Personalgespräch – schon wieder

Ich hatte heute ein Personalgespräch – schon wieder. Diesmal mit C3, weil er den Verlauf unseres letzten Gesprächs nicht sonderlich konstruktiv fand.
Ach, echt?

Am Ende des heutigen Gesprächs fragte er mich, ob ich denn jetzt ein besseres Gefühl als nach dem letzten Gespräch hatte, aber statt ihm meine ehrliche Meinung zu sagen, meinte ich, dass ich neutral in dieses Gespräch gegangen bin und keine Erwartungen hatte, die enttäuscht werden konnten.
Denn innerlich brodelte es schon wieder in mir, ohne jetzt konkret sagen zu können, was mir so gegen den Strich lief. Das wurde mir erst auf dem Heimweg klar, als ich das Gespräch nochmals im Kopf durchging.

C3 ist, obwohl er das Gegenteil behauptet, unglaublich eitel. Kritik an ihm oder seiner Arbeit nimmt er grundsätzlich persönlich. Ich konnte das an seiner Körpersprache ablesen, als er das Protokoll unseres letzten Gesprächs durchging.
Selbiges hatte ich aus dem Gedächtnis im Nachgang erstellt und so neutral wie möglich gehalten. Ich habe sogar einen Kollegen drüber lesen lassen, ob die Formulierungen wirklich sachlich sind, was er bestätigte. Trotzdem reagierte C3 wie ein trotziges Kind. Das Protokoll wäre verzerrend, würde Tatsachen weglassen oder falsch darstellen. Er distanziere sich davon und habe das Protokoll mit eben jenem Distanzierungsvermerk an die Personalabteilung geschickt, damit es in meiner Personalakte landet.

Statt mit mir darüber zu reden, über ein internes Protokoll, das nirgendwo öffentlich abgelegt ist, sucht er die Eskalation. Wie im Kindergarten. Soll er machen, ich poliere im Gegenzug meinen Lebenslauf auf und schreibe Personalvermittler an.

Ganz generell zog er das Gespräch immer wieder auf die emotionale Ebene. Er sprach einen Punkt an, ich schilderte meine Sicht der Dinge, er wurde aufbrausend. Ich atmete tief durch und versuchte nochmals, sachlich meinen Standpunkt zu erläutern. Wumm, wieder eine Explosion. Das war unglaublich anstrengend und ist einer der Hauptpunkte, der mir richtig sauer aufstößt. Denn die Anlässe für die Kawumms waren immer die selben.

Nämlich dann, wenn ich einen anderen Standpunkt als er vertrat, wenn er mit meinen Erklärungen nicht einverstanden war. Wie soll ich mich aber erklären, wenn nicht-konforme Meinungen sofort weggebügelt oder niedergebrüllt werden. Diesmal war es zumindest kein Brüllen, aber schon ein beängstigendes Aufbrausen. Ich hatte nicht das Gefühl, wirklich neutral angehört zu werden.
Nur dann, wenn ich aufzeigte, dass wir bei bestimmten Themen die gleiche Sicht der Dinge haben, gab es eine normale Reaktion. Wie ich damit in Zukunft umgehen soll, weiß ich nicht.

Er hat kaum Verständnis für meine Situation bzw. die Einschränkungen, mit denen ich konfrontiert werde, gezeigt. Stattdessen wird mir mangelnde Ergebnisqualität vorgeworfen. Das kam schon ein wenig überraschend, da sowohl C1 als auch C2 – ungeachtet der Fehltageproblematik – mit meiner Arbeit zufrieden waren. Zur Veranschaulichung zog er ein Gesprächsprotokoll von C2 und mir vom November hervor, in dem meine zukünftigen Aufgaben beschrieben sind. Ich hätte schwören können, dass ich dieses Dokument heute zum ersten Mal gesehen habe, aber C3 meinte, da wäre meine Unterschrift drauf. Als ein Punkte stand dort: „Etablierung und Optimierung eines vollumfänglichen Lizenzmanagement bis Ende Q1 2017“.

Als ich das Ding damals unterschrieben habe, hatte ich nicht mal ansatzweise eine Ahnung, was sich hinter diesem Satz verbirgt. Würde ich diese Vorgabe mit meinem jetzigen Wissensstand lesen, würde ich mich lieber lachend in die Kreissäge stürzen. Jeder mit halbwegs Ahnung und klarem Verstand hätte erkennen müssen, wie aussichtslos eine solche Vorgabe ist. Selbst wenn wir ein einsatzfähiges Programm zur Erfassung und Unterstützung einer solchen Aufgabe hätten, ich das Thema in Vollzeit angehen könnte und mir nicht alle notwendigen Informationen von x Stellen mühsam zusammen suchen müsste, würde ich allerfrühestens Ende diesen Jahres eventuell ansatzweise in die Nähe der Vorgabe kommen.
Mich jetzt immer noch darauf festzunageln, empfinde ich als frech und anmassend.

Womit er Recht hatte ist sein Hinweis, dass ich beim Erkennen der Aussichtslosigkeit des Unterfangens das Thema entsprechend hätte eskalieren müssen. Überhaupt mag er gerne Eskalationen. Bei einem anderen Thema, wo ich wiederholt bei den Kollegen nach Unterstützung anfragte, hätte das passieren müssen. Es C2 zu signalisieren, der damals zuständig war, reichte vermutlich nicht als Eskalation aus und weil ich es nicht schriftlich habe, kann ich dies nicht nachweisen.

Überhaupt: ich muss zukünftig alles schriftlich festhalten. Aussagen meinerseits über mündliche Aussagen und Absprachen mit C1, C2 oder der Personalabteilung können jetzt nicht mehr nachvollzogen werden und lassen mich gegenüber C3 als unglaubwürdig dastehen.
Tolle Wurst!
Steh ich also als Lügner da.

Ganz großes Kino war übrigens auch der „ich stelle immer nur Forderungen“ Vorwurf, konkret, dass ich zwei Schulungen angefragt habe. Ernsthaft, ich zweifel ein wenig an der Zurechnungsfähigkeit C3s.
Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen: Bei dem Meeting mit dem ISO-Chef vorletzte Woche meinte C3, er müsse sich schützend vor seine Mitarbeiter stellen, weswegen er dann ja so ausrastete. Als ich heute meinte, dass ich das eher unschön fand, weil mein Kollege und ich ebenso seine Mitarbeiter sind, wir aber die volle Breitseite abbekommen haben, meinte er, in jenem Moment hatten wir beide den ISO-Hut auf und zählten nicht mehr zu seinem Team.
Dann kam der Vorwurf wegen der Schulungen, woraufhin ich meinte, die eine Schulung hätte ich dann, um in seinem Bild zu bleiben, mit dem ISO-Hut auf beantragt. Ja, das wäre aber was ganz anderes, sagte C3.
Ja ne, is klar.

In diesem Zusammenhang meinte er, er könne gar nicht verstehen, warum jene Besprechung so eskaliert sei, denn er würde ja in seinen Augen immer ganz klare Ansagen machen. Gab aber direkt zu, immer wieder und sehr häufig missverstanden zu werden, so dass es wohl doch an ihm liegen würde.

Erkenntnis -> Einsicht -> Besserung? Ich fürchte, wohl eher nicht.

Irgendwann während des heutigen Gesprächs war wieder so eine Situation, wo er aufbrauste und laut loslachte, nur eben völlig humorlos. Ich wies ihn darauf hin, dass ich eine solche Reaktion als respektlos empfinde, worauf er antworte, eine andere Reaktion verdiene meine Aussage nicht.

Ohne mich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber soziale Kompetenz sieht für mich anders aus.

Gegen Ende fragte ich nach, was denn eigentlich das Ziel der Fehltagsgespräche sei. Er konnte hierzu keine anderen Angaben machen, als isso oder kommt eventuell von ganz oben. Bin also auch hier so schlau als wie zuvor.

In all diesem Chaos gab es sogar noch ein paar handfeste Ergebnisse:

  • Es wird ein 8-Augen-Gespräch mit C1, C2, C3 und mir geben, um dieses Wirrwarr aus den mündlichen Aussagen zu entwirren. Mit viel Glück kann ich meine Glaubwürdigkeit so ein wenig wieder herstellen.
  • In zwei Wochen wird es einen Termin mit C3 geben, wo er sich meine bisherige Arbeit zum Thema Lizenzen zeigen lassen wird und wir gemeinsam eine Strategie für die zukünftigen Aufgaben und Ziele erstellen werden.
  • Das Protokoll des heutigen Gesprächs wird C3 erstellen, mir zur Ansicht und Korrektur geben und danach in die Personalabteilung geben.

Was ich mir tatsächlich wünsche, wäre mal ein Gespräch, wo es um meine berufliche Entwicklung, um Gehalt oder ähnliche Dinge geht, nicht immer solcher Mist!

Notbremse

Schrieb ich gestern noch, dass ich immerhin nicht heulend im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitze, hat sich das heute bereits überholt.

Mir geht es richtig schlecht. Obwohl alle gestern total nett waren und selbst das Personalgespräch sehr angenehm verlief, gab es zwischen den Zeilen Aussagen, die mich sehr daran zweifeln lassen, dass meine Arbeitskraft überhaupt noch geschätzt wird.

Mitten in der Nacht, ich glaube, es war halb 5, bin ich heute aufgewacht und sofort stürmten die Gedanken über die Arbeit auf mich herein. Ich ging all die Gespräche der letzten Wochen und Monate in meinem Kopf durch, überlegte, was mich störte, wo die bisher übersehenen Haken lauerten. Das da Haken lauerten merkte ich daran, wie sehr mich das alles beschäftigt und an den höllischen Schmerzen in meiner rechten Schulter. Ein todsicherer Indikator, dass Dinge massiv im Argen liegen.

Am Ende kam eine Liste von Ereignissen heraus, die mich verstörte und von Weinkrämpfen geschüttelt im Bett zurück ließ. Mal schauen, ob ich das noch zusammen bekomme.

  1. Die Beschwerde über BK, besagte Kollegin, die mir wiederholt so massiv ans Bein gepinkelt hat, dass ich mich gezwungen sah, dies meinem Chef zu melden. Seine Reaktion war, dass es wohl nur daran liegt, dass die Rollen im Team nicht klar genug definiert seien und wir diese Rollen anpassen sollten. Wirklich ernst genommen fühlte ich mich nicht, obwohl ich der Meinung war, in meiner Email verdeutlicht zu haben, wie sehr mich diese Situation belastet.
    Bei einem Meeting wenige Zeit später, unterstellte er mir vor versammelter Mannschaft, die den Hintergrund gar nicht kannte, seltsame Befindlichkeiten in dieser Sache und forderte mich auf, diese sein zu lassen.
    Dies hat mich so sprachlos und wütend gemacht, dass ich es mir gespart habe, die ganzen Vorfälle danach, die BK verzapft hat und die negativ auf mich zurückfielen (dooferweise immer nur auf mich), zu melden, weil ich mir weitere Schmähungen in Gegenwart von Kollegen ersparen wollte. Dadurch kann aber BK jetzt quasi machen, was sie will.
  2. Das Personalgespräch wegen meiner Abwesenheiten. Mein alter Chef kannte die ganzen Hintergründe, ihm habe ich vertraut und mich auch anvertraut, warum ich jeweils ausfalle. Er weiß, dass ich trotz des Steißbeinbruchs mit extremen Schmerzen 3 Wochen auf meinem schicken Sitzkissen im Büro saß. Er weiß auch, dass ein Beinbruch beim Kind ein unvorhersehbares Ereignis ist.
    Trotzdem hätte er mir nie Drückeritis oder Faulenzerei unterstellt.
  3. Das Schöffenthema. In der Personalabteilung hat niemand auch nur den Hauch einer Ahnung, wie das mit den Schöffen und den Gerichtsterminen abläuft. Trotzdem wurde mir unterstellt, ich hätte mir die Termine selbst ausgesucht, hätte mir die Termine selbst so gelegt, wie ich gerne frei hätte und so weiter. Dass nichts davon in meinem Einflussbereich liegt, musste ich erst mühsam und ausführlichst erklären.
  4. Der geplante Umzug. Die Firma hat vor einem Jahr ein kleineres Konkurrenzunternehmen aufgekauft und jetzt steht die Verschmelzung der beiden Unternehmen an. Dazu gehört auch, dass Abteilungen von den beiden Standorten zusammengelegt werden. Dafür ziehen Teile der Mitarbeiter von Standort B nach Standort A und umgedreht. Es war immer geplant, dass ich bei dem Umzug mit dabei bin, um so weiter in Kontakt mit meinen alten Kollegen bleiben zu können. Diese Tatsache hat mich ein Stück weit durch den Stress getragen, denn die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen waren ein guter und willkommener Ausgleich zum Irrsinn im Büro.
    Als ich nach meiner Krankheit wiederkam, wusste niemand mehr davon, dass ich mit umziehen sollte. Stattdessen wurden Begründungen gesucht, warum es unbedingt besser ist, dass ich hier bleibe. Ich bin anderer Ansicht, aber das ändert nchts daran. In weniger als zwei Wochen werde ich das vorerst letzte Mittagessen mit meinen geliebten Kollegen haben.
  5. Die Arbeitsüberwachung. Seit zwei Monaten müssen sämtliche Mitarbeiter unserer Unternehmenseinheit ihre Arbeitszeit komplett im Ticketsystem erfassen. Alles. Die ganzen 100%. Erreichen wir die 100% nicht, gibt es einen Rüffel.
    Ich halte dies für hochgradigen Blödsinn.
    Dass man versucht, den Arbeitsaufwand in Projekten zu erfassen, ist ok. Dies wird eh meist dem Kunden in Rechnung gestellt oder kann für zukünftige Projekte als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Selbst um kurzfristig verdeutlichen zu können, wie hoch die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern generell ist, könnte man eine solche Erfassung nutzen. Es wird aber dauerhaft gefordert.
    So muss nun jeder Klogang, jedes Telefonat, jedes Emailwegsortieren erfasst werden. Ich empfinde das als Gängelei. Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.
  6. Die Arbeitsbelastung. Ich erwarte von einem Chef, dass dieser grob abschätzen kann, wie viel Aufgaben pro Tag oder Woche von einem Mitarbeiter erledigt werden können. Und ich erwarte, dass wenn die Grenze erreicht ist, der Chef entsprechende Maßnahmen ergreift. Mein Chef jedoch kippt alles, was bei ihm auf dem Tisch landet, einfach bei den Mitarbeitern ab, ohne Rücksicht auf Verluste. Und beschwert sich dann, wenn Aufgaben liegen bleiben oder erst verspätet erledigt werden. Schiebt aber gleichzeitig immer noch höher priorisierte Aufgaben dazwischen, die immer gestern fertig sein müssen.
    Von Rücken frei halten, von Druck von oben wegnehmen, von schützend vor den Mitarbeiter stellen keine Spur.

All das war mir dann einfach zu viel. Ich bedauerte, dass ich freiwillig meinen Assistenzposten aufgegeben hatte. Hätte ich damals gewusst, was für Konsequenzen es haben würde, ich hätte dankend abgelehnt. Ich erinnerte mich aber auch daran, dass mit mir im Zuge des Positionswechsel eine interne Probezeit vereinbart wurde, um zu schauen, ob das Thema Lizenzen überhaupt was für mich ist. Sollte sich herausstellen, dass ich ungeeignet dafür bin, könnte ich wieder zurück auf meinen alten Posten.

So führte mich heute morgen mein erster Weg zu meinem alten Chef, wo ich ihm mitteilte, dass ich die Probezeit beenden und wieder zurück will. Ich erklärte ihm die Gründe, erklärte, wie unglücklich ich bin, wie allein gelassen ich mich fühle und wie schlecht es mir geht. Dass ich derzeit keine andere Möglichkeit sehe, etwas an meiner Situation zu ändern.

Der alte Chef schüttelte nur den Kopf. Er war wütend, wie mein neuer Chef in so kurzer Zeit so viel verbrannte Erde erzeugen konnte. Er meinte, dass dies nicht nur mir so geht, sondern es an allen Ecken und Enden brennt, für die mein neuer Chef zuständig ist. Er fragte sich, was mit dem Kerl los sei. Aber am Ende war er auch ratlos. Ich kann nicht auf meinen alten Posten zurück, den hat nämlich eine andere Kollegin inne. Und im Grunde will ich ihn auch gar nicht wieder, ich mag das Lizenzthema immer noch. Ich mag es, mich in diese Themen einzuwühlen, Detektiv zu spielen, mit Zahlen zu jonglieren.

Was ich nicht mag, ist das Umfeld, das Drumherum, die Unterstellungen und die gehen eindeutig von einer Person aus. Wer sagt, ich solle mir einfach ein dickeres Fell zulegen, dem kann ich nur sagen, dass mein Fell bereits viel dicker ist als bei anderen. 3 Jahre Hotline überlebt man nur, wenn man sich ein kilometerdickes Fell wachsen lässt. Eigentlich habe ich bereits viel zu lange gewartet, habe zu lange Entschuldigungen für meinen neuen Chef gesucht, es auf die Umbruchssituation im Unternehmen geschoben, aber letztendlich waren dies nur Ausreden.

Ein mieser Chef bleibt einfach ein mieser Chef!

Am Montag nichts Neues

Oder auch: Same procedure as last monday? Same procedure as every monday.

Vor zwei Wochen hatte ich mein tolles Personalgespräch mit meinem Chef wegen meiner vielen Abwesenheiten. Ein Thema war unter anderem meine Schöffentätigkeit und die Aussage, dass ich dafür nur 3 Tage pro Jahr freigestellt werden müsste. Eine kurze Internetsuche zeigte, dass diese Aussage eher ein alternativer Fakt ist, denn der Wahrheit zu entsprechen.

Letzte Woche hatte ich es außerdem gewagt, mir 3 Tage Urlaub zu nehmen, um das Zimmer für meine Tochter einzurichten. Der Bericht dazu folgt, sobald ich den Muskelkater vergrault habe. Nach dieser erneuten Abwesenheit ging ich erwartungsfroh und mit dem Schlimmsten rechnend ins Büro.

Kurzer Einschub: Ich hatte schon einige Jobs in meinem Leben und auch welche mit echt üblen Chefs. Es gab Zeiten, da hatte ich Panik, auf Arbeit zu gehen, heulte den ganzen Weg zur Arbeit, riss meine 8 Stunden ab, heulte auf dem Weg nachhause und hatte massivste Schlafstörungen. Ich kenne die dunkle Seite und war so froh, mit dem neuen Job einen tollen Chef und nette Kollegen erwischt zu haben.

Ich ging gerne auf Arbeit. Zwar bin ich nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett gehüpft, dafür bin ich viel zu wenig Morgenmensch. Aber ich freute mich auf die Kollegen, auf die Arbeit, auf spannende Themen. Nicht jeder Tag war eitel Sonnenschein, doch die vielen guten Tage überwogen und trugen mich über solche Durststrecken.

Mit dem Wechsel zur neuen Position und mit dem neuen Chef änderte sich daran auch erstmal nichts. Ich machte weiter mein Ding, traf mich weiter mit den Kollegen zum Essen und ich freute mich sogar auf den bevorstehenden Umzug im Rahmen der Unternehmensfusion.

Das ist jetzt ganze 3 Monate her. Inzwischen kann sich niemand mehr daran erinnern, dass ich mit umziehen sollte. Ich werde also in 1-2 Wochen den direkten Kontakt zu meinen Kollegen fast vollständig verlieren und mit dem übrig gebliebenen Rest vorlieb nehmen müssen. Mein Chef verliert immer mehr den Kontakt zur Realität, was auch andere, die viel mit ihm zu tun haben, immer wieder zu spüren bekommen.

Und zu allem Überfluss habe ich heute ein erneutes Personalgespräch, diesmal direkt mit der Personalabteilung. Es geht um meine Schöffentätigkeit. Vermutlich fanden sie meine Aussage, dass Schöffen zur Ausübung der Schöffentätigkeit von der Arbeit freigestellt werden müssen und durch ihre Schöffentätigkeit keine Benachteiligung im Job erfahren dürfen, nicht so prickelnd.

Um 14 Uhr habe ich das Gespräch und bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt. Vorsichtshalber werde ich mir den Gesetztestext ausdrucken und mitnehmen.

Gerne auf Arbeit gehe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Gründe, Freude an meiner Tätigkeit zu haben, werden jeden Tag geringer. Noch ist es nicht so weit, dass ich heulend hinterm Lenkrad sitze. Heute morgen noch dachte ich mir, dass ich bis Mai durchhalten müsse, dann kriege ich vielleicht doch die Entfristung durch und dann können sie mich alle mal gern haben.

Jetzt stelle ich mir die Frage, wozu überhaupt.

P.S.: Trotz der vielen Gespräche in letzter Zeit hatte ich in den 1,5 Jahren, die ich nun hier bin, kein einziges richtiges Personalgespräch, wo die Leistung als Mitarbeiter eingeschätzt wird und Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehaltsstrukturen verhandelt werden. Kommt vielleicht nächsten Montag, wer weiß.

Absicht

So richtig habe ich das gestrige Gespräch noch nicht verdaut. Dauernd muss ich daran denken, was das eigentliche Ziel  sein sollte. Ich habe Ewigkeiten wach gelegen und immer wieder kreisten die gleichen Fragen in meinem Kopf herum. Seltsame Träume begleiteten mich durch die Nacht, die nach nur 5 Stunden Schlaf vorbei war.

Was zur Hölle bezweckte mein Chef mit dem Gespräch? Was war die Absicht dahinter?

Wollte er wirklich herausfinden, ob eine mögliche psychologische Komponente meine Fehltage begünstigt?

Wollte er mir einen Schuss vor den Bug geben? Wollte er mich warnen, dass übermäßiges blau machen doch auffällt? Mich auf eine seltsame verschlungene Art motivieren?

Erwartet er, dass ich jetzt nicht mehr krank werde? Oder dass ich mich krank zur Arbeit schleppe, um dann hier die halbe Belegschaft anzustecken? Soll ich meine Kleene aus dem Kindergarten nehmen, damit sie dort nicht mehr den vielen Viren ausgesetzt ist? Oder meinen Großen vom Verein abmelden, um so das Risiko möglicher zukünftiger Verletzungen zu senken?

All das werde ich nicht tun. Wenn ich krank bin, bin ich krank. Wenn ihm das ärztliche Attest, dass bescheinigt, dass ich zu krank bin, um zu arbeiten, nicht ausreicht, dann ist das sein Problem. Mir hat noch nie ein Arzt den Schein ausgestellt, nur weil ich ein wenig unpässlich war.

Wenn meine Kinder krank sind, werde ich sie pflegen und zwar die jeweils 10 Tage pro Jahr, sofern nötig. Sollte eines meiner Kinder darüber hinaus ins Krankenhaus müssen, so werde ich an der Seite meiner Kinder sein und auf sie aufpassen, egal wie lange es dauert. Meine Familie ist mir hundert, tausend Mal wichtiger als irgendein Job. Und erst recht nicht mehr der aktuelle.

Wenn es meinem Chef zu unsicher ist, dann soll er sich um einen Stellvertreter oder gleich um einen vollständigen Ersatz kümmern. Ich jedenfalls werde nichts an meinem Verhalten ändern und wenn dadurch mein Vertrag nicht entfristet ist, dann ist es eben so.

Ich werde mich nicht erpressen lassen!

Panic Monday

Nach drei Wochen sehr hartnäckiger Krankheit machte ich mich nun heute morgen einigermassen vollständig genesen auf den Weg zur Arbeit. Direkt nach Verlassen des Hofes waren wir schon mitten drin im Verkehrschaos, irgendwo war entweder eine Baustelle oder ein Unfall, und jetzt waren sämtliche Straßen im näheren Umfeld verstopft. Unter Missachtung einiger Verkehrsregeln gelang es mir trotzdem, das Kind pünktlich an der Schule abzuliefern. Danach reihte ich mich brav in die Autoschlange ein und wartete, bis ich aus der Chaoszone heraus war.

Auf Arbeit angekommen, checkte ich als erstes meine Emails. Knappe 200 Stück in einer Woche geht ja noch. Ich hatte bei meinem Intermezzo letzte Woche bereits ein wenig aufgeräumt, so dass ich heute nicht völlig in einer Mailflut unterging.

Eine der ersten Mails war jedoch eine Einladung von meinem Chef zu einem Personalgespräch. Sofort ratterten sämtliche Horrorszenarien durch meinen Kopf. Denn eigentlich, bis auf die dreiwöchige Krankheit, gibt es keinen Grund für ein solches Gespräch. Ich bin erst seit November offiziell, real erst seit Dezember meinem neuen Chef unterstellt, danach war Weihnachten und Winterferien. Für ein jährliches Gespräch oder eine echte Mitarbeitereinschätzung halte ich den Zeitpunkt für zu früh.

Für die diversen Themen mit Brisanz, auf die ich meinen Chef mehrmals per Mail hingewiesen habe, würde kein Personalgespräch, sondern ein themenbezogenes Meeting einberaumt werden. Ich habe mich auch seitdem nicht mehr mit Kollegen gefetzt oder habe Projekte blockiert oder sonstigen Unfrieden verbreitet.*

Bleibt also nur noch das Worst Case Scenario: Kündigung oder Abmahnung oder Nichtverlängerung oder Kopfwaschen wegen zu hoher Ausfallrate.
Entsprechend entspannt  und vorfreudig bin ich gerade auf diesen Termin, der für 14 Uhr angesetzt ist.

Das einzig tröstliche: ich habe wieder genug Zeiten gesammelt, um für 12 Monate ALG I zu bekommen. Und in einem Jahr wird sich bestimmt was finden, die eine oder andere Anfrage von anderen Firmen gab es bereits.

 

* Ja, sowas kann ich, habe ich aber seit Jahren nicht mehr gemacht. Ich habe jetzt andere Mittel 😉