Menschliches Nadelkissen und strahlende Windeln

Am Donnerstag stand – mal wieder – eine Kontrolluntersuchung bei meiner Süßen an. Das Wetter dazu hätte nicht besser sein können, Schneesturm genau in den 20 Minuten, die ich brauche, um von der Wohnung zur Uniklinik zu laufen. Auto nützt nichts, da es vor Ort um diese Zeit eh keine freien Parkplätze mehr gibt und ich am Ende vermutlich genauso weit hätte laufen müssen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ich doppelt so lange unterwegs gewesen und hätte trotzdem noch die halbe Strecke laufen müssen.

Da ich glücklicherweise den Kinderwagenregenschutz sehr gut aufgeräumt hatte, mussten wir oben ohne durch das Mistwetter. Ich kam also kurz vor 8 Uhr mit durchweichtem und grummelnden Kind an und kaum hatte ich uns beide einigermassen trocken gelegt, durften wir auch schon zur Anmeldung. Dort ging alles fix, wir wurden erwartet. Dann im Blindflug zur Radiologie, ich brauche mittlerweile nicht mal mehr die lilanen Lurche zur Orientierung.

Der freundliche Empfangsmitarbeiter dort stellte mich vor die zweite große Herausforderung des Tages, indem er mich fragte, wie schwer mein Mädchen sei. Ich schaute ihn mit leerem Blick an und zuckte mit den Schultern. Mein Rücken meint eh immer, dass sie schon mindestens 20 Kilo wiegt, wohingegen mein verliebt-verblendetes Mutterherz nicht wahrhaben will, dass die Kleine schon so groß ist und Stein und Bein schwören würde, dass es kein Gramm mehr als 4 Kilo sind.
Am Ende zeigte ein kurzes Nachmessen: 9,5 Kilo inklusive Klamotten und Windel.

Den Ultraschall fand das Kindlein wie gewohnt sehr doof und protestierte lautstark und mit viel Umherwinden, mit dem Ergebnis, dass sich das glitschige Kontaktgel überall auf ihrem Körper und der Unterlage verteilte und den nur hochgezogenen Body ordentlich verschmodderte. Dass sie auch noch schwungvoll auf die Unterlage pinkelte, rundete diese erste Untersuchung ab.

Zur Abwechslung wurden wir diesmal gleich in die Urologie geschickt, ohne vorher noch auf den Bericht warten zu müssen, welcher direkt in die Abteilung gefaxt würde. Wir wurden sofort ins Behandlungszimmer gerufen und ich freute mich, dass es so schnell ging. Diese ewige Warterei schlaucht nämlich enorm. Der Arzt zerstörte jedoch meine Hoffnungen, an diesem Nachmittag vielleicht noch zum Friseur gehen zu können (in meinen Träumen feierte ich bereits Ostern mit hübschem Haar), indem er mir mitteilte, dass für heute eine Sonderuntersuchung angesetzt sei und diese beinhaltet eine 4-stündige Wartezeit.

Yeah, was’n Glück.

Mein leichtes Aufstöhnen bemerkte eine der Schwestern und fragte mich, ob mir das denn nicht vorher gesagt worden sei.
Offensichtlich nicht, denn DAS hätte ich mir mit Sicherheit gemerkt.
Aber nützt ja alles nix, da müssen wir jetzt durch.

Da die Fachabteilung, die die Spezialuntersuchung namens Szintigrafie macht, so spezial ist, legen die nicht mal einen Zugang, durch den das Kontrastmittel gespritzt wird, sondern überlassen das den anderen Abteilungen. So versuchte der Arzt sein Glück und suchte eine brauchbare Vene an meiner Süßen. Da sie aber nicht nur meine blauen Augen und blonden Haare, sondern auch die schlechten Venen geerbt hat, waren die Bemühungen nur von mittelmäßigem Erfolg gekrönt.

Der Weißkittel piekste einmal in den rechten Fußknöchel, stocherte dort wild herum, bis endlich Blut floss und füllte damit ein Röhrchen zur Blutuntersuchung. Da der Zugang für das Kontrastmittel nicht über diese Einstichstelle erfolgen konnte (medizinisches Fachpersonal unter meinen Lesern kann mir eventuell erklären, warum das so ist), musste jetzt auch noch der linke Fuß gepiekst werden.

Mein Mädchen fand das nur bedingt toll, nicht mal unbedingt wegen der Nadeln und Schmerzen, sondern einfach, dass ihr jemand permanent die Füße festhielt, mit denen sie doch so gerne strampelte.
Der linke Fuß war allerdings noch weniger geeignet für das Vorhaben und so gab der Arzt nach zwei vergeblichen Versuchen auf und zitierte telefonisch einen versierteren Kollegen herbei. Meine Süße hatte sich mittlerweile so in Rage geschrien, dass eine wunderhübsche Vene dick am Kopf hervor trat, welche der neue Arzt umgehend anzapfte. Das ging schnell, tat nicht sonderlich weh und resultierte in einem schicken Turban, damit der Zugang von kindlichen Grabschehänden nicht sofort wieder herausgerissen wird.

So verarztet machten wir uns in die nukularnuklearmedizinsche Abteilung auf. Eine Ärztin klärte uns über Risiken und Nebenwirkungen auf und fragte mich im Laufe dieses Gesprächs, wie viel die Kleine denn an dem Tag schon getrunken hätte.
Wieder so eine unmögliche Frage.
Da ich immer noch in nicht unerheblichen Umfang stille, habe ich keine Ahnung, wie viel sie trinkt. Sie bekommt zwar zusätzlich noch Wasser aus ihrer Trinklernflasche, aber die Gesamtmenge ist für mich unmöglich einzuschätzen. Schien aber für den weiteren Fortgang nicht allzu wichtig zu sein, viel wichtiger war der Ärztin, dass ich das Kind kurz vor der für 14 Uhr angesetzten Untersuchung stille, so dies denn mit meinem Stillplan (häh?) vereinbar wäre.

Wir durften dann zwei Sicherheitsschleusen weiter in ein kleines Zimmer, wo das Kontrastmittel gespritzt werden sollte. Hinter einer durch eine dicke Bleitür gesicherten Durchreiche kam das Mittel in einem kleinen Bleiröhrchen und mir wurde Himmel, Angst und Bange. Das Zeug sollte in mein kleines Mädchen rein? Wenn jetzt noch die Ärztin in einem Hazmat-Anzug aufgetaucht wäre, hätte ich mir die Kleene geschnappt und wäre abgehauen. Da die Ärztin aber nur in einem normalen weißen Kittel gewandet das Zimmer betrat und freundlich jeden Handgriff erklärte, den sie tat (erst mit Kochsalzlösung prüfen, ob der Zugang offen ist, dann das Kontrastmittel spritzen, dann mit Kochsalzlösung spülen), blieben wir und vor allem, entspannt.

Wieder zurück auf der Urologie bekam ich den Termin für die nächste Kontrolluntersuchung genannt, irgendwann im Oktober und dann begann die kniffligste Herausforderung, 4 Stunden warten.

Da ich das überhaupt nicht eingeplant hatte, hatte ich weder Spielzeug noch Nahrung dabei, nur die Trinkflasche der Kleenen. Aber ich wusste, wo der kostenlose Wasserspender stand und so strandeten wir zunächst, unseren Jäger- und Sammlergenen Folge leistend und sich nie zu weit vom nächsten Wasserloch zu entfernen, im direkt angrenzenden Wartebereich. Wir tranken uns beide voll und dann nickte die Süße auf mir ein und ratzte trotz der unsäglich lauten automatischen Krankenhaustüren eine knappe Stunde.

Ausgeruht entdeckte ich dann, dass man im ersten Stock ganz wunderbar um den ganzen Innenbereich wie auf einer Galerie herumlaufen kann. Dazu noch bodentiefe Glaswände als Geländer, durch die man die darunterliegende Cafeteria beobachten kann. Das Kindlein lief also eine Runde nach der anderen, begrabschte die Pflanzen, winkte freundlichen Menschen zu und protestierte lautstark, als ich es davon abhielt, sich todesmutig die Treppe hinunter zu stürzen.
Dadurch verging die Zeit recht fix und schneller als gedacht waren wir schon wieder auf dem Weg in die Nuklearmedizin. Zum Glück hatte der Schneeregen just in diesem Moment wieder angefangen und durchweichte uns auf den gut 500 Metern bis zum Ziel.

Vor Ort stillte ich das Kind wie verabredet und überpünktlich holte uns die Schwester zur Untersuchung ab. Meine Süße wurde in eine Backform gelegt, die sie relativ unbeweglich machte, was ihr natürlich überhaupt nicht gefiel. Dazu noch diese riesige Maschine mit den lauten Geräuschen, die sich brummend über und unter ihr bewegte und fertig sind diverse Therapiestunden im Erwachsenenalter. Die Schwester fragte mich, ob ich sie denn irgendwie beruhigen könne, mit einem Schnuller etwa, da es für die Untersuchung wichtig ist, dass sich der Patient möglichst nicht bewegt.

Da die Maschine die Kleene fast vollständig bedeckte, konnte ich meinem Mädchen nur die Hände halten, beruhigend auf sie einreden und ihr die Stirn küssen. Das klappte ganz gut und Mitte des zweiten 10-minütigen Aufnahmezykluses war sie eingeschlafen. Insofern gut, da der dritte Zyklus über 40 Minuten dauerte. Ich hielt also weiter ihre Hände, aber hatte jetzt genug Zeit mich umzuschauen und entdeckte den Monitor, auf dem live die Aufnahmen zu sehen waren.

Ich konnte ganz gut die zwei eiförmigen Gebilde sehen, die die Nieren darstellen sollten und viele kleine Punkte, die grob den restlichen Körper markierten. Im Laufe der Untersuchung kam noch eine dritte heller leuchtende Stelle hinzu und nach anfänglichem Grübeln erkannte ich die Windel, in der das radioaktive Mittel letztendlich landete. Je länger es dauerte, desto deutlicher wurde der Windelabdruck, was ich irgendwie lustig fand. Vermutlich, weil ich mich so langweilte.

Dann war auch diese Untersuchung vorbei und wir durften wieder zurück in die Urologie, den Zugang entfernen lassen. Das ging dank Zaubermittel ganz schnell und ohne großes Ziepen und Meckern und wir konnten endlich nach Hause gehen, wo wir 16 Uhr ankamen und uns beide erstmal eine Runde aufs Ohr hauten, den Stress wegschlafen.

Ergebnisse gibt es irgendwann diese Woche, ich werde berichten.

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Langeweile

Warten aufs ChristKind zerrt ganz schön an den Nerven und so langsam gehen mir auch die Fenster zum Putzen aus.

Also versuche ich, mir die Zeit anders zu vertreiben. Unterstützt werde ich dabei von meinen Fingernägeln, die aktuell beschlossen haben, den aufgetragenen Nagellack, welcher sonst locker eine Woche ohne Blessuren überstanden hat, nach spätestens drei Tagen von den Nägeln splittern zu lassen. Hab ich also immer öfter einen Grund, mich neu anzumalen.

nagel

Dann war heute noch ESC. Bin ich ein ganz großer Fan davon, gucke ich jedes Jahr, rege mich jedes Jahr drüber auf und finde die deutschen Beiträge sehr oft auch eher nunja. Letztes Jahr wollte ich fast vom Glauben abfallen, als so ein Rocksternchen ohne Profil und Stimme den deutschen Vorausscheid gewann, während auf Platz 2 und 3 die richtig fetten Nummern landeten. Entsprechend schlecht war auch das finale Abschneiden, aber es muss ja einen Grund geben, warum zu einem ordentlichen ESC viel Sekt gehört.

Mit dem diesjährigen Beitrag kann ich gut leben, wobei das Starterfeld generell nicht so der Brüller war, was jetzt keineswegs die Leistung von Elaiza schmälern soll.

Mein Lieblingsbeitrag aller Zeiten wird jedoch immer dieser sein. Zu schade, dass er nicht gewonnen hat 😉