Auswertung: Xayriel orakelt den ESC2016

So langsam weicht das Grummeln über das deutsche Abschneiden einer hilflosen Akzeptanz, begleitet von einm alternativen Erklärungsversuch. Doch bevor ich mich dem widme, schau ich als allererstes, wie gut meine anderen Tipps waren.

Russland wurde tatsächlich 3., yay, Punktlandung 🙂

Australien hatte ich für mich als gut bewertet, aber irgendwie nicht in der Top 10 gesehen. Ich freu mich, dass Dami Im den 2. Platz belegt hat und hoffe, dass dies genug Motivation für die Aussies ist, auch im nächsten Jahr wieder mitzumachen.

Mein favorisiertes Lied aus Bulgarien wurde 4. Ich hab den Beat immer noch im Kopf und bin sicher, wenn das politische Geplänkel nicht gewesen wäre, wäre auch noch mehr drin gewesen.

Die Ukraine, vor mir auf Platz 3 gesetzt, hat gewonnen. Nicht wirklich überraschend und trotz der doppelten Anzahl zu vergebender Punkte (maximal sind 1104 Punkte möglich) denkbar knapp mit nur 23 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten und 43 auf den Dritten. Beim direkten Zuschauervergleich lag Russland sogar vorne, nur die Jurywertung machte dort einen gewaltigen Strich durch die Siegerrechnung.

Von meiner Top-10 haben es tatsächlich auch dorthin geschafft: Schweden und Belgien, das hatte ich auch schon mal besser drauf :/

Generell spannend finde ich die Abweichungen zwischen den Jurywertungen und Zuschauervotings für die jeweiligen Länder. So wirklich richtig einig waren beide sich nur bei ganz wenigen Nationen, bspw. Ungarn, Lettland, Litauen, Zypern, Kroation und Deutschland, bei denen der Unterschied 10 oder weniger Punkte betrug.
Genauso viele Länder hingegen weisen eine massive Abweichung von über 100 Punkten auf: Ukraine, Australien, Russland, Polen, Malta und Israel.

Nun der Abstecher zur Politik und dem Erklärungsversuch. Die russischen Zuschauer haben der Ukraine 10 Punkte gegeben, im Gegenzug schoben die ukrainischen Televoter 12 Punkte nach Russland. Scheint, als wenn den Zuschauern zumindest dieser politische Konflikt herzlich egal ist. Aus diesem Grund halte ich die Aussage, dass mit der schlechten Wertung die Politik Merkels abgekanzelt werden sollte, für zu kurz gegriffen. Die Juryvotings legen viel eher diesen Schluss nahe, denn Russland wird da bis auf wenige Ausnahmen konsequent klein gehalten, während die Ukraine dort weit vorne liegt.

Und warum liegt nun Deutschland auf dem letzten Platz? Weil der ESC eben nicht so weltoffen und tolerant ist, wie er sich gerne gibt. Conchita Wurst ging gerade noch so, da waren immerhin Lied und Bühnenshow in gewohnter Qualität. Aber eine fernöstliche Kostümierung und eine der europäischen Lebenskultur konträr entgegenstehenden Welt zusammen mit einem zugegeben wenig mitreissenden Lied haben da keine Chance. Den Niedlichkeitsbonus haben Österreich und Belgien unter sich auf aufgeteilt. Und stimmliche Perfektion war noch nie ein Garant für Punkte, wie die lange Liste der weit hinten rangierenden OpernsängerInnen zeigt. Außerdem scheint die Zeit für Eckiges, Sperriges, Ungewöhnliches vorbei zu sein. Ich bin der Meinung, dass wenn dieses Jahr Lordi oder Guildo Horn aufgetreten wäre, beide auch nur auf den hinteren Rängen gelandet wären. Kann man ganz wunderbar an Zypern und Georgien sehen, von denen ich tatsächlich bessere Platzierungen erwartet hätte. Erinnert sich noch jemand an Stefan Raabs Wadde hadde du de da? Ich glaube, er wäre bei der diesjährigen Veranstaltung mit Knüppeln von der Bühne verjagt worden.

Bleibt als Fazit, dass der ESC 2016 den Mainstream gefeiert und das Politische, obwohl so gern die Unpolitischkeit der Veranstaltung herausgestellt wird, gesiegt hat.

Unerklärlich ist mir dennoch das deutsche Zuschauervoting. Wer zur Hölle hat denn für Polen oder Armenien gestimmt 😉

 

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Xayriel orakelt: ESC 2016

Dieses Jahr gibt es die Orakelei zum Sangeswettstreit erst kurz vorm Finale, mit dem Wissen der Halbfinale und natürlich wie immer sehr persönlich gefärbt, so dass die tatsächlichen Ergebnisse meilenweit daneben liegen können.

Fangen wir mit den Chancen für Deutschland an. Jamie-Lee hat an sich alles, was eine deutsche Grand-Prix-Gewinnerin mitbringen muss: jung, niedlich, völlig unbedarft, markante Stimme, ganz brauchbares Lied. Für Nicole und Lena hat diese Mischung gereicht, bei Jamie-Lee bin ich mir leider nicht so sicher, was hauptsächlich am Lied liegt, welches für meinen Geschmack einen Ticken zackiger und mit mehr Akzenten hätte sein können. So plätschert es ein wenig vor sich hin, ohne richtig in die Gänge zu kommen. Ich tippe auf einen Platz im oberen Mittelfeld (= im unteren Drittel auf der linken Seite des Tableaus).

Tja, und dann geht es direkt weiter zum Titelkampf. Russland, sagen die Buchmacher, wird es machen. Ja, die Show ist klasse, die visuellen Effekte bis zum Maximum ausgereizt. Macht man aber die Augen zu, bleibt ein dünnes Allerweltslied, welches mich überhaupt nicht vom Hocker gerissen hat.

Das taten eher Georgien oder Bulgarien. Die Georgen mit einem Lied im besten Grunge-Rock, hauptsächlich handgemacht mit Gitarren und Schlagzeug, was eine schöne Abwechslung zu den vorherrschenden Synthieklängen direkt aus dem Computer ist. Diese setzt zwar Bulgarien ein, kreiert damit aber ein schönes, treibendes Lied, bei dem man automatisch mitwippt und ich mir wünschte, ich wäre 15 Jahre jünger und könnte mich dazu auf einer Tanzfläche austoben.

Österreich geht nach dem Reinfall im letzten Jahr, wo sie sich die 0-Punktewertung mit Deutschland teilten, mit einem komplett in französcher Sprache gesungenen Beitrag an den Start und könnte damit den großen Wurf landen. Auf jeden Fall gibt es dafür mehr Punkte als im letzten Jahr, da leg ich mich fest!

Belgien hingegen verfolgt das Motto „gut geklaut ist besser als schlecht selber komponiert“ und sampelt Queens „Another one bites the dust“. Für mich zu plump, aber der Erfahrung nach übersieht der ESC-Zuschauer solche Details gerne, zählt also zum erweiterten Favoritenkreis.

Dazu zählt wohl auch die Niederlande, die seit den Common Linnets den Countryfolkpop für sich entdeckt haben. Ich fand es langweilig, aber ich habe ja auch keine Ahnung.

Was die letzten Jahre schon nervte, aber dieses Jahr scheinbar einen neuen Höhepunkt fand, sind Balladen. Ab und zu mal eine Ballade kann schon schön sein, besonders wenn ein paar besondere Effekte dabei sind. Die allermeisten Balladen sind jedoch – ich entschuldige mich für die Wortwahl – kotzelangweilig, allen voran Tschechien.

Zum Glück haben die allermeisten die Halbfinale nicht überstanden. Übrig geblieben sind Armenien, Kroatien, Israel, Polen und Serbien. Aber irgendjemand muss ja den Bus voll machen 😉

Eine der ganz wenigen Balladen, die mir gefallen hat und die auch weit vorne landen könnte, ist die aus der Ukraine. Sehr kraftvoll und teilweise in krimtatarisch gesungen.

Am Ende gewinnt jemand, den niemand auf der Rechnung hatte, Zypern zum Beispiel. Oder Litauen. Oder Schweden, das als Titelverteidiger gut nachgelegt hat.

Was macht Australien diesmal? Erstens sind sie wieder dabei, was für mich überraschend kam. Aber die EBU hat wohl eingesehen, dass der australische Markt zu groß ist, um ihn mit einer einmaligen Teilnahme abspeisen zu können. Gefällt mir gut, da ich mir viel von den australischen Beiträgen erhoffe und so enttäuscht mich Dami Im auch nicht, wobei es für den Sieg nicht reichen wird.

Und der Rest? Wird sich mit den Balladenschmetterern die rechte Seite des Tableaus teilen, denn sowohl Aserbaidschan als auch Frankreich, Lettland,  Großbritannien und Spanien kommen mit seichtem, akzentfreien Pop daher. Ungarn ist ebenso poppig, hat aber ein durchaus schnuckliges männliches Model am Start, wohingegen Italien die Langweiligkeit der Einheitsbreipopsongs sogar noch steigern kann. Malta wird separat erwähnt, weil die Sängerin so unglaublich hartnäckig ist. Reichte es 2001 immerhin für den 2. Platz, wird es dieses Jahr mit viel Glück eine Platzierung im Mittelfeld werden.

Kurz zusammengefasst: Sieger wird Bulgarien, 2. Russland, 3. Ukraine. Die restliche Top-10, unsortiert: Deutschland, Schweden, Georgien, Zypern, Belgien, Niederlande, Österreich.

P.S. Mein bester Freund, der das bei Fußballthemen ganz wunderbar und treffsicher kann, orakelt: Schweden 1., Deutschland 4.