Einatmen – ausatmen

Orrr man, ich könnt mich grad wieder uffrechen tun.

OK, ich reg mich auch grad tierisch auf – und die Themen, über die ich mich aufrege, sind gerade schier endlos.

  • Diese dusslige #regrettingmotherhood-Debatte.
    Die einen Mütter regen sich auf, dass es überhaupt Mütter gibt, die ihr Muttersein auch nur das kleinste bisschen bereuen.
    Die anderen regen sich auf, dass Mütter, die es bereuen, Mutter geworden sein (also die Hardcore-Variante, die wirklich beim Zeit zurückdrehen kein Kind mehr kriegen will) darüber Blogartikel verfasst, die irgendwann mal von den „ungewünschten“ Kindern im Netz gefunden werden.
    Die nächsten regen sich auf, dass die Mütter sich mit dem Thema auseinandersetzen, die nur einzelne Punkte am Muttersein doof finden, wo es in der ursprünglichen Fassung doch darum ging, das ganze Muttersein doof zu finden.
    Mal schauen, was als nächstes Subthema aufkommt.
  • Da kündigt die ZDF-Sendung „heute nacht“ ihren Beitrag zur Absturztrauerfeier gestern damit an, dass bewusst keine trauernden Angehörigen und Freunde der Opfer gefilmt wurden. Im Beitrag allerdings wird die Schwester eines Opfers gezeigt, in Tränen aufgelöst. Vermutlich galt für sie die Regelung nicht, da sie auch eine Rede vorne am Pult hielt.
    Wie auch immer, es ändert nichts am Zynismus dieser Aussage.
  • Es ertrinken 400 Flüchtlinge im Mittelmeer.
    Wenigstens ein paar Kamerateams sind vor Ort und berichten.
    Die zahllosen Opfer der letzten Jahre hat keine Sau interessiert (zu oft taucht in der verlinkten Liste „Flüchtlingsboot“ auf).
    Da fordert unser Innenminister, dass man endlich was tun müsse, aber wenn, dann in den Ursprungsländern der Flüchtlinge, da man sonst nur die Schleuser noch reicher machen würde. Finde ich einen guten Ansatz. Dann, liebe Bundesregierung, leg mal los, hilf Westafrika, die wirtschaftlichen Schäden der Ebola-Epidemie auszugleichen. Dann intervenier mal in Nigeria, wo Boko Haram fast unbehelligt ihr Unwesen treiben, Menschen entführen und abschlachten kann. Dann schau mal richtig in Syrien hin und versteck dich nicht hinter fadenscheinigen Ausreden wie „Souveränität des Staates“, wenn es dir in der Vergangenheit bei anderen Ländern doch auch egal war.
    Zur Finanzierung darfst du gerne den Soli weiter einziehen, brauchst auch die Steuern nicht zu senken und kannst diese unsäglich-unnütze PKW-Maut einführen.
  • Die doofe Schulbezirkregelung unserer Stadt, die uns heute den Ablehnungsbescheid zu unserem Schulbezirkswechselantrag geschickt hat. Hatten wir zwar nicht anders erwartet, aber aufregen tuts mich trotzdem.

Und wegen all dieser Themen komme ich nicht dazu, über die U6 und die Krippeneingewöhnung der Süßen oder das erste echte Fußballtraining des Großen zu schreiben.

Und das regt mich gleich noch mehr auf!

Flutlicht

Es geht mal wieder um Susi, meine Schwangerschaftsvertretung. Susi hält sich ja eh für das größte Geschenk an die Menschheit seit der Erfindung von geschnitten Brot und hat grundsätzlich zu allem und jedem eine Meinung.

So begab es sich Mitte der letzten Woche, dass die zweite Runde des DFB-Pokals anstand und wir als Familie im Stadion zugegen waren, um unsere Mannschaft anzufeuern. Leider gab es bei diesem Spiel ein etwas unappetitliches Problem, da die Damentoiletten massiv verunreinigt worden sind, welches ich danach im Fanforum zur Sprache brachte. Klar passiert es mal, dass jemand daneben pinkelt und ein paar Tropfen auf der Brille landen oder in der Aufregung das Spülen vergisst. Doch dieses Mal wurden gezielt die Hälfte aller Toiletten beschmutzt und das fand ich schon eklig.

Es entbrannte eine Diskussion, dass man das als Fan wohl abkönnen muss und man sollte gar nicht bei den Männern schauen, da wäre alles viel schlimmer und in anderen Stadien erst und so weiter. Ich konterte, dass es während der letzten Jahre nicht ein einziges Mal diesbezüglich Probleme gab und es mich eben wundert, warum ausgerechnet an diesem Abend. Ich fügte hinzu, dass ich notgedrungen wegen der zwei Kinder häufig auf den Örtlichkeiten zugange bin.

Diese Äußerung nahm Susi zum Anlass, um mitten in die Diskussion zu fragen, ob denn meine Kinder, allen voran die Kleine, um diese Uhrzeit nicht viel besser zuhause aufgehoben seien.
Dieser Kommentar find ich aus zwei Gründen unmöglich:

  1. Das hat überhaupt nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun.
  2. Susi kann auf einen riesigen Erfahrungsschatz in Sachen Kindererziehung zurückgreifen, immerhin hat sie selber genau Null Kinder und weiß genau nicht, wovon sie spricht.

Am meisten allerdings kotzt mich an, und dafür kann Susi nichts, dass mich dieser Kommentar, von ihr nur kurz hingerotzt und nach drei Sekunden vermutlich schon wieder komplett vergessen, so ewig lang beschäftigt. Ich kann nicht, wie von anderen immer wieder bei (Internet-)Diskussionen gefordert, solche Bemerkungen einfach ignorieren, ich nehm mir den Kram zu herzen. Selbst, wenn ich mir hundert mal einrede, dass es das nicht wert ist, es beschäftigt mich trotzdem.

Nun liegt es mir fern, mich zu rechtfertigen, dennoch möchte ich beschreiben, wie ein typischer Stadionbesuch aussieht, um unsicheren Eltern zu zeigen, dass man mit Kindern durchaus auch solche eher ungewöhnlichen Veranstaltungen mitnehmen kann. Ich weiß, dass Kinder unterschiedlich sind und es eben nicht jedem Kind gefallen wird. Doch habe ich zwei sehr unterschiedliche Exemplare hier daheim, aber beide lieben bislang diese Besuche.

Der Kleene war mit 6 Monaten das erste Mal bei einem Fussballspiel, bei einer kleinen Dorfmannschaft, wo knapp 500 Zuschauer dabei waren. Er fand das gut, nur beim Torjubel hat er sich erschrocken, weil der so plötzlich kam. Er ist dann quasi in das Fandasein reingewachsen und er freut sich heute immer auf jedes einzelne Spiel, auch weil er dort „seine“ Stadionfreunde wieder sieht und auch mal richtig die Sau rauslassen kann.

Meine Süße war mit 4 Wochen das erste Mal dabei, mittlerweile ist das Dorfstadion einer richtigen Arena gewichen und die Zuschauerzahlen sind entsprechend höher. Deswegen haben wir Kinderohrenschützer geholt, diese bekommt sie noch vor dem Stadion aufgesetzt und sie kann sich ganz ungestört dem Umschauen und fremde Leute angrinsen widmen. Wenn sie Hunger hat, wird sie gestillt, entweder auf der Toilette oder direkt auf dem Rang. Auf der Toilette hat es den Vorteil, dass ich ihr die Ohrenschützer abnehmen und gleich vor Ort wickeln kann. Auf dem Rang verpasse ich nichts vom Spiel, kann aber auch nicht die Ohrenschützer abnehmen und manchmal drücken die etwas doof auf den Arm. Ob die umstehenden Fans etwas davon mitbekommen, ist mir egal, am Ende sind es eh nur ca. 10 mögliche Personen und wenn ich doch mal unvorsichtig genug bin und ein entblößter Nippel für Millisekunden aufblitzt, dann ist es eben so.

Am wahrscheinlichsten verschläft mein Baby das meiste. Sie kuschelt sich dann an mich, ich mach die Schotten vom Bondolino dicht und für mindestens eine Stunde ist dann Ruhe. Wir sind bei uns im Block mittlerweile eine kleine Berühmtheit, viele kennen uns schon und noch nie hat uns jemand darauf angesprochen, wie unverantwortlich das ist. Warum auch, alle sehen ein ausgeglichenes, lächelndes Kind. Sollte ich das Gefühl haben, dass es der Kleenen nicht gefällt, geh ich entweder kurz aus dem Trubel raus oder ganz nach Hause. Letzteres war bislang noch nie nötig.

Wir haben das beim Großen angefangen, ihn zu allen möglichen Veranstaltungen mitzunehmen, mit ihm ins Restaurant zu gehen, zu Freunden auf Geburtstagsfeiern und führen das jetzt mit der Kleinen fort. So sind die Kinder von klein auf so etwas gewöhnt und wir als Eltern müssen nicht komplett auf gesellschaftliches Leben verzichten.

Wie auch immer, ich geh jetzt mit meiner Familie zum Montagsspiel, mit Flutlicht, und werde mich überhaupt nicht schlecht oder als Rabenmutter fühlen.

Manchmal

wünschte ich mir ein klitzekleinwenig mehr Anerkennung für das, was ich so tue.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass jeder denkt, ich bin den ganzen Tag zuhause und müsste doch massig Zeit haben, am besten noch schön Chips futternd auf dem Sofa lümmelnd.

Mag sein, dass sich gerade der Vorurlaubsstress so richtig bei mir bemerkbar macht, trotzdem bin ich aktuell herb enttäuscht und kurz davor, aufzugeben. Mag jetzt dramatisch klingen, ist aber wohl nur eine kleine Sache, die mir an sich viel Spaß bereitete, der sich nun verflüchtigt hat.

Ich habe mit Freunden eine kleine Fussballtipprunde. Meist bin ich da sehr erfolgreich Letzter und schau den anderem beim Kampf um den Titel Popcorn futternd aus der Ferne zu. Diese Saison allerdings hab ich einen recht guten Start hingelegt und es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen aller Beteiligter.

Bis heute. Heute standen wieder Spiele an und wir wurden auch dran erinnert, doch war ich einfach viel zu beschäftigt mit Sachen zusammen suchen, Taschen packen, Verpflegung für die Fahrt organisieren, die morgige Familienfeier, an der wir zwar nur teilnehmen, die aber trotzdem 150 km entfernt stattfindet, nicht aus den Augen zu verlieren, die Katzensitter einzuweisen, meine Familie zu verköstigen, die Kleene zu bespaßen und generell alle Bälle in der Luft zu halten, um noch an diese Spiele bzw. die Tipps zu denken. Erst als der Große im Bett, der ganz Große satt und die Kleene dankenswerter zwischendurch einfach mal so eingeschlafen ist, hatte ich wieder Zeit, mich an den Rechner zu setzen und da fiel mir die Geschichte sofort siedendheiß wieder ein.

Ich fragte den Spielleiter, ob ich die Tipps noch abgeben darf, ich hätte auch nicht gelunscht, er nannte mir die Ansetzungen, ich tippte einfach ins Blaue und stellte danach erfreut fest, dass ich ganz gut getippt hatte. Bis mir der Spielleiter mitteilte, dass er die Tipps nicht mehr nachtragen würde, es wären ja alle Spiele schon zu Ende gewesen.
Warum sagt er dann erst ja?

Ich erklärte ihm die Situation, er erwiderte, dass er nicht weiß, wie er das den anderen Teilnehmern gegenüber rechtfertigen soll. Reicht meine Begründung (siehe oben) nicht als Erklärung aus? Ist es echt zuviel verlangt, solche außergewöhnlichen Umstände zu berücksichtigen? Durch die Nicht-Tipps liege ich jetzt so weit zurück, dass ein weiteres Mitspielen sinnlos erscheint. Und irgendwie ist mir auch die Lust daran vergangen.

Ist bestimmt alles total kindisch und in einiger Zeit werde ich mich aufregen, dass ich mich darüber aufgeregt habe, aber gerade jetzt im Moment ist mir einfach nur zum Heulen. Vermutlich brauche ich wirklich einfach nur Urlaub.

Gutmenschen

Wenn sich jemand dafür einsetzt, dass die Welt ein schönerer Ort zum Leben ist, finde ich das eine tolle Sache. Ich selbst versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten, meinen Beitrag zu leisten. Was mich allerdings tierisch aufregt sind Menschen, die immer und jedem Vorhaltungen machen müssen, wie dieser Beitrag auszusehen hat.

Aktuell ist es gerade eine Diskussion auf Facebook. In einer geschlossenen Fußballfangruppe bietet jemand im Auftrag seines Chefs ein Trikot-Set vom einem bestimmten Spieler an, welches dieser zu einem besondern Spiel getragen und sogar signiert hat. Gut, den Preis finde ich jetzt ein wenig happig, aber andererseits bin ich eh nicht die Zielgruppe für solches Merchandising. Ich brauche nicht für jedes Spiel einen Begegnungsschal oder ein mit der Rückennummer meines Lieblingsspielers beflocktes Trikot, mir sind andere Dinge wichtig, ich kann aber auch nachvollziehen, wenn ein Vollblutfan darauf Wert legt.

Der nachfolgende Gesprächsverlauf dreht sich jedoch nicht darum, ob und wer das Trikot haben möchte, sondern vielmehr darum, wie verwerflich es vom Chef doch ist, das Teil einfach so zum Verkauf anzubieten, anstatt es zu versteigern und dem Erlös einer karitativen Einrichtung, konkret einem Kinderhospiz, zugute kommen zu lassen. Sicher ist das eine schöne Idee, aber der zwingende Ton, in dem dies vorgetragen wird, ist unter aller Sau.

Meine Einwände, dass es immer noch die Sache des Chefs ist, was er mit seinem Eigentum macht und ihm niemand Vorhaltungen zu machen braucht, sollte er sich anders entscheiden, passte natürlich genauso wenig ins Weltbild der Gutmenschen. Jetzt wurde ich angefeindet, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte und die armen Kinder würden doch so leiden und überhaupt. Daraufhin meinte ich, dass es jedem frei steht, selber etwas an das Hospiz zu spenden oder dafür zu versteigern lassen. Der Vorschlag war auch wieder total falsch, das einzig gültige war, dass der Chef das Trikot versteigern müsse.

Hier war mir die Diskussion zu blöd und ich bin ausgestiegen. Niemand weiß über die finanziellen Hintergründe des Chefs Bescheid, niemand weiß, ob er gerade in einer Zwangslage ist und sich nur schweren Herzens davon trennt.

Und selbst wenn er den Erlös verjubeln sollte, wer sind wir, darüber zu richten?

Manche Tage

sind einfach länger als andere.

Meine Firma hatte zur Feier in den örtlichen Vergnügungspark geladen und diese Gelegenheit ließen wir uns nicht entgehen. Es gab einen ausgiebigen, kostenlosen Brunch und der Große war endlich groß genug, um mit den interessanteren Fahrgeschäften zu fahren. Für die richtig spektakulären ist er immer noch zu klein, aber so bleibt wenigstens die Neugier aufs nächste Mal erhalten.

kette

Nachdem wir über 5 Stunden im Park rumgelaufen sind, ging es kurz nach Hause, umziehen und dann direkt weiter ins Stadion, unserer Mannschaft für die erste Runde im DFB-Pokal die Daumen drücken. Dies war auch bitter nötig, letztlich aber erfolgreich, wir sind eine Runde weiter.

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So waren wir erst gegen halb 11 Uhr nachts wieder zuhause, nachdem wir um 9 Uhr morgens das Haus verlassen hatten. Uff! Wir sind zwar alle ziemlich erschöpft, aber es hat mir gezeigt, dass wir solche Tage ab und zu auch mal im Urlaub machen können. Nicht jeden Tag, das ist einfach zu heftig, aber beispielsweise der eine Tag in Rom wird ähnlich strapaziös sein. Gut zu wissen, dass wir das abkönnen, gut zu wissen, dass wir genug Erholungstage geplant haben 🙂

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Gute Nacht *gähn*

(Meine Güte, kannst du aber deinen Schnabel weit aufreißen 😉 )

Nachtrag: Xayriel orakelt die WM

War das nicht eine schöne WM? So wenige gelbe Karten, so viele verletzte Spieler, so überaus kompetente Schiedsrichter, so professionelle Kommentatoren.*

Im Ernst, die WM war gerade zu Anfang von Überraschungen geprägt, die mich bei meinen ganzen Tippspielen doch recht alt haben aussehen lassen – genauso wie bei meinen Orakelvorhersagen. Ich geh sie am besten mal im Einzelnen durch:

Weltmeister wurde tatsächlich Deutschland! Yeah! Freudentaumel allerorten!

Vizeweltmeister ist nicht Spanien geworden, sondern Argentinien. Hatte ich außer als Gruppenerster überhaupt nicht auf dem Zettel.

3.platzierter wurde letztendlich die Niederlande und das recht mühelos gegen desolat auftretende Brasilianer.

Überraschungserfolg war nicht Belgien, die zwar recht weit gekommen sind, sondern Costa Rica, welche nicht nur Gruppensieger in einer Gruppe mit 3 ehemaligen Weltmeistern wurden, sondern auch bis ins Viertelfinale vordrangen und dort nur knapp von den Niederlanden im Elfmeterschießen niedergerungen wurden.

Miroslav Klose hat sich allerdings den WM-Torschützenkönig aller Zeiten geholt, tatsächlich mit einem Tor gegen Ghana in der Vorrunde. Allerdings war sein 16. Treffer nicht im Finale, sondern bereits im Halbfinale gegen Brasilien, wo schließlich jeder ein Tor machen konnte, der wollte 😉

Torschützenkönig wurde James Rodriguez aus Kolumbien mit 6 Toren, einem mehr als Thomas Müller. Neymar hat „nur“ 4 Tore geschossen, David Villa hatte durch das frühe Ausscheiden Spaniens keine echte Chance auf den goldenen Schuh.

Die Gruppensieger (tatsächlich, getippt von mir, getippt von meinem bester Freund):

  • Brasilien, Brasilien, Mexiko
  • Niederlande, Spanien, Niederlande
  • Kolumbien, Japan, Griechenland – wer tippt auch schon auf Kolumbien? 😉
  • Costa Rica, England, Uruguay
  • Frankreich, Schweiz, Schweiz
  • Argentinien, Argentinien, Argentinien
  • Deutschland, Deutschland, Deutschland
  • Belgien, Belgien, Belgien

Fazit:

So ganz ungeeignet als Orakel scheine ich nicht zu sein, lag aber bei einigen Tipps ganz weit daneben. Ist aber nicht sonderlich verwunderlich, wenn ein Twitter-Hashtag #dieseWMistuntippbar lautete 🙂

Und was bleibt von der WM?

  • Freistoßspray
  • Torlinientechnik
  • zweifelhafte Schiedsrichtervorgaben mit entsprechend schlechten Schiedsrichterleistungen
  • überragende Torhüter mit unglaublichen Rettungstaten
  • der 4. Stern für Deutschland

 

* Vorsicht, könnte Ironie enthalten.

Auftakt nach Maß*

Vor dem gestrigen Spiel Deutschland gegen Portugal gab es ziemlich viele Unbekannte. Im Vorfeld der WM hatten sich viele Leistungsträger verletzt, deren Einsatz lange fraglich war und bei denen feststand, dass die Tagesform entscheidend sein würde. Man weiß aber auch, dass die Deutschen eine absolute Turniermannschaft sind, die sich auf den Punkt genau vorbereiten können.

Dennoch war die Aufstellung lange und heftig diskutiert worden. Jogi nahm mit Miroslav Klose nur einen echten Stürmer mit nach Brasilien und wenn er in der Anfangsaufstellung fehlt, würde einer der offensiven Mittelfeldkräfte, voraussichtlich Thomas Müller, eine fasche 9 spielen müssen. Im Testspiel gegen Kamerun konnte man sehen, dass dies auch nach hinten los gehen kann. Andererseits hat Klose mittlerweile das für einen Fußballspieler gesegnete Alter von 36 Jahren erreicht und man kann sich durchaus die Frage stellen, ob er noch fit genug ist. Bei Messi konnte man sehen, dass dieser nicht mehr die Geschwindigkeit von früher hat und ich hoffe, dass dem Miro dieses Schicksal erspart bleibt.

Portugal schätzten viele Experten und auch ich als den stärksten Gruppengegner ein, wobei man gerechterweise sagen muss, dass es international keine Kleinen oder leichten Gegner mehr gibt und vor allem die USA in Sachen Fußball ordentlich nachgelegt haben, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Arbeit eines Jürgen Klinsmanns. Und so war das gestrige Spiel dann auch ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel. Wer das gewinnt, ist quasi schon durch, wer verliert, wird sich in den verbleibenden beiden Spielen ordentlich strecken müssen.

Auf dem Papier, welches Deutschland auf Platz 2 der Weltrangliste führt und Portugal nur auf Platz 4, sind wir die stärkere Mannschaft, doch hatte ich starke Zweifel, dass wir dies auf dem Platz auch umsetzen können. Wir können zwar wunderschönen Fußball spielen mit klasse Kombinationen, aber das allein reicht nicht mehr. Gerade Spanien hat im Spiel gegen die Niederlande gezeigt, dass man mit schönem Fußball und Tiki-Taka nicht Weltmeister wird. Entsprechend skeptisch war ich.

Das Spiel begann entsprechend, ein wenig fahrig, niemand wollte ein frühes Gegentor fangen, denn wie immer musste die Devise lauten: Hinten muss die Null stehen. Das Torverhältnis kann in einer so engen Gruppe entscheidend sein. Nach einem groben Schnitzer von Philipp Lahm brannte es auf einmal lichterloh in der Abwehr der Deutschen, doch konnte diese Gefahr schnell gebannt werden. Philipp und die gesamte Mannschaft fingen sich aber sofort wieder und fanden danach endlich zu ihrem Spiel. Die Portugiesen wurden mehr oder weniger in der eigenen Hälfte festgenagelt, doch der entscheidende Pass, die präzise Flanke fehlte. Nur einmal gelang dies und prompt wurde Götze im Strafraum umgerissen und es gab Elfmeter. Der Tradition folgend, dass der Gefoulte nie selbst schießen sollte, legte sich Thomas Müller den Ball zurecht und verwandelte den Strafstoß in der 12. Minute sicher ins linke untere Eck. Der Plan, ein frühes Tor zu erzielen, ist aufgegangen.

Nach diesem Tor konnte die Mannschaft befreit aufspielen und auf einmal gelangen sämtliche Kombinationen, während Portugal zunehmend abbaute. Nach einem wunderbar eingeleiteten Konter wurde der präzise Schuss Götzes von einem Portugiesen ganz knapp am Tor vorbeigelenkt. Die daraus resultierende Ecke verwandelte Hummels mit einem herrlichen Kopfball zum 2:0. Was für Hammer!

Die Portugiesen verloren mehr und mehr den Spielfaden und der dadurch aufgestaute Frust entlud sich in einem ziemlich rüden Foul Pepes an Müller, dem er zuerst seinen Ellenbogen und anschließend seinen Kopf ins Gesicht drückte. Das war mindestens dunkelgelb, aber der Schiedsrichter entschied auf glatt rot und Portugal musste ab der 37. Spielminute mit 10 Mann auskommen. Da wird es schwierig, die Räume für die Deutschen eng zu machen und so beschränkten sie sich aufs Verteidigen. Kurz vor der Pause, zu einem psychologisch für die Portugiesen äußerst ungünstigem Zeitpunkt fiel dann das 3:0 und damit auch die Vorentscheidung.

Nach der Pause plätscherte das Spiel vor sich hin. Deutschland ließ nichts mehr anbrennen, stürmte aber auch nicht mehr in letzter Konsequenz aufs Tor. Portugal versuchte nur noch, einen noch höheren Spielstand zu verhindern. Eigene Torversuche gab es nicht, wohl auch, weil der Mannschaft ein richtiger Leitwolf fehlte, der sie dazu motivieren konnte, nochmal 110% zu geben. Der hochgelobte Cristiano Ronaldo blieb blass, wartete vorne nur auf Bälle, die ihn viel zu selten erreichten. Zudem wurde er von Khedira und Boateng gut ausgeschaltet. Umso bezeichnender war es, als er einen Freistoß in aussichtsreicher Position direkt in die Lahmsche 1-Mann-Mauer zirkelte.

Trotz der haushohen Überlegenheit der deutschen Mannschaft dauerte es bis zur 78. Minute, bis das 4:0 fiel. Wieder war es Thomas Müller, der das Tor machte und sich damit an die Spitze der Torschützenliste setzte.

Alles in allem ein überzeugender Auftritt der Deutschen, die wunderbar ins Turnier gekommen sind. Ich bin gespannt, ob sie dieses hohe Niveau halten können. Wenn ja, dann können sie sehr weit kommen.

 

*Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert vom extra3-WM-Bullshit-Bingo 😉

Xayriel orakelt

Heute: die FIFA-Fußball-WM

Dieses Orakel ist wesentlich schwieriger als der Eurovision Song Contest, vor allem, weil ich die allerwenigsten Teilnehmer in letzter Zeit habe spielen sehen und wirklich einschätzen kann. Zudem sind gerade beim Fußball meine Tipps emotional eingefärbt.

Weltmeister: Natürlich Deutschland! Realistisch denke ich jedoch, dass spätestens im Halbfinale das Ende der sportlichen Fahnenstange erreicht sein wird, es sein denn, Jogi hat noch ein ganz unbekanntes Spielsystem im Ärmel und/oder lässt vornehmlich die jüngeren Akteure auflaufen. Immerhin wären sie dann mal wieder die Weltmeister der Herzen. Sollten sie allerdings bereits in der Vorrunde ausscheiden, was bei den nicht gerade superschwachen Gruppengegnern gar nicht so unwahrscheinlich ist, seh ich auch schwarzrotgold für die Herzensmeisterschaft.

Für den Fall, dass es Deutschland nicht schafft, hat Brasilien echt gute Karten, zumal mit dem Heimvorteil im Rücken. Als Joker setze ich England, welches vermutlich das jüngste WM-Team aller Zeiten stellt 🙂

Vizeweltmeister: Spanien, da die Iberer nicht schon wieder Meister werden können. 3 Titel in Folge sind schlicht zuviel des Guten!

3.Platzierter: Deutschland, welches im Spiel um Platz 3 Italien furios schlägt! Weltmeister der Herzen und so* 😀

Überraschungserfolg: Belgien, wird von einigen auch als Weltmeister gehandelt.

Torschützenkönig: David Villa oder Neymar. Da die Deutschen mit nur einem echten Stürmer in Brasilien auflaufen und wir ganz viele Spieler mit Torriecher haben, werden wir den Torschützenkönig eher nicht stellen, dafür aber ganz viele deutsche Spieler in die Torschützenliste eintragen können.
Miroslav Klose wird allerdings den WM-Torschützenkönig aller Zeiten klar machen und Ronaldo überholen, mit einem Tor in der Vorrunde gegen Ghana und dem titelentscheidenden Tor für uns im Finale gegen Brasilien! Und nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird ihm ein überlebensgroßes Denkmal gesetzt, gleich neben dem Hermann im Teutoburger Wald 😉

Gruppensieger:

  • A: Brasilien
  • B: Spanien
  • C: Japan
  • D: England*
  • E: Schweiz
  • F: Argentinien
  • G: Deutschland*
  • H: Belgien

Jetzt muss ich noch fix die Tipps in meinen 4(!) Tipprunden abgeben und dann kann es losgehen. Ich hoffe auf eine schöne, spannende und faire WM und am Ende kommt eh wieder alles gaaaaanz anders!

* Bei der Konstellation Deutschland Sieger Gruppe G und Italien Zweiter Gruppe D ist mein prophezeites Spiel um Platz 3 so nicht möglich, da die beiden Mannschaften bereits im Achtelfinale aufeinander treffen, ebenso bei der Konstellation Italien Gruppenerster und Deutschland Gruppenzweiter. Falls dies eintritt, bomben wir eben die Niederländer im Spiel um Platz 3 weg, denn 3. Plätze können wir nunmal richtig gut 😉

NACHTRAG:

Mein vom Fußball richtig Ahnung habender bester Freund meint, dass ich sehr daneben orakeln würde. Und weil Meckern ja schließlich jeder kann und am Ende die Ente ihre Stoffwechselendprodukte ausscheidet, gibt es hier seine Orakeltipps:

Gruppensieger:

  • A: Mexico
  • B: Niederlande
  • C: Griechenland
  • D: Uruguay
  • E: Schweiz
  • F: Argentinien
  • G: Deutschland
  • H: Belgien

Halbfinale: 

  • Deutschland
  • Uruguay
  • Niederlande
  • Belgien

Weltmeister:

  • Deutschland

Feuerprobe

Ich bin seit ich denken kann leidenschaftlicher Fußballfan. Meine Eltern nahmen mich bereits als Kind mit zu Spielen und in meiner Jugend kickte ich selber einige Jahre im Verein, bis dieser aufgrund mangelnder Spielerinnen die Frauenmannschaft dicht machte.

Für mich war es daher keine Frage, dass meine Kinder dies auch erleben sollten. Als mein Großer 6 Monate alt war, ging ich mit ihm das erste Mal zu einem Spiel. Ihm hat es gut gefallen, nur beim Torjubel der Menge oder sehr lauten Aufregen über fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen erschrak er sich ordentlich und weinte auch ein wenig. Da damals „meine“ Mannschaft noch in einem überschaubar großen Dorfstadion und in der Oberliga kickte, hielt sich die generelle Lautstärke doch in engen Grenzen.

Seit dem hat sich einiges geändert. Die Mannschaft ist in der 3. Liga angekommen. Mein Mann teilt mittlerweile meine Leidenschaft und die gesamte Familie hat Dauerkarten. Das Stadion und auch der Lautstärkepegel sind ungleich größer.

Heute stand nun ein sehr wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Spiel der Saison an und ich überlegte hin und her, ob ich mit der Kleenen zum Spiel gehen sollte oder nicht. Meine Jungs waren schon ganz heiß das Duell. Ich jedoch machte mir Gedanken, ob mein Mädchen schon bereit ist dafür. Wir haben im Vorfeld schon Kinderohrenschützer gekauft, doch waren die geradezu riesig auf dem winzigen Babykopf. Sie dämpfen nur die Geräusche und wenn es ausreichend laut ist, dann ist es vielleicht doch noch zu viel fürs Baby. Würde sie den Stress verkraften? Wie mach ich das mit dem Windeln wechseln, gibt ja eher selten Wickelräume in Stadien und die Toilettenkabinen sind sehr eng.

Aber wenn ich es nicht probiere, werde ich es nie wissen und der Eintritt ist ja nun schon bezahlt, da ist es auch egal, ob ich für 5 Minuten oder 90 oder gar nicht gehe. Ich beschloss, es zu versuchen und im Zweifelsfall einfach wieder zu gehen, falls es meinem Mädchen zuviel werden würde.

Sie wurde direkt vor der Abfahrt noch mal ausgiebig gestillt, frisch gewickelt und ins Tragetuch gepackt. Vorm Einlass gab es die Ohrenschützer auf und ich mummelte sie zusätzlich noch in meine Jacke ein.

Bis auf kurze Unruhephasen und einen Minibrüller hat sie wunderbar bis zur 70. Minute durchgehalten. Dann wurde sie hungrig und es gibt eben Dinge, die dulden keinen Aufschub. Ich verließ den Fanblock mit ihr, setzte mich ein wenig außerhalb auf den Rasen und stillte sie. Dabei konnte ich zwar nicht das Spiel sehen, aber immerhin noch die Atmosphäre genießen. Kurz vor Abpfiff packte ich sie wieder ins Tragetuch und ging wieder an meinen Platz, um mit den Jungs den Sieg zu feiern.

Die Kleene schlief wieder friedlich und hat bis jetzt keinerlei gesteigerte Stressreaktion gezeigt. Ich sag mal: Feuerprobe erfolgreich bestanden 🙂

fussball

Da drin ist ein Kind versteckt 🙂