Am Montag nichts Neues

Oder auch: Same procedure as last monday? Same procedure as every monday.

Vor zwei Wochen hatte ich mein tolles Personalgespräch mit meinem Chef wegen meiner vielen Abwesenheiten. Ein Thema war unter anderem meine Schöffentätigkeit und die Aussage, dass ich dafür nur 3 Tage pro Jahr freigestellt werden müsste. Eine kurze Internetsuche zeigte, dass diese Aussage eher ein alternativer Fakt ist, denn der Wahrheit zu entsprechen.

Letzte Woche hatte ich es außerdem gewagt, mir 3 Tage Urlaub zu nehmen, um das Zimmer für meine Tochter einzurichten. Der Bericht dazu folgt, sobald ich den Muskelkater vergrault habe. Nach dieser erneuten Abwesenheit ging ich erwartungsfroh und mit dem Schlimmsten rechnend ins Büro.

Kurzer Einschub: Ich hatte schon einige Jobs in meinem Leben und auch welche mit echt üblen Chefs. Es gab Zeiten, da hatte ich Panik, auf Arbeit zu gehen, heulte den ganzen Weg zur Arbeit, riss meine 8 Stunden ab, heulte auf dem Weg nachhause und hatte massivste Schlafstörungen. Ich kenne die dunkle Seite und war so froh, mit dem neuen Job einen tollen Chef und nette Kollegen erwischt zu haben.

Ich ging gerne auf Arbeit. Zwar bin ich nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett gehüpft, dafür bin ich viel zu wenig Morgenmensch. Aber ich freute mich auf die Kollegen, auf die Arbeit, auf spannende Themen. Nicht jeder Tag war eitel Sonnenschein, doch die vielen guten Tage überwogen und trugen mich über solche Durststrecken.

Mit dem Wechsel zur neuen Position und mit dem neuen Chef änderte sich daran auch erstmal nichts. Ich machte weiter mein Ding, traf mich weiter mit den Kollegen zum Essen und ich freute mich sogar auf den bevorstehenden Umzug im Rahmen der Unternehmensfusion.

Das ist jetzt ganze 3 Monate her. Inzwischen kann sich niemand mehr daran erinnern, dass ich mit umziehen sollte. Ich werde also in 1-2 Wochen den direkten Kontakt zu meinen Kollegen fast vollständig verlieren und mit dem übrig gebliebenen Rest vorlieb nehmen müssen. Mein Chef verliert immer mehr den Kontakt zur Realität, was auch andere, die viel mit ihm zu tun haben, immer wieder zu spüren bekommen.

Und zu allem Überfluss habe ich heute ein erneutes Personalgespräch, diesmal direkt mit der Personalabteilung. Es geht um meine Schöffentätigkeit. Vermutlich fanden sie meine Aussage, dass Schöffen zur Ausübung der Schöffentätigkeit von der Arbeit freigestellt werden müssen und durch ihre Schöffentätigkeit keine Benachteiligung im Job erfahren dürfen, nicht so prickelnd.

Um 14 Uhr habe ich das Gespräch und bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt. Vorsichtshalber werde ich mir den Gesetztestext ausdrucken und mitnehmen.

Gerne auf Arbeit gehe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Gründe, Freude an meiner Tätigkeit zu haben, werden jeden Tag geringer. Noch ist es nicht so weit, dass ich heulend hinterm Lenkrad sitze. Heute morgen noch dachte ich mir, dass ich bis Mai durchhalten müsse, dann kriege ich vielleicht doch die Entfristung durch und dann können sie mich alle mal gern haben.

Jetzt stelle ich mir die Frage, wozu überhaupt.

P.S.: Trotz der vielen Gespräche in letzter Zeit hatte ich in den 1,5 Jahren, die ich nun hier bin, kein einziges richtiges Personalgespräch, wo die Leistung als Mitarbeiter eingeschätzt wird und Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehaltsstrukturen verhandelt werden. Kommt vielleicht nächsten Montag, wer weiß.

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Mit spitzem Bleistift

Ende des Jahres ist bei mir immer der finanzielle Notstand angesagt. Aus nicht näher bekannten Gründen sind zum Jahresende die besonders großen Batzen fällig, als da wären Autoversicherung + Steuer, Jahreskarte des ÖPNV und zur Abrundung der Xing-Mitgliedsbeitrag. Weil das insgesamt mit knapp 1.500 € zu Buche schlägt und wir wie üblich keine Chance zum Ansparen haben, bringt mich das in arge Bedrängnis, der ich dieses Jahr nun den Kampf angesagt habe.

Das einfachste war, den Xing-Premium-Account zu kündigen und fortan mit der Basisversion zu leben. Da ich ich mich aktuell nicht im Bewerbungsprozess befinde, bringt mir die kostenpflichtige Variante nichts und mittlerweile habe ich meine Neugierde so gut im Griff, dass ich gut damit leben kann, nicht zu wissen, wer als letztes mein Profil besucht hat.

Das ÖPNV-Ticket war da schon ein wenig komplizierter, da mein eigener Schweinehund ins Spiel kommt. Statt täglich den Bus zur Arbeit zu nehmen, müsste ich aufs Fahrrad umsteigen oder das eigene Auto nehmen, wobei das mangels Parkplätzen nur eine suboptimale Alternative ist. Ich müsste das Auto ziemlich weit weg parken, dann entsprechend weit laufen, wäre dabei Wind und Wetter ausgesetzt und würde wenig bis gar keine Zeit einsparen. Dann doch lieber das Fahrrad, damit bin ich genauso flexibel wie mit dem Auto und es gibt genügend Fahrradabstellplätze direkt vor dem Firmeneingang. Die Sache hat nur zwei Haken: 1. habe ich gar kein Fahrrad und 2. muss ich den ÖPNV-Vertrag kündigen.

Der Vertrag läuft als Jobticket, wird von der Firma finanziell mit 1€ (echt jetzt) subventioniert, was mir allerdings einen Rabatt von 10% verschafft. Der Vertrag aber muss sowohl von der Firma als auch von mir selbst gekündigt werden, bis zum 10. des Vormonats, also mit ca. 6 Wochen Vorlauf. Da der Vertrag am 1.11. automatisch um 1 Jahr verlängert worden wäre, ich das alles aber erst Anfang September ausklamüsert und entschieden hatte, wurde es ein wenig eng bei der Kündigung. Erst mal bei der Hotline angerufen, die meinten, ich sollte mir ein Schreiben von der Personalabteilung geben lassen. Bei der Personalabteilung gewesen, die meinten, ich solle mir das Formular aus dem Service Center holen, welches sie dann gerne unterschreiben und abstempeln würden. In die Stadt zum Service Center gefahren, Formular geben lassen, Formular ausgefüllt, am nächsten Tag von der Personalabteilung abstempeln lassen, am übernächsten Tag wieder in die Stadt gefahren und im Service Center die endlich komplette Kündigung abgegeben, am 10.9. – exakt zum Stichtag. Damit sollte dieser große Posten wegfallen.

Jetzt brauche ich nur noch ein Fahrrad. Die einschlägigen Internetportale haben zwar eine riesige Auswahl, aber spielen auch in für mich unerreichbaren Preisklassen. Meine Eltern haben mir signalisiert, dass sie sich mit 100€ als Geburtstagsgeschenk am Fahrradkauf beteiligen wollen, dennoch ist es zuviel für meinen Geldbeutel. Ich erhielt den Tipp, dass das lokale Fundbüro immer wieder mal gefundene Fahrräder versteigert, aber natürlich sind gerade keine Versteigerungen geplant. Wann wieder eine ansteht, konnte mir auch niemand sagen.
Dann also Ebay Kleinanzeigen. Da gibt es viele Fahrräder, viele auch preiswert, die meisten davon aber auch uralt (>25 Jahre). Ab und zu jedoch ist eine kleine Perle dazwischen, bei der ich mein Glück versuchen werde. Ich werde berichten, wie das ausgeht.

Im Gegenzug werde ich selber einige Teile dort einstellen und hoffen, dass sich Käufer für die bei unserer Entrümpelungsaktion übrig gebliebenen Teile finden. Auch wenn dies bedeutet, mich von der heiß und innig geliebten Babyschale im Giraffendesign trennen zu müssen, aber diese für etwaige Enkel aufheben ist auch doof. Vielleicht kommt ja darüber so viel Geld zusammen, um den Autoversicherungsbatzen abfedern zu können.

Denn da flatterte mir am Wochenende die neue Beitragsrechnung in den elektronischen Briefkasten. Obwohl ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen, ist der Beitragssatz für Haftpflicht und Teilkasko nur um ganze 7€ gesunken. Weil mir das so gar nicht gefiel, warf ich eines der zahlreichen Vergleichsportale an und das spuckte mir für meinen Tarif bei der gleichen Versicherung einen um 100€ niedrigeren Beitragssatz aus. Da mir das spanisch vorkam, rief ich kurzerhand bei meiner Versicherung an und fragte freundlich nach, wie das kommt. Der ebenso freundliche Mitarbeiter bleib mir eine Erklärung schuldig, bot mir aber einen Nachlass von 15% an. Als ich erstaunt fragte, wie das denn geht, meinte er, in dem man die Hotline anruft und freundlich fragt.
Es scheint wohl, dass Versicherungen einen gewissen Spielraum haben, um Kunden nicht zu verlieren. Diesen Spielraum nutze ich jetzt aus und muss statt 650€ nur noch 550€ zahlen. Kein schlechter Deal für 5 Minuten Telefon.

Insgesamt ist damit die finanzielle Last auf irgendwas um die 600€ + Fahrrad gesunken und lässt uns dieses Jahr ein wenig entspannter auf Weihnachten zugehen. Hoffen wir mal, dass da jetzt nichts unvorhergesehenes reingrätscht.

Ist ja kein Beinbruch

Öfter mal was Neues! Obwohl mit gebrochenen Knochen ins Neue Jahr starten hatte ich schon mal. Diesmal ist es ein Arbeitsunfall. Als Informatiker sind die Möglichkeiten, auf Arbeit zu verunfallen eher gering, es sei dann, man tackert sich versehentlich in den Oberschenkel oder klemmt sich einen Finger in der Tastatur ein. Da sind die Möglichkeiten auf dem Weg von und zur Arbeit ungleich größer und so ist auch mein Arbeitsunfall ein Wegeunfall.

Hier bei uns im Flachland war das Wetter die letzten Tage ein wenig unschlüssig, ob es uns nun doch den richtigen Winter schicken soll oder uns lieber noch ein wenig veralbert. Gestern morgen entschied es sich für die Veralbern-Option und zeigte 7 Uhr morgens satte 2 Grad plus bei sternenklarem Himmel.

Der Große und ich machten uns auf den Weg zur Schule. Der Boden war ein wenig feucht, aber die Temperaturen waren nicht niedrig genug, um das Wasser gefrieren zu lassen. Die auf dem Fußweg benutzten Gehwegplatten sind im Normalzustand schon glatt und bei Feuchtigkeit wird es schnell rutschig, aber es lag noch genug Split vom letzten Wintereinbruch auf dem Weg, um Schlimmeres zu verhindern.

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Bis auf diese eine Stelle.

Dort, wo seit über drei Jahren moderne Stadthäuser gebaut werden sollen, fehlen Bäume oder Häuser am Straßenrand und der Wind kann ungehindert durch diese Lücke pfeifen. Das hat den Boden gefrieren lassen und die Gehwegplatten waren spiegelglatt. Da die 100m vorher alles gut und unrutschig war, rechnete ich Null damit und mir zog es urplötzlich die Füsse weg und meine nicht unerhebliche Schwungmasse folgte brav der Schwerkraft. Das sah bestimmt aus wie in diesen Schwarzweiß-Slapstickfilmen:

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Jedenfalls war das Ergebnis nur halb so lustig für mich, denn mir taten mein Hintern und mein linkes Handgelenk ganz schön weh. Aber ein echter Indianer kennt keinen Schmerz und das Kind musste zur Schule und der Bus wartete auch nicht auf mich.

Auf Arbeit angekommen, ließ ich mich wie gewohnt auf meinen Bürostuhl plumpsen und sprang wie von der Tarantel gestochen wieder auf, denn das tat mal höllisch weh. Ich setzte mich ein wenig vorsichtiger hin – besser, aber immer noch weit entfernt von gut. Nach ein wenig Rumrutschen und Justieren saß ich dann schief auf halbrechts und konnte einigermaßen arbeiten.

Als mein Chef eine halbe Stunde später kam, erzählte ich ihm vom Missgeschick und er meinte, ich solle das von einem Arzt begutachten lassen und auf jeden Fall vorsorglich das Arbeitsunfallformular ausfüllen. Ich meinte darauf hin, dass ich unbedingt noch bei der Schulung für unser Ticketsystem an diesem Tag dabei sein wollte. Diese wurde bereits einmal verschoben und eine meiner Aufgaben ist es, eine verbindliche Handlungsanweisung für eben jenes Ticketsystem zu erstellen. Die Schulung zu verpassen hätte eine weitere 2- oder 3-monatige Verzögerung des ganzen Themas zur Folge gehabt.

Also Zähne zusammenbeißen und weiterhin schief auf den Stühlen rumlümmeln. 13 Uhr war ich endlich raus aus der Firma und bin nach Hause, weil mein Hausarzt erst um 14 Uhr aufmacht. Pünktlich fand ich mich dort ein, nur um mir mitteilen zu lassen, dass Arbeitsunfälle nicht vom Hausarzt, sondern von einem Durchgangsarzt begutachtet werden müssen.

Ahja.

Zum Glück gibt es bei uns ums Eck eine chirurgische Notfallklinik, die genau das tut. 3 Bushaltestellen später stand ich in dem vollen Wartezimmer, erzählte der Empfangsdame von meinem Missgeschick und sie stellte mir im Gegenzug ganz viele Fragen: Unfallhergang, Unfallzeitpunkt, reguläre Arbeitszeiten, Firma (Adresse wusste die Dame auf Anhieb, scheinen wohl öfter welche von uns zu verunfallen und sich dort behandeln zu lassen), Berufsgenossenschaft. Uh, mit der letzten Frage hatte sie mich erwischt und eiskalt als Ersttäter enttarnt.

Ich suchte die Telefonnummer unserer Hotline raus, rief an, und erhielt nach kurzer Beratung im Hintergrund die Antwort: Verwaltungsberufsgenossenschaft. Stolz trat ich vor die Empfangsdame und sie schalmeite mir schon VBG entgegen – definitiv war ich nicht die Erste.

Trotz des vollen Wartezimmers kam ich schnell dran und wurde zuerst zum Röntgen geführt, wo ich mich flach auf den Rücken auf die Röntgenliege legen sollte. Bis dahin hatte ich die Schmerzen gut im Griff, aber durch das Hinlegen und den Druck auf den unteren Rücken änderte sich das schlagartig. Zwei Knochenfotos und ich durfte mich wieder anziehen und vor dem Behandlungszimmer Platz nehmen.

Drei Minuten später rief mich der Arzt herein und fragte, wo es weh tut.
„Da unten.“
„Wo, da unten? Kreuzbein?“
„Na, dann unten eben, unterm Kreuzbein.“
„Dort?“ Und bohrte mir beiden Daumen da unterm Kreuzbein in die Haut.
„JAAAAAA, genau dort.“
„Oder doch eher hier oben?“ Und drückt schmerzfrei am Kreuzbein rum.
„Nein, dort nicht, darunter. Aber nicht nochmal die Daumen reindrücken!“

Er nickte, setzte sich an den PC und drehte den Monitor zu mir: Steißbeinbruch!

Behandlungsmöglichkeiten gleich Null, nix mit eingipsen oder sowas, sondern einfach nur abwarten und Ibuprofen hochdosiert nehmen. Er schrieb mich bis nächsten Freitag krank und bat mich, an jenem Freitag zur Kontrolle vorbei zu kommen.

Mach ich, Boss, aber nur, wenn Sie dann nicht mehr ihre Daumen da reinbohren!

 

© Foto von Flickr/onnola „Spur der Sterne“, (CC BY-SA 2.0)

© Gif von hier.

 

Wer schreibt, der bleibt

Uralte Weisheit, bewahrheitet sich immer wieder 😉

Aktuell geht es dabei um ein Thema bei mir in der Firma, bei dem der Vorstand massiv drängelt, weil die involvierten Kunden so langsam ungeduldig und auch ein wenig ungehalten werden.

Letzten Donnerstag habe ich dazu bereits eine Vorlage erstellt, wo zwei Entscheidungsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen und vor allem Kosten gegenüber gestellt werden. Zumindest war das der Plan, nur scheiterte es an den Kosten. Es gibt nämlich eine spezielle Abteilung bei uns, die sich nur darum kümmert, bei verschiedensten Anbietern Angebote und Kostenvoranschläge einzuholen und nach der Entscheidung für eine Option die entsprechende Bestellung analog des Angebots auszulösen.

An sich eine feine Sache, da diese Abteilung weiß, welche Lieferanten zuverlässig sind und in der Vergangenheit gute Angebote abgegeben haben. Da es sich aber nun um ein Vorstandsthema handelte, war die Angebotseinholung ein wenig dringlicher als sonst üblich. Ich wies die zuständige Kollegin mehrmals darauf hin, aber es kam einfach ein Angebot. Stattdessen wurde mir gesagt, ich solle doch ein altes Angebot nehmen und mir die Zahlen selbst ausrechnen. Im Prinzip ja nicht der schlechteste Ansatz, nur ging es im alten Angebot um die 10-fache Bestellmenge und bei solchen Zahlen greifen eine ganze Reihe von Rabatten und Sonderkonditionen, so dass ich Gefahr lief, einen viel zu niedrigen Preis für das Projekt zu veranschlagen. Als ich das erklärte – worauf die Kollegin eigentlich auch selber hätte kommen sollen – meinte sie, sie würde nochmals nachfragen und sich dann melden, sobald das Angebot da wäre.

Eine Woche später gab es immer noch kein Angebot und mittlerweile eskalierte die Situation. Der Vorstand rief mich persönlich an, ich rief meinen Chef an, wir riefen die Beschaffung an, der Vorstand rief mich erneut an, mein Chef rief den Vorstand an und am Ende bekam ich eine Mail mit dem bereits bekannten alten Angebot und der Aufforderung, doch einfach 5% auf die Preise drauf zu schlagen.

Fand ich jetzt immer noch äußerst suboptimal, aber bevor mich der Vorstand ein drittes Mal anruft, schrieb ich die Vorlage fertig und schickte sie direkt zum Vorstand.

Keine Minute später stand der Auftraggeber für das Projekt bei mir im Büro und wollte wissen, warum das Ganze so lange gedauert hat. Und weil ich zum Glück eben nicht nur alles telefonisch geregelt, sondern auch hin und wieder eine Email geschrieben hatte, konnte ich lückenlos nachweisen, dass unsere Abteilung alle Aufgaben zeitnah erledigt sowie alle Beteiligten über den jeweils aktuellen Stand informiert hatte.

Nur schade, dass der Vorstand mich jetzt als Ansprechpartner auf dem Schirm hat, ich wäre gerne noch eine ganze Weile unerkannt unterm Radar geflogen. Macht das Leben wesentlich ruhiger und außerdem krieg ich viel zu wenig Geld, um in solchen Situationen freiwillig meinen Kopf hinzuhalten 😉

Erster Tag

Das war er also, mein erster Arbeitstag.

Und irgendwie ist diesmal alles anders. Ob es auch besser ist, wird sich zeigen 😉

Es fing schon damit an, dass ich gestern Nacht ziemlich schnell einschlafen konnte und fast gar nicht aufgeregt war. Das mag zum einen daran liegen, dass es eben nicht mein superduper Traumjob ist, zum anderen – und das halte ich für wahrscheinlicher – habe ich jetzt schon so viele Jobs gehabt, dass erste Tage ein bisschen zur Routine geworden sind.

Ich fand mich pünktlich kurz vor 9 Uhr an meiner neuen Arbeitsstelle ein und durfte erstmal warten. Es waren eine handvoll Bewerber vor mir dran und die wurden einer nach dem anderen eingewiesen und fotografiert und dann in die Abteilungen gelotst, was doch recht lange dauerte. Als ich dann fertig war, wartete mein neuer Chef schon ungeduldig und wir gingen erstmal in sein Büro. Er hatte gerade tief Luft geholt und wollte seine Einführungsrede halten, als sein Telefon klingelte und ihn ein Kollege darauf hinwies, dass sie zu einem Meeting verabredet waren. Also ab zum Meetingraum, ich im Schlepptau und ich durfte das erste Mal an den Kaffeeautomaten und mir leckeren Tee brauen.

Das Meeting war hochinteressant, viele anstehende Themen wurden besprochen, einige davon noch geheim, es wurde nur so mit Geld um sich geworfen und ich fand es faszinierend, dass ich als Neuling bei einem solch vertraulichen Gespräch dabei sein durfte. Nach 1,5 Stunden war es vorbei, doch bevor wir wieder ins Büro gingen, stand schon das nächste Meeting an und ich steuerte das zweite Mal den Kaffeeautomaten an. Das Meeting war ähnlich spannend, nur nicht so lang.

Da ich nicht gefrühstückt hatte und es mittlerweile 12 Uhr war, fing mein Magen merklich an zu knurren. Ich hatte keine Ahnung, wo die Kantine ist und wie das dort funktioniert, also trabte ich Cheffe hinterher. Er stellte mir alle anwesenden Mitarbeiter der Abteilung vor und siehe, da war sogar einer dabei, denn ich aus meiner vorvorherigen Firma kannte. Schön, ein bekanntes Gesicht zu entdecken. Danach gab es endlich Mittag.

Die Kantine gut in den Tiefen des verwinkelten Gebäudes versteckt, kann dort alles mit der Mitarbeiterkarte bezahlt werden und wird automatisch am Ende des Monats vom Gehalt abgezogen. Find ich gut, da ich fast NIE Bargeld bei mir habe. Nach dem Mittagessen stand das nächste Meeting an, diesmal mit den Abteilungsleitern. So wie ich Cheffe verstanden habe, soll ich in Zukunft dieses Meeting leiten, aber wenn die ähnlich entspannt wie heute ablaufen, mach ich mir da keine Sorgen. Vorher war wieder der Kaffeeautomat dran. Ist schon ne coole Sache, wenn sämtliche Getränke kostenfrei sind.

Nach diesem Meeting gab es endlich die Einweisung, was man in der Firma darf (arbeiten), was verboten ist (Handynutzung), welche Mitarbeiter Ersthelfer sind (jeder 2.) und wo die Fluchtwege sind. Es gab Hinweise zur Kleiderordnung, zur Aufzugnutzung, Internet, Datenschutz – der übliche Kram halt. Ich musste das alles auf einem Formular abzeichnen und kaum war die Tinte trocken, enteilte der Chef zum nächsten Meeting, hatte aber ein Erbarmen mit mir und ich durfte mir meinen Arbeitsplatz einrichten.

Ich stöberte noch ein wenig im Intranet, unterhielt mich mit meinem Alt-Neu-Kollegen und dann machte ich mich auf den Heimweg, den Großen aus dem Hort abholen.

Und jetzt bin ich doch ziemlich geschafft!

Papierstau

Auch wenn ich gerade nicht einer Erwerbstätigkeit nachgehe, muss ich eine immer wieder kehrende Geschichte aus dem Arbeitsalltag wiedergeben.

Und zwar geht es um das leidige Thema Drucken. In jeder Firma, in der ich bisher unterwegs war, gab es eine Druckerrichtlinie, die mehr oder weniger wortreich beinhaltete, doch so wenig und wenn überhaupt, so papiersparend wie möglich zu drucken. An sich eine tolle Sache, Umwelt und so. Und in jeder Firma mündeten die Versuche, die Richtlinie zu befolgen darin, dass im Endeffekt genauso viel, mitunter sogar mehr gedruckt wurde als vor Einführung der Richtlinie.

Da wir privat keinen Drucker besitzen – die meisten Angelegenheiten lassen sich per Email klären, für die restlichen braucht man eh vorgedruckte Formulare und nur sehr, sehr selten brauchen wir doch mal einen Ausdruck, was so ca. 10-15 Seiten pro Jahr ausmacht – bitte ich in den sehr, sehr seltenen Fällen meinen Mann, mir etwas auszudrucken. Wenn ich selber in Lohn und Brot stehe, mach ich das natürlich auch selbst 😉
Aktuell ging es darum, meinen aktuellen Lebenslauf auszudrucken, damit ich ihn für den Notfall für mein morgiges Vorstellungsgespräch parat habe. Ich schickte ihm das PDF per Email und bat ihn um den Ausdruck. Er folgte meiner Bitte, allerdings aufgrund der Druckergrundeinstellungen war das Resultat in Schwarz-weiß und doppelseitig gedruckt. Fand ich jetzt nicht so dolle, Personaler haben es gern bunt und zerpflücken die Unterlagen gern in einzelne Seiten, um so einen besseren Überblick zu haben.

Er startete einen zweiten Versuch, diesmal in bunt und duplex, dafür aber in 2facher Ausführung, weil er sich irgendwo noch verklickt hat. Knapp daneben. Also noch mal und endlich gibt es das Ergebnis in bunt und simplex. Yeah!

Statt also einmal 4 Seiten in bunt und simplex, gab es insgesamt 12 Seiten gemischt. Ich bin mir sehr sicher, dass wenn die Druckereinstellungen nicht per default so restriktiv wären, hätte es ein einziger Versuch in bunt und simplex auch getan. Jedenfalls habe ich in meinem Berufsleben Berge an Fehldrucken in den Papierkörben neben den Druckern gesehen und immer musste ich an die Druckerrichtlinie denken.

Nun ja, der menschliche Faktor lässt sich, egal mit welcher Richtlinie, eben nicht so einfach ausschalten 😉

Interne Reihenfolge

Die letzten Wochen waren gut, was den Stellenmarkt und den Bewerbungsprozess anging. Ich fand tatsächlich diverse Anzeigen, die mich interessierten und auf die mein Profil passte. Ich schrieb wunderbare, witzige, informative Anschreiben und wurde prompt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Die letzten beiden Wochen war ich fast täglich zu einem Interview unterwegs. Bei allen hatte ich ein gutes Gefühl, ging davon aus, überzeugt zu haben. Zumindest konnte ich während der Gespräche keine gegenteiligen Signale wahrnehmen.

In meiner Vorstellung malte ich mir schon aus, wie sämtliche Firmen begeistert von mir sind und mir einen Arbeitsvertrag anbieten wollten. Um gewappnet zu sein, erstellte ich für mich eine Reihenfolge, wo ich denn am liebsten und wo nur im Notfall arbeiten möchte. Ich begann zu träumen und sah eine rosige Zukunft vor mir.

Dann hagelte es Absagen, eine nach der anderen. Meine Liste war hinfällig, am Ende standen gar keine Namen mehr drauf und ich stehe dafür wieder ganz am Anfang.

Die DIS hat heute angerufen und gefragt, ob sie mein Profil auf eine bestimmte Stelle verschicken dürfen. Ich erwiderte, dass ich mich bereits vor 2 Monaten darauf beworben habe und postwendend eine Absage erhielt.

Außerdem nimmt mich die Auseinandersetzung mit meinem alten Arbeitgeber ordentlich mit. Wie sehr merkte ich diese Nacht, als ich einen sehr intensiven Traum hatte. Aus nicht näher definierten Gründen ging ich in meinem Traum durch die Gänge des Unternehmens, traf meine alten Kollegen, plauderte mit diesen und holte mir deren Zuspruch und Bedauern ab. Ich traf irgendwann auf ein hohes Führungstier, einen Mann, der mir immer recht sympathisch war, der mich verwundert ansah und meinte, er hätte mich ja schon eine ganze Weile nicht mehr hier gesehen. Ich klärte ihn darüber auf, dass meine Stelle im Rahmen der Umstrukturierung des IT-Bereichs weggefallen und ich gekündigt worden sei, was ihn sehr erstaunte. Doch dann konnte ich nicht mehr an mich halten und schleuderte ihm meine ganze Wut entgegen: ABER MEINE ELTERNZEITVERTRETUNG IST IMMER NOCH HIER!
Sprach’s und brach dann schluchzend zusammen.
Entsetzt schaute er zu mir herunter und bot mir dann als Wiedergutmachung an, dass ich doch am Firmensommerfest mit der gesamten Familie teilnehmen könne.
Das allerdings machte mich noch viel wütender, so sehr, dass ich aufwachte.

Ich bin dann mal weg, mal wieder den Stellenmarkt durchforsten 😦

Nach Diktat verreist – Nachtrag

Meine Anwältin ist aus dem Urlaub zurück und kampfeslustig wie eh und je. Sie war ebenso nicht besonders erfreut über das Schreiben und wird einen weiteren Versuch starten, um eine höhere Abfindung herauszuschlagen.

Dazu habe ich ihr eine sehr lange Mail geschrieben, die zum einen die Punkte aus meinem Blogeintrag enthielt – natürlich ein wenig entschärft – sowie zusätzliche Informationen, die ich in der Zwischenzeit von Kollegen erfahren habe.

Ich bin gespannt, was herauskommt, habe aber auch ehrlich richtig Schiss, dass die Firma noch mal so ein Schreiben unter der Gürtellinie verfasst.

Was mir bei der ganzen Sache nicht in den Kopf will: Mir wurde ein bombastisches Zwischenzeugnis ausgestellt, mir wurde immer wieder von Seiten des Unternehmens gesagt, was für eine klasse Mitarbeiterin ich war und wie ungern sie mich ziehen lassen würden und dann würgen die mir so einen Scheiß rein?

Ich raff es einfach nicht.

Sour Grapes

Hallo Arbeitslosigkeit!

Wie geht’s, lange nicht gesehen?!

Bin ich sauer, dass meine Elternzeitvertretung immer noch einen Job in meiner alten Firma hat, während ich end- und erfolglos Stellenanzeigen durchforsten und mich dem erniedrigenden Prozess des Bewerbungen Schreibens und Absagen Kassierens stellen muss?

Hell yeah!

Würde ich meinen alten Job wiederhaben wollen?

Hell no!

Dies ist nicht mehr „meine“ Firma, es gibt dort nichts, womit ich mich identifizieren kann oder mit dem ich assoziiert werden möchte. Mein alter, richtig guter Chef ist nicht mehr dort, der vorwärts gerichtete, Innovationen auch gegen den Widerstand der Anteilseigner vorantreibende Vorstandsvorsitzende ist ebenso schon lange fort. Ob dies letztendlich alles so gewinnbringend ist, wage ich zu bezweifeln und hoffe vorsichtig auf deren Untergang. Oder wenigstens einen deftigen Schlag in die Magengrube.

Was ich für die Zukunft geplant habe?

Wenn alles gut geht, darf ich die PRINCE2 Zertifizierung im August machen. Die Nachfrage bei meinem Arbeitsvermittler ergab, dass er auch einer zusätzlichen Weiterbildung im SAP-Bereich nicht im Wege stehen würde, ich müsste mir nur die entsprechenden, für mich passenden Kurse aussuchen.

Es geht.

Voran.

Irgendwie.

Häppchen für Zwischendurch I

Seit heute morgen haben wir wieder 4 Tage kinderfrei, während der Große Urlaub bei den Großeltern macht.

Es gab eine Antwort auf meine Mail an Hermes:

Sehr geehrte Frau XY,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wir haben Ihre Beschwerde an die zuständige Niederlassung, zur internen Klärung, weitergeleitet.

Mit freundlichen Grüßen

Kundenservice

Ich habe  leider, entgegen anderslautender  Aussagen, immer noch keine Informationen zu meinen möglichen Schöffenterminen erhalten.

An diesem Freitag feiert unsere Firma Weihnachtsfeier, was an sich eine schöne Sache ist. Aber leider weiß immer noch niemand, WO diese Weihnachtsfeier stattfinden wird.

Amazon hat eine interessante Preispolitik, bei der sich Preise innerhalb kürzester Zeit signifikant ändern können. Aber da sie dies in den AGBs so ankündigen, hat man als Käufer wenig Handhabe, sondern muss einfach genau aufpassen und prüfen, bevor man die Bestellung endgültig abschickt. Bei mir gab es bei einem Produkt Preisschwankungen von bis zu 8 Euro, je nachdem, zu welcher Tageszeit ich guckte. Nach zwei Tagen warten hab ich die Bestellung zum günstigeren Preis abgeschickt, nur um dann zu erfahren, dass das Produkt eine Lieferzeit von 1-3 Monaten hat. Na wie günstig, dass es als Weihnachtsgeschenk gedacht war.
Heute kam die Mail, wie erfreut Amazon ist, dass das Produkt doch schon in den nächsten Tagen verschickt werden kann. Glück gehabt!