Vorzimmerdrache

Jetzt sitzt ich zwar bei meinem Chef mit im Büro, aber Feuer kann ich trotzdem ganz ordentlich speien. Besonders, wenn jemand versucht, meinen Chef oder mich oder gar uns beide zusammen zu ärgern!

Mein Chef ist derzeit für eine Woche im Urlaub. Hat er sich verdient und den soll er auch genießen. Und zwar in Ruhe. Dass er dennoch mindestens einmal täglich seine Mails checkt und diverse Anrufe anderer Kollegen entgegennimmt, kann ich nicht verhindern, es sei denn, ich lasse seinen VPN-Zugang sperren, worüber ich bereits ernsthaft nachgedacht habe. Ich finde, Urlaub ist Urlaub und es muss möglich sein, dass der Laden mal eine Woche ohne meinen Chef läuft.

Nachdem nun mehr oder wenige alle anderen wichtigen Personen im Unternehmen mitbekommen haben, dass mein Chef ganz 4 Tage nicht im Haus ist, packten sie ihm die Woche davor bis oben hin mit Terminen zu. Da ich krank war, konnte ich dagegen nicht viel ausrichten, vertraute aber darauf, dass quasi eine natürliche Auslese bei den Besprechnungsterminen stattfinden wird.
Allerdings sind nun all jene, die letzte Woche nicht mehr dran gekommen sind, äußerst erpicht darauf, sofort als erstes in der nächsten Woche angehört zu werden. So hagelte es eine Einladung nach der anderen und aktuell sieht der Kalender meines Chefs so aus, dass er durchgehend von Montag bis Mittwoch in allen verfügbaren Zeitslots mindestens zwei, meist sogar drei parallele Termine hat.

Was ich als unwichtig erachtet habe oder wo er nur optional eingeladen wurde oder wo zeitgleich Vorstandstermine angesetzt wurden, habe ich umgehend abgesagt. Dennoch sind viele Termine übrig, die ich nicht einschätzen kann und über die mein Chef am Montag selbst entscheiden soll.

Dennoch fühlen sich einige berufen, noch wichtiger zu sein und verlangen dann von mir, in dem eh schon übervollen Kalender trotzdem noch einen Termin reinzuquetschen und dafür andere Termine abzusagen. Sowas kann ich ja richtig gut leiden, da lauf ich sofort zur Höchstform auf. Meist reicht es, wenn ich diesen Experten schlicht den Kalender zeige und darauf hinweise, dass mein Chef sich nicht zerteilen kann und es einfach keinen freien Termin mehr gibt. Mitunter weise ich bei besonders hartnäckigen Exemplaren zusätzlich darauf hin, dass generell von meinem Chef verlangt wird, dass er Termine vor- und nachbereitet und wie er das bitteschön machen soll, wenn er pausenlos – im wahrsten Sinne des Wortes – in Besprechungen sitzt.

Der Kandidat heute war allerdings besonders lustig. Er meinte, ich könne doch die halbe Stunde vor dem wirklich ersten Termin für ihn blocken, da wäre ja nur Themenbearbeitung. Diese halbe Stunde steht nicht ohne Grund dort, denn wenn mein Chef hier nach einer Woche Abwesenheit wieder aufschlägt, dann stehen 5 Sekunden später 7 Leute an seiner Tür und wollen mit ihm sprechen. Da hat der gute Mann gerade mal seine Tasche abgestellt, aber noch nicht die Jacke ausgezogen oder gar seinen Rechner eingeschaltet. Und bis die 7 Personen verarztet sind, ist die halbe Stunde locker rum und er wird vermutlich zu spät zu seinem ersten Termin kommen. Und dort rein soll ich jetzt noch einen Termin knallen?

Ich denke nicht!

Das sagte ich dem Kandidaten, auch in dieser Ausführlichkeit und mit entsprechendem Nachdruck, woraufhin er trotzig rumbrabbelte, dass es hier schließlich um Kunde XY-Superwichtig ginge und wenn ich das denn verantworten könnte, dass das Gespräch nicht stattfindet, etc. blabla.

Oh ja, kann ich, weil es selbst mit Blocker unwahrscheinlich ist, dass das Gespräch genau zu diesem Zeitpunkt stattfindet – aus oben angeführten Gründen. Es werden sich vielleicht zwischen den Terminen kleine Zeitfenster für das Telefonat finden lassen, aber die auch nur spontan und vor allem mit der Möglichkeit, dass mein Chef überhaupt erstmal erfassen kann, worum es eigentlich geht.

Der Kandidat zog dann beleidigt ab und meinte im Weggehen, dass er eine Mail schreiben würde und dann solle mein Chef eben selbst entscheiden.

Ich kann nicht ausschließen, dass dies eine Drohung war, aber Drachen haben dicke Schuppen 🙂

© Foto von Flickr/Björn Rudner „Drache“, (CC BY-SA 2.0)

 

Adventskalender: Türchen 10 – Kalenderbilder

Da ich nur mittelmäßig gut organisiert bin in meinem Blog und nicht wie andere Blogger schon seit Oktober den Adventskalender vorbereitet habe, sondern wie so oft einem spontanen Impuls gefolgt bin, aber ich für den heute geplanten Beitrag weder Zeit noch schriftstellerische Kreativität aufbringen kann, da mir dieser ungeheure Zeitfresser namens Arbeit massiv in die Quere kommt und so ein Türchen ohne Inhalt oder gar kein Türchen auch keine Alternative sind, gibt es heute nur ein schönes Bild, welches ich auf Flickr entdeckt habe.

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Ganz so wie bei den früheren Adventskalendern, die aus Papier, wo man ein Türchen öffnete und dahinter ein Bild zum Vorschein kam. Die edleren Versionen hatten die Bildchen auf Transparentpapier gedruckt, so dass sie von hinten beleuchtet werden konnten, bspw. durch eine Kerze oder die Sonne, die durchs Fenster schien. Einer der Vorteile dieser Adventskalender ist, dass man sie jedes Jahr aufs Neue ohne großen Aufwand verwenden konnte, wenn man sie pfleglich behandelt hat.

© Beitragsbild von Flickr/sonic.knight „X-mas“, (CC BY-SA 2.0)

© Krippenfoto von Flickr/Michael Panse „Geburtskirche in Bethlehem (2)“, (CC BY-ND 2.0)

Erst oder Schon?

Ist es wirklich erst zwei Wochen her, dass mein Mann die Bombe platzen ließ oder sind es eher schon zwei Wochen. Die Zeit hält sich nicht mehr an ihre gewohnten Gesetzmäßigkeiten. Einerseits fließen die Tage an mir vorbei, monoton wie im Nebel und oft bin ich erstaunt, dass schon wieder so viele Stunden vergangen sind. Andererseits ziehen sich Tage wie Kaugummi, ich schaue auf die Uhr und sehe, dass anstatt der gefühlten 5 Stunden erst 3 Minuten vorbei sind. Genauso wie die Zeit schwanke ich zwischen den Extremen, absolute Hoffnungslosigkeit und gnadenloser Optimismus, manchmal im Minutentakt wechselnd.

Jedes Jahr zu Weihnachten schenke ich der Familie Fotokalender mit Bildern der Kinder. Diese Bilder wollen natürlich sorgfältig aus denen des vergangenen Jahres ausgesucht werden, was bei der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Fotos alles andere als einfach ist. Doch dieses Jahr war es eine echte Quälerei. Wir haben so viele schöne Bilder von gemeinsamen Erlebnissen, fröhlich lachende Kinder, die Grimassen schneiden und sich des Lebens freuen. Beim Anschauen dieser Bilder freue ich mich mit ihnen, habe die Momente, in denen sie entstanden sind, vor meinen Augen, habe den Geruch in der Nase, spüre die Sonne auf meiner Haut oder den Regen oder den Wind, erinnere mich an die dazu gesprochenen Sätze, höre das Lachen, muss selber lachen und im gleichen Moment versetzt es mir einen Stich ins Herz, wenn ich daran denke, dass wir solche Momente nie mehr zusammen erleben werden. Wir werden nicht mal mehr die Fotos zusammen anschauen und gemeinsam in den Erinnerungen schwelgen. Alles hat den faden Beigeschmack der Trennung an sich.