Panik

Das Beste zuerst: ich hatte ein fantastisches Wochenende. Eines, dass einem selbst Tage später noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Immer wieder!

Selbst der Zwischenstopp bei meinen Eltern kann den Gesamteindruck nicht gänzlich trüben, obwohl da schon ein paar Wölkchen dabei sind.

Was mich aber richtig aus den Latschen kippt, ist der morgige Tag. Ich schiebe hier die völlige Panik. Das volle Programm. Herzrasen. Weinkrämpfe. Durchfall. Alles, was man eben so braucht, um am nächsten Morgen fit auf der Matte zu stehen.

Ich habe Panik, ins Bett zu gehen, weil ich dann irgendwann aufstehen muss. Den neuen Tag meistern muss. Und alleine die Vorstellung daran macht mich alle. Raubt mir sämtliche Energie.

Mein alter Chef, C1, meint, ich solle durchhalten, um eben keine neue Munition für die Fehltageproblematik zu liefern. Aber ich sehe den Sinn darin nicht. Erstens bin ich in der Tat völlig alle, körperlich, nervlich. Und zweitens gehe ich einfach nicht mehr davon aus, dass ich entfristet werde, dass mein Arbeitsvertrag über den 30.09. hinaus läuft. Warum also sollte ich mir jetzt noch den Arsch aufreißen?

Sollen sie halt ihren Vertreter finden und einarbeiten. Keinen Job zu haben, womöglich sogar im Hartz IV zu landen, alles ist wirklich besser als das, was ich jetzt durchmache.

Das nur als kurzen Zwischenstand von der Front (ja, das ist ein beschissenes Kriegsgebiet hier), wo sich der letzte Rest Kampfgeist in einem trotzigen Ausbruch manifestiert.

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Panic Monday

Nach drei Wochen sehr hartnäckiger Krankheit machte ich mich nun heute morgen einigermassen vollständig genesen auf den Weg zur Arbeit. Direkt nach Verlassen des Hofes waren wir schon mitten drin im Verkehrschaos, irgendwo war entweder eine Baustelle oder ein Unfall, und jetzt waren sämtliche Straßen im näheren Umfeld verstopft. Unter Missachtung einiger Verkehrsregeln gelang es mir trotzdem, das Kind pünktlich an der Schule abzuliefern. Danach reihte ich mich brav in die Autoschlange ein und wartete, bis ich aus der Chaoszone heraus war.

Auf Arbeit angekommen, checkte ich als erstes meine Emails. Knappe 200 Stück in einer Woche geht ja noch. Ich hatte bei meinem Intermezzo letzte Woche bereits ein wenig aufgeräumt, so dass ich heute nicht völlig in einer Mailflut unterging.

Eine der ersten Mails war jedoch eine Einladung von meinem Chef zu einem Personalgespräch. Sofort ratterten sämtliche Horrorszenarien durch meinen Kopf. Denn eigentlich, bis auf die dreiwöchige Krankheit, gibt es keinen Grund für ein solches Gespräch. Ich bin erst seit November offiziell, real erst seit Dezember meinem neuen Chef unterstellt, danach war Weihnachten und Winterferien. Für ein jährliches Gespräch oder eine echte Mitarbeitereinschätzung halte ich den Zeitpunkt für zu früh.

Für die diversen Themen mit Brisanz, auf die ich meinen Chef mehrmals per Mail hingewiesen habe, würde kein Personalgespräch, sondern ein themenbezogenes Meeting einberaumt werden. Ich habe mich auch seitdem nicht mehr mit Kollegen gefetzt oder habe Projekte blockiert oder sonstigen Unfrieden verbreitet.*

Bleibt also nur noch das Worst Case Scenario: Kündigung oder Abmahnung oder Nichtverlängerung oder Kopfwaschen wegen zu hoher Ausfallrate.
Entsprechend entspannt  und vorfreudig bin ich gerade auf diesen Termin, der für 14 Uhr angesetzt ist.

Das einzig tröstliche: ich habe wieder genug Zeiten gesammelt, um für 12 Monate ALG I zu bekommen. Und in einem Jahr wird sich bestimmt was finden, die eine oder andere Anfrage von anderen Firmen gab es bereits.

 

* Ja, sowas kann ich, habe ich aber seit Jahren nicht mehr gemacht. Ich habe jetzt andere Mittel 😉

Etwas ist faul im Staate Dänemark!

Immer wieder gibt es Phasen in meinem Leben, da könnte ich die Wände hochgehen. Da laufe ich wie eine Raubkatze in einem viel zu kleinen Käfig ständig auf und ab, ohne Ziel, ohne Ende. Dann kann ich mich auf nichts mehr konzentrieren, mich nicht ablenken, innerlich wie gelähmt.

Mich machen diese Phasen völlig verrückt, denn jede einzelne Aufgabe ist dann eine extra Anstrengung. Mal eben kurz den Geschirrspüler einräumen dauert eine halbe Stunde, und das auch nur, wenn ich mich mindestens 3 Stunden lang immer wieder selbst ermahnt habe, endlich diesen doofen Geschirrspüler einzuräumen.

Ein innerer Drang, irgendetwas tun zu müssen, lässt mich hunderte Dinge anfangen, aber bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeben. So liegen derzeit um die 5 Blogartikel als Entwürfe rum und wohl alle werden sich in die 30 Entwurfsartikel aus früheren Phasen einreihen. Ich überlege, ein neues Buch anzufangen oder angefangene Bücher weiter zu lesen. Oder ein neues Stück zu häkeln. Oder etwas zu malen. Oder ein neues Spiel zu spielen. Ganz egal was, Hauptsache etwas.

Aber allein darüber nachzudenken, welches Buch es denn letztendlich sein soll oder was man im Sommer schon häkeln sollte oder welches der 15 Spiele auf Halde ich starte, überfordert und erschöpft mich. Jeden Tag aufs Neue. Dann also nur ein stupides Metzelspiel, bei dem ich nicht nachdenken muss. Sollten doch mal die grauen Zellen erforderlich sein, schalte ich das Spiel aus, um es 5 Minuten später erneut zu starten, einen anderen Char wähle, um weiter ohne zu denken spielen zu können.

Dies geht bereits einige Tage so. Immer beginnt es schleichend, so dass es anfangs gar nicht auffällt. Erst, wenn es richtig schlimm wird, werde ich stutzig und überlege, was denn nun schon wieder los ist. Was mein Kopf versucht zu verdrängen, weil die Realität einfach zu doof ist.

Die Finanzsorgen vielleicht? Möglich, aber es gibt noch ein paar Kniffe, um den Bankrott abzuwenden und alle Ausgaben unter einen Hut zu bringen. Die Urlaubsplanung? Jein. Ich bin zwar komplett urlaubsreif, aber überhaupt noch nicht in Urlaubsstimmung. Da fällt es mir schwer, Ausflüge zu planen, mögliche Ziele zu ermitteln oder Reiseführer zu durchforsten. Der Schwiegervater? Wohl kaum. Er ist letzten Freitag gestorben, ist wohl immer wieder mal nur kurz aus dem Koma aufgewacht, bevor ihn ein Nierenversagen endgültig dahingerafft hat. Anna übernimmt die Planung der Beerdigung und will da auch keine Hilfe. Soll sie haben. Das ISO-Projekt auf Arbeit? Das wird einfach nur immer lächerlicher. Mittlerweile wurde es offiziell gestartet, der Vorstand steht voll hinter dem Projekt, das bis Ende Dezember abgeschlossen sein soll. Geschätzter Aufwand sind 100-150 Personentage für ein 3-Personen-Kernteam – eine der Personen bin ich -, bei dem alle Mitglieder natürlich noch ihre Hauptjobs haben und nicht für das Projekt abgestellt sind. Angeblich gibt es ein Projektbudget, um für die Zertifizierung notwendige Ausgaben finanzieren zu können, aber weder der Projektleiter noch mein Chef haben je etwas davon gehört. Wir hätten da auch ganz dringend Bedarf an einer neuen Software, die den zentralen Bestandteil der Zertifizierung abdecken würde, aber wir wissen weder, wen wir dafür anbetteln müssen, noch ob das Geld dafür reicht. Und so rennen wir lachend in die Kreissäge. Da das aber wirklich nur Arbeit ist, ist es mir tatsächlich egal. Meinem Chef irgendwie auch, der ist mit zwei anderen superwichtigen Projekten und dem Tagesgeschäft mehr als ausgelastet. Meine neuerliche Asthmakrankheit? Kommt zwar ungünstig, ist aber behandelbar. Das warme, feuchte Wetter hat das allergische Asthma wieder aufblühen lassen, doch bin ich diesmal sofort zum Arzt, bevor sich das wieder zu einer Lungenentzündung auswächst, so wie letzten August. Die Ärztin hat mir ein Spray verschrieben und mich für 3 Tage krank geschrieben, bis die akute Entzündung abgeklungen ist. Heute merkte ich noch nicht allzu viel davon, beim Kind vom Hort abholen und kurz fürs Abendbrot einkaufen gehen, dachte ich, ich wäre eine Marathon gelaufen. Null Luft und nach der halben Stunde war ich todmüde.

Das ist zwar alles nicht schön, aber erklärt die Unruhe nicht. Bis mein Blick auf den Kalender fiel, auf dem stand: 19.- 22. Süße Krankenhaus.

Diese blöde OP. Ich weiß, es ist nur ein kleiner Eingriff und wenn alles gut geht, können wir danach das Antibiotikum absetzen. Aber trotzdem findet der Eingriff unter Vollnarkose statt und gerade in letzter Zeit habe ich von verschiedensten Fällen gehört, wo Patienten nicht mehr aufgewacht sein. Es stellte sich zwar hinterher heraus, dass alle medizinisch vorbelastet waren, aber was nützt mir das, wenn sich das hinterher auch bei meiner Süßen herausstellt?

Ich habe richtig Schiss vor dem Eingriff. Der dritte. Aller guten Dinge sind drei? Three’s the charm? Wenn ich mir sage, dass die Ärzte eine Narkose heutzutage punktgenau dosieren können und sie ja bei dem Eingriff auch so keine Schmerzen hat, sondern nur ruhig daliegen muss, die Narkose also eh leichter als üblich sein kann, dann beruhigt mich das nicht. Es ist und bleibt eine verdammte Vollnarkose.

Unklar ist auch noch, was ich mit der Voruntersuchung mache. Bei einer ersten Besprechung hieß es, alle notwendigen Untersuchungen und Aufklärungsgespräche würden am Sonntag vor der OP stattfinden, es könnte nur sein, dass ich ein wenig länger warten müsste. Da wir eh im Krankenhaus wären, war mir das egal. Kurz darauf hieß es, dass der Chefarzt persönlich gerne die Aufklärung und Untersuchung übernehmen möchte, und wir am Donnerstag oder Freitag davor ins Krankenhaus kommen sollten. Natürlich ohne stationäre Aufnahme und das KH stellt auch keine Bescheinigung für Kind krank oder ähnliches aus. Hieße für mich, ich müsste wieder einen Urlaubstag nehmen. Da ich aber dieses Jahr bereits 3 Tage für diese Untersuchungen, die alles andere als Urlaub sind, nehmen musste, hab ich dafür schlicht keine mehr übrig. Ein Anruf bei der Krankenkasse über meine Möglichkeiten ergab, dass ich mich vom Hausarzt oder das Kind vom Kinderarzt krankschreiben lassen sollte für diesen Tag. Das Kind hat bereits 6 Tage vom Konto verbraucht und es sind noch über 6 Monate vom Jahr übrig. Bleibt also nur der Hausarzt, aber mit widerstrebt es, mich nichtkrank krankschreiben zu lassen. Ich werde morgen aber trotzdem mal fragen.

Jetzt weiß ich zwar, was mich die Wände hochtreibt, aber immer noch nicht, was ich dagegen unternehmen kann. Vermutlich einfach weiter stupide Monster metzeln, Hauptsache, die Zeit geht irgendwie rum :/

© Foto von Flickr/Stig Nygaard „Whhhhhiiiiiieeeeeeehhh…“CC BY 2.0

Uns gibt’s noch

Wir sind nur schwer beschäftigt mit den letzten Urlaubsvorbereitungen. In gut einer Woche geht es los und ich versuche einfach, alle noch zu erledigenden Aufgaben im Blick zu behalten. Ich schreibe Listen, was wir alles einpacken müssen und was geklärt werden muss und ganz plötzlich finde ich die Zeit ziemlich knapp.

Meine Süße mit ihrer fordernden Art ist nicht sonderlich hilfreich. Ich habe gestern über eine Stunde gebraucht, um Wäsche von Trockner abzunehmen und neue aufzuhängen. Ich muss die nächsten Tage unser geordnetes Chaos beseitigen, da wir zwei verschiedene Katzensitter während unserer Abwesenheit in unserer Wohnung haben werden und da sollte es wenigstens ein bisschen ordentlich aussehen. Dass schon eine Menge Urlaubssachen rumliegen, erleichtert die Aufgabe auch nicht.

Und an was wir alles denken müssen. Eine möglichst kleine Kühltasche samt Kühlakku für das Antibiotikum der Kleenen. In den Pensionen und Hotels gibt es zwar Kühlschränke (hoffentlich), aber auf den Wegen dahin brauchen wir externe Kühlung. Das Reisebett dürfen wir nicht vergessen. Wir haben überall 4-Bett-Zimmer gebucht, aber so ein Bett mit hohem Rand ist schon besser. Handtücher und Bettwäsche, da wir das sonst für viel Geld mieten müssen in einigen Unterkünften.

Ein paar Termine für nach dem Urlaub müssen vereinbart werden, das Leben geht hinterher weiter, aber mir ist derzeit gar nicht nach telefonieren. Die große Katze muss vorm Urlaub noch zum Tierarzt, ihre jährliche Impfung abholen. Seit gestern ist unser Navigationsgerät auf dem neuesten Stand, was mich weitere 4 Stunden gekostet hat. Zwei Stunden habe ich gebraucht, damit der TomTom-Server das Gerät erkennt und mitbekommt, dass es dazu den kostenlosen Kartenaktualisierungsservice gibt. Das Update selbst lief dann problemlos und nebenbei, aber die Nerven, die es mich bis dahin gekostet hat.

Die sind eh grad nicht sonderlich dick. Ich bin permanent leicht panisch, ob unsere Planungen hinhauen, ob alles gut geht, ob wir an alles gedacht haben. Klamotten für 3 Wochen ohne Waschmaschine müssen pünktlich sauber sein. Dazu habe ich die Klamottenkartons der Größe 74/80 geplündert. Die Süße ist zwar erst auf dem Weg zur 68, aber nur mit Hilfe der größeren Sachen bekommen wir die 3 Wochen überbrückt. Jetzt liegt ein Großteil davon ein wenig unordentlich im Schlafzimmer rum, da das Klamottenregal für diese Menge schlicht zu klein ist.

Die Tage direkt vorm Urlaub werden am heftigsten. Sämtliche Sachen müssen am Donnerstag, allerspätestens Freitag gepackt sein. Am Sonnabend haben wir keine Zeit. Da ist erst Fußball, von dort fahren wir direkt zu meinen Eltern, meine Tante, Cousine und deren Sohn feiern gemeinsam runde Geburtstage und es kommt mal wieder die gesamte Familie zusammen, was ich auf keinen Fall verpassen möchte. Abends geht es wieder nach Hause, dann packen wir alle Sachen ins Auto, ich versuche, mindestens 5 Stunden zu schlafen. Mitten in der Nacht, derzeitiger Planungsstand zwischen 3 und 4 Uhr, werden Kinder und Mann ins Auto gepackt und es geht auf gen Süden mit dem Ziel, dass der Nachwuchs so viel Autobahnzeit wie möglich einfach verschläft. Ich hoffe, wir sind gegen 9 Uhr, spätestens 10 Uhr in München, denn dann hat der Kleene wenigstens was zu Angucken, wenn er aus dem Fenster schaut. Die Autobahn ist bis dorthin einfach nur pottelangweilig. Später treffen wir uns in Österreich kurz mit meinen Eltern, die dann auch gerade auf dem Weg in den Urlaub sind. Geplant ist, dass wir für ein paar Stunden etwas zusammen unternehmen, bevor sie ins Zillertal und wir zum Gardasee weiterfahren.

Während dieser ganzen Planungszeit werd ich das Gefühl nicht los, dass ich etwas Wichtiges übersehen habe. Aber das ist wohl ganz normal …

Nachtrag: der doofe Badspiegelschrank hängt leider immer noch nicht wieder. Beim ersten Versuch ist mir der Dübel samt Turbokit und diversen Steinchen und Putzteilen entgegengekommen. Ich werde nicht drumrum kommen, neue Löcher zu bohren.

Na dann, frohe Weihnachten

Für uns hat Weihnachten noch gar nicht richtig angefangen, da hab ich schon keinen Bock mehr drauf 😦

Traditionell feiern wir das Fest bei meinen Eltern, aus diesen und jenen Gründen, und dieses Jahr kann das Feiern aus organisatorischen Gründen erst am 25. stattfinden. Doch begab es sich zu der Zeit, dass wir gestern beim Baden des Kleenen feststellen mussten, dass dieser aus dem Kindergarten ein extra Geschenk in Form von Läusen mitgebracht hatte.

Wir beschlossen also, heute auf dem Weg zu den Großeltern bei einer Apotheke vorbei zu fahren, dort ein Mittelchen dagegen zu holen und dieses dann im großelterlichen Badezimmer auf dem Kinderkopf anzuwenden. Dooferweise begab es sich zur selben Zeit, dass unser Internetanschluß die Zusammenarbeit verweigerte.

Wir teilten beides den Großeltern mit, womit das Unglück seinen Lauf nahm. In der Annahme, dass wir nun gänzlich von der digitalen Welt abgeschottet sind, fühlten sie sich berufen, selber nach einer Lösung der Lausproblematik zu suchen. Und wenn meine Eltern etwas suchen, dann landen sie mit traumwandlerischer Sicherheit auf den eher dubiosen Seiten.

Also bekamen wir heute morgen einen Anruf, dass wir unseren ursprünglichen Plan vergessen, sofort in die Apotheke fahren und dort die Medizin holen und uns allen den Kopf waschen sollten, bevor wir auch nur überhaupt daran dächten, bei ihnen aufzuschlagen, denn meine Ma hatte keine Lust, sämtliche Klamotten, Kissen, Möbel etc. zu desinfizieren.
Also Panik bis zum Abwinken.

Ich war natürlich wenig begeistert, weniger von dem Vorschlag selbst, als mehr von der Art, wie er rüber gebracht wurde. Ich ahne jetzt, dass die sich die ganze Nacht nen Kopp drum gemacht haben und dass meine Ma sich schon sieht, wie sie zusätzlich zu dem schon vorhandenen Stress noch die ganze Wohnung keimfrei kriegt. Da lauert doch schon der Nervenzusammenbruch am Horizont. Und meine zugegeben grummelige Reaktion am Telefon wird ihr übriges dazu beigetragen haben.

Der Rahmen für gemütliche Feiertage ist also gesetzt, jetzt muss ich nur noch abwarten, ob es wieder zu einem Eklat wie letztes Jahr kommt oder ob es beim allgemeinen Zähne knirschen bleibt.

Eine entspannte Suche bei Wikipedia hätte uns da einiges an Ärger erspart.

Die größten Ängste und Sorgen

Als wir am Montag die Feindiagnostikuntersuchung hatten, klärte uns der Professor auch über die Risiken und Wahrscheinlichkeiten von Chromosenfehlern auf. Da der häufigste Fehler bei Menschen nun mal Trisomie 21 ist, drehte sich das Gespräch hauptsächlich darum. Da der Professor bei dieser Aufklärung nicht sonderlich sensibel vorgegangen ist, bin ich seit Montag in Panik, dass unser Kind evtl. diese Chromosomenstörung hat. Mein Mann sieht das Ganze eher pragmatisch, ihm reicht die Wahrscheinlichkeit von 1:270 aus, um es als unwahrscheinlich bzw. nicht relevant abzuhaken. Mir gelingt das leider nicht so gut.

Seit Montag belese ich mich über T21, stöbere in Foren, scanne den Untersuchungsbericht akribisch nach Abweichungen bei den Messwerten, die auf die Krankheit hindeuten können. Und auch, wenn ich nicht wirklich etwas finde, wird meine Angst immer größer. Bei meiner Suche stieß ich in einem Forum auf einen Beitrag, der ein wenig provozierend fragte: „Panik wegen Trisomie 21 – Was sind eigentlich die größten Ängste und Sorgen in Bezug auf das Leben mit einem Menschen, der diese Behinderung hat?

Die meisten antworteten darauf, dass sie Angst vor Ausgrenzung durch die Gesellschaft und die Familie haben. Sie fürchten sich vor Fragen, warum sie denn keine Untersuchungen machen bzw. nicht abtreiben lassen haben. Betroffene berichteten von den Kämpfen mit Behörden und Krankenkassen, die sie so nicht erwartet haben.

Mich lässt diese Frage seitdem nicht mehr los. Auch ich stellte mir diese Frage und suchte nach Antworten. Was sind meine Ängste?

Meine Angst ist, dass ich das Kind nicht werde so lieben und annehmen können, wie es ist. Ich habe Panik davor, dass mir nach der Geburt dieses glitschige Bündel auf den Bauch gelegt wird und ich nur denken kann: nehmt es wieder weg, ich will es nicht haben. Ich fürchte mich davor, dass mich die gesamte Situation überfordert, dass ich das Kind vernachlässige und keine emotionale Bindung zu ihm aufbaue. Ich habe eh schon eine tief verwurzelte körperliche Abneigung gegen bestimmte äußerliche Merkmale, unter anderem Glubschaugen, Augenweitstand oder Hautknubbel. Ich weiß nicht, woher diese Abneigung kommt und warum es ausgerechnet diese Merkmale sind, während mir andere wie Feuermale oder amputierte Gliedmaßen egal sind. Auch kann ich mir 100 mal einreden, dass eine solche Abneigung totaler Blödsinn ist, die körperliche Reaktion des Ekels kann ich dennoch nicht unterdrücken. Und unglücklicherweise haben Kinder mit T21 sehr oft Glubschaugen und Augenweitstand. Werde ich mich also vor meinem eigenen Kind ekeln?

Meine Mutter wird sich weigern, dieses Kind so wie ihren ersten Enkel zu behandeln, ihn immer wieder mal für ein paar Tage zu sich zu nehmen oder auch mal mit ihm in den Urlaub zu fahren. Für mich bedeutet das, dass wir nie mehr kinderfrei, niemals auch nur ein kleines bisschen Entlastung und Erholung vom Alltag haben werden. Ich habe Angst davor, was dies mit meiner Psyche machen wird, immerhin habe ich eine entsprechende Vorgeschichte, die ich derzeit zwar gut im Griff habe, mit der ich mir solch außergewöhnliche Belastungen nicht zutraue.

Ich habe Angst vor all den Komplikationen, die sich daraus ergeben. Dass dieses Kind mehr Förderung braucht, und ich deswegen nicht wie gewünscht arbeiten gehen kann, was wiederum nicht unerhebliche finanzielle Einschränkungen nach sich zieht, da ich nunmal der Hauptverdiener in unserer Familie bin. Dass ich diesem zusätzlichen Druck nicht gewachsen sein werde.

Was mir hingegen weniger Angst macht, sind die Reaktionen der Gesellschaft. Ich wurde als „normaler“ Mensch schon oft genug angefeindet und beleidigt, nur weil jemandem meine Kopfbedeckung oder mein Gesicht nicht gefiel. Gegen solche Angriffe kann ich mich wehren. Genauso gegen Behördenwillkür oder Falschinformationen. In der heutigen vernetzten Zeit ist der Austausch mit anderen Betroffenen kein Problem mehr und gerade die T21er sollen sich gut organisiert haben.

So liege ich also im Bett, grübele über meine Ängst und über unsere Zukunft, weine immer wieder verzweifelt in mein Kissen, darauf bedacht, den friedlich neben mir schlafenden Mann nicht zu wecken. Dabei schleicht sich ein Gedanke, ein Gefühl ein, dass ich mein Kind schon länger nicht mehr im Bauch gespürt habe. Auch beim Ultraschall war es schon so ruhig gewesen. Was, wenn das Kind in meinem Bauch schon gar nicht mehr lebt? Fühlt sich der Bauch nicht gerade auch etwas schlaff an?
JETZT macht sich wirkliche Panik breit. Ich klopfe und wackel an meinem Bauch und bete immer wieder dieses Mantra: Bitte verlass mich nicht, bleib bei mir, bitte verlass mich nicht, bleib bei mir! Ich presse beide Hände mit aller Kraft gegen meinen Bauch und warte atemlos, ob sich vielleicht nicht doch etwas tut, ob ich eine kleine winzige Bewegung erahnen kann. Bitte verlass mich nicht, bleib bei mir! War da nicht etwas, hat es mich dort gerade gestupst? Vermutlich war es nur Einbildung. Ich presse meine Hände weiter auf meinen Bauch und die Verzweiflung wächst.

Da, das war jetzt aber eindeutig ein Tritt. Und noch einer. Und noch einer. Ich weine immer noch, aber diesmal vor Erleichterung. Glaube ich jetzt tatsächlich immer noch, dass ich dieses Kind nicht lieben und nicht mit all meiner Kraft für es kämpfen werde, wenn es nicht der Norm entsprechend auf die Welt kommt? Habe ich jemals wirklich sowas geglaubt? Ich lächle noch ein wenig unsicher, noch sind nicht alle Zweifel verflogen, werden es wohl auch nie sein. Aber die Panik hat sich gelegt und hat wieder der Zuversicht Platz gemacht.

Egal, was kommt, wir werden das schon hinkriegen!