Sie werden so schnell groß

Der Große ist jetzt 9 Jahre alt. Die Kleene 4.

Seit einem guten Jahr geht der Große allein zur Schule und vom Hort wieder nach Hause. Er darf alleine in die Bibliothek um die Ecke gehen, um sich dort Bücher auszuleihen. Eventuelle Strafgebühren darf er von seinem Taschengeld bezahlen.

Sein Taschengeld beträgt 3€ pro Woche, entsprechend seiner Klassenstufe, wird also jeden Sommer automatisch erhöht. Um sein „Einkommen“ aufzubessern, darf er aller zwei Wochen den Hausflur fegen, gibt 2€, falls er anfängt, ihn auch noch zu wischen, bin ich bereit 5€ zu zahlen. Mit seinem Taschengeld darf er machen, was er will. Das letzte Mal hat er 12€ für 3 Lego-Zeitschriften ausgegeben.

In der Woche darf, wenn er seinen Ranzen gepackt und alle Hausaufgaben gemacht hat, runter in den Hof und dort bis 18:30 Uhr spielen. Am Wochenende darf er ebenfalls raus in den Hof, aber dann mit seiner Schwester, muss auf sie ein Auge haben und sie dürfen nur im hinteren Teil spielen. Heimkommzeit ist dann 18 Uhr. Der Hof ist eingezäunt und wenn irgendwas sein sollte, dann reicht Klingeln und wir sind sofort unten.
Bislang funktioniert dieses Arrangement reibungslos.

Heute durfte er das erste Mal zu einem Freund nach Hause gehen. Ich habe ihm extra einen Zettel für den Hort mitgegeben, dass er den Hort, anstatt wie üblich 16:30 Uhr, bereits um 15 Uhr verlassen darf. Er ging dann zu Bruno, zusammen mit Erik, weil Bruno eine Playstation mit 3 Controllern hat. Dort haben sie Minecraft gezockt, bis er um 18:30 Uhr nach Hause musste. Klappte tadellos.

Manchmal mache ich mir Sorgen, dass ihm auf den Wegen was passiert, er im Einkaufszentrum beklaut wird oder er von einem Auto angefahren wird. Andererseits zog ich, seit ich denken kann, in unserem gesamten Viertel (mal grob übern Daumen gepeilt so um die 9 km²) um die Häuser und besuchte reihum alle meine Klassenkameraden. OK, anderes Land und andere Zeit, aber Autos und doofe Menschen gab es auch schon damals.

Ich erinnere mich an die Infoveranstaltung im Februar, wo über die Schulformen und Bildungswege informiert wurde (Quintessenz: schicke dein Kind nur aufs Gymnasium, wenn es intellektuell und persönlich reif genug dafür ist; Mittelschule ist keine Schande.). Ein Junge, kaum größer und älter als der Rabauke erzählte, wie er jeden Tag mit der Straßenbahn quer durch die Stadt fährt, um in seine Sport(mittel)schule zu kommen. Mir machte das Angst.

Freunde von uns eskortierten ihre Tochter jeden Tag zur Schule, bis sie mit 14 oder 15 sagte, dass es sie nervte. Das Mädchen hatte vor allem Angst, traute sich kaum was zu und war unsicher wie sonstwas.
Wenn ich hingegen meinem Großen sage, dass eine Filiale unseres Lieblingsbäckers keine 100m entfernt aufgemacht hat und er jetzt wochenends die Brötchen holen darf, rollt er mit den Augen und meint, „och nö, das ist langweilig“.

Fazit: Elternsein ist eine ständige Gratwanderung zwischen Freiheiten ermöglichen und Schutz bieten.
Und ja, sie werden viel zu schnell groß!

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Kindernotdienst

Aus aktuellem Anlass habe ich über unsere Geschichte im Zusammenhang mit medizinischen Kindernotfällen nachgedacht. Großzügigerweise sage ich immer, dass der Große 7 Jahre benötigt hat, um das erste Mal ärztliche Notfallhilfe in Anspruch zu nehmen. Aber eigentlich stimmt das so nicht, denn es gab durchaus schon vorher Vorfälle, nur habe ich die gut verdrängt.

Der erste Vorfall ereignete sich – na klar – als ich nicht da war. Ich machte gerade eine Weiterbildung im Norden und hatte meine beiden Jungs für eine Woche alleine gelassen. Mitten in der Nacht bekam ich eine Nachricht, dass der Große sich irgendwas ins Ohr gesteckt hätte und das jetzt ganz furchtbar weh tun würde und was mein Mann machen solle. Nach Ohrennotdienst googeln, dort anrufen und dann hinfahren und nachschauen lassen. Machte mein Mann dann auch, da er aber keinen Führerschein hat und mitten in der Nacht kaum noch Busse und Bahnen fahren, nahm er ein Taxi. Der Arzt schaute ins Ohr, stellte eine massive Rötung fest, konnte aber keinen fremden Gegenstand finden. Dieser war vermutlich in der Zwischenzeit rausgefallen. Es gab Schmerzmittel und eine Belehrung ans Kindlein, sich nichts in Ohren oder Nase zu stecken.

Einige Zeit später, wir waren schon in der neuen Wohnung, aber noch zu dritt, hörte ich kurz vor Mitternacht ein leises Rufen aus dem Kinderzimmer. Als ich nachschaute, fand ich ein nach Luft japsendes Kind, welches kaum reden konnte. Wie er sich überhaupt bemerkbar machen konnte, bleibt bis heute ein Rätsel. Also wieder Google befragt und dann ab ins Auto zu unserer Kinderarztpraxis, die auch Notfallpraxis ist. Wir hatten Glück, es war gerade ein Arzt da, denn ein anderes Kind hatte auch einen Notfall und im Gegensatz zu uns vorher angerufen und sich angekündigt, so dass der Arzt sich auf den Weg zur Praxis gemacht hatte.
Noch bevor wir den Arzt überhaupt zu Gesicht bekamen, hatten wir einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen, auf dem eine ausführliche Erklärung zu Pseudokrupp stand. Der Arzt bestätigte bei der Untersuchung seine Vermutung, gab dem Kind ein Kortisonpräparat und schickte uns wieder heim.

Dann war eine ganze Weile Ruhe mit Notfällen, aber wir hatten ja genug mit der Doppelniere der Kleenen zu tun. Bis sich der Große sein Bein brach.

Tja, und dann fing die Kleene an, die Notfallärzte unserer Stadt aufzumischen. Zuerst kam der Anruf aus dem Kindergarten, dass die Süße sich selbst beim Spielen eine volle Ladung Sand ins Auge geworfen hätte (fragt nicht, wie sie das angestellt hat) und das Auge jetzt sehr rot und geschwollen sei. Ich war zum Glück gerade von der Arbeit freigestellt und konnte den Einsatz übernehmen. Fix nach einem Augennotdienst gegoogelt, direkt um die Ecke einen gefunden und ab dafür.
Da der Unfall im Kindergarten passiert war, wollte die Praxis jede Menge Angaben zur Einrichtung wissen. Ich telefonierte mich durch die Kiga-Verwaltung und bekam letztendlich alle Antworten, die ich benötigte. Die Süße wurde von einer sehr netten Ärztin untersucht, die feststellte, dass keine Fremdkörper mehr im Auge wären, aber eben die Oberfläche angekratzt und deswegen gerötet wäre. Sie gab uns eine Packung Einmal-Augentropfen mit und entließ uns mit guten Besserungswünschen.

Gestern nun kam wieder ein Anruf aus dem Kindergarten. Die Kleene sei beim Klettern abgerutscht und mit dem Mund auf die Kante der Rutsche geschlagen. Es hätte stark geblutet und wir sollten es vorsichtshalber kontrollieren lassen. Da ich mich gegen Mittag mit seltsamen Magen-Darm-Beschwerden von der Arbeit nach Hause geschleppt hatte und mein Mann seinen Resturlaub aus dem Vorjahr nahm, waren wir beide zuhause, ich allerdings im Dämmerschlaf auf der Couch.
Ich bat meinen Mann, nach einer Kinderzahnarztnotfallpraxis zu googeln, was er auch mit Erfolg tat. Gleich ums Eck war eine solche zu finden. Ich holte noch fix den Großen aus der Schule ab und verfrachtete ihn in die Bibliothek, dann fuhr ich zum Kindergarten.

Ich sah der Süßen an, dass der Aufschlag heftig war. Sie hatte immer noch verquollene Augen und so richtig freuen, dass ich sie abhole, wollte sie sich auch nicht. Sonst kommt sie immer mit offenen Armen auf mich zugestürmt, aber vermutlich saß ihr der Schock gestern noch zu sehr in den Knochen.
Ich schaute in den Mund und sah eine Wunde an einem der oberen Schneidezähne. Also dann doch lieber zum Zahnarzt. Der war schnell gefunden, die Parkplatzsuche dauerte ungleich länger. Am Tresen angemeldet und wieder eine Menge Formulare zum Ausfüllen bekommen. Die benötigten Angaben hatte ich ja alle noch vom letzten Mal parat.

Die Zahnärztin war sehr nett, schaute sich alles genau an und nahm dann folgende Bestandsaufnahme vor: Das Kindlein hatte alle für dieses Alter typische Zähne mitgebracht und alle auch an der richtigen Stelle und in der richtigen Formation. Yay!
Es hatte sich die Ober- und Unterlippe aufgeschlagen, das obere Lippenbändchen sowie das Zahnfleisch an einem der oberen Schneidezähne eingerissen. Alle Zähne wären aber fest, vermutlich weil die Lippen den Großteil des Sturzes abgefangen hätten. Es könnte passieren, dass der eine Schneidezahn grau wird, dann ist beim Sturz die Wurzel beschädigt wurden. Das mache bei Milchzähnen aber nichts. Es kann die nächsten Tage beim Zubeißen etwas weh tun, weswegen wir die richtig harten Sachen wie Äpfel oder Krustenbrot erstmal weglassen sollten.

Also, was haben wir jetzt in Notfall-Summe?

  • Hals-Nasen-Ohren-Arzt
  • Allgemeiner Kindernotarzt
  • Kinderchirurgie
  • Augenarzt
  • Zahnarzt

So wahnsinnig viele Spezialisten bleiben nicht mehr übrig.

Nicht zu Ende gedacht!

Einer der Fußballmütter des Heimatvereins meines Großen arbeitet bei der Jugendnothilfe unserer Stadt. Sie betreut dort vor allem Familien mit Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren. Oft genug passiert es, dass trotz aller Betreuung Kinder aus den Familien herausgenommen werden müssen. In diesem Fall kommen sie zuerst in eine zentrale Notbetreuung, von dort in eine Übergangspflegefamilie, um dann, so denn keine Besserung in der Stammfamilie in Sicht ist, in eine Langzeitpflegefamilie vermittelt zu werden.

Nun gibt es in unserer Stadt eine überdurchschnittlich hohe Zahl solcher Fälle. Zum einen, weil der Anteil der sozial schwachen Familien über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Zum Anderen, weil die Nähe zum osteuropäischen Ausland die Zahl der Crystal-abhängigen Eltern kontinuierlich steigen lässt. Wiederholt sind in der Vergangenheit kleine Kinder gestorben, weil ihre Eltern vollgedröhnt oder gar tot nicht mehr in der Lage waren, sich ausreichend um die Kinder zu kümmern. Das hiesige Jugendamt ist daher entsprechend sensibel und nimmt Kinder lieber zu früh als zu spät aus den Familien.

Besagte Mama arbeitet als Psychologin mit allen Beteiligten und erzählte mir während der letzten Fußballtrainings von ihrer Arbeit und auch davon, dass händeringend Pflegefamilien gesucht werden. Da ich aktuell auf Jobsuche bin und mich im Hinterkopf immer wieder mal mit dem Gedanken getragen habe, ein Pflegekind aufzunehmen, hörte ich aufmerksam zu und dachte ausgiebig über diese Option nach.

Letztendlich musste ich mich aber dagegen entscheiden und dies hat folgende Gründe:

  1. Während der Betreuungszeit wird kein Rentenanspruch aufgebaut.
    Wenn man als natürliches Elternteil in Elternzeit geht, um sich Vollzeit um das eigene Kind zu kümmern, bekommt man in dieser Zeit den durchschnittlichen Verdienst aller Deutschen als Rentenpunkte gutgeschrieben. Dies soll verhindern, dass die Kinderbetreuung die spätere Rente unnötig mindert.
    Betreut man allerdings ein Pflegekind, werden keine Rentenpunkte gutgeschrieben. Dies ist insofern problematisch, als das das Pflegeelter für die Pflege keiner geregelten Arbeit nachgehen darf.
    Der Träger, hier die Diakonie, gibt zwar einen Anteil (aktuell 40€ pro Monat) zu einem Rentenvorsorgeplan dazu, wer aber mal geschaut hat, wie viel Geld pro Monat eingezahlt werden muss, um einen Rentenpunkt zu bekommen, sieht sofort die eklatante Diskrepanz.
  2. Fehlende Krankenversicherung.
    Wenn man als Pflegeelter verheiratet ist, kann man sich über den Ehepartner familienversichern lassen. Ist man allerdings alleinstehend oder ist aus einem anderen Grund eine Familienversicherung nicht möglich, muss man sich selbst krankenversichern. Dies beträgt je nach Krankenkasse und Tarif um die 130€ im Monat.
  3. Kein zusätzliches Kindergeld.
    Der Träger behält das Kindergeld ein und verrechnet es quasi mit der Aufwandsentschädigung.
  4. Kein Pflegekind, kein Geld.
    Die Kurzzeitpflege ist eine Übergangslösung, es ist also normal, dass Kinder nach ein paar Wochen oder wenigen Monaten wieder gehen. Dann muss man als Pflegefamilie auf ein neues Kind warten. Während der Wartezeit erhält man kein Geld. Da man nicht absehen kann, wann ein neues Kind Hilfe benötigt, muss man selber sehen, wie man über die Runden kommt. Zwar sagt oben erwähnte Mutter, dass die längste Wartezeit während ihrer Betreuung 6 Wochen betrug, aber diese 6 Wochen müssen auch erstmal überbrückt werden.
  5. Zu schlechte Entlohnung.
    Aktuell gibt es hier etwas mehr als 1.500€ pro Monat für die Betreuung eines Pflegekindes. Dabei entfallen 500€ auf die Bedürfnisse des Kindes (Kleidung, Nahrung, Windeln, anteilige Miete, etc.), der Rest ist die Aufwandsentschädigung, wobei nicht nachgewiesen werden muss, dass man wirklich die 500€ dem Kinde zugute kommen lassen hat.
    Wenn ich jetzt bedenke, dass wir ca. 1.600€ von mir + das Gehalt meines Mannes benötigen, um halbwegs mit 2 Kindern um die Runden zu kommen, sind die 1.500€ für letztendlich 3 Kinder doch etwas mickrig. Zumal es keinerlei zusätzliche Zuwendungen gibt. So müssen der Urlaub oder andere Sonderlocken allein aus diesem Budget bestritten werden.

Es steht außer Frage, dass man für diese oft traumatisierten Kinder rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss. Aber dann sollte sich dies auch finanziell niederschlagen, sowohl in der monatlichen Aufwandsentschädigung als auch beim Rentenbeitrag. In der aktuellen Form geht Pflegefamilie nur, wenn der Partner einen entsprechend einträglichen Job hat und/oder man mit sehr viel Idealismus gesegnet ist. Beides ist bei uns nicht der Fall und damit fällt die Option Pflegefamilie flach.

Schade!

Nichts Neues!

Feuervogel hatte mich bei Achterbahn gefragt, ob es etwas Neues gibt und nach dem initialen

Nö, aktuell nicht.

merkte ich, dass die nachfolgende Antwort doch länger wird und einen eigenen Beitrag verdient. Also dann ein wenig ausführlicher.

Es ist vergleichsweise ruhig, aber irgendwo so, wenn man im Auge eines Tornados steht. Da kann jederzeit die Apokalypse wieder hereinbrechen. Die Stimmung auf Arbeit ist irgendwie seltsam, als ob alle den Atem anhalten.

Der erste Teil der Umzüge wurde in einer großen Hauruckaktion fast ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht. Auf der einen Seite freut es mich, dass die Mitarbeiter so großartige Arbeit geleistet haben, aber auf der anderen Seite wird damit ein völlig falsches Signal an die Geschäftsführung gesendet. „Seht her, wozu brauchen wir irgendeine Planung oder professionelle Helfer, wir kriegen das doch locker nebenbei aus dem Handgelenk geschüttelt.“ Dass meine Kollegin, die das ganze organisiert, kurz vorm Kollaps steht, sieht niemand der Entscheider.

Mit dem Umzug ist auch C1 an den neuen Standort gezogen und evtl. kann ich seinen Firmenparkplatz „beerben“. Das wäre toll, da ich derzeit immer halb illegal parke und Gefahr laufe, dass mein Auto abgeschleppt wird. Trotzdem ich das Fahrrad habe, werde ich an mindestens zwei Tagen pro Woche mit dem Auto auf Arbeit fahren, damit ich das Fußballtraining des Großen zeitlich besser gebacken kriege.

BK ist immer noch im Lizenzteam und macht weiterhin jede Menge Blödsinn. Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird, ich weiß aber auch nicht, ob C1 bereits mit C3 darüber sprechen konnte. Meine Einstellung ist, dass ich nur noch meinen Teil mache und alles, wofür ich nicht zuständig bin, geht zurück an BK. Wie sie es dann verbockt, ist allein ihre Entscheidung, ich werde mir da nicht mehr die Finger verbrennen.

Als nächstes habe ich für Mai ein Mitarbeitergespräch mit C3 geplant, wo ich um die Entfristung und eine Gehaltsanpassung auf die Gehaltsstufe meines Vorgängers bitten werde. Bis dahin sollte ich dann auch ein ruhigeres Büro und meinen seit Dezember genehmigten höhenverstellbaren Tisch gegen meine Rückenschmerzen haben. Beides bereits beantragt. Außerdem möchte ich eine generelle Schulung zum Thema Lizenzmanagement haben, da ich mich bislang nur mit selber angeeignetem Wissen und einer mickrigen Microsoft-Schulung durch die komplexen Strukturen wurschtel. Wird auch nur einer der Punkte nicht erfüllt, fange ich an, Bewerbungen zu schreiben.

Bis dahin kümmer ich mich um meinen Seelenfrieden, der in letzter Zeit massiv zu kurz gekommen ist. Dazu gehören unter anderem weitere Reiseblogeinträge und der Erfahrungsbericht zum neuen Zimmer unseres mittlerweile 3-jährigen und mächtig großen Mädchens. Nebenbei planen wir unseren Sommerurlaub, nachdem sich die Chinareise wohl zerschlagen hat. Da war vom chinesischen Kindergarten eine einwöchige Reise nach Nanjing geplant, wo deutsche Familien bei chinesischen Familien wohnen. Die Eltern würden auf dem Sofa schlafen, die Kinder auf Luftmatratzen in den Kinderzimmern und man käme hautnah in Kontakt mit dem chinesischen Alltag und dem Familienleben. Fanden mein Mann und ich eine klasse Idee und wollten ursprünglich noch ein oder zwei Wochen Individualurlaub hinten dran hängen und das Land erkunden, wo wir doch schon mal da wären, denn der Flug ist immer noch das Teuerste an so einer Reise. Leider hat der Kindergarten bisher auf keine unserer Anfragen bezüglich Kosten oder konkreter Planungen reagiert.

So machen wir nun 12 Tage Urlaub in Dänemark, wo genau wissen wir noch nicht, auch nicht, was wir uns da ansehen werden. Falls jemand Tipps hat: her damit.

Also wirklich Neues gibt es nicht 😉

Erste Liebe

Hach, die Liebe. So wundervoll. Und wie immer bei ersten Malen mit einem besonderen Zauber versehen.

Letzte Woche hole ich den Großen aus dem Hort ab und schau wie immer in seinen Ranzen, ob alles drin ist, was reingehört und ob in der Postmappe Schreiben der Klassenlehrerin, der Hort- oder Schulleitung liegen.
Wie ich so stöber, fällt mir ein kleines, selbstgebasteltes Büchlein in die Hände, welches mit pinkfarbenem Kräuselband zusammengebunden wurde.

Scherzhaft frage ich meinen Sohn, ob das denn ein Liebesbrief sei. Ganz stolz und überhaupt nicht schüchtern erzählt er mir, dass das von Zoe sei und auf dem ersten Bild sind er und Zoe zu sehen und jede Menge Herzen. Also ist Zoe jetzt deine Freundin, hake ich nach, was mein knapp 8-jähriger Rabauke bejaht.

Im Augenwinkel bemerke ich ein anderes Hortkind, das gerade Luft holen will, um eine dieser typischen abfälligen Bemerkungen zu machen oder in diesen nervigen Singsang zu verfallen: „Zoe und Großer, Zoe und Großer“. Man kennt das ja noch aus der eigenen Kindheit.
Um dem ganz schnell einen Riegel vorzuschieben, rufe ich, wie toll ich das finde und dass die Liebe doch was ganz Wunderbares sei. Und gerade in den heutigen Zeiten kann es gar nicht genug Liebe auf der Welt geben.

Aus dem Hintergrund ruft die Hortnerin: Oh, ja, das stimmt!

© Foto von Flickr/Evangelisches Schuldekanat Schorndorf/Waiblingen „Herz1“, CC BY 2.0

2016!

Letzter Tag des Jahres, da darf der Rückblick nicht fehlen. Weltpolitisch war das vergangene Jahr eher katastrophal, ebenso was die Promi-Überlebensrate anging. Aber so im Kleinen, im Persönlichen war das Jahr ganz gut. Zumindest gab es schon wesentlich schlimmere Jahre.

Allerdings wurde – mal wieder – das gesunde neue Jahr schnell ad acta gelegt, als ich mir das Steißbein brach. Es war recht schmerzhaft, heilte aber ganz gut.
Generell war das Jahr von Krankheiten geprägt, gefühlt war ständig einer von uns krank. Die Kindkranktage für die Kleene hatten mein Mann und ich bereits im Frühjahr aufgebraucht, der Große zog dann mit seinem Schienbeinbruch im Herbst nach. Der Krankenhausaufenthalt mit der Kleenen im August schlauchte wie üblich. Im Oktober/November war ich mehr oder weniger 3 Wochen am Stück krank mit Magen-Darm, Lumboischialgie und Angina, fein säuberlich hintereinander.

Genau zu jenem Zeitpunkt, als ich meine neue Stelle als Lizenzmanagerin antrat. Super Timing, aber was willste machen. Getoppt wurde das Ganze nur vom vereinten Kranksein der gesamten Familie zu Weihnachten und zumindest ich werde den Rotz mit ins neue Jahr schleppen. Da das aber zum Glück alles nichts wirklich Ernsthaftes war und ist, beklag ich mich nicht darüber, solange genügend Paracetamol im Haus ist!

Was mir dieses Jahr richtig zu schaffen machte, war das Zeitmanagement. Als Vollzeit arbeitende Mutter mit einem Kind, das zweimal die Woche zum Training muss, wenn das Training bereits um 16:30 Uhr anfängt ist ein bisschen wie Jonglieren mit laufenden Kettensägen. Zwei Tage die Woche konnte ich jeweils eine Stunde länger arbeiten, trotzdem verbrauchen die Trainingstage 1,5 Stunden von meinem Zeitkonto. Ich balancierte so gut es ging um die Null Stunden auf meinem Gleitzeitkonto, rutschte jedoch auch mehrmals ordentlich ins Minus.

Genau wie mein Bankkonto. Anfang des Jahres war es finanziell echt verheerend. Der Kinderzimmerumbau vom Großen hat ein großes Loch gerissen, auch wenn es sich gelohnt hat und dringend nötig war. Der Urlaub war ebenso nötig, doch nicht sonderlich zuträglich für den Kontostand. Besser wurde es erst gegen Ende des Jahres, als wir die Nachzahlung von der Steuer und das Guthaben der Nebenkostenabrechnung ausbezahlt bekamen.

Zwischenmenschlich war 2016 eher ruhig, wofür ich sehr sehr dankbar bin. Das Verhältnis zu meinem Mann hat sich soweit stabilisiert. Die Beziehung zum Großen ist wesentlich besser, fast freundschaftlich geworden. Die Kleene ist supersüß, wenn sie nicht rumzickt und immer noch superkuschlig.

Wir hatten einen tollen, wunderbaren, erholsamen, stressfreien Urlaub, der uns allen sehr gut tat. Wir überstanden alle Feiertage unbeschadet, yay.

Bis auf den wenig betrauerten Tod des Schwiegervaters gab es keine Verluste in der Familie und auch dafür bin ich sehr sehr dankbar.

Zusammenfassend war 2016 ein ruhiges Jahr ohne große Ausschläge, weder nach oben noch nach unten. Dies lässt sich auch gut im Blog nachvollziehen, wo es viele philosophische, nachdenkliche Beiträge gibt, für die ich nur Muße habe, wenn keine drängenden Probleme anstehen.

Ausblick auf 2017:
Am Thema Finanzen wird sich nächstes Jahr nicht viel ändern. Im März steht der Kinderzimmerumbau für die Kleene an, dessen voraussichtliche Kosten sich nach derzeitigem Stand auf um die 1.000€ bewegen wird. Dazu kommen immer noch die Raten fürs Auto, welches erst Ende 2017 abbezahlt sein wird. Dennoch wird es wieder einen Urlaub geben, das Ziel ist aktuell noch unklar, eventuell Polen oder Dänemark. Zwischenmenschlich bleibt es hoffentlich so, wie es ist. Und weiter gebloggt wird hier auch 🙂

Bleibt mir nur noch, euch allen einen guten Rutsch und ein fantastisches, gesundes, glückliches, entspanntes neues Jahr zu wünschen!

Neulich auf Facebook

Mitunter gebe ich mich diesem Neuland hin und bewege mich im Internet. Dabei bevorzuge ich Facebook als soziales Medium. Dort bin ich auf eine Gruppe gestoßen, deren Hauptaufgabe es ist, in diversen anderen Gruppen den Impfgegnern und Berufsschwurblern mit handfesten Argumenten Einhalt zu gebieten. Bekanntermaßen ist das ein äußerst enervierender und kraftraubender Akt und so werden in dieser Gruppe immer wieder mal völlig artfremde Diskussionen vom Zaun gebrochen. Katzenbilder gibt es übrigens jeden zweiten Tag 😉

Heute nun regte sich aus aktuellem Anlass ein Mitglied über alte Leute und ihre Marotten auf. Immer im Weg stehend, ständig grantelnd, damals war eh alles besser. Nun mag ich Verallgemeinerungen gar nicht, alte Menschen hingegen schon und äußerte mich entsprechend. Daraufhin wurde der Fokus korrigiert und auf grundsätzlich meckernde Menschen eingenordet. Und da kann ich mitreden. Gerne und viel! Und weil das eine geschlossene Facebookgruppe ist, kopiere ich meine Kommentare eine hier in diesen Blogpost. 🙂

Um mal eine Lanze für die Alten zu brechen: war heute (kurz) im Drogeriemarkt (Windeln) und meine kranke Tochter durfte einen dieser Kindereinkaufswagen schieben, der genauso wie seine größeren Brüder extrem schlechtgängige Rollen hatte und dadurch heftige Zickzacklinien fuhr. Eine der Omis freute sich über den Anblick, ging extra zur Seite und feuerte die Kleene an. Dazu lobte sie noch ihre tolle Mithilfe und hielt einen Miniplausch mit mir.

Zu den Ewig-Meckernden hab ich auch nen Beitrag:
Vor einigen Jahren waren mein Mann, mein frisches Kindlein (2 Monate) und ich zum Hexenbrennen bei den Sorben. Das ist eine nette Freiluftveranstaltung, den die sorbischen Studenten in Ossistadt organisieren, mit Speis, Trank und Musik und großem Lagerfeuer, bei der am Höhepunkt des Tages eine Hexe aus Stroh und Lumpen verbrannt wird. Dieses Ereignis dient den hiesigen Studentenelferräten als nettes, ungezwungenes Come-Together, zum gediegenen Biertrinken und vor allem zum Plauschen.
Als frischgebackene Mutter sind Kontakte außerhalb von Mamigruppen eher rar und so war ich dankbar, an diesem Event teilnehmen zu dürfen. Zu später Stunde saßen wir ums Lagerfeuer, das Kindlein schlief friedlich im Kinderwagen, wir schwatzten über Gott und die Welt, als uns auf einmal ein Mit-Elferrätler anging, was wir doch für Rabeneltern wären, dass wir um diese Zeit – es ging auf Mitternacht zu – noch mit dem Kind draußen wären und wir wären total verantwortungslos. Zur Erinnerung: wir saßen am Lagerfeuer, an frischer Luft, unterhielten uns, im Hintergrund spielte in Wohnzimmerlautstärke die Musik und das Kind schlief friedlich.
Ich wusste gar nicht, was ich darauf sagen sollte, so baff war ich. Selbst heute noch, knapp 7 Jahre später, regt mich diese Geschichte auf.

Wir feiern unseren Hochzeitstag traditionell beim Griechen. Find ich deshalb gut, weil mein Mann keinen Ouzo mag und ich seinen Gratis-Ouzo immer mittrinken darf, aber das nur nebenbei. 😉
Natürlich sind unsere Kinder immer mit dabei und wir sitzen da auch gerne mal länger. Die Kinder finden das Stillsitzen irgendwann doof und laufen durch das Restaurant. Die Kellner machen dann extra theatralische Gesten, wenn sie mit dem Essen um die Kinder balancieren. Anfangs hatte ich noch Angst, dass wir ermahnt würden, unsere Kinder doch am Platz zu behalten, weil sie den Betrieb stören würden.
Doch ganz im Gegenteil, zu späterer Stunde plauschten die Kellner mit uns und meinten, sie fänden es toll, dass wir die Kinder dabei hätten und auch um diese Uhrzeit. Sie könnten gar nicht verstehen, warum die Deutschen ihre Kinder immer so zeitig ins Bett bringen würden, in Griechenland wäre es völlig normal, dass die Kinder an Feierlichkeiten teilnehmen und auch bis spät aufblieben. Dann schenkten sie beiden Kindern noch einen Lutscher und wünschten uns einen schönen Abend.

Vielleicht habt ihr ja ähnliche Beispiele. Mit alten Menschen. Oder mit Jungen. Oder mit den Alt-Geborenen.

Wie geht ihr mit Einladungen und euren Kindern um? Wurdet ihr auch schon beschimpft? Oder seid ihr Befürworter der festen Bett-Geh-Zeiten?

Rosa ist scheiße

Ich habe mich ja auch hin und wieder schon aufgeregt, dass meine Tochter für einen Jungen gehalten wird, weil sie keine rosanen Klamotten trägt. Nicht, weil ich rosa nicht mag, aber weil mir dieses Rollenklischee gehörig auf die Nüsse geht und es teilweise sehr schwierig ist, überhaupt ansprechende Kinderkleidung zu finden, die eben nicht stereotypisch blau mit Autos oder rosa mit Herzen ist.

Neulich beim Schlüpferkauf – und ja, diese Teile heißen Schlüpfer oder Unterhosen, aber auf gar keinen Fall Schlübbis – ist mir das auf absurdeste Weise wieder aufgefallen. Es standen zur Auswahl: Grundton weiß, rosa oder pastelllila; Motive: Elsa aus Frozen oder Disney-Prinzessinnen oder Minnie Maus, in der Nicht-Markenabteilung kotzesüße Katzenbabies. Es fehlten: normale einfarbige Schlüpfer in bunt. Bei den Jungs geht das komischerweise. Der Große hat Unterhosen in knallbunt in orange, rot, grün, blau, grau, schwarz, mit Smileys oder Streifen, eher selten mit Autos oder Raketen.

Nun bin ich nicht die Einzige, die das nervt und jetzt hat es eine Journalistin professionell auf den Punkt gebracht:
Rosa ist scheiße

Noch ein wenig amateurhaft ärgert sie sich im Beitrag, dass sie sich entweder ständig erklären muss oder für merkwürdig gehalten wird. Da ich auch ohne Kinder für merkwürdig gehalten werde, prallten solche Resentiments schon immer an mir ab. Mit dem restlichen Artikel spricht sie mir allerdings voll aus der Seele. Vor allem, was den unterschiedlichen Umgang mit Mädchen und Jungs angeht.

Unser Mädchen hat die Bagger- und Traktorensammlung ihres großen Bruders geerbt. Sie hat mehr Schrammen an Knien und Schienbeinen als ihr Bruder, nicht weil sie ungeschickter ist, sondern wagemutiger und damit auch öfter mal auf die Nase fällt. Der Große wollte früher lange Haare haben, damit er Haargummis und – spangen verwenden kann, hat er bekommen. Nagellack wollten beide, haben auch beide bekommen. Ich ermahne meine Tochter nicht, dass sie sich nicht schmutzig machen soll, sondern ziehe ihr stattdessen robuste, erdfarbene Klamotten an. Ihr Lieblingsshirt ist grün und hat ein Kermitbild drauf. Das Lieblingsshirt des Großen ist gelb und trägt den Schriftzug „Auf Forschungsreise, bitte nicht stören“.

Es sind Kinder, sie wollen die Welt entdecken, auf ihre Weise, ungestüm oder beobachtend, immer neugierig, neuen Sachen grundsätzlich aufgeschlossen, solange immer genügend Gummibärchen vorrätig sind. Warum sollte dieser Forschungsdrang in eine Geschlechterrolle gepresst werden, wo Mädchen nur mit Puppen und Jungs nur mit Autos spielen dürfen? In dieser ganzen Diskussion muss ich dauernd an zwei Memes denken, die in schöner Regelmäßigkeit in meiner Facebooktimeline auftauchen:

  • „Das ist aber ein süßer Junge.“
    „Das ist ein Mädchen.“
    „Aber es trägt blau.“
    „Ja, wir erziehen unser Kind zweifarbig.“
  • „Vorsicht, dein Junge spielt mit einer Puppe, er könnte schwul werden.“
    „Ja und? Er könnte auch einfach ein guter Papa werden.“

Leider wird, und das wird im Artikel auch angesprochen, sehr viel Einfluß von der Umgebung ausgeübt. Im Kindergarten, in der Schule, auf dem Spielplatz, wo auch immer, überall werden die Kinder mit den althergebrachten Stereotypen konfrontiert und müssen sich dann rechtfertigen. So kam mein Großer letztens sehr geknickt aus der Schule. Nach einigem Herumdrucksen rückte er endlich mit der Sprache heraus, dass ihn die anderen Kinder in der Schule ausgelacht hatten, weil er Glitzersachen mag. Seitdem will er partout nichts glitzriges oder glänzendes mehr haben und seine Bilder verziert er nicht mehr wie sonst mit Glitter, nur noch mit Buntstiften und da ja keine Pastelltöne. Und seine Winnie-Pooh-Brotdose findet er doof, weil ein Junge ihn deswegen gehänselt hat.

Mich macht das sehr sehr traurig.

Fassungslos!

Heute nur ein kurzer Aufreger zwischendurch, weil ich gerade eine kurze Weiterbildung besuche und noch für die morgige Prüfung lernen muss.

In eben jener Weiterbildung stehen wir in der Pause in der Teeküche und ich unterhalte mich mit einem Kollegen, der zufällig auch bei der Weiterbildung dabei ist und der mich vor ein paar Wochen bei einem Kinderfußballspiel gesehen hatte, wo sein Kind in der gegnerischen Mannschaft spielte. Da ich überhaupt nicht auf fremde Eltern geachtet habe, hatte ich ihn völlig übersehen.

Wir fachsimpeln so über die Schwierigkeiten bei der F-Jugend, als sich die Dozentin dazu stellt, ganz offensichtlich bestrebt, ein wenig Smalltalk zu betreiben. Sie hatte sich kurz zuvor als Informatikerin vorgestellt, die mehrere Programmiersprachen beherrscht, sich bei Datenbanken und Webdesign auskennt und in einer Großstadt über viele Jahre hinweg den gesamten Webauftritt verantworten hatte.

Weil sie ein wenig ratlos drein schaut, da sie unser Gespräch nicht so recht einordnen kann, erkläre ich kurz, dass es um Fußball geht und unsere Kinder eben in der F-Jugend spielen.

Sagt sie doch darauf: „Ach, damit kenne ich mich gar nicht aus, ich habe nur Mädchen als Kinder.“

Ehrlich, mir hat es ein wenig die Sprache verschlagen. In Zeiten, in denen die Damennationalmannschaft gerade eben die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen geholt hat, wo Champions League Spiele der Damen (zumindest die Finale mit deutscher Beteiligung) live im Fernsehen übertragen werden und jeder halbwegs brauchbare Verein ohne Probleme Mädchen aufnimmt und in den höheren Altersklassen eigene Frauenmannschaften hat, kommt eine Informatikerin, eine Frau die sich ganz offensichtlich nicht für einen konventionellen Frauenberuf entschieden hat, mit so einem Spruch um die Ecke.

Da hat der Feminismus noch einen langen Weg vor sich!

Wie schaffen die anderen das?!

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe und völlig gleich, auf welche persönlichen Belange ich verzichte, am Ende des Tages sind immer noch zu viele unerledigte Aufgaben übrig.

Ein typischer Wochentag sieht derzeit bei mir so aus:

  • 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Dies ist der frühestmögliche Zeitpunkt an dem ich so etwas ähnliches wie ausgeschlafen bin und meiner Umgebung nicht mehr zwangsläufig schade. Experimente mit früheren Aufstehzeiten sind grandios gescheitert, entweder weil ich verschlafen hatte oder den ganzen Tag dauergrummelnd und -motzend herumgelaufen bin.
  • 7:10 Uhr wird das große Kind geweckt. Es ist zum Glück mittlerweile in der Lage, selbstständig aufs Klo zu gehen und sich danach die Klamotten anzuziehen, die ich ihm kurz zuvor rausgelegt habe. Experimente, die Auswahl der Anziehsachen dem Kind zu überlassen, scheitern regelmäßig, da bei -10 Grad die kurzen Hosen und bei +35 Grad der Rollkragenpullover gewählt werden. (Kein Scherz, beides exakt so geschehen.)
  • 7:25 Uhr bin ich hoffentlich mit meiner Morgentoilette fertig und kann mich der Draußenwelt präsentieren. Das Kind übernimmt jetzt das Bad, putzt sich die Zähne und befummelt seine Frisur.
  • 7:30 Uhr schmiere ich die Frühstücksbrote für die Schule, fülle die Wasserflasche auf, überprüfe nochmals den Ranzeninhalt.
  • 7:35 Uhr laufen wir los zur Schule.
  • 7:40 Uhr sind wir wieder daheim, weil die Sporttasche vergessen wurde. Manchmal überspringen wir diesen Punkt, weil uns auf dem Schulweg nicht auffällt, dass der Turnbeutel noch daheim liegt.
  • 7:45 Uhr liefer ich das Kind an der Schule/Straßenecke/auf halbem Weg ab und hetzte zurück zur Bushaltestelle.
  • 8:00 Uhr piepse ich mich auf Arbeit ein. Wenn ich den 48er Bus verpasst habe, kann es auch mal 8:10 Uhr sein, wenn der Bus noch Verspätung hat, 8:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich schon, ob ich an diesem Tag Minusstunden (oder -minuten) machen werde.
  • 16:35 Uhr piepse ich mich wieder auf Arbeit aus.
  • 16:38 Uhr kommt der Bus. Sagt der Fahrplan. Die Realität packt 3-10 Minuten drauf.
  • 16:57 Uhr hole ich das Kind aus dem Hort ab. Der Große ist typischerweise das letzte Kind, die Hortnerin hat schon die Handtasche über der Schulter, der Hausmeister wischt gerade den letzten Treppenabsatz.
  • 17:10 Uhr gehen wir im Supermarkt um die Ecke kurz einkaufen, weil wir sonst zum Abendbrot nur trocken Brot haben. Oder trocken Wurst, je nachdem, was gerade ausgegangen ist.
  • 17:45 Uhr kommen wir in der Wohnung an. Der Große bettelt, dass er ganz dringend noch eine Runde im Hof spielen will, also lass ich ihn, bis der Papa mit der Kleenen nach Hause kommt.
    In der Zwischenzeit mache ich mir etwas zu trinken und werfe eine Maschine Buntwäsche an.
  • 18:15 Uhr kommt der Rest der Familie nach Hause. Große Freude ob des Wiedersehens.
  • 18:30 Uhr bereiten wir das Abendbrot vor, decken den Tisch, räumen all die leckeren Sachen aus dem Kühlschrank auf den Esstisch. Die Kinder helfen fleißig mit. Die Süße kippt die offene Wurstpackung aus, der Große muss ganz dringend aufs Klo.
  • 18:45 Uhr gibt es Abendbrot. Die Kleene kann sich nicht entscheiden, was sie haben möchte und heult stattdessen lieber rum. Der Große mault, dass ausgerechnet das nicht da ist, worauf er gerade Appetit hat. Bloß gut, dass wir eine Stunde zuvor im Supermarkt waren, wo wir eben dies hätten mitbringen können. Als ich ihn auf diesen Umstand hinweise, heult auch er.
  • 19:15 Uhr ist die Kleene mit dem Abendbrot fertig und schmiert ihre fettverkrusteten Hände am Sofa ab, während ich ins Bad renne, um einen Waschlappen für eben jene Hände zu holen. Der Große hockt vor zwei belegten Scheiben Brot, offensichtlich pappsatt, aber weil er dies nicht zugeben möchte, knabbert er immer wieder an einer der Brotscheiben herum.
  • 19:30 Uhr räumen wir den Abendbrottisch wieder ab. Der Große starrt immer noch seine Brotscheiben an, die Kleene ärgert die Katze, die daraufhin die Krallen ausfährt und sie kratzt. Die Kleene heult.
  • Um 19:45 Uhr breche ich das Abendbrot ab, von den zwei angeknabberten Brotscheiben sind noch 4/5. übrig. Der Große wird zum Zähneputzen und Schlafanzug anziehen weggeschickt. Ich schnappe mir die Kleene und bereite sie aufs Bett vor.
  • 20:00 Uhr sind beide Kinder bettfertig. Es werden ausgiebige Gutenachtwünsche und Küsse verteilt. Dann bringe ich die Süße ins Bett, während mein Mann den Großen in sein Zimmer bringt und ihm noch eine Gutenachtgeschichte vorliest.
  • 20:15 Uhr beginnt quasi unser Feierabend. Ich checke meine Emails, rege mich über irgendwelchen Unsinn tierisch auf. Überfliege kurz Facebook, rege mich über den Unsinn auf, der da gepostet wird. Nebenbei läuft irgendeine Serie. Es ist völlig egal welche, wir kriegen eh nichts vom Plot mit.
  • 21 Uhr checke ich den Ranzen des Großen, überprüfe das Hausaufgabenheft und die Postmappe, finde einen Elternbrief samt Belehrung, die wir unterschrieben vorgestern hätten abgeben müssen und eine Mathehausaufgabe, die bis morgen erledigt werden müsste. Ich wappne mich für den Eintrag der Lehrerin, dass ich das Schreiben – mal wieder – verspätet abgegeben habe und hoffe inständig, dass der Große am Nachmittag im Hort die Hausaufgaben gemacht hat.
  • 21:30 Uhr fällt mir die Wäsche in der Waschmaschine ein. Mir fällt auch ein, dass beide Wäscheständer mit trockener Wäsche voll belegt sind, ich diese aber nicht wegräumen kann, weil ich dann eines oder beide Kinder wecken würde. So verschiebe ich Wäsche abnehmen und aufhängen auf den nächsten Tag.
  • 22 Uhr lese ich die neuen Blogbeiträge bei WordPress oder den interessanten Zeitungsartikel, der mir per Chat geschickt wurde oder klicke mich durch ein Quiz, dass mir wieder mal sagt, ich wäre ein Hufflepuff, obwohl ich im Innersten genau weiß, dass ich ein Gryffindor bin.
  • Um 23 Uhr stelle ich entsetzt fest, dass es bereits 23 Uhr ist und ich doch vor einer halben Stunde ins Bett wollte. Also lese ich fix den Artikel zu Ende, verkneife mir einen weiteren Kommentar in einer spannenden Diskussion und mache mit bettfertig.
  • 23:30 Uhr liege ich erschöpft im Bett und denke daran, dass ich noch Gymnastikübungen für den Rücken machen wollte, damit die Ischiasreizung nicht wieder kommt. Weil ich aber zu müde bin, reicht es nur, um mein Harry Potter Hörbuch anzuwerfen. Da ich mich nur noch an das Kapitel, aber nicht mehr die genaue Stelle erinnern kann, an der ich am Vorabend eingeschlafen bin, höre ich mir zum 5. Mal den selben Satz an.
  • 23:33 Uhr bin ich eingeschlafen.

Leider sind diese Tagesabläufe eher theoretisch. Die letzten Wochen war ich Montags immer mit dem Großen in der Stadt, dringende Einkäufe für die Schule erledigen oder Termine wahrnehmen. Dienstags und Donnerstag holt mein Mann den Großen vom Hort ab, da darf ich länger arbeiten. Je nach Einpiepszeit am Morgen schaffe ich 45-55 Minuten extra. Wenn ich länger als eine Stunde mehr arbeite, wird mir ab der 60. Minute 15 Minuten zusätzlicher Pause abgezogen, so dass ich mindestens 9 Stunden und 16 Minuten arbeiten muss, um überhaupt einen Nutzen zu haben. Wie an anderer Stelle erwähnt, bekomme ich Mehrarbeit erst ab Minute 31 gutgeschrieben, so dass ich, wenn ich nach 8 Stunden und 25 Minuten Nettoarbeitszeit auspiepse 25 Minuten der Firma schenke. Völlig beklopptes System, aber wohl rechtlich in Ordnung.

Mittwochs und Freitags hat der Große Fußballtraining, welches um 16:30 Uhr beginnt. Um mein Kind pünktlich zum Trainingsstart in Fußballmontur auf dem Feld stehen zu haben, muss ich spätestens um 15:35 Uhr von Arbeit los. Wenn dann alles passt, kann ich das Kind um 15:55 Uhr aus dem Hort mitnehmen. Sollte er draußen rumtoben und ich ihn erst suchen müssen, kann es sein, dass wir erst 16:10 Uhr vom Hort wegkommen. Dann nach Hause, umziehen, ins Auto, ab zum Sportplatz. Bei optimalem Verlauf sind wir 16:25 Uhr auf dem Trainingsgelände, bei suboptimalem erst 16:45 Uhr, weswegen ich versuche, einen Bus eher zu erwischen, was aber eben auch 20 Minuten weniger Arbeitszeit bedeutet. Da ich es mit viel Glück auf 1 3/4 Stunden Mehrarbeit pro Woche bringe, aber durch die Trainingszeiten jeweils mindestens eine Stunde einbüße, mache ich im Schnitt eine halbe Stunde pro Woche minus.

Zum Glück hat sich die Frau des Trainers bereit erklärt, den Großen Mittwochs aus dem Hort abzuholen und zusammen mit ihrem Sohn zum Training zu bringen. Wir hatten es erst mit den Eltern eines Klassenkameraden, der in der gleichen Mannschaft trainiert, probiert, aber dort gab es Missverständnisse, weil jene Eltern von einer einmaligen Sache ausgingen, während ich der Meinung bin, klar kommuniziert zu haben, dass dies jeden Mittwoch so wäre. Da ich niemandem zur Last fallen möchte und mich zudem noch der Hort wegen des Aufstands der Mutter in der zweiten Woche angerufen hat, fiel diese Option flach. Glücklicherweise sprang die Trainerfrau ein, da sie wohl eh immer Mittwochs in der Gegend wäre und da könnte sie den Großen problemlos mitnehmen. Das rettet mir ungefähr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit und wenn es gut läuft, stehen am Ende der Woche +20 Minuten auf meinem Arbeitszeitkonto.

Wenn es gut läuft. Und nichts dazwischen kommt. So wie diese Woche, wo wir die Sporttasche mit den Trainingssachen, der direkt neben dem Schulranzen stand, am Morgen vergessen hatten, mitzunehmen. Weil ich nicht wollte, dass mein Kind ohne Schienbeinschoner spielt – der Rest ist mir absolut rille – bin ich eine halbe Stunde eher als geplant los, nach Hause geeilt, die Sporttasche eingesackt und zum Sportplatz gerast. Nur eine Viertelstunde nach Trainingsbeginn war ich da und echt stolz, es so schnell geschafft zu haben, um dann festzustellen, dass das Kindlein neben einem kompletten Trikotsatz richtige Fußballschuhe und Schienbeinschoner geborgt bekommen hat. Die Mama erzählte mir dann, dass sie mittlerweile 4 komplette Trikotsätze hätten und das überhaupt kein Problem wäre.

Ich stellte mir die Frage, wie sie das machen. Unser Kind hat gerade mal den Trikotsatz vom Verein, aber nicht ein einziges irgendeiner Profimannschaft. Wir können uns die 70 oder mehr Euro für ein Shirt schlicht nicht leisten. Und das, obwohl ich 40 Stunden und mein Mann zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten geht und wir beide mehrere Euros überm Mindeststundenlohn liegen. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht, wie ich hier im Blog oft genug erwähnt habe. Dann höre ich, dass die Trainerfamilie (Mutter, Vater, Kind) ein Haus gebaut hat, ein Sky-Abo besitzt, ein Auto aus deutscher Produktion fährt und zweimal pro Jahr in den Urlaub fliegt. Ich gönne ihnen das, ich bin auch nicht neidisch, nur stelle ich mir eben die Frage, wie sie das schaffen. Und warum wir das nicht hinkriegen.

Aufgrund der sehr knappen Zeit in der Woche müssen wir einen Großteil der Dinge am Wochenende erledigen. Wäsche waschen, Einkaufen, Wohnung putzen. Wenn ich dann erzähle, dass ich den Großen am Wochenende eben nicht auch noch zum Ligaspiel fahren kann, weil da ein halber Tag drauf geht, werd ich seltsam angeschaut. Immerhin wurde mir von einer anderen Mama angeboten, den Großen abzuholen und zum Ligaspiel zu fahren. Damit kann ich leben, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, dass wir das nicht selber hinbekommen. So habe ich aus lauter Verzweiflung zugesagt, am kommenden Wochenende das Kind wieder selber zum Spiel zu begleiten. Bedeutet um 7 Uhr aufstehen am Sonntag, um 8 Uhr auf dem Sportplatz sein, um 9 Uhr startet das Spiel, um 10:30 Uhr ist Spielende, um 11 Uhr kommen wir vom Sportplatz weg, um 11:30 Uhr sind wir pünktlich zur Sendung mit der Maus daheim. Dann ist Mittagsschlaf, wo Lärm machen tabu ist. So komm ich erst gegen 16 Uhr dazu, zusammen mit meinem Mann die Wohnung zu putzen. Um 20 Uhr werde ich das Badezimmer feudeln und mir um 20:30 Uhr mein erkaltetes Abendessen aufwärmen und versuchen, die erste halbe Stunde des Sonntagsfilms aus dem Restprogramm zu eruieren.

Sollte an einem solchen Wochenende noch ein Heimspiel des lokalen Bundesligavereins stattfinden, wird jegliche Planung über den Haufen geworfen. Da gehen inklusive An- und Abreise locker 6 Stunden drauf und erfahrungsgemäß können wir an solchen Tagen sämtliche andere Vorhaben vergessen. Da bin ich doch echt dankbar, dass Heimspiele nur aller zwei Wochen vorkommen und dieser Rhythmus durch Länderspiele zusätzlich unterbrochen wird.

Und als wenn die Wochen nicht schon dicht genug gepackt sind, kommen in den nächsten Monaten weitere Zeitfresser hinzu. Wenn ich die Rehasportmaßnahme von der Krankenkasse genehmigt bekomme (Termin dazu am nächsten Montag um 17:15 Uhr), bin ich im nächsten halben Jahr Dienstags und Donnerstag ab 18 Uhr für 1,5 Stunden damit beschäftigt, meinen Rücken zu stärken. Ich benötige einen Routinezahnarzttermin. Ab Herbst, also quasi heute, muss ich mich wieder um die 2. Folge der Hyposensibilisierung kümmern. Das ist immens wichtig, denn mein allergisches Asthma wird mit jedem Tag schlimmer und aktuell röchel ich in bester Darth Vader Manier vor mich hin, Asthmaspray hin oder her. Die Hyposensibilierung geht nur nachmittags, früh schaff ich es wegen Schulstarttermin und Kernarbeitszeit nicht und ich muss bis spätestens 17 Uhr beim Arzt sein, da ich ja jedes Mal eine halbe Stunde vor Ort warten muss, ob sich eine allergische Reaktion zeigt. Entweder ich lege das auf Dienstag oder Donnerstag, wo ich kinderfrei und so mehr Zeit zur Verfügung habe, damit aber riskiere, beim Rehasport nicht richtig mitmachen zu können, weil der Arm wegen der Injektion zu weh tut, oder ich probiere Montag, muss dafür aber eher von Arbeit los, weil ich den Großen ja noch aus dem Hort abholen muss.

Dann merke ich, dass dieser ganze Terminstress mir sehr aufs Gemüt schläfgt und ich würde gerne meine Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin weiter führen. Den spätesten Termin, den sie mir anbieten kann ist 15:30 Uhr. Da sie am anderen Ende der Stadt ihre Praxis hat, müsste ich sogar die Kernarbeitszeit, die bis 15 Uhr geht, verletzen, um den Termin wahrnehmen zu können. Was das mit meinem Arbeitszeitkonto macht, darüber möchte ich nicht mal ansatzweise nachdenken.

Beim letzten Elternabend empfahlen uns die Mathematik- und die Deutschlehrerin, dass wir mit den Kindern üben sollten. Jedes Wochenende ein Diktat, eine Leseübung und eine einseitige Rechenübung. Bei Bedarf gerne mehr. Vor den angekündigten Lernzielkontrollen (früher hieß das Klassenarbeit) müsste der Stoff mit den Kindern wiederholt werden. Dies alles ist nötig, weil die Bewertungsmaßstäbe so extrem hoch angesetzt sind. So gibt es nur bei erreichten 95% eine 1, bis 80% eine 2, bis 65% eine 3, bis 45% eine 4, bis 25% eine 5, darunter 6. Bei einem Diktat oder bei unangekündigten Kurzkontrollen gibt es die 1 nur bei 0 Fehlern.
Nichtüben verschafft uns mehr Luft, verbaut dem Kind aber auch die Chancen, also ist es keine Option. So werden wir dies also auch noch mit ins Wochenende stopfen.

Ja, ich weiß, eine Lösung wäre, verkürzt arbeiten zu gehen. Aber das ist finanziell nicht drin. Ich bin Hauptverdiener, von meinem Konto gehen sämtliche Fixkosten (Miete, Internet, Kindergarten, Hort, Versicherungen, Steuer, Kredit, etc.) ab, so dass am Ende nur um die 300 Euro an frei verfügbarem Geld übrig bleiben. Bei Teilzeit würde dieser Betrag gegen Null gehen, es gäbe keine Urlaube mehr, keine Klamotten für die Kinder, keine Fußballdauerkarten, keine Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke.

Und erneut frage ich mich, wie schaffen andere das? Meine Cousine und ihr Mann haben ein Haus gebaut. Er ist angestellter Handwerker, sie Rettungssanitäterin, beides durchaus ehrenwerte Berufe, aber keine, die den großen Reichtum mit sich bringen. Dennoch haben sie das Haus. Und egal, ob meine Mama meint, dass sie das Grundstück billig bekommen haben und er als Handwerker Hinz und Kunz kennt und die kostengünstig beim Bauen mitgeholfen haben, das Haus wird dennoch mindestens um die 100.000 Euro gekostet haben. Ein Betrag, den wir nie aufbringen könnten bzw. bei dem wir uns über 20 Jahre per Kredit an eine Bank binden würden, was mir völlig widerstrebt. Denn wenn mir mein Lebenslauf eins gelernt hat, dann dass nichts so beständig ist wie die Veränderung. Das Maximum, was wir derzeit verkraften ist der Kredit fürs Auto, welcher genau 2 Jahre lang läuft, genauso lang wie mein befristeter Arbeitsvertrag. Mag mein Chef noch so oft sagen, dass er mich so bald es geht entfristet, ich plane aktuell nicht länger als bis Oktober 2017.

Also kämpfe ich mich durch den Alltag, immer gehetzt von einem Termin zu anderen, die aktuellen Busfahrpläne, mein Arbeitszeitkonto, den nächsten Spieltag und die Arztöffnungszeiten im Hinterkopf.
Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal in Ruhe und mit Genuss einen Spielfilm angeschaut haben. Oder etwas mit unseren Freunden unternommen. Oder ausgeschlafen. Oder jenseits des Urlaubs entspannt.
Das letzte Mal mit meinem Mann intim? Ich würde laut loslachen, wäre ich nicht so erschöpft.

Dann sehe ich auf Facebook ein Foto eines Regenbogensmartieskindergeburtstagskuchen, selbstgebacken und wunderschön und breche in Tränen aus, weil wir es nicht mal hinbekommen, eine Kindergeburtstagsfeier zu organisieren, bei der ein solcher Kuchen den Höhepunkt darstellen könnte …

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