Geburtsvorbereitungskurs – Teil 5

Nachdem sich mein Puls und Blutdruck nach der Lektüre dieses Kinderdoc-Posts, vor allem der zugehörigen Kommentare, wieder ein wenig normalisiert haben, kann ich mich dem Bericht des letzten Teils meines GVKs widmen.

An  Teil 4 vergangene Woche konnte ich leider nicht teilnehmen, weil der Große mit Bindehautentzündung und nervigem Husten zuhause bleiben musste.

Nach der Begrüßung wurden wir gefragt, ob wir noch brennende Themen hätten, die wir unbedingt noch besprechen sollten, aber alle Teilnehmer waren da wunschlos glücklich. Da mir ein Teil fehlte, wollte ich auch nicht planlos dazwischen quatschen und hielt mich mit Vorschlägen zurück. Die Hebamme hatte allerdings noch das Thema Stillen auf ihrer Liste und es folgte wieder der Erfahrungsaustausch.

Fast alle hatten mehr oder weniger mit entzündeten Brustwarzen zu kämpfen, welche jedoch ausnahmslos mit Lanolin gut behandelt werden konnten. Diverse Mamas hatten schmerzhafte Milchstaus mit Fieber und Schüttelfrost. Ich berichtete von meinem äußerst heftigen Milcheinschuß und dass ich davor aktuell auch richtig Panik habe. Die Hebamme empfahl mir, vorher zu versuchen, eher wenig zu trinken, da viel  Flüssigkeit die Menge des Milcheinschußes beeinflussen würde. Nur immer schlückchenweise an Pfefferminztee nippen und aufs Beste hoffen. Na, ich bin gespannt, ob das hilft.

Dann folgte eine Lockerungs- und Atemübung. Wir sollten uns vorstellen, uns umgebe eine Glaskugel und wir würden diese von innen anmalen. Erst mit einem großen dicken Pinsel für die Flächen, dann ein kleiner Pinsel für die Akzente wie Wellenlinien und zum Schluss viele Punkte. Zu den Bewegungen die entsprechenden Geräusche: swusch, ssssssst, tock tock tock.

Es folgte eine Partnerübung, bei der sich zwei Frauen gegenüber sitzen und sich nur an den Fingerspitzen berühren. Eine macht die Augen zu, die andere führt die Hände und schaut, wie gut das funktioniert. Dann wird gewechselt. Am Ende machen beide Partner die Augen zu und warten ab, was passiert. Entweder jemand übernimmt die Führung oder die beiden lassen einfach bewegungslos ihre Fingerspitzen gegeneinander stehen.

Dann wurde ausgewertet, wie die jeweile Situation empfunden wurde. Die meisten fanden es gut, zu führen, konnten aber auch problemlos die Verantwortung abgeben und sich führen lassen. Beim gleichberechtigten Teil wurde gleichmäßig die Führung verteilt. Nur bei meiner Partnerin nicht. Als ich sie führte, versuchte sie immer, ihren Weg zu gehen und zu „sagen“, wo es lang geht. Ich hab diverse Male dagegen gehalten, aber so richtig aufgeben wollte sie nicht. Beim gemeinsamen Führen hab ich sie dann machen lassen, weil ich nicht mit ihr „streiten“ wollte 🙂
Die Hebamme meinte daraufhin, dass sie wohl eher der Typ sei, der sehr klare und nachdrückliche Führung benötige und man sich während der Geburt darauf einstellen müsse.

Es folgte die berühmt-berüchtige Bauchmalaktion, bei uns zum Glück nur auf dem Papier. Wir sollten überlegen, was wir unserem Kind im ersten Jahr mit auf den Weg geben wollen und sollten dies künstlerisch-kreativ auf einem Stück Papier umsetzen. Wir könnten dazu eine Blume malen und in die Blütenblätter unsere Wünsche schreiben oder eine Hand zeichnen und die Finger beschriften oder aber was ganz anderes.

Ich wählte ein breites Band, welches sich über mein Blatt schlängelte und schrieb darauf Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Lachen, Geborgenheit und Glück. Ich ließ einige Stellen frei für Dinge, die mir später noch einfallen würden. Jede erzählte kurz etwas zu ihren Wünschen, aber letztendlich waren sich alle im Grunde ähnlich. Warum sollten wir auch das (Mutter-)Rad neu erfinden?

Die obligatorische Entspannungsübung schloss sich an und ich hatte echt zu tun, dabei nicht einzuschlafen. Meine Nacht war mal wieder sehr unruhig und ich hatte nur 3 Stunden geschlafen und so eine säuselnde Stimme, untermalt von ruhiger Musik …

Ganz zum Abschluss sollten wir reihum ein Feedback zum Kurs geben und offenbaren, was uns unserer Meinung nach zu einer guten Mutter mache. Uff!
Feedback war ja nicht das Problem, aber dieses gute-Mutter-Ding schon. Ich hab doch sehr oft Zweifel, ob das, was ich mache, richtig ist und ich stelle mir immer wieder die Frage, ob ich denn einigermaßen eine  gute Mutter sei.

Spontan wollte ich antworten: ich bin eine gute Mutter, weil ich mein Kind nicht schlage. Doch ich habe gesagt: ich bin eine gute Mutter, weil ich so gar nicht wie meine Mutter bin. Ich denke, das sagt viel über meine Mutter und mich aus. Und ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, meine Mutter ein wenig mit in meine Richtung, auf meinen Weg zu ziehen und dass sie sich darauf eingelassen hat.
Trotzdem beschäftigt mich diese Frage immer noch und vielleicht werde ich darauf in einem separaten Eintrag eingehen.

Da ich die ganze Stunde, wie sonst eigentlich auch, bei jeder Bewegung gestöhnt und geächzt habe, machte mir die Hebamme noch eine Überraschung. Ich durfte mich nach Kursende auf eine spezielle Liege legen, die eine Aussparung für den Bauch hat, genauso wie ein Loch für das Gesicht. Es war traumhaft. Besonders mein unterer Rücken freute sich und konnte seit Wochen mal wieder locker lassen. Sowas hätte ich gern für zuhause, auch wenn ich nicht weiß, wohin mit so einem Riesending 🙂

Und dann war der GVK endgültig vorbei. Wir trugen unsere Mailadressen noch auf einer Liste ein, wünschten uns gegenseitig alles Gute und zogen dann in eine unbekannte, doch sehr spannende, Zukunft davon.

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 3

Den Artikel bin ich ja noch schuldig. Mal gucken, ob ich alles noch zusammen bekomme, Schwangerschaftsdemenz schlägt auch hier gnadenlos zu 😉

Ich war ein wenig spät dran, obwohl ich mir vorgenommen hatte, extra pünktlich zu sein, weil sonst die Parkplätze knapp werden. Seltsamerweise gab es aber an diesem Tag Parkplätze in Überfluss. Dann also schnell in den Raum gehüpft, eine Tasse Tee geschnappt und festgestellt, dass ich noch nix verpasst habe.
Wieder fing der Kurs mit der Wiederholung der Namen an und so langsam haben wir alle drauf.

Dann widmeten wir uns möglichen Positionen während der Eröffnungswehen und jeder durfte wieder seine eigenen Erfahrungen beisteuern. Viele suchten sich Gegenstände zum drauf- oder anlehnen, um dort die Wehen durchzustehen. Waschbecken, Betten, Waschmaschinen waren beliebte Hilfsmittel. Zwischendurch ganz viel Laufen und Treppensteigen. Eine Schwangere ging bei jeder Wehe in die Hocke, um nach Wehenende wieder aufzustehen. Allein die Vorstellung trieb mir Schauer über den Rücken und sie sagte auch, sie hätte ca. eine Woche lang extremen Muskelkater in den Beinen gehabt 😀

Doch die Hebamme bestätigte, dass diese Position durchaus gut ist, besonders wenn man sich gut an etwas (Seil, Sprossenwand) oder jemanden (Partner) festhalten kann. Dann packt man nämlich die ganze Anspannung in die Schultern und Arme und das Becken kann wunderbar locker sein, was wiederum dem Baby hilft, sich in den Geburtskanal zu schieben.

Überhaupt zielten die meisten Positionen genau darauf ab. Becken locker, Anspannung nach oben verlagern. Ob man sich nun über einem Peziball beugt, sich an eine Sprossenwand hängt, sich ans Waschbecken klammert, das Becken sollte immer beweglich und möglichst rund bleiben, also nicht ins Hohlkreuz verfallen. Ganz wichtig ist zudem, nicht in Ausweichstellungen zu verfallen. Wenn es auf einer Seite unangenehm drückt, dann ist dies meist genau die Seite, auf die man sich bewegen sollte.

Manchmal kann es hilfreich sein, dass man bei der Geburt ein kleines Stückchen wieder zurück geht, weil sich der Babykopf im ersten Anlauf nicht richtig ins Becken rutscht. Deswegen nochmal kurz raus aus dem Becken, umlagern und neuer Versuch, der dann meist schneller und besser gelingt. Generell wird Umlagern immer wieder vorkommen und auch wenn es anstrengend ist, bringt es die Geburt häufig ein gutes Stück voran.

Wir kamen dann zu dem spannenden Thema Partneruntersützung, vor allem, weil auf den gezeigten Bildern zu möglichen Positionen fast immer der Partner ganz nah an der Gebärenden dran war. Wir wurden gefragt, wie nah wir denn unsere Partner an uns gelassen haben. Ich meinte, dass mein Mann in einer Zimmerecke saß und ich das als ausreichend nah empfand, was von den Mitstreiterinnen durch Nicken bestätigt wurde, da durfte der Mann auch nicht näher ran. Nur bei zweien durfte er immerhin Händchen halten, aber sowas wie Küsschen oder gar Umarmen ging auch da nicht.

Um uns bei der bevorstehenden Geburt die Möglichkeit zu geben, den Partner mehr einzubeziehen, machten wir wieder eine Partnerübung. Dazu sollten wir uns auf unsere Lieblingsseite, welche meist die Seite ist, bei der der Krümel auf dem Rücken liegt, legen und es uns mit Stillkissen bequem machen. Der Partner massierte hinter einem sitzend mit einem Igelball das Kreuzbein, knapp über dem Steißbein. Danach wurde der Ball so doll es ging, in das Kreuzbein gedrückt. Was jetzt sehr schmerzhaft und barbarisch klingt, war eine echte Wohltat, was unsere Hebamme so erklärte: Das Kind drückt von innen während der Geburt, teilweise auch schon davor, massiv auf das Kreuzbein und muss sich daran vorbei schieben. Wenn jetzt von außen ein gezielter Gegendruck auf die selbe Stelle erfolgt, dann wird das als Erleichterung empfunden, vergleichbar mit Zahnschmerzen, wenn der Zahn innen auf die Wange drückt und man von außen dagegen hält und so den Schmerz lindert.

Zum Abschluss legte der Partner die flache Hand aufs Kreuzbein und schuckelte dann vibrierend bei jedem Ausatmen an dieser Stelle. Mei, war das herrlich. Als netter Nebeneffekt wurden mir ein wenig die Hüfte und Beine taub, was bei der Geburt ja nicht das Schlechteste ist 😉
Ich jedenfalls fühlte mich danach gut vorbereitet und hätte am liebsten sofort losgelegt und das Gelernte praktisch umgesetzt.

Im Anschluss daran kümmerten wir uns um unsere Atmung. Dazu liefen wir im Raum umher, erst links herum, dann rechts herum und zählten die Schritte, die wir pro Ein- und Ausatmen so brauchten. Waren bei mir 3. Dann Laufen auf den Zehenspitzen und schauen, wohin wir denn atmen. Das gleiche Spiel mit Laufen auf der Ferse. Danach kurzer Austausch, wie wir was empfunden hätten.
Weiter ging es mit dem Rumlaufen, diesmal sollten wir Töne beim Ausatmen machen, U, E, I, A und O, und schauen, wie viele Schritte wir bei den jeweiligen Tönen schaffen. Beim U waren es am meisten, nämlich 8, die anderen Töne waren eher unangenehm und schneller fertig. Bei der Geburt also auf U ausatmen, damit bekommt man richtig viel Luft aus der Lunge und hat dadurch mehr Platz für frische Luft, was wiederum dem Baby hilft. Mehr jedenfalls als hektisches Hyperventilieren. 🙂

Die Abschlussübung bestand darin, dass wir uns hinsetzten und kreuz und quer durch den Gemüsegarten nach Herzenslust tönen sollten, es dürfe auch gerne schief klingen. Ganz ehrlich, mir war das zu dusslig, ich hockte da auf meinem Stillkissen und wartete geduldig, bis das vorbei war. Ich fand das jetzt nicht lächerlich, was die anderen machten, ich hab auch nicht gelacht oder mich über sie lustig gemacht, diese Übung war schlicht nix für mich. Und aus dem Alter, immer alles zwanghaft mitmachen zu müssen, bin ich zum Glück raus.

Der  nächste Termin fällt leider aus, so dass wir nur noch zwei Einheiten haben. Dann ist schon Mitte Februar und es geht bei allen langsam, aber sicher in die heiße Phase.
Wahnsinn, wie die Zeit rennt!

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 2

Immer wieder freitags …

Zu Beginn durften wir per Unterschrift unsere Anwesenheit bestätigen und ich durfte anfangen. Natürlich wollte der Kuli nicht und ich musste erstmal das halbe Blatt vollkrakeln, bis dann auch Tinte kam. Yay! 😀
Wir haben nochmal die Namen geübt und dann sollten wir erzählen, was wir an dieser Schwangerschaft richtig gut finden und was weniger toll ist, Jammern ausdrücklich erlaubt.

Alle fanden gut, dass sie das Kind spüren können, auch wenn es manchmal unangenehm ist, wenn es gerade auf der Blase oder den Rippen rumtrampelt. Auf der Negativseite die üblichen Beschwerden: Krampfadern, Wassereinlagerungen, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Stimmungsschwankungen. Da fast alle anderen Schwangeren kleine Kinder haben, fanden sie es als besonders anstrengend, dass sie ihre kleinen Kinder noch so viel tragen müssen. Da hab ich Glück, dass meiner schon so groß ist und versteht, dass er zum ausgiebigen Kuscheln neben mich auf die Couch krabbeln und die Treppen alleine hochsteigen muss.

Es folgte eine Übung, um das Becken zu lockern und die eigene Mitte zu finden. Dabei wird das Baby gleichzeitig schön hin und her geschaukelt. Das tat gut und knackte bei mir ordentlich im Gebälk.
Danach wieder Gesprächsrunde, diesmal das Thema, wie wir den Geburtsanfang erlebt haben.

Da einige eine Einleitung hatten, konnten diese dazu nicht wirklich viel sagen. Bei dreien gab es einen Blasensprung, was sich wiederum gut als offizieller Startpunkt eignet. Der Rest hatte wie ich einfach irgendwann so ein Ziehen im Bauch und überlegte, ob es jetzt losgeht oder nicht. Eine rief vorsorglich im Krankenhaus an und ihr wurde dort gesagt, solange sie noch selber anrufen könne, braucht sie auch nicht rein zu kommen. Ich erzählte von meiner Befürchtung, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Beim ersten Mal war ich ja recht früh im Krankenhaus und will jetzt länger daheim in vertrauter Umgebung abwarten, fürchte dabei aber, entweder zu lange zu warten und dann das Kind daheim zu kriegen oder aber nicht lange genug zu warten und dann im Krankenhaus gesagt zu bekommen, Muttermund ist noch zu.

Die Hebamme meinte, dass diese Angst bei ganz vielen Schwangeren vorhanden ist, hätte aber auch keinen Tipp dafür. Sie fragte auch, ob wir denn einen Unterschied zwischen den einzelnen Stadien gespürt hätten, was aber niemand hatte. Vermutlich haben wir das alles verdrängt, was auch gut so ist, weil wir sonst alle völlig panisch vor der neuen Geburt wären. Es könne aber während der Geburt durchaus vorkommen, dass es Momente gibt, wo wir sagen: Ahhhh, jetzt erinner ich mich wieder, ja, das war damals auch schon so (schmerzhaft).
Beruhigt mich jetzt nicht wirklich und den Blicken der anderen zufolge sie auch nicht.

Dann wieder Lockerungsübungen und ein wenig Geburtsmechanik, weil eine der Teilnehmerinnen fragte, warum sie sich während der Geburt immer von links nach rechts und wieder zurück wuchten musste. Dabei ging die Hebamme auch auf verschiedene Formen von Blasensprung ein und die Gefahr eines möglichen Nabelschnurvorfalls und dass dies wirklich nur sehr selten und wenn, dann nur im Moment des Blasensprungs passieren kann (bei Schädellage, bei BEL wirken anderen Mechanismen). Danach ist diese Gefahr praktisch ausgeschlossen. Wir sollten vor allem während der Geburt Kontakt zum Kind aufnehmen, da wir am ehesten spüren würden, wann etwas mit dem Kind nicht stimmt und dann entsprechend Alarm schlagen können.

Wir machten danach eine Partnerübung, bei der sich der Vordermann auf einen Peziball hängen sollte und der Hintermann erst schauen soll, wohin die vor ihm sitzende Person atmet und dann ihre Hände auf die entsprechende Stelle legt. Dann sollten beide spüren, wie sich das anfühlt und der Vordermann kann auch Korrekturen vornehmen (höher, tiefer, seitlicher).
Alle legten die Hände ungefähr in Höhe der Taille, es gab nur wenig Korrekturen. Dann sollten die Hände oben auf die Schultern gelegt werden und wieder sollten wir spüren, wie sich das anfühlt. War total unangenehm, beengend, sagten alle.
Dann sollten die Hände langsam wieder runter zur Taille gelegt werden und wieder nachgespürt werden. Alle vorne Sitzenden fanden das total angenehm, nur zwei der Hintermänner (darunter ich) fanden es unangenehm, weil die eigene Kurzatmigkeit dem Einlassen auf den Atemrhythmus der Vorderfrau entgegenstand.

Diese Übung war insofern interessant, weil diese Spannungen auch bei der Geburt auftreten können. Und die lieb gemeinte auf die Schulter gelegte Hand des Partners bei der Gebärenden heftige Abwehrreaktionen hervorrufen kann, währenddessen die selbe Hand auf den unteren Rücken gelegt als durchaus angenehm empfunden wird.

Und dann war der Kurs auch schon wieder vorbei.

Geburtsvorbereitungskurs – Teil 1

Es ist ja noch ein bisschen hin bis zum Stichtag am 21.3., doch der Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus meines Vertrauens startete schon heute. Es ist ein spezieller Kurs für Wiederholungstäterinnen und ohne Männer. Ich war sehr gespannt auf den Kurs, erstens weil die Klientel eines Geburtshaus doch ein wenig anders ist und ich nicht wusste, ob und wie ich mich da jetzt einfügen würde und zweitens weil ich so gar keine Vorstellung davon hatte, was in dem Kurs passieren wird.

Ich war extra pünktlich da, weil die Parkplätze in der Gegend recht knapp sind und zeitiges Kommen, wenn auch nicht die besten, so doch immerhin Plätze sicherte. Ein wenig erstaunt war ich, als ich den Raum betrat und dort einen Stuhlkreis vorfand. Vom letzten Kurs konnte ich mich noch erinnern, dass wir da immer auf Matten auf dem Boden gelümmelt haben. Nachdem der organisatorische Teil erledigt und alle Teilnehmerinnen eingetroffen waren, begann die obligatorische Vorstellungsrunde, die aber ein wenig anders ablief als ich das bisher kannte.

Wir wurden gebeten, unseren Namen zu sagen, und zwar denjenigen, mit dem wir auch angesprochen werden wollen, das konnte der echte oder aber auch ein Spitzname sein. Dazu sollten wir noch die Entstehungsgeschichte erzählen, wie unsere Eltern denn genau auf diesen Namen gekommen sind. Ungefähr die Hälfte hatte biblische Vornamen, weil die Eltern gläubige Christen sind. Die andere Hälfte hatte Vornamen nach Schauspielerinnen, Sängerinnen oder den Namen aus einem Filmabspann. Niemand hatte und wollte einen Spitznamen, jeder war mit seinem Namen zufrieden.
Außer mir. Mein echter Name war eine Notlösung meiner Mutter. Sie wollte mich ursprünglich ganz anders nennen, aber im Krankenhaus wurde ihr gesagt, das wäre kein richtiger Name und sie solle doch einen anderen aussuchen. Daraufhin wählte sie einen Allerweltsnamen, den ich dann im Gymnasium in unserer 20er Klasse mit 3 anderen Mädels teilte. Wenige Jahre später hab ich mir bei meinen ersten Gehversuchen im Internet einen Nickname ausgesucht, aus dem sich ein Spitzname entwickelte, mit dem mich heute alle anreden außer meinen Eltern und Arbeitskollegen.

Dann wurde geschaut, woher wir alle kamen und wo wir wohnten. Nicht eine Einzige wurde hier in der Stadt geboren, einige kamen es dem Umland, viele aus einem ca 150 km Umkreis, zwei von ganz weit weg. Wohnhaft sind bis auf einen „Wessi“ alle im Osten, Südosten oder Süden der Stadt.

Spannend war dann die Aufteilung nach Geschwistern. Als erstes die eigenen Kinder. Bis auf eine 3-fache Mutter haben alle nur ein Kind. Von den bereits vorhandenen Kindern sind zwei Mädchen, der Rest alles Jungs. Die Verteilung der „neuen“ Kinder wurde nicht erfragt, aber die errechneten Termine und die erstreckten sich vom 1.3. bis zum 14.4. Wir sind jetzt alle gespannt, wie gut diese Reihenfolge eingehalten wird und haben zur Erinnerung ein Foto gemacht.
Die Aufteilung „unserer“ Geschwister folgte. Ich war das einzige Einzelkind, die eine Hälfte war große Schwester, die anderen Hälfte hatte mindestens einen großen Bruder oder eine große Schwester, viele auch mehrere Geschwister (ich glaube, der Rekord lag bei insgesamt 7 Kindern).

Hier erzählte ich dann auch das erste Mal etwas recht persönliches, da meine Familiengeschichte minimal kompliziert ist. Denn mein leiblicher Vater hat noch 3 andere Kinder, meine Halbgeschwister. Ich kenne meinen leiblichen Vater aber nicht, da den Job mein Papa übernommen hat, welcher meine Ma kennenlernte, als ich 4 Monate alt war. Durch diese Konstellation habe ich auch keine Geschwister, da meine Eltern, allen voran meine Ma, befürchteten, dass sie ein gemeinsames leibliches Kind mir vorziehen würden und das wollten sie mir nicht antun. Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Befürchtung leider auch nicht, denn die Schwester meiner Mutter hat nämlich genau dies getan. Meine Cousine stammt aus der ersten Ehe, ihre beiden Schwestern aus der zweiten Ehe und der Stiefvater hatte absolut keine Liebe übrig für sie und behandelte sie auch entsprechend. Ich fand das als Kind immer recht seltsam, begriff aber zu diesem Zeitpunkt die Zusammenhänge nicht.
Ich wollte immer Geschwister haben, weil ich dies von meinen Klassenkameraden kannte und ich auch einen Verbündeten gegen meine Eltern haben wollte. Aus genannten Gründen wurde mein Wunsch nicht erfüllt und ich bin mir auch des Opfers bewusst, das meine Eltern für mich gebracht haben, wenngleich ich die tatsächliche Gefahr des Vernachlässigtwerdens als sehr gering einschätze allein durch die Tatsache, dass meine Eltern sich genau dieses Umstands bewusst waren und alles getan hätten, um dies zu vermeiden. Aber dies ist nun nicht mehr zu ändern.

Die Geschichten der Geschwisterkinder waren auch sehr spannend und reichte von innigen Verhältnissen über erbitterte Konkurrenzkämpfe bis hin zum teilweisen Übernehmen der Mutterrolle für kleinere Geschwister. Bei einigen Geschichten merkte ich, dass sich damit schon intensiv auseinandergesetzt wurde, es aber immer noch einiges an Hadern mit dem Schicksal gibt. Ich finde, dass es für die generelle gute Atmosphäre in der Gruppe spricht, dass bereits beim ersten Termin so offen über augenscheinlich sehr emotionale Aspekte gesprochen wurde.

Nach diesem ersten Kennenlernen brauchten wir alle eine Verschnaufpause und so machten wir ein paar Bewegungsübungen. Beckenkreisen, Beckenkippen, Schultern lockern, mit den Armen schlenkern, räkeln und strecken. Alles Sachen, bei denen man so herrlich dusslig und ungelenk aussehen kann 🙂

Gleich darauf ging es wieder ans Eingemachte. Wir sollten von unserer ersten Geburt erzählen, wobei wir den Fokus auf die Dinge legen sollten, auf die wir besonders stolz sind und was uns vielleicht vom ersten Mal noch nachhängt und in die neue Geburt mitgeschleppt wird. So wie jede Geburt waren auch die Geschichten sehr unterschiedlich.

Die erste ging recht blauäugig ran, hatte sie sich doch mit Büchern von Frédérick Leboyer belesen und fühlte sich so ausreichend auf die Geburt vorbereitet. Die Realität hat sie dann ganz schnell ernüchtert, aber sie hat die Geburt trotzdem gut über die Bühne gebracht.
Die nächste fand sich zu sehr von der Klinik zu Schmerzmitteln und Medikamenten gedrängelt und möchte dieses Mal mehr selbstbestimmt sein.
Es folgte eine unkomplizierte Hausgeburt.
Dann eine weitere Klinikgeburt, die übermäßig lange dauerte, nach Vermutung der Mutter, weil sie noch nicht bereit war, loszulassen.
Als nächstes eine dramatische Geburt mit Blasensprung in der 32. Woche und Notkaiserschnitt, Frühchenintensiv und Infektionen, massiven Stillproblemen. Das Kind hat zwar alles gut überstanden, aber man sah der Mama an, dass noch ganz viel unverarbeitetes Trauma und Schuldgefühle dabei waren. Völlig nachvollziehbar, dass sie sich jetzt nichts sehnlicher als eine normale spontane Geburt wünscht, sie aber oft mit dem (Vor-)Urteil „einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“ zu kämpfen hat.
Die Dreifachmama wünschte sich, dass die vierte Geburt ein wenig länger dauern würde, da ihre bisherigen Geburten alle turbomässig abliefen und keine zwei Stunden dauerten. Dafür waren alle ihre Kinder ca. 2 Wochen übertragen, jedoch ohne negative Folgen.
Die nächste Mama wurde eingeleitet, da bei ihr, zum Glück erst relativ spät in der Schwangerschaft, HELLP auftrat. Die Geburt war trotz Einleitung schön und auch nicht über die Maßen schmerzhaft. Hinterher stellte sich heraus, dass das Kind wohl schon zwei Wochen lang nicht mehr richtig versorgt wurde, es war nicht mehr gewachsen und die Plazenta war völlig verkalkt.
Als letztes noch eine Mama mit Diabetes Typ 1, die nach Einleitung und Geburtsstillstand per Kaiserschnitt entbunden wurde. Das Kind musste danach auf die Frühchenintensiv, aber dies scheint wohl üblich zu sein bei diesem Diabetes-Typ und auch beim jetzigen Kind wird es so sein. Da aber alle Bescheid wissen, ist das letztendliche Risiko für Mutter und Kind überschaubar. Auch dieser Mama merkte man beim Erzählen an, dass sie noch einen ordentlichen Rucksack mit sich rumschleppte.
Und meine Geschichte? Die folgt in einem separaten Eintrag 🙂

Nach diesem Trip in die Vergangenheit erstmal wieder was unverfängliches und so besprachen wir die möglichen Kursinhalte. Was wollten wir unbedingt noch wissen, was ist uns wichtig, was musste aufgefrischt werden, was kann aber auch weggelassen werden. Am Ende unterschied sich die Liste nicht wesentlich von meinen Erinnerungen aus dem ersten Kurs, aber Wiederholen kann ja nie schaden.

Zum Abschluss entspannten wir noch ein wenig bei meditativer Musik, die Kursleiterin lenkte unseren Fokus mal auf unsere Gedanken, mal auf unsere Atmung, mal auf unsere Bäuche. Es war ein guter Ausklang, wir konnten nochmal über die letzten 2 Stunden reflektieren und wurden nicht ganz so unsanft wieder in die kalte Realität geschubst.
Doch, war ein guter Termin, der noch ein wenig nachwirkt.

Jammern

Ich muss das jetzt mal machen. Ich tu mich da eher schwer damit, weil ich doch dankbar bin, überhaupt schwanger zu sein und auch noch weiter sein zu dürfen. Viele meiner Mitschwangeren haben nicht so viel Glück, sind bereits Frühchenmamas geworden oder ihnen droht eine Frühgeburt und sie werden im Krankenhaus dauerüberwacht.

Seit zwei Tagen habe ich ziemlich heftige Schmerzen im Kreuzbein und dem gesamten Becken, hervorgerufen durch die ganz normale, schwangerschaftsbedingte Symphysenlockerung. Dann muckert meine rechte Schulter (mal wieder), was wunderbar in den Nacken und den rechten Arm ausstrahlt, verbunden mit spannungsbedingten Kopfschmerzen. Meine Beine schmerzen.
Mein Bauch sowieso, besonders wenn ich länger stehe oder laufe.

Ich krieg kaum noch Luft, schnaufe ständig wie eine Dampflokomotive und wenn ich die Treppen bis zu unserer im 3. Stock liegenden Wohnung hochsteige, brauche ich anschließend ein Sauerstoffzelt. Der Krümel strampelt sich eins ab und liegt immer noch in BEL, so dass es sich wunderbar auf meiner Blase rumhüpfen lässt und ich aller Nase lang aufs Klo muss.
Besonders schlimm ist es nachts, da komm ich vor Schmerzen überhaupt nicht in den Schlaf. Ich weiß nicht, wie ich liegen soll, wälze mich mit meinem dicken Bauch hin und her, während mein Mann lustig laut neben mir schnarchte. Vorletzte Nacht halfen immerhin 2 Paracetamols, nach denen ich dann relativ gut schlafen konnte.

Dann war ja gestern die Aktion mit Kabel Deutschland, bei der ich immer wieder zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer pendeln und in einer kleinen Ecke, in der wir die technischen Gerätschaften verstaut haben, rumkrauchen durfte. Nach den 1,5 Stunden, die das Ganze gedauert hat, war ich ziemlich kaputt und bin auch früh (für meine Verhältnisse) ins Bett. Dort lag ich dann wach, warf nach 2 Stunden wieder 2 Paras ein und lag weiter wach, weil es in jeder Position anders weh tat und das Schmerzmittel überhaupt nicht half. Also nochmal nachdosiert, dabei ein richtig schlechtes Gewissen bekommen, weil ich dies laut Packungsbeilage erst nach 6 und nicht schon nach 2 Stunden hätte tun dürfen. Ich lag noch ein bisschen wach und „freute“ mich auf den heutigen Friseurbesuch.

Irgendwann schlummerte ich weg und wurde ziemlich rüde von meinem Wecker geweckt. Quälte mich unter die Dusche und haderte mit mir selbst, ob ich zum Friseur laufen oder doch lieber fahren sollte. Nach langem Ringen entschied ich mich fürs Laufen, weil ich dachte, dass mir das nach zwei Stunden sitzen auf einem mehr oder weniger bequemen Stuhl gut tun würde.

Beim Friseur selbst ging es erstaunlich gut, ich hatte da wirklich mit Schlimmerem gerechnet. Aber es tut einfach gut, wenn mir jemand ausgiebig auf dem Kopf rumfummelt. Eine neue Farbe gab’s auch, Aubergine mit kupferfarbenen Strähnchen. Für die nichtschwulen und -metrosexuellen Männer: lila mit orange 😉
Trotz allem war ich froh, als ich wieder gehen konnte, obwohl mir mein Bauch den ganzen Heimweg durch Ziehen und Schmerzen signalisierte, dass ich doch besser das Auto genommen hätte. Daheim angekommen hab ich es nur noch geschafft, mir was Kleines zu Essen zu machen und bin dann erstmal auf der Couch umgefallen.

Jetzt geht es einigermaßen, nur das Becken schmerzt bei jeder kleinen Bewegung. Aber ab und zu muss ich mich bewegen, weil sonst mein Steißbein erst taub wird und dann weh tut.

Morgen hab ich das erste Mal meinen Geburtsvorbereitungskurs, da werd ich fragen, was ich außer Medikamenten gegen die Schmerzen tun kann. Und jetzt hoffe ich auf eine halbwegs ruhige Nacht, in der ich auch mal zum schlafen komme. Denn so richtig Jammern mag ich nicht.