten müssten minimiert werden. „Dann“ sagte ich „sind wir direkt bei der vielzitierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und wenn meine Kinder krank sind, dann werde ich mich um ihre Betreuung kümmern.“ Worauf C3 sagte, dass er auch ein kleines Kind habe und dann eben auch mal 10 Tage ausfalle. Ich erwiderte, durchaus trotzig, dass ich zwei Kinder habe und dementsprechend 20 Tage fehlen könnte. Worauf er mich entsetzt ansah.

Und dann noch die Schöffentätigkeit. Wieder der Vorwurf, ich würde mir da einfach 4 Tage frei nehmen. Ich erklärte, dass ich mich 2013 für die Tätigkeit beworben habe, als ich noch in einem anderen Unternehmen tätig war. Ich könne die Termine nur mit triftigem Grund ablehnen und nur Arbeit ist kein triftiger Grund. Was C3 völlig anders sah. Zitat: „Dann müssen Sie dem Gericht mitteilen, dass Sie nicht an den Terminen teilnehmen können, weil dadurch Ihr Arbeitsvertrag gefährdet ist.“
Ich zitierte also die entsprechende Gesetzespassage, dass einem Arbeitnehmer durch die Ausübung seiner Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile entstehen dürfen. Und ob er mir jetzt wirklich vorwirft, mich ehrenamtlich zu engagieren und meine demokratische Pflicht zu erfüllen. Dann könnten wir ja auch die Freiwilligen Feuerwehren einstampfen, für die nämlich ähnliche Regelungen gelten. Er tiradierte dann, was er so alles machen würde und dass seine Freizeitgestaltung eben seine Freizeit ist und was ich ihm jetzt mit Ehrenamt komme. Und überhaupt würde ich ja wieder nur vom Thema ablenken.

Mir wird vorgeworfen, dass ich als Wirtschaftsinformatikerin doch über die Basics der Lizenzierung insbesondere bei Microsoft Bescheid wissen müsse und auch wissen müsse, wie massenhaft Softwareinstallationen vorgenommen werden und wie das dort mit den Lizenzschlüsseln geregelt ist. Könnte ich wissen, wenn ich dies tatsächlich in meinem täglichen Berufsleben machen würde. Ich habe bisher aber als Wirtschaftsinformatiker, durchaus auch erfolgreich, gerarbeitet, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Thema Lizenzen konfrontiert worden zu sein. In diesem Zusammenhang bat ich darum, eine generelle Lizenzmanagementschulung besuchen zu dürfen, da ich merke, dass ich mich nur durchwurschtel und es wie gesagt nicht mein Anspruch ist. Er meinte, eine solche Schulung gibt es nicht, worauf ich widersprach und sagte, doch, bei Bechtle oder Comparex wird das angeboten. Er wüsste auch gar nicht, was für Inhalte eine solche Schulung hätte. Es war ihm unverständlich, dass es so viel Erklärungsbedarf zu Lizenzmetriken oder Volumenlizenzen oder Best Practices gibt.
Die Schulung werde ich mir wohl abschminken können.

(So ganz nebenbei: Wenn ich diese Basics wissen muss, dann erwarte ich aber im Gegenzug von meiner Führungskraft aber auch, dass sie die Basics des Arbeitsrecht kennt und dazu zählen auch ehrenamtliche Tätigkeiten, seien es Schöffendienst oder Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr.)

Er versteht auch nicht, warum ich für manche Themen so lange benötige. Er hätte bei einem aktuellen Thema nur zweimal telefoniert und schon hatte er alle nötigen Informationen. Ich erklärte, wie ich mir die Knie zerschunden habe, weil ich die IT-Mitarbeiter so oft bekniet habe, mir diese Informationen zu geben. Und ich sagte, wie er, C3 vor einer Woche ganz richtig erkannt hatte, dass solche Informationen schon lange, auch schon lange vor mir, hätten ordentlich dokumentiert werden müssen.  Und dass es mir bei so vielen Themen so geht. Dass ich im Zweifelsfall erstmal rausfinden muss, wer überhaupt Informationen dazu haben könnte. Und ich mir jedes Fitzelchen mühsam zusammensuchen muss, weil nichts, aber auch gar nichts, dokumentiert wurde.

C3 fand es ganz mies, dass ich letzte Woche, einen Tag nach dem sehr ausführlichen Gespräch mit ihm, zu C1 gegangen bin und die Rückkehroption gezogen habe. Meine Einwände, dass dies überhaupt nichts mit dem Gespräch, sondern mit den ganzen Entwicklungen davor und vor allem dem Personalgespräch mit der Personalabteilung zu tun hatte, nahm er gar nicht wahr, sondern pochte immer wieder auf den vermeintlichen Verrat. Er würde auch gar nichts machen, solange ich ihm nicht schriftlich bestätige, dass ich die Rückkehroption nicht mehr in Erwähnung ziehe, was mich direkt zur Entfristung des Arbeitsvertrages brachte.

Da vertritt er nämlich die Meinung, dass eine Entscheidung kurz vorm Auslaufen des Vertrags völlig ausreiche. Mit viel Gnade sagt er sogar so zeitig Bescheid, dass man sich immerhin nicht beim Arbeitsamt melden muss, so man denn verlängert würde. Er könne auch nichts zu früher gegebenen Versprechungen sagen, davon wüsste er nichts und er fühle sich denen auch nicht verpflichtet.

So.Ein.Arsch!

Abgerundet wurde das Gespräch mit dem Hinweis, dass er bei seinen Entscheidungen an die Vorgaben von C2 gebunden ist und mit ihm in regem Austausch stehe.

Heißt also für mich, dass ich jetzt zwei supertolle Chefs auf einmal habe.

P.S.

Woah!

Ich komme gerade aus einem Meeting, wo sich C3 zusammen mit dem ISO-Team und den unterstützenden Admins über den aktuellen Stand eines wichtigen Programms informieren wollte. Die Diskussion eskalierte nach der Hälfte der Zeit, weil C3 einen Rundumschlag an Vorwürfen in alle Richtungen verabreichte, gegen den sich unser ISO-Zertifizierungschef versuchte zu wehren und die Diskussion von der emotionalen zurück auf die Sachebene zu lenken. Es endete damit, dass C3 wütend den Raum verließ und der ISO-Chef eine Email an die Geschäftsführung schreibt, worin er darum bittet, nicht mehr mit C3 zusammen arbeiten zu müssen.

Für mich persönlich war diese Diskussion 1:1 so, wie das Gespräch, dass ich eine Stunde zuvor mit ihm hatte. Es sind grundsätzlich die anderen Schuld, alle arbeiten gegen ihn, jeder regt sich auf und beschimpft die IT und überhaupt. Mir wurde Wahrnehmungsverzerrung vorgeworfen, obwohl C3 derjenige ist, der darunter leidet. Dies wird ganz wunderbar an einem Beispiel deutlich:

Wir wissen, dass es bei der Implementierung des wichtigen Programms einige Schwierigkeiten gab. Der zuständige Kollege hat sich mit viel Einsatz darum gekümmert und den Fortschritt ausführlich dokumentiert. Mein Kollege und ich haben diese Kommentare aufmerksam verfolgt, der ISO-Chef leider nicht. Verständlich, dass er sich hin und wieder (also einmal in zwei Wochen oder länger) erkundigt, wie der aktuelle Bearbeitungsstand ist. Diese Nachfrage, die ohne jegliche Kritik oder Untertöne erfolgte, wurde von C3 als Gängelei gewertet und dass ständig (!) Kritik an seiner Abteilung geübt würde.

Wenn es mich nicht persönlich betreffen würde, täte ich mir ne Schüssel Popcorn holen und das Drama weiter beobachten.

Nichts Neues!

Feuervogel hatte mich bei Achterbahn gefragt, ob es etwas Neues gibt und nach dem initialen

Nö, aktuell nicht.

merkte ich, dass die nachfolgende Antwort doch länger wird und einen eigenen Beitrag verdient. Also dann ein wenig ausführlicher.

Es ist vergleichsweise ruhig, aber irgendwo so, wenn man im Auge eines Tornados steht. Da kann jederzeit die Apokalypse wieder hereinbrechen. Die Stimmung auf Arbeit ist irgendwie seltsam, als ob alle den Atem anhalten.

Der erste Teil der Umzüge wurde in einer großen Hauruckaktion fast ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht. Auf der einen Seite freut es mich, dass die Mitarbeiter so großartige Arbeit geleistet haben, aber auf der anderen Seite wird damit ein völlig falsches Signal an die Geschäftsführung gesendet. „Seht her, wozu brauchen wir irgendeine Planung oder professionelle Helfer, wir kriegen das doch locker nebenbei aus dem Handgelenk geschüttelt.“ Dass meine Kollegin, die das ganze organisiert, kurz vorm Kollaps steht, sieht niemand der Entscheider.

Mit dem Umzug ist auch C1 an den neuen Standort gezogen und evtl. kann ich seinen Firmenparkplatz „beerben“. Das wäre toll, da ich derzeit immer halb illegal parke und Gefahr laufe, dass mein Auto abgeschleppt wird. Trotzdem ich das Fahrrad habe, werde ich an mindestens zwei Tagen pro Woche mit dem Auto auf Arbeit fahren, damit ich das Fußballtraining des Großen zeitlich besser gebacken kriege.

BK ist immer noch im Lizenzteam und macht weiterhin jede Menge Blödsinn. Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird, ich weiß aber auch nicht, ob C1 bereits mit C3 darüber sprechen konnte. Meine Einstellung ist, dass ich nur noch meinen Teil mache und alles, wofür ich nicht zuständig bin, geht zurück an BK. Wie sie es dann verbockt, ist allein ihre Entscheidung, ich werde mir da nicht mehr die Finger verbrennen.

Als nächstes habe ich für Mai ein Mitarbeitergespräch mit C3 geplant, wo ich um die Entfristung und eine Gehaltsanpassung auf die Gehaltsstufe meines Vorgängers bitten werde. Bis dahin sollte ich dann auch ein ruhigeres Büro und meinen seit Dezember genehmigten höhenverstellbaren Tisch gegen meine Rückenschmerzen haben. Beides bereits beantragt. Außerdem möchte ich eine generelle Schulung zum Thema Lizenzmanagement haben, da ich mich bislang nur mit selber angeeignetem Wissen und einer mickrigen Microsoft-Schulung durch die komplexen Strukturen wurschtel. Wird auch nur einer der Punkte nicht erfüllt, fange ich an, Bewerbungen zu schreiben.

Bis dahin kümmer ich mich um meinen Seelenfrieden, der in letzter Zeit massiv zu kurz gekommen ist. Dazu gehören unter anderem weitere Reiseblogeinträge und der Erfahrungsbericht zum neuen Zimmer unseres mittlerweile 3-jährigen und mächtig großen Mädchens. Nebenbei planen wir unseren Sommerurlaub, nachdem sich die Chinareise wohl zerschlagen hat. Da war vom chinesischen Kindergarten eine einwöchige Reise nach Nanjing geplant, wo deutsche Familien bei chinesischen Familien wohnen. Die Eltern würden auf dem Sofa schlafen, die Kinder auf Luftmatratzen in den Kinderzimmern und man käme hautnah in Kontakt mit dem chinesischen Alltag und dem Familienleben. Fanden mein Mann und ich eine klasse Idee und wollten ursprünglich noch ein oder zwei Wochen Individualurlaub hinten dran hängen und das Land erkunden, wo wir doch schon mal da wären, denn der Flug ist immer noch das Teuerste an so einer Reise. Leider hat der Kindergarten bisher auf keine unserer Anfragen bezüglich Kosten oder konkreter Planungen reagiert.

So machen wir nun 12 Tage Urlaub in Dänemark, wo genau wissen wir noch nicht, auch nicht, was wir uns da ansehen werden. Falls jemand Tipps hat: her damit.

Also wirklich Neues gibt es nicht 😉

Achterbahn

Jeden Tag was Neues, soll ja nicht langweilig werden.

Ich hatte am Dienstag meinen alten Chef gebeten, mich quasi wieder zurückzunehmen, weil die Situation zu belastend für mich geworden war. Dass dies nicht ging, war uns beiden klar, aber er versprach, sich etwas zu überlegen. Gestern fragte ich vorsichtig nach und er lud mich zu einer kurzen Unterhaltung ein.

Dabei kam heraus, dass ich neuerdings und von mir unbemerkt einen neuen Chef bekommen hatte, der dritte in 3 Monaten. Ich sollte anfangen, sie für den Blog durchzunummerieren. Chef 3 also ist der neue IT-Leiter, mit dem ich am Montag ein sehr ausführliches Gespräch geführt hatte, ohne zu wissen, dass das mein neuer Vorgesetzter ist. Es ging um die aktuelle generelle Situation und wie man am Besten die alten verkrusteten Strukturen aufbrechen und neue, zielführendere Prozesse etablieren kann. Ich fand ihn erfrischend, aber auch ein wenig naiv, versprach dennoch, tatkräftig mitzuhelfen.

Einen Tag später erzählte ein Kollege von seinen Erfahrungen mit Chef 3, welche mein Bild von ihm ein wenig eintrübte. Gestern rasselte ich ja persönlich mit ihm zusammen. Als mich dann Chef 1 fragte, wie ich Chef 3 einschätzte, konnte ich nur sagen, dass sich meine Meinung quasi stündlich ändere. Mal finde ich ihn toll, mal denke ich, was für ne Plinse. Was ich ihm aber zugute halten muss ist, dass ich offen mit ihm über Probleme reden kann, dass ich nicht das Gefühl habe, auf jedes Wort achten zu müssen und ich denke, dass er eher niemand ist, der andere in die Pfanne hat. Mit der Faust auf den Tisch hauen, das denke ich schon, aber kann bei den IT-lern nicht schaden, die lebten zu lange in ihrem Dornröschenschloss.

Chef 1 meinte weiterhin, dass er Chef 3 empfehlen wird, sich zwischen sämtliche seiner Mitarbeiter und der Beschaffungsabteilung, namentlich BK, zu stellen, um so einen Puffer zu bilden. C1 hätte das auch schon so gemacht, weil anders eine halbwegs konstruktive Zusammenarbeit mit BK nicht möglich gewesen wäre. Ich meinte, das ist toll, nur ist BK Teil des Lizenzmanagementteams, was es mir quasi unmöglich macht, C3 als Puffer zu verwenden, ich könne ihn ja schlecht zu den Teammeetings mitnehmen. C1 sagte, dass er empfehlen wird, das Lizenzmanagementteam aufzulösen, da die Beschaffung dort gar nichts zu suchen hat, sondern erst ins Spiel kommt, wenn es um den letztendlichen Kauf geht. Da sind alle wichtigen Fragen schon geklärt.

Ich hätte C1 knutschen können.

Erneut brachte ich die Sprache auf die Entfristung meines Vertrags und C1 war erstaunt, dass dies immer noch nicht geschehen ist. Ich erklärte, dass ich mit C2 damals beim Positionswechsel vereinbart hatte, dass dies mit der Entfristung einhergeht, aber als ich zwei Wochen später nachfragte, konnte sich C2 nicht mehr daran erinnern. Als ein Kollege C3 vor Kurzem nach der Entfristung fragte, meinte der nur trocken, es wäre ja noch genug Zeit und er sähe gar kein Problem darin, wenn sich der Kollege am 1. Juli erstmal auf dem Amt meldet.

Sowas kommt gar nicht gut und entsprechend zurückhaltend bin ich, jetzt selber C3 zu fragen. Das sagte ich C1 und der kannte – natürlich – die Geschichte auch schon. Und meinte, dass er diese Aussage für sehr unglücklich hielt und dafür C3 ein wenig den Kopf gewaschen hätte, woraufhin C3 einlenkte und seinen Fehler tatsächlich einsah. Der Kollege ist zwar immer noch befristet, aber ein Chef, der einen Fehler einsieht, ist schon mal eine klasse Sache.

Wenn sich die Umzugsgeschichte hier ein wenig beruhigt hat, werde ich einen erneuten Versuch der Entfristung starten. Muss doch irgendwie möglich sein.

Ansonsten unterhielten sich C1 und ich noch über dies und das, an generellen Gesprächsthemen mangelt es derzeit nicht. Ich bin jetzt ein wenig entspannter, was meine persönliche Situation angeht. Dafür verschärft sich die Arbeitslast gerade dramatisch, da wir Ende Mai das Voraudit zur ISO27001-Zertifizierung haben und aktuell nicht ein einziges Dokument auf einem halbwegs brauchbaren Stand ist. Diese ca. 50 Dokumente bis zum Termin aufzupäppeln, ist jetzt meine Aufgabe und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das schaffen soll. Vermutlich so wie immer, ein Dokument nach dem anderen.

Mögest du in interessanten Zeiten leben.

Notbremse

Schrieb ich gestern noch, dass ich immerhin nicht heulend im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitze, hat sich das heute bereits überholt.

Mir geht es richtig schlecht. Obwohl alle gestern total nett waren und selbst das Personalgespräch sehr angenehm verlief, gab es zwischen den Zeilen Aussagen, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass meine Arbeitskraft überhaupt noch geschätzt wird.

Mitten in der Nacht, ich glaube, es war halb 5, bin ich heute aufgewacht und sofort stürmten die Gedanken über die Arbeit auf mich herein. Ich ging all die Gespräche der letzten Wochen und Monate in meinem Kopf durch, überlegte, was mich störte, wo die bisher übersehenen Haken lauerten. Das da Haken lauerten merkte ich daran, wie sehr mich das alles beschäftigt und an den höllischen Schmerzen in meiner rechten Schulter. Ein todsicherer Indikator, dass Dinge massiv im Argen liegen.

Am Ende kam eine Liste von Ereignissen heraus, die mich verstörte und von Weinkrämpfen geschüttelt im Bett zurück ließ. Mal schauen, ob ich das noch zusammen bekomme.

  1. Die Beschwerde über BK, besagte Kollegin, die mir wiederholt so massiv ans Bein gepinkelt hat, dass ich mich gezwungen sah, dies meinem Chef zu melden. Seine Reaktion war, dass es wohl nur daran liegt, dass die Rollen im Team nicht klar genug definiert seien und wir diese Rollen anpassen sollten. Wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht, obwohl ich der Meinung war, in meiner Email verdeutlicht zu haben, wie sehr mich diese Situation belastet.
    Bei einem Meeting wenige Zeit später, unterstellte er mir vor versammelter Mannschaft, die den Hintergrund gar nicht kannte, seltsame Befindlichkeiten in dieser Sache und forderte mich auf, diese sein zu lassen.
    Dies hat mich so sprachlos und wütend gemacht, dass ich es mir gespart habe, die ganzen Vorfälle danach, die BK verzapft hat und die negativ auf mich zurückfielen (dooferweise immer nur auf mich), zu melden, weil ich mir weitere Schmähungen in Gegenwart von Kollegen ersparen wollte. Dadurch kann aber BK jetzt quasi machen, was sie will.
  2. Das Personalgespräch wegen meiner Abwesenheiten. Mein alter Chef kannte die ganzen Hintergründe, ihm habe ich vertraut und mich auch anvertraut, warum ich jeweils ausfalle. Er weiß, dass ich trotz des Steißbeinbruchs mit extremen Schmerzen 3 Wochen auf meinem schicken Sitzkissen im Büro saß. Er weiß auch, dass ein Beinbruch beim Kind ein unvorhersehbares Ereignis ist.
    Trotzdem hätte er mir nie Drückeritis oder Faulenzerei unterstellt.
  3. Das Schöffenthema. In der Personalabteilung hat niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wie das mit den Schöffen und den Gerichtsterminen abläuft. Trotzdem wurde mir unterstellt, ich hätte mir die Termine selbst ausgesucht, hätte mir die Termine selbst so gelegt, wie ich gerne frei hätte und so weiter. Dass nichts davon in meinem Einflussbereich liegt, musste ich erst mühsam und ausführlichst erklären.
  4. Der geplante Umzug. Die Firma hat vor einem Jahr ein kleineres Konkurrenzunternehmen aufgekauft und jetzt steht die Verschmelzung der beiden Unternehmen an. Dazu gehört auch, dass Abteilungen von den beiden Standorten zusammengelegt werden. Dafür ziehen Teile der Mitarbeiter von Standort B nach Standort A und umgedreht. Es war immer geplant, dass ich bei dem Umzug mit dabei bin, um so weiter in Kontakt mit meinen alten Kollegen bleiben zu können. Diese Tatsache hat mich ein Stück weit durch den Stress getragen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen waren ein guter und willkommener Ausgleich zum Irrsinn im Büro.
    Als ich nach meiner Krankheit wiederkam, wusste niemand mehr davon, dass ich mit umziehen sollte. Stattdessen wurden Begründungen gesucht, warum es unbedingt besser ist, dass ich hier bleibe. Ich bin anderer Ansicht, aber das ändert nchts daran. In weniger als zwei Wochen werde ich das vorerst letzte Mittagessen mit meinen geliebten Kollegen haben.
  5. Die Arbeitsüberwachung. Seit zwei Monaten müssen sämtliche Mitarbeiter unserer Unternehmenseinheit ihre Arbeitszeit komplett im Ticketsystem erfassen. Alles. Die ganzen 100%. Erreichen wir die 100% nicht, gibt es einen Rüffel.
    Ich halte dies für hochgradigen Blödsinn.
    Dass man versucht, den Arbeitsaufwand in Projekten zu erfassen, ist ok. Dies wird eh meist dem Kunden in Rechnung gestellt oder kann für zukünftige Projekte als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Selbst um kurzfristig verdeutlichen zu können, wie hoch die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern generell ist, könnte man eine solche Erfassung nutzen. Es wird aber dauerhaft gefordert.
    So muss nun jeder Klogang, jedes Telefonat, jedes Emailwegsortieren erfasst werden. Ich empfinde das als Gängelei. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.
  6. Die Arbeitsbelastung. Ich erwarte von einem Chef, dass dieser grob abschätzen kann, wie viel Aufgaben pro Tag oder Woche von einem Mitarbeiter erledigt werden können. Und ich erwarte, dass wenn die Grenze erreicht ist, der Chef entsprechende Maßnahmen ergreift. Mein Chef jedoch kippt alles, was bei ihm auf dem Tisch landet, einfach bei den Mitarbeitern ab, ohne Rücksicht auf Verluste. Und beschwert sich dann, wenn Aufgaben liegen bleiben oder erst verspätet erledigt werden. Schiebt aber gleichzeitig immer noch höher priorisierte Aufgaben dazwischen, die immer gestern fertig sein müssen.
    Von Rücken frei halten, von Druck von oben wegnehmen, von schützend vor den Mitarbeiter stellen keine Spur.

All das war mir dann einfach zu viel. Ich bedauerte, dass ich freiwillig meinen Assistenzposten aufgegeben hatte. Hätte ich damals gewusst, was für Konsequenzen es haben würde, ich hätte dankend abgelehnt. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass mit mir im Zuge des Positionswechsel eine interne Probezeit vereinbart wurde, um zu schauen, ob das Thema Lizenzen überhaupt was für mich ist. Sollte sich herausstellen, dass ich ungeeignet dafür bin, könnte ich wieder zurück auf meinen alten Posten.

So führte mich heute morgen mein erster Weg zu meinem alten Chef, wo ich ihm mitteilte, dass ich die Probezeit beenden und wieder zurück will. Ich erklärte ihm die Gründe, erklärte, wie unglücklich ich bin, wie allein gelassen ich mich fühle und wie schlecht es mir geht. Dass ich derzeit keine andere Möglichkeit sehe, etwas an meiner Situation zu ändern.

Der alte Chef schüttelte nur den Kopf. Er war wütend, wie mein neuer Chef in so kurzer Zeit so viel verbrannte Erde erzeugen konnte. Er meinte, dass dies nicht nur mir so geht, sondern es an allen Ecken und Enden brennt, für die mein neuer Chef zuständig ist. Er fragte sich, was mit dem Kerl los sei. Aber am Ende war er auch ratlos. Ich kann nicht auf meinen alten Posten zurück, den hat nämlich eine andere Kollegin inne. Und im Grunde will ich ihn auch gar nicht wieder, ich mag das Lizenzthema immer noch. Ich mag es, mich in diese Themen einzuwühlen, Detektiv zu spielen, mit Zahlen zu jonglieren.

Was ich nicht mag, ist das Umfeld, das Drumherum, die Unterstellungen und die gehen eindeutig von einer Person aus. Wer sagt, ich solle mir einfach ein dickeres Fell zulegen, dem kann ich nur sagen, dass mein Fell bereits viel dicker ist als bei anderen. 3 Jahre Hotline überlebt man nur, wenn man sich ein kilometerdickes Fell wachsen lässt. Eigentlich habe ich bereits viel zu lange gewartet, habe zu lange Entschuldigungen für meinen neuen Chef gesucht, es auf die Umbruchssituation im Unternehmen geschoben, aber letztendlich waren dies nur Ausreden.

Ein mieser Chef bleibt einfach ein mieser Chef!

Am Montag nichts Neues

Oder auch: Same procedure as last monday? Same procedure as every monday.

Vor zwei Wochen hatte ich mein tolles Personalgespräch mit meinem Chef wegen meiner vielen Abwesenheiten. Ein Thema war unter anderem meine Schöffentätigkeit und die Aussage, dass ich dafür nur 3 Tage pro Jahr freigestellt werden müsste. Eine kurze Internetsuche zeigte, dass diese Aussage eher ein alternativer Fakt ist, denn der Wahrheit zu entsprechen.

Letzte Woche hatte ich es außerdem gewagt, mir 3 Tage Urlaub zu nehmen, um das Zimmer für meine Tochter einzurichten. Der Bericht dazu folgt, sobald ich den Muskelkater vergrault habe. Nach dieser erneuten Abwesenheit ging ich erwartungsfroh und mit dem Schlimmsten rechnend ins Büro.

Kurzer Einschub: Ich hatte schon einige Jobs in meinem Leben und auch welche mit echt üblen Chefs. Es gab Zeiten, da hatte ich Panik, auf Arbeit zu gehen, heulte den ganzen Weg zur Arbeit, riss meine 8 Stunden ab, heulte auf dem Weg nachhause und hatte massivste Schlafstörungen. Ich kenne die dunkle Seite und war so froh, mit dem neuen Job einen tollen Chef und nette Kollegen erwischt zu haben.

Ich ging gerne auf Arbeit. Zwar bin ich nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett gehüpft, dafür bin ich viel zu wenig Morgenmensch. Aber ich freute mich auf die Kollegen, auf die Arbeit, auf spannende Themen. Nicht jeder Tag war eitel Sonnenschein, doch die vielen guten Tage überwogen und trugen mich über solche Durststrecken.

Mit dem Wechsel zur neuen Position und mit dem neuen Chef änderte sich daran auch erstmal nichts. Ich machte weiter mein Ding, traf mich weiter mit den Kollegen zum Essen und ich freute mich sogar auf den bevorstehenden Umzug im Rahmen der Unternehmensfusion.

Das ist jetzt ganze 3 Monate her. Inzwischen kann sich niemand mehr daran erinnern, dass ich mit umziehen sollte. Ich werde also in 1-2 Wochen den direkten Kontakt zu meinen Kollegen fast vollständig verlieren und mit dem übrig gebliebenen Rest vorlieb nehmen müssen. Mein Chef verliert immer mehr den Kontakt zur Realität, was auch andere, die viel mit ihm zu tun haben, immer wieder zu spüren bekommen.

Und zu allem Überfluss habe ich heute ein erneutes Personalgespräch, diesmal direkt mit der Personalabteilung. Es geht um meine Schöffentätigkeit. Vermutlich fanden sie meine Aussage, dass Schöffen zur Ausübung der Schöffentätigkeit von der Arbeit freigestellt werden müssen und durch ihre Schöffentätigkeit keine Benachteiligung im Job erfahren dürfen, nicht so prickelnd.

Um 14 Uhr habe ich das Gespräch und bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt. Vorsichtshalber werde ich mir den Gesetztestext ausdrucken und mitnehmen.

Gerne auf Arbeit gehe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Gründe, Freude an meiner Tätigkeit zu haben, werden jeden Tag geringer. Noch ist es nicht so weit, dass ich heulend hinterm Lenkrad sitze. Heute morgen noch dachte ich mir, dass ich bis Mai durchhalten müsse, dann kriege ich vielleicht doch die Entfristung durch und dann können sie mich alle mal gern haben.

Jetzt stelle ich mir die Frage, wozu überhaupt.

P.S.: Trotz der vielen Gespräche in letzter Zeit hatte ich in den 1,5 Jahren, die ich nun hier bin, kein einziges richtiges Personalgespräch, wo die Leistung als Mitarbeiter eingeschätzt wird und Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehaltsstrukturen verhandelt werden. Kommt vielleicht nächsten Montag, wer weiß.

Panic Monday – Nachtrag

Das Gespräch war  in etwa das, was ich befürchtet hatte.

Es wurde eröffnet mit „Frau Xayriel, gibt es etwas, was wir als Unternehmen tun können, damit Sie weniger Ausfallzeiten haben?“
Eigentlich ganz nett, aber dann ging es richtig rund. Dieses Jahr hätte ich schon 23 Tage krankheitsbedingt gefehlt, letztes Jahr waren es inkl. Urlaub um die 80 Tage. Wenn man das hochrechnet, werden es dieses Jahr wohl wieder mindestens 60 Tage werden (inklusive Urlaub versteht sich). So viel Abwesenheit ist nicht hilfreich in einer solch verantwortungsvollen Position.

Ich erwiderte, dass weder das Unternehmen noch ich in der Lage sind, diese Fehlzeiten zu beeinflussen, da weder das Unternehmen noch ich vorhersehen können, wann sich eines der Kinder das Bein bricht oder wegen einer notwendigen Operation ins Krankenhaus muss oder ich mir das Steißbein breche oder einen wirklich eklig-hartnäckigen Virus einfange. Um dies zu verhindern, müsste ich ins stille Kämmerlein gesperrt werden, die Kinder dürften nicht zum Training oder in den Kindergarten und überhaupt müsste jeglicher Kontakt zur Außenwelt minimiert werden.

„Aber Frau Xayriel, Sie haben ja auch über Rückenprobleme geklagt und da wurde ja jetzt ein höhenverstellbarer Tisch bestellt.“ – „Ach, wurde das endlich gemacht?“
Das Attest des Betriebsarztes dazu hatte ich noch im alten Jahr erhalten. Ich erzählte dann, was für ein Spießrutenlauf es war, der über ein halbes Jahr dauerte, um das OK für den Tisch zu bekommen und dass, wenn man sich als Unternehmen ein wenig entgegenkommender gezeigt hätte, zwei der letztjährigen Krankheitswochen vermutlich hätten vermieden werden können.

„Aber was machen wir denn nun mit Ihnen?“
„Wenn es Ihnen zu unsicher ist, müssen Sie sich halt nach einem Ersatz umschauen. Die Ausfälle sind wie gesagt nichts, was ich beeinflussen kann oder was ich forciere. Ich sage ja meinem Kind nicht, es soll sich das Bein brechen. Und ich mache auch nicht blau, weil ich gerade keine Lust zum arbeiten habe.“
Mir war das an der Stelle echt zu dusslig.
„Das unterstellen wir Ihnen auch gar nicht.“ Der Einwurf kam einen Zacken zu zügig, um wirklich glaubhaft zu sein.

„Und dann haben Sie ja heute, direkt nach Ihrer Wiederkehr, Urlaub und Freistellungen wegen Schöffentätigkeit beantragt. Das sieht auch nicht sonderlich toll aus.“
„Ich dachte, es wäre von Vorteil, wenn ich die Termine, da sie ja nun bekannt sind, so zeitig wie möglich beantrage, damit sich alle darauf einstellen können. Immerhin sind die Gerichtstermine auch nichts, was ich beeinflussen kann, sondern die werden von außen vorgegeben.“
Dazu erklärte ich noch, dass ich mich bereits 2013 als Schöffe beworben hatte, zu einem Zeitpunkt, wo nicht mal in meinen kühnsten Träumen absehbar war, dass ich hier in dieser Firma landen würde. Mir wurde dann mitgeteilt, dass die Personalabteilung meinte, dass man für solche Tätigkeiten nur 3 Tage im Jahr freigestellt werden muss.* Worauf ich meinte, dass dies spannend ist, da niemand bei Gerichtsverfahren vorher genau sagen kann, wie viele Termine letztendlich benötigt werden und ich bei einem laufenden Verfahren nicht mittendrin sagen kann, dass ich nicht mehr mitmache kann, weil mich die Firma nicht mehr freistellt, weil dann nämlich das gesamte Verfahren neu aufgerollt werden müsste. Fand mein Chef ebenfalls nicht witzig, aber was willste machen?!

Insgesamt lief es also darauf hinaus, dass ich zu viel krank feiere. Ich denke nicht, dass damit mein Vertrag entfristet wird und jede neuerliche Krankheit wird mir über kurz oder lang wieder auf’s Brot geschmiert. Irgendwie weigere ich mich, jetzt zu hoffen und zu beten, dass weder meine Kinder noch ich erneut krank werden, weil ich das für den falschen Weg halte. Menschen werden krank, Menschen werden immer zum unpassendsten Zeitpunkt krank, Menschen haben Kinder, die krank werden, Menschen werden vom Bus angefahren.

Letztendlich fördert ein solches Verhalten doch nur, dass sich die Mitarbeiter todkrank zur Arbeit schleppen, dort die Kollegen anstecken und den Produktionsausfall potenzieren. Und es erzeugt einen Leistungsdruck, der zur innerlichen Kündigung oder zum Burn-out führt und den wieder gerade zu biegen, dauert wesentlich länger, als eine hartnäckige Grippe zu kurieren.

* Eine kurze Internetrecherche hat gezeigt, dass es da keine Begrenzung gibt. Der Arbeitgeber hat den Schöffen freizustellen und der Schöffe darf durch seine Schöffentätigkeit keine beruflichen Nachteile erleiden. Was freue ich mich darauf, dass morgen meinem Chef zu verklickern.

Panic Monday

Nach drei Wochen sehr hartnäckiger Krankheit machte ich mich nun heute morgen einigermassen vollständig genesen auf den Weg zur Arbeit. Direkt nach Verlassen des Hofes waren wir schon mitten drin im Verkehrschaos, irgendwo war entweder eine Baustelle oder ein Unfall, und jetzt waren sämtliche Straßen im näheren Umfeld verstopft. Unter Missachtung einiger Verkehrsregeln gelang es mir trotzdem, das Kind pünktlich an der Schule abzuliefern. Danach reihte ich mich brav in die Autoschlange ein und wartete, bis ich aus der Chaoszone heraus war.

Auf Arbeit angekommen, checkte ich als erstes meine Emails. Knappe 200 Stück in einer Woche geht ja noch. Ich hatte bei meinem Intermezzo letzte Woche bereits ein wenig aufgeräumt, so dass ich heute nicht völlig in einer Mailflut unterging.

Eine der ersten Mails war jedoch eine Einladung von meinem Chef zu einem Personalgespräch. Sofort ratterten sämtliche Horrorszenarien durch meinen Kopf. Denn eigentlich, bis auf die dreiwöchige Krankheit, gibt es keinen Grund für ein solches Gespräch. Ich bin erst seit November offiziell, real erst seit Dezember meinem neuen Chef unterstellt, danach war Weihnachten und Winterferien. Für ein jährliches Gespräch oder eine echte Mitarbeitereinschätzung halte ich den Zeitpunkt für zu früh.

Für die diversen Themen mit Brisanz, auf die ich meinen Chef mehrmals per Mail hingewiesen habe, würde kein Personalgespräch, sondern ein themenbezogenes Meeting einberaumt werden. Ich habe mich auch seitdem nicht mehr mit Kollegen gefetzt oder habe Projekte blockiert oder sonstigen Unfrieden verbreitet.*

Bleibt also nur noch das Worst Case Scenario: Kündigung oder Abmahnung oder Nichtverlängerung oder Kopfwaschen wegen zu hoher Ausfallrate.
Entsprechend entspannt  und vorfreudig bin ich gerade auf diesen Termin, der für 14 Uhr angesetzt ist.

Das einzig tröstliche: ich habe wieder genug Zeiten gesammelt, um für 12 Monate ALG I zu bekommen. Und in einem Jahr wird sich bestimmt was finden, die eine oder andere Anfrage von anderen Firmen gab es bereits.

 

* Ja, sowas kann ich, habe ich aber seit Jahren nicht mehr gemacht. Ich habe jetzt andere Mittel 😉

Wer lesen kann …

… ist klar im Vorteil.

Nie war dieser Spruch so aktuell wie heute bei mir auf Arbeit.

Wie bekannt, arbeite ich seit mehreren Wochen an einem Dokument, anhand dessen die Geschäftsführer entscheiden sollen, wie es mit der Microsoft Lizenzierung bei uns im Unternehmen weitergeht.

Bei der Besprechung eines ersten umfangreichen Entwurfs kam es bereits wegen Nichtlesens zu einem Eklat. Im Nachgang hatte ich meinem Chef eine entsprechende Email geschickt, in der ich mich unter anderem beschwerte, dass bevor Anmerkungen zu dem Dokument gemacht werden, dieses doch bitte vorher wenigstens einmal gelesen werden sollte.

Nun gut. Die Wogen glätteten sich, das Dokument wurde weiter von mir überarbeitet, ich habe mit externen Beratern gesprochen, welche das Dokument ebenfalls überprüften und auch alle anderen Beteiligten brachten sich in den Entwurf ein. Gestern konnte ich endlich den finalen Entwurf präsentieren.

Mein Chef wollte, dass in dem Dokument zwei Entscheidungsvarianten aufgelistet werden. Bei meiner Arbeit stellte ich aber fest, dass die gewünschte 2. Option gar keine Option mehr ist, weil sie schlicht viel zu teuer ist. Also nicht nur so ein bisschen teurer, sondern so im mittleren 6-stelligen Betrag teurer. Deswegen liess ich diese weg und erklärte dies in der Informationsmail an alle Beteiligten. Ebenso erwähnte ich in dieser Email, dass ich heute erst ab 12 Uhr im Unternehmen bin, weil hier bei uns die Lehrer streiken und mein Kind erst ab 12 Uhr in den Hort kann.

Ich kam also um 12 Uhr in die Firma und sah mein Telefon wild blinken. Ich solle dringend zurückrufen. Hab ich getan, nur ging keiner ran. In meinem Postfach ebenso eine Mail mit der Bitte um Rückruf.

Als ich endlich die Beteiligten erreicht hatte, beschwerte sich BK (ausgerechnet), dass ich den ganzen Vormittag nicht zu erreichen gewesen wäre. Außerdem beschwerte sie sich, dass sich mein Chef bei ihr beschwerte, dass ich nicht zu erreichen wäre. Ja, beide haben meine Email bekommen.

Mein Chef beschwerte sich außerdem, warum denn nicht wie abgesprochen die 2 Varianten im Dokument wären. Und er wollte eine ausführliche Begründung im Dokument mit konkreten Zahlen und Verlinkungen zu den Beispielrechnungen. Das alles ist aber schon im Dokument drin, auf Seite 2. Hat er also nicht nur meine Email nicht gelesen, sondern auch das Dokument nicht, welches er heute eigentlich der Geschäftsführung vorlegen wollte.

Hab ich gestern noch gefeiert, dass diese leidige Thema endlich vom Tisch ist, darf ich heute nun wieder an diesem beschissenenwundervollen Dokument arbeiten, um die Änderungen einzubauen, die entweder keinen Sinn machen oder aber bereits drin sind.

Ich höre Schilda leise aus der Ferne grüßen …