Hello again!

Hat mich eigentlich jemand vermisst? Anyone? Nein?

Egal, ich texte euch auch so zu 🙂

Ganz offensichtlich gibt es mich noch, ich hab mir nur eine kurze Auszeit gegönnt. In dieser waren meine Familie und ich 3 Wochen im Urlaub und unsere Tochter mit mir eine Woche im Krankenhaus. Der Krankenhausaufenthalt war schon länger geplant und musste leider zweimal verschoben werden, so dass er sich jetzt direkt an die Ferien anschloss. Fand ich nicht so dolle, da die damit verbundene OP wie ein Schatten über dem kompletten Urlaub hing.

Ich konnte in der Vergangenheit schon schlecht mit dem Thema umgehen und während der Reise fragte ich mich immer wieder, ob dies die letzten schönen Tage gemeinsam sein werden und tröstete mich, dass wir immerhin noch tolle Erinnerungen sammeln konnten. Ein wirkliches Erholen war aber unter diesen Bedingungen nicht möglich, ganz egal wie entspannt die insgesamt drei Urlaubswochen ansonsten waren.

Der Krankenhausaufenthalt hat dann den minimalen Erholungseffekt umgehend zunichte gemacht, auch wenn sich alle Ärzte, Schwestern und Angestellte unendlich Mühe gaben. Die OP war für letzten Dienstag geplant, doch direkt nach der Ankunft auf Station teilte uns der Arzt mit, dass sie auf Mittwoch verschoben wurde. Dafür durften wir nach den Aufklärungsgesprächen und Voruntersuchungen wieder nach Hause gehen und sollten erst am Mittwoch eine Stunde vor OP-Beginn wieder im Krankenhaus sein. An sich eine gute Sache, bedeutete für mich jedoch einen Tag länger Bangen und Sorgen machen und sämtliche schreckliche Szenarien im Kopf durchspielen.

Am Mittwoch morgen hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch unter der Dusche, die Anspannung der letzten Tage und Wochen war schlicht zu viel für mich. Dazu kam die Befürchtung, mein Kind einem großen Risiko auszusetzen, was am Ende vielleicht völlig unnötig wäre, denn es könnte ja auch weiterhin mit dem Antibiotikum leben. Und mögen Narkosemittel und Operationen heutzutage relativ sicher sein, aber immer wieder liest man von Eingriffen, die eben schief gingen. Da ist es auch wenig tröstlich, wenn sich hinterher herausstellt, dass der Patient einen unentdeckten Herzfehler oder unwissentlich eine Allergie entwickelt hatte.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, schnappte ich mir das Kind und ab ging es ins Krankenhaus. Dort wurden wir bereits erwartet und kurze Zeit später wurden wir zum Aufwachraum gebracht, wo meine Süße 10 Minuten später zur OP abgeholt wurde. Seltsamerweise war ich ab Verlassen der Wohnung total ruhig und gefasst, sämtliche Aufregung und Nervosität verschwunden. Ursprünglich dachte ich, ich könnte während der Wartezeit nix essen, aber als dann die Frühstücksdame mit ihren Essenswagen vor der Tür stand, hab ich mir ein Brötchen geben lassen und das zu meinem größten Erstaunen mit Appetit gegessen.

Nach 1,5 Stunden kam der Oberarzt ins Zimmer und an seinem Lächeln konnte ich ablesen, dass es meinem Mädchen gut ging. Man konnte bestimmt noch in der Nachbarstadt die mir vom Herzen fallenden Steine purzeln hören. Leider teilte mir der Arzt mit, dass die OP nicht wie geplant durchgeführt werden konnte. Durch die Doppelniere und den zusätzlichen Harnleiter lag im Blasenraum nichts da, wo es eigentlich liegen sollte und zusätzlich war die Ureterozelenschleimhaut im Weg und so konnte der Reflux, der zudem am gesunden Harnleiter und nicht wie vermutet am zusätzlichen, erweiterten Harnleiter existiert, nicht behoben werden.

Der Arzt entschied trotzdem, dass in 3 Tagen das Antibiotikum abgesetzt wird und wir schauen, was passiert. Die Chancen stehen wohl relativ gut, dass gar nichts passiert und die Kleene ihr Leben lang ohne Harnwegs- oder Nierenbeckeninfekte bleibt. Sollten vermehrt Infekte auftreten, müsste operiert werden und der Harnleiter verlegt und dann unterspritzt werden. Es könne auch sein, dass der zusätzliche Anteil der Doppelniere Probleme macht, weil er nicht vollständig ausgebildet ist und dann im Körper putzige Dinge auslöst, die zu Bluthochdruck führen. Dann müsste wiederum operiert und der zusätzliche Teil entfernt werden.

Tolle Aussichten, oder?

Eine halbe Stunde nachdem der Arzt mir das alles erklärt hatte, durfte ich in den Aufwachraum gehen und meinem Kind beim Schlafen zuschauen. Nach einiger Zeit ereilte mich ein menschliches Bedürfnis und weil es im Aufwachraum keine Toiletten gibt, tapperte ich wieder in mein Zimmer und auf dem Rückweg nahm ich mir ein Buch mit, war es doch völlig unklar, wie lange die Süße ihren Rausch ausschlafen würde.

Wieder im Aufwachraum angekommen, turnte da ein kleines Mädchen in seinem Bettchen rum, gut umsorgt von einer Schwester. Eben jene Schwester meinte ob meines erstaunten Blicks, dass es bei Kindern häufig so ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde. Es ging der Kleenen also gut, nur war sie noch sehr wacklig auf den Beinen und fiel immer wieder mal beim Hüpfen um.

Als wir wieder im Patientenzimmer waren, wurde gerade das Mittagessen verteilt. Ich fragte die Schwester, ob und wann die Kleene was essen dürfte. Erstmal solle sie etwas trinken und wenn das drin bliebe, könnte man über feste Nahrung nachdenken. Der Vorschlag stief auf wenig Gegenliebe beim Patienten und etwas eigenmächtig gab ich ihr einen Pudding, den sie mit großem Appetit vertilgte. Eine Stunde später ließ ich sie aus ihrem Kinderbett frei, woraufhin sie sofort ins Spielzimmer stürzte, sich den Puppenwagen schnappte und diesen fortan 3 Stunden lang über die Krankenhausgänge schob. Die Schwestern schauten ein wenig verwundert, war mir aber egal, dass Theater, bis sie endlich „frei“ gelassen wurde, wollte ich niemanden antun.

Am nächsten Vormittag wurden wir entlassen und wir nutzten den Rest der Woche, diese weniger schönen Erlebnisse wegzukuscheln.

Tja, und seit heute hat mich die Arbeits- und Blogwelt wieder.

Etwas ist faul im Staate Dänemark!

Immer wieder gibt es Phasen in meinem Leben, da könnte ich die Wände hochgehen. Da laufe ich wie eine Raubkatze in einem viel zu kleinen Käfig ständig auf und ab, ohne Ziel, ohne Ende. Dann kann ich mich auf nichts mehr konzentrieren, mich nicht ablenken, innerlich wie gelähmt.

Mich machen diese Phasen völlig verrückt, denn jede einzelne Aufgabe ist dann eine extra Anstrengung. Mal eben kurz den Geschirrspüler einräumen dauert eine halbe Stunde, und das auch nur, wenn ich mich mindestens 3 Stunden lang immer wieder selbst ermahnt habe, endlich diesen doofen Geschirrspüler einzuräumen.

Ein innerer Drang, irgendetwas tun zu müssen, lässt mich hunderte Dinge anfangen, aber bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeben. So liegen derzeit um die 5 Blogartikel als Entwürfe rum und wohl alle werden sich in die 30 Entwurfsartikel aus früheren Phasen einreihen. Ich überlege, ein neues Buch anzufangen oder angefangene Bücher weiter zu lesen. Oder ein neues Stück zu häkeln. Oder etwas zu malen. Oder ein neues Spiel zu spielen. Ganz egal was, Hauptsache etwas.

Aber allein darüber nachzudenken, welches Buch es denn letztendlich sein soll oder was man im Sommer schon häkeln sollte oder welches der 15 Spiele auf Halde ich starte, überfordert und erschöpft mich. Jeden Tag aufs Neue. Dann also nur ein stupides Metzelspiel, bei dem ich nicht nachdenken muss. Sollten doch mal die grauen Zellen erforderlich sein, schalte ich das Spiel aus, um es 5 Minuten später erneut zu starten, einen anderen Char wähle, um weiter ohne zu denken spielen zu können.

Dies geht bereits einige Tage so. Immer beginnt es schleichend, so dass es anfangs gar nicht auffällt. Erst, wenn es richtig schlimm wird, werde ich stutzig und überlege, was denn nun schon wieder los ist. Was mein Kopf versucht zu verdrängen, weil die Realität einfach zu doof ist.

Die Finanzsorgen vielleicht? Möglich, aber es gibt noch ein paar Kniffe, um den Bankrott abzuwenden und alle Ausgaben unter einen Hut zu bringen. Die Urlaubsplanung? Jein. Ich bin zwar komplett urlaubsreif, aber überhaupt noch nicht in Urlaubsstimmung. Da fällt es mir schwer, Ausflüge zu planen, mögliche Ziele zu ermitteln oder Reiseführer zu durchforsten. Der Schwiegervater? Wohl kaum. Er ist letzten Freitag gestorben, ist wohl immer wieder mal nur kurz aus dem Koma aufgewacht, bevor ihn ein Nierenversagen endgültig dahingerafft hat. Anna übernimmt die Planung der Beerdigung und will da auch keine Hilfe. Soll sie haben. Das ISO-Projekt auf Arbeit? Das wird einfach nur immer lächerlicher. Mittlerweile wurde es offiziell gestartet, der Vorstand steht voll hinter dem Projekt, das bis Ende Dezember abgeschlossen sein soll. Geschätzter Aufwand sind 100-150 Personentage für ein 3-Personen-Kernteam – eine der Personen bin ich -, bei dem alle Mitglieder natürlich noch ihre Hauptjobs haben und nicht für das Projekt abgestellt sind. Angeblich gibt es ein Projektbudget, um für die Zertifizierung notwendige Ausgaben finanzieren zu können, aber weder der Projektleiter noch mein Chef haben je etwas davon gehört. Wir hätten da auch ganz dringend Bedarf an einer neuen Software, die den zentralen Bestandteil der Zertifizierung abdecken würde, aber wir wissen weder, wen wir dafür anbetteln müssen, noch ob das Geld dafür reicht. Und so rennen wir lachend in die Kreissäge. Da das aber wirklich nur Arbeit ist, ist es mir tatsächlich egal. Meinem Chef irgendwie auch, der ist mit zwei anderen superwichtigen Projekten und dem Tagesgeschäft mehr als ausgelastet. Meine neuerliche Asthmakrankheit? Kommt zwar ungünstig, ist aber behandelbar. Das warme, feuchte Wetter hat das allergische Asthma wieder aufblühen lassen, doch bin ich diesmal sofort zum Arzt, bevor sich das wieder zu einer Lungenentzündung auswächst, so wie letzten August. Die Ärztin hat mir ein Spray verschrieben und mich für 3 Tage krank geschrieben, bis die akute Entzündung abgeklungen ist. Heute merkte ich noch nicht allzu viel davon, beim Kind vom Hort abholen und kurz fürs Abendbrot einkaufen gehen, dachte ich, ich wäre eine Marathon gelaufen. Null Luft und nach der halben Stunde war ich todmüde.

Das ist zwar alles nicht schön, aber erklärt die Unruhe nicht. Bis mein Blick auf den Kalender fiel, auf dem stand: 19.- 22. Süße Krankenhaus.

Diese blöde OP. Ich weiß, es ist nur ein kleiner Eingriff und wenn alles gut geht, können wir danach das Antibiotikum absetzen. Aber trotzdem findet der Eingriff unter Vollnarkose statt und gerade in letzter Zeit habe ich von verschiedensten Fällen gehört, wo Patienten nicht mehr aufgewacht sein. Es stellte sich zwar hinterher heraus, dass alle medizinisch vorbelastet waren, aber was nützt mir das, wenn sich das hinterher auch bei meiner Süßen herausstellt?

Ich habe richtig Schiss vor dem Eingriff. Der dritte. Aller guten Dinge sind drei? Three’s the charm? Wenn ich mir sage, dass die Ärzte eine Narkose heutzutage punktgenau dosieren können und sie ja bei dem Eingriff auch so keine Schmerzen hat, sondern nur ruhig daliegen muss, die Narkose also eh leichter als üblich sein kann, dann beruhigt mich das nicht. Es ist und bleibt eine verdammte Vollnarkose.

Unklar ist auch noch, was ich mit der Voruntersuchung mache. Bei einer ersten Besprechung hieß es, alle notwendigen Untersuchungen und Aufklärungsgespräche würden am Sonntag vor der OP stattfinden, es könnte nur sein, dass ich ein wenig länger warten müsste. Da wir eh im Krankenhaus wären, war mir das egal. Kurz darauf hieß es, dass der Chefarzt persönlich gerne die Aufklärung und Untersuchung übernehmen möchte, und wir am Donnerstag oder Freitag davor ins Krankenhaus kommen sollten. Natürlich ohne stationäre Aufnahme und das KH stellt auch keine Bescheinigung für Kind krank oder ähnliches aus. Hieße für mich, ich müsste wieder einen Urlaubstag nehmen. Da ich aber dieses Jahr bereits 3 Tage für diese Untersuchungen, die alles andere als Urlaub sind, nehmen musste, hab ich dafür schlicht keine mehr übrig. Ein Anruf bei der Krankenkasse über meine Möglichkeiten ergab, dass ich mich vom Hausarzt oder das Kind vom Kinderarzt krankschreiben lassen sollte für diesen Tag. Das Kind hat bereits 6 Tage vom Konto verbraucht und es sind noch über 6 Monate vom Jahr übrig. Bleibt also nur der Hausarzt, aber mit widerstrebt es, mich nichtkrank krankschreiben zu lassen. Ich werde morgen aber trotzdem mal fragen.

Jetzt weiß ich zwar, was mich die Wände hochtreibt, aber immer noch nicht, was ich dagegen unternehmen kann. Vermutlich einfach weiter stupide Monster metzeln, Hauptsache, die Zeit geht irgendwie rum :/

© Foto von Flickr/Stig Nygaard „Whhhhhiiiiiieeeeeeehhh…“CC BY 2.0

28 Stunden

Um 7 Uhr am Dienstag Morgen fanden wir uns in der Uniklinik ein. Als erstes mussten wir zur Anmeldung, alle unsere Daten aufnehmen und eine Unmenge an Klebeettiketten ausdrucken lassen. Mit einem kleinen Stapel an Papierkram, Klebekram, Stoffbeutel und Kugelschreiber sollten wir dann auf Station gehen.

Mittlerweile kenne ich mich so gut in der Klinik aus, dass mir bunte Klebelurche auch nicht mehr weiter helfen und keine zwei Minuten später standen wir am Stützpunkt der kinderchirurgischen Station. Dort wurden die Etiketten und das U-Heft in Empfang genommen und wir bekamen ein Zimmer zugewiesen. Zu diesem Zeitpunkt gingen wir immer noch davon aus, dass die OP für 7:30 Uhr angesetzt war, obwohl ich nicht mehr wirklich daran glaubte. Ich hätte dafür mehr Action erwartet.

Es wurde halb Acht, es wurde um 9 Uhr, es wurde halb 10 Uhr. Es tat sich nichts. Irgendwann sagte mir „meine“ Schwester, dass die OP für 10:30 Uhr geplant war. Immerhin eine erste Aussage. Meine Süße brabbelte vergnügt vor sich hin, sie störte es nicht, dass sie seit 3 Stunden kein Frühstück hatte. Das letzte Mal wurde sie um 3 Uhr nachts gefüttert, das nächste Mal wäre sie unter Normalumständen um 9 Uhr dran gewesen. Da ihr das aber niemand gesagt hatte, ignorierte sie das einfach und wurde ganz spontan gegen 10 Uhr müde.

Ich wiegte sie in den Schlaf und kurz darauf ratzte sie tief und fest in meinem Arm. Ich saß so vor ich hin auf einem Stuhl in dem Krankenzimmer und harrte der Dinge, die da kommen mögen. Und sie kamen. In Form des Stationsarztes und seines Tross. Der Arzt fing an, mich vollzulabern, ich immer noch mit dem gerade eingeschlafenen Kind auf dem Arm. Ich schaute ihn nur verständnislos an, was will der jetzt von mir? „Meine“ Schwester kam zufällig ins Krankenzimmer und wies den Arzt darauf hin, dass dieses Kind gerade eingeschlafen ist, nüchtern sein muss für die OP, und eine Störung eher kontraproduktiv sei.

Ich hätte sie knutschen können, wenn ich nicht gerade das schlafende Kind auf dem Arm gehabt hätte. Der Arzt musste natürlich sein Gesicht wahren und so fragte er mich belangloses Zeug wie ob denn die Temperatur des Kindes ok gewesen sei und wie es mit dem Stuhlgang aussähe. Nach 4 Fragen, und wie ich hoffe meines grummeligen Blickes wegen, trat er den Rückzug an, seine Armada von Ärzten im Praktikum hinter sich her ziehend.
Aber leider gab es immer noch keine Aussage, wann die Kleene denn nun dran wäre.

Mittlerweile war es 11 Uhr geworden. Die letzte Mahlzeit war 8 Stunden her, die letzte Flüssigkeit 3 Stunden, wobei das nur ein paar Tropfen Wasser waren. Wir warteten geduldig, wobei mein Mädchen eine besondere Geduld an den Tag legte.

Immer wieder lief ich mit meiner Süßen auf dem Arm am Schwesternstützpunkt vorbei. Ich wollte den Schwestern, die genügend andere Aufgaben zu erledigen hatten, keinen unnötigen Stress verursachen, aber so ungefähr wissen, wann mein Kind dran wäre, wäre schon cool. Meine Schwester hatte mir schon vor Stunden mitgeteilt, dass 10:30 Uhr DER Termin war, aber die Realität sah anders aus.

Es wurde 11 Uhr, es wurde 12 Uhr, es wurde 12:30 Uhr. Ich bekam mein unglaublich leckeres Mittagessen, irgendein Fisch mit gedünstetem Gemüse und unsäglich harten Kartoffeln. Alle Zutaten schmeckten genau gleich, vor allem die Dillsoße. Während ich mir das Futter hinter die Kiemen schob, schaute meine Kleine interessiert zu und wartete, dass ich ihr auch was in den Mund schob. Was ich aber nicht tat, Rabenmutter und so.

Um 13 Uhr schaute ich wieder am Schwesternstützpunkt vorbei und meine Schwester rief erneut im OP an, ob denn mittlerweile bekannt sei, wann die Kleine dran ist. Leider gab es immer noch keine neuen Informationen, aber die Aussage, dass das Kind an den Tropf angeschlossen werden solle, damit es nicht völlig dehydriert. Ich bin wieder aufs Zimmer gegangen, die Schwester wollte nur alle notwendigen Zutaten besorgen.

Als sie wenige Minuten später mit leeren Händen ins Zimmer kam, schaute ich ein wenig verwundert, doch sie löste das Rätsel schnell auf. Der OP hätte angerufen, es könne jetzt losgehen und wir sollen in den Aufwachraum kommen. Also schnell das Kindlein in ein schickes Baby-OP-Hemd gekleidet. Die Schwester schmierte Betäubungssalbe auf mögliche Einstichstellen für venöse Zugänge und klebte Folie darüber, damit das nicht verschmiert. Mit meiner Süßen im Bettchen fuhren wir zum Aufzug und auf dem Weg dahin schnappte ich etwas von einem Notfall auf, ein Junge mit Hodentorsion, dem ich jedoch mangels medizinischer Kenntnisse keine größere Bedeutung beimaß.

Im Aufwachraum wurden wir von den Schwestern in Empfang genommen. Gleichzeitig mit uns traf ein großes, leeres Krankenbett ein, von dem es nur hieß, das wäre für einen Notfall. Die Schwestern gingen von irgendeinem Notfall in nicht näher bestimmter Zukunft aus und schoben das Bett in eine Ecke. Die Anästhesieschwester schaute sich die Akte meines Kindes an und machte sich dann mit einer Spritze an einem Fläschchen zu schaffen.

Ich fragte, ob dies der Beruhigungssaft sei, was sie bejahte. Ich wies sie darauf hin, dass ich mit der Anästhesieärztin aber vereinbart hatte, dass der Saft nur im Notfall nötig sei und es erstmal ohne probiert werden soll. Ich zeigte ihr die entsprechende Stelle in der Akte, die sie einfach übersehen hatte. Die Schwester rief dann noch jemand wichtiges an, um wirklich sicher zu gehen, bekam aber von dort auch grünes Licht und packte den Saft wieder weg.

Er war tatsächlich zu diesem Zeitpunkt nicht nötig, meine Kleene war trotz Hunger und Durst erstaunlich gut gelaunt, krabbelte in ihrem Bett und strahlte sämtliche andere Anwesenden an. Einer dieser Anwesenden war ein etwas 3-jähriger Junge, aufgrund jeglicher fehlender Behaarung vermutlich Krebspatient, der gerade von einer größeren OP aufwachte, immer die Hand seines Papas haltend. Je wacher er wurde, desto fröhlicher wurde er auch und allen Anschein nach kannte er sich im Aufwachraum gut aus und auch die Schwestern waren ihm nicht unbekannt. Ich fand es stark, wie locker er das alles wegsteckte, so lange sein Papa in der Nähe war, gleichzeitig machte mich das auch unglaublich traurig. Krebs hat in Kindern einfach nix zu suchen.

Kurz nachdem der kleine Junge auf Station geschoben wurde, öffnete sich die Tür und ein schmächtiges verängstigtes Mädchen kam mit seiner Mutter in den Raum. Sie wären der Notfall, von dem aber im Aufwachraum immer noch niemand etwas wusste. Aber immerhin war ja ein Bett da und die Schwestern sind routiniert genug, um zu wissen, was getan werden muss. Erstmal ausziehen, schickes OP-Hemdchen an, viel gutes Zureden und Trösten.

Noch während sich das Kind umzog, betraten mehrere Ärzte das Zimmer und begannen mit der OP-Aufklärung. Sie fragten nach Allergien und dem ganzen Kram. Ich wollte da nicht unbedingt lauschen, aber die ganze Szene fand keine 2 Meter von mir entfernt statt und da ich meine Kleene auf dem Arm hatte, war Ohren zuhalten nur schwer möglich.
10 Minuten war der Spuk vorbei, das Mädchen wurde in den OP geschoben und die Mama auf Station geschickt, um dort erstmal alle Formalitäten zu erledigen.

Da wir nun auch schon wieder eine halbe Stunde warteten, fragte ich mal vorsichtig nach, wann wir denn dran seien. Tja, der Notfall des Jungen hatte sämtliche Pläne verschoben. Welcher Junge, fragte ich, und die Schwestern sagten, dass das Gewusel gerade um einen Jungen ging. Ich hätte schwören können, dass das ein Mädchen war, so feingliedrig wie er aussah. Die sehr langen Haare taten ein übriges in in meiner Wahrnehmung. Also war dies wohl der auf Station erwähnte äußerst schmerzhafte Notfall.

So mussten wir nun warten, bis der Notfall durch war, ehe wir dran kommen konnten. Irgendwann kam jemand vom OP-Team in den Aufwachraum und plauderte mit den Schwestern und ich schnappte „und dann machen wir erstmal Mittag“ auf. Definitiv nichts, was ich in dem Moment hören wollte. Ändern konnte ich aber auch nichts, denn hungrige Ärzte sind unkonzentriert und das Risiko wollte ich genauso wenig eingehen.

Meine Süße wurde unruhig und ich tanzte mit ihr durch den Raum, der gerade frei von irgendwelchen Notfällen oder aufwachenden Patienten war. Die Schwestern machten auch gerade Mittag und wir hatten unsere Ruhe. Irgendwann rieb sich mein Mädchen die Augen und zog an ihren Ohren, ein ganz sicheres Zeichen, dass sie müde ist. Ich wiegte sie so lange hin und her, bis sie eingeschlafen war. Keine 3 Minuten später kam jemand vom OP-Team und meinte, es könnte jetzt los gehen.

Ich küsste sie zum Abschied und übergab sie der Ärztin, schaute ihr hinterher, bis sie hinter einer Tür verschwand und ging auf Station. Es war mittlerweile halb 3, ich war erschöpft durch das viele Tragen, erleichtert, dass es endlich los ging und gleichzeitig besorgt, ob denn alles gut gehen würde.

Ich versuchte, mich abzulenken, nicht nachdenken zu müssen und erstaunlich kurze Zeit später kam eine Schwester und meinte, ich könne wieder in den Aufwachraum. Ein Steinbruch purzelte mir vom Herzen. Fünf Minuten später stand ich neben meinem tief schlafenden Mädchen und sah ihr beim Atmen zu. Eine Schwester stellte mir einen Stuhl neben das Bett, ich setzte mich drauf, schob meine Hand durch das Gitter und hielt ihr die Hand.

Bald fing sie an, sich zu bewegen. Erst den Kopf nach links oder rechts gedreht, dann ein wenig geschnieft, bevor sie blinzelnd die Augen öffnete. Dann ging alles sehr schnell. Sie streckte sich, sie blinzelte noch ein wenig und dann setzte sie sich hin und wollte Action. Die Schwestern im Aufwachraum staunten nicht schlecht, fanden es aber toll, dass sie so gut gelaunt angestrahlt worden. Eine Schester wurde von Station gerufen, damit wir wieder nach oben gebracht werden können und 10 Minuten später waren wir in unserem Zimmer.

Ich legte meine Süße erstmal ausgiebig an, meine Brüste waren kurz vorm Platzen, da sie 12 – 16 Stunden nicht mehr gefordert waren. Mein Mädchen war so ausgehungert, dass es ihr ein Leichtes war, mir Erleichterung zu verschaffen. Derart vollgestopft und immer noch ziemlich erschöpft fiel sie kurz darauf in meinen Armen in den Schlaf und ich war froh, sie halten und wiegen zu können. Kaum hatte sie 5 Minuten geschlafen, ging die Zimmertür auf. Ich dachte zuerst, die Schwester wolle nach uns schauen, aber nein, sie hatte einen neuen Mitbewohner im Schlepptau.

Kaum war dieser in den Armen seines Vaters über die Zimmerschwelle gekommen, fing er an, wie am Spieß zu brüllen. Ich konnte nur noch „Das ist jetzt nicht euer Ernst?!“ denken und es entschlüpfte mir auch ein lautes „Oh nein“. Ich war so froh, dass meine Süße eingeschlafen war und jetzt folgte hier so ein Terror und da wusste ich noch nicht, was noch an Terror folgen sollte. Das andere Kind schrie und schrie, mein Kind schaute nur verstört, blieb aber ansonsten ruhig. Nach einer Viertelstunde dieses Gebrülls setzte ich mein Kind ins Bett und verließ das Zimmer. Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen und brauchte erst mal einen Tee und musste ganz tief durchatmen.

Als ich kurz darauf ins Zimmer zurück kehrte, saß meine Süße immer noch völlig konsterniert in ihrem Bett und schaute dem Jungen beim Brüllen zu. Der Vater versuchte über das Gebrüll hinweg am Telefon seiner Frau klar zu machen, dass sie ins Krankenhaus kommen solle. Diese schien das nicht zu begreifen und immer wieder musste der Mann ihr erklären, dass es nicht möglich ist, dass er hier mit einer fremden Frau (= mir) in einem Zimmer übernachten darf.

Irgendwann war der Junge so erschöpft vom Brüllen, dass er es einfach einstellte. Allerdings durfte niemand Fremdes an sein Bett heran und Papa durfte nicht weg von ihm. Dieser hatte sich in sein Schicksal ergeben und spielte mit seinem Handy, während sein Kind immer und immer wieder nach im fragte. Störte den Papa aber nicht, erst als sein Kind wieder anfing mit Schreien reagierte er.

Ich kuschelte während dessen mit meiner Kleinen, stillte sie immer wieder, spielte mit ihr, beruhigte sie. Sie schaute immer wieder verschreckt hoch, wenn der Junge den nächsten Wutanfall hatte, was so aller 10-15 Minuten der Fall war. Es gab Abendbrot und für mich eine Entschuldigung, das Zimmer für wenige Minuten verlassen zu können. Mein Mann besuchte uns, überzeugte sich, dass es seiner Tochter wirklich gut geht. Da Krankenhäuser so gar nicht sein Fall sind, wir eh am nächsten Tag entlassen werden sollten und dieser brüllende Junge echt nicht der Brüller war, blieb er nur kurz.

Während dessen telefonierte der Papa noch zwei weitere Male mit der Mutter, welche offensichtlich nicht wusste, wo die Uniklinik ist oder wie sie dahin kommen sollte. Ich finde es eine erstaunliche Leistung, da die Klinik sehr zentrumsnah liegt, ungefähr 4 normale Wohnblöcke umfasst und sehr gut ausgeschildert ist. Selbst als frisch Zugezogener, was sie aber nicht war, hat man relativ schnell herausgefunden, wo man hin muss. Egal, Mama tauchte mit einem nicht näher bekannten Mann auf. Beide betraten grußlos das Zimmer, schauten nur kurz zu uns rüber, bevor sie sich dem Kind widmeten.

Die Mutter fragte erneut, warum denn nicht der Papa im Krankenhaus bleiben könne und er erklärte es ihr erneut. Sie schien es trotzdem nicht zu verstehen, fügte sich aber in ihr Schicksal. Der unbekannte Mann verabschiedete sich wieder und kurz darauf tat das auch der Papa, was einen erneuten Wut- und Schreianfall zur Folge hatte. Erstaunlicherweise blieb meine Süße die ganze Zeit über ruhig, obwohl ich ihr ansah, dass sie völlig erschöpft war und eigentlich nur schlafen wollte.

Da ich selber kurz vorm Umfallen war, kann ich mich an die genauen Ereignisse des Abends nicht mehr erinnern. Ich versuchte, so schnell wie möglich die Nachtruhe einzuläuten. Es nützte nur bedingt etwas, da der Junge aller Stunden wach wurde und nach seiner Mutter brüllte. Wenn diese dann am Bett stand, brüllte er nach seinem Vater. Manchmal brüllte er auch einfach nur so. Meine Kleene schlief entsprechend unruhig, kam oft und so dösten wir uns gemeinsam durch die Nacht. Dass stündlich, gerade wenn alles wieder ruhig geworden war, die Nachtschwester kam und uns mit einem Suchscheinwerfer in die Gesichter leuchtete, fiel dann auch nicht mehr ins Gewicht.

Am Ende der Nacht stand ein karges Frühstück und meine Süße mit extremen Augenringen. Ich war so erschrocken, als ich die dunklen Ringe sah, ich wäre am liebsten sofort nach Hause geflüchtet. Doch mussten wir noch auf den Arztbericht warten. Um 8 Uhr war dann die Erschöpfung zu groß für mein Mädchen, sie schlief in meinen Armen ein und ratzte und ratzte und ließ sich durch kein Gebrüll der Welt mehr stören.

Es kam der Arzt, erklärte mir, dass bei der OP festgestellt wurde, dass die Ureterozele nicht wieder zusammen gewachsen war und auch alle anderen Zu- und Abflüsse offen waren. Also das Optimum in ihrem Zustand. Er würde noch den Arztbrief fertig machen und einen Termin für die nächste Kontrolle vereinbaren, dann dürften wir gehen.

Wir warteten geduldig, ich packte meine Sachen zusammen, gab meinem Mann und meinen Eltern Bescheid. Die Schwester erlöste mein Kind von ihrem Zugang und dann kam endlich der ersehnte Arztbrief. Wir waren entlassen.

Um kurz nach 11 verließen wir die Klinik gen Heimat, wo wir erstmal ausgiebig Mittagsschlaf machten.

 

OP-Vorsorgeuntersuchung

Am Dienstag steht die nächste OP meiner Süßen an und damit die ordentlich über die Bühne gehen kann, braucht es einer Vielzahl von Untersuchungen. Da am Montag in der Uniklinik schon zu viele Patienten angemeldet sind, sollten wir das alles am Donnerstag machen. Also fanden wir uns wie vorgegeben um 10 Uhr auf der Kinderchirurgischen Station ein. Die Schwestern an der Anmeldung guckten mich skeptisch an und ich dachte sofort, ich hätte mich in Ort oder Zeit geirrt, ein Gefühl, was ich immer als sehr unangenehm empfinde. Doch dann ließen sie sich das gelbe Untersuchungsheft und die Chipkarte geben und ich sollte im Spielzimmer warten.

Was wir auch taten, über eine Stunde lang. Wir beobachteten stationär aufgenommene Kinder, wie sie zusammen mit Krankenschwestern Engel bastelten, wie ein Junge seinen Eltern schlechte Witze aus einem Buch vorlas, wie ein Mädchen mit seiner Mutter Kaufmannsladen spielte.
Endlich wurden wir von einer jungen Ärztin erlöst, welche meine Kleine eingehend untersuchte und mich nach der Vorgeschichte befragte. Am Kindlein gab es nichts außergewöhnliches festzustellen, guter Allgemeinzustand auf knapp 75 cm Länge und 8,6 Kilo. Wir sollten dann wieder im Spielzimmer warten, bis eine andere Ärztin uns über die Operation aufklären würde.

Die spielenden Kinder waren mittlerweile in ihre Zimmer zurück gekehrt und verputzten ihre Mittagessen. Ich holte mir Tee und Wasser und die Kleene ihre Portion Milch. Gegen halb eins kam die Ärztin und erklärte uns, was bei der OP passieren soll und was passieren könnte, was ja auch immer alle Dramen einschließt, wovon aber niemand wirklich ausgeht. Das Äußerste wäre wohl die Legung eines Blasenkatheders, der aber dann durch die Bauchdecke gelegt wird, weil es aus welchen Gründen auch immer über den Harnleiter nicht geht. Ich hoffe, dass dies meiner Süßen erspart bleibt, allein die Vorstellung lässt mich schaudern.

Dann sollten wir noch zur Anästhesieaufklärung. Als wir da ankamen, kippte ich fast aus den Latschen, nicht ein einziger freier Platz mehr im Warteraum. Entsprechend fragte mich die Schwester an der Aufnahme, ob wir am nächsten Morgen wieder kommen könnten. Ich sagte, dass dies kein Problem wäre, ich aber nicht weiß, was die Kollegen auf Station dazu sagen. Die Schwester rief an, erklärte die Umstände und dann wurden wir erstmal wieder heim geschickt.

Mein Mädchen war mittlerweile so knülle, dass sie bereits keine 100 Meter vom Krankenhaus im Kinderwagen eingeschlafen war. Sie ließ sich auch nicht vom aus dem Kinderwagen heben und in den 3. Stock hochtragen stören und so legte ich sie komplett angezogen ins Laufgitter und ließ sie in Ruhe ratzen. Später am Nachmittag machten wir beide noch ein Nickerchen, aber die Kleene wollte nicht alleine irgendwo rumliegen und so schlief sie eben auf mir. Auch gut ❤

Am Freitag dann also zu einer Zeit aufstehen, wo ich noch keinen Puls und nur sporadische Atmung habe und zur Anästhesie. War auch schön leer dort, sogar die Krankenschwestern fehlten. Nach kurzer Zeit bin ich meine Zettel dann doch noch losgeworden und sollte wieder warten. Eine halbe Stunde später kam die Narkoseärztin und erklärte mir, was alles bei der OP passieren soll.

Als erstes würde sie über eine Atemmaske betäubt, dann bekäme sie kleine Pflaster auf die Hände, um die Einstichstellen für die Zugänge zu betäuben. Sie würden das trotz der bereits erfolgten Narkose so machen, damit die Kleine auch wirklich nichts spürt. Dann würde sie intubiert werden und sie bekäme drei Sensoren auf die Brust gepappt, um sie genaustens überwachen zu können.
Da sie keinerlei Anzeichen für Fremdeln zeigt, könnte sogar auf den Beruhigungssaft verzichtet werden, der würde die Kinder immer so groggy machen, auch noch Stunden nach der OP. Bin ich sehr dafür.
Es wurde noch nach ihren Zähnchen geschaut, da die besonders beim Tubus legen gefährdet seien.

Ein weiterer Haken auf der Checkliste und wir durften wieder auf die Station, wo noch ihre sämtlichen Unterlagen auf uns warteten. Eine der Schwestern gab mir einen Zettel mit der Stationstelefonnummer mit, ich solle am Montag nachmittag anrufen und fragen, wann die OP am Dienstag denn genau ist. Die OP-Pläne werden immer erst einen Tag vorher fest gemacht, sie ginge aber davon aus, dass das Kindlein wieder als erste dran ist. Wäre mir sehr recht, denn so lässt sich das 6-stündige Nüchternheitsgebot vor der OP besser aushalten, als wenn es mitten am Tag ist.
Eine andere Schwester wollte noch Blut abnehmen, um ein Blutbild erstellen zu können. Dazu wurde meine Süße in den Finger gepiekst, was sie überhaupt nicht lustig fand. Trotz intensivem Trösten hat es gut 5 Minuten gedauert, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Ich bekam noch zwei Urinklebebeutel mit und solle am Montag versuchen, damit eine Urinprobe zu ergattern. Ich bin gespannt, hat das doch in der Vergangenheit immer so fantastisch gut geklappt 😉

Um halb 10 Uhr waren wir fertig und durften gehen. Leider war der ausgedehnte Spaziergang zur Klinik und zurück am Donnerstag Anlass für mein rechtes Knie, mal wieder ordentlich zu muckern. Und weil wir grad schon mal da waren und die Orthopädie nur ein Haus weiter ist, wollte ich das endlich mal anschauen lassen. Ein freundlicher Herr sah meinen unsicheren Blick, als ich das Klinikgebäude betrat und bot seine Hilfe an, die ich gerne annahm. Er lotste mich direkt bis zur richtigen Station und erzählte mir auf dem Weg dahin, dass er selber gut einen Monat gebraucht hätte, um sich einigermaßen zurecht zu finden.

An der Anmeldung mein Anliegen geschildert und im gut gefüllten Warteraum Platz genommen. Entgegen allen Erwartungen kam ich bereits 5 Minuten später dran. Mein Knie wurde ausführlich, aber ergebnislos untersucht. Ich kann leider nichts dafür, dass es mir bei Bewegungen oder kräftigem dran Ziehen nicht weh tut. Es tut eben einfach so weh. Ich wurde aber noch zum Röntgen geschickt, drei Biegungen weiter in dem verzweigten Gebäude. Auch dort kam ich ganz fix dran und die Röntgenschwestern waren in heller Aufregung, wer denn meine Süße zuerst bespaßen darf, während ich auf dem Röntgentisch mein Knie in den verschiedensten Winkeln präsentierte.

Zurück bei der Orthopädin erklärte sie mir, dass sie nicht weiß, woher die Schmerzen kommen. Laut den Bildern ist alles dort, wo es sein soll und es gibt keinerlei Anzeichen für krankhafte Veränderungen. Hmm, nicht ganz das, was ich hören wollte. Sie stellte mir aber ein Rezept für Krankengymnastik und Ultraschall aus, was mich insofern überraschte, als ich immer dachte, dass dies nur die niedergelassenen Ärzte dürfen. Ein Rezept für Paracetamol gab es gratis oben drauf. Genauso wie den Hinweis, dass wenn die Schmerzen in 4-6 Wochen nicht besser sind, ich mir vom Hausarzt eine Überweisung für ein MRT holen soll.

Wir sind dann wieder nach Hause gegangen, haben in Ruhe gefrühstückt und ausgiebig Mittagsschlaf gemacht. Solche Untersuchungen schlauchen immer ganz ordentlich.

Besorgt

War ich zum Jahresende noch froh, dass das Jahr endlich vorbei ist, habe ich die Wirkung des neuen Jahres völlig unterschätzt.

Kaum ist der Januar da, rücken auch die entscheidenden Termine immer näher und versetzen mich in einen emotionalen Ausnahmezustand. Permanent begleitet mich die Sorge, ob bei der OP alles gut geht. Ich kann mir immer und immer wieder einreden, dass es kein großer Eingriff ist und nicht lange dauert, aber sofort meldet sich eine Stimme im Hinterkopf, die mir sagt, ja, aber das erfolgt unter Vollnarkose, welche wieder die Atmung der Kleinen lähmen wird, so dass sie intubiert und künstlich beatmet werden muss. Und was ist, wenn nach der Narkose die Atmung nicht spontan wieder einsetzt. Was, wenn die Narkose noch ganz andere Nebenwirkungen hat. Werde ich mein Mädchen wohlbehalten wieder in die Arme schließen können?

Diese Gedanken sind ständig da, lähmen mich, lassen mich verkrampfen. Ich habe dadurch massive Rücken- und Kopfschmerzen und kann mich auf nichts konzentrieren. Ich schlafe schlecht und bin ständig müde, erschöpft.

Wenn ich meine Süße so anschaue, wie sie gut gelaunt die Welt erkundet, krabbelt, steht, brabbelt, lacht, klatscht und bewusst zu mir zum Kuscheln kommt, dann treibt es mir regelmäßig die Tränen in die Augen, weil das alles so wertvoll ist und gleichzeitig so vergänglich sein kann.

Bei der ersten OP hatte ich nur einen Tag Vorwarnung und von daher gar keine Zeit, mir so viele Sorgen zu machen, aber die Anspannung war in der Zeit trotzdem enorm. Jetzt habe ich noch 10 Tage vor mir und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich die überstehen soll oder in welchem Zustand ich dann bin.

Langweilig

Ich glaube, dem da oben ist manchmal langweilig und dann guckt er, wem es gerade zu gut geht. Und scheinbar heben wir uns da gut aus der Masse ab und zack, schon hat er uns mit seinem Schicksalshammer eins über die Rübe gezogen. Auto, Schimmel in der Wohnung, Umzug, Schulanmeldung, Kontonotstand reichen anscheinend noch nicht, denn gerade eben bekam ich einen Anruf von der Uniklinik.

Bei der letzten Kontrolluntersuchung der Kleenen vor einem Monat gab es eine Auffälligkeit beim Ultraschall. Die zwei Wochen nach ihrer Geburt geschlitzte Ureterozele scheint wieder zugewachsen oder gerade im Begriff wieder zuzuwachsen zu sein und das müsse überprüft werden. Wir dürfen daher im Dezember wieder in der Klinik vorbei schauen, wo das untersucht wird und wenn wir Pech haben, muss die Kleene erneut unters Messer. Ich bin froh, dass sich die Ärzte so gut kümmern und genau hinschauen, bevor sich das wirklich zu einem echten Problem auswächst.

Doch ganz ehrlich, so langsam tät ich auch mal wieder eine schöne Nachricht haben.

Leben in Warteposition

Es gibt Situationen, in denen sich alles ändert. Dinge laufen viel langsamer ab als sonst, die bekannte Welt schrumpft und Prioritäten verschieben sich dramatisch.

Für mich begann ein solche Situation mit dem Anruf, dass wir am nächsten Tag stationär ins Krankenhaus sollten. Gleichzeitig begann damit auch eine quälende Warterei.
Ich wartete. Darauf, dass es endlich los ging. Darauf, dass ein Arzt kam. Darauf, dass mein Mädchen wach wird. Ich wartete auf alles mögliche und fürchtete zugleich diese Momente. Die daraus resultierende Zerrissenheit ist unglaublich zermürbend.

Wir packten also am Mittwoch Morgen unsere Sachen und begaben uns zur vereinbarten Zeit ins Krankenhaus, wo wir auch schon erwartet wurden. Während ich an der Anmeldung sämtliche Formalitäten klärte, wurde die Kleene bereits auf der Station aufgenommen, vermessen und das erste Mal begutachtet. Als ich dazu kam, war dieser Teil fast abgeschlossen und mir wurde das Zimmer gezeigt. In einer Ecke stand ein offensichtlich bereits belegtes Bett, in einer anderen ein schwarzer Sessel. Dieser wurde mir als meine zukünftige Bettstatt vorgestellt, was ich allerdings für einen Scherz hielt.

Es war nur keiner, denn fünf Minuten später meinte die Schwester, sie würde versuchen, ein Klappbett zu organisieren, aber falls keines mehr da wäre, könnte der Sessel ausgeklappt werden. Das war das erste von ganz vielen Malen, an dem ich am liebsten sofort wieder nach Hause gegangen wäre.
Mir wurde mein Spind gezeigt, mein Nachtschränkchen, das Bad, die Schwesternstation, die Getränkestation, die Küche, alles nur mit knappen Erklärungen begleitet, wenn überhaupt. Ich hatte ja die nächsten Tage genügend Zeit, alles selbst heraus zu finden.

Als nächstes wartete ich auf die Blutabnahme.
Bei selbiger war mein Mädchen unglaublich tapfer. Die Schwestern wollten ihr Blut vom Kopf abnehmen, weil dort die Venen am besten zu sehen waren. Sie meinten zudem, sie hätten gerne, wenn das Kind richtig schreit, weil dann das Blut durch die Anstrengung besser fließen würde und bei so kleinen Babies wäre es schwierig, die benötigte Menge an Blut zu bekommen. Nur hatten sie die Rechnung ohne mein Kind gemacht. Nach einem kräftigen Brüller direkt nach dem Einstich beruhigte sie sich wieder und lang dann friedlich auf der Liege und harrte der Dinge, die da noch kommen mögen, während die Schwestern an ihrem Kopf rumdrückten und fieberhaft versuchten, die drei kleinen Röhrchen mit Blut zu füllen, was ihnen letztendlich auch gelang.

Danach war es Zeit fürs Mittagessen und ich war gespannt, wie es schmecken würde, hatte ich doch die verschiedensten Horrorgeschichten im Hinterkopf. Da ich mich am Vortag nicht für ein bestimmtes Gericht anmelden konnte, musste ich nehmen, was mir angeboten wurde und das war Hühnerbrust mit Kartoffeln und Möhrengemüse. Durchaus essbar, wenn auch fad gewürzt, was jedoch zu erwarten war.

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Dann wieder warten. Auf die OP-Aufklärung. Die Anästhesie-Aufklärung. Das Klappbett. Welches im Laufe des Nachmittags kam, im noch zusammengeklappten Zustand. Ich wartete auf einem harten Stuhl, der mit jeder Minute unbequemer wurde. Gerne hätte ich mich auf das Bett gelegt, durfte es aber alleine nicht aufbauen.

Wie ich sehr viele Dinge nicht alleine durfte. Mir beispielsweise Obst vom Essenswagen nehmen, das durfte aus Hygienegründen nur die Essensausgeberin, wie sie mir unmissverständlich klar machte.

Alleine allerdings durfte ich das Kind wickeln, das Babybett sauber machen, gefühlt permanent Temperatur beim Kind messen. Am späten Nachmittag kam der Papa nochmal vorbei und wir sind raus in den Park gegangen, ein wenig Sonne und Ruhe abfassen. Meine Zimmergenossin hatte seit Mittag erst ihre Mutter zu Besuch, ab Nachmittag kamen dann noch Mann und Kind dazu und alle waren ständig am Schwatzen, über was, weiß ich nicht, da sie sich auf Russisch unterhielten.
Durch den Spaziergang verpasste ich das reguläre Abendessen und durfte dann bei der Essensdame, bei der ich schon zum Kaffee negativ aufgefallen bin, um zwei Scheiben Brot und etwas Wurst betteln. Ich musste alles ganz fix essen, denn um 19 Uhr musste das gesamte Geschirr abgewaschen sein und sie dürfe nachträglich nichts per Hand spülen, besagt die Krankenhausvorschrift.

Die Nacht verlief einigermaßen ruhig, außer dass aller Stunden eine Schwester mit Taschenlampe in den Zimmern nachschaute, ob alle Patienten noch da sind.
Ich hatte mir vorsorglich den Wecker auf 3 Uhr gestellt, zu diesem Zeitpunkt durfte das Kind zum letzten Mal vor der OP gestillt werden. Das klappte auch ganz gut und wir waren gerade wieder eingeschlafen, als mich die Nachtschwester weckte und meinte, ich solle doch das Kind stillen, wäre ja das letzte Mal vor der OP. Hmpf.
Ich hoffte, dass sich das Kind ordentlich voll gefuttert hatte und bis zum Morgen schlafen würde, aber nein, mein Mädel wurde um 5 Uhr wach und hatte Hunger. Zwei Stunden lang.
Ich versuchte, sie so gut es eben ging zu beruhigen und zählte die Minuten bis 7:30 Uhr, wollte aber gleichzeitig die Zeit anhalten, um mein Mädchen nicht hergeben zu müssen.

Pünktlich holte uns eine Schwester ab und brachte uns in den Aufwachraum, wo wir noch so lange miteinander kuscheln durften, bis das OP-Team komplett war. Mit uns wartete ein ca. 14-jähriger Junge, der immer wieder zu uns herüber schaute. Sicher bereute er in diesem Moment seine Entscheidung, die Mama nicht vor der OP dabei haben zu wollen, er wäre doch kein Kind mehr, aber so aufgeregt und unsicher wie er aussah, hätte ihm eine mütterliche Umarmung bestimmt gut getan.
Meine Kleine wurde mir dann von einer Schwester abgenommen und in den OP gebracht, während ich auf wackligen Beinen und den Tränen nahe wieder auf mein Zimmer ging und wartete.
Es gab Frühstück und ich würgte appetitlos das Brötchen herunter und zählte wiederum die Minuten. Ich sah der Putzfrau staunend zu, wie sie mit dem Wischer das ganze, ca. 30 Quadratmeter große Zimmer in einem Rutsch reinigte nass machte. Eine weitere Schwester wischte Staub. Dazwischen eine Meute Weißkittel, die Visite hielt. Ein wenig Abwechslung bei der Warterei.

Ich war so durch den Wind, dass ich gar nicht checkte, dass der Arzt, der kurz nach 9 Uhr das Zimmer betrat, zu mir wollte. Erst, als er schon zwei Sätze auf mich eingesprochen hatte, begann mein Gehirn die Informationen auch zu verarbeiten. Die OP ist gut verlaufen, die Ureterozele wurde geschlitzt und ist sofort in sich zusammengefallen. Es gab keine Komplikationen und mein Kind liegt bereits im Aufwachraum, wohin ich in Kürze gehen dürfte.
So richtig kapiert hab ich das in dem Moment alles nicht, ich nickte automatisch und bedankte mich beim Arzt. Und wartete wieder.

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit, obwohl es in Wirklichkeit nur 10 Minuten waren, kam eine Schwester und brachte mich zum Aufwachraum. Als erstes sah ich das leere Kinderbett, in dem noch ihr Drache hockte. Erst als mich die Aufwachraumschwester in Empfang nahm, bemerkte ich, dass mein Kind in einem Wärmebettchen lag und ein Monitor ihre Vitalwerte anzeigte  und munter vor sich hin piepte. Die sehr nette Schwester erklärte mir, dass sie nach der Operation ein wenig ausgekühlt sei und sie deswegen im Wärmebett liegt, bis sichergestellt ist, dass sie alleine die Temperatur halten kann. Wenn der Monitor hektisch zu piepsen anfinge, solle ich mir keine Sorgen machen, die Sensoren messen mitunter nicht richtig, besonders bei so kleinen Kindern. Erst wenn die Schwester herbei geeilt käme, wäre es mehr als nur ein verrutschter Sensor.
Ahja.

Ich setzte mich neben das Wärmebett, schaute mein Mädchen an und wartete.
Die Schwester schaute immer wieder mal vorbei, stellte erst die Wärmelampe über dem Bett aus, dann die Heizung des Bettes selber und prüfte, ob alles so ist, wie es sein sollte. Das Kindlein schlief.
Zwischendrin wurde der Jugendliche vom Morgen in den Aufwachraum gebracht. Ich war froh und erleichtert, dass er seine OP auch gut überstanden hatte. Ich musste schmunzeln, als er, einigermaßen wieder zu sich gekommen, darum bat, dass seine Mama darüber informiert würde, dass alles gut gegangen ist, sie mache sich sicher Sorgen.
Nach zwei Stunden im Aufwachraum, davon eine Stunde lang ohne äußere Wärmezufuhr durften wir zurück auf die Station, natürlich nur im Begleitung einer Schwester.
Auf Station angekommen, wartete ich, dass die Kleene wach wird. Sie aber schlief und schlief und schlief. Sehr zum Leidwesen meiner Brüste, die mir zu verstehen gaben, dass 8+ Stunden ohne Entleerung nicht im Sinne des Erfinders und vor allem schmerzhaft sind.

Meine Warterei wurde durch das Mittagessen unterbrochen, diesmal irgendetwas Fischiges mit Reis und nennen wir es mal Gurkensalat.

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Ich rief meinen Mann an und fragte, ob und wann er denn an diesem Tag vorbei kommen wollte, was dieser wiederum als Startschuss verstand und sich sofort auf den Weg machte. Während ich also darauf wartete, dass die Kleene aufwacht, wartete ich auf meinen Mann. Als dieser dann kam, war er recht enttäuscht, dass sein Nachwuchs immer noch seinen Rausch ausschlief. Auch die Schwestern schauten immer wieder nach.

Da meine Brüste mittlerweile heftig schmerzten, versuchte ich, mein Mädchen sanft zu wecken. Dort ein Kitzeln, da ein Streicheln, aus dem Bett nehmen, mit ihr sprechen – alles nur mit mäßigem Erfolg.

Gegen 14 Uhr zeichnete sich ein Ende der Aufwachwartezeit ab, eine halbe Stunde später wollte sie dann tatsächlich das erste Mal etwas trinken.
Riesengroße Erleichterung.
Der Familienanhang meiner Zimmerkollegin hatte sich in der Zwischenzeit wieder vollständig eingefunden. Da ich dafür keinen Nerv hatte und draußen herrlich die Sonne schien, fragten wir, ob wir mit der Kleinen eine Runde in den Park dürften. Durften wir nicht, es wäre zuviel für sie. Kurz darauf ging mein Mann wieder heim und ich wartete alleine.
Auf die Vesper. Auf das Abendessen. Auf die nächste Wachphase des Kindes. Darauf, dass irgendwas passiert.
Aber außer einem Kontrollultraschall, bei dem festgestellt wurde, dass sich die Stauung bereits verkleinert hatte, wurde meine Warterei durch nichts unterbrochen.

Ich las mein Buch zu Ende, spielte mit meinem Handy und wartete, dass ich endlich schlafen gehen konnte.
Kaum lag ich im Bett, war ich auch schon eingeschlafen. Gegen Mitternacht weckte mich mein Kind und hatte Hunger. Und was für welchen. Nach über einer Stunde Dauertrinken und Nuckeln an der Brust, konnte ich nicht mehr, die Schmerzen wurden zu groß. Dem Baby war das egal, es wollte mehr. Mehr trinken. Oder mehr kuscheln. Oder was auch immer. Auf jeden Fall schrie es, was ich bisher gar nicht kannte.
Ich wartete darauf, dass sie sich beruhigt, doch erst gegen 2 Uhr, nachdem ich sie improvisiert gepuckt und eine Stunde durchs Zimmer geschleppt hatte, selber ständig kurz davor, vor Erschöpfung umzufallen, hörte sie auf und schlief einfach ein.
Und schlief, bis wir morgens von den Schwestern geweckt wurden.

Wir sollten an diesem Tag entlassen werden, aber niemand konnte uns sagen, wann das ungefähr sein wird. Ich wartete wieder, diesmal darauf, dass uns irgendjemand informiert. Die Warterei wurde durch einen neuerlichen Ultraschall unterbrochen, bei dem die Ärztin jedoch keine weitere Veränderung feststellen konnte.
Gegen 11 Uhr fragte ich bei den Schwestern, die sich bis dahin außergewöhnlich rar gemacht hatten, nach, ob und wann ich denn nach Hause könne, wurde aber auf die noch ausstehende Visite vertröstet.
Ich weiß nicht, wann genau, aber letztendlich tauchte die Armada der Weißkittelberockten auf und gaben uns grünes Licht für die Entlassung. Ich solle am Montag zum Kinderarzt zur Kontrolle und in 3 Wochen zur Nachsorge in die Klinik. Mach ich alles, nur lasst mich endlich da raus.

Ich rief meinen Mann an, er solle uns abholen. Während ich auf ihn wartete, führte ich mir ein letztes Krankenhausmittagessen zu Gemüte, Geflügelkräuterbällchen mit Kartoffelmus und Wurzelgemüse, das unleckerste der drei Gerichte.

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Mein Mann kam und erlöste uns endlich von dieser unsäglichen Warterei. Das Leben findet wieder in Normalgeschwindigkeit statt, der Horizont erweitert sich. Knapp drei Tage war ich der Welt entrückt, keine Nachrichten, kein Fernsehen, keine Zeitung. Nur Sorge um mein Mädchen und warten.

Äußerlich hat sie den Krankenhausaufenthalt gut überstanden. Seelisch hat sie noch eine Menge zu verarbeiten. Seit gestern schreit sie nach jedem Stillen, lässt sich frühestens nach 10 Minuten Dauerbrüllens beruhigen und kommt nur noch im Tragetuch zur Ruhe. Vom tiefenentspannten, pflegeleichten Kind ist fast nichts mehr übrig. Ich hoffe, dass sich das bald legt und sie ihr sonniges Gemüt wiederfindet.

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Wie aus dem Lehrbuch

Wie angekündigt, sind wir heute morgen in die Uniklinik gegangen, um die Kleine von Experten untersuchen zu lassen.

Nach der Anmeldung durften wir in der Notfallklinik warten, zusammen mit vielen, vielen anderen Kindern. Wir wurden irgendwann (mein Zeitgefühl geht beim Warten regelmäßig flöten) aufgerufen und durften unser Anliegen schildern. Ein sehr netter Arzt mit einer angenehm ruhigen Art hörte sich alles genau an und überwies uns dann in die hauseigene Radiologie.

Dort angemeldet und wieder gewartet. In der Zwischenzeit das Kindlein gestillt, damit es nicht unnötig unruhig bei der anstehenden Untersuchung ist. Bald darauf wurden wir aufgerufen und ein junger Arzt schickte sich an, die Ultraschalluntersuchung zu machen. Er gab sich viel Mühe, hatte extra das Gel vorher angewärmt und einen extra kleinen Schallkopf (der war niedlich) angestöpselt. Beide Nieren wurden geschallt, die Harnleiter, die Stauungen, die Blase. Zur Absicherung holte der Arzt noch seine Chefin, damit sie seine Befunde bestätige.

Sie kam bald darauf, der Arzt erklärte seine Befunde und die Ärztin bestätigte jeden einzelnen. Sie meinte, Doppelniere, Stauung und Ureterozele seinen alle klassisch und sehen typisch für diese Krankheit aus. Mich beruhigte das irgendwie, denn immerhin waren alle Symptome bekannt, also wird es auch erprobte Behandlungsmethoden geben. Die Kleene fand die Untersuchung doof, vor allem, weil ihr immer wieder die Beine festgehalten wurden. Letztendlich war sie aber doch ganz tapfer, hat sich nach einer Weile beruhigt und dann ganz brav mitgemacht.

Danach sind wir wieder zurück in die Notfallklinik, zum Glück sind in der Kinderklinik die Wege relativ kurz, und warteten darauf, dass der Arzt mit uns die weitere Behandlung bespricht. Der Arzt passte uns auf dem Gang ab, nahm sogleich den Bericht an sich und fünf Minuten später schickte er uns in die Urologie, wir wären schon angemeldet und dort würde das Kind nochmal, diesmal von den richtigen Spezialisten, untersucht.

Wir zogen also erneut um und wurden von einer Schwester in Empfang genommen. Sie bat uns zu warten, weil der Arzt gerade bei einem anderen Patienten sei, aber er wolle sich die Kleene unbedingt noch anschauen. Selbige verschlief die Wartezeit zum größten Teil, jedoch wurde ihr Schlummer immer wieder von den sehr lauten automatischen Türen gestört.

Gegen 12 Uhr durften wir dann zum Arzt, welcher sich unser Mädchen und den Befund sehr intensiv anschaute und uns dann genau erklärte, was bei den Untersuchungen herausgekommen ist. Die Doppelniere rechts ist ja bekannt und der obere und untere Teil haben jeweils separate Harnleiter in die Blase. Einer der Harnleiter mündet direkt in die Blase, der andere jedoch in eine sogenannte Ureterozele (Wikipedia). Das ist eine kleine Blase oder ein Sack innerhalb der Harnblase, welcher keinen oder nur einen sehr kleinen Abfluss in die eigentliche Blase hat und dadurch die Stauung in der Niere verursacht. Die Ureterozele kann mittels einer minimalinvasiven Operation perforiert werden, was die Ärzte gerne auch demnächst machen möchten, bevor sich irgendwelche schweren Infekte bilden.

Der Arzt müsse noch einen Termin finden und sich deswegen mit einem Kollegen absprechen und sobald sie ein geeignetes Datum hätten, würden sie uns anrufen und informieren. Da dies recht kurzfristig geschehen kann, sollten wir doch bitte die Stadt nicht verlassen wurden wir gefragt, ob wir in der nächsten Zeit verfügbar wären, was wir bejahten.

Dann durften wir endlich wieder nach Hause. Die Untersuchungen waren nicht schlimm, aber zusammen mit der Warterei waren wir ordentlich geschlaucht. Daheim haben wir ausgiebig gebruncht und dann noch ausgiebiger Mittagsschlaf gehalten.

Geweckt wurde ich durch einen Anruf der Klinik, sie hätten sich auf einen Termin einigen können und ob es denn möglich wäre, wenn ich morgen Vormittag in die Klinik komme, um dort zusammen mit dem Kind stationär aufgenommen zu werden. Die OP ist für Donnerstag geplant und wenn alles gut ginge, könnten wir Freitag wieder nach Hause.

Ich hab das alles bejaht und noch Fragen gestellt, wo wir uns melden sollten und was wir mitbringen müssten, aber das lief alles automatisch ab. Ich war total überrumpelt, dass es so schnell ging, dass es eine richtige Operation ist, dass wir stationär aufgenommen würden. Ich ging in meinem jugendlichen Leichtsinn davon aus, dass der Eingriff ambulant, quasi auf dem Gang, gemacht werden kann. Erst jetzt im Nachhinein wird mir klar, dass so ein kleines, strampelndes Bündel eher ungeeignet dafür ist und dass vorher und nachher schon nach etwaigen Infektionen geschaut werden sollte.

Also bin ich dann die nächsten Tage mal weg und hoffe, dass der Eingriff komplikationslos über die Bühne geht.