Bevölkerungsexplosion

Manchmal, eigentlich sogar ziemlich oft, macht mein Mann uns kleine Überraschungen. Sei es ein Buch oder eine DVD, die er bei einem Einkauf zufällig entdeckt hat, oder eine Süßigkeit für die Kinder oder ein leckeres Getränk für die Erwachsenen. Oder spontan Kuchen für alle.

So geschehen vor 2 Wochen und ich fand das richtig klasse, denn ich hatte genau in dem Moment unglaublich Appetit auf Kuchen. Sonst interessieren mich Kuchen, Torten oder süße Teilchen herzlich wenig, aber es gibt eben Tage, da ist das anders und da müssen dringends Backwaren her. Ich freute mich über den Kuchen und verspeiste mein Stück mit Genuß.

Die Kleene hingegen zerpflückte ihr Stück in alle Einzelteile und aß am Ende nur die Streußel, ließ die Pflaumen und den Boden links liegen. Mir widerstrebte es, den Kuchen wegzuwerfen, auch wenn er durch die kindliche Spezialbehandlung nicht mehr so appetitlich aussah. Da mein Hunger in diesem Moment nicht groß genug war, um den Kuchen gleich zu essen, brachte ich ihn in die Küche und stellte ihn auf der Anrichte ab.

Als ich das nächste Mal in die Küche kam, war der Kuchen verschwunden. Ich hatte keinen akuten Kuchenappetit mehr, also war mir das egal. Ich vermutete, mein Mann hätte ihn gegessen oder weggeworfen oder das andere Kind hätte ihn vertilgt. Jedenfalls verschwand der Kuchen komplett aus meinem Kopf, für mich war die Sache sozusagen gegessen.

Bis ich ungefähr eine Wochen später eine vom Vortag übrig gebliebene Portion Nudel in der Mikrowelle aufwärmen wollte. Ich öffnete nichtsahnend die Mikrowellentür und fand mich in einem schwarzen Schwarm Fruchtfliegen wieder. Zudem begrüßte mich der Pflaumenkuchen mit Namen und fing an, eine Runde ChaChaCha in der Mikrowelle zu tanzen, was ich für ein so pelziges Wesen ausgesprochen sportlich fand.

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Ungefähr so sah der Pflaumenkuchen aus (Flickr/Ben Aston „mould to the max“, CC BY 2.0)

Mein erster Impuls war, die Tür wieder zuzuschlagen und unauffällig die Küche zu verlassen. Dann fiel mein Blick aber auf die Nudelschüssel und irgendwie hatte ich ja schon Hunger und kalte Nudeln sind nur halb so lecker.

So nahm ich den Teller und hielt ihn unter heißes Wasser, damit sich die Schimmelsporen nicht weiter im Raum verteilen und sich die Masse vom Teller löste. Das Ganze verfrachtete ich dann ins Klo, wo es wunderschön und herrlich grün an der Oberfläche trieb und sich durch meine Spülversuche wenig beeindrucken ließ. Ich packte eine dicke Schicht Toilettenpapier drüber und spülte erneut und endlich war diese graugrüne Monstrosität verschwunden.

Blieb noch die Fruchtfliegeninvasion. Zunächst schloß ich tatsächlich erstmal die Tür der Mikrowelle und stellte sie an. 3 Minuten auf voller Leistung sollte den in der Mikrowelle verbliebenen Tierchen den Garaus machen. Tat es auch, aber die Kadaver lagen jetzt schön verteilt im Innenraum. Ich schrubbte diesen mit heißen Wasser aus und hinterher gab es noch zwei Runden mit Desinfektionsmittel. Ich bin sonst nicht so der „das muss alles hygienisch rein sein“-Typ, aber da wollte ich auf Nummer sicher gehen. Nochmals 3 Minuten volle Power hinterher, damit sollte dann auch der letzte Keim entnervt aufgegeben haben.

Jetzt musste nur noch die Fliegenpopulation eingedämmt werden, was gar nicht so einfach ist. Drosophila melanogaster hatten wir im Biounterricht ausführlich behandelt, denn diese Tiere eignen sich ganz wunderbar für die Forschung. Einfach zu halten, minimale Verpflegungsansprüche, rasante Vermehrung. Was im Labor sicher supertoll ist, fand ich jetzt eher suboptimal, denn bei uns gibt es trotz größter Bemühungen fast immer genug Nahrung. Bei uns kann man sozusagen vom Boden essen, liegt ja genug rum. Spätestens krümelnde Kinder oder räuberische Katzen stellen eine ausreichende Fruchtfliegengrundversorgung sicher.

Da wir nicht zum ersten Mal mit diesem Problem zu kämpfen hatten, befand sich in unserem Haushalt sogar noch ein unbenutzter Fliegenfänger. Dessen Verfallsdatum war allerdings vor 3 Jahren abgelaufen, so dass wir das klebrige Band nicht mehr aus der Verpackung bekamen. Mein Mann stiefelte daher los und erstand im Supermarkt um die Ecke einen neuen Fliegenfänger. Super-Hightech-Konstruktion, wo man in einen Pappbehälter ein kleines Fläschchen mit vorbereiteter Essigessenz stellt und da drüber ein innen klebriges Pappdach stülpt. Geeignete Stellfläche suchen und abwarten.

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Das räumt jetzt bei uns auf, kann man auch bei Amazon kaufen (Affiliate-Link).

Seit dem Ersteinsatz ist eine knappe Woche vergangen und die Invasion konnte erfolgreich zurückgedrängt werden. Vereinzelt surrt noch eine Fliege durch die Küche, doch um die kümmern sich zuverlässig die Katzen.

Was allerdings immer noch ungeklärt ist, wer den Kuchen in die Mikrowelle gestellt hat. Ich war es definitiv nicht und mein Mann streitet ebenso ab, den Kuchen dort geparkt zu haben. Dieses Mysterium wird wohl für immer ungelöst bleiben.

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