Chinesisches Neujahrsfest

Unser Großer geht in einen deutsch-chinesischen Kindergarten. Warum das so ist, hat mehrere Gründe.

Der erste und wichtigste ist, dass dies der einzige Kindergarten war, der überhaupt einen Platz für uns hatte, und das auch nur, weil mein Mann bei denen wöchentlich auf der Matte stand und nachgefragt hat, Rechtsanspruch hin oder her. Die Stadt befand es nicht für nötig, sich zu kümmern, egal, wie oft wir nachgefragt haben.

Als einzige Alternative wurde uns damals ein Platz in einem integrativen Kindergarten angeboten. Grundsätzlich finde ich die Integrationsidee wunderbar, denn ich sehe an mir selbst, wie befangen ich im Umgang mit Andersartigen (ich mag das Wort Behinderte nicht sonderlich) bin, weil ich ihnen im Alltag viel zu selten begegne.
Nur liegt besagter Kindergarten in einem echten Problemviertel und der Integrationsgedanke dort besteht darin, dass viele Kinder aus sozial extrem schwachen Familien betreut werden und bei denen es üblich ist, dass die Eltern die Kinder beim Bringen und Abholen schlagen und/oder verbal attackieren. Es ist schön, dass solchen Kindern die Chance geboten wird, alternative Umgangsformen und Konfliktlösungsmöglichkeiten zu lernen, aber ich würde dort vermutlich jeden 2. Tag ausflippen und diese Eltern zur Sau machen. Bei Gewalt gegen Kinder hört meine Toleranz auf!

Der zweite Grund ist, dass unser Kind in diesem Kindergarten von klein auf mit fremden Kulturen und anders aussehenden Menschen in Kontakt kommt und so hoffentlich gar nicht erst irgendwelche Resentiments entwickelt. Auch das Wissen, dass es andere Sprachen gibt, ist für kleine Kinder nicht uninteressant. Dass uns das 50 Euro pro Monat extra kostet, nehmen wir gerne in Kauf.

Die Lage ist der dritte Grund, liegt der Kindergarten doch auf dem direkten Arbeitsweg meines Mannes und auch ich kann im Notfall innerhalb von 20 Minuten zu Fuß von Arbeit dort sein.

Heute war nun eine Sonderveranstaltung für Kinder und Eltern anlässlich des Chinesischen Neujahrsfestes. Es gab eine Stunde lang einen Stationenlauf, wo die Kinder auf den verschiedenen Etagen verschiedene Spiele spielen konnten, bspw. Kegeln oder Steck dem Esel den Schwanz an. Als Nachweis gab es einen Stempel auf einen Laufzettel und gegen diesen Zettel gab es zur Verabschiedung verschiedene Belohnungen.

Im Anschluss daran gingen alle Kinder mit ihren Eltern wieder in ihre Gruppen und es gab ein großes Buffet mit selbstgemachten Salaten, Würsten, Obst, Süßigkeiten und selbstgebackenen Kuchen.
Es war wie immer sehr lecker, sehr viel und sehr laut. Und diese bodennahen Kinderstühle sind nix mehr für mich in meinem Zustand, aber was tut man nicht alles für sein Kind 🙂

Irgendwann war auch das überstanden, doch bahnte sich direkt ein großes Drama an. Alle Gruppen werden neben den regulären Erziehern noch von jeweils 2 chinesischen oder taiwanesischen Praktikantinnen betreut, die jeweils ein halbes Jahr in Deutschland bleiben, bevor sie wieder in ihre Heimat fahren, um dort ihre Studien fortzusetzen.
Und heute war für die beiden Praktikantinnen aus des Großen Gruppe letzter Tag, welches er mir schweren Herzens beim Anziehen gestand. Also sind wir danach nochmal kurz zu den beiden hin und er konnte sich ausgiebig verabschieden. Als er ihnen dann noch sagte, dass er sie ganz dolle vermissen wird, konnte man sehen, dass den beiden der Abschied auch enorm schwer fiel. Daran konnte selbst das extra lange Knuddeln nichts ändern.

Aber spätestens, als der Kleene am Ausgang die Belohnung für den Stationenlauf erhielt, waren die Tränen wieder getrocknet.
Schokotaler sind eben manchmal unbezahlbar 🙂

Gesundes Neues Jahr

Ich hoffe, alle sind gut im neuen Jahr angekommen und auch die Kopfschmerzen halten sich in Grenzen 😉

Vor genau 10 Jahren allerdings war für mich das gesunde neue Jahr bereits nach 3 Stunden vorbei. Wir waren Skifahren in Obertauern und feierten Silvester in einer der Skihütten direkt neben der Piste. Die Hütte war ein wenig größer, mit einer Galerie, um mehr Leute unterzubringen. Und an der Unterseite der Galerie waren die riesigen Lautsprecher montiert, direkt am Rand über der Tanzfläche.

Der Abend lief mehr schlecht als recht, ich fühlte mich nicht sonderlich wohl und von daher trank ich möglicherweise mehr als mir gut tat. Und je später der Abend wurde, umso ausgelassener wurde auch ich. Dazu verbesserte sich die Musik auch spürbar, weg von den obligatorischen Aprés-Ski-Hits zur normalen Partymucke. Und irgendwann lief dann Offspring und ich hüpfte ausgelassen auf der relativ leeren Tanzfläche herum, wirbelte meine Arme umher und *rumms* traf mit einem satten Handkantenschlag einen der tiefhängenden Lautsprecher.

Ich war mit einem Schlag nüchtern, der Schmerz zuckte heftig bis in die Schulter, aber verschwand dann auch relativ schnell wieder. Trotzdem war mir nicht mehr zum feiern zumute und so bin ich in unsere Pension gegangen und habe mich schlafen gelegt.

Am nächsten Morgen versuchte ich mich anzuziehen, aber bei jeder Bewegung meiner rechten Hand tat diese weh. Als ich eine Jacke mit engen Bündchen an den Ärmeln anziehen wollte, ging gar nix mehr und ich entschied mich, dann doch mal zum Arzt zu gehen. Während meine Mitreisenden ihren Kater auf der Piste kurierten, watschelte ich in den Ort und verbrachte den Vormittag in der chirurgischen Praxis. Dort wurde dann eine Spiralfraktur am Mittelhandknochen des kleinen Fingers festgestellt, die zum Glück aber nicht verschoben war. Sie konnte also problemlos eingegipst und ich wieder auf die Menschheit losgelassen werden.

Ich informierte meinen Freund beim Mittagessen darüber und machte mich dann daran, meinen teuren Skipass wieder zurück zu geben und wenigstens einen Teil des Geldes erstattet zu bekommen. War alles kein Problem, kommt dort vermutlich häufiger vor, bis auf die Tatsache, dass ich den Erhalt des Geldes mit einer Unterschrift bestätigen sollte. Statt zu unterschreiben, bekam ich erstmal einen Lachflash, weil ich als Rechtshänder mit links kaum den Stift halten, geschweige denn eine brauchbare Unterschrift leisten konnte. Ich malte also ein paar lustige Krakel auf das Formular, bekam mein Geld und verbrachte den restlichen Urlaub mehr oder weniger allein in einer Skihütte direkt neben unserer Pension.

Und hier für die medizinisch interessierten noch die Röntgenbilder von damals:

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