Wochenend und Sonnenschein

Gestern Abend klagte meine Süße über Schmerzen in der rechten Leistengegend. Weil sie kurz darauf einen riesigen Pups freiließ, dachte ich mir nix dabei und brachte sie wie gewohnt ins Bett.
Heute morgen war die Kleene arg knatschig und fühlte sich heiß an und meinte immer noch, der Bauch würde weh tun. Ein wenig ratlos gab ich ihr erstmal Fiebersaft. Der schlug gut an, doch nach 2 Stunden war’s vorbei mit der Ruhe, die Süße wurde unruhig und knatschig. Ein Arztbesuch war also unumgänglich. Blieb nur die Frage, wohin. Durch Zufall hatte heute unsere Kinderärztin Bereitschaft, aber ich war dennoch unsicher, ob nicht die Uniklinik, wo wir wegen der Doppelniere eh schon in Behandlung sind, nicht die bessere Alternative wäre. Ich diskutierte mit meinem Mann, befragte eine kompetente Facebookgruppe, aber so ein wirklich eindeutiges Ergebnis brachte das alles nicht.

Wir sind dann in die Uniklinik gefahren, weil wir dort ja auch standardmäßig wegen der Doppelniere in Behandlung sind und ich dachte, dann könnten die Ärzte das gleich in der Akte alles nachlesen und zum anderen haben sie dort alles vorrätig.
An der Anmeldung kam der Verdacht auf Blinddarmentzündung auf, was ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, aber an sich auch gut zu den Symptomen gepasst hätte.
Daheim hatte ich vorsorglich einen Urinbeutel geklebt, denn ohne Urinprobe würden sie uns bestimmt nicht gehen lassen und bis man so eine Probe hat, kann es ja auch gerne mal dauern.
An der Anmeldung hatte ich bereits die Stichworte Doppelniere und Reflux erwähnt, aber die sind auf dem Weg zur Kinderambulanz verloren gegangen. An der dortigen Anmeldung sagte ich die Losungsworte erneut und verursachte damit Verwirrung, ob dies nun ein pädiatrischer oder chirurgischer Notfall wäre. Wir durften erstmal im Wartebereich Platz nehmen und ich stellte mich auf einen längeren Aufenthalt ein.

Umso überraschter war ich, als wir nach 10 Minuten schon aufgerufen wurden. Eine Schwesternschülerin machte eine Anamnese, ich zählte die Symptome auf und erwähnte wieder Doppelniere und Reflux. Die Schülerin schrieb alles fleißig mit, wog das Kind und maß nochmals Fieber. Das wurde zwar schon bei der zweiten Anmeldung gemacht, aber das Ergebnis offenbar nirgendwo vermerkt.
Ich schaute immer mal nach dem Urinbeutel, aber da war nix und die Kleene jammerte jedes Mal, wenn ich sie fragte, ob sie denn pullern müsste.
Nach 10 Minuten kam der Arzt, ließ sich wieder alles beschreiben, offenbar hatte keinerlei Kommunikation mit der Anmeldung oder der Schwesternschülerin stattgefunden. In meinem jugendlichen Leichtsinn ging ich davon aus, dass der Arzt einen Blick in die Akte geworfen und dort die Doppelniere entdeckt hatte. Seine Untersuchung ging aber auf diesen Aspekt gar nicht ein und erst auf Nachfrage schaute er sehr erstaunt und bestand dann natürlich auf der Urinprobe. Immerhin konnte er Nierenbeckenentzündung ausschließen, denn da hätte die Kleene wohl ganz argen Druckschmerz in der Nierengegend. Wenigstens etwas.

Nach einigem Hin und Her konnte sich die Kleene endlich durchringen, aufs Töpfchen zu gehen und der anschließend durchgeführte Test ergab rote und weiße Blutkörperchen im Urin. Yay 😦
Als letztendliche Diagnose stellte der Arzt dann fest, dass sie einen Harnwegsinfekt + Angina hat, verschrieb uns ein AB und am Montag sollten wir in der Kinderurologie anrufen und die weitere Behandlung abstimmen.

Ich hab jetzt erstmal genug von der Notaufnahme. Können unsere Kinder nicht zu normalen Öffnungszeiten krank werden wie andere Kinder auch?

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Hello again!

Hat mich eigentlich jemand vermisst? Anyone? Nein?

Egal, ich texte euch auch so zu 🙂

Ganz offensichtlich gibt es mich noch, ich hab mir nur eine kurze Auszeit gegönnt. In dieser waren meine Familie und ich 3 Wochen im Urlaub und unsere Tochter mit mir eine Woche im Krankenhaus. Der Krankenhausaufenthalt war schon länger geplant und musste leider zweimal verschoben werden, so dass er sich jetzt direkt an die Ferien anschloss. Fand ich nicht so dolle, da die damit verbundene OP wie ein Schatten über dem kompletten Urlaub hing.

Ich konnte in der Vergangenheit schon schlecht mit dem Thema umgehen und während der Reise fragte ich mich immer wieder, ob dies die letzten schönen Tage gemeinsam sein werden und tröstete mich, dass wir immerhin noch tolle Erinnerungen sammeln konnten. Ein wirkliches Erholen war aber unter diesen Bedingungen nicht möglich, ganz egal wie entspannt die insgesamt drei Urlaubswochen ansonsten waren.

Der Krankenhausaufenthalt hat dann den minimalen Erholungseffekt umgehend zunichte gemacht, auch wenn sich alle Ärzte, Schwestern und Angestellte unendlich Mühe gaben. Die OP war für letzten Dienstag geplant, doch direkt nach der Ankunft auf Station teilte uns der Arzt mit, dass sie auf Mittwoch verschoben wurde. Dafür durften wir nach den Aufklärungsgesprächen und Voruntersuchungen wieder nach Hause gehen und sollten erst am Mittwoch eine Stunde vor OP-Beginn wieder im Krankenhaus sein. An sich eine gute Sache, bedeutete für mich jedoch einen Tag länger Bangen und Sorgen machen und sämtliche schreckliche Szenarien im Kopf durchspielen.

Am Mittwoch morgen hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch unter der Dusche, die Anspannung der letzten Tage und Wochen war schlicht zu viel für mich. Dazu kam die Befürchtung, mein Kind einem großen Risiko auszusetzen, was am Ende vielleicht völlig unnötig wäre, denn es könnte ja auch weiterhin mit dem Antibiotikum leben. Und mögen Narkosemittel und Operationen heutzutage relativ sicher sein, aber immer wieder liest man von Eingriffen, die eben schief gingen. Da ist es auch wenig tröstlich, wenn sich hinterher herausstellt, dass der Patient einen unentdeckten Herzfehler oder unwissentlich eine Allergie entwickelt hatte.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, schnappte ich mir das Kind und ab ging es ins Krankenhaus. Dort wurden wir bereits erwartet und kurze Zeit später wurden wir zum Aufwachraum gebracht, wo meine Süße 10 Minuten später zur OP abgeholt wurde. Seltsamerweise war ich ab Verlassen der Wohnung total ruhig und gefasst, sämtliche Aufregung und Nervosität verschwunden. Ursprünglich dachte ich, ich könnte während der Wartezeit nix essen, aber als dann die Frühstücksdame mit ihren Essenswagen vor der Tür stand, hab ich mir ein Brötchen geben lassen und das zu meinem größten Erstaunen mit Appetit gegessen.

Nach 1,5 Stunden kam der Oberarzt ins Zimmer und an seinem Lächeln konnte ich ablesen, dass es meinem Mädchen gut ging. Man konnte bestimmt noch in der Nachbarstadt die mir vom Herzen fallenden Steine purzeln hören. Leider teilte mir der Arzt mit, dass die OP nicht wie geplant durchgeführt werden konnte. Durch die Doppelniere und den zusätzlichen Harnleiter lag im Blasenraum nichts da, wo es eigentlich liegen sollte und zusätzlich war die Ureterozelenschleimhaut im Weg und so konnte der Reflux, der zudem am gesunden Harnleiter und nicht wie vermutet am zusätzlichen, erweiterten Harnleiter existiert, nicht behoben werden.

Der Arzt entschied trotzdem, dass in 3 Tagen das Antibiotikum abgesetzt wird und wir schauen, was passiert. Die Chancen stehen wohl relativ gut, dass gar nichts passiert und die Kleene ihr Leben lang ohne Harnwegs- oder Nierenbeckeninfekte bleibt. Sollten vermehrt Infekte auftreten, müsste operiert werden und der Harnleiter verlegt und dann unterspritzt werden. Es könne auch sein, dass der zusätzliche Anteil der Doppelniere Probleme macht, weil er nicht vollständig ausgebildet ist und dann im Körper putzige Dinge auslöst, die zu Bluthochdruck führen. Dann müsste wiederum operiert und der zusätzliche Teil entfernt werden.

Tolle Aussichten, oder?

Eine halbe Stunde nachdem der Arzt mir das alles erklärt hatte, durfte ich in den Aufwachraum gehen und meinem Kind beim Schlafen zuschauen. Nach einiger Zeit ereilte mich ein menschliches Bedürfnis und weil es im Aufwachraum keine Toiletten gibt, tapperte ich wieder in mein Zimmer und auf dem Rückweg nahm ich mir ein Buch mit, war es doch völlig unklar, wie lange die Süße ihren Rausch ausschlafen würde.

Wieder im Aufwachraum angekommen, turnte da ein kleines Mädchen in seinem Bettchen rum, gut umsorgt von einer Schwester. Eben jene Schwester meinte ob meines erstaunten Blicks, dass es bei Kindern häufig so ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde. Es ging der Kleenen also gut, nur war sie noch sehr wacklig auf den Beinen und fiel immer wieder mal beim Hüpfen um.

Als wir wieder im Patientenzimmer waren, wurde gerade das Mittagessen verteilt. Ich fragte die Schwester, ob und wann die Kleene was essen dürfte. Erstmal solle sie etwas trinken und wenn das drin bliebe, könnte man über feste Nahrung nachdenken. Der Vorschlag stief auf wenig Gegenliebe beim Patienten und etwas eigenmächtig gab ich ihr einen Pudding, den sie mit großem Appetit vertilgte. Eine Stunde später ließ ich sie aus ihrem Kinderbett frei, woraufhin sie sofort ins Spielzimmer stürzte, sich den Puppenwagen schnappte und diesen fortan 3 Stunden lang über die Krankenhausgänge schob. Die Schwestern schauten ein wenig verwundert, war mir aber egal, dass Theater, bis sie endlich „frei“ gelassen wurde, wollte ich niemanden antun.

Am nächsten Vormittag wurden wir entlassen und wir nutzten den Rest der Woche, diese weniger schönen Erlebnisse wegzukuscheln.

Tja, und seit heute hat mich die Arbeits- und Blogwelt wieder.

Würfelspiele

Es findet ja gerade der 100. Katholikentag statt, bei dessen Eröffnungsfeier ein Einspieler gezeigt wurde, in dem Katholiken kurz erzählten, was sie mit Gott und dem Katholizismus verbindet und warum das so toll ist. Ich empfand das eher als Anti-Werbefilm, da für mich viele Erzählungen so klangen, als müsste Gott aufwändig in den Alltag integriert werden, ohne davon einen wirklichen Nutzen zu haben. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass krampfhaft vermieden werden sollte, Gott und die Religion mit negativen Dingen wie Tod oder Verlusten in Verbindung zu bringen, wo meines Erachtens nach dies aber genau die Hauptpunkte sind, wo Religion stabilisierend und aufbauend wirken kann.

Nun mag diese Einschätzung daran liegen, dass ich Religionen eher skeptisch gegenüber stehe. Ich möchte niemandem seinen Glauben absprechen und die meisten Religionen predigen ähnliche Werte – tu niemandem weh und sei nett zu deinen Mitmenschen und der Umwelt – aber ich kann nach diesen Werten leben, ohne mich einer Glaubensrichtung anschließen zu müssen.

Dennoch habe ich manchmal den Eindruck, dass es eine höhere Macht gibt und der ist manchmal langweilig. Und weil Gott nicht würfelt*, denkt er sich eben andere Spielchen aus und sucht sich geeignete Opfer.

Uns, zum Beispiel.

Gerade ist es mal wieder arg krass bei uns. Da beruhigt sich die kleine Pubertät des Großen gerade und die Trotzphase der Kleenen ebenso, so dass wir eigentlich ein paar ruhigen Momenten entgegen sehen könnten, aber nö, da grätscht der Rest des Lebens rein.

Finanziell ist bei uns der Notstand ausgebrochen. Wir haben uns in keinster Weise von den Mammutausgaben im Herbst und Winter – Autokauf, Jahreskarte ÖPNV, neues Kinderzimmer für den großen – erholt, da kommen die nächsten Batzen auf uns zu.

Fußballdauerkarten, im Vergleich zur Vorsaison dürfen jetzt beide Kinder für ihre Karten zahlen.Ja, wir wussten, dass das jetzt auf uns zukommt und auch die Höhe war uns ungefähr bekannt. Nur hatten wir absolut keine Gelegenheit, irgendwie darauf zu sparen. Die Karten nicht zu kaufen ist auch keine Option, da wir sonst nur noch teurere Karten erwerben könnten und außerdem wollen wir unsere geliebten Stammplätze nur ungern hergeben, zumal diese Plätze in der preiswertesten Kategorie liegen.

Urlaub. Eigentlich nicht drin, aber wir brauchen den so dringend nach den Querelen von vor 1,5-1 Jahr. Ich zähle jetzt schon die Tage und Wochen, bis es los geht, obwohl die Finanzierung noch völlig unklar ist. Zum Glück haben wir Ferienwohnungen, wo wir uns selbst bekochen und verpflegen können, denn ein- oder zweimal pro Tag im Restaurant essen ist definitiv nicht drin. Maximal ne Tüte Pommes. Einmal. Pro Woche. Die Eintrittsgelder machen mir noch ein wenig Sorgen, aber auch da hoffe ich, dass wir noch ein paar niedrigpreisige Attraktionen finden werden.

Jetzt bete ich nur noch, dass nichts Unvorhergesehenes wie defekte Waschmaschinen oder ähnliches dazwischen kommt, denn das würde uns derzeit das Genick brechen.

Auf Arbeit ist es gerade nur bedingt schön, was jedoch nicht an meinen direkten Mitstreitern liegt, sondern daran, dass die Firma von einem externen Investor aufgekauft wurde, der dann wiederrum eine kleinere Konkurrenzfirma dazukaufte und jetzt versucht, diese beiden Firmen unter einen Hut zu bekommen. Das ist mit soviel Unsicherheiten und Umstrukturierungen verbunden, dass jeder versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Daraus resultiert ein Klima des Anschwärzens, Schuld zuschieben und abwälzen, Themen blocken oder unbedingt durchdrücken. Wir als Rechenzentrum stehen irgendwie immer ganz am Ende und kriegen fast immer den Schwarzen Peter zugeschoben, obwohl wir in den allerwenigsten Fällen etwas für die Probleme können, sondern im Gegenteil, permanent dem Rest der Firma den Arsch retten müssen, so dass unsere eigentlichen Aufgaben regelmäßig zu kurz kommen, worüber sich wiederum alle aufregen, denn das Rechenzentrum liefere nie pünktlich seine zugesagten Arbeiten ab. Mittlerweile sind wir soweit, dass wir überlegen, probehalber mal 1 oder 2 Tage nichts zu machen, um dem Rest zu verdeutlichen, was wir alles machen und wie schnell die anderen ohne uns aufgeschmissen wären.

Bei meinem Mann ist es auch stressig, wenn auch ein wenig anders. Dort hat die Firma einen Prestigeauftrag an Land gezogen, der, so er erfolgreich erledigt wird, viele weitere große und lukrative Aufträge nach sich zieht. So ackern dort alle für den Erfolg, es wurde ein Urlaubsstop verhängt und jeder Mitarbeiter wurde zu 48 Wochenstunden Arbeit verdonnert. Das harmoniert ganz wunderbar mit unseren Kinderbetreuungspflichten und so zirkeln mein Mann und ich mit unseren Arbeitszeiten, damit ich auf der einen Seite nicht in die Minusstunden rutsche und mein Mann andererseits nicht das komplette Wochenende im Home Office rackern muss, um die geforderten Stunden zu bringen. Familienleben hat derzeit dadurch Pause und wir haben einen weiteren triftigen Urlaubsgrund mehr.

Weil das an Chaos noch nicht reicht, haben wir quasi als Backup noch die Doppelniere der Süßen. Für die war eigentlich für diese Woche ein OP-Termin angesetzt, aber leider wurde die Kleene 1,5 Wochen vorher krank, so richtig mit Fieber und Ausschlag, so dass die OP kurzfristig um mindestens 4 Wochen verschoben werden musste. Fetzt, wenn mal alles schon auf den Termin ausgerichtet und geplant hat, der Chef auf Arbeit umdisponierte und am Ende alles wieder rückgängig gemacht werden musste. Macht man sich wahnsinnig viele Freunde damit.
Zum Glück fand sich schnell ein neuer OP-Termin, diesmal am 20. Juni und ich bete, dass es dann mit der OP klappt, weil wir sonst erst nach dem Urlaub operieren können und ich wollte da eigentlich schon ohne das Antibiotikum wegfahren.

Als Sahnehäubchen samt Kirsche kam dann am Sonntag die Hiobsbotschaft, dass mein Schwiegervater massive Lungenprobleme bekommen hat, ins Krankenhaus eingeliefert  und dort ins künstliche Koma versetzt wurde. Jeder, der sich an Anna erinnert, wird wissen, dass es mir herzlich egal ist, was mit meinem Schwiegervater passiert, aber dennoch ist er der Vater meines Mannes und für ihn ist das eine enorme Belastung. Da angedeutet wurde, dass die Möglichkeit besteht, dass der Vater nicht mehr aus dem Koma aufwacht, wurde meinem Mann nahe gelegt, ihn doch bitte im Krankenhaus zu besuchen. Nun ist er hin und her gerissen, denn wegen der 48-Stunden-Woche hat er dafür überhaupt keine Zeit, von den Nerven ganz zu schweigen. Aber es ist eben auch der Vater und eventuell ist es die letzte Gelegenheit, ihn noch mal zu sehen. Drüber reden will mein Mann nicht, was soll er auch sagen, ich kenne seine Gemütslage auch so.

An dieser Stelle würde ich der höheren Macht gerne die Würfel wegnehmen, aber wie gesagt, Gott würfelt nicht!

 

* God does not play dice with the universe: He plays an ineffable game of His own devising, which might be compared, from the perspective of any of the other players [i.e. everybody], to being involved in an obscure and complex variant of poker in a pitch-dark room, with blank cards, for infinite stakes, with a Dealer who won’t tell you the rules, and who smiles all the time.
~ Good Omens, Terry Pratchett & Neil Gaiman
(Gott würfelt nicht mit dem Universum: Er spielt ein unbeschreibliches selbst erdachtes Spiel, welches man aus der Perspektive eines jeden der anderen Spieler [z.B. jedermann] damit vergleichen kann, dass man bei einer undurchsichtigen und komplexen Pokervariante mitmacht, bei der man sich in einem stockdunklen Raum befindet, mit unbedruckten Karten und unendlich hohen Einsätzen, mit einem Geber, der dir die Regeln nicht verrät und der die ganze Zeit lächelt.)

© Foto von Flickr/Steve Johnson „Dice“, (CC BY 2.0)

Ohne Apotheke*r fehlt dir was

Pharmama veranstaltet eine Blogparade und hier ist mein Beitrag dazu:

Als vorwiegend gesunder Mensch sind meine Besuche in einer Apotheke eher selten und falls sie doch mal vorkommen, hauptsächlich unkompliziert. Aller 3 Monate hole ich mir die 3-Monatsspritze ab, in der Erkältungszeit gibt es manchmal Codein gegen denn allzu hartnäckigen Hustenreiz und ab und zu kaufe ich mir Schmerzmittel für den Fall, dass der Bürostuhl meinen Rückenmuskeln zu sehr zugesetzt hat. Bei den Schmerzmitteln gibt es meistens eine günstige Hausmarke, allerdings nur auf explizite Nachfrage und meist mit Zähneknirschen.

Seit zwei Jahren jedoch bin ich um einige Apothekenerfahrungen reicher, denn meine Tochter wurde mit Doppelniere rechts und Ureterozele geboren, was einen Reflux dritten Grades nach sich zog. Da ein solches System anfällig für Harnwegsinfekte und Nierenbeckenentzündungen ist, erhält sie seit ihrer 2. Lebenswoche eine Antibiotikumsprophylaxe mit Cefaclor. Da in unserer Umgebung scheinbar besonders viele kranke Menschen leben, gibt es Apotheken wie Sand am Meer. Direkt auf unserer Straße gibt es 3 Apotheken auf 200 Meter, zwei Querstraßen weiter die nächsten beiden und in der anderen Richtung nochmal eine. Macht 5 Apotheken auf einen halben Quadratkilometer.

Und ich habe alle mit den AB-Rezepten getestet 🙂

Cefaclor gibt es in Pulverform und ist dadurch recht gut lagerbar. Es wird vor Gebrauch mit Wasser angerührt und ist dann zwei Wochen haltbar. Da wir nicht aller 2 Wochen zum Kinderarzt rennen wollen, um ein neues Rezept ausgestellt zu bekommen, schreibt der Kinderarzt oder die Uniklinik gern auch mal 2 oder 3 Flaschen auf, wegen der Prophylaxe ist die Einzeldosis allerdings nur ein Zehntel der üblichen Dosis.

Von den 5 getesteten Apotheken der Umgebung haben sich 3 weder an der Abgabemenge noch der Dosierung gestört, zwei davon hätten uns auch gleich die zwei Flaschen angerührt. Eine Apotheke fragte immerhin nach, ob die Einzeldosis denn so stimme. Und ein Apotheker fragte genau nach. Warum so niedrig, warum so viel und so lange. Meine Standardantwort „ist eine Prophylaxe“ machte ihn neugierig. Es war aber nicht so, dass er mir nicht glaubte, sondern er war ernsthaft interessiert, welche Erkrankung denn eine solche Medikation notwendig machte. Da ich mich mittlerweile zwangsläufig ganz gut mit Doppelnieren auskenne, erklärte ich ihm ausführlich, was meine Tochter hat, was bisher dagegen unternommen wurde und warum die AB-Gabe nötig ist.

Ich fand es toll, dass sich jemand wirklich dafür interessierte und bei meiner Erzählung nicht sofort in „ohje“ und „ach wie schrecklich“ verfallen ist. Seitdem hole ich das AB nur noch in dieser Apotheke, was definitiv nicht nur daran liegt, dass sie die allernächste der besagten 5 ist 😉

 

Menschliches Nadelkissen und strahlende Windeln

Am Donnerstag stand – mal wieder – eine Kontrolluntersuchung bei meiner Süßen an. Das Wetter dazu hätte nicht besser sein können, Schneesturm genau in den 20 Minuten, die ich brauche, um von der Wohnung zur Uniklinik zu laufen. Auto nützt nichts, da es vor Ort um diese Zeit eh keine freien Parkplätze mehr gibt und ich am Ende vermutlich genauso weit hätte laufen müssen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich doppelt so lange unterwegs gewesen und hätte trotzdem noch die halbe Strecke laufen müssen.

Da ich glücklicherweise den Kinderwagenregenschutz sehr gut aufgeräumt hatte, mussten wir oben ohne durch das Mistwetter. Ich kam also kurz vor 8 Uhr mit durchweichtem und grummelnden Kind an und kaum hatte ich uns beide einigermassen trocken gelegt, durften wir auch schon zur Anmeldung. Dort ging alles fix, wir wurden erwartet. Dann im Blindflug zur Radiologie, ich brauche mittlerweile nicht mal mehr die lilanen Lurche zur Orientierung.

Der freundliche Empfangsmitarbeiter dort stellte mich vor die zweite große Herausforderung des Tages, indem er mich fragte, wie schwer mein Mädchen sei. Ich schaute ihn mit leerem Blick an und zuckte mit den Schultern. Mein Rücken meint eh immer, dass sie schon mindestens 20 Kilo wiegt, wohingegen mein verliebt-verblendetes Mutterherz nicht wahrhaben will, dass die Kleine schon so groß ist und Stein und Bein schwören würde, dass es kein Gramm mehr als 4 Kilo sind.
Am Ende zeigte ein kurzes Nachmessen: 9,5 Kilo inklusive Klamotten und Windel.

Den Ultraschall fand das Kindlein wie gewohnt sehr doof und protestierte lautstark und mit viel Umherwinden, mit dem Ergebnis, dass sich das glitschige Kontaktgel überall auf ihrem Körper und der Unterlage verteilte und den nur hochgezogenen Body ordentlich verschmodderte. Dass sie auch noch schwungvoll auf die Unterlage pinkelte, rundete diese erste Untersuchung ab.

Zur Abwechslung wurden wir diesmal gleich in die Urologie geschickt, ohne vorher noch auf den Bericht warten zu müssen, welcher direkt in die Abteilung gefaxt würde. Wir wurden sofort ins Behandlungszimmer gerufen und ich freute mich, dass es so schnell ging. Diese ewige Warterei schlaucht nämlich enorm. Der Arzt zerstörte jedoch meine Hoffnungen, an diesem Nachmittag vielleicht noch zum Friseur gehen zu können (in meinen Träumen feierte ich bereits Ostern mit hübschem Haar), indem er mir mitteilte, dass für heute eine Sonderuntersuchung angesetzt sei und diese beinhaltet eine 4-stündige Wartezeit.

Yeah, was’n Glück.

Mein leichtes Aufstöhnen bemerkte eine der Schwestern und fragte mich, ob mir das denn nicht vorher gesagt worden sei.
Offensichtlich nicht, denn DAS hätte ich mir mit Sicherheit gemerkt.
Aber nützt ja alles nix, da müssen wir jetzt durch.

Da die Fachabteilung, die die Spezialuntersuchung namens Szintigrafie macht, so spezial ist, legen die nicht mal einen Zugang, durch den das Kontrastmittel gespritzt wird, sondern überlassen das den anderen Abteilungen. So versuchte der Arzt sein Glück und suchte eine brauchbare Vene an meiner Süßen. Da sie aber nicht nur meine blauen Augen und blonden Haare, sondern auch die schlechten Venen geerbt hat, waren die Bemühungen nur von mittelmäßigem Erfolg gekrönt.

Der Weißkittel piekste einmal in den rechten Fußknöchel, stocherte dort wild herum, bis endlich Blut floss und füllte damit ein Röhrchen zur Blutuntersuchung. Da der Zugang für das Kontrastmittel nicht über diese Einstichstelle erfolgen konnte (medizinisches Fachpersonal unter meinen Lesern kann mir eventuell erklären, warum das so ist), musste jetzt auch noch der linke Fuß gepiekst werden.

Mein Mädchen fand das nur bedingt toll, nicht mal unbedingt wegen der Nadeln und Schmerzen, sondern einfach, dass ihr jemand permanent die Füße festhielt, mit denen sie doch so gerne strampelte.
Der linke Fuß war allerdings noch weniger geeignet für das Vorhaben und so gab der Arzt nach zwei vergeblichen Versuchen auf und zitierte telefonisch einen versierteren Kollegen herbei. Meine Süße hatte sich mittlerweile so in Rage geschrien, dass eine wunderhübsche Vene dick am Kopf hervor trat, welche der neue Arzt umgehend anzapfte. Das ging schnell, tat nicht sonderlich weh und resultierte in einem schicken Turban, damit der Zugang von kindlichen Grabschehänden nicht sofort wieder herausgerissen wird.

So verarztet machten wir uns in die nukularnuklearmedizinsche Abteilung auf. Eine Ärztin klärte uns über Risiken und Nebenwirkungen auf und fragte mich im Laufe dieses Gesprächs, wie viel die Kleine denn an dem Tag schon getrunken hätte.
Wieder so eine unmögliche Frage.
Da ich immer noch in nicht unerheblichen Umfang stille, habe ich keine Ahnung, wie viel sie trinkt. Sie bekommt zwar zusätzlich noch Wasser aus ihrer Trinklernflasche, aber die Gesamtmenge ist für mich unmöglich einzuschätzen. Schien aber für den weiteren Fortgang nicht allzu wichtig zu sein, viel wichtiger war der Ärztin, dass ich das Kind kurz vor der für 14 Uhr angesetzten Untersuchung stille, so dies denn mit meinem Stillplan (häh?) vereinbar wäre.

Wir durften dann zwei Sicherheitsschleusen weiter in ein kleines Zimmer, wo das Kontrastmittel gespritzt werden sollte. Hinter einer durch eine dicke Bleitür gesicherten Durchreiche kam das Mittel in einem kleinen Bleiröhrchen und mir wurde Himmel, Angst und Bange. Das Zeug sollte in mein kleines Mädchen rein? Wenn jetzt noch die Ärztin in einem Hazmat-Anzug aufgetaucht wäre, hätte ich mir die Kleene geschnappt und wäre abgehauen. Da die Ärztin aber nur in einem normalen weißen Kittel gewandet das Zimmer betrat und freundlich jeden Handgriff erklärte, den sie tat (erst mit Kochsalzlösung prüfen, ob der Zugang offen ist, dann das Kontrastmittel spritzen, dann mit Kochsalzlösung spülen), blieben wir und vor allem, entspannt.

Wieder zurück auf der Urologie bekam ich den Termin für die nächste Kontrolluntersuchung genannt, irgendwann im Oktober und dann begann die kniffligste Herausforderung, 4 Stunden warten.

Da ich das überhaupt nicht eingeplant hatte, hatte ich weder Spielzeug noch Nahrung dabei, nur die Trinkflasche der Kleenen. Aber ich wusste, wo der kostenlose Wasserspender stand und so strandeten wir zunächst, unseren Jäger- und Sammlergenen Folge leistend und sich nie zu weit vom nächsten Wasserloch zu entfernen, im direkt angrenzenden Wartebereich. Wir tranken uns beide voll und dann nickte die Süße auf mir ein und ratzte trotz der unsäglich lauten automatischen Krankenhaustüren eine knappe Stunde.

Ausgeruht entdeckte ich dann, dass man im ersten Stock ganz wunderbar um den ganzen Innenbereich wie auf einer Galerie herumlaufen kann. Dazu noch bodentiefe Glaswände als Geländer, durch die man die darunterliegende Cafeteria beobachten kann. Das Kindlein lief also eine Runde nach der anderen, begrabschte die Pflanzen, winkte freundlichen Menschen zu und protestierte lautstark, als ich es davon abhielt, sich todesmutig die Treppe hinunter zu stürzen.
Dadurch verging die Zeit recht fix und schneller als gedacht waren wir schon wieder auf dem Weg in die Nuklearmedizin. Zum Glück hatte der Schneeregen just in diesem Moment wieder angefangen und durchweichte uns auf den gut 500 Metern bis zum Ziel.

Vor Ort stillte ich das Kind wie verabredet und überpünktlich holte uns die Schwester zur Untersuchung ab. Meine Süße wurde in eine Backform gelegt, die sie relativ unbeweglich machte, was ihr natürlich überhaupt nicht gefiel. Dazu noch diese riesige Maschine mit den lauten Geräuschen, die sich brummend über und unter ihr bewegte und fertig sind diverse Therapiestunden im Erwachsenenalter. Die Schwester fragte mich, ob ich sie denn irgendwie beruhigen könne, mit einem Schnuller etwa, da es für die Untersuchung wichtig ist, dass sich der Patient möglichst nicht bewegt.

Da die Maschine die Kleene fast vollständig bedeckte, konnte ich meinem Mädchen nur die Hände halten, beruhigend auf sie einreden und ihr die Stirn küssen. Das klappte ganz gut und Mitte des zweiten 10-minütigen Aufnahmezykluses war sie eingeschlafen. Insofern gut, da der dritte Zyklus über 40 Minuten dauerte. Ich hielt also weiter ihre Hände, aber hatte jetzt genug Zeit mich umzuschauen und entdeckte den Monitor, auf dem live die Aufnahmen zu sehen waren.

Ich konnte ganz gut die zwei eiförmigen Gebilde sehen, die die Nieren darstellen sollten und viele kleine Punkte, die grob den restlichen Körper markierten. Im Laufe der Untersuchung kam noch eine dritte heller leuchtende Stelle hinzu und nach anfänglichem Grübeln erkannte ich die Windel, in der das radioaktive Mittel letztendlich landete. Je länger es dauerte, desto deutlicher wurde der Windelabdruck, was ich irgendwie lustig fand. Vermutlich, weil ich mich so langweilte.

Dann war auch diese Untersuchung vorbei und wir durften wieder zurück in die Urologie, den Zugang entfernen lassen. Das ging dank Zaubermittel ganz schnell und ohne großes Ziepen und Meckern und wir konnten endlich nach Hause gehen, wo wir 16 Uhr ankamen und uns beide erstmal eine Runde aufs Ohr hauten, den Stress wegschlafen.

Ergebnisse gibt es irgendwann diese Woche, ich werde berichten.

28 Stunden

Um 7 Uhr am Dienstag Morgen fanden wir uns in der Uniklinik ein. Als erstes mussten wir zur Anmeldung, alle unsere Daten aufnehmen und eine Unmenge an Klebeettiketten ausdrucken lassen. Mit einem kleinen Stapel an Papierkram, Klebekram, Stoffbeutel und Kugelschreiber sollten wir dann auf Station gehen.

Mittlerweile kenne ich mich so gut in der Klinik aus, dass mir bunte Klebelurche auch nicht mehr weiter helfen und keine zwei Minuten später standen wir am Stützpunkt der kinderchirurgischen Station. Dort wurden die Etiketten und das U-Heft in Empfang genommen und wir bekamen ein Zimmer zugewiesen. Zu diesem Zeitpunkt gingen wir immer noch davon aus, dass die OP für 7:30 Uhr angesetzt war, obwohl ich nicht mehr wirklich daran glaubte. Ich hätte dafür mehr Action erwartet.

Es wurde halb Acht, es wurde um 9 Uhr, es wurde halb 10 Uhr. Es tat sich nichts. Irgendwann sagte mir „meine“ Schwester, dass die OP für 10:30 Uhr geplant war. Immerhin eine erste Aussage. Meine Süße brabbelte vergnügt vor sich hin, sie störte es nicht, dass sie seit 3 Stunden kein Frühstück hatte. Das letzte Mal wurde sie um 3 Uhr nachts gefüttert, das nächste Mal wäre sie unter Normalumständen um 9 Uhr dran gewesen. Da ihr das aber niemand gesagt hatte, ignorierte sie das einfach und wurde ganz spontan gegen 10 Uhr müde.

Ich wiegte sie in den Schlaf und kurz darauf ratzte sie tief und fest in meinem Arm. Ich saß so vor ich hin auf einem Stuhl in dem Krankenzimmer und harrte der Dinge, die da kommen mögen. Und sie kamen. In Form des Stationsarztes und seines Tross. Der Arzt fing an, mich vollzulabern, ich immer noch mit dem gerade eingeschlafenen Kind auf dem Arm. Ich schaute ihn nur verständnislos an, was will der jetzt von mir? „Meine“ Schwester kam zufällig ins Krankenzimmer und wies den Arzt darauf hin, dass dieses Kind gerade eingeschlafen ist, nüchtern sein muss für die OP, und eine Störung eher kontraproduktiv sei.

Ich hätte sie knutschen können, wenn ich nicht gerade das schlafende Kind auf dem Arm gehabt hätte. Der Arzt musste natürlich sein Gesicht wahren und so fragte er mich belangloses Zeug wie ob denn die Temperatur des Kindes ok gewesen sei und wie es mit dem Stuhlgang aussähe. Nach 4 Fragen, und wie ich hoffe meines grummeligen Blickes wegen, trat er den Rückzug an, seine Armada von Ärzten im Praktikum hinter sich her ziehend.
Aber leider gab es immer noch keine Aussage, wann die Kleene denn nun dran wäre.

Mittlerweile war es 11 Uhr geworden. Die letzte Mahlzeit war 8 Stunden her, die letzte Flüssigkeit 3 Stunden, wobei das nur ein paar Tropfen Wasser waren. Wir warteten geduldig, wobei mein Mädchen eine besondere Geduld an den Tag legte.

Immer wieder lief ich mit meiner Süßen auf dem Arm am Schwesternstützpunkt vorbei. Ich wollte den Schwestern, die genügend andere Aufgaben zu erledigen hatten, keinen unnötigen Stress verursachen, aber so ungefähr wissen, wann mein Kind dran wäre, wäre schon cool. Meine Schwester hatte mir schon vor Stunden mitgeteilt, dass 10:30 Uhr DER Termin war, aber die Realität sah anders aus.

Es wurde 11 Uhr, es wurde 12 Uhr, es wurde 12:30 Uhr. Ich bekam mein unglaublich leckeres Mittagessen, irgendein Fisch mit gedünstetem Gemüse und unsäglich harten Kartoffeln. Alle Zutaten schmeckten genau gleich, vor allem die Dillsoße. Während ich mir das Futter hinter die Kiemen schob, schaute meine Kleine interessiert zu und wartete, dass ich ihr auch was in den Mund schob. Was ich aber nicht tat, Rabenmutter und so.

Um 13 Uhr schaute ich wieder am Schwesternstützpunkt vorbei und meine Schwester rief erneut im OP an, ob denn mittlerweile bekannt sei, wann die Kleine dran ist. Leider gab es immer noch keine neuen Informationen, aber die Aussage, dass das Kind an den Tropf angeschlossen werden solle, damit es nicht völlig dehydriert. Ich bin wieder aufs Zimmer gegangen, die Schwester wollte nur alle notwendigen Zutaten besorgen.

Als sie wenige Minuten später mit leeren Händen ins Zimmer kam, schaute ich ein wenig verwundert, doch sie löste das Rätsel schnell auf. Der OP hätte angerufen, es könne jetzt losgehen und wir sollen in den Aufwachraum kommen. Also schnell das Kindlein in ein schickes Baby-OP-Hemd gekleidet. Die Schwester schmierte Betäubungssalbe auf mögliche Einstichstellen für venöse Zugänge und klebte Folie darüber, damit das nicht verschmiert. Mit meiner Süßen im Bettchen fuhren wir zum Aufzug und auf dem Weg dahin schnappte ich etwas von einem Notfall auf, ein Junge mit Hodentorsion, dem ich jedoch mangels medizinischer Kenntnisse keine größere Bedeutung beimaß.

Im Aufwachraum wurden wir von den Schwestern in Empfang genommen. Gleichzeitig mit uns traf ein großes, leeres Krankenbett ein, von dem es nur hieß, das wäre für einen Notfall. Die Schwestern gingen von irgendeinem Notfall in nicht näher bestimmter Zukunft aus und schoben das Bett in eine Ecke. Die Anästhesieschwester schaute sich die Akte meines Kindes an und machte sich dann mit einer Spritze an einem Fläschchen zu schaffen.

Ich fragte, ob dies der Beruhigungssaft sei, was sie bejahte. Ich wies sie darauf hin, dass ich mit der Anästhesieärztin aber vereinbart hatte, dass der Saft nur im Notfall nötig sei und es erstmal ohne probiert werden soll. Ich zeigte ihr die entsprechende Stelle in der Akte, die sie einfach übersehen hatte. Die Schwester rief dann noch jemand wichtiges an, um wirklich sicher zu gehen, bekam aber von dort auch grünes Licht und packte den Saft wieder weg.

Er war tatsächlich zu diesem Zeitpunkt nicht nötig, meine Kleene war trotz Hunger und Durst erstaunlich gut gelaunt, krabbelte in ihrem Bett und strahlte sämtliche andere Anwesenden an. Einer dieser Anwesenden war ein etwas 3-jähriger Junge, aufgrund jeglicher fehlender Behaarung vermutlich Krebspatient, der gerade von einer größeren OP aufwachte, immer die Hand seines Papas haltend. Je wacher er wurde, desto fröhlicher wurde er auch und allen Anschein nach kannte er sich im Aufwachraum gut aus und auch die Schwestern waren ihm nicht unbekannt. Ich fand es stark, wie locker er das alles wegsteckte, so lange sein Papa in der Nähe war, gleichzeitig machte mich das auch unglaublich traurig. Krebs hat in Kindern einfach nix zu suchen.

Kurz nachdem der kleine Junge auf Station geschoben wurde, öffnete sich die Tür und ein schmächtiges verängstigtes Mädchen kam mit seiner Mutter in den Raum. Sie wären der Notfall, von dem aber im Aufwachraum immer noch niemand etwas wusste. Aber immerhin war ja ein Bett da und die Schwestern sind routiniert genug, um zu wissen, was getan werden muss. Erstmal ausziehen, schickes OP-Hemdchen an, viel gutes Zureden und Trösten.

Noch während sich das Kind umzog, betraten mehrere Ärzte das Zimmer und begannen mit der OP-Aufklärung. Sie fragten nach Allergien und dem ganzen Kram. Ich wollte da nicht unbedingt lauschen, aber die ganze Szene fand keine 2 Meter von mir entfernt statt und da ich meine Kleene auf dem Arm hatte, war Ohren zuhalten nur schwer möglich.
10 Minuten war der Spuk vorbei, das Mädchen wurde in den OP geschoben und die Mama auf Station geschickt, um dort erstmal alle Formalitäten zu erledigen.

Da wir nun auch schon wieder eine halbe Stunde warteten, fragte ich mal vorsichtig nach, wann wir denn dran seien. Tja, der Notfall des Jungen hatte sämtliche Pläne verschoben. Welcher Junge, fragte ich, und die Schwestern sagten, dass das Gewusel gerade um einen Jungen ging. Ich hätte schwören können, dass das ein Mädchen war, so feingliedrig wie er aussah. Die sehr langen Haare taten ein übriges in in meiner Wahrnehmung. Also war dies wohl der auf Station erwähnte äußerst schmerzhafte Notfall.

So mussten wir nun warten, bis der Notfall durch war, ehe wir dran kommen konnten. Irgendwann kam jemand vom OP-Team in den Aufwachraum und plauderte mit den Schwestern und ich schnappte „und dann machen wir erstmal Mittag“ auf. Definitiv nichts, was ich in dem Moment hören wollte. Ändern konnte ich aber auch nichts, denn hungrige Ärzte sind unkonzentriert und das Risiko wollte ich genauso wenig eingehen.

Meine Süße wurde unruhig und ich tanzte mit ihr durch den Raum, der gerade frei von irgendwelchen Notfällen oder aufwachenden Patienten war. Die Schwestern machten auch gerade Mittag und wir hatten unsere Ruhe. Irgendwann rieb sich mein Mädchen die Augen und zog an ihren Ohren, ein ganz sicheres Zeichen, dass sie müde ist. Ich wiegte sie so lange hin und her, bis sie eingeschlafen war. Keine 3 Minuten später kam jemand vom OP-Team und meinte, es könnte jetzt los gehen.

Ich küsste sie zum Abschied und übergab sie der Ärztin, schaute ihr hinterher, bis sie hinter einer Tür verschwand und ging auf Station. Es war mittlerweile halb 3, ich war erschöpft durch das viele Tragen, erleichtert, dass es endlich los ging und gleichzeitig besorgt, ob denn alles gut gehen würde.

Ich versuchte, mich abzulenken, nicht nachdenken zu müssen und erstaunlich kurze Zeit später kam eine Schwester und meinte, ich könne wieder in den Aufwachraum. Ein Steinbruch purzelte mir vom Herzen. Fünf Minuten später stand ich neben meinem tief schlafenden Mädchen und sah ihr beim Atmen zu. Eine Schwester stellte mir einen Stuhl neben das Bett, ich setzte mich drauf, schob meine Hand durch das Gitter und hielt ihr die Hand.

Bald fing sie an, sich zu bewegen. Erst den Kopf nach links oder rechts gedreht, dann ein wenig geschnieft, bevor sie blinzelnd die Augen öffnete. Dann ging alles sehr schnell. Sie streckte sich, sie blinzelte noch ein wenig und dann setzte sie sich hin und wollte Action. Die Schwestern im Aufwachraum staunten nicht schlecht, fanden es aber toll, dass sie so gut gelaunt angestrahlt worden. Eine Schester wurde von Station gerufen, damit wir wieder nach oben gebracht werden können und 10 Minuten später waren wir in unserem Zimmer.

Ich legte meine Süße erstmal ausgiebig an, meine Brüste waren kurz vorm Platzen, da sie 12 – 16 Stunden nicht mehr gefordert waren. Mein Mädchen war so ausgehungert, dass es ihr ein Leichtes war, mir Erleichterung zu verschaffen. Derart vollgestopft und immer noch ziemlich erschöpft fiel sie kurz darauf in meinen Armen in den Schlaf und ich war froh, sie halten und wiegen zu können. Kaum hatte sie 5 Minuten geschlafen, ging die Zimmertür auf. Ich dachte zuerst, die Schwester wolle nach uns schauen, aber nein, sie hatte einen neuen Mitbewohner im Schlepptau.

Kaum war dieser in den Armen seines Vaters über die Zimmerschwelle gekommen, fing er an, wie am Spieß zu brüllen. Ich konnte nur noch „Das ist jetzt nicht euer Ernst?!“ denken und es entschlüpfte mir auch ein lautes „Oh nein“. Ich war so froh, dass meine Süße eingeschlafen war und jetzt folgte hier so ein Terror und da wusste ich noch nicht, was noch an Terror folgen sollte. Das andere Kind schrie und schrie, mein Kind schaute nur verstört, blieb aber ansonsten ruhig. Nach einer Viertelstunde dieses Gebrülls setzte ich mein Kind ins Bett und verließ das Zimmer. Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen und brauchte erst mal einen Tee und musste ganz tief durchatmen.

Als ich kurz darauf ins Zimmer zurück kehrte, saß meine Süße immer noch völlig konsterniert in ihrem Bett und schaute dem Jungen beim Brüllen zu. Der Vater versuchte über das Gebrüll hinweg am Telefon seiner Frau klar zu machen, dass sie ins Krankenhaus kommen solle. Diese schien das nicht zu begreifen und immer wieder musste der Mann ihr erklären, dass es nicht möglich ist, dass er hier mit einer fremden Frau (= mir) in einem Zimmer übernachten darf.

Irgendwann war der Junge so erschöpft vom Brüllen, dass er es einfach einstellte. Allerdings durfte niemand Fremdes an sein Bett heran und Papa durfte nicht weg von ihm. Dieser hatte sich in sein Schicksal ergeben und spielte mit seinem Handy, während sein Kind immer und immer wieder nach im fragte. Störte den Papa aber nicht, erst als sein Kind wieder anfing mit Schreien reagierte er.

Ich kuschelte während dessen mit meiner Kleinen, stillte sie immer wieder, spielte mit ihr, beruhigte sie. Sie schaute immer wieder verschreckt hoch, wenn der Junge den nächsten Wutanfall hatte, was so aller 10-15 Minuten der Fall war. Es gab Abendbrot und für mich eine Entschuldigung, das Zimmer für wenige Minuten verlassen zu können. Mein Mann besuchte uns, überzeugte sich, dass es seiner Tochter wirklich gut geht. Da Krankenhäuser so gar nicht sein Fall sind, wir eh am nächsten Tag entlassen werden sollten und dieser brüllende Junge echt nicht der Brüller war, blieb er nur kurz.

Während dessen telefonierte der Papa noch zwei weitere Male mit der Mutter, welche offensichtlich nicht wusste, wo die Uniklinik ist oder wie sie dahin kommen sollte. Ich finde es eine erstaunliche Leistung, da die Klinik sehr zentrumsnah liegt, ungefähr 4 normale Wohnblöcke umfasst und sehr gut ausgeschildert ist. Selbst als frisch Zugezogener, was sie aber nicht war, hat man relativ schnell herausgefunden, wo man hin muss. Egal, Mama tauchte mit einem nicht näher bekannten Mann auf. Beide betraten grußlos das Zimmer, schauten nur kurz zu uns rüber, bevor sie sich dem Kind widmeten.

Die Mutter fragte erneut, warum denn nicht der Papa im Krankenhaus bleiben könne und er erklärte es ihr erneut. Sie schien es trotzdem nicht zu verstehen, fügte sich aber in ihr Schicksal. Der unbekannte Mann verabschiedete sich wieder und kurz darauf tat das auch der Papa, was einen erneuten Wut- und Schreianfall zur Folge hatte. Erstaunlicherweise blieb meine Süße die ganze Zeit über ruhig, obwohl ich ihr ansah, dass sie völlig erschöpft war und eigentlich nur schlafen wollte.

Da ich selber kurz vorm Umfallen war, kann ich mich an die genauen Ereignisse des Abends nicht mehr erinnern. Ich versuchte, so schnell wie möglich die Nachtruhe einzuläuten. Es nützte nur bedingt etwas, da der Junge aller Stunden wach wurde und nach seiner Mutter brüllte. Wenn diese dann am Bett stand, brüllte er nach seinem Vater. Manchmal brüllte er auch einfach nur so. Meine Kleene schlief entsprechend unruhig, kam oft und so dösten wir uns gemeinsam durch die Nacht. Dass stündlich, gerade wenn alles wieder ruhig geworden war, die Nachtschwester kam und uns mit einem Suchscheinwerfer in die Gesichter leuchtete, fiel dann auch nicht mehr ins Gewicht.

Am Ende der Nacht stand ein karges Frühstück und meine Süße mit extremen Augenringen. Ich war so erschrocken, als ich die dunklen Ringe sah, ich wäre am liebsten sofort nach Hause geflüchtet. Doch mussten wir noch auf den Arztbericht warten. Um 8 Uhr war dann die Erschöpfung zu groß für mein Mädchen, sie schlief in meinen Armen ein und ratzte und ratzte und ließ sich durch kein Gebrüll der Welt mehr stören.

Es kam der Arzt, erklärte mir, dass bei der OP festgestellt wurde, dass die Ureterozele nicht wieder zusammen gewachsen war und auch alle anderen Zu- und Abflüsse offen waren. Also das Optimum in ihrem Zustand. Er würde noch den Arztbrief fertig machen und einen Termin für die nächste Kontrolle vereinbaren, dann dürften wir gehen.

Wir warteten geduldig, ich packte meine Sachen zusammen, gab meinem Mann und meinen Eltern Bescheid. Die Schwester erlöste mein Kind von ihrem Zugang und dann kam endlich der ersehnte Arztbrief. Wir waren entlassen.

Um kurz nach 11 verließen wir die Klinik gen Heimat, wo wir erstmal ausgiebig Mittagsschlaf machten.

 

OP-Vorsorgeuntersuchung

Am Dienstag steht die nächste OP meiner Süßen an und damit die ordentlich über die Bühne gehen kann, braucht es einer Vielzahl von Untersuchungen. Da am Montag in der Uniklinik schon zu viele Patienten angemeldet sind, sollten wir das alles am Donnerstag machen. Also fanden wir uns wie vorgegeben um 10 Uhr auf der Kinderchirurgischen Station ein. Die Schwestern an der Anmeldung guckten mich skeptisch an und ich dachte sofort, ich hätte mich in Ort oder Zeit geirrt, ein Gefühl, was ich immer als sehr unangenehm empfinde. Doch dann ließen sie sich das gelbe Untersuchungsheft und die Chipkarte geben und ich sollte im Spielzimmer warten.

Was wir auch taten, über eine Stunde lang. Wir beobachteten stationär aufgenommene Kinder, wie sie zusammen mit Krankenschwestern Engel bastelten, wie ein Junge seinen Eltern schlechte Witze aus einem Buch vorlas, wie ein Mädchen mit seiner Mutter Kaufmannsladen spielte.
Endlich wurden wir von einer jungen Ärztin erlöst, welche meine Kleine eingehend untersuchte und mich nach der Vorgeschichte befragte. Am Kindlein gab es nichts außergewöhnliches festzustellen, guter Allgemeinzustand auf knapp 75 cm Länge und 8,6 Kilo. Wir sollten dann wieder im Spielzimmer warten, bis eine andere Ärztin uns über die Operation aufklären würde.

Die spielenden Kinder waren mittlerweile in ihre Zimmer zurück gekehrt und verputzten ihre Mittagessen. Ich holte mir Tee und Wasser und die Kleene ihre Portion Milch. Gegen halb eins kam die Ärztin und erklärte uns, was bei der OP passieren soll und was passieren könnte, was ja auch immer alle Dramen einschließt, wovon aber niemand wirklich ausgeht. Das Äußerste wäre wohl die Legung eines Blasenkatheders, der aber dann durch die Bauchdecke gelegt wird, weil es aus welchen Gründen auch immer über den Harnleiter nicht geht. Ich hoffe, dass dies meiner Süßen erspart bleibt, allein die Vorstellung lässt mich schaudern.

Dann sollten wir noch zur Anästhesieaufklärung. Als wir da ankamen, kippte ich fast aus den Latschen, nicht ein einziger freier Platz mehr im Warteraum. Entsprechend fragte mich die Schwester an der Aufnahme, ob wir am nächsten Morgen wieder kommen könnten. Ich sagte, dass dies kein Problem wäre, ich aber nicht weiß, was die Kollegen auf Station dazu sagen. Die Schwester rief an, erklärte die Umstände und dann wurden wir erstmal wieder heim geschickt.

Mein Mädchen war mittlerweile so knülle, dass sie bereits keine 100 Meter vom Krankenhaus im Kinderwagen eingeschlafen war. Sie ließ sich auch nicht vom aus dem Kinderwagen heben und in den 3. Stock hochtragen stören und so legte ich sie komplett angezogen ins Laufgitter und ließ sie in Ruhe ratzen. Später am Nachmittag machten wir beide noch ein Nickerchen, aber die Kleene wollte nicht alleine irgendwo rumliegen und so schlief sie eben auf mir. Auch gut ❤

Am Freitag dann also zu einer Zeit aufstehen, wo ich noch keinen Puls und nur sporadische Atmung habe und zur Anästhesie. War auch schön leer dort, sogar die Krankenschwestern fehlten. Nach kurzer Zeit bin ich meine Zettel dann doch noch losgeworden und sollte wieder warten. Eine halbe Stunde später kam die Narkoseärztin und erklärte mir, was alles bei der OP passieren soll.

Als erstes würde sie über eine Atemmaske betäubt, dann bekäme sie kleine Pflaster auf die Hände, um die Einstichstellen für die Zugänge zu betäuben. Sie würden das trotz der bereits erfolgten Narkose so machen, damit die Kleine auch wirklich nichts spürt. Dann würde sie intubiert werden und sie bekäme drei Sensoren auf die Brust gepappt, um sie genaustens überwachen zu können.
Da sie keinerlei Anzeichen für Fremdeln zeigt, könnte sogar auf den Beruhigungssaft verzichtet werden, der würde die Kinder immer so groggy machen, auch noch Stunden nach der OP. Bin ich sehr dafür.
Es wurde noch nach ihren Zähnchen geschaut, da die besonders beim Tubus legen gefährdet seien.

Ein weiterer Haken auf der Checkliste und wir durften wieder auf die Station, wo noch ihre sämtlichen Unterlagen auf uns warteten. Eine der Schwestern gab mir einen Zettel mit der Stationstelefonnummer mit, ich solle am Montag nachmittag anrufen und fragen, wann die OP am Dienstag denn genau ist. Die OP-Pläne werden immer erst einen Tag vorher fest gemacht, sie ginge aber davon aus, dass das Kindlein wieder als erste dran ist. Wäre mir sehr recht, denn so lässt sich das 6-stündige Nüchternheitsgebot vor der OP besser aushalten, als wenn es mitten am Tag ist.
Eine andere Schwester wollte noch Blut abnehmen, um ein Blutbild erstellen zu können. Dazu wurde meine Süße in den Finger gepiekst, was sie überhaupt nicht lustig fand. Trotz intensivem Trösten hat es gut 5 Minuten gedauert, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Ich bekam noch zwei Urinklebebeutel mit und solle am Montag versuchen, damit eine Urinprobe zu ergattern. Ich bin gespannt, hat das doch in der Vergangenheit immer so fantastisch gut geklappt 😉

Um halb 10 Uhr waren wir fertig und durften gehen. Leider war der ausgedehnte Spaziergang zur Klinik und zurück am Donnerstag Anlass für mein rechtes Knie, mal wieder ordentlich zu muckern. Und weil wir grad schon mal da waren und die Orthopädie nur ein Haus weiter ist, wollte ich das endlich mal anschauen lassen. Ein freundlicher Herr sah meinen unsicheren Blick, als ich das Klinikgebäude betrat und bot seine Hilfe an, die ich gerne annahm. Er lotste mich direkt bis zur richtigen Station und erzählte mir auf dem Weg dahin, dass er selber gut einen Monat gebraucht hätte, um sich einigermaßen zurecht zu finden.

An der Anmeldung mein Anliegen geschildert und im gut gefüllten Warteraum Platz genommen. Entgegen allen Erwartungen kam ich bereits 5 Minuten später dran. Mein Knie wurde ausführlich, aber ergebnislos untersucht. Ich kann leider nichts dafür, dass es mir bei Bewegungen oder kräftigem dran Ziehen nicht weh tut. Es tut eben einfach so weh. Ich wurde aber noch zum Röntgen geschickt, drei Biegungen weiter in dem verzweigten Gebäude. Auch dort kam ich ganz fix dran und die Röntgenschwestern waren in heller Aufregung, wer denn meine Süße zuerst bespaßen darf, während ich auf dem Röntgentisch mein Knie in den verschiedensten Winkeln präsentierte.

Zurück bei der Orthopädin erklärte sie mir, dass sie nicht weiß, woher die Schmerzen kommen. Laut den Bildern ist alles dort, wo es sein soll und es gibt keinerlei Anzeichen für krankhafte Veränderungen. Hmm, nicht ganz das, was ich hören wollte. Sie stellte mir aber ein Rezept für Krankengymnastik und Ultraschall aus, was mich insofern überraschte, als ich immer dachte, dass dies nur die niedergelassenen Ärzte dürfen. Ein Rezept für Paracetamol gab es gratis oben drauf. Genauso wie den Hinweis, dass wenn die Schmerzen in 4-6 Wochen nicht besser sind, ich mir vom Hausarzt eine Überweisung für ein MRT holen soll.

Wir sind dann wieder nach Hause gegangen, haben in Ruhe gefrühstückt und ausgiebig Mittagsschlaf gemacht. Solche Untersuchungen schlauchen immer ganz ordentlich.

Besorgt

War ich zum Jahresende noch froh, dass das Jahr endlich vorbei ist, habe ich die Wirkung des neuen Jahres völlig unterschätzt.

Kaum ist der Januar da, rücken auch die entscheidenden Termine immer näher und versetzen mich in einen emotionalen Ausnahmezustand. Permanent begleitet mich die Sorge, ob bei der OP alles gut geht. Ich kann mir immer und immer wieder einreden, dass es kein großer Eingriff ist und nicht lange dauert, aber sofort meldet sich eine Stimme im Hinterkopf, die mir sagt, ja, aber das erfolgt unter Vollnarkose, welche wieder die Atmung der Kleinen lähmen wird, so dass sie intubiert und künstlich beatmet werden muss. Und was ist, wenn nach der Narkose die Atmung nicht spontan wieder einsetzt. Was, wenn die Narkose noch ganz andere Nebenwirkungen hat. Werde ich mein Mädchen wohlbehalten wieder in die Arme schließen können?

Diese Gedanken sind ständig da, lähmen mich, lassen mich verkrampfen. Ich habe dadurch massive Rücken- und Kopfschmerzen und kann mich auf nichts konzentrieren. Ich schlafe schlecht und bin ständig müde, erschöpft.

Wenn ich meine Süße so anschaue, wie sie gut gelaunt die Welt erkundet, krabbelt, steht, brabbelt, lacht, klatscht und bewusst zu mir zum Kuscheln kommt, dann treibt es mir regelmäßig die Tränen in die Augen, weil das alles so wertvoll ist und gleichzeitig so vergänglich sein kann.

Bei der ersten OP hatte ich nur einen Tag Vorwarnung und von daher gar keine Zeit, mir so viele Sorgen zu machen, aber die Anspannung war in der Zeit trotzdem enorm. Jetzt habe ich noch 10 Tage vor mir und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich die überstehen soll oder in welchem Zustand ich dann bin.

Vom Warten und Wissen

Im Nachgang der letzten Untersuchung wegen der Doppelniere meiner Süßen wurde ja festgestellt, dass der Ureterozelenrest sehr auffällig im Ultraschall war und die Vermutung im Raum stand, dass die geschlitzten Stellen wieder zusammengewachsen sind. Um dieses abzuklären, hatten wir heute eine außerplanmäßige Untersuchung in der Uniklinik.

Pünktlich um 7 Uhr wurde ich vom Wecker geweckt und durfte das friedlich neben mir schlummernde Kind sanft dazu überreden, es mir gleich zu tun, was allerdings auf wenig Gegenliebe stieß, was ich aus tiefstem Herzen nachfühlen konnte. Nützt ja aber alles nix und was muss, das muss und kaum eine Dreiviertelstunde später bewegten wir uns mit verquollenen Augen und einigermassen grummlig gen Klinik, wo wir pünktlich um 8 Uhr eintrafen. Die Anmeldung fix hinter uns gebracht und mit Freunden festgestellt, dass die Radiologie, unsere traditionell erste Anlaufstation, so gut wie leer war.

Kaum 10 Minuten später durften wir auch zur Untersuchung, aber was ich da auf dem Ultraschall sah, gefiel mir gar nicht. Es ist schon erstaunlich, wie schnell mal zu einem Experten mutiert, noch vor einem Jahr hab ich bei den Babyultraschalluntersuchungen nur graues Gegrissel auf den Monitoren erkannt, heute sah ich auf Anhieb den erweiterten Harnleiter und den Ureterozelenrest, welcher sich zu einer wunderhübschen Blase ausformte und überhaupt nicht mehr schlaff rumwehte, wie in früheren Untersuchungen. Als dann die zur Absicherung hinzugezogene Chefradiologin meinte, dass der heutige Befund fast haargenau so aussieht wie die vorhergehende Untersuchung, war mir eigentlich schon alles klar.

Ziemlich geknickt tapperte ich dann einige Minuten später mit dem schriftlichen Befund zur Kinderurologie, klopfte an der bekannten Tür und sah einen kleinen gelben Klebezettel „sind in der Radiologie und erst gegen 10 Uhr wieder da“. Kurzer Blick auf die Uhr, was ein Glück, Dreiviertel 9. Also dann eben in die Cafeteria. Dort baute gerade ein Haufen geschwätziger WeiberMädel Tische für die halb 10 beginnende Kinderbastelstunde auf. Dazu hatten sie auch einen CD-Spieler aufgestellt und eine CD mit Weihnachtsliedern eingelegt. Schöne Lieder waren das, alle 5. Nach dem 3. Durchlauf klangen die allerdings nicht mehr so schön. Da halfen auch die sich über Nichtigkeiten unterhaltenden Schwesternschülerinnen, die sich mir gegenüber postiert hatten, nicht viel. Die Mütter der lärmend in meinem Rücken spielenden Chantalls und Kevins machten das Kraut dann auch nimmer fett. Aber alles hat ein Ende und so begab ich mich kurz nach 10 Uhr wieder in die Urologie und wartete.

Kurze Zeit später fanden sich alle von Klinikseite Beteiligten ein und ich durfte ins Sprechzimmer. Die Kleene wurde gewogen, wozu jedoch erst eine Waage aus Hintertupfingen gebracht werden musste. Es stellte sich heraus, dass sie noch genug wiegt, um mit der jetzigen Antibiotikumdosis weiter machen zu können. Die körperliche Untersuchung ergab keine Auffälligkeiten, ich durfte meine Süße schnell wieder anziehen und mich zum Arzt an den Schreibtisch setzen.

Dort zeigte er mir anhand der Ultraschallbilder, was ich bereits gesehen hatte. Die Ureterozele war ganz prominent und anscheinend gut gefüllt, aber so ganz genau könne man das von außen nicht sagen. Zur Abklärung müsste eine Zystoskopie gemacht werden, unter Vollnarkose und sollte sich dabei herausstellen, dass eine erneute Schlitzung notwendig ist, würde man das dann auch gleich mit machen. Als Termin wurde der 13. Januar festgelegt und wenn alles gut geht, bzw. so bleibt wie jetzt besprochen, dürfen wir direkt von zu Hause zur OP und sparen uns so eine Nacht im Krankenhaus. Allerdings muss das Kindlein diesmal 6 Stunden vor der OP nüchtern bleiben, nicht mehr nur 4, was bestimmte auf große Zustimmung bei selbigen stoßen dürfte. Die Voruntersuchung und die Aufklärungsgespräche finden am 8. Januar statt, sparen uns aber wie erwähnt eine Übernachtung.

Um halb 12 Uhr waren wir wieder zu Hause, wo wir erstmal ausgiebig frühstückten und uns dann noch 3 Stunden aufs Ohr hauten. Diese Krankenhausbesuche schlauchen immer ordentlich, aber wenigstens wissen wir jetzt Bescheid.

Langweilig

Ich glaube, dem da oben ist manchmal langweilig und dann guckt er, wem es gerade zu gut geht. Und scheinbar heben wir uns da gut aus der Masse ab und zack, schon hat er uns mit seinem Schicksalshammer eins über die Rübe gezogen. Auto, Schimmel in der Wohnung, Umzug, Schulanmeldung, Kontonotstand reichen anscheinend noch nicht, denn gerade eben bekam ich einen Anruf von der Uniklinik.

Bei der letzten Kontrolluntersuchung der Kleenen vor einem Monat gab es eine Auffälligkeit beim Ultraschall. Die zwei Wochen nach ihrer Geburt geschlitzte Ureterozele scheint wieder zugewachsen oder gerade im Begriff wieder zuzuwachsen zu sein und das müsse überprüft werden. Wir dürfen daher im Dezember wieder in der Klinik vorbei schauen, wo das untersucht wird und wenn wir Pech haben, muss die Kleene erneut unters Messer. Ich bin froh, dass sich die Ärzte so gut kümmern und genau hinschauen, bevor sich das wirklich zu einem echten Problem auswächst.

Doch ganz ehrlich, so langsam tät ich auch mal wieder eine schöne Nachricht haben.