Geburtsvorbereitungskurs – Teil 5

Nachdem sich mein Puls und Blutdruck nach der Lektüre dieses Kinderdoc-Posts, vor allem der zugehörigen Kommentare, wieder ein wenig normalisiert haben, kann ich mich dem Bericht des letzten Teils meines GVKs widmen.

An  Teil 4 vergangene Woche konnte ich leider nicht teilnehmen, weil der Große mit Bindehautentzündung und nervigem Husten zuhause bleiben musste.

Nach der Begrüßung wurden wir gefragt, ob wir noch brennende Themen hätten, die wir unbedingt noch besprechen sollten, aber alle Teilnehmer waren da wunschlos glücklich. Da mir ein Teil fehlte, wollte ich auch nicht planlos dazwischen quatschen und hielt mich mit Vorschlägen zurück. Die Hebamme hatte allerdings noch das Thema Stillen auf ihrer Liste und es folgte wieder der Erfahrungsaustausch.

Fast alle hatten mehr oder weniger mit entzündeten Brustwarzen zu kämpfen, welche jedoch ausnahmslos mit Lanolin gut behandelt werden konnten. Diverse Mamas hatten schmerzhafte Milchstaus mit Fieber und Schüttelfrost. Ich berichtete von meinem äußerst heftigen Milcheinschuß und dass ich davor aktuell auch richtig Panik habe. Die Hebamme empfahl mir, vorher zu versuchen, eher wenig zu trinken, da viel  Flüssigkeit die Menge des Milcheinschußes beeinflussen würde. Nur immer schlückchenweise an Pfefferminztee nippen und aufs Beste hoffen. Na, ich bin gespannt, ob das hilft.

Dann folgte eine Lockerungs- und Atemübung. Wir sollten uns vorstellen, uns umgebe eine Glaskugel und wir würden diese von innen anmalen. Erst mit einem großen dicken Pinsel für die Flächen, dann ein kleiner Pinsel für die Akzente wie Wellenlinien und zum Schluss viele Punkte. Zu den Bewegungen die entsprechenden Geräusche: swusch, ssssssst, tock tock tock.

Es folgte eine Partnerübung, bei der sich zwei Frauen gegenüber sitzen und sich nur an den Fingerspitzen berühren. Eine macht die Augen zu, die andere führt die Hände und schaut, wie gut das funktioniert. Dann wird gewechselt. Am Ende machen beide Partner die Augen zu und warten ab, was passiert. Entweder jemand übernimmt die Führung oder die beiden lassen einfach bewegungslos ihre Fingerspitzen gegeneinander stehen.

Dann wurde ausgewertet, wie die jeweile Situation empfunden wurde. Die meisten fanden es gut, zu führen, konnten aber auch problemlos die Verantwortung abgeben und sich führen lassen. Beim gleichberechtigten Teil wurde gleichmäßig die Führung verteilt. Nur bei meiner Partnerin nicht. Als ich sie führte, versuchte sie immer, ihren Weg zu gehen und zu „sagen“, wo es lang geht. Ich hab diverse Male dagegen gehalten, aber so richtig aufgeben wollte sie nicht. Beim gemeinsamen Führen hab ich sie dann machen lassen, weil ich nicht mit ihr „streiten“ wollte 🙂
Die Hebamme meinte daraufhin, dass sie wohl eher der Typ sei, der sehr klare und nachdrückliche Führung benötige und man sich während der Geburt darauf einstellen müsse.

Es folgte die berühmt-berüchtige Bauchmalaktion, bei uns zum Glück nur auf dem Papier. Wir sollten überlegen, was wir unserem Kind im ersten Jahr mit auf den Weg geben wollen und sollten dies künstlerisch-kreativ auf einem Stück Papier umsetzen. Wir könnten dazu eine Blume malen und in die Blütenblätter unsere Wünsche schreiben oder eine Hand zeichnen und die Finger beschriften oder aber was ganz anderes.

Ich wählte ein breites Band, welches sich über mein Blatt schlängelte und schrieb darauf Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Lachen, Geborgenheit und Glück. Ich ließ einige Stellen frei für Dinge, die mir später noch einfallen würden. Jede erzählte kurz etwas zu ihren Wünschen, aber letztendlich waren sich alle im Grunde ähnlich. Warum sollten wir auch das (Mutter-)Rad neu erfinden?

Die obligatorische Entspannungsübung schloss sich an und ich hatte echt zu tun, dabei nicht einzuschlafen. Meine Nacht war mal wieder sehr unruhig und ich hatte nur 3 Stunden geschlafen und so eine säuselnde Stimme, untermalt von ruhiger Musik …

Ganz zum Abschluss sollten wir reihum ein Feedback zum Kurs geben und offenbaren, was uns unserer Meinung nach zu einer guten Mutter mache. Uff!
Feedback war ja nicht das Problem, aber dieses gute-Mutter-Ding schon. Ich hab doch sehr oft Zweifel, ob das, was ich mache, richtig ist und ich stelle mir immer wieder die Frage, ob ich denn einigermaßen eine  gute Mutter sei.

Spontan wollte ich antworten: ich bin eine gute Mutter, weil ich mein Kind nicht schlage. Doch ich habe gesagt: ich bin eine gute Mutter, weil ich so gar nicht wie meine Mutter bin. Ich denke, das sagt viel über meine Mutter und mich aus. Und ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, meine Mutter ein wenig mit in meine Richtung, auf meinen Weg zu ziehen und dass sie sich darauf eingelassen hat.
Trotzdem beschäftigt mich diese Frage immer noch und vielleicht werde ich darauf in einem separaten Eintrag eingehen.

Da ich die ganze Stunde, wie sonst eigentlich auch, bei jeder Bewegung gestöhnt und geächzt habe, machte mir die Hebamme noch eine Überraschung. Ich durfte mich nach Kursende auf eine spezielle Liege legen, die eine Aussparung für den Bauch hat, genauso wie ein Loch für das Gesicht. Es war traumhaft. Besonders mein unterer Rücken freute sich und konnte seit Wochen mal wieder locker lassen. Sowas hätte ich gern für zuhause, auch wenn ich nicht weiß, wohin mit so einem Riesending 🙂

Und dann war der GVK endgültig vorbei. Wir trugen unsere Mailadressen noch auf einer Liste ein, wünschten uns gegenseitig alles Gute und zogen dann in eine unbekannte, doch sehr spannende, Zukunft davon.

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 1

Es ist ja noch ein bisschen hin bis zum Stichtag am 21.3., doch der Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus meines Vertrauens startete schon heute. Es ist ein spezieller Kurs für Wiederholungstäterinnen und ohne Männer. Ich war sehr gespannt auf den Kurs, erstens weil die Klientel eines Geburtshaus doch ein wenig anders ist und ich nicht wusste, ob und wie ich mich da jetzt einfügen würde und zweitens weil ich so gar keine Vorstellung davon hatte, was in dem Kurs passieren wird.

Ich war extra pünktlich da, weil die Parkplätze in der Gegend recht knapp sind und zeitiges Kommen, wenn auch nicht die besten, so doch immerhin Plätze sicherte. Ein wenig erstaunt war ich, als ich den Raum betrat und dort einen Stuhlkreis vorfand. Vom letzten Kurs konnte ich mich noch erinnern, dass wir da immer auf Matten auf dem Boden gelümmelt haben. Nachdem der organisatorische Teil erledigt und alle Teilnehmerinnen eingetroffen waren, begann die obligatorische Vorstellungsrunde, die aber ein wenig anders ablief als ich das bisher kannte.

Wir wurden gebeten, unseren Namen zu sagen, und zwar denjenigen, mit dem wir auch angesprochen werden wollen, das konnte der echte oder aber auch ein Spitzname sein. Dazu sollten wir noch die Entstehungsgeschichte erzählen, wie unsere Eltern denn genau auf diesen Namen gekommen sind. Ungefähr die Hälfte hatte biblische Vornamen, weil die Eltern gläubige Christen sind. Die andere Hälfte hatte Vornamen nach Schauspielerinnen, Sängerinnen oder den Namen aus einem Filmabspann. Niemand hatte und wollte einen Spitznamen, jeder war mit seinem Namen zufrieden.
Außer mir. Mein echter Name war eine Notlösung meiner Mutter. Sie wollte mich ursprünglich ganz anders nennen, aber im Krankenhaus wurde ihr gesagt, das wäre kein richtiger Name und sie solle doch einen anderen aussuchen. Daraufhin wählte sie einen Allerweltsnamen, den ich dann im Gymnasium in unserer 20er Klasse mit 3 anderen Mädels teilte. Wenige Jahre später hab ich mir bei meinen ersten Gehversuchen im Internet einen Nickname ausgesucht, aus dem sich ein Spitzname entwickelte, mit dem mich heute alle anreden außer meinen Eltern und Arbeitskollegen.

Dann wurde geschaut, woher wir alle kamen und wo wir wohnten. Nicht eine Einzige wurde hier in der Stadt geboren, einige kamen es dem Umland, viele aus einem ca 150 km Umkreis, zwei von ganz weit weg. Wohnhaft sind bis auf einen „Wessi“ alle im Osten, Südosten oder Süden der Stadt.

Spannend war dann die Aufteilung nach Geschwistern. Als erstes die eigenen Kinder. Bis auf eine 3-fache Mutter haben alle nur ein Kind. Von den bereits vorhandenen Kindern sind zwei Mädchen, der Rest alles Jungs. Die Verteilung der „neuen“ Kinder wurde nicht erfragt, aber die errechneten Termine und die erstreckten sich vom 1.3. bis zum 14.4. Wir sind jetzt alle gespannt, wie gut diese Reihenfolge eingehalten wird und haben zur Erinnerung ein Foto gemacht.
Die Aufteilung „unserer“ Geschwister folgte. Ich war das einzige Einzelkind, die eine Hälfte war große Schwester, die anderen Hälfte hatte mindestens einen großen Bruder oder eine große Schwester, viele auch mehrere Geschwister (ich glaube, der Rekord lag bei insgesamt 7 Kindern).

Hier erzählte ich dann auch das erste Mal etwas recht persönliches, da meine Familiengeschichte minimal kompliziert ist. Denn mein leiblicher Vater hat noch 3 andere Kinder, meine Halbgeschwister. Ich kenne meinen leiblichen Vater aber nicht, da den Job mein Papa übernommen hat, welcher meine Ma kennenlernte, als ich 4 Monate alt war. Durch diese Konstellation habe ich auch keine Geschwister, da meine Eltern, allen voran meine Ma, befürchteten, dass sie ein gemeinsames leibliches Kind mir vorziehen würden und das wollten sie mir nicht antun. Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Befürchtung leider auch nicht, denn die Schwester meiner Mutter hat nämlich genau dies getan. Meine Cousine stammt aus der ersten Ehe, ihre beiden Schwestern aus der zweiten Ehe und der Stiefvater hatte absolut keine Liebe übrig für sie und behandelte sie auch entsprechend. Ich fand das als Kind immer recht seltsam, begriff aber zu diesem Zeitpunkt die Zusammenhänge nicht.
Ich wollte immer Geschwister haben, weil ich dies von meinen Klassenkameraden kannte und ich auch einen Verbündeten gegen meine Eltern haben wollte. Aus genannten Gründen wurde mein Wunsch nicht erfüllt und ich bin mir auch des Opfers bewusst, das meine Eltern für mich gebracht haben, wenngleich ich die tatsächliche Gefahr des Vernachlässigtwerdens als sehr gering einschätze allein durch die Tatsache, dass meine Eltern sich genau dieses Umstands bewusst waren und alles getan hätten, um dies zu vermeiden. Aber dies ist nun nicht mehr zu ändern.

Die Geschichten der Geschwisterkinder waren auch sehr spannend und reichte von innigen Verhältnissen über erbitterte Konkurrenzkämpfe bis hin zum teilweisen Übernehmen der Mutterrolle für kleinere Geschwister. Bei einigen Geschichten merkte ich, dass sich damit schon intensiv auseinandergesetzt wurde, es aber immer noch einiges an Hadern mit dem Schicksal gibt. Ich finde, dass es für die generelle gute Atmosphäre in der Gruppe spricht, dass bereits beim ersten Termin so offen über augenscheinlich sehr emotionale Aspekte gesprochen wurde.

Nach diesem ersten Kennenlernen brauchten wir alle eine Verschnaufpause und so machten wir ein paar Bewegungsübungen. Beckenkreisen, Beckenkippen, Schultern lockern, mit den Armen schlenkern, räkeln und strecken. Alles Sachen, bei denen man so herrlich dusslig und ungelenk aussehen kann 🙂

Gleich darauf ging es wieder ans Eingemachte. Wir sollten von unserer ersten Geburt erzählen, wobei wir den Fokus auf die Dinge legen sollten, auf die wir besonders stolz sind und was uns vielleicht vom ersten Mal noch nachhängt und in die neue Geburt mitgeschleppt wird. So wie jede Geburt waren auch die Geschichten sehr unterschiedlich.

Die erste ging recht blauäugig ran, hatte sie sich doch mit Büchern von Frédérick Leboyer belesen und fühlte sich so ausreichend auf die Geburt vorbereitet. Die Realität hat sie dann ganz schnell ernüchtert, aber sie hat die Geburt trotzdem gut über die Bühne gebracht.
Die nächste fand sich zu sehr von der Klinik zu Schmerzmitteln und Medikamenten gedrängelt und möchte dieses Mal mehr selbstbestimmt sein.
Es folgte eine unkomplizierte Hausgeburt.
Dann eine weitere Klinikgeburt, die übermäßig lange dauerte, nach Vermutung der Mutter, weil sie noch nicht bereit war, loszulassen.
Als nächstes eine dramatische Geburt mit Blasensprung in der 32. Woche und Notkaiserschnitt, Frühchenintensiv und Infektionen, massiven Stillproblemen. Das Kind hat zwar alles gut überstanden, aber man sah der Mama an, dass noch ganz viel unverarbeitetes Trauma und Schuldgefühle dabei waren. Völlig nachvollziehbar, dass sie sich jetzt nichts sehnlicher als eine normale spontane Geburt wünscht, sie aber oft mit dem (Vor-)Urteil „einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“ zu kämpfen hat.
Die Dreifachmama wünschte sich, dass die vierte Geburt ein wenig länger dauern würde, da ihre bisherigen Geburten alle turbomässig abliefen und keine zwei Stunden dauerten. Dafür waren alle ihre Kinder ca. 2 Wochen übertragen, jedoch ohne negative Folgen.
Die nächste Mama wurde eingeleitet, da bei ihr, zum Glück erst relativ spät in der Schwangerschaft, HELLP auftrat. Die Geburt war trotz Einleitung schön und auch nicht über die Maßen schmerzhaft. Hinterher stellte sich heraus, dass das Kind wohl schon zwei Wochen lang nicht mehr richtig versorgt wurde, es war nicht mehr gewachsen und die Plazenta war völlig verkalkt.
Als letztes noch eine Mama mit Diabetes Typ 1, die nach Einleitung und Geburtsstillstand per Kaiserschnitt entbunden wurde. Das Kind musste danach auf die Frühchenintensiv, aber dies scheint wohl üblich zu sein bei diesem Diabetes-Typ und auch beim jetzigen Kind wird es so sein. Da aber alle Bescheid wissen, ist das letztendliche Risiko für Mutter und Kind überschaubar. Auch dieser Mama merkte man beim Erzählen an, dass sie noch einen ordentlichen Rucksack mit sich rumschleppte.
Und meine Geschichte? Die folgt in einem separaten Eintrag 🙂

Nach diesem Trip in die Vergangenheit erstmal wieder was unverfängliches und so besprachen wir die möglichen Kursinhalte. Was wollten wir unbedingt noch wissen, was ist uns wichtig, was musste aufgefrischt werden, was kann aber auch weggelassen werden. Am Ende unterschied sich die Liste nicht wesentlich von meinen Erinnerungen aus dem ersten Kurs, aber Wiederholen kann ja nie schaden.

Zum Abschluss entspannten wir noch ein wenig bei meditativer Musik, die Kursleiterin lenkte unseren Fokus mal auf unsere Gedanken, mal auf unsere Atmung, mal auf unsere Bäuche. Es war ein guter Ausklang, wir konnten nochmal über die letzten 2 Stunden reflektieren und wurden nicht ganz so unsanft wieder in die kalte Realität geschubst.
Doch, war ein guter Termin, der noch ein wenig nachwirkt.