Henkersmahlzeit

Das war es also, das letzte gemeinsame Mittagessen mit meinen alten Kollegen. Ab Montag werden alle komplett an einem neuen Standort arbeiten. Ich werde sie ganz furchtbar vermissen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten waren der Höhepunkt jeden Tages. Es spielten sich Dramen ab, wenn Termine in unsere Essenszeiten gelegt wurden. Und ich habe sie im Laufe der Zeit lieb gewonnen. Alle! Ausnahmslos.

Die Kollegen sind ebenfalls wehmütig, denn am neuen Standort gibt es keine Kantine und der Speiseraum fasst nur 10 Personen. Zuviel für unsere 40-Personen-Abteilung. Auch wenn ständig über das Essen gemeckert wurde, sind die Alternativen am Zielort wenig verlockend. An Döner oder Asianudeln hat man sich eben auch schnell übergessen.

Gestern Abend waren wir alle zum Abschluss gemeinsam Bowlen. Es war herrlich, wundervoll, lustig und tottraurig. Die Stimmung war wie zu den besten Zeiten, ausgelassen und fröhlich, alle lachten, alle waren integriert, niemand saß ausgegrenzt irgendwo am Rand. Es war ein Blick zurück ins Paradies, welches ab nächster Woche verloren ist. Leider konnte ich den Abend nicht geniessen, weil er mir allzu schmerzlich vor Augen führte, was sich in den vergangenen Monaten verändert hat, wie hoch die Fallhöhe tatsächlich ist und was ab kommenden Montag unwiderbringlich vorbei sein wird. Egal, wie sehr alle beschwören, in 2 Jahren wieder an einem gemeinsamen Standort vereint zu sein.

Selbst, wenn es diesen ominösen, bisher nur theoretisch angedachten Standort geben sollte, werden sich die Teams und die Menschen bis dahin so verändert haben, dass es illusorisch ist zu glauben, man könnte wieder zum Anfang zurück. Fast alle Kollegen, mit denen ich die letzten Tage gesprochen habe, signalisierten, dass sie sich anderweitig umschauen, da die Atmosphäre im Unternehmen untragbar geworden ist. Wer weiß, wer von denen in 2 Jahren tatsächlich noch dabei sein wird.

Guten Appetit!

Mahlzeit

Es gibt eine Sache, die mich seit jeher als Arbeitnehmer nervt. Sobald sich der Tag der Mittagszeit nähert, also so ab 10:30 Uhr, schalmeit einem jedes Mal, wenn man einem Kollegen begegnet, der Ruf „Mahlzeit“ entgegen. Dieses „Mahlzeit“ finde ich furchtbar, ohne genau sagen zu können, warum.

Was ich allerdings gut finde, ist die Essenskultur in meiner neuen Firma! (Oder zumindest in meiner Abteilung.)

Pünktlich um 9:15 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter unserer Abteilung, gehen in die Kantine, um dort gemeinsam zu frühstücken. Manche bringen sich ihr Frühstück von zuhause mit, manche kaufen sich in der Kantine belegte Brötchen, wieder andere holen sich nur einen Kaffee oder Tee und setzen sich so dazu. Es wird bewusst darauf geachtet, nicht über die Arbeit zu sprechen.

Beim Mittagessen ist es ähnlich. 13 Uhr begeben sich alle gemeinsam zur Kantine und jeder bereitet sich sein Mahl nach seinen Präferenzen. Es gibt zwar keine feste Tischordnung, doch es haben sich verschiedene Grüppchen oder Rituale gebildet. So sitzen die wenigen Raucher unserer Abteilung an einem extra Tisch. Nicht, weil die Nichtraucher sie nicht leiden können, sondern weil die Raucher ihr Essen in Lichtgeschwindigkeit in sich hinein schaufeln, um dann ganz fix noch zum Rauchen gehen zu können. Würden sie sich mitten in die anderen setzen, gäbe es nach 10 Minuten unschöne Lücken und man müsste über den halben Tisch brüllen.

Ich habe mich die letzten Tage immer mit dazu gesetzt, mal ganz am Rand, mal mitten drin, wo eben ein Platz frei war und lauschte den Erzählungen der Kollegen. Oft konnte ich auch direkt in die Unterhaltung einsteigen, manchmal hörte ich einfach nur zu. Auf jeden Fall bin ich so aber ganz schnell ein Teil der Gruppe geworden und lerne ganz unkompliziert und nebenbei die Kollegen besser kennen.

Mir gefällt dieses Prinzip und ich finde, so etwas sollte es in anderen Firmen auch geben. Bisher hatte ich immer das Problem, dass es mitunter recht lange dauerte, bis ich ein richtiger Teil des Teams war, gerade als Assistentin/rechte Hand des Chefs, die immer nur doofe Sachen von den Kollegen will oder schlimmer, denen zusätzliche Arbeit aufhalst.. Oft machten die Kollegen zu ganz unterschiedlichen Zeiten Pause und falls es doch mal zeitlich passte, rannten die einen zum Italiener, die anderen zum Dönerstand und der Rest in die Sushi-Bar. Mir blieben zur Integration dann meist nur Geburtstagsrunden und so wahnsinnig oft gab es die nun auch nicht.

Allerdings muss ich die Nahrungsaufnahme noch besser koordinieren. Bislang schaffe ich es morgens nicht, mir ein Brötchen oder Brote zu schmieren und die aus der Kantine sind meist mit Butter bestrichen, was ich nicht sonderlich gut vertrage. Die Mittagessen sind super lecker, aber leider kriegt mein Mann kein warmes Mittagessen und so gibt es bei uns Abends meist auch noch mal warm. Und zweimal eine warme Mahlzeit strapaziert den Hosenbund meiner Jeans schon arg. Für nächste Woche habe ich mir allerdings richtige Mittagessen bestellt, jedoch darauf geachtet, dass es nicht jedes Mal die halbe Haxe ist, sondern Süppchen und leichte Gerichte ausgewählt.

In diesem Sinne: Mahlzeit! 😉

Dickes Ding

Seit einiger Zeit beobachte ich mit großer Sorge mein Gewicht. Die Tage, an denen ich rank und schlank elfengleich durch die Gegend hüpfte sind zwar schon lange vorbei, aber so ein bissl Kontrolle hatte ich trotzdem noch. So waren die 80 Kilo für mich eine magische Grenze, die ich nie überschreiten wollte – Schwangerschaften natürlich ausgenommen – und das hatte bisher auch immer gut funktioniert.

Ich bin kein Fan von Diäten, achte aber darauf, was und wie viel ich esse. So habe ich bereits diverse Male Ernährungstagebücher geführt und ein ganz gutes Gefühl, was die tägliche Kalorienzufuhr betrifft. Außerdem bin ich als ehemalige Patientin mit Essstörung entsprechend vorgeprägt und weiß auch um die diversen Fallen beim Thema Ernährung.

Trotz all dem habe ich in den letzten 3 Monaten 6 Kilo zugenommen, so ganz plötzlich, ohne dass ich dafür eine Erklärung habe. Ich esse nicht mehr oder weniger als davor, ich mache nicht mehr oder weniger Sport oder trinke mehr oder andere Getränke. Dennoch konnte ich mir quasi beim Dickwerden zusehen. Heute war mir das schlicht zu viel und ich bin zu meinem Hausarzt gegangen, um abklären zu lassen, ob es nicht eventuell organische Ursachen hat, die Schilddrüse ist da ja ganz gerne vorne mit dabei.

Ich schilderte meinem Arzt also das Problem und seine Antwort darauf war nur, dass mein BMI ja noch im normalen Rahmen liege. Er schließe von vornherein auch organische Ursachen aus, würde aber trotzdem einen Bluttest machen lassen. Als ich ihn auf meine Vergangenheit hinwies und dass ich mir schon allein deswegen Sorge mache, wieder in diese Schiene reinzurutschen bzw. an manchen Tagen kurz davor (oder auch dahinter) stehe, lachte er nur und meinte, eine Vergangenheit haben viele. Fehlte nur noch, dass er meinte, ich solle mich nicht so anstellen.

Seitdem geht’s mir einfach nur noch beschissener, ich fühle mich verlacht und vor allem meine Sorgen nicht ernst genommen. Ihm scheint es egal zu sein, dass ich derzeit permanent in Gefahr bin, wieder regelmäßig über der Kloschüssel zu hängen oder die Regale mit Abführmitteln in den Drogeriemärkten leer zu kaufen. Mag ja sein, dass mein BMI im normalen Rahmen ist, aber für mich sind 6 Kilo in 3 Monaten nicht  normal. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, dann ist in kurzer Zeit gar nichts mehr normal. Aber er hat ja gut Lachen.

Ich bin anschließend in die Apotheke, musste dort ein Rezept für meine Süße einlösen, und habe mich zu dem Thema beraten lassen. Die Apothekerin war sehr freundlich, stellte viele Fragen, die ich trotzdem als sehr unangenehm empfand, jedoch war das Gespräch bei weitem nicht so erniedrigend wie das beim Arzt. So wie ich das verstanden habe, gibt es derzeit nur Pulver, die Mahlzeiten ersetzen sollen. Ich dachte eher an Appetitzügler, die das Hungergefühl dämpfen, damit man nicht mehr so viel isst, was ja gleichzeitig auch die Gewöhnung an kleinere Portionen oder andere Rhythmen erleichtert. In der Richtung gibt es aber nur Kekse, die man nach den Mahlzeiten oder stattdessen essen kann, aber das finde ich irgendwie seltsam. Früher waren die Kekse Kaugummis oder Kaubonbons, was ich persönlich besser gefunden hätte. Die Apothekerin gab mir eine Probe eines Pulvers mit zum testen und den Rat, nach dem Essen normalen Kaugummi zu kauen, bei ihr würde der Pfefferminzgeschmack den Appetit sofort drosseln.

Am Donnerstag erfahre ich die Ergebnisse des Bluttests. Einerseits wäre es schön, wenn tatsächlich organisch soweit alles in Ordnung ist, andererseits wünsche ich mir ein klein wenig ein auffälliges Ergebnis, nur um den Arzt sein selbstgefälliges Grinsen aus dem Gesicht wischen zu können.

Wie auch immer, all das ändert vorerst nichts an der Tatsache, dass ich mich derzeit in meiner dicken Haut mehr als unwohl fühle 😥

Nachtrag: Ernährungsumstellung ist nicht drin, weil ich das schon gemacht habe. Dazu kommen meine zahlreichen Nahrungsmittelallergien besonders bei rohem Obst und Gemüse, so dass zwischendurch an einer Möhre knabbern oder im Sommer einen Pfirsisch oder eine Nektarine snacken schlicht für mich tabu sind.

Leben in Warteposition

Es gibt Situationen, in denen sich alles ändert. Dinge laufen viel langsamer ab als sonst, die bekannte Welt schrumpft und Prioritäten verschieben sich dramatisch.

Für mich begann ein solche Situation mit dem Anruf, dass wir am nächsten Tag stationär ins Krankenhaus sollten. Gleichzeitig begann damit auch eine quälende Warterei.
Ich wartete. Darauf, dass es endlich los ging. Darauf, dass ein Arzt kam. Darauf, dass mein Mädchen wach wird. Ich wartete auf alles mögliche und fürchtete zugleich diese Momente. Die daraus resultierende Zerrissenheit ist unglaublich zermürbend.

Wir packten also am Mittwoch Morgen unsere Sachen und begaben uns zur vereinbarten Zeit ins Krankenhaus, wo wir auch schon erwartet wurden. Während ich an der Anmeldung sämtliche Formalitäten klärte, wurde die Kleene bereits auf der Station aufgenommen, vermessen und das erste Mal begutachtet. Als ich dazu kam, war dieser Teil fast abgeschlossen und mir wurde das Zimmer gezeigt. In einer Ecke stand ein offensichtlich bereits belegtes Bett, in einer anderen ein schwarzer Sessel. Dieser wurde mir als meine zukünftige Bettstatt vorgestellt, was ich allerdings für einen Scherz hielt.

Es war nur keiner, denn fünf Minuten später meinte die Schwester, sie würde versuchen, ein Klappbett zu organisieren, aber falls keines mehr da wäre, könnte der Sessel ausgeklappt werden. Das war das erste von ganz vielen Malen, an dem ich am liebsten sofort wieder nach Hause gegangen wäre.
Mir wurde mein Spind gezeigt, mein Nachtschränkchen, das Bad, die Schwesternstation, die Getränkestation, die Küche, alles nur mit knappen Erklärungen begleitet, wenn überhaupt. Ich hatte ja die nächsten Tage genügend Zeit, alles selbst heraus zu finden.

Als nächstes wartete ich auf die Blutabnahme.
Bei selbiger war mein Mädchen unglaublich tapfer. Die Schwestern wollten ihr Blut vom Kopf abnehmen, weil dort die Venen am besten zu sehen waren. Sie meinten zudem, sie hätten gerne, wenn das Kind richtig schreit, weil dann das Blut durch die Anstrengung besser fließen würde und bei so kleinen Babies wäre es schwierig, die benötigte Menge an Blut zu bekommen. Nur hatten sie die Rechnung ohne mein Kind gemacht. Nach einem kräftigen Brüller direkt nach dem Einstich beruhigte sie sich wieder und lang dann friedlich auf der Liege und harrte der Dinge, die da noch kommen mögen, während die Schwestern an ihrem Kopf rumdrückten und fieberhaft versuchten, die drei kleinen Röhrchen mit Blut zu füllen, was ihnen letztendlich auch gelang.

Danach war es Zeit fürs Mittagessen und ich war gespannt, wie es schmecken würde, hatte ich doch die verschiedensten Horrorgeschichten im Hinterkopf. Da ich mich am Vortag nicht für ein bestimmtes Gericht anmelden konnte, musste ich nehmen, was mir angeboten wurde und das war Hühnerbrust mit Kartoffeln und Möhrengemüse. Durchaus essbar, wenn auch fad gewürzt, was jedoch zu erwarten war.

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Dann wieder warten. Auf die OP-Aufklärung. Die Anästhesie-Aufklärung. Das Klappbett. Welches im Laufe des Nachmittags kam, im noch zusammengeklappten Zustand. Ich wartete auf einem harten Stuhl, der mit jeder Minute unbequemer wurde. Gerne hätte ich mich auf das Bett gelegt, durfte es aber alleine nicht aufbauen.

Wie ich sehr viele Dinge nicht alleine durfte. Mir beispielsweise Obst vom Essenswagen nehmen, das durfte aus Hygienegründen nur die Essensausgeberin, wie sie mir unmissverständlich klar machte.

Alleine allerdings durfte ich das Kind wickeln, das Babybett sauber machen, gefühlt permanent Temperatur beim Kind messen. Am späten Nachmittag kam der Papa nochmal vorbei und wir sind raus in den Park gegangen, ein wenig Sonne und Ruhe abfassen. Meine Zimmergenossin hatte seit Mittag erst ihre Mutter zu Besuch, ab Nachmittag kamen dann noch Mann und Kind dazu und alle waren ständig am Schwatzen, über was, weiß ich nicht, da sie sich auf Russisch unterhielten.
Durch den Spaziergang verpasste ich das reguläre Abendessen und durfte dann bei der Essensdame, bei der ich schon zum Kaffee negativ aufgefallen bin, um zwei Scheiben Brot und etwas Wurst betteln. Ich musste alles ganz fix essen, denn um 19 Uhr musste das gesamte Geschirr abgewaschen sein und sie dürfe nachträglich nichts per Hand spülen, besagt die Krankenhausvorschrift.

Die Nacht verlief einigermaßen ruhig, außer dass aller Stunden eine Schwester mit Taschenlampe in den Zimmern nachschaute, ob alle Patienten noch da sind.
Ich hatte mir vorsorglich den Wecker auf 3 Uhr gestellt, zu diesem Zeitpunkt durfte das Kind zum letzten Mal vor der OP gestillt werden. Das klappte auch ganz gut und wir waren gerade wieder eingeschlafen, als mich die Nachtschwester weckte und meinte, ich solle doch das Kind stillen, wäre ja das letzte Mal vor der OP. Hmpf.
Ich hoffte, dass sich das Kind ordentlich voll gefuttert hatte und bis zum Morgen schlafen würde, aber nein, mein Mädel wurde um 5 Uhr wach und hatte Hunger. Zwei Stunden lang.
Ich versuchte, sie so gut es eben ging zu beruhigen und zählte die Minuten bis 7:30 Uhr, wollte aber gleichzeitig die Zeit anhalten, um mein Mädchen nicht hergeben zu müssen.

Pünktlich holte uns eine Schwester ab und brachte uns in den Aufwachraum, wo wir noch so lange miteinander kuscheln durften, bis das OP-Team komplett war. Mit uns wartete ein ca. 14-jähriger Junge, der immer wieder zu uns herüber schaute. Sicher bereute er in diesem Moment seine Entscheidung, die Mama nicht vor der OP dabei haben zu wollen, er wäre doch kein Kind mehr, aber so aufgeregt und unsicher wie er aussah, hätte ihm eine mütterliche Umarmung bestimmt gut getan.
Meine Kleine wurde mir dann von einer Schwester abgenommen und in den OP gebracht, während ich auf wackligen Beinen und den Tränen nahe wieder auf mein Zimmer ging und wartete.
Es gab Frühstück und ich würgte appetitlos das Brötchen herunter und zählte wiederum die Minuten. Ich sah der Putzfrau staunend zu, wie sie mit dem Wischer das ganze, ca. 30 Quadratmeter große Zimmer in einem Rutsch reinigte nass machte. Eine weitere Schwester wischte Staub. Dazwischen eine Meute Weißkittel, die Visite hielt. Ein wenig Abwechslung bei der Warterei.

Ich war so durch den Wind, dass ich gar nicht checkte, dass der Arzt, der kurz nach 9 Uhr das Zimmer betrat, zu mir wollte. Erst, als er schon zwei Sätze auf mich eingesprochen hatte, begann mein Gehirn die Informationen auch zu verarbeiten. Die OP ist gut verlaufen, die Ureterozele wurde geschlitzt und ist sofort in sich zusammengefallen. Es gab keine Komplikationen und mein Kind liegt bereits im Aufwachraum, wohin ich in Kürze gehen dürfte.
So richtig kapiert hab ich das in dem Moment alles nicht, ich nickte automatisch und bedankte mich beim Arzt. Und wartete wieder.

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit, obwohl es in Wirklichkeit nur 10 Minuten waren, kam eine Schwester und brachte mich zum Aufwachraum. Als erstes sah ich das leere Kinderbett, in dem noch ihr Drache hockte. Erst als mich die Aufwachraumschwester in Empfang nahm, bemerkte ich, dass mein Kind in einem Wärmebettchen lag und ein Monitor ihre Vitalwerte anzeigte  und munter vor sich hin piepte. Die sehr nette Schwester erklärte mir, dass sie nach der Operation ein wenig ausgekühlt sei und sie deswegen im Wärmebett liegt, bis sichergestellt ist, dass sie alleine die Temperatur halten kann. Wenn der Monitor hektisch zu piepsen anfinge, solle ich mir keine Sorgen machen, die Sensoren messen mitunter nicht richtig, besonders bei so kleinen Kindern. Erst wenn die Schwester herbei geeilt käme, wäre es mehr als nur ein verrutschter Sensor.
Ahja.

Ich setzte mich neben das Wärmebett, schaute mein Mädchen an und wartete.
Die Schwester schaute immer wieder mal vorbei, stellte erst die Wärmelampe über dem Bett aus, dann die Heizung des Bettes selber und prüfte, ob alles so ist, wie es sein sollte. Das Kindlein schlief.
Zwischendrin wurde der Jugendliche vom Morgen in den Aufwachraum gebracht. Ich war froh und erleichtert, dass er seine OP auch gut überstanden hatte. Ich musste schmunzeln, als er, einigermaßen wieder zu sich gekommen, darum bat, dass seine Mama darüber informiert würde, dass alles gut gegangen ist, sie mache sich sicher Sorgen.
Nach zwei Stunden im Aufwachraum, davon eine Stunde lang ohne äußere Wärmezufuhr durften wir zurück auf die Station, natürlich nur im Begleitung einer Schwester.
Auf Station angekommen, wartete ich, dass die Kleene wach wird. Sie aber schlief und schlief und schlief. Sehr zum Leidwesen meiner Brüste, die mir zu verstehen gaben, dass 8+ Stunden ohne Entleerung nicht im Sinne des Erfinders und vor allem schmerzhaft sind.

Meine Warterei wurde durch das Mittagessen unterbrochen, diesmal irgendetwas Fischiges mit Reis und nennen wir es mal Gurkensalat.

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Ich rief meinen Mann an und fragte, ob und wann er denn an diesem Tag vorbei kommen wollte, was dieser wiederum als Startschuss verstand und sich sofort auf den Weg machte. Während ich also darauf wartete, dass die Kleene aufwacht, wartete ich auf meinen Mann. Als dieser dann kam, war er recht enttäuscht, dass sein Nachwuchs immer noch seinen Rausch ausschlief. Auch die Schwestern schauten immer wieder nach.

Da meine Brüste mittlerweile heftig schmerzten, versuchte ich, mein Mädchen sanft zu wecken. Dort ein Kitzeln, da ein Streicheln, aus dem Bett nehmen, mit ihr sprechen – alles nur mit mäßigem Erfolg.

Gegen 14 Uhr zeichnete sich ein Ende der Aufwachwartezeit ab, eine halbe Stunde später wollte sie dann tatsächlich das erste Mal etwas trinken.
Riesengroße Erleichterung.
Der Familienanhang meiner Zimmerkollegin hatte sich in der Zwischenzeit wieder vollständig eingefunden. Da ich dafür keinen Nerv hatte und draußen herrlich die Sonne schien, fragten wir, ob wir mit der Kleinen eine Runde in den Park dürften. Durften wir nicht, es wäre zuviel für sie. Kurz darauf ging mein Mann wieder heim und ich wartete alleine.
Auf die Vesper. Auf das Abendessen. Auf die nächste Wachphase des Kindes. Darauf, dass irgendwas passiert.
Aber außer einem Kontrollultraschall, bei dem festgestellt wurde, dass sich die Stauung bereits verkleinert hatte, wurde meine Warterei durch nichts unterbrochen.

Ich las mein Buch zu Ende, spielte mit meinem Handy und wartete, dass ich endlich schlafen gehen konnte.
Kaum lag ich im Bett, war ich auch schon eingeschlafen. Gegen Mitternacht weckte mich mein Kind und hatte Hunger. Und was für welchen. Nach über einer Stunde Dauertrinken und Nuckeln an der Brust, konnte ich nicht mehr, die Schmerzen wurden zu groß. Dem Baby war das egal, es wollte mehr. Mehr trinken. Oder mehr kuscheln. Oder was auch immer. Auf jeden Fall schrie es, was ich bisher gar nicht kannte.
Ich wartete darauf, dass sie sich beruhigt, doch erst gegen 2 Uhr, nachdem ich sie improvisiert gepuckt und eine Stunde durchs Zimmer geschleppt hatte, selber ständig kurz davor, vor Erschöpfung umzufallen, hörte sie auf und schlief einfach ein.
Und schlief, bis wir morgens von den Schwestern geweckt wurden.

Wir sollten an diesem Tag entlassen werden, aber niemand konnte uns sagen, wann das ungefähr sein wird. Ich wartete wieder, diesmal darauf, dass uns irgendjemand informiert. Die Warterei wurde durch einen neuerlichen Ultraschall unterbrochen, bei dem die Ärztin jedoch keine weitere Veränderung feststellen konnte.
Gegen 11 Uhr fragte ich bei den Schwestern, die sich bis dahin außergewöhnlich rar gemacht hatten, nach, ob und wann ich denn nach Hause könne, wurde aber auf die noch ausstehende Visite vertröstet.
Ich weiß nicht, wann genau, aber letztendlich tauchte die Armada der Weißkittelberockten auf und gaben uns grünes Licht für die Entlassung. Ich solle am Montag zum Kinderarzt zur Kontrolle und in 3 Wochen zur Nachsorge in die Klinik. Mach ich alles, nur lasst mich endlich da raus.

Ich rief meinen Mann an, er solle uns abholen. Während ich auf ihn wartete, führte ich mir ein letztes Krankenhausmittagessen zu Gemüte, Geflügelkräuterbällchen mit Kartoffelmus und Wurzelgemüse, das unleckerste der drei Gerichte.

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Mein Mann kam und erlöste uns endlich von dieser unsäglichen Warterei. Das Leben findet wieder in Normalgeschwindigkeit statt, der Horizont erweitert sich. Knapp drei Tage war ich der Welt entrückt, keine Nachrichten, kein Fernsehen, keine Zeitung. Nur Sorge um mein Mädchen und warten.

Äußerlich hat sie den Krankenhausaufenthalt gut überstanden. Seelisch hat sie noch eine Menge zu verarbeiten. Seit gestern schreit sie nach jedem Stillen, lässt sich frühestens nach 10 Minuten Dauerbrüllens beruhigen und kommt nur noch im Tragetuch zur Ruhe. Vom tiefenentspannten, pflegeleichten Kind ist fast nichts mehr übrig. Ich hoffe, dass sich das bald legt und sie ihr sonniges Gemüt wiederfindet.

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Weihnachtsstress

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Alle Geschenke eingepackt \o/

Was ich so mitbekomme, wenn ich links und rechts in die Blogs schaue oder mich mit meinen Mitmenschen unterhalte, ist, dass so ziemlich jeder im Stress ist und es kaum abwarten kann, dass endlich Weihnachten da ist und dieser ganze Wahnsinn (mal wieder) ein Ende hat.

Auch bei uns ist es nicht viel anders und auch wir werden froh sein, wenn wir mit leckerem Essen vollgestopft, die ersehnten Geschenke in den Händen haltend, auf der großelterlichen Couch zusammensacken werden. Doch bis dahin sind es noch ein paar Tage und ich glaube nicht, dass ich in dieser Zeit großartig zum bloggen kommen werde.

Deswegen wünsche ich allen frohe und besinnliche Weihnachten, dass die richtigen Geschenke unterm Baum liegen und die ganz großen Pannen ausbleiben!