Bones

In den aktuell laufenden Wiederholungen von Bones wird die Titelheldin damit konfrontiert, dass sie ihr Kind zu einem recht frühen Zeitpunkt in die Kinderkrippe gibt. Bones bügelt alle Versuche der auferzwungenen Mütterlichkeit in ihrer gewohnt unherzlichen Art ab, und spricht mir dabei voll aus dem Herzen.

Nicht falsch verstehen, ich liebe meine Süße abgöttisch, doch kann ich ganz wundervoll nachvollziehen, dass Bones nicht mit allen Entscheidungen der Erzieher konform geht.

Jeden Abend ist für mich die Überraschung des Tages, wie gekleidet mein Kind nach Hause kommt. Mein Mann sackt beide Kinder einfach so wie sie ihm übergeben werden ein, und bringt sie nach Hause. Im Allgemeinen hat der Große die gleichen Klamotten an wie am Morgen, nur wesentlich dreckiger.

Die Süße hingegen hat zusätzliche Bodies an. Oder Strickjacken. Oder läuft nur in einem mir unbekannten Body rum, obwohl sie früh Jeans und T-Shirt angezogen bekommen hat.
Bei den derzeitigen Temperaturen bekommt sie früh ein Kleid an und dazu Leggins, diese dürfen im Laufe des Tages gerne ausgezogen werden, falls es zu warm werden sollte.
Ich denke also, dass ich als Mama jeden Morgen mein Kind entsprechend des Wetterberichts anziehe. Es wird auch jeden Morgen mit Sonnenschutzlotion 50+ eingecremt, obwohl ich es viel lieber hätte, wenn es mit dünnen Bekleidungsschichten auf dem ganzen Körper (Beine mit Leggings, Oberkörper mit dünnen langarmigen Shirts und auf dem Kopf ein großer Sonnenhutsüdwester) geschützt würde.

Trotzdem sehe ich jeden Abend mir unbekannte Kleidung. Heute war es ein Body ohne Ärmel. Vergangene Wochen eine Strickjacke (die ich persönlich sehr cool fand, aber mich scheute, diese einfach zu anektieren, sollte sie aber nochmal bei uns auftauchen …), oder T-Shirts in ultrapink, welche ich ohne Zögern in die Lost+Found-Kiste im Kindergarten werfen würde.

Mein Mann hat dabei den wesentlich schwierigeren Job, da er sich täglich dem Kontakt der Erzieherinnen ausliefern muss. Manchmal unternimmt er noch einen zaghaften Versuch zu ergründen, warum unser Mädchen diese Klamotten trägt, die es gerade an hat. Die meiste Zeit jedoch ergibt er sich einfach in sein Schicksal, zu geschafft, um noch irgendwelche Diskussionen mit den Erzieherinnen anzufangen.

Nicht falsch verstehen, mir ist die umfangreiche und verantwortungsvolle Tätigkeit der Erzieher durchaus bewusst und ich bewundere ihre Geduld, Ausdauer und ihren Enthusiasmus. Doch manchmal sind sie einfach „a pain in the ass“.

Mag daran liegen, dass wir nicht unser erstes Kind in ihre Obhut geben, oder dass wir weniger helikoptermäßig unterwegs sind oder dass wir grundsätzlich denken, dass Kindergartenerzieher einen fantastischen Job machen auch ganz ohne unsere permanente Kritik!

Liebe Erzieher!

Macht eure tolle Arbeit wie bisher, aber lasst unserem Kind dabei die vorbestimmten Klamotten an. Wir werden es nicht mit dickem Schal und Wollmütze bei diesen Temperaturen herumlaufen lassen, doch manchmal ist ein wenig mehr Stoff auf der Haut der bessere Sonnenschutz als 50+ in einer Lotion.

Außerdem müsste ich nicht am Wochenende eine Handvoll fremder Klamotten waschen, damit diese am Montag frisch bei ihren eigentlichen Eltern ankommen.

Allerdings werde ich nie verstehen, wie man einen am Schritt dreiknöpfigen Body falsch schließen kann. Aber wozu gibt es nächste Leben 😉

Einatmen – ausatmen

Orrr man, ich könnt mich grad wieder uffrechen tun.

OK, ich reg mich auch grad tierisch auf – und die Themen, über die ich mich aufrege, sind gerade schier endlos.

  • Diese dusslige #regrettingmotherhood-Debatte.
    Die einen Mütter regen sich auf, dass es überhaupt Mütter gibt, die ihr Muttersein auch nur das kleinste bisschen bereuen.
    Die anderen regen sich auf, dass Mütter, die es bereuen, Mutter geworden sein (also die Hardcore-Variante, die wirklich beim Zeit zurückdrehen kein Kind mehr kriegen will) darüber Blogartikel verfasst, die irgendwann mal von den „ungewünschten“ Kindern im Netz gefunden werden.
    Die nächsten regen sich auf, dass die Mütter sich mit dem Thema auseinandersetzen, die nur einzelne Punkte am Muttersein doof finden, wo es in der ursprünglichen Fassung doch darum ging, das ganze Muttersein doof zu finden.
    Mal schauen, was als nächstes Subthema aufkommt.
  • Da kündigt die ZDF-Sendung „heute nacht“ ihren Beitrag zur Absturztrauerfeier gestern damit an, dass bewusst keine trauernden Angehörigen und Freunde der Opfer gefilmt wurden. Im Beitrag allerdings wird die Schwester eines Opfers gezeigt, in Tränen aufgelöst. Vermutlich galt für sie die Regelung nicht, da sie auch eine Rede vorne am Pult hielt.
    Wie auch immer, es ändert nichts am Zynismus dieser Aussage.
  • Es ertrinken 400 Flüchtlinge im Mittelmeer.
    Wenigstens ein paar Kamerateams sind vor Ort und berichten.
    Die zahllosen Opfer der letzten Jahre hat keine Sau interessiert (zu oft taucht in der verlinkten Liste „Flüchtlingsboot“ auf).
    Da fordert unser Innenminister, dass man endlich was tun müsse, aber wenn, dann in den Ursprungsländern der Flüchtlinge, da man sonst nur die Schleuser noch reicher machen würde. Finde ich einen guten Ansatz. Dann, liebe Bundesregierung, leg mal los, hilf Westafrika, die wirtschaftlichen Schäden der Ebola-Epidemie auszugleichen. Dann intervenier mal in Nigeria, wo Boko Haram fast unbehelligt ihr Unwesen treiben, Menschen entführen und abschlachten kann. Dann schau mal richtig in Syrien hin und versteck dich nicht hinter fadenscheinigen Ausreden wie „Souveränität des Staates“, wenn es dir in der Vergangenheit bei anderen Ländern doch auch egal war.
    Zur Finanzierung darfst du gerne den Soli weiter einziehen, brauchst auch die Steuern nicht zu senken und kannst diese unsäglich-unnütze PKW-Maut einführen.
  • Die doofe Schulbezirkregelung unserer Stadt, die uns heute den Ablehnungsbescheid zu unserem Schulbezirkswechselantrag geschickt hat. Hatten wir zwar nicht anders erwartet, aber aufregen tuts mich trotzdem.

Und wegen all dieser Themen komme ich nicht dazu, über die U6 und die Krippeneingewöhnung der Süßen oder das erste echte Fußballtraining des Großen zu schreiben.

Und das regt mich gleich noch mehr auf!

Wait for something to happen

In dem Lied gibt es oben genannte Textzeile und das ist auch genau der Zustand, in dem ich mich gerade befinde. Nicht, dass in der Vergangenheit zu wenig passiert wäre, aber all diese Ereignisse verdammen mich derzeit zum Warten, ohne wirklich etwas tun zu können.

Ich kann nicht mit meinen Eltern über die veränderte Situation reden, da wir dort Weihnachten und nächstes Wochenende noch den 55. bzw. den 60. Geburtstag meiner Eltern feiern wollen. Ich würde ihnen erstens diese Feiertage versauen, denn vor allem meine Ma macht sich immer enorme Sorgen. Und zweitens könnte sie wohl ihre Verachtung ob des Verhaltens ihres Schwiegersohns nicht verhehlen und sehr wahrscheinlich würde die ganze Situation eskalieren und dann noch dazu in einer Zeit, in der meine Ma echt schon stresstechnisch auf dem Kieferknochen läuft, Zahnfleisch ist da keines mehr da.

In meinen Gedanken stelle ich mich immer mehr auf die neue Wirklichkeit ein, plane die Zeit nach dem Auszug meines Mannes, überlege, was ich mit dem zusätzlichen Platz anstellen werde. Mir graut es vor dem Auseinanderklamüsern unserer Dinge. Bei den Möbeln ist es noch relativ unkompliziert, er kann schlecht von mir verlangen, dass wir uns die Küche teilen, unser Sofa im Wohnzimmer gibt es auch nur als Ganzes, unser Bett werde ich auch nicht zersägen können. So wird der Großteil einfach mal hier bleiben müssen, zumal ein nicht unerheblicher Teil von mir in die Ehe gebracht wurde. Bei den DVDs sieht das alles wieder ganz anders aus, ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, wer da was geholt oder wem geschenkt hat. Bücher und CDs sind da wieder unkompliziert, zu unterschiedlich sind hier unsere Geschmäcker.

Wie die Kinder auf die veränderte Situation reagieren, allen voran der Große, der doch eher ein Sensibelchen ist. Wie das mit der Aufteilung klappt. Wie ich es ertrage, die Kinder nur noch die Hälfte der Zeit um mich zu haben. Ob das mit der Kleinen überhaupt so geht, da sie noch sehr abhängig von mir ist. Ob das wirklich so günstig ist, dass mein Mann ans andere Ende der Stadt zieht und dem Großen einen, wie ich finde, extrem langen Schulweg aufbürdet. Ob ich das wirklich so akzeptieren muss.

Wie sich das alles organisatorisch darstellen wird, ist mir noch völlig unbekannt. Ich weiß nicht, wo die Kleine ab Frühjahr in die Krippe geht, da wir noch keinen Platz haben, wie das dann mit dem Kindergarten des Großen hinhaut und wie sich das alles mit meiner Arbeit verträgt. Ich werde 40 Stunden gehen, dafür werde ich bezahlt und ich brauche das Geld auch. Was mein neuer, mir bislang unbekannter Chef dazu sagen wird, ob er einsieht, dass ich bereits um halb Acht anfangen werde, damit ich entsprechend zeitig Feierabend machen kann, um die Kinder abzuholen, weiß ich nicht. Ob es mit ihm die Möglichkeit gibt, mit Home Office ein paar Stunden weniger auf Arbeit sein zu müssen? Das alles in der IT-Branche, die eher für ihre späten Arbeitszeiten bekannt ist. Was ist mit Dienstreisen zu unseren Außenstellen, wenn ich über Nacht wegbleibe. Mir bereitet das ganz schöne Kopfschmerzen.

Meine persönliche Zukunft ist ebenso unbekannt. So ganz perspektivisch hätte ich irgendwann schon gerne wieder jemanden an meiner Seite und bin gerade dabei zu überlegen, wie derjenige sein sollte und ob es so jemanden überhaupt geben kann. Wie das mit den Kindern wäre. Es wäre toll, hätte ich jemanden, der mir die Hand hält und sagt, alles wird gut, wir kriegen das gemeinsam hin. Und so zwei, drei Komplimente könnten meinem geschundenen Ego auch nicht schaden. Aber egal, wie schön das wäre, ich glaube, dass wäre mir im Moment dann doch zuviel. Initiativbewerbungen nehme ich trotzdem entgegen 😉

Und immer dieses doofe Warten, wo ich doch so ungeduldig bin.

Ihhhhh, so ne Rabenmutter

Jammert gerade eine von den Märzmamis, dass sie ein total schlechtes Gewissen hat, weil sie ihre größeren Kinder, 4 oder 5 Jahre und zwei Schulkinder, in die Betreuung gegeben hat. Sie denkt, ihre Kinder würden sich abgeschoben fühlen, sagt aber im nächsten Satz, dass die Kinder es toll finden.

Ich find das sehr befremdlich, da ich an meine Kindergarten- und Hortzeit nur gute Erinnerungen habe und nie das Gefühl hatte, abgeschoben zu sein. Im Gegenteil, ich fand es klasse, mit den anderen Kindern zu toben und zu spielen und zwischen ganz vielen Spielsachen aussuchen zu können. War mir nach Klettergerüst, bin ich geklettert, war mir nach Wippen, dann ab auf die Wippe. War ich eigenbrötlerisch, hab ich mir Stelzen oder ein Springseil geschnappt. Vor allem fand sich immer jemand, der mitmachen wollte oder bei dem ich mitmachen konnte.
Das sind schlicht Dinge, die nicht mal die beste Mutter der Welt leisten kann.

Ich frage mich auch, warum diese Mutter so ein schlechtes Gewissen hat, das wird sie sich kaum selber eingeredet haben. Gibt es also in ihrem Umfeld die Auffassung, das Mütter, die ihre Kinder in die Betreuung geben, schlechte Mütter sind? Woher kommt diese Einstellung? Liegt es daran, dass sonst den „Hausfrauen und Müttern“ die Hälfte ihrer Daseinsberechtigung entzogen wird, weil sie dann eben auch „nur“ Teilzeitmütter sind?*
Ich mein, wir reden hier von „großen“ Kindern, von Kindern, denen man schon Dinge erklären kann und die vieles verstehen, die schon in die Schule gehen oder kurz davor stehen und von ein paar Stunden über Mittag und am frühen Nachmittag.

Dass man über die Fremdbetreuung der ganz kleinen Kinder diskutieren kann, kann ich nachvollziehen, aber spätestens ab 3 Jahren sollte keine Mutter mehr ein schlechtes Gewissen haben müssen. Hier bei uns in der Stadt ist der Kindergarten sogar das letzte Jahr vor der Einschulung kostenlos, da festgestellt wurde, dass nur daheim erzogene Kinder oft kein ausreichendes Sozialverhalten haben, um sich in eine Schulklasse zu integrieren und diese Aufgabe dann an den Lehrern hängen bleibt.

Außerdem, und jetzt komm ich zum eigentlich Punkt, was sagt das über mich als Mutter aus, wenn ich meine Kinder jeweils schon mit einem Jahr zur Tagesmutter bzw. in die Kinderkrippe bringe?
Bin ich dann eine Kohlrabenmutter?

* Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich verurteile niemanden, der sich entscheidet, zu Hause zu bleiben. Für mich wäre es nix, mir würde innerhalb kürzester Zeit die Decke auf den Kopf fallen. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie er sein Leben gestalten möchte.

NACHTRAG: Ich wurde darauf hingewiesen, dass das kostenlose Vorschuljahr im Kindergarten wieder abgeschafft wurde, weil dafür kein Geld da ist. Sehr schade, da jetzt doch wieder die Lehrer diese Aufgabe übernehmen müssen, anstatt den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.