Interne Reihenfolge

Die letzten Wochen waren gut, was den Stellenmarkt und den Bewerbungsprozess anging. Ich fand tatsächlich diverse Anzeigen, die mich interessierten und auf die mein Profil passte. Ich schrieb wunderbare, witzige, informative Anschreiben und wurde prompt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Die letzten beiden Wochen war ich fast täglich zu einem Interview unterwegs. Bei allen hatte ich ein gutes Gefühl, ging davon aus, überzeugt zu haben. Zumindest konnte ich während der Gespräche keine gegenteiligen Signale wahrnehmen.

In meiner Vorstellung malte ich mir schon aus, wie sämtliche Firmen begeistert von mir sind und mir einen Arbeitsvertrag anbieten wollten. Um gewappnet zu sein, erstellte ich für mich eine Reihenfolge, wo ich denn am liebsten und wo nur im Notfall arbeiten möchte. Ich begann zu träumen und sah eine rosige Zukunft vor mir.

Dann hagelte es Absagen, eine nach der anderen. Meine Liste war hinfällig, am Ende standen gar keine Namen mehr drauf und ich stehe dafür wieder ganz am Anfang.

Die DIS hat heute angerufen und gefragt, ob sie mein Profil auf eine bestimmte Stelle verschicken dürfen. Ich erwiderte, dass ich mich bereits vor 2 Monaten darauf beworben habe und postwendend eine Absage erhielt.

Außerdem nimmt mich die Auseinandersetzung mit meinem alten Arbeitgeber ordentlich mit. Wie sehr merkte ich diese Nacht, als ich einen sehr intensiven Traum hatte. Aus nicht näher definierten Gründen ging ich in meinem Traum durch die Gänge des Unternehmens, traf meine alten Kollegen, plauderte mit diesen und holte mir deren Zuspruch und Bedauern ab. Ich traf irgendwann auf ein hohes Führungstier, einen Mann, der mir immer recht sympathisch war, der mich verwundert ansah und meinte, er hätte mich ja schon eine ganze Weile nicht mehr hier gesehen. Ich klärte ihn darüber auf, dass meine Stelle im Rahmen der Umstrukturierung des IT-Bereichs weggefallen und ich gekündigt worden sei, was ihn sehr erstaunte. Doch dann konnte ich nicht mehr an mich halten und schleuderte ihm meine ganze Wut entgegen: ABER MEINE ELTERNZEITVERTRETUNG IST IMMER NOCH HIER!
Sprach’s und brach dann schluchzend zusammen.
Entsetzt schaute er zu mir herunter und bot mir dann als Wiedergutmachung an, dass ich doch am Firmensommerfest mit der gesamten Familie teilnehmen könne.
Das allerdings machte mich noch viel wütender, so sehr, dass ich aufwachte.

Ich bin dann mal weg, mal wieder den Stellenmarkt durchforsten 😦

Ring Frei – Zwischenstand

Ich hatte also am Montag den Termin mit der Anwältin, um zu klären, welche Möglichkeiten und Chancen ich habe, da nun meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung immer noch im Unternehmen war, während ich der Arbeitslosigkeit entgegen sehe.

Bevor es losgehen konnte, musste ich diverse Formulare ausfüllen, haufenweise gespickt mit juristischen Formulierungen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass wenn meine Rechtsschutzversicherung nicht für die Kosten aufkommt, ich automatisch meine Seele verkauft habe, zusammen mit meinem Sparbuch. Je nachdem, was mehr wert ist.

Die Anwältin nahm sich dann der Sache an, studierte meinen Arbeitsvertrag und die Kündigung, ließ sich von den näheren Umständen berichten und besprach dann mit mir meine Optionen.

Da in der Kündigung bereits eine Abfindung vereinbart wurde, so ich denn keine Klage gemäß Kündigungsschutzgesetz erheben, sind meine Möglichkeiten ein wenig begrenzt. Durch diese Formulierung hat sich das Unternehmen quasi freigekauft, aber das widersprach der Berufsehre der Anwältin, die sich generell recht kampfeslustig gab.

Ich kann natürlich jederzeit auf Wiedereinstellung klagen und hätte damit vermutlich sogar Erfolg, müsste dann aber mit den Konsequenzen leben, die laut der Anwältin sehr häufig in Mobbing und über kurz oder lang einer Kündigung durch den Arbeitnehmer, diesmal dann ohne Abfindung, münden würden. Es hat schließlich Gründe gegeben, warum man mich nicht mehr haben wollte. Würde ich in einem großen Unternehmen arbeiten, wo ich nur ein oder zwei Mal im Jahr mit dem Vorgesetzten zu tun habe, könnte man durchaus klagen. Da ich mir aber mit meinem Chef ein Büro teile und jeden Tag mit ihm zusammen arbeite, würde sie von einer Klage abraten. Das entspricht auch meiner Einschätzung und ich hätte sowieso nicht mehr dort arbeiten wollen. Ich finde, so eine Kündigung ist deutlich genug in der Aussage.

Allerdings könnte sie versuchen, eine höhere Abfindung herauszuschlagen, auch wenn ich darauf an sich keinen Anspruch habe. In der Kündigung wurde als Abfindung 0,5 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vereinbart, was wohl üblich und gesetzeskonform ist. Die Anwältin würde ein Schreiben aufsetzen, in dem sie 1,0 Monatsgehälter fordert und dann warten wir einfach ab, was passiert.

Mein Risiko ist dabei überschaubar, da ich eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung habe und mir so aller Wahrscheinlichkeit keinerlei Kosten entstehen. (Es gab auch da wieder jede Menge Klauseln, dass bestimmte Aktionen nicht von der Versicherung gedeckt sind, aber ehrlich, mir ist das alles zu hoch, ich vertraue einfach darauf, dass ich da ohne Eigenleistung davon komme.) Die Erfolgsaussichten sind 50:50. Wenn das Unternehmen sich auf die höhere Abfindung einlässt, gut, wenn nicht, hab ich zumindest nichts verloren und es immerhin probiert.

In diesem Zusammenhang betonte die Anwältin immer wieder, dass ohne Rechtsschutzversicherung das finanzielle Risiko recht hoch ist. Die Gebühren richten sich nämlich nach dem Streitwert und es ist in der Vergangenheit mehr als einmal vorgekommen, dass die herausgeschlagene Abfindung nicht mal die Anwaltskosten deckte.

Wir haben uns also darauf geeinigt, dass die Anwältin ein knackiges Schreiben aufsetzt und wir aufs Beste hoffen.
Zwei Tage später hat sie mir per Email eine Kopie des Schreibens geschickt und das war in der Tat knackig. Wäre ich das Unternehmen, ich würde die Abfindung sogar noch freiwillig auf 1,5 oder sogar 2 erhöhen 😉

Meine Versicherung hat sich in der Zwischenzeit auch gemeldet und bestätigt, dass sie sämtliche Kosten, bis auf die üblichen verklausulierten Ausnahmen, übernehmen, ich sie doch aber vor Klageerhebung bitte erneut kontaktieren sollte.

Jetzt bleibt nur noch die Reaktion der Gegenseite abzuwarten, von der ich natürlich berichten werde.

Ring Frei!

Manchmal gibt es Zufälle, die man sich in seinen wildesten Fantasien nicht vorstellen kann.

So surfte ich heute Abend nichtsahnend durch meinen Facebook-Newsfeed, schaute, was meine Freunde und Bekannten so machen und sah, dass Susi (wir erinnern uns: meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung und das Beste seit der Erfindung von geschnitten Brot) auf einem Foto markiert wurde, inmitten meiner alten Arbeitskollegen, ganz offensichtlich immer noch dazu gehörend. Das Foto selbst wurde an die Pinnwand einer Kollegin, die heute Geburtstag hat, mit herzlichsten Glückwünschen gepostet.

Ich wurde stutzig, hieß es doch damals, dass Susis befristeter Vertrag nicht verlängert wird. Was macht sie also noch in der Firma?

Ich schrieb umgehend einen Kollegen an, mit dem ich immer gut konnte und fragte nach. Er bestätigte mir, dass Susi noch im Unternehmen ist, mit den gleichen Aufgaben wie vorher und sogar noch ein paar mehr, aber nichts, wofür man extra Qualifikationen braucht. So wie er und ich es verstehen, sitzt sie auf meinem Posten.

Morgen werde ich einen Anwalt für Arbeitsrecht anrufen, damit er sich dieser Sache mal annimmt. Denn soweit ich weiß und es meinem Rechtsverständnis entspricht, ist dieser Vorgang so nicht rechtens.

Mal schauen, was dabei heraus kommt, ich werde berichten.

Was mich aber wieder massiv ankotzt ist, dass ich immer für jeden Scheiß kämpfen muss. Es kann doch zur Abwechslung auch mal was für mich laufen 😦