Schadsauger

Stillen ist eine tolle Sache!

Es ist fast immer und überall möglich, augenblicklich verzehrbereit, automatisch temperiert, steril und in ausreichenden Mengen verfügbar. Mir war von Anfang an klar, dass ich unbedingt stillen wollte und auch alles daran setzen würde, dass es klappt. Und wie so vieles bei mir, entstand der Wunsch vornehmlich aus Bequemlichkeit. Wenn ich nur daran denke, nachts aufzustehen, in die Küche zu tappern, womöglich noch Licht anmachen zu müssen, den Flaschenwärmer anzuwerfen, die Milchpulvermenge abzumessen, ein trinkbares Gebräu herzustellen und dies dann in das Kind zu kriegen, werden meine Augen ganz schwer und müde.

Allerdings muss ich zugeben, dass an Tagen wie heute, wo die Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke stagnieren, Milchpulver und Flaschenfütterung sehr verlockend erscheinen. Mein Mädchen ist so durstig, dass sie nach allerspätestens einer Stunde wieder an die Brust will. Von den wunden Brustwarzen mal abgesehen, kann ich gar nicht so schnell Flüssigkeit in mich reinkippen, wie sie eine halbe Etage tiefer wieder ausgesaugt wird. Dass dieser Vorgang körperlich recht anstrengend ist, nehm ich sogar gerne und mit einem Auge auf die Waage schielend in Kauf. Aber dass ich dabei jedesmal dieses menschliche Wärmekissen auf meinem Arm habe, wo mir die Suppe eh schon sonstwo steht und ich 5 mal am Tag duschen könnte, das schafft mich wirklich. Da würde ich gerne öfter den Daddy mit in die Pflicht nehmen können.

Ich hoffe jetzt einfach auf Mittwoch, wo die Temperaturen wieder ein wenig runter gehen sollen. Bis dahin machen der Schadsauger und ich einfach das Beste daraus. Nützt ja nix 😉

Schweißtreibender Tag

Es gibt so Tage, da merkt man, dass die Kollegen auch nur höchst menschliche Wesen sind, die wie alle anderen auch Fehler machen. Wenn es an solchen, zugegebenermaßen seltenen Tagen, auch noch so extrem heiß ist wie heute, kann es zu äußerst unschönen Häufungen dieser Merkwürdigkeiten kommen.

Blafft mich heute morgen ein Controllerkollege an, warum ich ihm denn keine Auskunft über die Telefonkosten jedes einzelnen (!) Mitarbeiters geben könne. Als ich antworte, dass dies einfach nicht mein Aufgabengebiet ist, ich nur die Sammelrechnungen der Telekom kontiere und er sich an Kollege X wenden sollte, blafft der Controller weiter, dass er aber X nicht erreiche und ob ich denn wisse, wieso X ihm nicht antwortet. Ich schlug ihm Urlaub, Krankheit, sonstige Abwesenheit oder schlicht unterwegs im Hause vor, was er aber nicht schlüssig fand. Mehr helfen konnte ich ihm nicht, da ich nicht allen unseren Mitarbeitern das Händchen halte und die sich bei mir an- und abmelden.
Schade eigentlich.

Mein kleiner Chef, von allen IT-Kollegen liebevoll „unser kleiner Diktator“ genannt, schickte mir heute eine Projektdatei. Nachdem ich ihn darauf hinwies, dass ich die Datei nicht öffnen könne, weil mir das passende Programm dazu fehlt, grummelte er kurz und kramte dann irgendwo noch eine Lizenz dafür her. Zwei Stunden später war das Programm auf meinem Rechner, ich öffnete die Datei und sie war – leer. Nix. Niente. Nada. Nüschd.
Small Boss wollte das nicht glauben und konnte sich erst durch direkten Blick auf meinen Rechner und besagte Datei von der Wahrheit meiner Aussage überzeugen. Aufgelöst fragte er mich dann, wo denn die Projektordner sind. Ich hatte sie ihm vor zwei Tagen mittig auf seinen Schreibtisch gelegt, nachdem ich jede der 500 Seiten einzeln abgezeichnet und dabei ordentlich meine Griffel zermatscht hatte. SB konnte sich spontan nicht an die Ordner erinnern, aber nach längerem Nachdenken fiel ihm ein, dass er die wohl mit einem anderen Projekt verwechselt hatte.
Er fragte mich daraufhin, ob ich denn den Projektplan hätte oder wüsste, wo er liegen könnte. Als ich verneinen musste, weil ich noch nicht mal weiß, wo die originalen Vertragsdokumente dazu liegen und alles Big Boss selber verfasst und eigenhändig ausgedruckt hatte, war bei Diktator Schluss. Der Verzweiflung nahe fragte er mich, was er denn jetzt machen solle, die Ordner müssten schließlich zur Geschäftsführung zur Unterschrift.
Sorry, aber außer 500 mal meinen Krakel zu setzen habe ich nichts weiter mit dem Vertrag zu schaffen gehabt. Da wird er wohl mal als stellvertretender Chef eine unangenehme Nachricht überbringen müssen.

Eine Kollegin, die im Normalfall schon recht eigen ist, kam heute gar nicht mehr mit der Welt klar. Ich denke bei ihr häufiger, dass sie Alkoholikerin ist, kann aber nix bei ihr riechen, evtl. ist sie hier auf Arbeit auch ständig auf Entzug. Aber so verpeilt, wie die hier ständig rumläuft, das kriegt man als normaler Mensch gar nicht hin. Heute durfte ich ihr wirklich wieder den Urschleim in unserem Buchungssystem erklären. Das ist so, als wenn du einem 10.-Klässler das kleine 1×1 beibringen musst. Das ist eine Buchhalterin, sie arbeitet täglich mit diesem Programm o.O

Und meine Lieblingskollegin darf natürlich auch nicht fehlen. Schon gar nicht an so einem Tag wie heute. Ihr heißgeliebter Chef ist im Urlaub, hat aber vergessen, für die Zeit seiner Abwesenheit eine Vertretung in unserem Buchungssystem anzulegen. Ob ich denn nicht bei der Vorgesetzten vom Cheffchen anrufen könne und sie fragen, ob nicht Person Y die Vertretung machen könne, wie in der Vergangenheit auch, und es dann entsprechend einrichten.
Klar, im Prinzip kann ich. Aber heute hab ich keinen Bock auf deren Mist und ich bin generell gegen das Prinzip Stille Post. Ich bat sie höflichst, sich selbst an die Vorgesetzte zu wenden und mir dann ihre hoffentlich positive Antwort per Mail (ich heb die Mails zur Absicherung auf, nicht, dass mir nachträglich jemand ans Bein pinkeln will, warum denn Person ABC die Rechnungen von Z einsehen konnte, etc.) weiterleiten. Und gerne richte ich das dann innerhalb kürzester Zeit für sie ein.
Seitdem hab ich von ihr nichts mehr gehört.

Dann war eine liebe Buchhaltungskollegin total verwirrt und scheiterte an der hohen Kunst der Rechnungsbearbeitung. Ich hab ihr die 3 Klicks abgenommen und wir sind uns einig. dass es vermutlich produktiver gewesen wäre, wenn uns die Geschäftsführung statt der 2 zugegeben sehr leckeren Kugeln Eis den Nachmittag frei gegeben hätte. Wer weiß, was für Blödsinn die restlichen Kollegen unabsichtlich verzapfen.

Und jetzt auf ins heißeste Wochenende dieses Jahres \o/