Ist ja ein Beinbruch!

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und auch ich bilde da keine Ausnahme. In unserem täglichen Chaos haben sich daher gewisse Rituale etabliert. So nehme ich immer den Bus um 7:38 Uhr oder um 7:58 Uhr auf Arbeit, gestern war es der Einrücker um 7:48 Uhr. Bei den zahllosen Besprechungen sitze ich immer auf dem gleichen Platz, gestern allerdings war nur der Platz zwei Stühle weiter rechts noch frei. Von den Kabinen auf der Damentoilette nehme ich immer die rechte, gestern musste ich jedoch auf links ausweichen. Und jede Menge anderer kleiner Abweichungen.

Alles nichts Gravierendes, aber mir fiel es gestern schon auf und da ich überhaupt nicht abergläubisch bin, tat ich es nur als zufällige Merkwürdigkeiten ab, die es eben immer wieder mal gibt. Wäre ich abergläubisch, hätte ich es wohl als Omen gesehen und mich gewappnet für das, was später noch auf uns zukommen sollte.

Nachmittags fuhr ich mit dem Großen wie gewohnt zum Fußballtraining und während der Rabauke sein Ballgeschick verbesserte, nutzte ich den schönen Nachmittag und las in meinem Buch, da mir so gar nicht der Sinn nach den eher inhaltsarmen Gesprächen mit den anderen Fußballmüttern stand. Plötzlich gellte ein markerschütternder Schrei über den Platz, als dessen Ursprung ich umgehend meinen Sohn ausmachte und der mich sofort mein Buch zuklappen ließ. Der Sprößling wälzt sich gerne mal aufm dem Platz rum, sobald ein Spieler ihn nur minimal berührt oder ihm den Ball abgeluchst hat. Wir nennen ihn deshalb manchmal unseren kleinen Italiener 😉
Gestern jedoch blieb er liegen und die Tonlage des Schreis war weit von dem üblichen Mimimi-Gejaule entfernt. Der Trainer trug ihn an den Spielfeldrand, wo ich meine rudimentären medizinischen Kenntnisse ausbuddelte und eine erste Anamnese erstellte.

Es tat an der Innenseite des rechten Unterschenkels weh. Dort war der gegnerische Spieler mit seinem Knie reingerutscht. Ich dachte an eine heftige Prellung und so warteten wir ein paar Minuten. Dann sollte er versuchen, aufzustehen, was aber nicht ging, da die Schmerzen zu heftig waren. Ich entschied, mit ihm ins Krankenkaus zu fahren und es röntgen zu lassen, um einen Bruch oder eine Bänderverletzung auszuschließen. Eine der Mütter meinte, wir sollten doch ins Notfallzentrum fahren, das wäre direkt um die Ecke und nicht so weit wie die Uniklinik. Ok, na gut, hatte ich nicht daran gedacht, können wir machen.

Nach einem kurzen Abstecher nach Hause, wo ich die Kinderkrankenversichertenkarte und die Familienpackung Gummischlangen holte, hielten wir am Notfallzentrum und ich schleppte das mittlerweile 24 Kilo schwere Kindlein zum Eingang, wo mir aber direkt gesagt wurde, dass wir falsch seien, da nur Erwachsene dort behandelt würden. Ich schleppte das Kind zurück zum Auto und fuhr zur Klinik, lautstark fluchend, weil der direkte Weg durch Baustellen versperrt war. Ich fand zum Glück einen Parkplatz in der Nähe des Eingangs, was wirklich keine Selbstverständlichkeit ist. Ich trug das Kind die dennoch gut 200m zur Anmeldung und 5 Minuten später durften wir in die Kindernotfallambulanz. Eine freundliche Schwester nahm uns die eben ausgedruckten Patientenunterlagen ab und wies mich darauf hin, dass um die Ecke Rollstühle standen, von denen wir einen nehmen könnten.

Ich holte einen dieser Rollstühle und setzte das Kind rein, was es total cool fand. Vor wenigen Wochen schauten wir immer wieder mal die Paralympics und der Große wollte seitdem wissen, wie es ist, mit einem Rollstuhl zu fahren und jetzt konnte er es selber ausprobieren. So kurvte er durchs Wartezimmer, bis er die Lust verlor und vor einem großen Aquarium parkte.

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Da wir nicht die einzigen Patienten waren, durften wir ziemlich lange warten. In der Zwischenzeit freundete sich der Große mit einem anderen Jungen an, der beim Lasertag einen heftigen Schlag auf die Nase bekommen hat. Die beiden tauschten ihre ganzen Verletzungen und Unfälle aus. Ich hörte zu und war tatsächlich erstaunt, dass wir 7 Jahre gebraucht hatten, um eine Notaufnahme von innen zu sehen.

Endlich wurden wir aufgerufen und ich rollte das Kind in den Behandlungsraum. Ein freundlicher Arzt ließ sich berichten, was genau passiert ist und seiner skeptischen Mine entnahm ich, dass er ebenso wie ich davon ausging, dass es nur eine ordentliche Prellung, aber keinesfalls etwas ernsthaftes ist. Er untersuchte das Bein ausführlich, streckte und beugte es, drückte hier und da und jedes Mal, wenn er hinten auf die Wade drückte, jaulte das Kindlein auf. Alle anderen Untersuchungen ließ er stoisch über sich ergehen. Weil aber vorn am Schienbein nichts weh tat, dachte ich, dass evtl. das Wadenbein gebrochen ist. Der Arzt blieb bei seiner Meinung, steigerte sie sogar, indem er „wettete“, dass da nichts kaputt sei. Dennoch schickte er uns zum Röntgen, sicher ist sicher.

Ich rollte das Kind zum Röntgen, wo wir zur Abwechslung mal nicht warten mussten. 3 Minuten später kam der Junge aus dem Röntgenraum zurück und die Schwester meinte, sie würde die Aufnahmen fertig machen und direkt zum Rechner des Arztes schicken und wir sollten drauf achten, dass der Große den Fuß auf gar keinen Fall belaste.

Mir schwante übles, da war wohl doch mehr als angenommen kaputt gegangen. Wir meldeten uns wieder zurück und warteten, bis wir erneut zum Arzt vorgelassen wurden. Dieser bestätigte dann meine Vermutung, es war tatsächlich etwas kaputt gegangen, aber nicht das Waden-, sondern das Schienbein. Schöner sauberer Bruch, zum Glück nichts abgesplittert oder verrutscht.

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Die Schmerzen, die beim Drücken auf der Wade entstanden, wurden dadurch verursacht, dass das Wadenbein dann immer auf den Bruch drückte.

Umgehend wurde der Gips vorbereitet und während ich mit dem Arzt noch organisatorisches klärte (Schulbesuch, Weiterversorgung, Lagerung, etc.), kümmerten sich eine Schwester und eine Schwesternschülerin um mein Kind. Als ich dazu kam, lag er auf dem Bauch und ließ sich neugierig jeden Handgriff, der gerade gemacht wurde, erklären. Ich saß daneben und schaute zu, wie eine große Gipsschiene erst angepasst und dann mit Mullbinden ans Bein gebunden wurde. Ich dachte, er würde einen Vollgips bekommen, aber die erste Versorgung sollte mittels Liegegips erfolgen, mit dem der Patient, wie der Name schon sagt, hauptsächlich liegt und das Bein keinesfalls belasten darf.

Wieder daheim angekommen, durfte ihn zur Abwechslung der Papa in den 3. Stock tragen, während ich die Trainingsgruppe und die Großeltern über das Ergebnis informierte. Alle zeigten sich gleichermaßen erschrocken. Die Trainingsgruppe, weil sie damit einen der besten Spieler auf unbestimmte Zeit verlieren. Die Großeltern, weil der Junge die erste Oktoberwoche bei ihnen Urlaub macht und sie schon jede Menge Pläne geschmiedet hatten, die jetzt alle über den Haufen geworden wurden. Während von allen Seiten Genesungswünsche eintrudelten, überlegten wir, wo wir das Kind schlafen legten. Sein Hochbett fiel definitiv aus, dort wird er eine ganze Weile nicht mehr schlafen können.
Kurzerhand verfrachteten wir die Matratze auf den Boden vor den Kleiderschrank, da fiel er nicht so tief, falls er aus dem Bett rollte.

Die Nacht hat er gut überstanden. Der Toilettengang gelingt nach anfänglichen Schwierigkeiten gut, da sich der Patient mit dem steifen Bein nicht wie gewohnt auf die Schüssel setzen kann. Die eigentliche Herausforderung werden aber die nächsten Tage sein. So ein aktives Kind zur Untätigkeit auf der Couch liegend zu verdonnern, kommt schon Folter gleich. Ganz egal, wie lange KIKA läuft oder wie oft es Kekse oder Gummibärchen gibt.

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Am Montag werde ich einen Kinderchirurgen anrufen und mit ihm das weitere Vorgehen abstimmen. Mal schauen, was dieser sagt und wann es einen ordentlichen Gehgips gibt.

Fassungslos!

Heute nur ein kurzer Aufreger zwischendurch, weil ich gerade eine kurze Weiterbildung besuche und noch für die morgige Prüfung lernen muss.

In eben jener Weiterbildung stehen wir in der Pause in der Teeküche und ich unterhalte mich mit einem Kollegen, der zufällig auch bei der Weiterbildung dabei ist und der mich vor ein paar Wochen bei einem Kinderfußballspiel gesehen hatte, wo sein Kind in der gegnerischen Mannschaft spielte. Da ich überhaupt nicht auf fremde Eltern geachtet habe, hatte ich ihn völlig übersehen.

Wir fachsimpeln so über die Schwierigkeiten bei der F-Jugend, als sich die Dozentin dazu stellt, ganz offensichtlich bestrebt, ein wenig Smalltalk zu betreiben. Sie hatte sich kurz zuvor als Informatikerin vorgestellt, die mehrere Programmiersprachen beherrscht, sich bei Datenbanken und Webdesign auskennt und in einer Großstadt über viele Jahre hinweg den gesamten Webauftritt verantworten hatte.

Weil sie ein wenig ratlos drein schaut, da sie unser Gespräch nicht so recht einordnen kann, erkläre ich kurz, dass es um Fußball geht und unsere Kinder eben in der F-Jugend spielen.

Sagt sie doch darauf: „Ach, damit kenne ich mich gar nicht aus, ich habe nur Mädchen als Kinder.“

Ehrlich, mir hat es ein wenig die Sprache verschlagen. In Zeiten, in denen die Damennationalmannschaft gerade eben die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen geholt hat, wo Champions League Spiele der Damen (zumindest die Finale mit deutscher Beteiligung) live im Fernsehen übertragen werden und jeder halbwegs brauchbare Verein ohne Probleme Mädchen aufnimmt und in den höheren Altersklassen eigene Frauenmannschaften hat, kommt eine Informatikerin, eine Frau die sich ganz offensichtlich nicht für einen konventionellen Frauenberuf entschieden hat, mit so einem Spruch um die Ecke.

Da hat der Feminismus noch einen langen Weg vor sich!

Wie schaffen die anderen das?!

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe und völlig gleich, auf welche persönlichen Belange ich verzichte, am Ende des Tages sind immer noch zu viele unerledigte Aufgaben übrig.

Ein typischer Wochentag sieht derzeit bei mir so aus:

  • 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Dies ist der frühestmögliche Zeitpunkt an dem ich so etwas ähnliches wie ausgeschlafen bin und meiner Umgebung nicht mehr zwangsläufig schade. Experimente mit früheren Aufstehzeiten sind grandios gescheitert, entweder weil ich verschlafen hatte oder den ganzen Tag dauergrummelnd und -motzend herumgelaufen bin.
  • 7:10 Uhr wird das große Kind geweckt. Es ist zum Glück mittlerweile in der Lage, selbstständig aufs Klo zu gehen und sich danach die Klamotten anzuziehen, die ich ihm kurz zuvor rausgelegt habe. Experimente, die Auswahl der Anziehsachen dem Kind zu überlassen, scheitern regelmäßig, da bei -10 Grad die kurzen Hosen und bei +35 Grad der Rollkragenpullover gewählt werden. (Kein Scherz, beides exakt so geschehen.)
  • 7:25 Uhr bin ich hoffentlich mit meiner Morgentoilette fertig und kann mich der Draußenwelt präsentieren. Das Kind übernimmt jetzt das Bad, putzt sich die Zähne und befummelt seine Frisur.
  • 7:30 Uhr schmiere ich die Frühstücksbrote für die Schule, fülle die Wasserflasche auf, überprüfe nochmals den Ranzeninhalt.
  • 7:35 Uhr laufen wir los zur Schule.
  • 7:40 Uhr sind wir wieder daheim, weil die Sporttasche vergessen wurde. Manchmal überspringen wir diesen Punkt, weil uns auf dem Schulweg nicht auffällt, dass der Turnbeutel noch daheim liegt.
  • 7:45 Uhr liefer ich das Kind an der Schule/Straßenecke/auf halbem Weg ab und hetzte zurück zur Bushaltestelle.
  • 8:00 Uhr piepse ich mich auf Arbeit ein. Wenn ich den 48er Bus verpasst habe, kann es auch mal 8:10 Uhr sein, wenn der Bus noch Verspätung hat, 8:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich schon, ob ich an diesem Tag Minusstunden (oder -minuten) machen werde.
  • 16:35 Uhr piepse ich mich wieder auf Arbeit aus.
  • 16:38 Uhr kommt der Bus. Sagt der Fahrplan. Die Realität packt 3-10 Minuten drauf.
  • 16:57 Uhr hole ich das Kind aus dem Hort ab. Der Große ist typischerweise das letzte Kind, die Hortnerin hat schon die Handtasche über der Schulter, der Hausmeister wischt gerade den letzten Treppenabsatz.
  • 17:10 Uhr gehen wir im Supermarkt um die Ecke kurz einkaufen, weil wir sonst zum Abendbrot nur trocken Brot haben. Oder trocken Wurst, je nachdem, was gerade ausgegangen ist.
  • 17:45 Uhr kommen wir in der Wohnung an. Der Große bettelt, dass er ganz dringend noch eine Runde im Hof spielen will, also lass ich ihn, bis der Papa mit der Kleenen nach Hause kommt.
    In der Zwischenzeit mache ich mir etwas zu trinken und werfe eine Maschine Buntwäsche an.
  • 18:15 Uhr kommt der Rest der Familie nach Hause. Große Freude ob des Wiedersehens.
  • 18:30 Uhr bereiten wir das Abendbrot vor, decken den Tisch, räumen all die leckeren Sachen aus dem Kühlschrank auf den Esstisch. Die Kinder helfen fleißig mit. Die Süße kippt die offene Wurstpackung aus, der Große muss ganz dringend aufs Klo.
  • 18:45 Uhr gibt es Abendbrot. Die Kleene kann sich nicht entscheiden, was sie haben möchte und heult stattdessen lieber rum. Der Große mault, dass ausgerechnet das nicht da ist, worauf er gerade Appetit hat. Bloß gut, dass wir eine Stunde zuvor im Supermarkt waren, wo wir eben dies hätten mitbringen können. Als ich ihn auf diesen Umstand hinweise, heult auch er.
  • 19:15 Uhr ist die Kleene mit dem Abendbrot fertig und schmiert ihre fettverkrusteten Hände am Sofa ab, während ich ins Bad renne, um einen Waschlappen für eben jene Hände zu holen. Der Große hockt vor zwei belegten Scheiben Brot, offensichtlich pappsatt, aber weil er dies nicht zugeben möchte, knabbert er immer wieder an einer der Brotscheiben herum.
  • 19:30 Uhr räumen wir den Abendbrottisch wieder ab. Der Große starrt immer noch seine Brotscheiben an, die Kleene ärgert die Katze, die daraufhin die Krallen ausfährt und sie kratzt. Die Kleene heult.
  • Um 19:45 Uhr breche ich das Abendbrot ab, von den zwei angeknabberten Brotscheiben sind noch 4/5. übrig. Der Große wird zum Zähneputzen und Schlafanzug anziehen weggeschickt. Ich schnappe mir die Kleene und bereite sie aufs Bett vor.
  • 20:00 Uhr sind beide Kinder bettfertig. Es werden ausgiebige Gutenachtwünsche und Küsse verteilt. Dann bringe ich die Süße ins Bett, während mein Mann den Großen in sein Zimmer bringt und ihm noch eine Gutenachtgeschichte vorliest.
  • 20:15 Uhr beginnt quasi unser Feierabend. Ich checke meine Emails, rege mich über irgendwelchen Unsinn tierisch auf. Überfliege kurz Facebook, rege mich über den Unsinn auf, der da gepostet wird. Nebenbei läuft irgendeine Serie. Es ist völlig egal welche, wir kriegen eh nichts vom Plot mit.
  • 21 Uhr checke ich den Ranzen des Großen, überprüfe das Hausaufgabenheft und die Postmappe, finde einen Elternbrief samt Belehrung, die wir unterschrieben vorgestern hätten abgeben müssen und eine Mathehausaufgabe, die bis morgen erledigt werden müsste. Ich wappne mich für den Eintrag der Lehrerin, dass ich das Schreiben – mal wieder – verspätet abgegeben habe und hoffe inständig, dass der Große am Nachmittag im Hort die Hausaufgaben gemacht hat.
  • 21:30 Uhr fällt mir die Wäsche in der Waschmaschine ein. Mir fällt auch ein, dass beide Wäscheständer mit trockener Wäsche voll belegt sind, ich diese aber nicht wegräumen kann, weil ich dann eines oder beide Kinder wecken würde. So verschiebe ich Wäsche abnehmen und aufhängen auf den nächsten Tag.
  • 22 Uhr lese ich die neuen Blogbeiträge bei WordPress oder den interessanten Zeitungsartikel, der mir per Chat geschickt wurde oder klicke mich durch ein Quiz, dass mir wieder mal sagt, ich wäre ein Hufflepuff, obwohl ich im Innersten genau weiß, dass ich ein Gryffindor bin.
  • Um 23 Uhr stelle ich entsetzt fest, dass es bereits 23 Uhr ist und ich doch vor einer halben Stunde ins Bett wollte. Also lese ich fix den Artikel zu Ende, verkneife mir einen weiteren Kommentar in einer spannenden Diskussion und mache mit bettfertig.
  • 23:30 Uhr liege ich erschöpft im Bett und denke daran, dass ich noch Gymnastikübungen für den Rücken machen wollte, damit die Ischiasreizung nicht wieder kommt. Weil ich aber zu müde bin, reicht es nur, um mein Harry Potter Hörbuch anzuwerfen. Da ich mich nur noch an das Kapitel, aber nicht mehr die genaue Stelle erinnern kann, an der ich am Vorabend eingeschlafen bin, höre ich mir zum 5. Mal den selben Satz an.
  • 23:33 Uhr bin ich eingeschlafen.

Leider sind diese Tagesabläufe eher theoretisch. Die letzten Wochen war ich Montags immer mit dem Großen in der Stadt, dringende Einkäufe für die Schule erledigen oder Termine wahrnehmen. Dienstags und Donnerstag holt mein Mann den Großen vom Hort ab, da darf ich länger arbeiten. Je nach Einpiepszeit am Morgen schaffe ich 45-55 Minuten extra. Wenn ich länger als eine Stunde mehr arbeite, wird mir ab der 60. Minute 15 Minuten zusätzlicher Pause abgezogen, so dass ich mindestens 9 Stunden und 16 Minuten arbeiten muss, um überhaupt einen Nutzen zu haben. Wie an anderer Stelle erwähnt, bekomme ich Mehrarbeit erst ab Minute 31 gutgeschrieben, so dass ich, wenn ich nach 8 Stunden und 25 Minuten Nettoarbeitszeit auspiepse 25 Minuten der Firma schenke. Völlig beklopptes System, aber wohl rechtlich in Ordnung.

Mittwochs und Freitags hat der Große Fußballtraining, welches um 16:30 Uhr beginnt. Um mein Kind pünktlich zum Trainingsstart in Fußballmontur auf dem Feld stehen zu haben, muss ich spätestens um 15:35 Uhr von Arbeit los. Wenn dann alles passt, kann ich das Kind um 15:55 Uhr aus dem Hort mitnehmen. Sollte er draußen rumtoben und ich ihn erst suchen müssen, kann es sein, dass wir erst 16:10 Uhr vom Hort wegkommen. Dann nach Hause, umziehen, ins Auto, ab zum Sportplatz. Bei optimalem Verlauf sind wir 16:25 Uhr auf dem Trainingsgelände, bei suboptimalem erst 16:45 Uhr, weswegen ich versuche, einen Bus eher zu erwischen, was aber eben auch 20 Minuten weniger Arbeitszeit bedeutet. Da ich es mit viel Glück auf 1 3/4 Stunden Mehrarbeit pro Woche bringe, aber durch die Trainingszeiten jeweils mindestens eine Stunde einbüße, mache ich im Schnitt eine halbe Stunde pro Woche minus.

Zum Glück hat sich die Frau des Trainers bereit erklärt, den Großen Mittwochs aus dem Hort abzuholen und zusammen mit ihrem Sohn zum Training zu bringen. Wir hatten es erst mit den Eltern eines Klassenkameraden, der in der gleichen Mannschaft trainiert, probiert, aber dort gab es Missverständnisse, weil jene Eltern von einer einmaligen Sache ausgingen, während ich der Meinung bin, klar kommuniziert zu haben, dass dies jeden Mittwoch so wäre. Da ich niemandem zur Last fallen möchte und mich zudem noch der Hort wegen des Aufstands der Mutter in der zweiten Woche angerufen hat, fiel diese Option flach. Glücklicherweise sprang die Trainerfrau ein, da sie wohl eh immer Mittwochs in der Gegend wäre und da könnte sie den Großen problemlos mitnehmen. Das rettet mir ungefähr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit und wenn es gut läuft, stehen am Ende der Woche +20 Minuten auf meinem Arbeitszeitkonto.

Wenn es gut läuft. Und nichts dazwischen kommt. So wie diese Woche, wo wir die Sporttasche mit den Trainingssachen, der direkt neben dem Schulranzen stand, am Morgen vergessen hatten, mitzunehmen. Weil ich nicht wollte, dass mein Kind ohne Schienbeinschoner spielt – der Rest ist mir absolut rille – bin ich eine halbe Stunde eher als geplant los, nach Hause geeilt, die Sporttasche eingesackt und zum Sportplatz gerast. Nur eine Viertelstunde nach Trainingsbeginn war ich da und echt stolz, es so schnell geschafft zu haben, um dann festzustellen, dass das Kindlein neben einem kompletten Trikotsatz richtige Fußballschuhe und Schienbeinschoner geborgt bekommen hat. Die Mama erzählte mir dann, dass sie mittlerweile 4 komplette Trikotsätze hätten und das überhaupt kein Problem wäre.

Ich stellte mir die Frage, wie sie das machen. Unser Kind hat gerade mal den Trikotsatz vom Verein, aber nicht ein einziges irgendeiner Profimannschaft. Wir können uns die 70 oder mehr Euro für ein Shirt schlicht nicht leisten. Und das, obwohl ich 40 Stunden und mein Mann zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten geht und wir beide mehrere Euros überm Mindeststundenlohn liegen. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht, wie ich hier im Blog oft genug erwähnt habe. Dann höre ich, dass die Trainerfamilie (Mutter, Vater, Kind) ein Haus gebaut hat, ein Sky-Abo besitzt, ein Auto aus deutscher Produktion fährt und zweimal pro Jahr in den Urlaub fliegt. Ich gönne ihnen das, ich bin auch nicht neidisch, nur stelle ich mir eben die Frage, wie sie das schaffen. Und warum wir das nicht hinkriegen.

Aufgrund der sehr knappen Zeit in der Woche müssen wir einen Großteil der Dinge am Wochenende erledigen. Wäsche waschen, Einkaufen, Wohnung putzen. Wenn ich dann erzähle, dass ich den Großen am Wochenende eben nicht auch noch zum Ligaspiel fahren kann, weil da ein halber Tag drauf geht, werd ich seltsam angeschaut. Immerhin wurde mir von einer anderen Mama angeboten, den Großen abzuholen und zum Ligaspiel zu fahren. Damit kann ich leben, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, dass wir das nicht selber hinbekommen. So habe ich aus lauter Verzweiflung zugesagt, am kommenden Wochenende das Kind wieder selber zum Spiel zu begleiten. Bedeutet um 7 Uhr aufstehen am Sonntag, um 8 Uhr auf dem Sportplatz sein, um 9 Uhr startet das Spiel, um 10:30 Uhr ist Spielende, um 11 Uhr kommen wir vom Sportplatz weg, um 11:30 Uhr sind wir pünktlich zur Sendung mit der Maus daheim. Dann ist Mittagsschlaf, wo Lärm machen tabu ist. So komm ich erst gegen 16 Uhr dazu, zusammen mit meinem Mann die Wohnung zu putzen. Um 20 Uhr werde ich das Badezimmer feudeln und mir um 20:30 Uhr mein erkaltetes Abendessen aufwärmen und versuchen, die erste halbe Stunde des Sonntagsfilms aus dem Restprogramm zu eruieren.

Sollte an einem solchen Wochenende noch ein Heimspiel des lokalen Bundesligavereins stattfinden, wird jegliche Planung über den Haufen geworfen. Da gehen inklusive An- und Abreise locker 6 Stunden drauf und erfahrungsgemäß können wir an solchen Tagen sämtliche andere Vorhaben vergessen. Da bin ich doch echt dankbar, dass Heimspiele nur aller zwei Wochen vorkommen und dieser Rhythmus durch Länderspiele zusätzlich unterbrochen wird.

Und als wenn die Wochen nicht schon dicht genug gepackt sind, kommen in den nächsten Monaten weitere Zeitfresser hinzu. Wenn ich die Rehasportmaßnahme von der Krankenkasse genehmigt bekomme (Termin dazu am nächsten Montag um 17:15 Uhr), bin ich im nächsten halben Jahr Dienstags und Donnerstag ab 18 Uhr für 1,5 Stunden damit beschäftigt, meinen Rücken zu stärken. Ich benötige einen Routinezahnarzttermin. Ab Herbst, also quasi heute, muss ich mich wieder um die 2. Folge der Hyposensibilisierung kümmern. Das ist immens wichtig, denn mein allergisches Asthma wird mit jedem Tag schlimmer und aktuell röchel ich in bester Darth Vader Manier vor mich hin, Asthmaspray hin oder her. Die Hyposensibilierung geht nur nachmittags, früh schaff ich es wegen Schulstarttermin und Kernarbeitszeit nicht und ich muss bis spätestens 17 Uhr beim Arzt sein, da ich ja jedes Mal eine halbe Stunde vor Ort warten muss, ob sich eine allergische Reaktion zeigt. Entweder ich lege das auf Dienstag oder Donnerstag, wo ich kinderfrei und so mehr Zeit zur Verfügung habe, damit aber riskiere, beim Rehasport nicht richtig mitmachen zu können, weil der Arm wegen der Injektion zu weh tut, oder ich probiere Montag, muss dafür aber eher von Arbeit los, weil ich den Großen ja noch aus dem Hort abholen muss.

Dann merke ich, dass dieser ganze Terminstress mir sehr aufs Gemüt schläfgt und ich würde gerne meine Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin weiter führen. Den spätesten Termin, den sie mir anbieten kann ist 15:30 Uhr. Da sie am anderen Ende der Stadt ihre Praxis hat, müsste ich sogar die Kernarbeitszeit, die bis 15 Uhr geht, verletzen, um den Termin wahrnehmen zu können. Was das mit meinem Arbeitszeitkonto macht, darüber möchte ich nicht mal ansatzweise nachdenken.

Beim letzten Elternabend empfahlen uns die Mathematik- und die Deutschlehrerin, dass wir mit den Kindern üben sollten. Jedes Wochenende ein Diktat, eine Leseübung und eine einseitige Rechenübung. Bei Bedarf gerne mehr. Vor den angekündigten Lernzielkontrollen (früher hieß das Klassenarbeit) müsste der Stoff mit den Kindern wiederholt werden. Dies alles ist nötig, weil die Bewertungsmaßstäbe so extrem hoch angesetzt sind. So gibt es nur bei erreichten 95% eine 1, bis 80% eine 2, bis 65% eine 3, bis 45% eine 4, bis 25% eine 5, darunter 6. Bei einem Diktat oder bei unangekündigten Kurzkontrollen gibt es die 1 nur bei 0 Fehlern.
Nichtüben verschafft uns mehr Luft, verbaut dem Kind aber auch die Chancen, also ist es keine Option. So werden wir dies also auch noch mit ins Wochenende stopfen.

Ja, ich weiß, eine Lösung wäre, verkürzt arbeiten zu gehen. Aber das ist finanziell nicht drin. Ich bin Hauptverdiener, von meinem Konto gehen sämtliche Fixkosten (Miete, Internet, Kindergarten, Hort, Versicherungen, Steuer, Kredit, etc.) ab, so dass am Ende nur um die 300 Euro an frei verfügbarem Geld übrig bleiben. Bei Teilzeit würde dieser Betrag gegen Null gehen, es gäbe keine Urlaube mehr, keine Klamotten für die Kinder, keine Fußballdauerkarten, keine Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke.

Und erneut frage ich mich, wie schaffen andere das? Meine Cousine und ihr Mann haben ein Haus gebaut. Er ist angestellter Handwerker, sie Rettungssanitäterin, beides durchaus ehrenwerte Berufe, aber keine, die den großen Reichtum mit sich bringen. Dennoch haben sie das Haus. Und egal, ob meine Mama meint, dass sie das Grundstück billig bekommen haben und er als Handwerker Hinz und Kunz kennt und die kostengünstig beim Bauen mitgeholfen haben, das Haus wird dennoch mindestens um die 100.000 Euro gekostet haben. Ein Betrag, den wir nie aufbringen könnten bzw. bei dem wir uns über 20 Jahre per Kredit an eine Bank binden würden, was mir völlig widerstrebt. Denn wenn mir mein Lebenslauf eins gelernt hat, dann dass nichts so beständig ist wie die Veränderung. Das Maximum, was wir derzeit verkraften ist der Kredit fürs Auto, welcher genau 2 Jahre lang läuft, genauso lang wie mein befristeter Arbeitsvertrag. Mag mein Chef noch so oft sagen, dass er mich so bald es geht entfristet, ich plane aktuell nicht länger als bis Oktober 2017.

Also kämpfe ich mich durch den Alltag, immer gehetzt von einem Termin zu anderen, die aktuellen Busfahrpläne, mein Arbeitszeitkonto, den nächsten Spieltag und die Arztöffnungszeiten im Hinterkopf.
Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal in Ruhe und mit Genuss einen Spielfilm angeschaut haben. Oder etwas mit unseren Freunden unternommen. Oder ausgeschlafen. Oder jenseits des Urlaubs entspannt.
Das letzte Mal mit meinem Mann intim? Ich würde laut loslachen, wäre ich nicht so erschöpft.

Dann sehe ich auf Facebook ein Foto eines Regenbogensmartieskindergeburtstagskuchen, selbstgebacken und wunderschön und breche in Tränen aus, weil wir es nicht mal hinbekommen, eine Kindergeburtstagsfeier zu organisieren, bei der ein solcher Kuchen den Höhepunkt darstellen könnte …

Wer es bis hierhin geschafft hat und ebenso wie ich ein wenig Entspannung benötigt: hier klicken!

Xayriel orakelt: Fußball-Europameisterschaft 2016

Wales: Fangen wir den Reigen mit dem zweitteuersten Spieler an: Gareth Bale. Der gehört zur walisischen Nationalmannschaft und hat kürzlich die Champions League gewonnen. Zusammen mit dem teuersten europäischen Spieler, aber der kickt für Portugal. Sonst hat das walisische Team nicht viel zu bieten, außer dass es den nicht mehr so geheimen Favorit Belgien in der Qualifikation mit 1:0 vom Platz geschickt hat, nachdem es im Hinspiel schon ein Unentschieden erspielt hatte. Könnte mit viel Glück fürs Viertelfinale reichen.

Schweden: Noch so eine Mannschaft, bei der DER Star es sich eigentlich schon lange auf dem Altenteil hätte gemütlich machen sollen. So aber kickt Ibrahimović weiter und wird dies auch noch tun, wenn sich seine einstmals prächtige Mähne bereits endgültig auf die Auswechselbank verzogen hat. Zu seiner Verteidigung sei allerdings gesagt, dass ein Stürmer der alten Klasse ja quasi nur vor dem Tor rumsteht und wartet, bis ihm der entscheidende Pass vor die Füße fällt und Rumstehen geht meist auch im hohen Alter noch recht gut. Mit Forsberg hat er einen exzellenten Passgeber und wenn die beiden ein gutes Gespür füreinander entwickeln, können so schöne und zahlreiche Tore entstehen. Ansonsten ist die Qualität des Kaders eher überschaubar, eher so im Sinne von Hauptsache dabei.

England: Wie immer hoch gehandelt, vermutlich ebenso wie immer in der Vorrunde oder direkt danach raus. Nach dem überaus strittigen WM-Sieg 1966 reden viele vom Fluch von Wembley und wenn die Engländer endlich zugeben würden, dass das Tor irregulär war, dann würden sie auch wieder bei Turnieren erfolgreich sein. Da dies immer noch nicht geschehen ist, wird die englische Mannschaft wie gewohnt spätestens im Achtelfinale ausscheiden. Völlig unabhängig davon, ob Cahill, Rooney, Sturridge, Hart oder Kane im Kader stehen. Sicherlich werden die Tweets von Gary Lineker über das frühe Ausscheiden hinweghelfen.

Polen: Lewandowski. Und dann eine ganze Weile nichts. Und dann Piszczek und Błaszczykowski, deren Namen den an sich schon viel Leid gewohnten Dortmunder Trikotbeflocker regelmäßig in den Wahnsinn trieben. (Błaszczykowski ist zum AC Florenz gewechselt, aber ich bin sicher, dass Dortmund adäquaten Namensersatz finden wird.) Der Rest der Mannschaft wird zur einen Hälfte aus europäischen Legionären und zur anderen aus daheimgebliebenen Spielern gebildet. Bis auf drei Abwehrspieler verdienen alle Spieler ihre Brötchen in unterschiedlichen Mannschaften, was für das Mannschaftsgefüge sicherlich eine Herausforderung wird. Könnte aber tatsächlich zum allerersten EM-Spiel-Sieg überhaupt reichen. Aber bitte nicht gegen Die Mannschaft!

Rumänien: Fußballerisch lange Jahre von der Landkarte verschwunden, untergegangen im Mittelmaß, versenkt von Korruption und Machtmissbrauch. Jetzt Auferstanden aus Ruinen und das mit einer bärenstarken Abwehr, die dem Land endlich wieder eine EM-Endrundenteilnahme sicherte. Mir sagen die Spielernamen durchweg nichts, was daran liegen mag, dass von den 25 Spielern zwar 16 im Ausland spielen, darunter in Spanien, Italien oder England, aber dort meist nur in den weniger bekannten Vereinen der Oberklasse. Könnte einer der vielen, vielen Geheimfavoriten sein.

Tschechien: EM-Finale 1996. Deutschland-Tschechien. Golden Goal von Oliver Bierhoff. EM-Halbfinale 2004. Griechenland-Tschechien. Silver Goal von Traianos Dellas. Tragik hat einen Namen, auch weil man den Tschechen irgendwie endlich den großen Erfolg wünscht. Allein der Torhüter Petr Čech könnte sämtliche EM-Spiele allein bestreiten und würde die Hälfte davon gewinnen. Mindestens! Der restliche Kader hat klingende, und vor allem bekannte Namen aufzubieten. Dass die Namen hauptsächlich deshalb bekannt sind, weil sie gefühlt seit Erfindung des Fußballs auf den Trikots stehen, dämpft ein wenig die Euphorie. Die ebenfalls klingenden Namen der Vorrundengegner tun ihr übriges. Könnte eng werden.

Portugal: Immer dabei, immer irgendwie auch Favorit, aber wirklich gerissen hat Portugal nie was – trotz (oder wegen?) CR7. Immerhin wurde der bei der letzten EM Torschützenkönig. Dieses Mal Gruppenerste in der Qualifikation. Ein sehr guter Kader mit vielen Juwelen und zwei Champions League Gewinnern. Also alles wie immer?!

Kroatien: Perišić, Rakitić, Mandžukić, Modrić, Kovačić. Was klingt wie Gäste in Pavels und Bronkos Talkrunde in der Bullyparade, sind aktuelle kroatische Nationalspieler und zwei davon haben dieses Jahr die Champions League gewonnen. Ansonsten glänzt die Mannschaft eher durch zwielichtige Machenschaften des Trainers und rassistische Aussetzer des Fanlagers. Wenn sich die Kroaten bei der Endrunde aufs Fußballspielen konzentrieren, könnte einiges drin sein.

Ungarn: „Wer spielt denn heute? – Österreich-Ungarn. – Und gegen wen?“ Mehr als diesen über seinen eigenen Bart stolpernden Witz weiß ich nicht über Ungarns Fußballnationalmannschaft. (Na gut, Wunder von Bern und so, aber das war ja kurz nachm Krieg und weeeeeit vor meiner Geburt.) Vom Kader kenne ich genau 4 Spieler, und das sind die, die in der 1. und 2. Bundesliga spielen. Mag aber auch daran liegen, dass der größte Teil der Spieler in der ungarischen Liga eine Heimat gefunden hat und die in der hiesigen Berichterstattung Null Beachtung findet. Was wiederum die Stärke der Mannschaft schwer einzuschätzen lässt. Ein deutscher Trainer hat ja bereits 2004 mit einer völlig unbekannten Mannschaft ein Wunder vollbracht und Andy Möller ist auch noch Co-Trainer. Viel kann da nicht mehr schief gehen!

Spanien: Die Zeiten des Tiki-Taka sind vorbei, obwohl die spanische Mannschaft immer noch einige Spieler aus den Hochzeiten des iberischen Kurzpassspiels enthält. Ein paar neue sind dabei, aber die drücken den Altersdurchschnitt nur unwesentlich. Ob sich das Übermass an Erfahrung gegen das Ungestüm und die Sorglosigkeit jüngerer Mannschaften auszahlt, wird sich im Turnierverlauf zeigen. Immerhin steht Iniesta nur noch im erweiterten Kader und Torres ist ganz raus, das gibt Hoffnung.

Türkei: Neben Russland und Italien die Mannschaft mit den meisten Heimspielern im Kader, nur 5 hat es ins Ausland verschlagen. Zwar gibt es immer wieder mal kleinere Berichte über die Süper Lig, aber bis auf die Spieler der Bundesliga sagen mir die Namen nichts. Immerhin hat die Türkei die Qualifikationsgruppe der Niederlande, Tschechien und Island überlebt, dennoch lässt sich die aktuelle Stärke schwer abschätzen. Unglückliches Aus in der Vorrunde.

Russland: Nur ein Spieler aus dem aktuellen Kader spielt nicht in der russischen Liga, damit belegt Russland bei den Heimspielern schon mal Platz 1. Beim Altersschnitt ist die Mannschaft ebenfalls weit vorn. Dann stehen noch so ein oder zwei Dopingvorwürfe im Raum. 3 der 5 letzten Spiele wurden verloren, ein Unentschieden. Favoriten sehen irgendwie anders aus. Auch die geheimen.

Island: Haben die überhaupt genug eisfreie Fläche für ein Spielfeld? Werden den Spielern regelmäßig von Trollen und Elfen die Beine gestellt? Und wie haben die eigentlich die Qualifikation geschafft? Ziemlich viele Fragen und nicht ganz unberechtigt, wenn man bedenkt, dass sich Island bislang weder für eine WM- noch für eine EM-Endrunde qualifizieren konnte. Der Kader sagt mir bis auf den Augsburger Finnbogason nix. Aber wer in der Qualifikation zweimal die Niederlande besiegt und Gruppenzweiter wird, hat sich den Stempel Geheimfavorit redlich verdient.

Irland: Wenn man sich anschaut, wo Irlands Nationalspieler kicken, könnte man die Mannschaft auch England II nennen. Nur der Kapitän spielt in den USA, ist wahrscheinlich ein Messfehler. Irland hat sogar ein Maskottchen dabei, Shay Given, der mit seinen 40 Jahren wohl kaum wegen seiner Spritzigkeit nominiert wurde. Auch sonst glänzt der Kader eher mit Erfahrung und einer robusten Spielweise. Könnte schwer werden in der Gruppe.

Belgien: Bei der letzten WM als Geheimfavorit gehandelt, bei dieser EM ebenso. Wobei das Geheim ziemlich offensichtlich ist, denn der Kader rekrutiert sich aus Spielern aus allen großen Mannschaften aus fast allen großen europäischen Ligen. Nur weil Kevin de Bruyne nicht mehr bei Wolfsburg kickt, ist die Bundesliga in der Aufzählung nicht dabei. Wenn sie die Vorrunde überstehen, kann es weit gehen.

Slowakei: Mein erster Gedanke war, dass irgendjemand den Bus vollmachen muss. Mein zweiter war, dass nach der Vorrunde auch 8 Mannschaften wieder nach Hause müssen. Der dritte, das es genau dafür die Slowakei gibt. Auch wenn sie Deutschland vor wenigen Wochen besiegt haben.

Italien: Der Angstgegner. Die Schauspieltruppe. Der Unsympath im blauen Dress. Aber so wirklich will sich die Abscheu dieses Jahr nicht einstellen, dafür sind die Spieler im Kader zu unbekannt, die großen gewohnten Feindbilder fehlen alle. Bis auf Buffon. Einerseits befreit das Italien von der Favoritenrolle, andererseits macht sie das gleichzeitig zum Geheimfavoriten. Verrückte, verkehrte Welt. Und ein Turnier folgt immer eigenen Gesetzen.

Schweiz: Seit sich die Schweiz mit Spielern mit Migrationshintergrund verstärkt hat, klappt’s auch im internationalen Geschäft. Trotzdem blieben die wirklich großen Erfolge bislang aus. Das könnte sich bei dieser EM ändern, der Kader dafür ist allemal stark genug. Es sei denn, es kommt zum Elfmeterschießen.

Österreich: Bei der EM im eigenen Land haben die Österreicher bereits zu überraschen gewusst. Seitdem scheint sich die ausgeprägte Nachwuchsförderung immer mehr bezahlt zu machen und der österreichische Kader weist ein paar klingende Namen auf, die im Verbund durchaus weit kommen können. Zudem führt mit Christian Fuchs ein Spieler die Mannschaft an, der gerade mit dem absoluten Underdog Leicester City englischer Meister geworden ist. Vielleicht schwappt ja diese Erfolgswelle bis rüber in die Alpenrepublik. Kriegt von mir ebenfalls den Stempel Geheimfavorit mitten auf die Stirn gedrückt.

Ukraine: Mein 7-jähriger Sohn hat das Konzept von Nationalmannschaften nur bedingt verstanden und denkt immer wieder mal, dass Bayern München gegen Deutschland spielt. Bei der Ukraine hätte er damit gar nicht so unrecht, nur hieße dort die Begegnung Schachtar Donezk gegen Dynamo Kiew. Wie immer bei solchen heimspielerstarken Mannschaften in eher wenig betrachteten Ligen ist die Einschätzung der tatsächlichen Stärke schwierig. Dazu hat die Mannschaft eine unbequeme Gruppe erwischt. Spätestens im Achtelfinale ist Schluss.

Albanien: Der niedliche Exot. Wie Costa Rica bei der WM 2014. Steht laut UEFA-Koeffizienten nur knapp vor Nordirland, welche bei dieser EM in der Hinsicht die rote Laterne tragen. Dazu eine eher leichte Gruppe und der eine (Mavraj) oder andere (Abrashi) bekannte Name. Kein Geheimfavorit, aber zum Überstehen der Vorrunde könnte es reichen.

Nordirland: Die rote Laterne der Teilnehmer, wenn es nach dem UEFA-Koeffizienten geht. Mit Deutschland, Polen und der Ukraine eher undankbare Vorrundengruppengegner erwischt. Hat sich aber immerhin direkt für die allererste EM-Endrundenteilnahme des Landes qualifiziert und wurde zum größten Teil in den englischen Ligen gestählt. Es wird dennoch nicht fürs Achtelfinale reichen.

Frankreich: Wenn eine Mannschaft die Höhen und Tiefen von EM- und WM-Turnieren kennt, dann die französische. Bei der WM 1998 im eigenen Land den Titel geholt, zwei Jahre später noch locker-flockig den EM-Sieg hinterher geschoben, um dann 2002 bei der WM sang-, klang- und vor allem torlos bereits in der Vorrunde auszuscheiden. Seitdem bestimmten Skandale das Auftreten Frankreichs bei internationalen Turnieren. Sei es Zidanes Kopfstoß 2006 oder der Eklat in Südafrika 2010. Dieses Jahr könnte sich das Blatt jedoch wenden. Wieder haben die Franzosen den Heimvorteil, und vor allem haben sie eine starke Mannschaft und vorsichtshalber die potentiellen Störenfriede daheim (nunja, woanders jedenfalls) gelassen. Griezmann ist ein ganz heißer Anwärter auf den Torschützenkönig des Turniers. Der Kader wartet außerdem noch mit anderen bekannten Namen auf. Und wenn sich Coman zusammenreißt und ein wenig auf seine Mitspieler achtet, könnte erneut der ganz große Wurf gelingen.

Deutschland: Wird gewinnen. Oder hat da irgendjemand Zweifel daran? Ist doch egal, ob der Kader überaltert ist, oder ob Langzeitverletzte wie Schweinsteiger, Hummels oder Tah oder Beinahe-Rentner wie Podolski, nochmals Schweinsteiger oder Gomez nominiert wurden. Neuer wird wie immer als doppelter Spieler, Torhüter und Libero, Der Mannschaft den Hintern retten. Und wenn Löw auch die mitgenommenen Jungspunde Kimmich, Weigl und Sané ran lässt, könnte es tatsächlich mit dem Titel klappen. Turniermannschaft, ein Spiel, 22 Mann, 90 Minuten und am Ende und so! Außerdem haben wir Müller und der kann wirklich in allen Lebenslagen ein Tor schießen.

Zusammenfassung: Überraschungen sind bei einer EM immer möglich, siehe Dänemark oder Griechenland oder Tschechien, die sich erst im Finale Deutschland geschlagen geben mussten. Wie der Pokal hat auch eine EM ihre eigenen Gesetze.

Gruppensieger: Sieger (2.-Platzierter)
Gruppe A: Frankreich (Schweiz)
Gruppe B: England (Wales)
Gruppe C: Deutschland (Polen)
Gruppe D: Tschechien (Türkei)
Gruppe E: Belgien (Italien)
Gruppe F: Portugal (Österreich)

Halbfinalteilnehmer: Schweiz, Portugal, Deutschland, Frankreich

Europameister: Deutschland

Torschützenkönig (Land): Frankreich

Würfelspiele

Es findet ja gerade der 100. Katholikentag statt, bei dessen Eröffnungsfeier ein Einspieler gezeigt wurde, in dem Katholiken kurz erzählten, was sie mit Gott und dem Katholizismus verbindet und warum das so toll ist. Ich empfand das eher als Anti-Werbefilm, da für mich viele Erzählungen so klangen, als müsste Gott aufwändig in den Alltag integriert werden, ohne davon einen wirklichen Nutzen zu haben. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass krampfhaft vermieden werden sollte, Gott und die Religion mit negativen Dingen wie Tod oder Verlusten in Verbindung zu bringen, wo meines Erachtens nach dies aber genau die Hauptpunkte sind, wo Religion stabilisierend und aufbauend wirken kann.

Nun mag diese Einschätzung daran liegen, dass ich Religionen eher skeptisch gegenüber stehe. Ich möchte niemandem seinen Glauben absprechen und die meisten Religionen predigen ähnliche Werte – tu niemandem weh und sei nett zu deinen Mitmenschen und der Umwelt – aber ich kann nach diesen Werten leben, ohne mich einer Glaubensrichtung anschließen zu müssen.

Dennoch habe ich manchmal den Eindruck, dass es eine höhere Macht gibt und der ist manchmal langweilig. Und weil Gott nicht würfelt*, denkt er sich eben andere Spielchen aus und sucht sich geeignete Opfer.

Uns, zum Beispiel.

Gerade ist es mal wieder arg krass bei uns. Da beruhigt sich die kleine Pubertät des Großen gerade und die Trotzphase der Kleenen ebenso, so dass wir eigentlich ein paar ruhigen Momenten entgegen sehen könnten, aber nö, da grätscht der Rest des Lebens rein.

Finanziell ist bei uns der Notstand ausgebrochen. Wir haben uns in keinster Weise von den Mammutausgaben im Herbst und Winter – Autokauf, Jahreskarte ÖPNV, neues Kinderzimmer für den großen – erholt, da kommen die nächsten Batzen auf uns zu.

Fußballdauerkarten, im Vergleich zur Vorsaison dürfen jetzt beide Kinder für ihre Karten zahlen.Ja, wir wussten, dass das jetzt auf uns zukommt und auch die Höhe war uns ungefähr bekannt. Nur hatten wir absolut keine Gelegenheit, irgendwie darauf zu sparen. Die Karten nicht zu kaufen ist auch keine Option, da wir sonst nur noch teurere Karten erwerben könnten und außerdem wollen wir unsere geliebten Stammplätze nur ungern hergeben, zumal diese Plätze in der preiswertesten Kategorie liegen.

Urlaub. Eigentlich nicht drin, aber wir brauchen den so dringend nach den Querelen von vor 1,5-1 Jahr. Ich zähle jetzt schon die Tage und Wochen, bis es los geht, obwohl die Finanzierung noch völlig unklar ist. Zum Glück haben wir Ferienwohnungen, wo wir uns selbst bekochen und verpflegen können, denn ein- oder zweimal pro Tag im Restaurant essen ist definitiv nicht drin. Maximal ne Tüte Pommes. Einmal. Pro Woche. Die Eintrittsgelder machen mir noch ein wenig Sorgen, aber auch da hoffe ich, dass wir noch ein paar niedrigpreisige Attraktionen finden werden.

Jetzt bete ich nur noch, dass nichts Unvorhergesehenes wie defekte Waschmaschinen oder ähnliches dazwischen kommt, denn das würde uns derzeit das Genick brechen.

Auf Arbeit ist es gerade nur bedingt schön, was jedoch nicht an meinen direkten Mitstreitern liegt, sondern daran, dass die Firma von einem externen Investor aufgekauft wurde, der dann wiederrum eine kleinere Konkurrenzfirma dazukaufte und jetzt versucht, diese beiden Firmen unter einen Hut zu bekommen. Das ist mit soviel Unsicherheiten und Umstrukturierungen verbunden, dass jeder versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Daraus resultiert ein Klima des Anschwärzens, Schuld zuschieben und abwälzen, Themen blocken oder unbedingt durchdrücken. Wir als Rechenzentrum stehen irgendwie immer ganz am Ende und kriegen fast immer den Schwarzen Peter zugeschoben, obwohl wir in den allerwenigsten Fällen etwas für die Probleme können, sondern im Gegenteil, permanent dem Rest der Firma den Arsch retten müssen, so dass unsere eigentlichen Aufgaben regelmäßig zu kurz kommen, worüber sich wiederum alle aufregen, denn das Rechenzentrum liefere nie pünktlich seine zugesagten Arbeiten ab. Mittlerweile sind wir soweit, dass wir überlegen, probehalber mal 1 oder 2 Tage nichts zu machen, um dem Rest zu verdeutlichen, was wir alles machen und wie schnell die anderen ohne uns aufgeschmissen wären.

Bei meinem Mann ist es auch stressig, wenn auch ein wenig anders. Dort hat die Firma einen Prestigeauftrag an Land gezogen, der, so er erfolgreich erledigt wird, viele weitere große und lukrative Aufträge nach sich zieht. So ackern dort alle für den Erfolg, es wurde ein Urlaubsstop verhängt und jeder Mitarbeiter wurde zu 48 Wochenstunden Arbeit verdonnert. Das harmoniert ganz wunderbar mit unseren Kinderbetreuungspflichten und so zirkeln mein Mann und ich mit unseren Arbeitszeiten, damit ich auf der einen Seite nicht in die Minusstunden rutsche und mein Mann andererseits nicht das komplette Wochenende im Home Office rackern muss, um die geforderten Stunden zu bringen. Familienleben hat derzeit dadurch Pause und wir haben einen weiteren triftigen Urlaubsgrund mehr.

Weil das an Chaos noch nicht reicht, haben wir quasi als Backup noch die Doppelniere der Süßen. Für die war eigentlich für diese Woche ein OP-Termin angesetzt, aber leider wurde die Kleene 1,5 Wochen vorher krank, so richtig mit Fieber und Ausschlag, so dass die OP kurzfristig um mindestens 4 Wochen verschoben werden musste. Fetzt, wenn mal alles schon auf den Termin ausgerichtet und geplant hat, der Chef auf Arbeit umdisponierte und am Ende alles wieder rückgängig gemacht werden musste. Macht man sich wahnsinnig viele Freunde damit.
Zum Glück fand sich schnell ein neuer OP-Termin, diesmal am 20. Juni und ich bete, dass es dann mit der OP klappt, weil wir sonst erst nach dem Urlaub operieren können und ich wollte da eigentlich schon ohne das Antibiotikum wegfahren.

Als Sahnehäubchen samt Kirsche kam dann am Sonntag die Hiobsbotschaft, dass mein Schwiegervater massive Lungenprobleme bekommen hat, ins Krankenhaus eingeliefert  und dort ins künstliche Koma versetzt wurde. Jeder, der sich an Anna erinnert, wird wissen, dass es mir herzlich egal ist, was mit meinem Schwiegervater passiert, aber dennoch ist er der Vater meines Mannes und für ihn ist das eine enorme Belastung. Da angedeutet wurde, dass die Möglichkeit besteht, dass der Vater nicht mehr aus dem Koma aufwacht, wurde meinem Mann nahe gelegt, ihn doch bitte im Krankenhaus zu besuchen. Nun ist er hin und her gerissen, denn wegen der 48-Stunden-Woche hat er dafür überhaupt keine Zeit, von den Nerven ganz zu schweigen. Aber es ist eben auch der Vater und eventuell ist es die letzte Gelegenheit, ihn noch mal zu sehen. Drüber reden will mein Mann nicht, was soll er auch sagen, ich kenne seine Gemütslage auch so.

An dieser Stelle würde ich der höheren Macht gerne die Würfel wegnehmen, aber wie gesagt, Gott würfelt nicht!

 

* God does not play dice with the universe: He plays an ineffable game of His own devising, which might be compared, from the perspective of any of the other players [i.e. everybody], to being involved in an obscure and complex variant of poker in a pitch-dark room, with blank cards, for infinite stakes, with a Dealer who won’t tell you the rules, and who smiles all the time.
~ Good Omens, Terry Pratchett & Neil Gaiman
(Gott würfelt nicht mit dem Universum: Er spielt ein unbeschreibliches selbst erdachtes Spiel, welches man aus der Perspektive eines jeden der anderen Spieler [z.B. jedermann] damit vergleichen kann, dass man bei einer undurchsichtigen und komplexen Pokervariante mitmacht, bei der man sich in einem stockdunklen Raum befindet, mit unbedruckten Karten und unendlich hohen Einsätzen, mit einem Geber, der dir die Regeln nicht verrät und der die ganze Zeit lächelt.)

© Foto von Flickr/Steve Johnson „Dice“, (CC BY 2.0)

Wenn’s mal wieder länger dauert …

Ich habe doch keine Zeit!

Ehrlich, für mich könnte der Tag aktuell 48 Stunden haben und es würde trotzdem nicht für all meine Aktivitäten reichen. Ich schreibe seit mehreren Wochen an der Beziehungsgeschichte meines Mannes und mir. Es ist nicht vergessen, nur benötige ich dafür ein gewisses Maß an Muse und eben Zeit.

Der nächste Blogeintrag für den Reiseblog ist ebenfalls seit mehreren Tagen in Bearbeitung. Dort liegt das Problem nicht an der Muse, so einen Text kann ich jederzeit schreiben. Allerdings möchte ich den Eintrag entsprechend bebildern, doch das Hochladen der Bilder durch unsere Klingeldrahtinternetleitung dauert gefühlte Ewigkeiten. Dann stellte ich fest, dass die Imagedateien zuviel Speicherplatz belegen, aber das WordPress-interne Skalieren nicht die Dateigröße verringert, sondern im Gegenteil noch mehr Speicherplatz belegt, da das skalierte Bild zusätzlich zum Originalbild auf der Medienseite abgelegt wird. Löschen kann man nur beide Bilder komplett, leider nicht selektiv. Heißt also, dass wenn ich den Blog noch eine Weile optisch ansprechend gestalten möchte, muss ich alle bisher hochgeladenen Bilder löschen, durch kleinere Versionen ersetzen und die bisherigen Blogeinträge mit den kleinen Bildern versehen. Dauert vermutlich nur 3-5 Jahre o.O

Dann mausert sich meine Süße derzeit zu einer echten Terrorzicke. Für den ein oder anderen mag es ungwöhnlich klingen, aber ich stille sie immer noch. Nur Abends zum Einschlafen und in der Nacht zum Durchschlafen, manchmal auch Mittags zum Mittagsschlaf. Wenn es nach mir ginge, könnten wir das auch sein lassen, aber sie fordert es, mich stört es nicht sonderlich und sie schläft relativ schnell ein dadurch.
Bisher. Seit ein paar Wochen klappt das nicht mehr so zuverlässig. Sie schläft zwar immer noch ein, doch sobald ich sie ins Bett lege, wacht sie auf und beginnt sofort zu schreien. Dabei ist es egal, ob ich 10 Minuten oder 30 Minuten warte, bis ich sie ins Bett lege, ob sie sich laut schnarchend im Tiefschlaf befindet oder nur friedlich schnuffelnd in meiner Armbeuge liegt. Sie brüllt sich innerhalb kürzester Zeit so in Rage, dass es eine gute Stunde braucht, bis sie einigermassen wieder beruhigt ist. Wir versuchen, sie daran zu gewöhnen, auch mal alleine im Bett einzuschlafen. Dazu lassen wir die Türen zum Schlafzimmer auf und im Vorzimmer das Licht an, so dass sie uns hören kann und nicht in völliger Dunkelheit liegen muss. Funktioniert nur leidlich. Gestern haben wir sie nach 10 Minuten wieder aus dem Bett geholt, da hatte sie sich schon fast komplett wieder ausgezogen. Als wir sie eine Stunde später erneut hinlegten, fing das Brüllen sofort wieder an, hörte aber nach 3 Minuten auf. Vermutlich war sie aus purer Erschöpfung eingeschlafen.
Wie auch immer, dadurch begann mein Feierabend um 22:15 Uhr. Yay!

Seit einigen Wochen sind wir mit dem Umbau des Kinderzimmers vom Großen beschäftigt. Zuerst hatten wir Kleiderschrank und Kommode durch praktischere Modelle ersetzt und jetzt im zweiten Schritt das Hochbett noch höher gebaut. Da mein Mann zwei linke Hände voller Daumen hat, blieb dies fast komplett an mir hängen. Im Urlaub konnte ich tagsüber aus Gründen nichts machen, also habe ich die letzten 3 Tage nach Feierabend jeweils 2 Stunden im Kinderzimmer gewerkelt, bevor ich mich dem Zickenterror stellte.

 

Eigentlich wollte ich heute noch nach Feierabend in den Baumarkt fahren und Klebefolie kaufen, um die Rückseiten der Schränke damit zu bekleben, denn so wirklich hübsch sehen die nicht aus. Heute morgen kam mir spontan die Idee, das nächste Woche zusammen mit dem Großen zu erledigen, wenn ich ihn aus dem Hort abgeholt habe, dann könnte er sich selber die Folie aussuchen. Allerdings benötigt er unbedingt eine Lampe oben an seinem Bett, dass wenn er nachts mal raus muss, das nicht im Dunkeln bewerkstelligen muss. 1,60 m Unterkante sind nämlich ganz schön hoch. Werde ich wohl doch heute losmüssen.

Morgen ist Fussball und natürlich gehen wir dahin, wozu sonst haben wir eine Dauerkarte. Trotzdem geht dadurch der Großteil des Tages flöten. Hinzu kommt, dass ich ganz dringend meinen Personalausweis verlängern lassen muss, was man zum Glück bei uns auch sonnabends machen lassen kann, nur geht damit wieder ein halber Tag weg, aufbrezeln, Passbilder machen lassen, warten und so.

So gerne würde ich auch mal wieder ausgiebig ein nettes Spiel zocken oder in Ruhe ein Buch lesen oder unsere Tatortreiniger-DVDs anschauen, aber dafür bleibt schlicht keine Zeit übrig.

Vom Bürofenster aus kann ich seit zwei Tagen einen jungen Mann beobachten, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein großes Stück Brachland von Steinen bereinigt. Sehr Zen! Vielleicht sollte ich das auch mal probieren.

Nur wann?!

Fußballschuheerstkauf

Am Freitag geht die Freiluftsaison los. Zwar nicht im Schwimmbad, sondern beim Fußballtraining des Großen. Während des Winters fand das Training in der Turnhalle einer nahe gelegenen Schule statt, aber diese Zeiten sind nun vorbei, denn nur die Harten komm‘ in Garten!

Mir wurde von verschiedenen Seiten* mittlerweile bestätigt, dass mein Rabauke ein durchaus talentierter Spieler ist und außerdem steht Ende April die nächste Talentsichtung an, diesmal im Freien auf Rasen. Das rief förmlich nach richtigen Fußballtöppen, in schick, mit ordentlichen Stollen an der Sohle. Der Uropa hat zum kürzlichen 7. Geburtstag einen kleinen finanziellen Beitrag geleistet, den ich mangels anderer Ideen in besagte Schuhe investieren wollte, natürlich in Absprache mit dem Kind. („Du, wir gehen Fußballschuhe kaufen und ich nehm dazu das Geld vom Uropa, ok?“ – „Ööööööööhm …“ – „Ok?“ – „Also eigentlich …“ – „O!K!?!“ – „nagut“ 😉 )

Also sind wir heute nach der Schule in die Stadt gefahren, um Schuhe zu kaufen. Beim großen orangenen Sportartikelverkäufer eingekehrt und vor das Regal mit den Kinderfußballschuhen gestellt. Mit Freuden festgestellt, dass fast alle Exemplare im Ausverkauf und damit ordentlich preisgesenkt waren. Den Großen schon mal eine grobe Vorauswahl treffen lassen, die sich mehr oder weniger an seiner Sichthöhe orientierte. Eine Verkaufsfachkraft gesucht und nach einiger Zeit gefunden. Ihr unser Anliegen geschildert und ihr unsere ausgewählten Modelle präsentiert. Ihr „Oh, da muss ich schauen, ob wir die überhaupt noch in der 33 vorrätig haben, ist ja schließlich Ausverkauf, da haben wir nicht mehr alle Größen, da muss ich wirklich im Lager schauen.“ geduldig ertragen. Am Ende kam sie tatsächlich mit 3 Kartons wieder. Riss die Einlegesohle aus einem der Schuhe und forderte mein Kind auf, sich mit dem entsprechenden Fuss drauf zu stellen, um zu schauen, ob die gewünschte Größe auch denen der Fußballschuhhersteller entspricht. Tat sie erstaunlicherweise. (Ich hatte vorher im Internet gelesen, dass bei bestimmten Marken 2 Größen größer gekauft werden sollte, weil die Schuhe so klein sind.)

Ich hatte dem Großen vorher schon erklärt, dass sich Schuhe mit Stollen beim Laufen auf normalem Boden ungewohnt und seltsam anfühlen, dafür aber auf Rasen echt unschlagbar sind. Ich wiederholte meinen Hinweis bei der Anprobe und die Verkäuferin ergänzte noch, dass der Fußboden richtig glatt sei mit den Stollenschuhen und er doch bitte vorsichtig laufen solle. Interessierte meinen Süßen die Bohne, der stopfte seine Füße in die Schuhe und rannte eine Runde um die Regale. Dann wurde ein Schuh gegen den des nächsten Modells getauscht, wieder eine Runde gerannt und dann wurde der andere Schuh gegen das letzte Modell ersetzt.

Und dann schlug die Stunde der Wahrheit. Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

„Eene mene muh, und raus bist du.“ Mein Kind entschied tatsächlich mit einem Abzählreim, was sein zukünftiges Sportgerät sein sollte?!

Parent for the rescue!

Ich versuchte zu ergründen, ob es irgendwelche Vor- oder Nachteile bei den einzelnen Modellen gab. Eines war sowohl für Echt- als auch für Kunstrasen geeignet. Da bei uns im Stadtgebiet fast nur Echtrasenacker existiert, hab ich den Hybriden aussortiert. Blieben noch zwei.

„Eene mene muh.“

Och nö, nicht schon wieder. Also erneut befragt, wie sich die Sohle anfühlt, ob der Schuh an der Seite drückt, ob die Zehen genug Spielraum haben, welches Muster schöner ist.

„Eene mene muh.“

Hmpf. Ganz vorsichtig fragte ich, wie sich die Sohle anfühlte. Das Stollenmuster war unterschiedlich, ein Schuh hatte jeweils 3 Stollen an der Fußballenaußenseite und einen Stollen in der Mitte, der andere statt des einen mittigen Stollens zwei kleinere Stege. Beide hatten 4 Stollen am Absatz. Ich ließ den Kurzen nachspüren, welches Stollenmuster angenehmer für ihn sei und wies ihn abermals darauf hin, dass die Schuhe sein Sportgerät für die nächsten 1,5 Jahre seien und das mit Sicherheit nicht durch Abzählreime entschieden würde.

„Eene mene …“

Ne, jetzt mal im Ernst! Entweder, du lieferst mir jetzt ein echtes Argument für oder gegen einen Schuh oder wir lassen das heute. Und siehe, der einzelne Stollen in der Fußballenmitte war doch irgendwie doof, weil er durch die Sohle drückte, wohingegen die beiden Stege das Gewicht gleichmäßiger verteilten und angenehmer waren.

Tadaaa, wir hatten ein paar Fußballschuhe. And the winner is:

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Nike JR Tiempo Genio Leather FG

Das einzig Doofe an den Schuhen ist, dass sie richtige Schnürsenkel haben. Bisher waren alle Schuhe mit Klettverschluss ausgestattet gewesen, aber nun ging es ans Eingemachte. Mein Großer hatte mir zwar beteuert, dass er schon Schnürsenkel binden kann, aber das Demonstrationsergebnis war einerseits sehr langwierig und zweitens sehr labbrig. Da wird er die nächsten Tage nicht nur seine Dribbelkünste verbessern müssen und ich weiß auch schon wie. Nämlich mit dieser Schnürsenkelschleifenbindehilfe:

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*Sein Vereinstrainer stellt ihn mittlerweile bei jedem Turnier auf und er darf dort den Abwehrchef machen, weil er der Einzige ist – so traurig und gleichzeitig lustig das auch ist – der sich nicht wie ein Irrer mit 3 oder 4 anderen Spielern seiner Mannschaft auf den Ball stürzt, ihn dann einmal erwischt, sich umdreht, ganz stolz zu Mama oder Papa lächelt, und dabei völlig das eigentliche Spielgeschehen außer Acht lässt. Außerdem hat meiner ein gutes Abwehrverhalten und grätscht sehr gut in angreifende Spieler oder spitzelt ihnen gekonnt den Ball vom Fuß. Das alles ohne Gewalt und Härte, was ich wirklich erstaunlich finde.
Sein Schulfußballtrainer sprach mich letztens in der Schule an, als ich den Großen vom Hort abholte, ob „dass denn meiner sei“, was ich bejahte. Der Trainer beschwerte sich bitterlich bei mir, dass der Kleene immer wieder mal ein Training verpasse, was total doof ist, weil er doch einer seiner besten Spieler sei und er sich gerne darauf verlassen können möchte, dass er ihm auch zur Verfügung steht, denn es gibt auch zwischen den Schulfußballgruppen Turniere und da „darf sein bester Mann nicht fehlen“. Oar, das geht runter wie Öl.

Stolz wie Oskar!

Freitags, 16 Uhr ist das Fußballtraining des Großen. Also eile ich kurz nach 15 Uhr zur Schule, hole den Kurzen vom Hort ab, hoffe inständigst er hat seinen Turnbeutel nicht im Klassenzimmer vergessen, dann gehen wir kurz nach Hause, ich packe den Turnbeutel mit seinen Fußballsachen voll und dann ab zur Turnhalle, wo im Winter das Training stattfindet.

Diesen Freitag nun das gleiche Spielchen, alles klappte soweit, wir waren pünktlich beim Training und während ich es mir auf einem Stapel Turnmatten in der eher spärlich geheizten Halle gemütlich machte, kam der Trainer an und wünschte der neben mir sitzenden Mutter und mir ein gesundes neues Jahr und fragte dann im gleichen Atemzug an, ob unsere beiden Kinder denn am nächsten Tag an einem Turnier teilnehmen können. Start um 9 Uhr, Treff 8:15 Uhr.

Mein erster Impuls war, abzusagen, da der Termin noch mitten in meiner Tiefschlafphase lag. Doch dann dachte ich, es wäre eine coole Möglichkeit, das Kindlein zum einen wertvolle Spielerfahrung sammeln zu lassen und andererseits stellte ich mir vor, dass bei solchen Turnieren Talentscouts der großen Vereine zu finden sind, die nach talentiertem Nachwuchs schauen.

Mir persönlich ist es völlig egal, ob mein Kind mal Profifußballer oder Elektriker wird, Hauptsache er kann das machen, was ihm wirklich Freude bereutet. Und aktuell ist sein größter Wunsch, Fußballer zu werden. Glücklicherweise haben wir in der Stadt einen Klub, der ihm dies ermöglichen könnte und der Verein hatte im Dezember relativ kurzfristig einen Talentsichtungstermin für die 2009er Jahrgänge angesetzt, zu dem ich den Großen angemeldet hat. Denn er möchte nicht irgendein Fußballer werden, sondern ein Fußballer bei eben jenem Verein. Die letzten Trainings waren ganz gut verlaufen, er machte gut mit, war konzentriert und immer auf den Ball und die generelle Spielsituation fokusiert – so gut dass eben ein 6-jähriges Kind hinbekommt.
Beim Sichtungstermin allerdings holte er sich beim Aufwärmen eine Schürfwunde am Knie, daraufhin störten ihn seine kurzen Hosen, deren unterer Saum ständig über diese Schürfwunde schabte und er war mehr damit beschäftigt, die Hosenbeine hochzuziehen als wirklich Fußball zu spielen. Zudem hatte er nach einer Stunde keinen Bock mehr, hampelte rum, hörte den Trainern nicht mehr zu, führte die Übungen nur halbherzig oder gar nicht aus und bei den Testspielen lag (!) er lieber im Tor rum, als sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Entsprechend kam eine Woche später die Absage, allerdings mit dem Zusatz „wir werden ihn im Auge behalten“. Ob das nur eine abmildernde Floskel ist oder die jetzt mein Kind für die Zukunft auf dem Zettel haben, weiß ich nicht.

Jedenfalls wollte ich kein Risiko eingehen und dem Kind die Gelegenheit geben, zu zeigen, was wirklich in ihm steckt, falls es eben nicht bloß eine Floskel war. Außerdem war der Trainer die letzten Male ganz angetan von seine Leistungen, steckte ihn aber durch Zufall immer wieder mit den Schwächsten zusammen in eine Gruppe.
Es gibt in der Bambinigruppe des Vereins zwei Kinder, die sind einfach nur unmöglich. Der eine Junge kann nur Gewalt, er tritt, er beißt, er schlägt, klaut anderen Kindern den Ball, oder semmelt volle Kanne gegen den Ball, wenn ein anderes Kind ihn aufheben will. Mein Großer hat dadurch schon diverse blaue Flecken abbekommen, weil sie eben wie gesagt bei jedem Training in das gleiche Team gesteckt werden.
Beim zweiten Jungen bin ich mit immer noch nicht sicher, ob er geistig beeinträchtigt oder einfach nur so doof ist. Wenn man dem Kind was sagt, dann starrt es einen verständnislos an und macht dann irgendwas, meist das Gegenteil vom Gesagten. Selbst wenn ihn der Trainer an die Hand nimmt, die Abläufe Schritt für Schritt erklärt und außerdem noch vormacht, weiß das Kind hinterher nicht, was es tun soll. Ständig müssen ihm Oma, Mutter oder Vater erklären, was es zu tun hat. Es peilt nicht mal, auf welches Tor es zu spielen hat. Und tja, dieses Kind war auch jedes Mal im Team des Großen.

Also ein weiterer Grund für das Turnier, weil dann die AKs nicht dabei sein werden, sondern nur die eher besseren Spieler und der Große bei den Spielen nicht so frustriert ist. Mein Mann fand die Idee nicht so toll, hauptsächlich wegen der Uhrzeit und weil wir eigentlich schon andere Pläne hatten. Nichtsdestotrotz machten wir uns am Sonnabend morgen ein wenig zu spät auf den Weg, wurden mit Turnierklamotten versorgt, der Trainer gab noch kurze Anweisungen und dann ging das Turnier los. Es gab zwei Gruppen, die in der Vorrunde die Teilnehmer des Halbfinales ermittelten. 1. und 2. jeder Gruppen kamen ins Halbfinale.

Für unseren Verein ging es fantastisch los, das erste Spiel wurde 2:0 verloren. Das zweite Spiel  endete 0:0. Da die anderen Spiele ganz gut für uns liefen, reichte ein Sieg im dritten und letzten Spiel der Vorrunde, um noch das Halbfinale zu erreichen. Jedoch waren sowohl Trainer als auch Eltern ob der bisher gezeigten Leistung mehr als skeptisch, dass die Kleinen das schaffen würden. Aber die knieten sich voll rein und schafften tatsächlich einen 1:0 Sieg und zogen als Gruppenzweite ins Halbfinale ein. Dort trafen sie auf den Gruppenersten der zweiten Gruppe und der hatte in der Vorrunde alle Gegner mit mindestens 2:0 platt gemacht.

Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen, aber erneut überraschten uns die Kinder. Sie spielten konzentriert und als Team, passten aufeinander und den Gegner auf und kassierten erst in den letzten Sekunden der Spielzeit ganz unglücklich den Gegentreffer. Der Trainer lobte sie trotzdem und zu Recht über den grünen Klee und immerhin bestand ja noch die Chance auf Platz 3, wenn sie den Verlierer des zweiten Halbfinales im kleinen Finale schlagen sollten.

Im Unterschied zu früheren Turnieren hatte der Trainer dieses Mal sogar eine taktische Aufstellung gebastelt. Es gab zwei Spielerblöcke, da wir zu viele Spieler hatten und damit jeder mal dran kommt, wurde ein Auswechselplan geschmiedet, bei dem es fliegende Wechsel wie beim Eishockey geben sollte. Zu Anfang jedoch stand immer die stärkste Mannschaft auf dem Platz. Taktisch wurde in einem 1-2-2 System gespielt, also Torhüter, davor ein Verteidiger, dann zwei Mittelfeldspieler und dahinter zwei Stürmer. Meiner Erfahrung nach war eine solche Aufstellung bisher immer völlig sinnlos, denn in dem Alter spielen die Kinder Fußball, in dem sich alle auf den Ball stürzen und schauen, was dann passiert.

Mein Großer jedenfalls wurde als Verteidiger im ersten Block gesetzt, was ich schon mal gut fand. Mir war in den Trainings aufgefallen, dass er ganz gut in die Gegner grätschen kann und durchaus Talent bei der Balleroberung hat. Wenn er dann allerdings den Ball hat, weiß er nicht, was er damit machen soll und ihm fehlt bislang jeglicher Zug zum Tor, was ihn als Stürmer eher unbrauchbar macht.
Es ist nun einem Kind eher schwierig beizubringen, dass ein Verteidiger ebenso ein ganz wichtiger Spieler ist, wenn bei den Profis fast immer nur die Stürmer oder Torhüter im Fokus stehen. Dementsprechend fand mein Kind das auch eher doof und vorm letzten Spiel – dem alles entscheidenden Spiel um Platz 3 – fragte er den Trainer, ob er nicht auch mal als Stürmer spielen darf. Der Trainer meinte daraufhin, dass er den Wunsch versteht, aber ihn ganz unbedingt als Verteidiger braucht und nicht auf ihn in dieser Position verzichten kann.

Oar, das ging runter wie Öl. So ein Kompliment hatte der Trainer noch nie gemacht. Die beiden vereinbarten dann einen Kompromiss, der Große würde zu Anfang wie gewohnt als Verteidiger spielen und wenn er dann erneut eingewechselt wird, darf er als Stürmer ran. Leider hatte der Trainer die Spielzeit nicht im Blick und so konnte mein Großer nicht nochmal eingewechselt werden.

Das Spiel ging übrigens 0:0 aus und wurde im Elfmeterschießen entschieden, wo unsere Schützen zweimal sicher verwandelten und unser Torhüter spektakulär zweimal hielt. Und so belegte die Mannschaft des Großen mit nur einem während der regulären Spielzeit erzielten Tor und insgesamt nur 3 Gegentoren den 3. Platz im Turnier. Effektiver geht’s nicht.

Die Kleinen konnten die Siegerehrung kaum abwarten, sie wollten endlich den Pokal in die Höhe recken, mussten aber noch das Finale abwarten. In der Zwischenzeit diskutierten sie, wer als erstes den Pokal bekam und ob ihn wirklich jeder mal anfassen dürfte.
Bei der Siegerehrung wurden noch der Torschützenkönig und der beste Torhüter geehrt. Den Torschützenkönig stellte der 2.-platzierte, der beste Torhüter kam natürlich von uns.

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Alles in allem ein gelungenes Turnier und vielleicht hat ja doch ein Scout zugeschaut 😉

Flunkern für Fortgeschrittene

Erzählt mir der Große heute morgen:

„In der Hofpause, wenn wir Fußball spielen, da hab ich auch schon mal einen Pokal gewonnen.
Und eine Medaille. Einen Pokal und eine Medaille. Jahaa!“

„Das ist toll! Warum hast du mir die noch nicht gezeigt, ich würde sie mir gerne mal anschauen.“

„Die sind noch in der Schule.“

Kurze Denkpause.

„Auf dem Jungenklo.
Da haben wir die nämlich hingestellt.“

„Das ist aber ein eingewöhnlicher Ort für Medaillen und Pokale.“

„Das ist bei uns aber an der Schule so.“

„Oder liegt es daran, dass du mich angeflunkert hast und die Medaillen gar nicht existieren?“

„Doch, doch, die gibt es schon. Und meine Medaille ist nämlich aus echtem Gold und nicht wie die Pokale aus Knete. Wenn man die Knete nämlich da dran pappt und dann wieder abmacht und dann wieder irgendwo anders dran macht und die dann abmacht, dann wird die immer weniger, weil nämlich immer etwas von der Knete an den Sachen hängen bleibt. Aber meine Medaille ist ohne Knete, die wird nie weniger, weil …“

Bambinitraining

Ich hab mir beim heutigen Fussballtraining des Großen mal Notizen zum Trainingsverlauf gemacht. Er übt seit Frühjahr in der kleinsten Gruppe und heute war das erste Training nach der Sommerpause 🙂

Das Aufwärmen

  • Die Kinder sollen auf Zehenspitzen von einer Seite des Minispielfelds auf die andere laufen: die Hälfte der Kinder hat die Aufgabe nicht verstanden, 2 fallen hin und bleiben liegen, 3 weitere legen sich aus Sympathie dazu
  • Der Weg zurück soll auf den Hacken gelaufen werden: 4 Kinder geben mittendrin auf, werfen sich auf den Rasen und sprinten nach Ermahnung des Trainers zur Ziellinie
  • Über den Platz hüpfen: 10 Kinder fallen hin, der Rest läuft normal rüber
  • Mit Trippelschritten zur anderen Seite laufen: die eine Hälfte rennt rüber, die andere trippelt, 5 Kinder fallen hin
  • Der Platz soll mit so wenigen Schritten wie möglich überquert werden: die Hälfte läuft normal, hat die Aufgabe nicht verstanden, 4 machen Trippelschritte, 5 haben die Aufgabe tatsächlich verstanden, davon fallen 3 hin, weil sie durch die Riesenschritte das Gleichgewicht nicht halten
  • Zurück sollen sich die Kinder vorstellen, sie wären Zwerge und müssten beim Laufen nach oben schauen: ein Kind fällt hin, 4 weitere purzeln drüber, 3 weitere fallen einfach so hin, 2 andere laufen im Halbkreis über den Platz
  • im 4-Füsslerlauf über den Platz: alle Kinder fallen hin

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Mannschaftsgeist oder Neudeutsch Teambuilding

Es werden 4 Mannschaften à 4 Kindern gebildet. Es geht um Staffellauf, also ein Kind rennt los, macht was, rennt zurück, klatscht das nächste Kind in der Reihe ab, das rennt los, ….

  • Am Anfang ganz einfach, einmal übers Feld, zurück, abklatschen: bei einer Mannschaft laufen alle Kinder los, bei einer nur 2, 3 Kinder fallen hin
  • übers Feld, Kreis um Wendepunkt drehen, zurück, abklatschen: 5 Kinder vergessen den Kreis, 2 drehen 2 Runden, 4 Kinder fallen hin
  • Die Teams werden aufgeteilt, 2 Mann auf der einen Seite, 2 auf der anderen, das erste Kind läuft los, klatscht das Kind auf der Gegenseite ab, das läuft los, …: 3 der 4 Mannschaften verstehen die Aufgabe nicht, trotzdem fallen 6 Kinder hin
  • das Gleiche, diesmal aber mit Ball in der Hand als Staffelstab: 8 Kinder fallen hin, zwei Mannschaften finden kein Ende und klatschen ab und klatschen ab …
  • das Gleiche, diesmal soll der Ball übers Feld gedribbelt und dann dem Mitspieler übergeben werden: 3 Kinder enden in der falschen Mannschaft, 2 vergessen den Ball unterwegs

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Spieltraining

Die Spiele werden auf zwei Kleinstfeldern ausgetragen, ca. 20×10 Meter. Es gibt auf jeder Seite 2 Tore, markiert durch flache Plastehütchen.

  • Der Trainer erklärt aller 2 Minuten, was und wo die Tore sind.
  • Minütlich einmal verlagert sich das Spielgeschehen auf das Feld nebenan.
  • Auf beiden Feldern finden in loser Folge Purzelbäume und spontane Sitzstreiks statt.
  • Es gibt immer wieder Unsicherheiten, was das eigene Tor und das des Gegners ist.
  • Bei einem Tor jubeln grundsätzlich beide Mannschaften.
  • Zwischenzeitlich gibt es 3 Torhüter in einer Mannschaft.
  • Beim Mannschaftswechsel gelb-rot/schwarz-weiß zu gelb-schwarz/rot-weiß spielen die ersten Minuten 4x buntgewürfelte Teams, bis auch der letzte Spieler den Wechsel verstanden hat.
  • Grundsätzlich liegen mindestens 2 Spieler ohne erkennbaren Grund auf dem Boden.

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Abgerundet wurde das Training durch ein Elfmeterschießen mit dem Trainer als Torwart. Überraschenderweise haben alle Kinder dies verstanden und es fiel auch keines hin.

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Jeder zweite Satz während des gesamten Trainings: Hände aus den Taschen!