No sleep till Brooklyn

Das Kindlein verweigert den Mittagsschlaf, welchen ich allerdings ganz dringend benötige, um überhaupt was gebacken zu bekommen, wie in Ruhe duschen, Behördenkram erledigen oder Monster erlegen.

Zum Thema Behörden: Letzten Dienstag habe ich mich online offiziell beim Arbeitsamt als arbeitssuchend zum 1.7.2015 gemeldet, am Donnerstag kam ein Anruf von der Agentur, wo ein paar Angaben abgefragt wurden. Es ging vor allem um meinen letzten Arbeitgeber, der der Agentur noch nicht bekannt war, alles andere wäre ja noch in meinem Profil gespeichert. Am Sonnabend kam ein dicker Umschlag mit Unmengen an Formularen, die ich doch bitte ausfüllen solle. Unter anderem wird ein kompletter Lebenslauf inklusiver sämtlicher Zeugnisse in Kopie gefordert. Und zwar bis morgen. Persönlich abzugeben oder per Post.

Geht’s noch?!

Dafür, dass ein möglicher Termin mit meinem Arbeitsvermittler frühestens im Mai kommt, finde ich den Zeitraum ein klitzekleinwenig knapp. Außerdem habe ich alle Daten elektronisch vorliegen, warum kann ich sie im digitalen Zeitalter, in dem wir uns angeblich befinden, nicht per Email schicken oder über eine Portalseite hochladen? Zumal es ja nur um die beiden letzten Arbeitgeber geht, denn alles andere sollte noch in meinem Profil hinterlegt sein.

Dann geht es morgen Vormittag zum Kinderarzt, MMR-Impfung abholen, damit wir den Kindergartenstarttermin auch wahrnehmen können. An sich wollten wir heute nachmittag zum Arzt, aber der Sturm hat uns zum Umdenken bewogen. Unterstützt wurde diese Entscheidung dadurch, dass heute nur lauwarmes Wasser aus der Leitung kam und ich eine zu große Memme bin, als das ich mich bei weniger als 38 Grad unter den Wasserstrahl stelle.

Aber sonst ist alles gut. Oder so 😉

Aufreger

Eigentlich sollte hier an dieser Stelle ein Beitrag mit dem Titel „Sprachlos“ erscheinen. Er sollte davon berichten, wie mir in den letzten Tagen die Sprache abhanden gekommen ist, dass mir weder einfällt, was ich an neuen Beiträgen schreiben könnte, noch was ich auf Beiträge meiner lieben BloggerkollegInnen antworten soll. Stattdessen begnüge ich mich mit Likes, um anzuzeigen, dass es mich noch gibt und ich durchaus die Leben der mir liebgewordenen Mitmenschen verfolge.

ABER dann kreuzte doch tatsächlich etwas meinen Weg, dass meine Lebensgeister ein wenig weckte. Und natürlich kam es in Form eines Aufregers daher:

Also nicht der SZ-Beitrag regt mich auf, sondern die Kommentare der Impfgegner, welche den Beitrag haargenau bestätigen.

In diesem Zusammenhang empfehle ich folgende Links:

http://kinderdoc.wordpress.com/2014/03/30/kohle-scheffeln-durchs-impfen/ Hier schlüsselt ein praktizierender und bloggender Kinderarzt, dessen Seite ich uneingeschränkt empfehlen kann, auf, was er an einer stinknormalen Impfung verdient.

http://www.schockfaktor.de/articles/5/besuch-bei-den-impfgegnern Wo ein weder-noch Mensch (also jemand, der weder sämtliche Impfung ablehnt noch strikt befürwortet) sich in die Höhle des Löwen bzw. auf die Facebookseite eingefleischter Impfkritiker begibt und dort einen gut begründeten Pro-Tetanus-Impfung-Kommentar abgibt. Was er dann erlebt, ist exemplarisch für die Impfgegnerschaft, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=TBrIdyOLQxQ&app=desktop Der Titel mag irreführend sein, aber die Dokumentation versucht, beide Seiten des Impfens zu beleuchten. Besonders beeindruckend finde ich die Aussage der Psychologin gegen Ende des Videos, welche mir sehr aus dem Herzen spricht.

Vor wenigen Tagen klagte ein Bekannter einer Freundin bei Facebook, wo besagte Freundin einen Pro-Impfen-Link gepostet hatte, wie schwer er es hätte, sich gegen die übermächtig in Anzahl und „Argumenten“ erscheinenden Impfgegner in seinem Freundeskreis zu behaupten. Ich finde dies äußerst bedenklich, denn tatsächlich sehe ich ganz selten Für-Impfen-Links (es sei denn, ich poste sie selbst). Dementgegen stehen jedoch unzählige Gegnerseiten, die nicht müde werden mit posten. Fast habe ich den Eindruck, dass am lautesten Schreien auch am wirkungsvollsten ist.

Bitte impft. Euch, euren Kindern und euren Mitmenschen zuliebe!

U5

Die hatte meine Süße gestern und nachdem sie im Urlaub so einen Riesensatz in ihrer Entwicklung gemacht hat, war mir auch nicht mehr bange davor

Die Ärztin bestätigte meinen Eindruck, Größe, Gewicht, Kopfumfang genau auf der 50er Perzentile, „wie aus dem Lehrbuch“. Motorik und Sprachentwicklung ebenso, wie es sein soll. Die Kleene tat uns sogar den Gefallen und brabbelte ein wenig vor sich hin, sonst ist sie in fremder Umgebung eher wortkarg.

Die körperliche Untersuchung fand sie allerdings nicht so dolle, in die Ohren gucken ging nur mit Mühe, in den Mund gar nicht (was derzeit auch unsere Breiversuche unterminiert). Aber Kinderärzte sind schnell, denen reicht eine Millisekunde aus, um in einem wackelnden Kinderrachen etwas zu entdecken 😉

Beim Herz abhorchen grabschte mein Mädchen in gewohnter Manier sofort nach dem Stethoskop, was von der Ärztin mit den Worten „ja ja, immer diese intelligenten U5er-Kinder“ quittiert wurde. Uh, da schaute die Mama aber sehr stolz aus der Wäsche, auch wenn vermutlich fast alle Kinder in diesem Alter nach allem grabschen, was halbwegs in Reichweite ist. Egal, ich bin trotzdem mächtig stolz 🙂

Dann gab es noch zwei Impfungen, die 2. Pneumokokken und die erste Meningokokken B. Die Prozedur fand allerdings wenig Anklang beim Impfling, aber nach 5 Sekunden auf Mamas Arm war auch das überstanden. Nachwirkungen zeigen sich bisher in einem ausgedehnten Spätnachmittagsschlaf gestern und etwas erhöhter Temperatur (38,0) heute.

Ich wurde noch nach dem elterlichen, also unserem, Impfstatus gefragt, besonders wegen Keuchhusten, welcher in diesem Alter wohl besonders gefährlich ist. Da wir aber nach der Geburt des Großen alle Impfungen bei uns haben auffrischen lassen, sind wir da im grünen Bereich.

Leider musste ich für die Meningo-B-Impfung in Vorleistung gehen, was eine zusätzliche Belastung für mein eh schon geschundenes Konto bedeutet. Ich hoffe, die Krankenkasse erstattet den Betrag wie gewohnt zügig.

Impfen: eine informierte Entscheidung

Schon beim Großen mussten wir uns mit dem Thema auseinander setzen und aktuell steht es bei der Kleinen an. Wir haben im Vorfeld Broschüren vom Kinderarzt mitbekommen, aber auch selber im Internet recherchiert.

Es ist schwierig, unter der Vielzahl an Informationen die relevanten heraus zu finden. Zudem stößt man immer wieder auf bewegende Schicksale, die einem die Tränen in die Augen treiben. Umso wichtiger ist es da, alle Seiten zu betrachten, um eben eine informierte, individuelle Entscheidung treffen zu können.

Ich kann nicht verstehen, warum Eltern ihren Kindern so etwas antun. Warum sie ihnen wissentlich und vorsätzlich Leid zufügen und dies zu allem Überfluss noch damit begründen, es wäre doch nur zum Wohl des Kindes. Warum sie nachweislich Risiken in Kauf nehmen, die das Kind ein Leben lang geschädigt zurück lassen können. Und dann gibt es diese Studien, die all diese Effekte bestätigen.

Es gibt so viele Beispiele, bei denen die Kinder hinterher entstellt oder schwer behindert sind. Immer wieder gibt es auch Todesfälle. Und meist trifft es die ganz kleinen Kinder, die sich am wenigstens wehren können.

Wir werden unser Mädchen, genauso wie den Großen, gegen alles impfen lassen, was die STIKO empfiehlt. Die erste Rotavirenimpfung hat sie bereits hinter sich und der nächste Termin ist auch schon fest vereinbart. Ihr Bruder ist komplett durchgeimpft, komplett ohne Nebenwirkungen, das Schlimmste war jeweils das Impfen selbst, bei dem einen als mitfühlende Mama schon ein wenig das Herz blutet. Ein wenig Pusten, ganz viel Kuscheln und schon war das alles wieder vergessen.
Als wir uns bei unserem Großen mit dem Thema auseinandersetzten, haben wir auch gleich unseren Impfstatus überprüfen und alle notwendigen Impfungen auffrischen lassen. Macht ja wenig Sinn, wenn der Kleene zwar immun ist, aber wir als mögliche Überträger agieren könnten.

Es gibt so viele Gefahren, denen Kinder ausgesetzt sind, dass ich alles tun werde, um vermeidbare Risiken eben auch zu vermeiden. Meiner Meinung nach stärken durchgemachte Kinderkrankheiten weder den Charakter des Kindes, noch sind sie so harmlos, wie es oft postuliert wird. Wenn ich außerdem daran denke, wie sehr ich gelitten habe, als die Kleene im Krankenhaus war und sie heute noch extrem sensibel ist oder als der Große mitten in der Nacht einen Erstickungsanfall wegen Pseudokrupp und danach mehrere Abende Panikattacken vorm Einschlafen hatte, mag ich mir gar nicht vorstellen, wie es uns allen ergeht, sollte einer von uns Masern, Windpocken und Co. bekommen.

Was es für mich als Mutter besonders schwer macht, sind die tragischen Einzelfälle, bei denen ein angeblicher Impfschaden vorliegt. Das trifft genau ins Herz und macht es schwer, das eigene Kind ohne Gewissensbisse impfen zu lassen. Dem gegenüber stehen aber auch die anderen, leider nicht ganz so einzelnen Fälle, bei denen ungeimpfte Kinder schwere Schäden davon trugen. Seltsamerweise sind die meisten Eltern dieser Kinder nachher vehemente Impfbefürworter.
Als Beispiel dafür empfehle ich den Appell des Kinderbuchautors Roald Dahl, hier im englischen Original.

Mich interessieren in diesem Zusammenhang allerdings zwei Dinge brennend:

  • Was befürchten nichtimpfende Eltern, das die Impfung bei ihren Sprößlingen auslöst? Ist es die – längst widerlegte – Angst vor Autismus und ADS oder sind es die gefährlichen Zusatzstoffe oder etwas ganz anderes?
  • Es gibt Studien, die besagen, dass Impfkritiker rationalen Argumenten, wie sie beispielsweise in Studien oder den Impfempfehlungen des RKI angeführt werden, nicht (mehr) zugänglich sind. Was müsste passieren bzw. welche Argumente könnten gebracht werden, um zumindest eine ergebnisoffene Diskussion mit impfkritischen Eltern anzustoßen?

Mir geht es nicht darum, impfkritische Eltern zu diskreditieren, sondern mich interessieren die Beweggründe tatsächlich und ich möchte mich gerne in ihre Denkweise hineinversetzen können.

Anmerkung: Da dieses Thema üblicherweise sehr kontrovers und nicht immer mit dem nötigen Respekt diskutiert wird, behalte ich es mir vor, verunglimpfende Kommentare zu editieren oder zu löschen.

Nachtrag: U2 fast bestanden

Mein Mädel macht mir große Sorgen 😦

Wir sollten ja eine Urinprobe abgeben, und im dritten Versuch ist es uns gelungen, ganze 2 ml im Urinbeutel aufzufangen, ohne dass die Probe diesmal anderweitig kontaminiert wurde. Stolz düste ich wieder zum Kinderarzt, wo der Urin sogleich untersucht wurde.

Als dann die Ärztin mit mir sprechen wollte, ahnte ich schon Schlimmes. Es war eine Infektion nachweisbar, sie sagte mir auch, mit was, aber ich hab das Fremdwort leider nicht behalten können. Sie meinte aber, dass es derzeit keinen Sinn machen würde, da mit Antibiotika drauf zu feuern, da die Infektion wohl nicht so schlimm wäre, um da die ganz großen Kaliber auszupacken.

Wir sollten allerdings peinlich genau darauf achten, dass der Intimbereich der Kleenen immer absolut sauber ist. Bei jedem Windelwechsel sollen wir mit abgekochtem Wasser oder Kamillentee waschen. Wir bekamen eine Spritze mit, um auch wirklich alle Falten spülen zu können. Wir müssen 2x täglich Fieber messen und über die Werte Buch führen.

Sollte die Kleine offensichtlich Schmerzen haben, es ihr schlecht gehen oder sie Fieber bekommen, dann sollen wir umgehend zum Kinderarzt kommen. Ansonsten sollen wir am Dienstag erneut versuchen, Urin mit diesen tollen Beuteln aufzufangen, gerne auch mehr als dieses Mal, sie würden gerne eine Kultur anlegen wollen und die heutige Menge hat dafür nicht gereicht. Wir werden uns Mühe geben.

Parallel dazu haben wir uns jetzt an der hiesigen Uniklinik umgeschaut, die Kinderurologie hat am Dienstag Sprechstunde und wir werden da Punkt um 9 Uhr auf der Matte stehen, denn irgendwie ist mir nicht so recht wohl bei der Sache. Keiner der Ärzte hat jetzt in irgendeiner Form Panik verbreitet, das Problem aber auch nicht heruntergespielt, aber trotzdem hab ich grad ein doofes Gefühl. Da kann die Ärztin noch so oft sagen, dass es auch gut sein kann, dass gar nichts passiert und sich alles von alleine auflöst.

Ich hab mich auch immer gewundert, dass mein Mädchen so viel schläft und so ruhig ist, aber vielleicht hat der kleine Körper einfach genug damit zu tun, die Infektion abzuwehren.
Oh man, ich könnt grad wieder heulen :/

U2 fast bestanden

Heute war es Zeit für die U2, von mir schon mit Spannung erwartet.

Unser Kinderarzt hat derzeit richtig viel zu tun, außerdem sind sie auch Notfallpraxis und dementsprechend war es kein Problem, einen Termin an einem Sonnabend zu bekommen. Ich hatte mich vorher erkundigt, wie das bei der U2 gehandhabt wird, da ich nicht wollte, das mein Frischgeschlüpftes neben Horden kranker Kinder warten muss und es wurde mir versichert, dass es dafür eine Lösung geben wird. Zudem ging ich davon aus, dass an einem Sonnabend Vormittag um 9 Uhr die Praxis mehr oder weniger verwaist sein würde.

Weit gefehlt. Schon als ich die Stufen zur Praxis hoch stieg, schlief mir das Gesicht ein, weil dort Unmengen an Kinderwagen standen und die ersten Kinder vor der Tür warteten. Hinter der Tür sah es nicht besser aus und ich musste eine Viertelstunde warten, bevor ich überhaupt an der Anmeldung dran kam. Die Arzthelferin wie gewohnt freundlich, ich bewunder das jedes Mal, wie sie im größten Trubel die Ruhe bewahren und geduldig alles erklären. Sie nahm die Daten auf, stellte ein paar Fragen, gab mir einen Fragebogen mit und führte mich dann in einen separaten Warteraum. Soweit, sogut.

Der Fragebogen war schnell ausgefüllt, ging um allgemeine Angaben und die Benennung etwaiger Personen, die Auskunft über den Gesundheitszustand der Kinder erhalten dürfen. Ich hab meine Eltern und den Bruder meines Mannes benannt, man weiß ja nie.
Wir durften dann in eines der Behandlungszimmer umziehen, wo ich die Kleene nackig machte, damit bei der Untersuchung nicht noch mehr Zeit verloren geht. Sie war mittlerweile unruhig geworden, also erstmal Stillen. Kaum war ich fertig, kam die Schwester, wog sie und maß die Länge und den Kopfumfang. Sie hat wieder die gleichen Werte wie zur Geburt. Sie maß im Anschluss die Sauerstoffversorgung erst in der Hand und danach im Fuß, beide Werte im grünen Bereich. Es gab eine weitere Vitamin-K-Gabe und dann hieß es wieder warten.

Die Kleene war satt, im Zimmer war es warm, also hielt sie erstmal ein Nickerchen. Nach gefühlt einer Stunde, ich hatte mittlerweile jegliches Zeitgefühl verloren, kam dann die Ärztin. Sie schaute in alle Öffnungen und horchte alles ab und befand alles für gut. Ich fragte, ob das Herz ok sei, aber da gab es Entwarnung. Ich wies sie auf die Doppelniere und die Hydronephrose hin, woraufhin sie einen Ultraschall machen wollte. Sehr gerne, ich nahm dafür auch gerne weitere Wartezeit in Kauf. Zudem musste noch das Hörscreening gemacht werden.

Kind notdürftig angezogen und in den Ultraschallraum. Füllstand des Kindes wieder auf Anschlag gebracht und gewartet. In der Zwischenzeit informierte ich den Papa, dass das hier alles länger dauert, damit er sich keine Sorgen macht und sah, dass es schon nach 11 Uhr war. Die Ärztin kam und schallte die Niere. Links alles ok, keine Stauung. Rechts leider nicht alles ok, Doppelniere eben, große Stauung, auch im Harnleiter. Nicht das, was ich hören wollte :/

Sie machte drei Bilder und vermass die Auffälligkeiten und stellte dann eine Überweisung zur Kinderchirurgie aus. Bei uns an der Uniklinik würde es eine spezielle Abteilung für solche Fälle geben und wir sollten dort in der nächsten Woche einen Termin vereinbaren. Außerdem bekam die Kleine einen Blasenbeutel, da sie ja schlecht in einen Becher pinkeln kann, sie aber trotzdem den Urin untersuchen wollen.

Zum Abschluss wurde noch das Hörscreening gemacht, alles ok, wir durften endlich wieder heim. Also fix die Kleene wieder eingepackt, am Empfang das Rezept für Dekristol und Fieberzäpfchen, rein prophylaktisch, sowie die Überweisung abgeholt und den Termin für die U3 vereinbart.

Das war alles ziemlich anstrengend und die Kleene ratzt friedlich seit 3 Stunden.

NACHTRAG: Der erste Versuch mit dem Urinbeutel schlug fehl, mein Mädel hat wieder aus allen Rohren gefeuert und die Probe versaut. Wir haben jetzt zwei neue Beutel bekommen, soll ja nicht langweilig werden 🙂

Reine Übungssache

Was für eine Nacht!

Mein Mann gab wieder alles an der Schnarcherfront, so dass ich ihn gegen 4 Uhr aus dem Schlafzimmer verbannt habe. Ich wälzte mich noch ein wenig hin und her, lauschte meinem Hörbuch und war grad dabei, ins Traumzauberland hinüber zu gleiten, als es plötzlich in meinem Bauch zog.
Als erstes verfluchte ich das doofe Sodbrennen, welches mich die letzten Tage fast permanent nervt. Aber für wirkliches Sodbrennen war die Stelle zu weit unten.
Dann verdächtigte ich den Krümel, der sich ja schon öfter durch sein perfektes Timing beim Sambatanzen ausgezeichnet hat. Das Ziehen verteilte sich dann über die gesamte Breite des Bauches, so dass es das als Ursache auch nicht sein konnte.

Es werden doch wohl nicht Wehen sein?
Eine Hebammenweisheit sagt, solange man sich ernsthaft diese Frage stellt, sind es keine echten Wehen.

Also wartete ich ab, nach kurzer Zeit ging das Ziehen wieder weg. Und kam bald wieder. Und dann nochmal.
Schauste mal auf die Zeitabstände, mal sehen, was die so sagen.
5 Minuten Abstand, 3 Minuten, 2 Minuten.

Das ganze pendelte sich bei 2-3 Minuten ein und wurde auch heftiger und ich langsam panisch.

Jetzt Kind kriegen wär ja ganz doof. Wir haben gestern erst die Vollmachten geschrieben, die müssen noch ausgedruckt, unterschrieben und an die Delinquenten Helfer verteilt werden. Außerdem wollte ich doch heute zum Kinderarzt, den Screening-Schrieb abzeichnen lassen und den Termin für die U9 des Großen vereinbaren. Wir haben nicht eine Tasche gepackt oder wenigstens Listen zum Taschenpacken gemacht. Ich sollte dringend duschen. Das Bad und die Fenster müssen noch geputzt werden.

Ernsthaft? Jetzt soll’s losgehen?
Sollte ich tatsächlich in wenigen Stunden so nen kleinen Wurm im Arm haben? Der mich dann fröhlich anschreit. Immer und immer wieder, wenn er Hunger hat? Die Vorstellung war auch irgendwie cool, so dass ich abwechselnd grinste und panisch schreien wollte.

Dann eben erstmal abwarten, solange es nicht nach unten zieht und ich noch dem Hörbuch folgen kann, ist noch Zeit.
Ich überlegte, ob ich aufstehen und mich in die Wanne legen sollte. Echte Wehen bleiben im  warmen Wasser oder werden sogar mehr, unechte verschwinden. Ich entschied mich dagegen, weil ich den Kleenen nicht wecken wollte und wenn ich draußen rumwusel, wird er mit Sicherheit wach.

Nach anderthalb Stunden war der Spuk wieder vorbei, noch 2 mal Ziehen mit großem Abstand, danach Ruhe, nur ich war jetzt munter.

Da heute noch die Vorsorge beim Frauenarzt anstand, quälte ich mich völlig übernächtigt aus dem Bett und unter die Dusche. Dann kurzer Zwischenstopp beim Kinderarzt, Screening-Schreiben abstempeln lassen, U9-Termin vereinbaren (im August, eher ist nix frei o.O ) und noch fix nach den Modalitäten für die U2 und U3 des Krümels fragen. Ich hab nämlich keinen Bock, mit einem frisch geschlüpften, ungeimpften Kind stundenlang zwischen den üblichen Keimschleudern kranken Kindern zu warten, aber die Arzthelferin beruhigte mich und meinte, die Vorsorgen für die ganz Kleinen finden übern Mittag und in einem separaten Bereich statt.
Super, wäre das auch geklärt.

Bei der Vorsorge soweit alles ok, außer meinem Eisenwert. Der hat sich mal glatt ins Bodenlose verabschiedet, je nach Skala 10,5 (11,5 unterer Grenzwert) oder 6,2 (7,5). Also darf ich jetzt wieder Eisentabletten nehmen, die bei mir zu (fast) totaler Verstopfung führen. Als Mittel gegen die Nebenwirkung habe ich Zäpfchen bekommen. Juchuh!
Auf dem CTG prangten wieder hübsche Wehenberge, immer wieder 3-4 Stück in gleichmäßigem Abstand und dann wieder eine Weile nix. Aber den Krümel stört das nicht, sein Herzschlag vorbildlich zwischen 120 und 140 Schlägen.

So, und jetzt bin ich knapp 30 Stunden wach und brauche dringend etwas Schlaf. Könnte ja jederzeit losgehen und auf Geburt als übernächtigter Zombie hab ich jetzt nicht so wahnsinnig viel Lust.

Aufgeklärt

Wir wurden heute im Geburtshaus aufgeklärt. Nicht über die Sache mit den Bienchen und Blümchen, das wäre jetzt irgendwie schon zu spät gewesen. Aber über die Risiken und Nebenwirkungen einer Geburt im Geburtshaus.

Hauptsächlich ging es darum, was bei einer Geburt so alles passieren könnte, das dann eine Verlegung ins Krankenhaus nötig macht. Und das ist schon eine ganze Menge. Eigentlich so viel, dass ich mich gefragt habe, ob normale Geburten überhaupt möglich sind. Letztendlich wollen die Hebammen sich aber nur gegen alles mögliche absichern und sie sagten uns auch von vornherein, dass sie eher zu früh verlegen lassen und nicht auf Biegen und Brechen jede Geburt dort durchziehen.

Es wurde erklärt, wie eine Verlegung erfolgen kann. Entweder im Taxi, da die Hebamme nicht gleichzeitig Auto fahren und Gebärende betreuen darf, oder falls es einen extra Fahrer gibt, im privaten PKW. Bei bestimmten Situationen muss auch ein Krankenwagen gerufen werden, was aber 10 – 15 Minuten dauern kann und damit fast 3 mal so lang wie die Fahrt mit dem Taxi., aber manchmal geht es eben nur so. Der Mann/Partner hat bei allem ein wenig das Nachsehen, da sich die Hebamme oder auch ein Rettungswagenteam nur um die Frau und/oder das Baby kümmert.
Wir sollten deswegen schon vorsorglich Bargeld fürs Taxi in den Mutterpass legen, damit wir nicht im brenzligsten Moment erst danach suchen müssen.

Im Geburtshaus selbst haben sie natürlich keinen Arzt und keinen OP, könnten aber bei Notfällen das Kind fit spritzen oder die Wehen beschleunigen. Sie werden die Dinge aber nicht bei normalen Geburten verwenden, da sie bei einer etwaigen Verlegung ins Krankenhaus eine mehr oder weniger „jungfräuliche“ Frau übergeben wollen, mit dem vollen Spektrum der Beschwerden und ohne mögliche Kontraindikation, was eine vorangegangene Medikamentengabe angeht.

Es klang alles recht unaufgeregt und ich hatte immer das Gefühl, dass sie das kopflose Umherwuseln einzig den werdenden Eltern überlassen. Es wurde mehrmals betont, dass das Geburtshaus zu allen Krankenhäusern in der Umgebung einen sehr intensiven Kontakt und dort auch einen guten Ruf habe*. Trotzdem kann es mal vorkommen, dass es kleinere Sticheleien gibt, vor allem bei den Krankenwagenfahrern, die das Geburtshaus eben nicht kennen.

Neuerdings gibt es wohl auch eine Vereinbarung mit der Uniklinik, dass ein Kinderarzt, falls nötig, ins Geburtshaus fährt samt Wärmebettchen und dem großen Notfallkoffer und dann die Betreuung direkt vor Ort und bis ins Krankenhaus übernimmt.

Wir dürfen jetzt noch 24 Stunden warten und mindestens einmal ausgiebig über das ganze Thema schlafen, dann startet die Rufbereitschaft. Wir können uns auch jederzeit, ohne Angabe von Gründen, umentscheiden.
Was noch spannend wird, ist, dass meine Hebamme ab 21.3. – meinem errechneten Termin – für 9 Tage in Urlaub geht. Ab diesem Zeitpunkt ist ihre Vertretung quasi alleine. Und wenn es da ungünstig läuft, springt ihre Vertretung ein, die Hebamme, die meinen Geburtsvorbereitungskurs geleitet hat. Und falls sie gerade nicht kann, gibt es noch zwei weitere Hebammen, die bereit stehen. Mal schauen, wie viele Hebammen ich so verschleißen werde 😉

* Den guten Ruf kann ich bestätigen. Als ich vor 5 Jahren in der Uniklinik entbunden habe, wurde ich unter anderem gefragt, wo ich meine Vorsorge und den Kurs gemacht hatte und als ich das Geburtshaus nannte, war das gesamte Team sofort erleichtert und ganz entspannt, weil sie wussten, dass sie eine gut vorbereitete Gebärende vor sich hatten.

Zeit für einen neuen

Nämlich für einen neuen Kinderarzt.

Ich bin ja schon seit längerer Zeit nicht mehr so glücklich mit unserem Kinderarzt, da ich dort immer mindestens 2 Stunden warten muss, egal, ob ich einen Termin habe oder nicht und auch egal, ob es dem Kleinen grottenschlecht geht oder er nur ein bissl Rotznase und Husten hat. Hinzu kommt, dass es jedes Mal unerträglich laut ist im Wartezimmer, was ja kein Wunder ist, wenn da 20 oder mehr Kinder rumtoben und den meisten Eltern das egal ist.

Da dies eine Gemeinschaftspraxis mit mehreren verschiedenen und auch häufiger wechselnden Ärzten ist, kriegt man jedes Mal einen anderen Arzt vorgesetzt. Die meisten sind total lieb und kompetent und oft gerade frisch von der Uni und noch entsprechend motiviert, endlich am lebenden Material werkeln zu können. Nur habe ich leider das Pech, sehr häufig eine vermutlich ehemalige Lagerärztin aus dem russischen Raum als betreuenden Arzt zu erwischen. Mich stört noch nicht mal so sehr ihr gebrochenes Deutsch, obwohl ich schon gerne verstehen würde, worum es eigentlich geht, als mehr ihr strenger Befehlston und liebloser Umgang mit dem Kind. Sie könnte auch locker als Drill Sergeant bei den US Marines arbeiten.

Als heute der Kindergarten anrief und mitteilte, dass der Kurze fiebrig und völlig schlapp in einer Ecke liegt und über starke Kopfschmerzen klagt, wollte ich gleich die Gelegenheit nutzen und einen neuen Kinderarzt, der erst vor ein paar Monaten seine Praxis in der Nähe aufgemacht hat, austesten. Zu blöd nur, dass er gerade jetzt Urlaub hat. Hieß also für uns, wieder in die Gemeinschaftspraxis.

Dort werden Patienten ohne Termin nur bis 11 Uhr angenommen und ich war 10 vor 11 in der Praxis, ohne nochmal zu Hause Fieber zu messen, weil es sonst wahrscheinlich zu knapp geworden wäre. Ich schilder also den geduldigen Schwestern am Empfang das Problem, das Kind ist in der Praxis bekannt und wir dürfen uns in den Wartebereich setzen. Der Kleene schläft mir mehrfach während des Wartens weg, wird aber immer wieder durch das laute Plärren der anderen Kinder geweckt. Nach 1 1/2 Stunden Wartens dürfen wir endlich in einen der 4 Behandlungsräume, immerhin ein Fortschritt.

Ausgerechnet jetzt muss der Kleene aufs Klo. Also kurz der Schwester Bescheid gesagt, nicht, dass die denken, wir hätten keinen Bock mehr. Haben wir zwar tatsächlich nicht mehr, aber jetzt aufgeben bringts ja auch nicht. Wieder zurück jammert der Kleene, dass er müde ist und heim will. Nur mit Mühe kann ich ihn bei Laune halten. Nach 15 Minuten im Raum sollen wir plötzlich in einen anderen Raum umziehen. Also schnapp ich ihn mir und bugsiere ihn nach nebenan. Kurz darauf stürmt auch schon Fr. Dr. Feldwebel in den Raum.

Ich versuche ihr zu erklären, was das Problem ist und dass der Kleene das schon mal in der Nacht von Montag auf Dienstag hatte, aber Mittwoch und Donnerstag wieder fit genug für den Kindergarten war. Aber keine Chance, sie plappert im Stakkato-Dauerfeuer auf mich ein, ich solle ihn doch gefälligst mal ausziehen, guckt erst ins Ohr links, dann ins Ohr rechts, drückt mit Gewalt und einem Spatel die Zunge des Kindes runter, so dass der eher geduldige Filius laut aufschreit, fragt mich nach Fieber, was ich weder bestätigen noch verneinen kann, da ich es aus Zeitmangel nicht messen konnte. Sie staucht mich zusammen, dass ich aber immer Fieber messen müsse und herrscht die Schwester an, warum denn noch kein Fieberthermometer einsatzbereit wäre.

Ich hab mittlerweile ordentlich Puls. Sie drückt lieblos auf dem Kinderbauch rum und ignoriert, dass sich der Kleene durch die grobe Behandlung auf der Pritsche windet. Dann verschwindet sie zum Computer und ich soll noch Fieber messen. Ich versuche also bei dem schon völlig verstörten Kind das ohnehin gehasste Prozedere durchzuführen, während sie mich hintern Tisch anschreit, ob ich denn Fiebermittel-zuhause-habe-habe-sie-Fiebermittel-habe-sie-Fiebermittel-FIEBERMITTEL-HABE-SIE-FIEBERMITTEL-HABE-SIE-FIEBERMITTEL-ICH-FRAGE-HABE-SIE-FIEBERMITTEL-SO-ANTWORTEN-SIE.

Entnervt entgegne ich, dass ich gerade versuche, hier Fieber zu messen und ich sie sehr wohl höre. Sobald das Thermometer am richtigen Platz ist, nach lautem Protest vom Kleenen, entgegne ich ihr, dass wir sehr wohl noch Fiebersaft zu Hause haben. Sie verschreibt mir trotzdem welches. o.O

Dann will sie die erste Dosis aber schon in der Praxis geben und fragt mich, wie schwer der Kurze ist. Ich entgegne, so zwischen 15 und 16 Kilo. Sie meint, dass kann nicht sein. Ich sage wieder 15-16 Kilo. Sie fragt, wie alt er ist, Er sagt 4 Jahre. Sie sagt, dass kann nicht sein. Ich sage, 16 Kilo, ist ja auch nix dran an ihm. Sie holt eine Waage und er muss sich draufstellen. 16,0 Kilo.

Das war das erste Mal in den 5 Minuten, gefühlt 3 Stunden, dass Fr. Feldwebel nichts gesagt hat.

Sie fragte mich nach Krankschreibung, was ich bejahte, meinte noch, dass Rezept und Schein am Empfang liegen würde, wünschte kurz noch gute Besserung und verschwand dann wieder grußlos.

Ich sehe ein, dass die Ärzte Stress haben, dass viele Kinder behandelt werden wollen und die bestellte Pizza langsam kalt wurde. Aber ich war dort nicht zu Besuch, weil ich grad nix besseres zu tun hatte oder um sie zu ärgern. Und nichts rechtfertigt diese lieblose Abfertigung eines kleinen, kranken Kindes.

Achja, ich weiß leider immer noch nicht, was der Kleene hat, aber falls es übers Wochenende nicht besser wird, darf ich am Montag wieder vorstellig werden. Weil Arztpraxen ja Montags immer ein besonderes Vergnügen für alle Beteiligten sind *seufz*