Rache ist Blutwurst

Ich hab meinem Mann mal ausnahmsweise einen Abend frei gegeben 😉 und er erzählte nach seiner Wiederkehr gar erstaunliche Dinge.

Als ich ihn vor gut 9 Jahren kennen lernte, steckte er noch in einer anderen Beziehung. Ich hab mich nicht dazwischen gedrängelt, die Initiative ging von ihm aus. Wir wohnten damals noch um die 500 km voneinander entfernt, konnten uns nur mailen oder miteinander telefonieren. Nach relativer kurzer Zeit merkten wir, dass das mit uns passen könnte und wir planten einen ersten Besuch von mir bei ihm in seiner WG. Da ich aber klare Verhältnisse wollte, bat ich ihn, doch vorher bitte seiner Noch-Freundin die geänderten Rahmenbedingungen nahe zu bringen.

Er tat dies dann auch, aber wie er es gemacht hat, darüber weiß ich nichts. Als ich dann eine Woche später in seiner WG auf der Matte stand, war seine mittlerweile Ex auch da, einen gemeinsamen Freund und WG-Bewohner besuchen. Rein zufällig. Ja ne, is klar.
Mein Mann ahnte sowas schon und hatte mich entsprechend vorgewarnt. Auf der Fahrt hatte ich mir eine ganz tolle Mitfahrerin über die Mitfahrzentrale eingeladen und gemeinsam mit ihr schmiedete ich einen Plan, wie ich mit der doch eher unangenehmen Situation umgehen sollte.

Der Plan ging einigermaßen auf, auch weil ich mich auf Anhieb mit den anderen WG-Bewohnern verstand und sie ihren Standortvorteil recht schnell einbüßte. Es dauerte noch 7 Monate, bis wir endlich zusammenziehen konnten und in dieser Zeit ließ die Ex keine Gelegenheit aus, in der WG aufzukreuzen und sich in Erinnerung zu bringen. Als mein Mann mal mit Erkältung darnieder lag und mit dem Tode rang, tauchte sie mit selbstgekochter Hühnersuppe auf. Aber so sehr sie sich auch mühte, es fruchtete nichts und spätestens beim Auszug meines Mannes hat sie dann kapiert, dass sie wohl doch den kürzeren zieht.

Das hielt sie allerdings nicht davon ab, jedweden Blödsinn, der ihr durch den Kopf schoss, zu verbreiten und weiterzutratschen. Sie log nicht direkt, aber schmückte Geschichten bis zur Schmerzgrenze aus und klagte ihr Leid, wie übel ihr doch mitgespielt worden sei. Ich war natürlich an allem Schuld, ich war die Böse und sie wurde nicht müde, dies immer und immer wieder gegenüber gemeinsamen Freunden zu betonen. Doch auch das nützte nichts, die Freunde meines Mannes ignorierten all das und hatten und haben immer ein ganz entspanntes Verhältnis zu mir. Ich habe mich soweit es ging aus der Sache rausgehalten, ich wusste, ich kann nur verlieren. Ich sprach nie schlecht über sie, ich lästerte nicht, ich grüßte freundlich und ansonsten ignorierte ich sie.

Als dann der Große auf der Welt war, schränkten wir unsere gesellschaftlichen Auftritte entsprechend ein, Studentenparties bis in den frühen Morgen waren einfach nicht mehr drin, und so wurde eventuelles Aufeindertreffen immer seltener. Irgendwann verschlug es sie ganz tief in den Westen und wir sahen das Problem als erledigt an.

Bis heute Abend. Da tauchte sie wieder auf, sie wäre aus dem Westen zurückgekehrt und würde jetzt im benachbarten Stadtteil wohnen. Sie hatte alle gemeinsamen Freunde schon besucht und laberte ihnen immer noch die Ohren mit den Geschichten von damals blutig. Mein Mann war alles andere als hocherfreut, sie heute so ganz ohne Vorwarnung wieder zu sehen, bemühte sich dennoch um Höflichkeit. Er erkundigte sich nach ihrem Ergehen und ihre Antworten waren wohl sehr bezeichnend. Jedes zweite Wort war ficken und generell bediente sie sich einer Sprache, die sogar einer gestandenen Hafennutte die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.

Mit jedem Wort mehr, das sie sprach, wurde mein Mann dankbarer, dass er sich damals von ihr getrennt hatte. Ihn schauderte es, wenn er daran dachte, dass er vielleicht heute noch mit ihr verbandelt wäre, vielleicht sogar Kinder haben würde. Er glaubt auch nicht, dass die gemeinsamen Freunde dieses Verhalten als besonders erstrebenswert erachten. Vor allem könnte man in dem Alter auch mal so langsam erwachsen werden und die ewig alten Geschichten ad acta legen. Meine Güte, sowas ist fertige Gymnasiallehrerin.

Ich gestehe, ich empfand eine gewisse Genugtuung ob der Erzählungen. Ich hatte mir nie Sorgen gemacht, dass sie mir den Mann wieder ausspannen könnte, aber das doofe Gequatsche ging mir doch gehörig auf den Keks.

Aber wie sagt man so schön: Rache ist ein Gericht, das man am Besten kalt serviert!