Bastelanleitung

Nachdem mein kleines Monster schnurrt wie eine Katze und alles artig tut, was man ihm aufträgt, dachte ich, ich zeige, wie der Rechner zusammengebaut wurde, falls es mir jemand nachmachen möchte 😉
(Dieser Beitrag soll vor allen jenen die Angst vorm Selbermachen nehmen, die sich so etwas nicht zutrauen oder denken, das wäre alles total kompliziert und erweiterte Raketentechnik. Ist es nicht! Ich schau dabei besonders Frauen an, die sich gerne hinter dem Argument „das ist Männersache“ verstecken.
Aber eigentlich schreibe ich den Artikel hauptsächlich, um noch einmal das Erlebnis Rechnerzusammenbau rekapitulieren zu können.)

Man nehme die im Artikel aufgelisteten Zutaten und schüttele sie möglichst wenig. Hilfreich ist ebenfalls, dem Postboten beim Pakete tragen zu helfen, ganz besonders, wenn das neue Gehäuse eine Echtglasscheibe hat, welche erstaunlich schwer ist, und man zudem noch unterm Dach wohnt.

Man packe vorsichtig alle Materialien aus, überprüfe auf Vollständigkeit und vor allen Dingen: man hebe die Bedienungsanleitungen auf und legt sie ein wenig abseits, aber dennoch jederzeit griffbereit ab.

Falls sich irgendwer jemals wieder über die viele Luft in Chipstüten oder ähnliche Mogelpackungen aufregen sollte: das ist alles NICHTS gegen die Chiphersteller! (Bestimmt nur Zufall, dass es beide Male um Chips geht.)
Bild 1 zeigt die geöffnete Verpackung des Ryzen-Prozessors. Ganz unten, am schmalen Rand klebt der Chip. Von außen wird er nur durch etwas Plastik geschützt, wie Bild 2 verdeutlicht. Ich persönlich finde das recht abenteuerlich.

Aber so in freier Wildbahn sieht der Prozessor schon recht hübsch aus:

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Als nächstes nehme man das Motherboard.

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Ahhhhh, manche kaufen sich den Playboy oder besuchen irgendwelche Erwachsenenseiten im Internet, ich könnte mir stundenlang solche sexy Schönheiten angucken. Hinter dem 5-eckigen schwarzen Etwas im unteren rechten Bereich leuchtet eine kleine LED und wechselt fröhlich die Farben, was das irgendwo tief in mir drinnen wohnende Mädchen sehr hübsch findet.

Oben mittig befindet sich der Sockel für die CPU. Der Einbau ist denkbar einfach. Den kleinen Hebel unterhalb des Sockels umlegen, den Prozessor auf den Sockel stecken – wobei kleine markierte Ecken sowohl auf dem Sockel als auch auf dem Prozessor helfen, die CPU richtig herum einzulegen. Wenn man die richtige Ausrichtung getroffen hat, gleitet der Prozessor butterweich in den Sockel und der Hebel kann leicht, ohne Widerstand umgelegt werden.

Das Wichtigste beim Basteln am Rechner (wie eigentlich überall): keine Gewalt. Oder wie der Klempner sagt: Nach fest kommt ab. Alle Anschlüsse und Verbindungen sind so gestaltet, dass sie im Normalfall nur auf eine einzige Art passen und sich in der Regel leicht ein- oder ausbauen lassen. Sollte es hakeln, dann ist es nicht der richtige Stecker für den Anschluss oder der Stecker hat nicht die richtige Ausrichtung (unbedingt die kleinen Nasen und Einbuchtungen beachten) oder irgendein Hebel hält noch fest und muss gelöst werden. Die einzige Ausnahme von dieser Regel gilt für die alten 4-adrigen Stromstecker, die sich nur mit fast unmenschlicher Anstrengung wieder lösen ließen und die mich diverse Fingernägel und Hautfetzen gekostet haben.

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Riegel, vielleicht nicht ganz kalorienfrei, jedoch eher unverdaulich, aber doch ganz süß. Die zwei 8GB DDR4 RAM 3000MHz Speicherriegel in einem schicken Rot von Corsair finden ihr Plätzchen oben rechts in den Slots neben dem CPU-Prozessor.

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Das Herzstück sitzt und auch der Arbeitsspeicher glänzt. Auf dem Bild ist gut die goldene Ecke oben links am Prozessorrand zu erkennen.

Als nächstes folgt der einzig wirkliche knifflige Schritt, bei dem man besonders sorgfältig vorgehen sollte: der Einbau des CPU-Kühlers. Mir ist ein kleiner Designfehler unterlaufen, welchen ich vielleicht bei Bedarf noch ändern werde, aber vermutlich bleibt es jetzt so.

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Noctua, der Hersteller des von mir ausgesuchten Kühlers, bietet den Einbau in zwei Ausrichtungen an, je nachdem, wie das Motherboard designed wurde und der Kühler am besten hinpasst. Aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen entschied ich mich, die langen Montagebrücken zu verwenden und damit den Lüfter horizontal zu stellen. Erst im Nachgang fiel mir auf, dass dadurch der zweite Kühlerlüfter mit der Grafikkarte kollidiert und musste diesen wieder ausbauen. Ein vertikaler Einbau hätte vermutlich Platz für beide Lüfter geschaffen, wobei ich mir beim Betrachten der Bilder gar nicht mehr so sicher bin.

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Wie auch immer, das Kniffligste ist das Auftragen der (mitgelieferten) Wärmeleitpaste. Da der Klopper von einem Kühler den Zugang zur direkt darunter befindlichen Platine erheblich erschwert, ist übergelaufene Paste nur schwer bis gar nicht zu entfernen und matscht dann für alle Zeiten aufm Board rum und richtet womöglich irgendwelchen Unsinn an. Von daher, am Besten der Empfehlung des Herstellers folgen, welcher einen mittigen, 5 mm großen Klecks empfiehlt (anderer Hersteller, andere Paste, andere Empfehlung). Dann den Lüfter auf die Metallbrücken setzen und festschrauben. Dabei immer mal nach der Paste schauen, ob sie den Rand erreicht oder sogar überläuft. Bei dem Noctua-Lüfter ist zusätzlich ein Mechanismus eingebaut, der verhindert, dass man die Schrauben überdreht. Sehr löblich!

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So sieht der Kühler mit den 2 mitgelieferten Lüftern aus. Das Board hat zwei separate Anschlüsse für die CPU-Lüfter, aber Noctua hat der Packung einen Adapter beigelegt, wenn man nicht diesen Luxus hat und beide Lüfter auf einen Stecker bringen muss. Man kann hier auch schon wunderbar erkennen, dass der obere PCIe-Slot, der da an der Unterkante des 2. Lüfters vorblitzt, nicht mehr genutzt werden kann. Da meine Grafikkarte der Wahl jedoch so groß ist, kann sie nicht im unteren PCIe-Slot eingesetzt werden und so musste eben der 2. Lüfter weichen. Nach einem knappen Monat Betrieb reicht die einfache Lüftung jedoch völlig aus.

Ich kümmerte mich dann erstmal um etwas einfacheres, dem Einbau der Festplatten und der Energieversorgung. Ich hatte das be quiet! Netzteil mit Kabelmanagement gekauft, wobei ich nicht wusste, was „Kabelmanagement“ eigentlich bedeutet. Netzteile sind für mich immer große schwere Kästen, aus denen eine Menge Kabel ragen, von denen ich noch nie alle gebraucht habe. Genau dieses Thema addressiert das Kabelmanagement, in dem es für jeden einzelnen Strang einen separaten Anschluss bietet. Braucht man einen bestimmten Strang nicht, lässt man ihn weg und hat – schwupps – mehr Platz im Gehäuse. Sehr praktisch!

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Im Hintergrund oben links kann man die Einschübe für die Festplatten sehen. Jede Festplatte wird auf ein eigenes Tray geschraubt und das Tray dann ins Gehäuse geschoben. Die SSD wird ganz platzsparend an die Außenseite des Gehäuses gepackt, den Einbauort kann man gerade so noch in der oberen linken Bildecke erkennen. Ich finde dies eine sehr schöne Lösung, da damit die ganze Stromverkabelung der Festplatten auch im hinteren Gehäuseteil bleibt und nicht wie bei den Vorgängern mit vorne am Board rumbaumelt und grundsätzlich im Weg ist.

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Das Netzteil hat gleich ein ganz eigenes Gehäuse im Gehäuse bekommen, auf dem Bild in der Metallbox mit dem Sharkoon-Namenszug. Das sieht dann gleich viel aufgeräumter aus und mit ner Glasscheibe an der Seite ist Ordnung nicht ganz unwichtig.

Oben rechts die bekannten Einschübe für CD-/DVD-Laufwerke.

Dann wurde es etwas fummlig, als ich das Board ins Gehäuse friemeln wollte. So fummlig, dass ich am Ende den hinteren Gehäuselüfter ausbauen musste, damit sich das Board in die hinteren Gehäusebuchsen schieben ließ. Sobald alles richtig saß, wurde das Board festgeschraubt. Dazu gab es 9 Schraubstellen, aber irgendwie hab ich nur 8 gefunden. Ich glaube, der CPU-Kühler war auch hier zu ausladend.

Am Ende noch die Grafikkarte an den richtigen Platz stehen, den Gehäuselüfter wieder eingebaut, die ganzen Kabel angesteckt und das Kunstwerk bestaunt.

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Besonders bei der Verkabelung hat das Board-Handbuch wertvolle Dienste geleistet, denn nicht immer war durch den Aufdruck auf der Platine erkennbar, welcher Stecker wohin gehörte.

Und dann kam der spannende Moment: das erste Einschalten. Fliegt mir das Ding um die Ohren? Brennt das Teil ab? Macht es überhaupt irgendwas?

Es machte und begrüßte mich mit einem wunderhübschen BIOS:

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Ich hab ein bisschen am BIOS rumgefummelt, dann mit den bekannten Schwierigkeiten Windows 10 installiert und fertig!

Zum Ausreizen der ganzen Technik habe ich mir Assassin’s Creed Origins gekauft und spiele das in den allerhöchsten Einstellungen ohne Probleme. Keiner der vielen, vielen Lüfter dreht höher als im Normalzustand, was ich sehr begrüße. Ganz generell ist der Rechner sehr leise.

Und er leuchtet blau ❤ ❤ ❤

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Rosa ist scheiße

Ich habe mich ja auch hin und wieder schon aufgeregt, dass meine Tochter für einen Jungen gehalten wird, weil sie keine rosanen Klamotten trägt. Nicht, weil ich rosa nicht mag, aber weil mir dieses Rollenklischee gehörig auf die Nüsse geht und es teilweise sehr schwierig ist, überhaupt ansprechende Kinderkleidung zu finden, die eben nicht stereotypisch blau mit Autos oder rosa mit Herzen ist.

Neulich beim Schlüpferkauf – und ja, diese Teile heißen Schlüpfer oder Unterhosen, aber auf gar keinen Fall Schlübbis – ist mir das auf absurdeste Weise wieder aufgefallen. Es standen zur Auswahl: Grundton weiß, rosa oder pastelllila; Motive: Elsa aus Frozen oder Disney-Prinzessinnen oder Minnie Maus, in der Nicht-Markenabteilung kotzesüße Katzenbabies. Es fehlten: normale einfarbige Schlüpfer in bunt. Bei den Jungs geht das komischerweise. Der Große hat Unterhosen in knallbunt in orange, rot, grün, blau, grau, schwarz, mit Smileys oder Streifen, eher selten mit Autos oder Raketen.

Nun bin ich nicht die Einzige, die das nervt und jetzt hat es eine Journalistin professionell auf den Punkt gebracht:
Rosa ist scheiße

Noch ein wenig amateurhaft ärgert sie sich im Beitrag, dass sie sich entweder ständig erklären muss oder für merkwürdig gehalten wird. Da ich auch ohne Kinder für merkwürdig gehalten werde, prallten solche Resentiments schon immer an mir ab. Mit dem restlichen Artikel spricht sie mir allerdings voll aus der Seele. Vor allem, was den unterschiedlichen Umgang mit Mädchen und Jungs angeht.

Unser Mädchen hat die Bagger- und Traktorensammlung ihres großen Bruders geerbt. Sie hat mehr Schrammen an Knien und Schienbeinen als ihr Bruder, nicht weil sie ungeschickter ist, sondern wagemutiger und damit auch öfter mal auf die Nase fällt. Der Große wollte früher lange Haare haben, damit er Haargummis und – spangen verwenden kann, hat er bekommen. Nagellack wollten beide, haben auch beide bekommen. Ich ermahne meine Tochter nicht, dass sie sich nicht schmutzig machen soll, sondern ziehe ihr stattdessen robuste, erdfarbene Klamotten an. Ihr Lieblingsshirt ist grün und hat ein Kermitbild drauf. Das Lieblingsshirt des Großen ist gelb und trägt den Schriftzug „Auf Forschungsreise, bitte nicht stören“.

Es sind Kinder, sie wollen die Welt entdecken, auf ihre Weise, ungestüm oder beobachtend, immer neugierig, neuen Sachen grundsätzlich aufgeschlossen, solange immer genügend Gummibärchen vorrätig sind. Warum sollte dieser Forschungsdrang in eine Geschlechterrolle gepresst werden, wo Mädchen nur mit Puppen und Jungs nur mit Autos spielen dürfen? In dieser ganzen Diskussion muss ich dauernd an zwei Memes denken, die in schöner Regelmäßigkeit in meiner Facebooktimeline auftauchen:

  • „Das ist aber ein süßer Junge.“
    „Das ist ein Mädchen.“
    „Aber es trägt blau.“
    „Ja, wir erziehen unser Kind zweifarbig.“
  • „Vorsicht, dein Junge spielt mit einer Puppe, er könnte schwul werden.“
    „Ja und? Er könnte auch einfach ein guter Papa werden.“

Leider wird, und das wird im Artikel auch angesprochen, sehr viel Einfluß von der Umgebung ausgeübt. Im Kindergarten, in der Schule, auf dem Spielplatz, wo auch immer, überall werden die Kinder mit den althergebrachten Stereotypen konfrontiert und müssen sich dann rechtfertigen. So kam mein Großer letztens sehr geknickt aus der Schule. Nach einigem Herumdrucksen rückte er endlich mit der Sprache heraus, dass ihn die anderen Kinder in der Schule ausgelacht hatten, weil er Glitzersachen mag. Seitdem will er partout nichts glitzriges oder glänzendes mehr haben und seine Bilder verziert er nicht mehr wie sonst mit Glitter, nur noch mit Buntstiften und da ja keine Pastelltöne. Und seine Winnie-Pooh-Brotdose findet er doof, weil ein Junge ihn deswegen gehänselt hat.

Mich macht das sehr sehr traurig.

Klette

Meine Süße verweigert – mal wieder – feste Nahrung, nur Mama ist gut genug und allein auf Mama ist das Leben erträglich. Papa ist bloß ein schwacher Ersatz und funktioniert nur für wenige Minuten.

Warum, wieso, weshalb jetzt auf einmal der Rückschritt erfolgte und ob es nur eine (hoffentlich) ganz kurzfristige Phase ist, weiß natürlich auch keiner.

Passt aber ganz wunderbar in die Gesamtsituation, mit der ich persönlich gerade äußerst unzufrieden bin *seufz*

Viel zu viel

zu tun für zu wenig Zeit!

Ich war mal wieder für ein (sehr) langes Wochenende bei meinen Eltern und hab da so einiges erlebt, über das ich bei Gelegenheit mal schreiben muss. Außerdem spannen mich die Artikel meines Reiseblogs ordentlich ein, da ich mir vorgenommen habe, diese in beschwingt-leichter Form zu verfassen, ich aber nicht immer in der passenden Stimmung bin. Dann arbeite ich an zwei längeren Texten, einer davon über Boris. Der ist, im Gegensatz zum zweiten Text, schon fertig in meinem Kopf und muss eben nur noch zu Papier auf den Bildschirm gebracht werden.

Organisatorisch hängt auch einiges in der Warteschleife. Der Urlaub war teurer als gedacht und ich muss dringend zur Bank. Dooferweise war der erste Versuch daran gescheitert, dass ich den kontoauszuggleichen Wisch, der nach Aussage des Bankangestellten mein Sparbuch repräsentiert, nicht bei mir hatte. Vor einem Jahr ging es zwar auch ohne, wenn auch mit dem eindringlichen Hinweis, dass es ohne das Sparbuch nicht geht, letztendlich fand aber die nette Schalterdame doch einen Weg. So muss ich jetzt also wieder mitten in die Stadt.
Wir müssen noch das Schreiben an unsere Wunschschule fertig machen, damit der Große im nächsten Jahr dort und nicht in der bronxnahen Einrichtung eingeschult werden kann. Mein Mann macht sich diesbezüglich schlau, stolpert dabei jedoch ständig über neue Hindernisse. Aktuell geht es darum, alle Argumente zusammenzutragen, da nachträglich angebrachte Gründe nicht berücksichtigt werden.
Der in Italien passierte Hagelschaden muss auch noch begutachtet werden. Ich kann dazu zwar jederzeit wochentags bei der Dekra vorbei schauen, muss aber vorher mit dem Auto in die Waschanlage. Hab ich ewig nicht mehr gemacht. Ich hoffe, ich weiß noch, wie das geht und vor Allem hoffe ich, dass das Auto dabei nicht auseinander fällt, denn insgeheim denke ich, dass es größtenteils nur noch durch den Dreck zusammen gehalten wird. Wie auch immer, es hat heute so dolle geregnet, dass sich eine Wagenwäsche überhaupt nicht gelohnt hätte und jetzt kann ich das frühestens freitags nachholen, da ich morgen zur Bank will, weil die am Freitag nur bis 12 Uhr geöffnet hat.

Die Katzen wollen bespaßt werden, so richtig verkraftet haben die unsere 3-wöchige Abwesenheit noch nicht. Und auch wir wollen unseren Spaß und deswegen habe ich meinem Mann die Erweiterung für Diablo 3 gekauft. Da es aber blöd ist, wenn er alleine das spielt und mir die ganze Zeit den Mund wässrig macht mit den tollen Neuerungen und Items und überhaupt und das ganze gerade im Angebot war, hab ich mir die Erweiterung auch gekauft und würde jetzt am liebsten die ganze Zeit zocken. Tja, wären da nicht die ganzen oben stehenden Punkte und mein süßes Mädchen.

Das nämlich lenkt mich durch ihr Süßsein und ihr rasantes Wachstum von allen anderem ab und so sitze ich lange neben ihr und schau ihr beim Turnen und Glücklichsein zu.

Krasses Zeug

Heute stand wieder ein Kontrolltermin für mein Mädchen an der Uniklinik an. Früh um 8, mitten in der Nacht also. Etwas verschlafen, aber halbwegs pünktlich fanden wir uns am Ort des Geschehens ein und meldeten uns an der Anmeldung. Direkt danach ging es wie gewohnt in die Radiologie zum Ultraschall.

Die gute Nachricht: die Nierenbeckenerweiterung hat sich von 14 auf 10 Millimeter verkleinert, der Rest ist gleich geblieben. Nach dem Ultraschall sollte heute außerdem noch ein Miktionszystourethrogramm gemacht werden. Ich hatte mich im Vorfeld informiert und wusste ungefähr, was auf uns zu kommt. Dennoch war ich überrascht, als mir die Stationsleiterin einen dieser medizinischen Aufklärungsbögen in die Hand drückte und sich kurze Zeit später zum persönlichen Aufklärungsgespräch zu uns setzte.

Es muss ein Katheder gelegt werden und da kleine Kinder erfahrungsgemäß eher unruhig sind, wird meiner Süßen ein Beruhigungsmittel gegeben. Dann werden diverse Röntgenbilder angefertigt, was natürlich eine erhöhte Strahlenbelastung mit sich bringt. Über all diese Dinge und die damit verbundenen Gefahren und Risiken wurde ich ausführlich informiert und unterschrieb den Bogen.

Kurz darauf kam die Ärztin wieder mit einen kleiner Spritze (ohne Kanüle) mit klarer Flüssigkeit, welche in die Nase injiziert werden sollte. Erwartungsgemäß fand das mein Mädchen überhaupt nicht lustig, selbst simples Naseputzen ruft bei ihren starken Protest hervor. Entsprechend laut jammerte sie und ich wartete darauf, dass das Mittel wirkt.

Anfangs schien es allerdings überhaupt nicht so. Sie schrie, sie wand sich, ihr bot ihr die Brust an, an der sie minimal nuckelte, um dann weiter zu schreien. Und zack, mit einem Mal war Ruhe. Die Süße setzte sich hin und guckte sich mit glasigen Augen um. Die Ärztin kam wieder, schaute sich das Kind an und war ob des Augenzustandes höchst zufrieden und wir siedelten in den Röntgenraum um.

Ich bekam eine schicke blaue Bleischürze samt farblich passender Bleihalskrause verpasst, durfte das Kindlein ausziehen und dann am Kopfende Position beziehen, um beruhigend einwirken zu können. Da die Uniklinik vornehmlich ein Lehrkrankenhaus ist, waren auch zwei Studenten anwesend, denen die Ärztin ausführlich jeden Schritt erklärte und auf die Besonderheiten bei der Kathederlegung bei Babies (alles ist so winzig) im Allgemeinen und bei Mädchen im Speziellen (alles ist zusätzlich noch versteckt und liegt recht nah beieinander) hinzuweisen.

Beim zweiten oder dritten Versuch klappte es dann auch und der Katheder saß, den ich im übrigen ganz furchtbar groß und dick fand. Meinem Mädchen war das mittlerweile alles egal, sie lang ruhig auf dem Rücken und feixte vergnügt vor sich hin. Normalerweise ist auf dem Rücken liegen und dazu noch festgehalten werden mit das größte Ungemach unter der Sonne, aber diesmal gluckste und brabbelte sie vor sich hin, zum Amüsement aller Beteiligten. Die Ärztin meinte, dass dies durch das Beruhigungsmittel kommt und ich fragte, ob ich davon etwas für zuhause bekommen könne, was wiederum durch Lachen seitens der übrigen Erwachsenen quittiert wurde. Hmpf!

Das Kontrastmittel wurde über einen Tropf laufen gelassen, es gibt da wohl Vorgaben, irgendwas mit 30 Zentimeter Wassersäule, damit nicht zuviel Mittel unter zuviel Druck in die Blase gelangt. Sekündlich wurde eine Aufnahme gemacht, um zu prüfen, wie voll die Blase bereits ist und ob es in diesem Stadium schon zu einem Reflux kommt, was es nicht tat.

Es wurde dann ein wenig hektisch, denn sobald die Blase voll ist, wird der Katheder gezogen und üblicherweise pullern dann die Patienten sofort. Und genau dieser Moment muss mit dem Röntgengerät eingefangen werden, denn der Reflux startet mit Beginn des Wasserlassens. Obwohl die Ärztin wusste, was sie tat, ist es doch recht einfach, den richtigen Moment zu verpassen und so wurden ganz schnell mehrere Bilder gemacht, von verschiedenen Winkeln und mit unterschiedlichen Einstellungen. Einmal war es dieses übliche Röntgen-Schwarz-Weiß, ein anderes Mal sehr viel heller mit ganz viel weiß, als ob die Farben invertiert worden wären. Medizinisches Fachpersonal kennt bestimmt die richtigen Bezeichnungen dafür, ich konzentrierte mich allein auf das Ergebnis.

Denn leider gibt es einen Rückfluss. Das heißt, bei jedem Pipi machen fließt eine kleine Menge Urin zurück in den nur unzureichend angelegten Teil der Doppelniere, bei dem grundsätzlich nicht klar ist, in welchem Umfang er überhaupt funktionsfähig ist. Das Problem bei einem solchen Reflux ist, dass dabei Bakterien aus der Blase in die Niere gelangen und dort Entzündungen hervorrufen können, welche im schlimmsten Fall zu einer sehr schmerzhaften Nierenbeckenentzündung führen können.

Immerhin gab es den Reflux nur beim Pinkeln und nicht schon beim Füllen der Blase, was ein sogenannter Niedrigdruckreflux wäre und wesentlich mehr Probleme mit sich bringen würde.

Danach ging es auf die Kinderurologiestation, wo ich schon erwartet wurde. Der Arzt dort schaute sich die Kleene auch noch einmal kurz an, das Wichtigste allerdings waren die Radiologieergebnisse. Die Antibiotikumprophylaxe muss weiter geführt werden, die Dosis wurde wegen des höheren Gewichts auf 3 ml angepasst. Man könne den Reflux auch operieren, doch wolle man solch invasive Eingriffe vorerst vermeiden, zudem hätte man festgestellt, dass sich ein solcher Reflux auch im Alter von 1-2 Jahren von selbst verwachsen könne.

Also machen wir erst mal so weiter wie bisher und in sechs Monaten haben wir den nächsten Termin.

Shoppingwahn

Ich musste heute in die Stadt, weil der Große einen Sonnenhut braucht. Wenn er draußen spielt und dabei nur sein Basecap aufhat, dann verbrennt er sich den Nacken. Die Kleene ist Sommermützentechnisch äußerst unterversorgt, also noch ein Grund mehr. Und wenn ich schon mal dort bin, kann ich auch gleich bei meinen Kollegen vorbei schauen.

So bin ich denn mittags los und als erstes auf Arbeit. Die Freude vor allem der weiblichen Kolleginnen war groß und das Kindlein wurde von allen Seiten bestaunt und begutachtet und für gelungen befunden, was mich als Mama unheimlich stolz machte. Leider war eine meiner Lieblingskolleginnen nicht da, sie hatte der extreme Wetterumschwung auf die Matte geschickt. Die anderen sind aber in vollem Umfang für sie eingesprungen.
Sogar meine IT-Kollegen, alle männlich, freuten sich und erzählten von ihren Vatererlebnissen und dass die Kleinen ja leider so schnell groß werden und wie doch die Zeit rennt.
3 Stunden später war ich wieder draußen, jedoch mit weiteren Besuchsterminen im Gepäck, war gar nicht so einfach durch die bevorstehende Urlaubszeit.

Ich war schon ziemlich knülle, aber es fehlten noch die Mützen. Die üblichen zweibuchstabigen Ladenketten sind zum Glück gleich ums Eck und bei H&M wurde ich auch direkt fündig. Ein Piratenanglerhut für den Großen, ein weißes Mützchen für die Kleine. Kurze Jungenhosen waren gerade im Angebot, 2 Stück mitgenommen. Bei der 3 für 2 Aktion mitgemacht, 2 T-Shirts und eine kurze Schlumperhose eingepackt. Dazu noch ein Kleidchen, weil deswegen eben 😉

Nach nebenan zu C&A, „bloß mal gucken, was die so haben“. Ein knallrotes Safarimützchen für die Kleene mitgenommen und dann entdeckte ich Fußball-Bodies für die WM. Leider nicht in der passenden Größe, da gab es nur ein T-Shirt. Hab’s trotzdem mitgenommen, werde schon eine passende kurze Hose in meinem Fundus haben. Ansonsten könnte ich ja eine Klöppeln, mich juckts derzeit eh wieder in den Fingern.

Tja, eigentlich wollte ich ja nur 2 Mützchen …

Randnotiz: meine IT-Kollegen haben wieder ordentlich über meine Vertreterin gejammert und zwei reden mittlerweile gar nicht mehr mit ihr. Satte Leistung.

Geschlechterk(r)ampf

Immer wieder passiert es, dass Fremde mein Baby als männlich wahr nehmen.

Im Krankenhaus wurde sie von Schwestern und Ärzten gleichermaßen als „er“ tituliert. Ich erwarte jetzt nicht, dass sich die Gesundheitsritter jeden einzelnen Patienten namentlich merken, dazu ist die Durchlaufrate der Patienten zu hoch. Zudem werden sie intern meist eh nur mit ihren Krankheiten tituliert: die Niere hat Durchfall, der Ventrikel Fieber und der Fuß kann morgen entlassen werden.
Dennoch hat es mich irritiert, als eine Schwester Fieber messen wollte und mich bat, „ihn mal bitte auszuziehen“. Bei der Anästhesieaufklärung erläuterte mir der Arzt, dass er „ihm nur schnell in den Mund schauen wolle“ (wegen Kiefer-Gaumen-Spalte und den Zähnen). Selbst die Schwester im Aufwachraum nach der OP hielt mein Mädchen anfangs für einen Jungen.

Beim Fußball am Wochenende waren wir wohl ein so ungewöhnlicher Anblick, dass viele Zuschauer uns neugierig anschauten und Fragen stellten: wie alt er denn jetzt sei oder ob ihm denn der Lärm nichts ausmache. (Eine Frau raunzte ihren Mann sogar an, dass sie da ja auch ihre Kinder mit zum Eishockey nehmen können und erkundigte sich bei mir, wo wir die Ohrenschützer her hätten. 🙂 )

Als ich ein Foto meiner schlafenden Süßen bei einer Facebookgruppe anderer Märzmamis postete, kam „er ist aber niedlich“.

Mich stört diese Referenzierung nicht, zumal man am Gesicht in diesem Alter sehr schlecht erkennen kann, ob das Kindlein männlich oder weiblich ist. Allerdings kam auch niemand auf die Idee zu fragen, ob es ein Junge oder Mädchen sei, es wurde einfach so angenommen.

Mir stellt sich die Frage: Warum eigentlich?

Ich stelle jetzt die zugegeben sehr steile These auf: Weil unser Mädchen keine rosafarbenen oder andere typisch weibliche Klamotten trägt. Keine Kleidchen, keine Blüschen, keine Haarbänder. Stattdessen sind ihre Strampler grün und orange.
Unsere Gesellschaft ist mittlerweile so darauf geeicht, dass Mädchen von Geburt an in pink gewandet werden, dass alles Abweichende automatisch ein Junge ist.

Mir ist egal, ob meine Kleene weiterhin dem falschenmännlichen Geschlecht zugeordnet wird, ich werde auch zukünftig die Leute nicht über ihren Irrtum aufklären. Sie wird sich, wenn die Zeit gekommen ist, ihr Spielzeug selber aussuchen dürfen, so wie der Große schon. Sollten es Puppen sein, dann ist es eben so. Bei Autos wird sie sich mit ihrem Bruder darum balgen müssen 😉

Frühlingsfisch

Frühlingsfische sind eine eher seltene Spezies, die es nur an maximal einem Tag im Jahr geben kann, in manchen Jahren sogar gar nicht. 

Seit gestern bereichert ein weibliches Exemplar dieser Gattung unser Leben.

Hatte es zunächst gestern wieder so ausgesehen, als würde es nur ein weiterer Fehlalarm sein, ging es am Ende dann doch recht fix und um 17:43 Uhr war unser kleines Mädchen auf der Welt. Soweit wir das überschauen können, ist alles so, wie es sein sollte und allen Beteiligten geht es gut.

Der große Bruder hat uns gestern am Telefon noch nicht glauben wollen, dass er jetzt eine Schwester hat, vermutlich muss er sie erst mit eigenen Augen sehen. Ich bin sehr gespannt auf seine Reaktionen, wenn er dann aus dem Kindergarten nach Hause kommt 🙂

Die Katzen sind noch sehr skeptisch ob des neuen Mitbewohners. Die kleine Dachschadenkatze hat die Hosen gehörig voll und traut sich nicht mal ins selbe Zimmer. Die große Katze schnuppert neugierig, aber wagt sich noch nicht richtig nah ans Baby heran.

Ausführlicher Bericht folgt.