Krasses Zeug

Heute stand wieder ein Kontrolltermin für mein Mädchen an der Uniklinik an. Früh um 8, mitten in der Nacht also. Etwas verschlafen, aber halbwegs pünktlich fanden wir uns am Ort des Geschehens ein und meldeten uns an der Anmeldung. Direkt danach ging es wie gewohnt in die Radiologie zum Ultraschall.

Die gute Nachricht: die Nierenbeckenerweiterung hat sich von 14 auf 10 Millimeter verkleinert, der Rest ist gleich geblieben. Nach dem Ultraschall sollte heute außerdem noch ein Miktionszystourethrogramm gemacht werden. Ich hatte mich im Vorfeld informiert und wusste ungefähr, was auf uns zu kommt. Dennoch war ich überrascht, als mir die Stationsleiterin einen dieser medizinischen Aufklärungsbögen in die Hand drückte und sich kurze Zeit später zum persönlichen Aufklärungsgespräch zu uns setzte.

Es muss ein Katheder gelegt werden und da kleine Kinder erfahrungsgemäß eher unruhig sind, wird meiner Süßen ein Beruhigungsmittel gegeben. Dann werden diverse Röntgenbilder angefertigt, was natürlich eine erhöhte Strahlenbelastung mit sich bringt. Über all diese Dinge und die damit verbundenen Gefahren und Risiken wurde ich ausführlich informiert und unterschrieb den Bogen.

Kurz darauf kam die Ärztin wieder mit einen kleiner Spritze (ohne Kanüle) mit klarer Flüssigkeit, welche in die Nase injiziert werden sollte. Erwartungsgemäß fand das mein Mädchen überhaupt nicht lustig, selbst simples Naseputzen ruft bei ihren starken Protest hervor. Entsprechend laut jammerte sie und ich wartete darauf, dass das Mittel wirkt.

Anfangs schien es allerdings überhaupt nicht so. Sie schrie, sie wand sich, ihr bot ihr die Brust an, an der sie minimal nuckelte, um dann weiter zu schreien. Und zack, mit einem Mal war Ruhe. Die Süße setzte sich hin und guckte sich mit glasigen Augen um. Die Ärztin kam wieder, schaute sich das Kind an und war ob des Augenzustandes höchst zufrieden und wir siedelten in den Röntgenraum um.

Ich bekam eine schicke blaue Bleischürze samt farblich passender Bleihalskrause verpasst, durfte das Kindlein ausziehen und dann am Kopfende Position beziehen, um beruhigend einwirken zu können. Da die Uniklinik vornehmlich ein Lehrkrankenhaus ist, waren auch zwei Studenten anwesend, denen die Ärztin ausführlich jeden Schritt erklärte und auf die Besonderheiten bei der Kathederlegung bei Babies (alles ist so winzig) im Allgemeinen und bei Mädchen im Speziellen (alles ist zusätzlich noch versteckt und liegt recht nah beieinander) hinzuweisen.

Beim zweiten oder dritten Versuch klappte es dann auch und der Katheder saß, den ich im übrigen ganz furchtbar groß und dick fand. Meinem Mädchen war das mittlerweile alles egal, sie lang ruhig auf dem Rücken und feixte vergnügt vor sich hin. Normalerweise ist auf dem Rücken liegen und dazu noch festgehalten werden mit das größte Ungemach unter der Sonne, aber diesmal gluckste und brabbelte sie vor sich hin, zum Amüsement aller Beteiligten. Die Ärztin meinte, dass dies durch das Beruhigungsmittel kommt und ich fragte, ob ich davon etwas für zuhause bekommen könne, was wiederum durch Lachen seitens der übrigen Erwachsenen quittiert wurde. Hmpf!

Das Kontrastmittel wurde über einen Tropf laufen gelassen, es gibt da wohl Vorgaben, irgendwas mit 30 Zentimeter Wassersäule, damit nicht zuviel Mittel unter zuviel Druck in die Blase gelangt. Sekündlich wurde eine Aufnahme gemacht, um zu prüfen, wie voll die Blase bereits ist und ob es in diesem Stadium schon zu einem Reflux kommt, was es nicht tat.

Es wurde dann ein wenig hektisch, denn sobald die Blase voll ist, wird der Katheder gezogen und üblicherweise pullern dann die Patienten sofort. Und genau dieser Moment muss mit dem Röntgengerät eingefangen werden, denn der Reflux startet mit Beginn des Wasserlassens. Obwohl die Ärztin wusste, was sie tat, ist es doch recht einfach, den richtigen Moment zu verpassen und so wurden ganz schnell mehrere Bilder gemacht, von verschiedenen Winkeln und mit unterschiedlichen Einstellungen. Einmal war es dieses übliche Röntgen-Schwarz-Weiß, ein anderes Mal sehr viel heller mit ganz viel weiß, als ob die Farben invertiert worden wären. Medizinisches Fachpersonal kennt bestimmt die richtigen Bezeichnungen dafür, ich konzentrierte mich allein auf das Ergebnis.

Denn leider gibt es einen Rückfluss. Das heißt, bei jedem Pipi machen fließt eine kleine Menge Urin zurück in den nur unzureichend angelegten Teil der Doppelniere, bei dem grundsätzlich nicht klar ist, in welchem Umfang er überhaupt funktionsfähig ist. Das Problem bei einem solchen Reflux ist, dass dabei Bakterien aus der Blase in die Niere gelangen und dort Entzündungen hervorrufen können, welche im schlimmsten Fall zu einer sehr schmerzhaften Nierenbeckenentzündung führen können.

Immerhin gab es den Reflux nur beim Pinkeln und nicht schon beim Füllen der Blase, was ein sogenannter Niedrigdruckreflux wäre und wesentlich mehr Probleme mit sich bringen würde.

Danach ging es auf die Kinderurologiestation, wo ich schon erwartet wurde. Der Arzt dort schaute sich die Kleene auch noch einmal kurz an, das Wichtigste allerdings waren die Radiologieergebnisse. Die Antibiotikumprophylaxe muss weiter geführt werden, die Dosis wurde wegen des höheren Gewichts auf 3 ml angepasst. Man könne den Reflux auch operieren, doch wolle man solch invasive Eingriffe vorerst vermeiden, zudem hätte man festgestellt, dass sich ein solcher Reflux auch im Alter von 1-2 Jahren von selbst verwachsen könne.

Also machen wir erst mal so weiter wie bisher und in sechs Monaten haben wir den nächsten Termin.

Die Nierchen wieder

Heute waren wir wieder zur Kontrolle der Doppelniere und deren Entwicklung in der Uniklinik. Früh um 8. Also zu völlig nachtschlafender Zeit. Und dass, wo der Biergarten nebenan gestern bis 2:30 Uhr laute Musik spielte und pünktlich 6:15 Uhr die Baustelle nebenan ihre Bagger anschmiss. Entsprechend ausgeruht und frisch schleppte ich uns zum Krankenhaus.

Als erstes stand wieder der Ultraschall an. Während der 45-minütigen Wartezeit gab meine Süße ihr Bestes und machte ordentlich die Windel voll. Yes. Also fix im Kinderwagen die Windel wechseln. Und dabei passierte etwas, dass sie _noch nie_ gemacht hat, nämlich einfach so ohne Windel um loszupinkeln. Schön mittig auf die Kinderwagenmatratze. Na, was solls. Windelwechsel abgeschlossen und Moltontuch auf die Matratze gelegt.

Beim sehr ausgiebigen Ultraschall pullerte sie irgendwann wieder, aber verfehlte die untergelegte Windel meilenweit. Das kannte ich bisher nur vom Goßen, welcher von Natur aus wesentlich mehr Bewegungsfreiheit in diesem Bereich hat. Da die Ärzte in der Kinderradiologie sowas bei jedem zweiten Patienten erleben, war es auch kein großes Drama. Nur ich durfte dann die 2. und letzte Ersatzwindel ihrer Bestimmung zuführen.

Viertel 10 war dann fertig geschallt und wir durften auf die urologische Station gehen. Dort angekommen teilte uns die Schwester mit, dass der Doktor gerade in einem anderen Termin sei und es noch bis um 10 Uhr dauere. Ich könne ein wenig spazieren gehen. Wenn ich den Wickelraum bräuchte, solle ich einfach Besched sagen, dann schließt sie mir den auf. Ich dagegen hoffte inständig, dass wir den Raum nicht mehr brauchen.

Zum angegeben Zeitpunkt fand ich mich wieder auf der Station ein, so wie 3 andere Patienten auch. Was fehlte, war der Arzt. Der tauchte gegen halb 11 auf und glücklicherweise waren wir die ersten, die dran gekommen sind.

Die Nierenbeckenerweiterung ist immer noch vorhanden und genauso groß wie beim letzten Mal. Der Arzt erklärte, dass dies nicht ungewöhnlich sei, da durch den enormen Druck der Anfangszeit die Wände des Harnleiter und die Niere selbst sich in der Struktur verändert hätten und dies eben seine Zeit dauere bzw. vermutlich so in der Form bestehen bleiben, aber durch das Größenwachstum der Kleenen relativiert wird. Zudem sei auch gar nicht sicher gestellt, dass die obere Nierenanlage, welche zusätzlich da ist und da eigentlich nicht hin gehört, überhaupt richtig arbeitet.

Beim nächsten Termin Mitte Oktober gibt es wie gewohnt den Ultraschall und zusätzlich noch eine MCU, bei der geschaut werden soll, ob eventuell Urin aus der Blase zurück Richtung Niere läuft. Sollte dies nicht der Fall sein, können wir endlich die Antibiotikumprophylaxe beenden. Bis dahin jedoch muss meine Süße jeden Abend ihre Medizin schlucken. Eine Nieren- oder Blaseninfektion will ich allerdings auch nicht riskieren und der Arzt versicherte mir, dass die Dosis nur ein Zehntel der üblichen AB-Menge bei einer richtigen Infektion beträgt. Mit Langzeitfolgen ist nicht zu rechnen, es könne maximal zu einer Störung der Darmflora und damit verbunden zu Durchfall kommen. Aber da die Kleene bislang keinerlei Unverträglichkeiten gezeigt hat, wird sie das vermutlich auch in Zukunft nicht tun.

Dann durften wir endlich wieder nach Hause und ich hau mich jetzt erstmal, zusammen mit meiner Süßen, eine Runde aufs Ohr, wir haben da etwas nachzuholen.
Achja, die Windel hat übrigens bis jetzt gehalten 🙂

Wie aus dem Lehrbuch

Wie angekündigt, sind wir heute morgen in die Uniklinik gegangen, um die Kleine von Experten untersuchen zu lassen.

Nach der Anmeldung durften wir in der Notfallklinik warten, zusammen mit vielen, vielen anderen Kindern. Wir wurden irgendwann (mein Zeitgefühl geht beim Warten regelmäßig flöten) aufgerufen und durften unser Anliegen schildern. Ein sehr netter Arzt mit einer angenehm ruhigen Art hörte sich alles genau an und überwies uns dann in die hauseigene Radiologie.

Dort angemeldet und wieder gewartet. In der Zwischenzeit das Kindlein gestillt, damit es nicht unnötig unruhig bei der anstehenden Untersuchung ist. Bald darauf wurden wir aufgerufen und ein junger Arzt schickte sich an, die Ultraschalluntersuchung zu machen. Er gab sich viel Mühe, hatte extra das Gel vorher angewärmt und einen extra kleinen Schallkopf (der war niedlich) angestöpselt. Beide Nieren wurden geschallt, die Harnleiter, die Stauungen, die Blase. Zur Absicherung holte der Arzt noch seine Chefin, damit sie seine Befunde bestätige.

Sie kam bald darauf, der Arzt erklärte seine Befunde und die Ärztin bestätigte jeden einzelnen. Sie meinte, Doppelniere, Stauung und Ureterozele seinen alle klassisch und sehen typisch für diese Krankheit aus. Mich beruhigte das irgendwie, denn immerhin waren alle Symptome bekannt, also wird es auch erprobte Behandlungsmethoden geben. Die Kleene fand die Untersuchung doof, vor allem, weil ihr immer wieder die Beine festgehalten wurden. Letztendlich war sie aber doch ganz tapfer, hat sich nach einer Weile beruhigt und dann ganz brav mitgemacht.

Danach sind wir wieder zurück in die Notfallklinik, zum Glück sind in der Kinderklinik die Wege relativ kurz, und warteten darauf, dass der Arzt mit uns die weitere Behandlung bespricht. Der Arzt passte uns auf dem Gang ab, nahm sogleich den Bericht an sich und fünf Minuten später schickte er uns in die Urologie, wir wären schon angemeldet und dort würde das Kind nochmal, diesmal von den richtigen Spezialisten, untersucht.

Wir zogen also erneut um und wurden von einer Schwester in Empfang genommen. Sie bat uns zu warten, weil der Arzt gerade bei einem anderen Patienten sei, aber er wolle sich die Kleene unbedingt noch anschauen. Selbige verschlief die Wartezeit zum größten Teil, jedoch wurde ihr Schlummer immer wieder von den sehr lauten automatischen Türen gestört.

Gegen 12 Uhr durften wir dann zum Arzt, welcher sich unser Mädchen und den Befund sehr intensiv anschaute und uns dann genau erklärte, was bei den Untersuchungen herausgekommen ist. Die Doppelniere rechts ist ja bekannt und der obere und untere Teil haben jeweils separate Harnleiter in die Blase. Einer der Harnleiter mündet direkt in die Blase, der andere jedoch in eine sogenannte Ureterozele (Wikipedia). Das ist eine kleine Blase oder ein Sack innerhalb der Harnblase, welcher keinen oder nur einen sehr kleinen Abfluss in die eigentliche Blase hat und dadurch die Stauung in der Niere verursacht. Die Ureterozele kann mittels einer minimalinvasiven Operation perforiert werden, was die Ärzte gerne auch demnächst machen möchten, bevor sich irgendwelche schweren Infekte bilden.

Der Arzt müsse noch einen Termin finden und sich deswegen mit einem Kollegen absprechen und sobald sie ein geeignetes Datum hätten, würden sie uns anrufen und informieren. Da dies recht kurzfristig geschehen kann, sollten wir doch bitte die Stadt nicht verlassen wurden wir gefragt, ob wir in der nächsten Zeit verfügbar wären, was wir bejahten.

Dann durften wir endlich wieder nach Hause. Die Untersuchungen waren nicht schlimm, aber zusammen mit der Warterei waren wir ordentlich geschlaucht. Daheim haben wir ausgiebig gebruncht und dann noch ausgiebiger Mittagsschlaf gehalten.

Geweckt wurde ich durch einen Anruf der Klinik, sie hätten sich auf einen Termin einigen können und ob es denn möglich wäre, wenn ich morgen Vormittag in die Klinik komme, um dort zusammen mit dem Kind stationär aufgenommen zu werden. Die OP ist für Donnerstag geplant und wenn alles gut ginge, könnten wir Freitag wieder nach Hause.

Ich hab das alles bejaht und noch Fragen gestellt, wo wir uns melden sollten und was wir mitbringen müssten, aber das lief alles automatisch ab. Ich war total überrumpelt, dass es so schnell ging, dass es eine richtige Operation ist, dass wir stationär aufgenommen würden. Ich ging in meinem jugendlichen Leichtsinn davon aus, dass der Eingriff ambulant, quasi auf dem Gang, gemacht werden kann. Erst jetzt im Nachhinein wird mir klar, dass so ein kleines, strampelndes Bündel eher ungeeignet dafür ist und dass vorher und nachher schon nach etwaigen Infektionen geschaut werden sollte.

Also bin ich dann die nächsten Tage mal weg und hoffe, dass der Eingriff komplikationslos über die Bühne geht.