Elterngeld

Am Wochenende flatterte mein Elterngeldbescheid in unseren Briefkasten. Ich wusste zwar schon vorher, in welcher Größenordnung sich mein Elterngeld bewegen würde, doch hatte ich mal wieder das Kleingedruckte nicht richtig gelesen.

Denn da steht: In den Fällen, in denen das Bemessungseinkommen aus Erwerbstätigkeit vor Geburt höher als 1200 Euro war, sinkt der Prozentsatz von 67 Prozent um 0,1 Prozentpunkte je 2 Euro, um die dieses Einkommen den Betrag von 1200 Euro überschreitet, auf bis zu 65 Prozent.

Yeah, Bingo, Volltreffer. Ich erhalte also nur 65%. Ja, die 2% machen das Kraut  jetzt bestimmt nicht fett, mag der eine oder andere denken. Doch, machen sie. Bei mir sind es um die 50 Euro. Dazu kommt, dass, warum auch immer, ich im September ca. 500 Euro weniger Bruttolohn hatte, als in den anderen Monaten. Zack, und schon wieder fehlen ein paar Euro. Es werden noch Steuern und Versicherungen abgezogen und am Ende stehe ich mit rund 100 Euro weniger als geplant da, was in Summe über 700 Euro weniger sind, als wenn ich wie gewohnt arbeiten gehen würden. Und das ist ein Betrag, der ordentlich weh tut.

Beim ersten Kind war die Sachlage anders. Dort war ich erst arbeitslos (ALG I), wurde längerfristig krank und bekam Krankengeld, wurde quasi mit der Gesundschreibung schwanger und bezog wieder ALG I. Beim Elterngeld zählen diese beiden Leistungen nicht als Einkommen, also qualifizierte ich mich dadurch nur für den Mindestbetrag von 300 Euro. Da davon niemand leben kann, beantragten wir ALG II/Hartz IV. Ich hatte Glück und bekam einen netten und kompetenten Sachbearbeiter zugewiesen, der unseren Antrag schnell und problemlos bearbeitete und ohne Auflagen gewährte. (Eine Freundin kann da ganz andere Geschichten erzählen und das Internet ist auch voll davon.)

So, und wenn ich nun diese beiden Szenarien gegenüber stelle, muss ich feststellen, dass sich unsere finanzielle Situation damals und heute nicht großartig unterscheidet. Dadurch, dass ALG II die Miete übernimmt und den Grundbedarf für 4 Personen sichert, haben wir ungefähr genauso viel Geld zur freien Verfügung wie jetzt mit dem Elterngeld.

Spätestens jetzt sieht man, dass das Elterngeld nicht durchdacht und nur auf die klassische Familie zugeschnitten ist, in der der Mann der Hauptverdiener ist und nur die 2 Monate zu Hause bleibt. Dass die Mutter den größeren Einkommensanteil hat, wird nicht berücksichtigt oder aber billigend in Kauf genommen. Und wenn ich dazu noch sehe, wie sich die Regierung für das Elterngeld Plus feiert, welches diese finanzielle Situation nur noch verschärft bzw. nur die klassische Familie stärkt, könnt ich kotzen.

Ganz unabhängig davon, dass ich mich eh schon gef*ckt fühle. Sorry für den Ausdruck, aber das „familienfreundlich“ kann sich die Regierung grad mal sonstwo hinstecken. Ich freu mich schon auf den Tanz um den Krippenplatz und das Theater mit der Schule (dazu demnächst mehr).