Philosophie für Anfänger

Kind 1: Ich finde, man ist so lange jugendlich, bis man heiratet.

Ich: Dann sag das mal deinem Papa.

K1: Wieso?

Ich: Weil der immer noch nicht erwachsen ist.

K1: Aber er ist doch so groß.

Ich: Tja, das eine hat mit dem anderen nicht immer was zu tun!

😀

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T -18

Morgen, also quasi heute, ist die Einschulung vom Großen. Meine Ma hat es sich in den Kopf gesetzt, dass dieses Event ohne ihr Zutun komplett in die Hose gehen wird. Hier ausgewählte WhatsApp-Nachrichten von ihr an mich und meine Antworten.

Ma: Gibt es schon konkrete Pläne für das Kaffee trinken zur Schuleinführung?

Me: Nach dem Mittagessen ein Ausflug zu einer örtlichen, in der Nähe befindlichen Sehenswürdigkeit, zum Füße vertreten und soll ja angenehmes Wetter werden, und danach Kaffee trinken bei uns, so wie du das wolltest.

Ma: Ich will gar nichts, da ich kein Kaffee Trinker bin*. Soll ich nun so eine Kindertorte bestellen oder reicht ein Käsekuchen.

Me: Wenn wir es bei uns machen, dann kann die Torte bei uns in den Kühlschrank. Aber an sich würde der Käsekuchen reichen, großartigen Hunger wird nach dem griechischen Mittagessen ja keiner mehr haben.

* 3 Wochen zuvor hat sie mir Beispiele für Motivtorten geschickt und wir mussten uns unbedingt für eine entscheiden und das Kaffee trinken ging definitiv von ihr aus, mir hätte die Sehenswürdigkeit völlig gereicht, da man nach dem Griechen eh immer für 3 Tage pappsatt ist.

Einen Tag später:

Ma: Braucht ihr fürs Kaffee noch Tassen, Teller und Kuchengabeln und Tischdecken etc.?

Ja bitte, sonst müssen wir den Kuchen wie sonst auch vom Boden essen und den Kaffee aus der hohlen Hand trinken o.O
Geantwortet habe ich, allerdings 2 Tage später, wegen Blutdruck und Prüfungsvorbereitung:

Me: So, habe heute meine erste Prüfung bestanden.
Me: Wir haben unsere normalen Abendbrotteller, keine Kuchengabeln und keine Tischdecken. Ob wir das brauchen, weiß ich nicht.

Ma: Ich auch nicht, wollte nur wissen, ob wir noch etwas mitbringen sollen.

Me: Kleine Löffel haben wir genug, und Tischdecken werden eh nur dreckig. Außerdem zieht die Kleene gerade sehr gerne an herunter hängenden Sachen.

Ende dieser Konversation. Dem aufmerksamen Leser mag nicht entgangen sein, dass die bestandene Prüfung überhaupt nicht gewürdigt wurde. Hauptsache unsere Gäste müssen nicht vom Fußboden essen!

Wiederum 2 Tage später, vorgestern:

Ma: Braucht ihr sonst noch irgendwas?

Me: Nö, sonst haben wir alles.

Heute:

Ma: Alles im grünen Bereich?

Me: Sind mit Großputz beschäftigt, damit es nicht wie Humbatz bei uns aussieht morgen.

Eigentlich wollte ich schreiben: Sind mit Großputz beschäftigt, damit du dich morgen nicht für uns und unseren Saustall schämen musst. Hab es mir aber um des Familienfriedens Willen verkniffen. War aber knapp.

Ma: Ich habe mir diese Nachricht stark vergrößert.

Am liebsten hätte ich geantwortet: Leck mich! Wenn es dir bei uns zu dreckig ist, kannste gerne daheim bleiben. Aber Familienfrieden und so.

3 Stunden später:

Ma: Soll ich noch unsere Kaffeemaschine mitbringen oder reicht eure?

Wir reden von insgesamt 12 Teilnehmern, davon sind 3 1/2 Kinder. Der halbe ist bereits 16, der trinkt vielleicht schon Kaffee 😉 Und wir haben eine stinknormale handelsübliche, je nach Skala 10-15 Tassen fassende Kaffeemaschine, die uns meine Eltern geschenkt haben.

Me: Unsere reicht ja wohl hoffentlich!

Eigentlich wollte ich wieder was ganz anderes schreiben, aber hab es mir geschenkt.

Wenn sie aber morgen irgendeinen dussligen Spruch loslässt, wenn sie auch nur irgendwas am Sauberkeitszustand der Wohnung zu kritteln hat, wenn ihr der Tisch im Restaurant zu zugig/zu nah am Klo/zu nah am Eingang/zu nah an der Küche/zu weit abseits/zu was auch immer ist, wenn das Essen nicht pünktlich kommt, wenn die Rede bei der Feier in der Schule zu langweilig, die Zuckertüte für den Kleenen zu schwer oder wenn wasweißich irgendwas ist, flipp ich aus.

Noch 18mittlerweile 17 Stunden, dann sind meine Eltern hoffentlich wieder auf dem Heimweg und alle leben hoffentlicher noch!

Aber derzeit mag ich dafür nicht garantieren …

Ein Wochenende

Das Wichtigste zuerst: mir geht es schlecht, sehr sehr schlecht. Warum genau, dass weiß ich auch nicht so genau, aber ich hoffe, dieser Blogbeitrag trägt zur Aufklärung bei.

Ich war mit den beiden Kindern für ein langes Wochenende bei meinen Eltern und seit wir wieder daheim sind, hat mich eine Erschöpfung gepackt und drückt mich nieder, so dass es mir tatsächlich schwer fällt, aufrecht zu stehen. Immerhin konnte ich recht schnell die Ursache ausmachen, weil sie quasi schon das gesamte Wochenende wie ein Damoklesschwert über mir schwebte.

Es ist natürlich meine Ma. Mein Verhältnis zu ihr war immer schon schwierig und eigentlich dachte ich, dass es sich über die Jahre gebessert hätte, aber ganz offensichtlich war das nur eine Illusion. Die letzten vier Tage waren der aus meiner Kindheit gewohnte und verhasste Tanz auf der Rasierklinge.

Alles fing zudem noch denkbar schlecht an. Ich packte am Sonnabend Vormittag die Taschen für die 2 Kinder und mich. In meiner Tasche waren sämtliche von uns besorgten Geschenke für die Schuleinführung verstaut, unter meinen Klamotten, damit der Große nicht lunschen konnte. Jener war total aufgeregt, wuselte mir ständig zwischen den Beinen rum und plapperte mich von der Seite voll, so dass ich echte Mühe hatte, mich zu konzentrieren und auch wirklich alle benötigten Sachen einzupacken. Plan war, um 12 Uhr zu starten und das schafften wir auch ziemlich genau. Allerdings musste ich nach 10 Minuten umdrehen, weil ich vergessen hatte, die Medizin der Kleenen einzupacken. Damit war dann der Zeitplan Geschichte.

Auf der Autobahn ungewöhnlich viel Verkehr und 30 Kilometer vorm Ziel Stau, Stau, Baustelle, Stau, Baustelle und Fahrbahnverengung auf eine Spur und Stau. Gleichzeitig sprang die Außentemperatur von 25 Grad auf über 30 Grad und die Klimaanlage im Auto kam nicht mehr hinterher. Eh schon gestresst wegen des nicht eingehaltenen Zeitplans – meine Ma wartete bestimmt schon mit dem Essen auf uns – ronn mir der Schweiß in Strömen am Körper runter und ich merkte, wie mein Deo versagte. Kaum waren wir bei meinen Eltern angekommen, meinte meine Ma, ich würde nach Schweiß riechen und verzog angewidert das Gesicht. Ja Ma, ich freu mich auch dich zu sehen. Ich bot ihr an, fix zu duschen, aber das lehnte sie ab, weil sie zusätzlich zur Hitze nicht auch noch den Wasserdampf vom Duschen in der Wohnung haben wollte. Außerdem stand ja schon das Essen auf dem Tisch. So verbrachte ich den Rest des Nachmittags damit, mit angelegten Armen und möglichst wenigen Bewegungen meinen in der Tat unangenehmen Körpergeruch in Schach zu halten, was mit einem Mädchen, das ständig hochgenommen werden möchte, eine extra Herausforderung ist.

Das Schlimmste war allerdings, dass ich im Packstress vergessen hatte, die Reisetasche des Großen mit einzupacken, die stand jetzt mutterseelenallein in seinem Zimmer und der Süße hatte nur die Klamotten mit, die er anhatte: T-Shirt, Hose, Unterhose, Socken, Sandalen und einen Sonnenhut. Ganz großes Kino. Ich wollte gerade anbieten, schnell in die Stadt zu fahren und eine Grundausstattung zu holen – da meine Ma eh jeden Tag wäscht, hätte es nicht viel gebraucht – als sie anfing, die Schränke auszuräumen und hervorholte: 4 T-Shirts, 5 Unterhosen, diverse Paar Socken, eine lange Jeans, 2 kurze Hosen, einen dicken Pullover, eine Jeansjacke, eine Regenjacke, 2 Kappen, 2 Paar Sandalen. Mir hatte sie im Vorfeld gesagt, sie hätte nur Unterhosen und einen Schlafanzug da, den Rest müsste ich mitbringen. (Das war früher anders, als der Große einmal pro Monat für ein paar Tage bei ihnen übernachtete, da hatte sie immer komplette Garnituren vorrätig. Ich dachte jetzt, wo die Besuche durch die Schule eher selten werden, hätte sie uns diese überzähligen Sachen alle mitgegeben.) Einerseits fand ich das gut, weil so das Wochenende vorerst gerettet war, andererseits löste es in mir großes Unbehagen aus. Vermutlich erwartete sie überbordende Dankbarkeit, die ich wie immer nicht gezeigt hatte, oder sie wollte ihre gehorteten Schätze vor mir nicht preis geben, oder sie fand es doof, dass ich sie beim offensichtlichen Lügen erwischt hatte, jedenfalls war die Stimmung einfach nur frostig. Meine einzige Hoffnung war, dass sie für den Abend bei Freunden zum Geburtstag eingeladen waren und ich mit den Kindern den Abend alleine und entspannt verbringen konnte.

Doch bevor sie zum Geburtstag starteten, wurde in einem Fort gegrummelt und alles, was sie möglicherweise an diesem Abend erwarten würde, von vornherein schlecht gemacht. „Ach, ich seh schon, dass ich mir das Anziehen auch hätte sparen können, wenn deren Köter mich erblickt und dann mit seinen dreckigen Pfoten an mich hochsteigt.“; „Die grillen bestimmt wieder, das dauert immer so ewig, besonders die gegrillten Käse und Tofuwürste [der vegetarischen Gastgeberin], da sitze stundenlang vor den leeren Tellern.“; „Die haben mit Sicherheit auch wieder die und den eingeladen, da hab ich jetzt schon keinen Bock mehr.“; „Bei dem Wind da draußen hätte ich mir das Haare föhnen auch sparen können.“

Meine Eltern waren irgendwann weg, ich konnte in Ruhe duschen und wir drei Übriggebliebenen aßen ganz in Ruhe und friedlich Abendbrot. Dann brachte ich die Kinder ins Bett, die Kleene brauchte ein wenig länger als sonst, aber alles im Rahmen und dann wartete ich auf die Rückkehr meiner Eltern. Seltsamerweise waren sie gut gelaunt, als sie ankamen, offensichtlich hatten sie einen schönen Abend gehabt und nicht eine der zuvor geäußerten Befürchtungen ist eingetreten.

Die Nacht war denkbar schlecht, meine Süße war irgendwie ständig wach und jammerte und war generell sehr unruhig. Ich versuchte mein Bestes, sie zu beruhigen und konnte sie mehr oder weniger bis halb 8 in Schach halten, bis der Große wach wurde. Ich war wie gerädert und hatte furchtbare Kopfschmerzen. Die Klimaanlage im Auto am Vortag hat mir einen völlig verspannten Nacken beschert, begünstigt durch den angespannten Nachmittag. Meine Ma wollte nach dem Frühstück unbedingt etwas unternehmen, aber ich konnte kaum meine Augen offen halten. Als ich auf keinen der Vorschläge einging und nur noch mit Gähnen antwortete, wurde auf Plan B umgeschaltet. Friedhofsbesuch und ich durfte mich noch mal hinlegen und eine Runde schlafen. Ich war wirklich dankbar, aber konnte es vermutlich nicht deutlich genug zeigen, weil ich einfach zu müde dazu war. Aber an diesem Punkt war mir alles egal, die Kopfschmerzen brachten mich um, da waren die stechenden Blicke meiner Ma nur ein Klacks.

Nach 2 Stunden komatösen Schlafs waren die Ausflügler wieder zurück und es gab Mittagessen. Danach warf ich mir 2 Ibus ein und die Kinder wurden zum Mittagsschlaf geschickt. Dann wurde die Schuleinführung geplant. Das heißt, meine Ma plante und mein Pa und ich durften nicken.

Das Thema verfolgt mich eh schon seit mehreren Monaten bzw. tut meine Ma das. Eine Freundin erzählte, dass sie letztes Jahr ihren großen Jungen eingeschult hatte und die anschließende Feier bei ihnen im Garten stattfand. Mir gefiel diese Idee, nur fehlt es uns am Garten. Also fragten wir den Bruder meines Mannes, der hat ein kleines Häuschen im Umland, mit Terrasse und Garten. Wir könnten grillen und viele Dinge selber machen und vorbereiten und das Kind hätte im Garten rumspringen und so seine Aufregung abbauen können. Alles war soweit fertig geplant, unklar war eigentlich nur, ob der Kartoffelsalat mit Gurken oder ohne sein soll und welche Biersorten wir kaufen. Nachdem wir aber vorletztes Wochenende bei meinem Schwager zum Geburtstag waren und da eine so grauslige Stimmung herrschte, dass mein Mann mehrere Tage brauchte, um sich wieder einzukriegen, verwarfen wir den Plan und wollten die Feier bei uns im Hof machen oder bei schlechtem Wetter bei uns in der Wohnung. Wäre zwar etwas kuschlig von den Platzverhältnissen geworden, aber trotzdem gegangen. Aber diese Variante, die sich in keinster Weise von der Schwager-Gartenvariante unterschieden hätte, lehnte meine Ma glattweg ab. Wir sollten doch in jener Gaststätte anrufen, vielleicht hätten die noch Plätze. Oder in dem anderen Restaurant, da ginge eventuell auch noch was. Alternativ würden sie bei ihrem Stammgriechen – wohlgemerkt in einer ganz anderen Stadt – nachfragen. Ich rief dann bei unserem Griechen an und konnte dort noch genügend Plätze reservieren.

Jetzt blieb nur noch die Nachmittagsgestaltung zu klären und das wollten wir eben an diesem Wochenende machen. Zusammen mit der Verteilung der Geschenke auf drei Schultüten: die elterliche, die großelterliche und die urgroßelterliche. Meine Ma packe alle Sachen auf den Tisch und verteilte dann ganz nach Belieben. Die große Legobox in ihre Tüte. Das kleine Lego in die urgroßväterliche. Dass ich dieses kleine Lego gerne als elterliches Geschenk genommen hätte, weil es einfach so supergut auf meinen Jungen passt, wurde übergangen. Und so wurden Sachen hin und her geschoben, immer begleitet mit den Worten „du musst sagen, wenn dir was nicht passt“, aber sobald ich den Mund aufmachte, wurde das entweder überhört oder mit „ach, das ist doch aber so viel besser“ abgeschmettert. Da die Ibus noch nicht ganz ihre Wirkung entfaltet hatten und es am Ende ja doch alles irgendwie meinem Kind geschenkt wird, verkniff ich mir den Streit an dieser Stelle. Nachdem meine Ma mit dem Aufteilen fertig war, durfte ich meinen Teil wieder einpacken, immerhin hatte ich den Piratensorgenfresser für unsere Schultüte gerettet! Den Fußballschal musste ich allerdings auch aufgeben. Meine Ma bemerkte, dass sie außer einem großen Lego gar kein Spielzeug in der Zuckertüte hat, also bot ich ihr eine Box mit Metallknobelspielen an. Nur widerwillig nahm sie diese, denn die Box würde ja in der Zuckertüte klappern.

Anschließend ging es um die Organisation der Feier. Sie fragte, ob ich denn Einladungen verschicken wolle. Wollte ich nicht. Denn meine Tante würde im Vorfeld ausführlich von meinen Eltern informiert, meine Cousine hat per WhatsApp bereits alle Daten erhalten und mein Schwager wurde von meinem Mann eingeladen. Meine Ma kramte drei Einladungskarten aus einer großen Kartenbox hervor und meinte, die verschickst du an die drei und schreibst dann rein, wo genau das Restaurant ist und wann es los geht. Zu diesem Zeitpunkt war ich so dankbar, dass die Ibus endlich wirkten und ich wider halbwegs geradeaus schauen konnte, dass ich die Karten eben einsteckte und sie demnächst bekrakeln werde.

Es blieb noch die Nachmittagsplanung. Meine Idee war, bei schönem Wetter eines der Wahrzeichen der Stadt zu besuchen und dort ein kleines Picknick zu veranstalten. Genug Wiese gibt es dort und eben auch öffentliche Toiletten und, so man möchte, eine fantastische Aussicht. Und nicht zu vergessen Parkplätze. Bei schlechtem Wetter gäbe es das Kaffeetrinken bei uns in der Wohnung, mit bereits oben erwähntem Kuschelfaktor, wobei ich wirklich sehr hoffe, dass halbwegs gutes Wetter ist. Der Kleene geht mir an so einem aufregenden Tag ein, wenn er sich nicht wenigstens einmal richtig austoben kann und das geht in der Wohnung eher schlecht. Meine Ma fand meinen Vorschlag irgendwie gut, aber eben auch nicht so richtig, weil irgendwie sollen wir auch bei schönen Wetter alles in der Wohnung vorbereiten. Die Erklärung habe ich nicht verstanden, ist aber auch egal, denn wir machen das jetzt so. Und wir SOLLEN DOCH BITTE DIE TAGE DAVOR GRÜNDLICHEN BUDENSCHWUNG MACHEN, damit es nicht wie Humbatz bei uns aussieht. So wie sonst immer, vergass sie zu erwähnen.

Zugegeben, bei uns herrscht das organisierte Chaos und weder mein Mann noch ich lieben Putzen. Dennoch muss niemand bei uns durch knöchelhohen Dreck waten oder muss Angst haben, sich seine Klamotten beim Setzen auf die Couch dreckig zu machen. Man kann bei uns nicht vom Boden essen – wobei, bei dem was die Kinder so beim Essen fallen lassen, könnte man durchaus davon satt werden, wenn einen die Katzenhaare nicht stören, die spätestens 5 Minuten nach dem Wischen wieder überall herumfliegen. Bei meiner Ma ist es immer und zu jeder Zeit OP-Saal-mäßig sauber und alles, was diesen Standard nicht erfüllt ist dreckig. Ich allerdings vertrete die Ansicht, dass 2 Kinder, 2 Katzen und ein Mann einfach soviel Leben in die Bude bringen, dass klinisch rein eine Illusion ist und man nur einigermaßen versuchen kann, dieses Chaos zu beherrschen. Wenn ich eine aufgeräumte Wohnung sehen will, kauf ich mir SCHÖNER WOHNEN!

Nachdem nun die Partyplanung abgeschlossen war, wurde beschlossen, dass wir noch in die Stadt fahren, Parkeisenbahn fahren. Ehrlich, ich bin es gewohnt, um die Ecke zu denken und auch Eventualitäten einzuplanen, aber manchmal bin ich echt überfordert. Wir warteten am Bahnsteig auf den Zug und sahen auf dem gegenüberliegenden Gleis einen Zug. Dessen vordere Passagierwagen waren überdacht, die hintere Hälfte war topless. So, wie ich meine Ma kenne, bevorzugt sie Schatten und mag nicht, wenn sie in der prallen Sonne sitzt. Also postierte ich mich am vorderen Ende des Bahnsteigs, in der Hoffnung, ein überdachtes leeres Abteil für uns zu ergattern. Meine Ma verteilte den Rest der Familie – Pa und sich selbst – strategisch auf dem Bahnsteig. Der Zug fuhr ein, ich fand tatsächlich ein überdachtes leeres Abteil, steig ein und winkte den Rest zu mir. Diese jedoch winkten zurück – aus einem nicht überdachten Wagen. Ich also mit der Süßen auf dem Arm und Wickelrucksack auf dem anderen zum anderen Abteil getrabt. „Mit Dach überm Kopf bekomme ich Beklemmungen.“
Ja ne, is klar. Hätte ich mich hinten postiert und ein freies oben rum offenes Abteil erkämpft, hätte sie vorne gestanden und ein überdachtes genommen. „Die pralle Sonne vertrag ich nicht so.“

Egal. Ich hab den Großen meine Kamera um den Hals gehängt und er hat freudestrahlend ein Bild nach dem anderen geschossen. Danach sind wir in einen Biergarten gefahren. Wir fanden ein schönes, schattiges Plätzchen weitab von der Band und den überlauten Lautsprechern. Die Band packte gerade zusammen und meine Ma fragte mich, ob denn in der Nähe der Bühne ein Tisch frei wäre. War keiner und bei meiner Suche stellte ich fest, dass die Lautsprecher ihrem Namen alle Ehre machten und laut waren, so laut, dass man nicht sein eigenes Wort verstand. Der Große war auf dem Spielplatz spielen, Pa war Getränke holen, ich begleitete die Süße bei Treppensteigversuchen. Meine Ma war also ca. 10 Minuten alleine. Zuviel. Kaum hatte mein Pa die Getränke abgestellt, wurde er losgeschickt, einen Platz in der Nähe der Bühne zu suchen. Er fand eine, winkte meine Ma heran, ich bekam das gerade so mit, weil die Süße eben wieder die Treppe heruntergekrabbelt war, Ich half also beim Gläser, Jacken und Taschen tragen und noch bevor wir Pas Tisch erreicht hatten, schwenkte meine Ma auf einen ganz anderen Tisch um. Weil da mehr Schatten war. Oder weiß der Geier.
Meine Ma jedenfalls saß jetzt perfekt, hatte alles im Blick, niemanden im Rücken und konnte sich trefflich über den wirklich gut erzogenen Hund zwei Tische weiter aufregen.

Als wir abends, nachdem die Kinder im Bett waren, noch gemütlich beisammen saßen, kam die Sprache aufs Geld. Meine Ma meinte, dass wir ja momentan ganz arg am Hungertuch zu knabbern hätten – haben wir nicht – und dass die Uroma tatsächlich was vererbt hätte. Ich bezweifle das ein wenig, drei Jahre im betreuten Wohnen werden wohl sämtliche Spareinlagen selbst bei der recht guten Witwenrente meiner Oma aufgefressen haben. Dennoch beharrten sie darauf, dass die Oma ihren drei Kindern jeweils 1.000 Euro vererbt hätte und meine Eltern würden ihren Anteil mit uns teilen. Ob das nun so ist oder nicht, ich wollte das Geld nicht so einfach im Alltag versumpfen lassen. Spontan kam mir die Idee, das Geld in irgendeiner Form anzulegen und dem Großen zugute kommen zu lassen. Zum Führerschein oder als Studienbeihilfe, was auch immer. Eben einfach nur für ihn, für später, wenn er groß ist. Ich dachte an ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto, irgendetwas das sicher ist und vielleicht ein paar Zinsen abwirft. Wobei da das Sparbuch ja schon raus ist. Wie auch immer, bei meinen Eltern lagerte noch mein Sparbuch von anno dazumals mit dem sagenhaften Betrag von 66 Euro. Allerdings konnte dies nur durch mich persönlich aufgelöst werden. Und wenn wir schon mal bei der Sparkasse sind, können wir uns doch gleich beraten lassen, was es für Möglichkeiten für die 500 Euro gibt, die im Laufe der Zeit durch Geburtstagsgelder, Jugendweihen, Sommerarbeiten, etc. aufgepolstert werden könnten.

Mein Pa und ich sind also Montag nachmittag – meine Ma musste arbeiten – zur Sparkasse gegangen, haben mein Sparbuch aufgelöst. Das ging erstaunlich einfach, nur mussten die sagenhaften 66 Euro auf ein Girokonto überwiesen werden, Barauszahlung war nicht möglich. Ein versierter Bankberater hatte auch zufällig Zeit und beriet uns ganz trefflich, nämlich ohne irgendwelche Zinsraten, Gewinnspannen oder Fallstricke zu nennen. Auf dem Papier klang die Enkelvorsorgeversicherung echt super, in Echt hat sie einfach nur unzählige Fragen zurück gelassen. Anlagen mit Wertpapieranteil konnten nicht beraten werden, da dafür beide Erziehungsberechtigte, bzw. einer mit Vollmacht des anderen, hätte anwesend sein müssen. War mir eh ganz recht, denn der Große hatte den Hydroblumentopf mit den bunten Steinen im Büro des Beraters entdeckt, was wiederum die Süße veranlasste, alle Steine aus dem Topf anzulutschen. Wir bedankten uns für die Beratung, und gingen ohne etwas zu unterschreiben nach Hause. Dort angekommen stellten wir fest, dass Ma bereits dreimal angerufen hatte, augenscheinlich was wirklich Wichtiges. Mein Pa rief zurück, aber sie nahm nicht ab, vermutlich war sie einfach zu beschäftigt. Mein Pa verzog sich mit seinem Enkel in den Keller, sie wollten an einem Projekt basteln, irgendwas mit Holz, Räder und Farbe.
Als meine Ma erneut anrief, berichtete sie mir, dass einer ihrer Kunden auch Sparkassenberater wäre und er ihr ganz dringend von einer Anlage bei der Sparkasse abgeraten hätte. Ich meinte, wir würden am Abend, wenn sie zuhause wäre, in Ruhe darüber sprechen und das ihr Berater gar nicht so unrecht hätte. Sie schwafelte noch 2 Minuten, dass sie uns gerne vor unserem Termin bei der Sparkasse erreicht hätte, dann hätten wir uns den nämlich ersparen können. Ich sagte nichts mehr dazu.
Eine halbe Stunde später rief sie erneut bei uns an und erwischte meinen Pa und erzählte ihm dasselbe, woraufhin er meinte, wir würden das Ganze am Abend, wenn sie zuhause wäre, diskutieren.

Es wurde Abend, Ma kam heim, die Kinder gingen ins Bett, wir redeten über den Tag. Ich fasste die Ereignisse beim Berater zusammen, neutral und ohne Wertung. Meine Ma tickte aus, als hätten wir bereits irgendwas unterschrieben. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich zuhause mit meiner Bank reden würde, mir deren Angebote erklären lassen würde. Zudem würde ich meinen unabhängigen Versicherungsmakler anrufen, wenn diese Enkelvorsorgeversicherung eine echte Versicherung wäre, dann hätte der bestimmt etwas ähnliches zu vielleicht besseren Konditionen im Angebot. Generell würden wir nichts überstürzen, ein oder zwei Monate mehr bzw. weniger würden das Kraut echt nicht fett machen. Meine Ma reagierte darauf gar nicht, sie war fest davon überzeugt, wir würden am nächsten Tag die Enkelvorsorge bei der Sparkasse unterschreiben. Sie lamentierte lang und breit, wie niemand auf sie hören würde und sie wüsste ja eh alles immer am Besten und wir würden nur auf die billigen Tricks der Berater hereinfallen.

An diesem Punkt wollte ich sie am liebsten anschreien: „Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte, ich bin mittlerweile erwachsen und durchaus in der Lage, vernünftige Entscheidungen alleine zu treffen!“

Hätte ich auch nur den geringsten Funken Hoffnung gehabt, dass es irgendwas bewirkt, ja irgendwas geändert hätte, wäre ich auf Konfrontation gegangen. So habe ich es sein gelassen, habe mich meinem Schicksal gefügt.

Ich war dieses Wochenende wieder das kleine Kind, dass keinerlei Macht über seine Eltern, um ehrlich zu sein, nur seine Mutter, hat. Dass sich gegen die Ungerechtigkeiten, die beiläufigen Verletzungen nicht wehrt, in dem verzweifelten Versuch geliebt zu werden. Wir haben an diesem Wochenende viel zusammen unternommen, beide Enkel stehen vor wichtigen Meilensteinen, die Anerkennung verdienen. Der Große versucht alles zu lesen, was ihm unter die Augen kommt. „Feuerwehrzufahrt“, „Speisekarte“, „Lisa (5) Berlin“ – fantastische Leistung für einen Vorschüler, fast nicht beachtet von der Oma.
Meine Süße lernt Wörter, vergisst dabei gerne das O. „ma“, „alle“, „ben“, „pa“, „Ja“. Sie kann sich verständlich machen, wenn man sich bemüht, ihre Wörter zu verstehen. Aber wenn „Oma“ nicht korrekt ausgesprochen wird, hat man schlechte Karten. Oma versteht nicht, dass man die halbe Nacht wach ist und jammert, weil gerade so ein furchtbar riesiger Backenzahn gerade den Durchbruch wagt. Sie versteht auch nicht, dass in einem solchen Moment die Mamabrust das einzig wahre Tröstliche ist. Stattdessen wird gefragt: „Muss das sein?“, „Kommt da überhaupt noch was?“

Ich könnte jetzt sagen, das wär mir alles egal, da steh ich drüber. Tu ich aber leider nicht. Ich mach mir nen Kopp.

Es gab einen Moment an diesem Wochenende. Wir saßen auf dem Balkon, die Kinder haben Mittagsschlaf gemacht. Es gab nichts zu bereden. Ich sah auf die Füße meiner Mutter und fand sie einfach nur hässlich. Ich blickte  nach oben, betrachtete sie. Ich versuchte, meine Gefühle für sie zu ergründen.  Ich finde dies immer am einfachsten, wenn ich mir vorstelle, ich wäre auf der Beerdigung dieser Person. Also stellte ich mir vor, was wäre, wenn ich meine Ma beerdigen würde. Was würde ich fühlen? Wäre ich traurig? Würde ich sie vermissen? Was würde sie bemerkenswert machen?

Meine Antworten erstaunten mich. Vor diesem Wochenende habe ich mir ganz ähnliche Gedanken gemacht, vor allem im Rahmen meiner Therapiesitzungen. Eigentlich war ich ganz stolz auf meine Ma, ich fand, sie hatte bestimmte Dinge ganz gut gemacht. Sie hat mir viel Vertrauen geschenkt, mich mit 16 bis 21 oder 22 Uhr rausgelassen. Mich nicht kontrolliert, vermutlich weil es damals keine Handies gab. Ich durfte mit 12 meinen eigenen ersten Computer kaufen, von meinem Ersparten, aber immerhin. Ich fand als Teenager so ganz generell meine Ma als ganz cool. Mein Pa war um Längen cooler, aber ist ja auch der Vater.

Ich betrachtete ihre Zehen und fand sie einfach nur abstoßend. Obwohl sie meinen eigenen so ähnlich waren, fand ich sie eklig. Ich sah mich in der Trauerhalle des örtlichen Friedhofs und nicht eine Träne wollte mir beim Anblick ihres Sarges/ihrer Urne über die Wange laufen. Immer wieder dachte ich mir, hey, das ist deine Ma, du musst doch trauern. Aber dieses Gefühl wollte einfach nicht kommen. Ich überlegte, ob ich sie vermissen würde und wenn ja, was? Ihre Umarmungen? Ihre Küsse? Ihr Verständnis? Ihre Ratschläge? Ihre Wärme?

Nichts von alledem! Nichts von alledem hatte ich als Kind erlebt.

Derzeit wäre sie ein Trauerfall wie meine 99-jährige Oma. Schade, dass sie geht. Gut, dass sie nicht leiden musste.

Und wie immer frage ich mich, ob es irgendetwas nützen würde, sie darauf anzusprechen. Und wie immer grätschte die Stimme meines Pa dazwischen. „Sie würde es nicht verstehen. Sie wüsste nicht, worüber du redest.“ – „Aber wie hältst du das aus?“ – „Ich lasse sie einfach machen. Für den Rest habe ich meinen Keller, meine Arbeit oder meinen MP3-Player.“

Vielleicht erlange ich irgendwann diese Bewusstseinsstufe, sie einfach machen zu lassen …

Klette

Meine Süße verweigert – mal wieder – feste Nahrung, nur Mama ist gut genug und allein auf Mama ist das Leben erträglich. Papa ist bloß ein schwacher Ersatz und funktioniert nur für wenige Minuten.

Warum, wieso, weshalb jetzt auf einmal der Rückschritt erfolgte und ob es nur eine (hoffentlich) ganz kurzfristige Phase ist, weiß natürlich auch keiner.

Passt aber ganz wunderbar in die Gesamtsituation, mit der ich persönlich gerade äußerst unzufrieden bin *seufz*

Grenzenlos

Aus aktuellem Anlass möchte ich mich heute einem Erziehungsthema und meinen Erfahrungen damit und meinen Gedanken dazu widmen.

Grenzen sind eine tolle Sache. Es gibt Ländergrenzen und Stadtgrenzen. Unser Sonnensystem hat eine Grenze, genauso wie eine Zelle. Gesellschaftliche Grenzen wurden über Tausende von Jahren innerhalb von Bevölkerungsgruppen gefestigt und sind heute als Gesetze erfasst. In meiner Noch-Firma gibt es sogenannte Spielregeln, an denen sich die Mitarbeiter im Umgang miteinander orientieren können. Im Straßenverkehr gibt es Vorschriften und viele davon regeln weltweit gültig den Verkehr.

Und wie Leitplanken auf einer Autobahn vermitteln Grenzen Sicherheit und geben einen Rahmen vor, innerhalb dessen man sich ausprobieren und entfalten kann. Man kann diese Grenzen austesten und mitunter sogar verschieben, muss aber in jedem Fall mit den Konsequenzen leben, positiv wie negativ.
Besonders Kinder, die gerade die Welt entdecken, benötigen die Sicherheit, die ihnen diese Grenzen geben. Nur so können sie furchtlos in alle Ecken kriechen, an neuen Dingen lutschen. Meine Süße beispielsweise muss sich immer wieder durch Blicke in meine Richtung versichern, dass es ok ist, was sie macht, dass ich auf sie aufpasse und sie vor drohenden Gefahren bewahre. Dabei steigt die Entfernung, die sie als sicher empfindet mit jedem Tag. Das wird aber nur möglich, weil sie sich sicher sein kann, dass ich sofort da bin, wenn sie unsicher wird.

Genauso wichtig wie die Regeln bzw. die Grenzen an sich, ist die konsequente Einhaltung. Kinder, die nur linear denken können, die abstrakte oder verwinkelte Gedankengänge nicht nachvollziehen können, brauchen klare Ansagen. Nein! Leg dich hin! Nicht in die Steckdose fassen! Das hast du gut gemacht!

Dabei muss das Nein, welches hier für sämtliche Grenzen steht, so lange wiederholt werden, bis das Kind es verstanden hat. Egal, wie laut es schreit oder wie oft es sich auf den Boden wirft. Das Kind will natürlich die Grenzen austesten, will schauen, wie weit es gehen kann, will sich ausprobieren. Weswegen man nicht jede Kleinigkeit reglementieren sollte, sondern nur die wirklich wichtigen. Welche einem als Eltern wichtig sind, entscheidet jeder für sich. Dem einen blutet vielleicht das Herz beim Anblick eines zerrissenen Buches, dem anderen ist der reinweise Sofabezug heilig.

Natürlich ist das erste Nein, die erste Grenze ein Weltuntergang für das Kind. Ebenso natürlich ist es für die Eltern schwer zu ertragen, wenn dicke Tränen über die kindlichen Wangen kullern, doch sollte man genau jetzt standhaft bleiben. Die ersten „Grenzkämpfe“ sind relativ schnell vorbei, so oder so, stellen aber die Weichen für die Zukunft. Hier lernt das Kind, ob es sich auf elterliche Ansagen verlassen kann, oder ob diese je nach Bedarf aufgeweicht werden. Jetzt nachgeben signalisiert dem Nachwuchs, dass es machen kann, was es will. Das mag im ersten Moment eine schöne Erfahrung für ihn sein, aber in der späteren Konsequenz wird er sich wie eine rollende Kugel auf einer endlosen Ebene fühlen: haltlos.

Es mag Eltern gerade am Anfang helfen, dass für Kinder so ziemlich alles ein Weltuntergang sein kann. Für unseren Großen war das Ende der Welt nahe, als er aus seiner Tüte alle orangenen Gummibärchen gefuttert hatte, obwohl noch alle grünen, weißen und roten drin waren. Oder das die Wagen seiner Holzeisenbahn nicht in der richtigen Reihenfolge angeordnet waren. Oder das in seiner Buchstabensuppe nur Ws und keine Ms drin waren.

Genauso wichtig finde ich, sich zu überlegen, welche Grenzen man ziehen will. Jede Grenze bedeutet mitunter auch einen Kampf, jedes Mal, wenn diese Grenze erreicht wird, gerade, wenn diese Regel vom Kind nicht nachvollzogen werden kann. Außerdem kann sich ein Kind nur eine begrenzte Menge an Regeln merken. „Nicht an oder mit Steckdosen spielen.“ ist eine relativ eindeutige und notwendige Regel, auch wenn es ganz supertolle Steckdosensicherungen gibt. „Einem Auto wird kein Kleid angezogen.“ halte ich eher für unsinnig, ganz egal wie teuer das Auto oder Kleid war. Das Spielzeug gehört dem Kind (vorausgesetzt dem ist so), also darf es damit machen, was es will. Und wenn es es kaputt machen will, dann ist es eben so. Zudem lernt es nebenbei noch zwei weitere wichtige Lektionen: nicht alle Dinge sind reparabel und nicht alles ist endlos verfügbar.
Man sollte als Eltern, eventuell auch mit den Großeltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen, gemeinsam entscheiden, welche Regeln für das Kind gelten. Die Situation muss nicht unnötig dadurch verschärft werden, dass das Kind sagt, aber bei Papa oder Oma darf ich das.

„Aber ich will mein Kind nicht reglementieren und so in seiner freien Entfaltung stören!“ Kannst du ja gerne machen, aber dann hat dein Kind eben ein scheiß Benehmen. So wie Max im Krankenhaus. Sobald etwas nicht nach seinem Willen ging, verfiel er in einen absoluten Wutanfall. Er brüllte so lange mit voller Lautstärke, bis die Eltern einknickten und seinem Willen nachgaben. Dazwischen kamen von Mama immer wieder leise „Zschzschzsch, sei doch bitte ruhig, ja?“ oder gegen Ende nur noch resignierte Seufzer. Ich wäre da schon lange eingeschritten und hätte Stop gesagt, wenn das mein Kind gewesen wäre.

Aber woher soll das Kind auch wissen, was es machen darf. Wenn Mama verängstigt fragt: „Mag der Max sich jetzt mal hinlegen?“ Natürlich mag der Max gerade nicht, welches Kind will schon freiwillig schlafen. Stattdessen brüllt sich der Max lieber die Seele aus dem Leib, während Mama bettelnd fragt und fragt.
Das Max durchaus in der Lage ist zu begreifen, was seine Eltern von ihm wollen, zeigte sich, als seine Mama in einem Anfall von Inspiration zu ihm sagte: „Leg dich hin und schlaf.“ Zack, Max legte sich hin und versuchte zu schlafen.

Wär mir ja alles egal gewesen, wenn durch diese fehlenden Grenzen Max nicht so dermaßen unsicher gewesen wäre, dass seine Eltern keinen Meter von seinem Bett weichen durften und Fremde, schon gar keine mit weißen Kitteln, durften nicht näher als zwei Meter an sein Bett, ohne das es im Gebrüll endete.. Dies ging soweit, dass sich seine Mama zwei Stunden lang den Toilettengang verkniff, weil Max es ihr „verboten“ hat. Sie fragte ihn, ob es ok wäre, wenn sie mal kurz aufs Klo geht. Max fing sofort an zu weinen und als die Mama probehalber einen Schritt Richtung Bad ging, folgte der Wutanfall. Also blieb Mama solange am Bett stehen, bis Max eingeschlafen war.

Es macht einen Unterschied, ob ich meinem Kind erkläre, dass ich mal fix aufs Klo verschwinde, aber ganz bestimmt gleich wieder komme oder ob ich es frage, ob es in Ordnung ist, dass ich mal fix aufs Klo verschwinde. Bei Letzterem lasse ich zu, dass mein Kind mich erzieht statt andersrum. Bei ersterem wird das Kind anfangs unsicher sein, aber wenn ich wirklich fix zurückkehre, dann zeige ich meine Verlässlichkeit.

Die halbe Nacht brüllte Max nach seinem Papa, die andere Hälfte brüllte er einfach nur so. Er brüllte, als eine Schwester mit einem Ohrthermometer seine Temperatur messen wollte. Er brüllte, als selbige Schwester das Bett richtete. Er brüllte und brüllte, bis die Schwester mal eine Bemerkung Richtung Mama machte, dass diese doch bitte mal eingreifen und eine klare Ansage machen sollte. Was diese aber nicht tat. Entnervt rollte die Schwester, die sich wirklich alle Mühe gab, mit den Augen. Und Mama wunderte sich, dass die Schwestern ihr eher kühl begegneten.

Bitte helft mit, dass es weniger Maxe auf dieser Welt gibt 😉

Train Wreck

Ich bin mal wieder für ein langes Wochenende bei meinen Eltern zu Besuch. Und meine Ma hat sich ein neues Handy geholt, so ein tolles, das auch Internet kann. Und zwar weil – und jetzt kommt die beste Begründung EVAR – sie nicht immer auf den Papa warten will, wenn ich per WhatsApp Fotos der Enkel verschicke.

Ich sag dazu nüschd, sondern wappne mich für die anstehenden Technik-Erklär-Runden. Das Handy ist auch fix eingerichtet, WhatsApp, Wetter-App und Fahrplanauskunft runtergeladen, Klingeltöne kopiert, fertig.

Und jetzt sitze ich seit einer Stunde neben meiner Ma und beobachte sie, wie sie mit dem Smartphone kämpft. Das hat ein bisschen was von einem Verkehrsunfall, ist nicht schön anzusehen, aber weggucken geht auch nicht 😉

Habe leider zu spät dran gedacht, das Ganze live zu twittern. So überlasse ich das Geschehen eurer Fantasie, ihr könnt euch das sicherlich ganz gut selbst ausmalen. Nur nebenbei am Rande: meine Ma hat ungefähr ein halbes Jahr gebraucht, um Solitair mit der Maus am Rechner zu meistern.

A New Trip down Memory Lane

Der Vorteil von ersten Malen ist, dass man meist nicht genau weiß, was auf einen zukommt.
Der Nachteil von Wiederholungen ist, dass man meist ziemlich genau weiß, was auf einen zukommt.

Nun hatte ich ja das Problem, dass ich von der Geburt des Großen nicht mehr allzu viele Details wusste. Zum einen, weil das mittlerweile 5 Jahre her ist und zum anderen, weil ich in der entscheidenden Phase ziemlich umnebelt von einer schmerzlindernden Morphinspritze war. Hinzu kam noch die generelle Aufregung. Ich nahm mir also für die zweite Geburt vor, so viel wie möglich mitzuschreiben und hier ist er nun, der umfassende Bericht:

8:50 – erste heftige Wehe, die mich die Luft anhalten lässt, 2 Buscopan zum Überprüfen genommen [Buscopan entspannt den Unterleib, so dass Übungswehen weniger, richtige Wehen aber verstärkt werden, wird auch in Kliniken bei Geburten eingesetzt]

9:00 – die nächste Wehe meint es auch ernst, abwarten

9:10 – ok, es scheint ein 10-Minuten-Abstand zu sein

9:17 – da mogelt sich eine Wehe dazwischen

9:25 – ok, das war kein Mogeln, das ist ein neuer Abstand, 7-8 Minuten, Zeit für den Wannen-Check

9:33 – trotz Bewegung und Stehen eine Wehe, das ist neu [sonst sind die Wehen immer weg gegangen], ab in die Wanne

10:30 – wieder aus der Wanne raus, Wehen diesmal geblieben, wenn auch schwächer geworden

10:50 – Frühstück, Wehen sind fast weg

11:30 – Wehen wieder da, und auch wieder knackig, aber unregelmäßiger Rhythmus

11:50 – beim Einräumen des Geschirrspülers reicht es mir, ich kann nicht mehr aufrecht stehen, ich rufe meine Hebamme an, sie will in einer halben Stunde vorbei kommen und nachschauen

12:10 – ich packe die letzten Sachen zusammen und informiere vorsichtshalber den Papa

12:15 – Schleimpfropf geht ab

12:24 – Hebamme klingelt genau dann, als ich eine heftige Wehe habe, ich hoppel so schnell ich kann zur Tür

12:35 – meine Hebamme lauscht nach dem Kind und tastet den Bauch ab, alles gut, danach tastet sie nach dem Muttermund, 2 cm auf, es tut sich definitiv was

12:42 – ich bekomme Wehen-Massageöl, soll den Bauch massieren, danach einen Spaziergang in der Sonne machen, aber nicht zu weit weg und zu lang (muss eh noch zum Briefkasten)

12:45 – Hebamme verabschiedet sich wieder, wir verabreden, in 3 Stunden nochmal miteinander zu sprechen

12:50 – kaum ist die Hebamme weg, kommt die nächste Wehe, während ihres Besuchs war nicht eine

13:10 – ich koch mir Wintertee [Apfel-Zimt-Tee, Zimt ist wehenfördernd], setz mich aufs Sofa und schaue Biathlon, während ich mir den Bauch einreibe, Wirkung fast sofort

13:20 – Wehen aller 2 Minuten, sehr heftig, ziehen gut nach unten

13:45 – ich ruf den Papa an, beorder ihn nach Hause, er will in einer Stunde da sein und er verständigt unseren Freund, das Kind aus dem Kindergarten zu holen

14:00 – ich zieh mich um für den Spaziergang

14:24 – hab dauernd das Gefühl, aufs Klo zu müssen

15:00 – wieder zurück vom Spaziergang

15:10 – Mann kommt nach Hause

15:17 – mein Mann ruft die Hebamme an, wir dürfen ins Geburtshaus kommen

15:35 – Ankunft im Geburtshaus

15:55 – Bett beziehen mit unserer Bettwäsche und es wird nach den Herztönen des Kindes gelauscht

16:24 – Wehen heftiger, mehr nach unten

16:45 – Muttermund bei 5-6 cm

17:08 – vermehrter Pressdrang

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Hier endet mein „Liveticker“ und ich schreib aus der Erinnerung weiter 🙂

12:24 – 15:00 Uhr (ungefähre Zeiten zur besseren Zuordnung zu den Tickermeldungen)
Als meine Hebamme bei mir zu Hause war, meinte sie, dass alles bisher noch in die sogenannte Latenzphase fallen würde und damit auch nicht wirklich zur eigentlichen Geburt gehört. Sie könne auch nicht sagen, wie lange ich schon mit dem etwas geöffneten Muttermund rumlaufen würde und kann deswegen auch keine Aussagen zum weiteren Geburtsverlauf bzw. der weiteren Dauer machen.

Die 2-Minuten-Wehen seit dem Weggang der Hebamme taten zwar schon weh, aber waren für mich noch gut verarbeitbar. Bei meinem Spaziergang hatte ich immer wieder Wehen, aber ich glaube nicht, dass dies einer der zahlreichen Außenstehenden mitbekommen hat. Dooferweise bin ich direkt durch das Einkaufszentrum bei uns nebenan gelaufen, wo sich jede Menge Menschen tummelten und denen wollte ich nun wirklich kein Schauspiel der besonderen Art bieten. Also keine Miene verziehen und einfach weiter laufen.

15:00 – 16:00 Uhr
Als mein Mann dann da war, packten wir noch die letzten Sachen zusammen und ich warf mir kurz vorm Verlassen der Wohnung eine erste Paracetamol ein. Der Taxifahrer bot uns (im Scherz) an, vorm Geburtshaus zu warten, aber ich lehnte das Angebot ab. Im Geburtszimmer tigerte ich ein wenig planlos rum und suchte mir Stellen, an denen sich die Wehen gut aushalten ließen. Zu Hause lehnte ich mich auf meinen Bürostuhl, dessen Lehne die optimale Höhe für mich hatte. Im Geburtshaus probierte ich den Wickeltisch, der eine ähnliche Höhe hatte, aber da nervten mich die Heizdecke auf dem Tisch und der eingeschaltete Heizstrahler darüber, da mir so schon warm genug war.

Das Zimmer selbst war abgedunkelt, alle Vorhänge zugezogen und überall brannten Kerzen und Teelichter. Es war recht heimelig und es schadete auch nicht, dass die Sonne trotz der Vorhänge ins Zimmer schien. Ich lief zwischen den Wehen immer wieder im Zimmer herum, ich wollte mich einfach nicht hinsetzen. Kam eine Wehe, warf ich mich an ein von der Decke hängendes Tragetuch und krallte mich darin fest. Danach lief ich weiter rum. Meine Hebamme animierte mich immer wieder, zwischen den Wehen etwas zu trinken und irgendwann musste das auch wieder raus. Im Geburtszimmer gibt es einen Nassbereich, der mit Vorhängen vom Rest abgetrennt werden kann, aber das war trotzdem nix für mich.

„Ich kann nicht, wenn jemand guckt“, sagte ich und verschwand aufs Klo überm Gang. (Ich bin da echt ein wenig seltsam und hab davon sogar manchmal Alpträume.) Meine Hebamme guckte etwas erstaunt und fragte mich, ob Kind kriegen in ihrer Gegenwart ginge.
Ja klar, damit hab ich kein Problem 😉

16:00 – 16:45 Uhr
Ich lief immer noch rum und ertrug die Wehen im Stehen, merkte aber, wie mir langsam die Kräfte schwanden. Meine Hebamme bot mir einen Peziball an, den ich auch dankbar annahm. Ich wippte also auf dem Ball rum und krallte mich bei einer Wehe wieder ins Tuch. Das Tuch mutierte zu meiner Rettungsleine, die ich nicht mehr los ließ. Ich krallte und biss in das Tuch, lehnte mich dagegen, zog mich daran hoch. Als ich einmal in einer Wehenpause zum Wasserglas griff, merkte ich, dass meine Hand vom Reinkrallen völlig verkrampft war und so heftig zitterte, dass ich kaum das Glas halten konnte.

16:45 – 17:30 Uhr
Sobald ich auf dem Ball saß, wurden die Wehen heftiger. Sie drückten mehr nach unten und ich hatte auch das Gefühl, als müsse ich mitpressen. Dem entgegen stand aber der Befund der Hebamme, dass der Muttermund erst bei 5-6 cm sei, eine Geburt könne frühestens bei 8 cm, besser erst bei 10 cm stattfinden. Sie sah, dass ich teilweise mitpresste und machte sich entsprechende Sorgen. Sie fragte mich, wo ich die Wehen spüre und ob es weh tut, wenn ich mitpresse und es kostete mich extrem viel Kraft, mich bei den nächsten Wehen darauf zu konzentrieren, wo es ziept und drückt. Die Wehen waren mittlerweile richtig heftig und ich hatte tierische Probleme, überhaupt mit denen klar zu kommen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass es mir zu viel wird, dass meine Nerven überlastet sind und die ganzen Eindrücke mich komplett überfordern. Außerdem waren die Wehenpausen nur noch sehr kurz, oft kamen gleich zwei Wehen hintereinander. Ich fragte, ob es ok ist, wenn ich noch eine Paracetamol nehme. War es, also warf ich mir schnell die zweite Tablette ein.

Ich wechselte irgendwann in dieser Zeit vom Ball auf den Geburtshocker, was ich viel angenehmer fand, da der Hocker von sich aus sicher stand und ich ihn nicht wie den Ball mit den Beinen stabilisieren musste. Bei jeder Wehe versuchte ich, nicht mit aller Macht mitzupressen, immer noch den nicht vollkommen offenen Muttermund im Hinterkopf, aber so richtig gelang mir das nicht. Meine Hebamme versuchte, meine Bemühungen zu bremsen, in dem sie forderte, ich solle wie eine Lokomotive schnaufen. Schoo-schoo-schoo. Super. Jetzt musste ich bei jeder Wehe an Thomas die Lokomotive, Percy und Gordon denken, während ich so vor mich hin schnaufte. Fehlte nur noch der Rauch aus meinen Ohren.

17:30 – 17:50 Uhr
Aber das Schnaufen half tatsächlich, ich konnte den Pressdrang ein wenig zurück halten. Doch auch das war irgendwann vorbei und ich dachte nur noch „fuck this shit, mir reicht’s“ und presste eben mit. Ich merkte, wie sich der Kopf nach unten schob und dabei die letzten Reste aus meiner Blase rausdrückte. Seltsamerweise empfand ich in dieser Phase die Wehen nicht mehr als schmerzhaft, obwohl sie extrem heftig waren.
Bei der nächsten Wehe war der Kopf schon kurz vorm Ausgang.
Noch eine Wehe später und der Kopf wollte endgültig raus. Ich hörte die Hebamme sagen, dass noch das Kinn fehlte und presste weiter und dann war der Kopf da. Jetzt drückten allerdings die Schultern so dermaßen, dass ich einfach weiter presste, Wehe hin oder her. Die Hebamme wollte mich noch bremsen, ich sollte auf die nächste Wehe warten, aber das schaffte ich beim besten Willen nicht mehr.

Ich spürte, wie der Körper aus mir raus rutschte und der ganze große Rest vom Fruchtwasser hinterher. Ich zitterte am ganzen Körper und dann hörte ich mein Mädchen das erste Mal schreien. Während mir die letzten Sonnenstrahlen des Tages direkt ins Gesicht schienen, stand mein Mann auf und holte schnell das vorgewärmte Handtuch vom Wickeltisch. Die Hebamme fragte mich, ob ich das Kind selber aufheben möchte oder ob sie es mir reichen sollte. Da ich immer noch zitterte, traute ich mir nicht zu, sie unfallfrei hoch zu heben und so wickelte die Hebamme das Baby ins Handtuch und legte sie mir in die Arme. Ich schaute noch total ungläubig. War es das jetzt wirklich? Das ist mein Mädchen? Hab ich das gerade alleine geschafft? Mit nur 2 Paracetamol?
Ich glaube, ich habe eine Minute gebraucht, um das wirklich alles zu begreifen, doch dann traf es mich wie ein Schlag.

17:50 – 18:30 Uhr
Ja, das ist mein Mädchen. Ich zitterte immer mehr und fragte, ob ich mich aufs Bett legen könne. Ich wurde also provisorisch auslaufsicher verpackt und schlurfte dann zum Bett, wo ich mich hin legte, das Baby immer noch an meine Brust und auf meinen Bauch gepresst. Höher ging nicht, da die Nabelschnur dafür zu kurz war. Ich kuschelte ausgiebig mit dem Kind, mein Mann machte Fotos, gab mir etwas zu trinken und schaute auch ganz verliebt auf das Kind.
Mit der letzten Wehe hatte es auch die 2. Hebamme zur Geburt geschafft und beide Hebammen besprachen jetzt leise im Hintergrund den Ablauf und füllten erste Formulare aus.

Immer wieder fühlte eine der beiden, ob die Nabelschnur noch pulsierte und so lange sie das tat, ließen sie uns in Ruhe. Irgendwann ging es dann ans Abnabeln und ich durfte die eine Nabelschnurklemme festklemmen. Ich gab mein Bestes, doch ich hatte nur die linke Hand frei und deren Kraft reichte nicht aus, die Klemme richtig zusammen zu drücken, so dass das von der Hebamme erledigt wurde, genauso wie das Durchschneiden der Nabelschnur.

Mein Mann bekam kurz darauf die Kleine auf seinen nackten Oberkörper gelegt, während ich wieder auf dem Geburtshocker Platz nahm und die Plazenta bei einer Nachwehe rauspresste. Leider löste sie sich nicht komplett, sondern hing an einer Ecke fest und meine Kraft reichte nicht mehr, diese Ecke auch noch heraus zu pressen. Die Hebamme meinte, ich könne auch husten, also hustete ich eben. Ich fand die Situation allerdings so absurd, dass ich einen Lachanfall bekam, welcher aber den gleichen Zweck erfüllte. Ich schlurfte wieder ins Bett, während die Hebammen die Plazenta auf Vollständigkeit untersuchten.

18:30 – 19:00 Uhr
Da alles ok war, kamen sie kurz darauf und gratulierten uns zur Geburt. Ich hatte mein Mädchen wieder auf der Brust liegen, während die Hebammen sich jetzt komplett dem Papierkram widmeten. Sie fragten uns nach dem Namen fürs Kind und füllten die Geburtsurkunde aus.
Danach sollte das Kind bei der U1 untersucht und anschließend gewickelt werden und wir stellten fest, dass die Kleine eine erste Ladung Mekonium auf meinem Bauch hinterlassen hat und munter mit ihren Füßen darin rum strampelte.

Also erstmal Kind sauber machen, dann untersuchen, dann anziehen. Die Untersuchung war bis auf eine eventuelle Hüftfehlstellung ohne Befund. Die Babysachen waren im Wärmeschrank, von dem mein Mann nicht wusste, wo er ist und Hebamme 2 war gerade abwesend, also lief Hebamme 1 los, um die Babysachen zu holen. Als sie nach 5 Minuten nicht wieder da war, schickte ich meinen Mann los, um zu schauen, wo die beiden blieben. Das Kind legten wir in der Zwischenzeit wieder ins Bett. Kurze Zeit später tauchten alle samt Babysachen wieder auf, doch da hatte das Kind die nächste Ladung Kindspech ins Bett gepackt. Hurra!
Kind also wieder sauber machen und dann endlich wickeln und anziehen.

19:00 – 20:00 Uhr
Was noch fehlte, war die Schadensbegutachtung an meiner Person, vor der ich wegen den Erfahrungen bei der ersten Geburt tierische Panik hatte. Die Panik legte sich etwas, als die Hebamme aufs Bett krabbelte und sich eine Stirnlampe, wie sie Höhlenforscher gerne nutzen, umband. Eigentlich war mir zum Heulen zumute, aber bei dem Anblick konnte ich einfach nur lachen und lachte, bis mir die Tränen liefen. Bevor sie endgültig abtauchte, bat ich meine Hebamme noch um einen Gefallen: sie solle doch bitte nicht in die Höhle hinein rufen und versuchen, ein Echo zu erzeugen 😀

Sie gab sich unendlich Mühe, mir nicht weh zu tun und erklärte ausführlich alle ihre Handgriffe. Es war trotzdem alles wund und zwiebelte entsprechend, aber bei weitem nicht so arg wie damals. Ich war wieder gerissen, was mich bei der Heftigkeit und dem Tempo der Geburt überhaupt nicht überraschte, aber auch wieder nicht so arg wie beim letzten Mal und die Abschürfungen fehlten völlig. Sie betäubte die Stelle zuerst mit einem herrlich kühlenden Gel und spritzte dann 2x ein Betäubungsmittel. Das Nähen selbst war schmerzfrei, ich stellte mich aber trotzdem an wie eine totale Memme.

Nachdem das auch erledigt war, wollte ich eigentlich nur noch nach Hause. Also packten wir unsere Sachen zusammen, zogen die Betten wieder ab, zogen uns an, packten das Kind in den Kindersitz. Die Hebammen riefen uns ein Taxi und wir unterschrieben noch ein paar Formulare. Wir bekamen das Kinderheft und die Geburtsurkunde ausgehändigt und wir vereinbarten mit der Hebamme, dass sie am nächsten Tag um 12 Uhr bei uns vorbei schaut.

20:00
Nach einer kurzen Taxifahrt waren wir wieder daheim. Der Papa trug sein Mädchen ganz stolz die Treppen hoch und über die Schwelle. Wir telefonierten noch schnell mit unserem Großen, der noch gar nicht richtig verstand, dass er jetzt eine Schwester hat. Abschließend wurden noch die Großeltern informiert, bevor wir uns alle für eine erste gemeinsame Nacht in unser Bett kuschelten.

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Das Zahlenwerk:

Geburtsdatum: 20.03.2014
Uhrzeit: 17:43 Uhr
Gewicht: 3300 g
Kopfumfang: 34 cm
Länge: 50 cm

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Der Name wieder als Rätsel:

Der Rufname ist lateinischen Ursprungs und ist häufiger im spanischen und osteuropäischen Raum vertreten. So heißt etwa die spanischstämmige Schauspielerin, welche die Tonks in den Harry Potter Filmen verkörpert, so, aber auch die Ehefrau von Vitali Klitschko trägt diesen Namen. Zudem gibt es in meinem Zweitlieblingscomputerspiel eine Protagonistin und eine Rüstung, die so heißen.
Der zweite Name wurde in Anlehnung an eine berühmte antike Seherin vergeben, der niemand ihre Prophezeiungen glauben wollte und was letztendlich zum Untergang einer ganzen Zivilisation führte. Als das Internet noch jung und noch nicht alle schönen Nicknames belegt waren, wählte ich den Namen außerdem als mein Webpseudonym.