Bastelanleitung

Nachdem mein kleines Monster schnurrt wie eine Katze und alles artig tut, was man ihm aufträgt, dachte ich, ich zeige, wie der Rechner zusammengebaut wurde, falls es mir jemand nachmachen möchte 😉
(Dieser Beitrag soll vor allen jenen die Angst vorm Selbermachen nehmen, die sich so etwas nicht zutrauen oder denken, das wäre alles total kompliziert und erweiterte Raketentechnik. Ist es nicht! Ich schau dabei besonders Frauen an, die sich gerne hinter dem Argument „das ist Männersache“ verstecken.
Aber eigentlich schreibe ich den Artikel hauptsächlich, um noch einmal das Erlebnis Rechnerzusammenbau rekapitulieren zu können.)

Man nehme die im Artikel aufgelisteten Zutaten und schüttele sie möglichst wenig. Hilfreich ist ebenfalls, dem Postboten beim Pakete tragen zu helfen, ganz besonders, wenn das neue Gehäuse eine Echtglasscheibe hat, welche erstaunlich schwer ist, und man zudem noch unterm Dach wohnt.

Man packe vorsichtig alle Materialien aus, überprüfe auf Vollständigkeit und vor allen Dingen: man hebe die Bedienungsanleitungen auf und legt sie ein wenig abseits, aber dennoch jederzeit griffbereit ab.

Falls sich irgendwer jemals wieder über die viele Luft in Chipstüten oder ähnliche Mogelpackungen aufregen sollte: das ist alles NICHTS gegen die Chiphersteller! (Bestimmt nur Zufall, dass es beide Male um Chips geht.)
Bild 1 zeigt die geöffnete Verpackung des Ryzen-Prozessors. Ganz unten, am schmalen Rand klebt der Chip. Von außen wird er nur durch etwas Plastik geschützt, wie Bild 2 verdeutlicht. Ich persönlich finde das recht abenteuerlich.

Aber so in freier Wildbahn sieht der Prozessor schon recht hübsch aus:

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Als nächstes nehme man das Motherboard.

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Ahhhhh, manche kaufen sich den Playboy oder besuchen irgendwelche Erwachsenenseiten im Internet, ich könnte mir stundenlang solche sexy Schönheiten angucken. Hinter dem 5-eckigen schwarzen Etwas im unteren rechten Bereich leuchtet eine kleine LED und wechselt fröhlich die Farben, was das irgendwo tief in mir drinnen wohnende Mädchen sehr hübsch findet.

Oben mittig befindet sich der Sockel für die CPU. Der Einbau ist denkbar einfach. Den kleinen Hebel unterhalb des Sockels umlegen, den Prozessor auf den Sockel stecken – wobei kleine markierte Ecken sowohl auf dem Sockel als auch auf dem Prozessor helfen, die CPU richtig herum einzulegen. Wenn man die richtige Ausrichtung getroffen hat, gleitet der Prozessor butterweich in den Sockel und der Hebel kann leicht, ohne Widerstand umgelegt werden.

Das Wichtigste beim Basteln am Rechner (wie eigentlich überall): keine Gewalt. Oder wie der Klempner sagt: Nach fest kommt ab. Alle Anschlüsse und Verbindungen sind so gestaltet, dass sie im Normalfall nur auf eine einzige Art passen und sich in der Regel leicht ein- oder ausbauen lassen. Sollte es hakeln, dann ist es nicht der richtige Stecker für den Anschluss oder der Stecker hat nicht die richtige Ausrichtung (unbedingt die kleinen Nasen und Einbuchtungen beachten) oder irgendein Hebel hält noch fest und muss gelöst werden. Die einzige Ausnahme von dieser Regel gilt für die alten 4-adrigen Stromstecker, die sich nur mit fast unmenschlicher Anstrengung wieder lösen ließen und die mich diverse Fingernägel und Hautfetzen gekostet haben.

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Riegel, vielleicht nicht ganz kalorienfrei, jedoch eher unverdaulich, aber doch ganz süß. Die zwei 8GB DDR4 RAM 3000MHz Speicherriegel in einem schicken Rot von Corsair finden ihr Plätzchen oben rechts in den Slots neben dem CPU-Prozessor.

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Das Herzstück sitzt und auch der Arbeitsspeicher glänzt. Auf dem Bild ist gut die goldene Ecke oben links am Prozessorrand zu erkennen.

Als nächstes folgt der einzig wirkliche knifflige Schritt, bei dem man besonders sorgfältig vorgehen sollte: der Einbau des CPU-Kühlers. Mir ist ein kleiner Designfehler unterlaufen, welchen ich vielleicht bei Bedarf noch ändern werde, aber vermutlich bleibt es jetzt so.

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Noctua, der Hersteller des von mir ausgesuchten Kühlers, bietet den Einbau in zwei Ausrichtungen an, je nachdem, wie das Motherboard designed wurde und der Kühler am besten hinpasst. Aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen entschied ich mich, die langen Montagebrücken zu verwenden und damit den Lüfter horizontal zu stellen. Erst im Nachgang fiel mir auf, dass dadurch der zweite Kühlerlüfter mit der Grafikkarte kollidiert und musste diesen wieder ausbauen. Ein vertikaler Einbau hätte vermutlich Platz für beide Lüfter geschaffen, wobei ich mir beim Betrachten der Bilder gar nicht mehr so sicher bin.

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Wie auch immer, das Kniffligste ist das Auftragen der (mitgelieferten) Wärmeleitpaste. Da der Klopper von einem Kühler den Zugang zur direkt darunter befindlichen Platine erheblich erschwert, ist übergelaufene Paste nur schwer bis gar nicht zu entfernen und matscht dann für alle Zeiten aufm Board rum und richtet womöglich irgendwelchen Unsinn an. Von daher, am Besten der Empfehlung des Herstellers folgen, welcher einen mittigen, 5 mm großen Klecks empfiehlt (anderer Hersteller, andere Paste, andere Empfehlung). Dann den Lüfter auf die Metallbrücken setzen und festschrauben. Dabei immer mal nach der Paste schauen, ob sie den Rand erreicht oder sogar überläuft. Bei dem Noctua-Lüfter ist zusätzlich ein Mechanismus eingebaut, der verhindert, dass man die Schrauben überdreht. Sehr löblich!

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So sieht der Kühler mit den 2 mitgelieferten Lüftern aus. Das Board hat zwei separate Anschlüsse für die CPU-Lüfter, aber Noctua hat der Packung einen Adapter beigelegt, wenn man nicht diesen Luxus hat und beide Lüfter auf einen Stecker bringen muss. Man kann hier auch schon wunderbar erkennen, dass der obere PCIe-Slot, der da an der Unterkante des 2. Lüfters vorblitzt, nicht mehr genutzt werden kann. Da meine Grafikkarte der Wahl jedoch so groß ist, kann sie nicht im unteren PCIe-Slot eingesetzt werden und so musste eben der 2. Lüfter weichen. Nach einem knappen Monat Betrieb reicht die einfache Lüftung jedoch völlig aus.

Ich kümmerte mich dann erstmal um etwas einfacheres, dem Einbau der Festplatten und der Energieversorgung. Ich hatte das be quiet! Netzteil mit Kabelmanagement gekauft, wobei ich nicht wusste, was „Kabelmanagement“ eigentlich bedeutet. Netzteile sind für mich immer große schwere Kästen, aus denen eine Menge Kabel ragen, von denen ich noch nie alle gebraucht habe. Genau dieses Thema addressiert das Kabelmanagement, in dem es für jeden einzelnen Strang einen separaten Anschluss bietet. Braucht man einen bestimmten Strang nicht, lässt man ihn weg und hat – schwupps – mehr Platz im Gehäuse. Sehr praktisch!

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Im Hintergrund oben links kann man die Einschübe für die Festplatten sehen. Jede Festplatte wird auf ein eigenes Tray geschraubt und das Tray dann ins Gehäuse geschoben. Die SSD wird ganz platzsparend an die Außenseite des Gehäuses gepackt, den Einbauort kann man gerade so noch in der oberen linken Bildecke erkennen. Ich finde dies eine sehr schöne Lösung, da damit die ganze Stromverkabelung der Festplatten auch im hinteren Gehäuseteil bleibt und nicht wie bei den Vorgängern mit vorne am Board rumbaumelt und grundsätzlich im Weg ist.

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Das Netzteil hat gleich ein ganz eigenes Gehäuse im Gehäuse bekommen, auf dem Bild in der Metallbox mit dem Sharkoon-Namenszug. Das sieht dann gleich viel aufgeräumter aus und mit ner Glasscheibe an der Seite ist Ordnung nicht ganz unwichtig.

Oben rechts die bekannten Einschübe für CD-/DVD-Laufwerke.

Dann wurde es etwas fummlig, als ich das Board ins Gehäuse friemeln wollte. So fummlig, dass ich am Ende den hinteren Gehäuselüfter ausbauen musste, damit sich das Board in die hinteren Gehäusebuchsen schieben ließ. Sobald alles richtig saß, wurde das Board festgeschraubt. Dazu gab es 9 Schraubstellen, aber irgendwie hab ich nur 8 gefunden. Ich glaube, der CPU-Kühler war auch hier zu ausladend.

Am Ende noch die Grafikkarte an den richtigen Platz stehen, den Gehäuselüfter wieder eingebaut, die ganzen Kabel angesteckt und das Kunstwerk bestaunt.

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Besonders bei der Verkabelung hat das Board-Handbuch wertvolle Dienste geleistet, denn nicht immer war durch den Aufdruck auf der Platine erkennbar, welcher Stecker wohin gehörte.

Und dann kam der spannende Moment: das erste Einschalten. Fliegt mir das Ding um die Ohren? Brennt das Teil ab? Macht es überhaupt irgendwas?

Es machte und begrüßte mich mit einem wunderhübschen BIOS:

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Ich hab ein bisschen am BIOS rumgefummelt, dann mit den bekannten Schwierigkeiten Windows 10 installiert und fertig!

Zum Ausreizen der ganzen Technik habe ich mir Assassin’s Creed Origins gekauft und spiele das in den allerhöchsten Einstellungen ohne Probleme. Keiner der vielen, vielen Lüfter dreht höher als im Normalzustand, was ich sehr begrüße. Ganz generell ist der Rechner sehr leise.

Und er leuchtet blau ❤ ❤ ❤

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Frauenquote und Quotenfrauen

Frauen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Bei vielen Stellenanzeigen, auf die ich mich beworben hatte, stand dieser Satz ganz am Ende und machte mir Hoffnung. Ich hab ein abgeschlossenes Studium, umfangreiche branchenübergreifende Berufserfahrung und eine erkleckliche Liste an brauchbaren Zertifikaten und Weiterbildungen. Ich bin flexibel und gewillt, 40 Stunden Vollzeit arbeiten zu gehen. Sollten Bereitschaften gefordert werden, übernehme ich auch diese. Ich bin selbstbewusst, arbeite mich schnell in neue Themengebiete ein, bin im zwischenmenschlichen Bereich nicht völlig unbrauchbar (andere würden es teamfähig nennen), entscheidungsfreudig, mit analytischem Verstand und guter Intuition.

Mit diesen Voraussetzungen sollte es doch ein Leichtes sein, einen ordentlichen, gut dotierten Job mit Aufstiegschancen zu finden. Leider sieht die Realität völlig anders aus, bislang reichte es immer nur zur Assistenz. Und das, obwohl ich mich durchaus auf die anspruchsvollen Positionen beworben habe, die mit der Führungsverantwortung oder im Projektmanagement. Letztendlich habe ich die Assistenzjobs angenommen, um überhaupt etwas zu haben und weil ich dachte, dass ich bei guter Leistung und dem praktischen Nachweis meiner Fähigkeiten innerhalb des Unternehmens aufsteigen könnte. Wieder leider ging dieser Plan nicht auf, ich blieb Assistentin, ganz egal, welch vorzüglichen Leistungsbeurteilungen ich von meinen Chefs auch bekam.

Nun könnte das daran liegen, dass ich einfach Pech hatte. Oder die Beurteilungen geschwindelt waren. Oder dass ich eine Frau bin.

Nachdem ich in den letzten Tagen über eine Reihe Artikel gestossen bin, die genau dieses Thema aufgreifen, glaube ich immer weniger an Pech und Schwindelei.

Jetzt mag bei mir noch erschwerend hinzukommen, dass ich in einem eh schon sehr männerlastigen Berufsfeld unterwegs bin. Frauen in der Informatik sind zugegebenermassen eher selten, wodurch rein statistisch die Wahrscheinlichkeit von Frauen in Führungspositionen geringer ist. Wobei sich wiederum die Frage stellt, warum der weibliche Anteil gerade hier so niedrig ist. Liegt es nicht an der überholten Vorstellung, dass Frauen bevorzugt soziale Berufe ergreifen, weil sie entsprechend sozialisiert wurden und dass der Frauenanteil in technischen Berufen sprunghaft ansteigt, wenn eine solche Sozialisierung nie stattgefunden hat, wie bpsw. in der Sowjetunion oder auch der DDR, wo es ganz selbstverständlich Programmiererinnen und Mathematikerinnen gab. Würde also ein größerer Bestand an qualifizierten Mitarbeiterinnen auch den Anteil an weiblichen Führungskräften erhöhen?

Die Wirklichkeit kann das eindeutig mit Nein beantworten. Wenn ich in die Bereiche mit Frauenüberschuss schaue, ist das Bild in den oberen Etagen ebenso männerlastig. Verwaltungsfachkräfte sind vorwiegend weiblich, der letztjährige Abschlussjahrgang einer zufällig ausgesuchten Verwaltungsfachhochschule hatte doppelte so viele weibliche Absolventen wie männliche. Wenn ich in Ämter und Behörden schaue, dann werden meine Anliegen fast immer von Frauen bearbeitet, der Abteilungs- oder Amtsleiter ist hingegen männlich.

Woran liegt es denn nun und kann eine Quote helfen?

In den Artikeln bin ich über folgenden Satz gestolpert:

Menschen in Führungspositionen fördern Menschen mit einem ähnlichen sozialen Hintergrund, mit ähnlichen Eigenschaften.

Und der größte gemeinsame Nenner aller Personen, mal vom allgemeinen Menschsein abgesehen, ist das Geschlecht. Ich kenn das selber, Frauen bin ich grundsätzlich erstmal aufgeschlossener gegenüber, ist ja quasi meine Spezies und unser Frausein das zunächst verbindende Merkmal. Mehr als genug stellt sich schnell heraus, dass ich die Frau dann doch doof finde oder es außer unserem gemeinsamen Frausein keine weiteren Gemeinsamkeiten gibt, aber der Grundbonus ist erstmal vorhanden.

Männer werden genauso ticken und warum auch nicht. In einer Welt voller Unwägbarkeiten braucht es solche Kleinigkeiten, um sich wenigstens ein bißchen sicher fühlen zu können. Schwierig wird es dann, wenn dieser Grundbonus immer besteht und nie verrückt oder aufgebraucht werden kann, wenn er den Blick für vielleicht wichtigere Dinge verstellt oder eine Kurskorrektur bzw. Meinungsjustierung blockiert.

Männer bauen sich Netzwerke auf, zu vornehmlich anderen Männern. Klar, ähnliche Themen und Interessen, Männer lieben nunmal Fußball und Frauen können nicht mal Abseits erklären.

Ich habe kein Netzwerk. Ich finde das heuchlerisch, mit Menschen nur Kontakt zu halten, weil ich mir später daraus einen Vorteil erhoffe. Wenn ich Kontakt halte, dann weil ich die Menschen mag, weil ich gerne Zeit mit ihnen verbringe. Meine Freunde sind aber keine Aufsichtsräte oder Topmanager, sie sind Angestellte, Arbeiter, Hausfrauen, Studenten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es anderen Frauen ähnlich geht und das Netzwerk aufgrund eines so unbrauchbaren Kriteriums wie Sympathie erstellt wurde.

Es mag im Ansatz sogar nachvollziehbar sein, wenn der Unternehmensberater bei der NZZ darüber philosophiert, dass eine Frauenquote nur das Leistungsprinzip negieren würde und den Frauen letztendlich mehr schade als nütze. Die Quote bewirke nur, dass irgendeine beliebige Frau einen Posten besetzt, der sonst von einem fähigen Mann bekleidet wäre.

Die Förderung spricht Frauen implizit die Fähigkeit ab, ihre Ansprüche aus eigener Kraft durchzusetzen. Nur wo Schwäche ist, muss man fördern.

Nun, die Schwäche könnte auch schlicht daran liegen, dass die Paritätsförderung (siehe obiges Zitat) eben Frauen grundsätzlich benachteiligt. Dies ist ein Missstand und diesen gilt es zu bekämpfen. Es gibt die gleich- oder höherwertig qualifizierten Frauen, die aufsteigen wollen, die fähig sind und ihren Aufstiegswunsch klar kommunizieren. Aber entweder werden sie nicht gehört, weil sie sich nicht wie ein Silberrücken laut auf die Brust trommeln, um Aufmerksamkeit zu erregen oder sie werden bewusst übergangen, weil dem Entscheider der männliche Kollege eben doch näher ist.

Was man daraus keinesfalls ableiten sollte, ist die Annahme, dass bei einer Frauenquote nur unfähige Weibchen auf verantwortungsvolle Positionen gehievt werden, die dort nichts zu suchen haben. Andererseits möchte ich nicht ausschließen, dass dies doch hin und wieder passieren wird, aber die unfähigen gibt es unter Männern genauso.

Den ganzen anderen Mist von wegen Frauen fallen öfter aus, werden schwanger, müssen sich um die Kinder kümmern und Führungskraft geht nicht in Teilzeit schenke ich mir. Ich halte das alles für vorgeschobene Argumente, die sich bei einer wirklich gleichberechtigten Herangehensweise an dieses Thema in Wohlgefallen auflösen würden, sobald Männer ohne Gesichts- und Karriereverlust ebenso in Elternzeit gehen können und Frauen in signifikanten Anteilen Führungspositionen besetzen.

Damit sich dieses gleichberechtigte Bild in den Köpfen der Kinder einprägt und dort zur Selbstverständlichkeit heranwächst, so dass in Zukunft das Geschlecht wirklich nur noch darüber entscheidet, welche Toilettenräume man benutzt, damit sich Mädchen und Jungen bei ihrer Berufswahl nur danach richten, was sie tatsächlich gerne machen möchten und was ihren Fähigkeiten entspricht und nicht, was typisch für sie ist, dafür braucht es die Frauenquote, denn dieses Bild lässt sich am effektivsten nur im praktischen Erleben vermitteln.

Wenn das Bild dann Realität geworden ist, wird sich die Diskussion um die Frauenquote von ganz allein erledigen. Und ich würde vielleicht nicht mehr bloß Assistentin sein.

 

Fassungslos!

Heute nur ein kurzer Aufreger zwischendurch, weil ich gerade eine kurze Weiterbildung besuche und noch für die morgige Prüfung lernen muss.

In eben jener Weiterbildung stehen wir in der Pause in der Teeküche und ich unterhalte mich mit einem Kollegen, der zufällig auch bei der Weiterbildung dabei ist und der mich vor ein paar Wochen bei einem Kinderfußballspiel gesehen hatte, wo sein Kind in der gegnerischen Mannschaft spielte. Da ich überhaupt nicht auf fremde Eltern geachtet habe, hatte ich ihn völlig übersehen.

Wir fachsimpeln so über die Schwierigkeiten bei der F-Jugend, als sich die Dozentin dazu stellt, ganz offensichtlich bestrebt, ein wenig Smalltalk zu betreiben. Sie hatte sich kurz zuvor als Informatikerin vorgestellt, die mehrere Programmiersprachen beherrscht, sich bei Datenbanken und Webdesign auskennt und in einer Großstadt über viele Jahre hinweg den gesamten Webauftritt verantworten hatte.

Weil sie ein wenig ratlos drein schaut, da sie unser Gespräch nicht so recht einordnen kann, erkläre ich kurz, dass es um Fußball geht und unsere Kinder eben in der F-Jugend spielen.

Sagt sie doch darauf: „Ach, damit kenne ich mich gar nicht aus, ich habe nur Mädchen als Kinder.“

Ehrlich, mir hat es ein wenig die Sprache verschlagen. In Zeiten, in denen die Damennationalmannschaft gerade eben die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen geholt hat, wo Champions League Spiele der Damen (zumindest die Finale mit deutscher Beteiligung) live im Fernsehen übertragen werden und jeder halbwegs brauchbare Verein ohne Probleme Mädchen aufnimmt und in den höheren Altersklassen eigene Frauenmannschaften hat, kommt eine Informatikerin, eine Frau die sich ganz offensichtlich nicht für einen konventionellen Frauenberuf entschieden hat, mit so einem Spruch um die Ecke.

Da hat der Feminismus noch einen langen Weg vor sich!

Der Ratgeber für Frauen

Wie vor ungefähr einem Jahr angedroht und erst jetzt wieder im Entwurfsordner gefunden, folgt nun das Best-Of eines selbsternannten Karriereratgebers speziell für Frauen in Naturwissenschaften. Da ich selber zu dieser Spezies gehöre und viele meiner Freundinnen auch, glaube ich, mir tatsächlich ein Urteil über die Qualität bzw. Praktibilität der dargebotenen Ratschläge erlauben zu können. Das Buch wird mittlerweile erschienen sein, da es aber kein besonders tolles Buch ist und dieser Beitrag auch keine Rezension, werde ich so anonym wie möglich berichten. Außerdem habe ich Buchtitel und Autorinnenname vergessen.

Mich interessiert zudem, wie eure Meinung zu den jeweiligen Passagen ist.

Die Autorin beginnt damit, ihren Werdegang zu beschreiben. Wie sie davon träumte zu studieren und wie sie das Studium romantisierte.

Während meiner Promotion war dann leider nicht mehr alles so idealistisch, wie ich anfangs dachte.

Eine echte Blitzmerkerin! Ich hatte ebenso eine idealisierte Vorstellung vom Studium, aber diese wurde bereits nach wenigen Tagen von der Realität verdrängt. Das erst in der Promotion hinzukriegen ist eine echte Leistung.

Sie elaboriert danach seitenlang, ob man eine akademische Laufbahn einschlagen sollte oder doch besser in die freie Wirtschaft wechselt. Ausführlich werden die jeweiligen Arbeitsabläufe und Unterschiede beschrieben. Dabei wird der Eindruck erzeugt, als ob beide Optionen tatsächlich gleichrangig sowohl in der Anzahl der verfügbaren Stellen als auch den notwendigen Qualifikationen sind.

In meinem erweiterten Bekanntenkreis befinden sich ca. 50 Personen mit Studienabschluss, davon sind ca. 30 Doktoren und genau eine einzige Person arbeitet tatsächlich an der Uni und hat lang und hart für diese Stelle kämpfen müssen. Es wird sich also den allermeisten Akademikern gar nicht die Frage stellen, ob Uni oder Wirtschaft. Aber gut, dass darüber geredet wurde.

In den Ausführungen zur Wirtschaftskarriere beschreibt sie eine angestellte Akademikerin:

Sie trägt flache, braune Schuhe, eine cremefarbene Hose und ein rosa Hemd. Irgendwie eine komische Kombination, aber es steht ihr gut.

Auch nach dem 10. Lesen erschließt sich mir die Komik der Kombination nicht. Aber Hauptsache, es steht ihr gut.

ein Whiteboard auf dem eine chemische Formel gezeichnet ist

Mein Mann, nicht ganz fertig studierter Chemiker, hat bei dieser Zeile einen kleinen Herzanfall bekommen. Formeln werden geschrieben. Molekülstrukturen gezeichnet. Grundsätzlich bin ich froh, dass sie nicht das Wort „gemalt“ verwendet hat.

Die Autorin führte – angeblich – diverse Gespräche mit Frauen in der Wirtschaft und lässt eine der Wissenschaftlerinnen sagen:

Die Kehrseite ist allerdings, dass ich es auch mit vielen weniger anspruchsvollen Tätigkeiten zu tun habe, rein Administratives und manch dröges Meeting und natürlich nicht zu unterschätzen die Personalverantwortung . . .

Personalverantwortung und Mitarbeiterführung ist echt nur pillepalle, das erledigt sich komplett im Vorbeigehen. Und zum Glück muss man an der Uni nie auch nur ein einziges Formular ausfüllen!

Überhaupt ist in der Wirtschaft alles viel umständlicher:

Ich musste für jeden „Furz“ ein Formblatt ausfüllen –mit Datum und Unterschrift versteht sich! Selbst wenn ich Chemikalien entsorgen wollte, musste ich in einer Liste vermerken, wie viel mL ich wovon, wann, wo, wie und warum in den Kanister gegeben hatte.

An der Uni dagegen schludern sie einfach so mit der Salzsäure rum, da weiß niemand so genau, wie viel von irgendwas benutzt oder entsorgt wurde, wird eh alles ins Waschbecken gekippt, kurz mit Wasser nachspülen, fertig. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass mein Mann an dieser Stelle einen weiteren Herzanfall erlitten hat.

Ein spannender Karriereaspekt ist laut Autorin das Alter der Wissenschaftlerin:

Es gibt aber auch Karrieremöglichkeiten für Naturwissenschaftler, bei denen das Alter kaum ein Ausschlusskriterium darstellt. Das ist der Fall, wenn Sie in die Politik wechseln, als Quereinsteigerin ins Lehramt gehen, Trainerin werden oder sich selbstständig machen.

Mag ich mich jetzt darüber auslassen, dass nicht das Alter, sondern vielmehr die Gehaltsvorstellungen bzw. Lebenshaltungskosten einen späten Einstieg erschweren? Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass eine Späteinsteigerin genauso gute Chancen hat, wenn sie ebenso wie ein junger Berufsanfänger bereit ist, für ein vergleichsweise kleines Gehalt zu arbeiten.

„Ein bisserl was geht immer“ wie die Physiker so schön sagen.

Echt, sagen die das? Ich kenne ein paar Physiker und die reden eine ganze Menge, froh jemanden gefunden zu haben, der ihnen zuhört, aber das hat noch nie einer von denen gesagt.

„Ich war über zehn Jahre Laborleiterin bei einem Pharmariesen. Mein Partner musste dann für eine Stelle in eine strukturschwache Region umziehen und ich zog mit. Die beste Chance, die ich nun habe, ist an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt zu werden. Ich bin bereit das zu tun, doch ist es natürlich ein Rückschritt.“

Dieses Zitat ist so falsch auf so vielen Ebenen. Sie dackelt ihrem Partner brav hinterher, als ob es die Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte nie gegeben hat. Dazu noch eine strukturschwache Region, ich tippe auf Meck-Pomm, wo es außer Touristen und Steckrüben nur Ödnis gibt. Und Unis, die ihr armer Maus eine Stelle geben.
Ich möchte in die Tischkante beißen.

Wenn Sie also seit Monaten eifrig dabei sind, sich zu bewerben und noch nicht einmal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten haben, sollten Sie Ihre Unterlagen nochmal von Grund auf prüfen, Ihr Bild im Anschreiben ändern oder schlussfolgern, dass Sie erst relevante Erfahrungen sammeln müssen.

Es wird mit Sicherheit am Bild liegen! Es ist immer das Bild!

Während meiner Elternzeit von mehr als acht Jahren […]

Mein absoluter Lieblingssatz bisher. Solange sie in der Zeit nicht 4 oder 5 Kinder in die Welt gesetzt hat, wird jeder Arbeitgeber davon ausgehen, dass das Arbeiten als Angestellte vermutlich nicht so unbedingt ihr Ding ist.

Akademische Titel haben nicht nur Auswirkungen im Berufsleben, sondern auch im Privatleben: Beim Arztbesuch kann es sein, dass Sie als „Frau Dr.“ ins Behandlungszimmer gerufen werden und Ihr Doktortitel sogar auf dem Urinbecher verewigt wird.

Sollte ich mal in die Verlegenheit kommen, einen Doktortitel tragen zu wollen oder zu können, dann wird der Urinbecher meine Hauptmotivation sein. Oder wie es in einem Witz heißt: Bei Leuten, die ich mag, sag ich gerne „Lass den Dr. doch weg“, bei denen, die mir doof kommen „Dr. bitte, soviel Zeit muss sein.“.

„Vor ein paar Jahren musste ich als „Bittstellerin“ auf eine Behörde, um mich nach Fördermöglichkeiten für meine Firmengründung zu informieren. Das Gespräch nahm eine prompte Wende, als meine Gesprächspartnerin erfuhr, dass ich promoviert bin. Der Ton wurde respektvoll und die beantragten Kurse wurden sofort genehmigt.“

Ich mache da anscheinend was falsch, denn bei mir nehmen solche Gespräche keine Wende, sondern sie sind von Anfang an respektvoll und meine Kurse werden auch immer sofort genehmigt. Ohne Promotion. Skandal!

Damit wird die Vorbetrachtung verlassen und es geht über zum Bewerbungsabschnitt. Ich bin gespannt!

Was nun? Verzagen und Ihren Bekannten erzählen, dass es für Sie im Moment schlicht keine Stellen gibt? Nein, das ist sicherlich der falsche Weg, denn es gibt auch für Sie Jobs.

Öhm, ich mag nun völlig daneben liegen, aber ist dieser Weg nicht genau das, was man unter netzwerken versteht?

Falls Sie ein Angebot für eine Stelle erhalten, bei der Sie alle Anforderungen erfüllen, würden Sie sich wahrscheinlich sehr bald schrecklich langweilen.

Sagt wer? Nur weil es eine halbe Seite weiter oben lang und breit und vor allem anekdotisch aufgeführt wurde? Ich habe schon einige „passende“ Jobs gehabt, und nicht einer davon war langweilig.

Wenn Sie auf der Suche nach einer Teilzeitstelle sind, bewerben Sie sich auch auf Stellen, die als Vollzeitstelle ausgeschrieben sind. Holen Sie sich erstmal eine Einladung zum Gespräch und machen Sie sich dann einen Kopf um die Arbeitszeit. Sie müssen das auch nicht in Ihren Bewerbungsunterlagen erwähnen, sondern können das immer noch beim Gespräch tun.

Den Personaler will ich sehen, der dann jubelnd im Gespräch sitzt und sich freut, dass die Vollzeitkandidatin nur 20 Stunden möchte. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Gespräch eine sehr plötzliche Wende nehmen, recht frostig und vor allem schnell beendet werden, schließlich hat die Bewerberin schon genug kostbare Zeit gestohlen.

Sehen die Beschreibungen der Einstiegspositionen allesamt langweilig aus für Sie?

Ernsthaft? Seit mehreren Seiten elaboriert die Autorin, wie schrecklich es doch ist, dass in den Anzeigen immer die „eierlegende Wollmilchsau“ gefordert wird und plötzlich sind die Beschreibungen langweilig? Einmal mehr wünsche ich mir das fertige Werk als festgebundene Ausgabe, um es ihr um die Ohren zu semmeln.

Erstellen Sie sich also eine Übersicht, in der Sie Ihre [Bewerbungs-]Aktivitäten dokumentieren, das kann eine ganz einfache Excel-Tabelle oder eine alte Serviette sein.

Mist, ich brauche mehr alte Servietten. Mit Ketchupflecken!

Das spart nicht nur Zeit und schützt Sie vor peinlichen Situationen,
es gibt Ihnen auch einen persönlichen Informationsschatz für jede weitere Bewerbungsrunde.

Das müssen verdammt große Servietten sein!

die besten Bewerber schließlich einzuladen kostet Zeit und Geld,
denn die Arbeitgeber haben im Normalfall die Reisekosten zu tragen.

Und wieder mache ich was falsch, denn bei mir wurden bis jetzt genau einmal die Kosten übernommen und das hat mir einen netten Ausflug nach Hamburg beschert. Sonst stand in den Anzeigen immer „Reisekosten werden nicht erstattet“.

Sehr geehrte Damen und Herren,
bedingt durch meine Eltern, welche einen Gastronomiebetrieb führten, habe ich schon früh Erfahrungen im Dienstleistungssektor sammeln können.

Bei mir würde das Schreiben sofort in der Rundablage landen. Die weiteren Sätze aus einem Beispielanschreiben bestätigen nur meine Einschätzung. Zur Erinnerung, es geht um die Bewerbung einer Naturwissenschaftlerin.

Ich bemühte mich stets darum, über die Kernfächer hinaus Erfahrungen in den Bereichen Projektmanagement, Antragsstellung und Kommunikation zu erlangen.

Ob die Autorin schon mal was von Arbeitszeugnissen und den darin verwendeten Formulierungen gehört hat? Vermutlich nicht, war sie doch dauernd mit Promovieren beschäftigt, sonst wüsste sie, dass „stets bemüht“ der Note 6 gleich kommt. Aber hey, sowas kann man schon mal ins Anschreiben packen, da weiß der Arbeitgeber gleich, was ihn erwartet.

Legen Sie jetzt bitte das Buch für einen Moment beiseite und überlegen Sie, ob Sie wissen, was denn nun diese Bewerberin besonders interessant macht.

Das Buch beiseite legen ist ein großartiger Vorschlag. Rein zufällig könnte es dabei im Papiermüll landen.

Und dies war dann tatsächlich der Moment, wo ich das Buch beiseite gelegt habe, denn ich konnte keine weitere Seite, nicht mal einen weiteren Absatz von dem Geschmiere ertragen. Wer ernsthaft denkt, mit solch einem Geschreibsel echte und hilfreiche Tipps an Akademikerinnen weitergeben zu können, scheint entweder einen sehr schlechten Eindruck von Wissenschaftlerinnen im Allgemeinen oder ein völlig übersteigertes Bild der eigenen Ratgeberkompetenzen zu haben.
Oder beides!

© Foto von Flickr/Uwe Kaufmann „Problem-Management“ (CC BY 2.0)