Wie schaffen die anderen das?!

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe und völlig gleich, auf welche persönlichen Belange ich verzichte, am Ende des Tages sind immer noch zu viele unerledigte Aufgaben übrig.

Ein typischer Wochentag sieht derzeit bei mir so aus:

  • 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Dies ist der frühestmögliche Zeitpunkt an dem ich so etwas ähnliches wie ausgeschlafen bin und meiner Umgebung nicht mehr zwangsläufig schade. Experimente mit früheren Aufstehzeiten sind grandios gescheitert, entweder weil ich verschlafen hatte oder den ganzen Tag dauergrummelnd und -motzend herumgelaufen bin.
  • 7:10 Uhr wird das große Kind geweckt. Es ist zum Glück mittlerweile in der Lage, selbstständig aufs Klo zu gehen und sich danach die Klamotten anzuziehen, die ich ihm kurz zuvor rausgelegt habe. Experimente, die Auswahl der Anziehsachen dem Kind zu überlassen, scheitern regelmäßig, da bei -10 Grad die kurzen Hosen und bei +35 Grad der Rollkragenpullover gewählt werden. (Kein Scherz, beides exakt so geschehen.)
  • 7:25 Uhr bin ich hoffentlich mit meiner Morgentoilette fertig und kann mich der Draußenwelt präsentieren. Das Kind übernimmt jetzt das Bad, putzt sich die Zähne und befummelt seine Frisur.
  • 7:30 Uhr schmiere ich die Frühstücksbrote für die Schule, fülle die Wasserflasche auf, überprüfe nochmals den Ranzeninhalt.
  • 7:35 Uhr laufen wir los zur Schule.
  • 7:40 Uhr sind wir wieder daheim, weil die Sporttasche vergessen wurde. Manchmal überspringen wir diesen Punkt, weil uns auf dem Schulweg nicht auffällt, dass der Turnbeutel noch daheim liegt.
  • 7:45 Uhr liefer ich das Kind an der Schule/Straßenecke/auf halbem Weg ab und hetzte zurück zur Bushaltestelle.
  • 8:00 Uhr piepse ich mich auf Arbeit ein. Wenn ich den 48er Bus verpasst habe, kann es auch mal 8:10 Uhr sein, wenn der Bus noch Verspätung hat, 8:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich schon, ob ich an diesem Tag Minusstunden (oder -minuten) machen werde.
  • 16:35 Uhr piepse ich mich wieder auf Arbeit aus.
  • 16:38 Uhr kommt der Bus. Sagt der Fahrplan. Die Realität packt 3-10 Minuten drauf.
  • 16:57 Uhr hole ich das Kind aus dem Hort ab. Der Große ist typischerweise das letzte Kind, die Hortnerin hat schon die Handtasche über der Schulter, der Hausmeister wischt gerade den letzten Treppenabsatz.
  • 17:10 Uhr gehen wir im Supermarkt um die Ecke kurz einkaufen, weil wir sonst zum Abendbrot nur trocken Brot haben. Oder trocken Wurst, je nachdem, was gerade ausgegangen ist.
  • 17:45 Uhr kommen wir in der Wohnung an. Der Große bettelt, dass er ganz dringend noch eine Runde im Hof spielen will, also lass ich ihn, bis der Papa mit der Kleenen nach Hause kommt.
    In der Zwischenzeit mache ich mir etwas zu trinken und werfe eine Maschine Buntwäsche an.
  • 18:15 Uhr kommt der Rest der Familie nach Hause. Große Freude ob des Wiedersehens.
  • 18:30 Uhr bereiten wir das Abendbrot vor, decken den Tisch, räumen all die leckeren Sachen aus dem Kühlschrank auf den Esstisch. Die Kinder helfen fleißig mit. Die Süße kippt die offene Wurstpackung aus, der Große muss ganz dringend aufs Klo.
  • 18:45 Uhr gibt es Abendbrot. Die Kleene kann sich nicht entscheiden, was sie haben möchte und heult stattdessen lieber rum. Der Große mault, dass ausgerechnet das nicht da ist, worauf er gerade Appetit hat. Bloß gut, dass wir eine Stunde zuvor im Supermarkt waren, wo wir eben dies hätten mitbringen können. Als ich ihn auf diesen Umstand hinweise, heult auch er.
  • 19:15 Uhr ist die Kleene mit dem Abendbrot fertig und schmiert ihre fettverkrusteten Hände am Sofa ab, während ich ins Bad renne, um einen Waschlappen für eben jene Hände zu holen. Der Große hockt vor zwei belegten Scheiben Brot, offensichtlich pappsatt, aber weil er dies nicht zugeben möchte, knabbert er immer wieder an einer der Brotscheiben herum.
  • 19:30 Uhr räumen wir den Abendbrottisch wieder ab. Der Große starrt immer noch seine Brotscheiben an, die Kleene ärgert die Katze, die daraufhin die Krallen ausfährt und sie kratzt. Die Kleene heult.
  • Um 19:45 Uhr breche ich das Abendbrot ab, von den zwei angeknabberten Brotscheiben sind noch 4/5. übrig. Der Große wird zum Zähneputzen und Schlafanzug anziehen weggeschickt. Ich schnappe mir die Kleene und bereite sie aufs Bett vor.
  • 20:00 Uhr sind beide Kinder bettfertig. Es werden ausgiebige Gutenachtwünsche und Küsse verteilt. Dann bringe ich die Süße ins Bett, während mein Mann den Großen in sein Zimmer bringt und ihm noch eine Gutenachtgeschichte vorliest.
  • 20:15 Uhr beginnt quasi unser Feierabend. Ich checke meine Emails, rege mich über irgendwelchen Unsinn tierisch auf. Überfliege kurz Facebook, rege mich über den Unsinn auf, der da gepostet wird. Nebenbei läuft irgendeine Serie. Es ist völlig egal welche, wir kriegen eh nichts vom Plot mit.
  • 21 Uhr checke ich den Ranzen des Großen, überprüfe das Hausaufgabenheft und die Postmappe, finde einen Elternbrief samt Belehrung, die wir unterschrieben vorgestern hätten abgeben müssen und eine Mathehausaufgabe, die bis morgen erledigt werden müsste. Ich wappne mich für den Eintrag der Lehrerin, dass ich das Schreiben – mal wieder – verspätet abgegeben habe und hoffe inständig, dass der Große am Nachmittag im Hort die Hausaufgaben gemacht hat.
  • 21:30 Uhr fällt mir die Wäsche in der Waschmaschine ein. Mir fällt auch ein, dass beide Wäscheständer mit trockener Wäsche voll belegt sind, ich diese aber nicht wegräumen kann, weil ich dann eines oder beide Kinder wecken würde. So verschiebe ich Wäsche abnehmen und aufhängen auf den nächsten Tag.
  • 22 Uhr lese ich die neuen Blogbeiträge bei WordPress oder den interessanten Zeitungsartikel, der mir per Chat geschickt wurde oder klicke mich durch ein Quiz, dass mir wieder mal sagt, ich wäre ein Hufflepuff, obwohl ich im Innersten genau weiß, dass ich ein Gryffindor bin.
  • Um 23 Uhr stelle ich entsetzt fest, dass es bereits 23 Uhr ist und ich doch vor einer halben Stunde ins Bett wollte. Also lese ich fix den Artikel zu Ende, verkneife mir einen weiteren Kommentar in einer spannenden Diskussion und mache mit bettfertig.
  • 23:30 Uhr liege ich erschöpft im Bett und denke daran, dass ich noch Gymnastikübungen für den Rücken machen wollte, damit die Ischiasreizung nicht wieder kommt. Weil ich aber zu müde bin, reicht es nur, um mein Harry Potter Hörbuch anzuwerfen. Da ich mich nur noch an das Kapitel, aber nicht mehr die genaue Stelle erinnern kann, an der ich am Vorabend eingeschlafen bin, höre ich mir zum 5. Mal den selben Satz an.
  • 23:33 Uhr bin ich eingeschlafen.

Leider sind diese Tagesabläufe eher theoretisch. Die letzten Wochen war ich Montags immer mit dem Großen in der Stadt, dringende Einkäufe für die Schule erledigen oder Termine wahrnehmen. Dienstags und Donnerstag holt mein Mann den Großen vom Hort ab, da darf ich länger arbeiten. Je nach Einpiepszeit am Morgen schaffe ich 45-55 Minuten extra. Wenn ich länger als eine Stunde mehr arbeite, wird mir ab der 60. Minute 15 Minuten zusätzlicher Pause abgezogen, so dass ich mindestens 9 Stunden und 16 Minuten arbeiten muss, um überhaupt einen Nutzen zu haben. Wie an anderer Stelle erwähnt, bekomme ich Mehrarbeit erst ab Minute 31 gutgeschrieben, so dass ich, wenn ich nach 8 Stunden und 25 Minuten Nettoarbeitszeit auspiepse 25 Minuten der Firma schenke. Völlig beklopptes System, aber wohl rechtlich in Ordnung.

Mittwochs und Freitags hat der Große Fußballtraining, welches um 16:30 Uhr beginnt. Um mein Kind pünktlich zum Trainingsstart in Fußballmontur auf dem Feld stehen zu haben, muss ich spätestens um 15:35 Uhr von Arbeit los. Wenn dann alles passt, kann ich das Kind um 15:55 Uhr aus dem Hort mitnehmen. Sollte er draußen rumtoben und ich ihn erst suchen müssen, kann es sein, dass wir erst 16:10 Uhr vom Hort wegkommen. Dann nach Hause, umziehen, ins Auto, ab zum Sportplatz. Bei optimalem Verlauf sind wir 16:25 Uhr auf dem Trainingsgelände, bei suboptimalem erst 16:45 Uhr, weswegen ich versuche, einen Bus eher zu erwischen, was aber eben auch 20 Minuten weniger Arbeitszeit bedeutet. Da ich es mit viel Glück auf 1 3/4 Stunden Mehrarbeit pro Woche bringe, aber durch die Trainingszeiten jeweils mindestens eine Stunde einbüße, mache ich im Schnitt eine halbe Stunde pro Woche minus.

Zum Glück hat sich die Frau des Trainers bereit erklärt, den Großen Mittwochs aus dem Hort abzuholen und zusammen mit ihrem Sohn zum Training zu bringen. Wir hatten es erst mit den Eltern eines Klassenkameraden, der in der gleichen Mannschaft trainiert, probiert, aber dort gab es Missverständnisse, weil jene Eltern von einer einmaligen Sache ausgingen, während ich der Meinung bin, klar kommuniziert zu haben, dass dies jeden Mittwoch so wäre. Da ich niemandem zur Last fallen möchte und mich zudem noch der Hort wegen des Aufstands der Mutter in der zweiten Woche angerufen hat, fiel diese Option flach. Glücklicherweise sprang die Trainerfrau ein, da sie wohl eh immer Mittwochs in der Gegend wäre und da könnte sie den Großen problemlos mitnehmen. Das rettet mir ungefähr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit und wenn es gut läuft, stehen am Ende der Woche +20 Minuten auf meinem Arbeitszeitkonto.

Wenn es gut läuft. Und nichts dazwischen kommt. So wie diese Woche, wo wir die Sporttasche mit den Trainingssachen, der direkt neben dem Schulranzen stand, am Morgen vergessen hatten, mitzunehmen. Weil ich nicht wollte, dass mein Kind ohne Schienbeinschoner spielt – der Rest ist mir absolut rille – bin ich eine halbe Stunde eher als geplant los, nach Hause geeilt, die Sporttasche eingesackt und zum Sportplatz gerast. Nur eine Viertelstunde nach Trainingsbeginn war ich da und echt stolz, es so schnell geschafft zu haben, um dann festzustellen, dass das Kindlein neben einem kompletten Trikotsatz richtige Fußballschuhe und Schienbeinschoner geborgt bekommen hat. Die Mama erzählte mir dann, dass sie mittlerweile 4 komplette Trikotsätze hätten und das überhaupt kein Problem wäre.

Ich stellte mir die Frage, wie sie das machen. Unser Kind hat gerade mal den Trikotsatz vom Verein, aber nicht ein einziges irgendeiner Profimannschaft. Wir können uns die 70 oder mehr Euro für ein Shirt schlicht nicht leisten. Und das, obwohl ich 40 Stunden und mein Mann zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten geht und wir beide mehrere Euros überm Mindeststundenlohn liegen. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht, wie ich hier im Blog oft genug erwähnt habe. Dann höre ich, dass die Trainerfamilie (Mutter, Vater, Kind) ein Haus gebaut hat, ein Sky-Abo besitzt, ein Auto aus deutscher Produktion fährt und zweimal pro Jahr in den Urlaub fliegt. Ich gönne ihnen das, ich bin auch nicht neidisch, nur stelle ich mir eben die Frage, wie sie das schaffen. Und warum wir das nicht hinkriegen.

Aufgrund der sehr knappen Zeit in der Woche müssen wir einen Großteil der Dinge am Wochenende erledigen. Wäsche waschen, Einkaufen, Wohnung putzen. Wenn ich dann erzähle, dass ich den Großen am Wochenende eben nicht auch noch zum Ligaspiel fahren kann, weil da ein halber Tag drauf geht, werd ich seltsam angeschaut. Immerhin wurde mir von einer anderen Mama angeboten, den Großen abzuholen und zum Ligaspiel zu fahren. Damit kann ich leben, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, dass wir das nicht selber hinbekommen. So habe ich aus lauter Verzweiflung zugesagt, am kommenden Wochenende das Kind wieder selber zum Spiel zu begleiten. Bedeutet um 7 Uhr aufstehen am Sonntag, um 8 Uhr auf dem Sportplatz sein, um 9 Uhr startet das Spiel, um 10:30 Uhr ist Spielende, um 11 Uhr kommen wir vom Sportplatz weg, um 11:30 Uhr sind wir pünktlich zur Sendung mit der Maus daheim. Dann ist Mittagsschlaf, wo Lärm machen tabu ist. So komm ich erst gegen 16 Uhr dazu, zusammen mit meinem Mann die Wohnung zu putzen. Um 20 Uhr werde ich das Badezimmer feudeln und mir um 20:30 Uhr mein erkaltetes Abendessen aufwärmen und versuchen, die erste halbe Stunde des Sonntagsfilms aus dem Restprogramm zu eruieren.

Sollte an einem solchen Wochenende noch ein Heimspiel des lokalen Bundesligavereins stattfinden, wird jegliche Planung über den Haufen geworfen. Da gehen inklusive An- und Abreise locker 6 Stunden drauf und erfahrungsgemäß können wir an solchen Tagen sämtliche andere Vorhaben vergessen. Da bin ich doch echt dankbar, dass Heimspiele nur aller zwei Wochen vorkommen und dieser Rhythmus durch Länderspiele zusätzlich unterbrochen wird.

Und als wenn die Wochen nicht schon dicht genug gepackt sind, kommen in den nächsten Monaten weitere Zeitfresser hinzu. Wenn ich die Rehasportmaßnahme von der Krankenkasse genehmigt bekomme (Termin dazu am nächsten Montag um 17:15 Uhr), bin ich im nächsten halben Jahr Dienstags und Donnerstag ab 18 Uhr für 1,5 Stunden damit beschäftigt, meinen Rücken zu stärken. Ich benötige einen Routinezahnarzttermin. Ab Herbst, also quasi heute, muss ich mich wieder um die 2. Folge der Hyposensibilisierung kümmern. Das ist immens wichtig, denn mein allergisches Asthma wird mit jedem Tag schlimmer und aktuell röchel ich in bester Darth Vader Manier vor mich hin, Asthmaspray hin oder her. Die Hyposensibilierung geht nur nachmittags, früh schaff ich es wegen Schulstarttermin und Kernarbeitszeit nicht und ich muss bis spätestens 17 Uhr beim Arzt sein, da ich ja jedes Mal eine halbe Stunde vor Ort warten muss, ob sich eine allergische Reaktion zeigt. Entweder ich lege das auf Dienstag oder Donnerstag, wo ich kinderfrei und so mehr Zeit zur Verfügung habe, damit aber riskiere, beim Rehasport nicht richtig mitmachen zu können, weil der Arm wegen der Injektion zu weh tut, oder ich probiere Montag, muss dafür aber eher von Arbeit los, weil ich den Großen ja noch aus dem Hort abholen muss.

Dann merke ich, dass dieser ganze Terminstress mir sehr aufs Gemüt schläfgt und ich würde gerne meine Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin weiter führen. Den spätesten Termin, den sie mir anbieten kann ist 15:30 Uhr. Da sie am anderen Ende der Stadt ihre Praxis hat, müsste ich sogar die Kernarbeitszeit, die bis 15 Uhr geht, verletzen, um den Termin wahrnehmen zu können. Was das mit meinem Arbeitszeitkonto macht, darüber möchte ich nicht mal ansatzweise nachdenken.

Beim letzten Elternabend empfahlen uns die Mathematik- und die Deutschlehrerin, dass wir mit den Kindern üben sollten. Jedes Wochenende ein Diktat, eine Leseübung und eine einseitige Rechenübung. Bei Bedarf gerne mehr. Vor den angekündigten Lernzielkontrollen (früher hieß das Klassenarbeit) müsste der Stoff mit den Kindern wiederholt werden. Dies alles ist nötig, weil die Bewertungsmaßstäbe so extrem hoch angesetzt sind. So gibt es nur bei erreichten 95% eine 1, bis 80% eine 2, bis 65% eine 3, bis 45% eine 4, bis 25% eine 5, darunter 6. Bei einem Diktat oder bei unangekündigten Kurzkontrollen gibt es die 1 nur bei 0 Fehlern.
Nichtüben verschafft uns mehr Luft, verbaut dem Kind aber auch die Chancen, also ist es keine Option. So werden wir dies also auch noch mit ins Wochenende stopfen.

Ja, ich weiß, eine Lösung wäre, verkürzt arbeiten zu gehen. Aber das ist finanziell nicht drin. Ich bin Hauptverdiener, von meinem Konto gehen sämtliche Fixkosten (Miete, Internet, Kindergarten, Hort, Versicherungen, Steuer, Kredit, etc.) ab, so dass am Ende nur um die 300 Euro an frei verfügbarem Geld übrig bleiben. Bei Teilzeit würde dieser Betrag gegen Null gehen, es gäbe keine Urlaube mehr, keine Klamotten für die Kinder, keine Fußballdauerkarten, keine Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke.

Und erneut frage ich mich, wie schaffen andere das? Meine Cousine und ihr Mann haben ein Haus gebaut. Er ist angestellter Handwerker, sie Rettungssanitäterin, beides durchaus ehrenwerte Berufe, aber keine, die den großen Reichtum mit sich bringen. Dennoch haben sie das Haus. Und egal, ob meine Mama meint, dass sie das Grundstück billig bekommen haben und er als Handwerker Hinz und Kunz kennt und die kostengünstig beim Bauen mitgeholfen haben, das Haus wird dennoch mindestens um die 100.000 Euro gekostet haben. Ein Betrag, den wir nie aufbringen könnten bzw. bei dem wir uns über 20 Jahre per Kredit an eine Bank binden würden, was mir völlig widerstrebt. Denn wenn mir mein Lebenslauf eins gelernt hat, dann dass nichts so beständig ist wie die Veränderung. Das Maximum, was wir derzeit verkraften ist der Kredit fürs Auto, welcher genau 2 Jahre lang läuft, genauso lang wie mein befristeter Arbeitsvertrag. Mag mein Chef noch so oft sagen, dass er mich so bald es geht entfristet, ich plane aktuell nicht länger als bis Oktober 2017.

Also kämpfe ich mich durch den Alltag, immer gehetzt von einem Termin zu anderen, die aktuellen Busfahrpläne, mein Arbeitszeitkonto, den nächsten Spieltag und die Arztöffnungszeiten im Hinterkopf.
Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal in Ruhe und mit Genuss einen Spielfilm angeschaut haben. Oder etwas mit unseren Freunden unternommen. Oder ausgeschlafen. Oder jenseits des Urlaubs entspannt.
Das letzte Mal mit meinem Mann intim? Ich würde laut loslachen, wäre ich nicht so erschöpft.

Dann sehe ich auf Facebook ein Foto eines Regenbogensmartieskindergeburtstagskuchen, selbstgebacken und wunderschön und breche in Tränen aus, weil wir es nicht mal hinbekommen, eine Kindergeburtstagsfeier zu organisieren, bei der ein solcher Kuchen den Höhepunkt darstellen könnte …

Wer es bis hierhin geschafft hat und ebenso wie ich ein wenig Entspannung benötigt: hier klicken!

Ehe und andere Katastrophen

Einblicke in anderer Leute Leben finde ich immer faszinierend. Manche mögen solche Einblicke dazu nutzen, um sich besser oder überlegen zu fühlen, denn nicht umsonst haben die Scripted Reality Formate der Privatsender solch vergleichsweise hohen Einschaltquoten. Mir hingegen bieten diese Einblicke einen Zugang zu anderen Lebensentwürfen oder aber die Erkenntnis, ach schau an, denen geht es ja genauso. Oft auch beides. Nie jedoch werte ich das, was mir die Einblicke zeigen, es kann aber sein, dass ich zu der Erkenntnis gelange, dass eine bestimmte Lebensweise nicht zu mir passt. Egal wie offenherzig diese Einblicke auch sind, sie zeigen nie alle Facetten, nie werden alle Aspekte beleuchtet und nie sind die Charaktere und Handlungsmotivationen der Akteuere deckungsgleich mit denen der Zuschauer, so dass sich allein dadurch schon eine Bewertung verbietet. Also bitte seid gnädig mit uns, wenn ich einen solchen Einblick gewähre, wir sind uns durchaus der vielen Kopf-meets-Tischplatte-Momente bewusst!

Es fing wie alles an, nämlich am Anfang. Wobei festzulegen, wo der Anfang genau ist, relativ schwierig ist. Denn irgendwie habe ich meinen Mann übers Internet kennengelernt, aber irgendwie auch eben nicht. Um diesen Widerspruch aufzulösen, muss ich wohl doch ein wenig ausholen.

Als das Internet noch jung und die Datenleitungen sehr dünn waren, gab es dennoch bereits Bestrebungen, online Spiele zu spielen, interaktiv mit anderen Spielern in Kontakt zu treten und sogar gemeinsam Aufgaben zu lösen. Was heutzutage gang und gebe und mit realistischsten Grafiken unterlegt ist, war damals technologisch gar nicht möglich. Es gab die einfachste aller Varianten, Textadventures mit mehr oder weniger Rätseln oder Kämpfen, für jeden Spielertypen war etwas dabei. Ich entschied mich für ein Spiel mit dem Hauptthema „Der Zauberer der Smaragdenstadt„, was sich im Nachhinein als durchaus schicksalhaft herausstellen sollte. Denn mein Mann entschied sich ebenso dafür. Eine ganze Weile spielten wir so vor uns hin, immer wieder begleitet von längeren Unterbrechungen meinerseits, die meinen Spielercharakter immer wieder zurückwarfen, so dass ich selbst nach 8 Jahren Spielzugehörigkeit der absolute Noob war. Aber die anderen Spieler waren nett und so quatschte ich lieber mit denen, als wirklich zu spielen. Anders mein Mann, der einen unglaublichen Ehrgeiz entwickelt hatte und der Obermotzspieler wurde. Niemand war besser als er, obwohl viele versuchten, ihm den Rang abzulaufen. Dies alles geschah aber auf freundschaftlicher Ebene, es gab nur seltenst echte Auseinandersetzungen oder aggressive Diskussionen – ein wesentlicher Grund, warum ich mich dort so wohlfühlte. Aber wie das bei Noobs wie mir eben so ist, ich war total schüchtern den großen Spielern gegenüber. Wenn mir mal im Spiel einer über den Weg lief, erstarrte ich in Ehrfurcht. Sprach mich sogar einer von denen an, verschlug es mir die Sprache und oft loggte ich mich einfach aus. Ein Verhalten völlig konträr zu meinem Auftreten im echten Leben.

Die Spielerschaft war eine eingeschworene Gemeinschaft, denn es braucht schon ein wenig Sonderlichkeit, sich in dieser Art Spiel zu verlieren. Und bei solchen Gemeinschaften entsteht über kurz oder lang das Bedürfnis, sich zu treffen, einander kennenzulernen und auch in echt mal mit dem einen oder anderen alkoholischen Getränk anzustossen. Jedes Jahr gab es daher ein Spielertreffen. Bei meinem ersten Treffen 2000 war auch mein Mann dabei, allerdings erst am letzten von 4 Tagen und ich hab davon nach nur insgesamt 5 Stunden Schlaf nicht mehr viel mitbekommen. Die nächsten Jahre pausierte ich, aber 2005 war ich wieder dabei und organisierte sogar das Treffen. (Allein dieses Wochenende mit allem Drumherum ist eine eigene Geschichte wert!)

Im Frühsommer 2005 trudelten also ca. 40 Spieler in einer Jugendherberge in der Nähe von Bad Kissingen ein und einer davon war mein Mann. Ich kannte die allerwenigsten der Spieler vom Aussehen, so dass ich völlig unbefangen auf jeden einzelnen zugehen konnte, wusste ich doch nicht, ob dies ein Level 45+-Spieler oder ein Stufe 10-Anfänger war. (Die theoretische Obergrenze bei diesem Spiel liegt bei Level 50, alles über 40 ist sehr gut, über 45 nur mit enormen Aufwand zu erreichen und nur eine handvoll Spieler schaffte es je über Stufe 48; dies nur zur Einordnung.)
Mir sprang da ein junger Mann ins Auge mit ganz wundervollen bernsteinfarbenen Augen. Wir verstanden uns auf Anhieb und schnell war das Eis gebrochen. Da machte es dann auch nichts mehr, dass er DER Topspieler war, da war es längst zu spät um schüchtern zu sein. Beim gemütlichen Zusammensein aller Spieler am Lagerfeuer stellte sich schnell heraus, dass er einen exzellenten Humor hatte und blitzgescheit war.

Ich baggerte ihn nach allen Regeln der Verführungskunst an und meine Bemühungen blieben nicht ohne Erfolg, wurden jedoch jäh gedämpft, als er mir sagte, dass er in einer glücklichen Beziehung sei. Tja, dumm gelaufen. Wir machten das beste draus, amüsierten uns dieses Wochenende und waren uns einig, dass darüber hinaus nichts laufen würde. Ich mischte mich grundsätzlich nicht in Beziehungen ein und bin der Ansicht, in eine wirklich glückliche Partnerschaft kann niemand von außen einbrechen. Am Ende des Wochenendes verabschiedeten wir uns und künftig trennten uns 550 km, genügend Abstand, um sich nicht permanent über den Weg zu laufen.

Doch so glücklich war die Beziehung wohl doch nicht, denn 3 Tage später gestand er mir, dass ich ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen würde. Es folgte ein Hin und Her, Unschlüssigkeit auf beiden Seiten, Verunsicherung auf meiner, ob ich mich tatsächlich darauf einlassen sollte und vielleicht wäre ich ja nur eine Liebschaft, wenn seine Olle grad keinen Bock hat oder verreist ist. In dieser Zeit schrieben wir viel und telefonierten hin und wieder miteinander. Vier Wochen später wollten wir uns wiedersehen. Ich beschloss zu ihm zu fahren, aber nur unter der Bedingung, dass er vorher reinen Tisch macht und seine Beziehung beendet. So einen zweigleisigen Hickhack wollte ich auf keinen Fall mitmachen, entweder richtig oder gar nicht, für Experimente hatte ich einfach keine Zeit mehr.
Der große Tag der Entscheidung sollte am Dienstag vor meinem Besuch sein und an diesem Tag lief ich rum wie Falschgeld. Ständig fragte ich mich, ob er es wirklich durchzieht oder doch einen Rückzieher macht, was ich dann machen würde, wie verheerend für mich ein negatives Erlebnis sei. Durch diverse Umstände war ich zu diesem Zeitpunkt mental bereits schwer angeschlagen. Ohne es zu wollen hatte ich mich verliebt, habe mir große Hoffnungen gemacht und wollte sie um keinen Preis zerschlagen sehen.
Abends wartete ich vor meinem Rechner, dass er endlich online kommt und mir das Resultat mitteilt, immer im Limbo zwischen freudiger Erwartung und abgrundtiefer Verzweiflung. Endlich loggte er sich ein und nur mit Mühe konnte ich meine Ungeduld verbergen. Allerdings wollte ich mir nicht die Blöße geben, ihm zu diesem Zeitpunkt zu offenbaren, wie wichtig mir diese Entscheidung war. Bei negativem Ausgang wäre es nur ein weiterer Angriffspunkt für ihn gewesen, mit dem er mich hätte verletzten können. Er rückte dann von selbst mit der Sprache raus, erzählte, dass er Schluss gemacht hätte, natürlich mit dem erwarteten Drama, aber Aus ist Aus und seine WG wüsste es auch schon.

Die Mitbewohner nahmen die Tatsache einfach so hin, obwohl alle seine Exfreundin kannten und teilweise eng mit ihr befreundet waren. Als ich ihn am darauffolgenden Wochenende besuchten, begrüßten sie mich ganz normal und nahmen mich ohne Vorbehalte in ihren Bekanntenkreis auf, wofür ich ihnen echt dankbar war. Mein Mann und ich hatten endlich Gelegenheit, uns näher kennenzulernen und nutzten dies auch schamlos aus.
Zu diesem Zeitpunkt war ich schon nicht mehr die Allerjüngste, ich hatte diverse Beziehungen hinter mir, hatte mich ausgiebigst auf dem Männermarkt umgesehen und eine ziemlich klare Vorstellung davon, was denn ein passender Partner für mich wäre. Früher waren es die bekannten Eckpunkte wie Geld bzw. sicheres Einkommen, eine schicke Wohnung und gutes Aussehen. Im Laufe der Zeit stellte ich jedoch fest, dass all dies niemals gute Gespräche und gemeinsame Interessen ersetzen kann. Mir war Nahrung für meine Seele, meinen Geist wichtiger als schicke Klamotten oder teure Urlaube. So checkte ich dann meinen Mann ab, glich seine Eigenschaften mit den Punkten auf meiner internen Liste ab, auf der sich bald jede Menge Häkchen tummelten. Finanziell sah es bei uns beiden überhaupt nicht rosig aus, so dass wir nach dem initialen Besuch zwei oder drei Wochen warten mussten, bevor wir uns wiedersehen konnten. Leider wurde mein Mann krank, Männergrippe, er blickte dem Tod ins Auge, was seine Exfreundin nutzte, um sich wieder an ihn ranzuschmeissen. Sie tauchte mit frisch gekochter Hühnersuppe und Obstkörbchen bei ihm auf, wollte ihn aufpäppeln und bemuttern.

Das konnte ich auf keinen Fall zulassen, Geld hin oder her. Um meinen finanziellen Verlust ein wenig einzudämmen, meldete ich mich bei einer Mitfahrzentrale an und packte mir das Auto mit netten Menschen voll, die in meine Richtung wollten. So stand ich überraschend Freitag Abend in der WG meines Mannes, wo seine Ex bereits die nächsten Geschütze aufgefahren hatte. Nix da Herzchen, jetzt bin ich am Zug. Ich fuhr daraufhin jedes Wochenende zu meinem Mann, oder er besuchte mich, als Student war er wesentlich flexibler in der Zeiteinteilung als ich. Durch die Mitfahrzentrale waren die Fahrten ein Nullsummengeschäft und mir machten die langen Autofahrten nichts aus, war sie seit mehreren Jahren gewöhnt. Die Gegenbesuche meines Mannes waren ein Novum für mich, so etwas kannte ich aus meiner vorhergehenden langjährigen Beziehung überhaupt nicht. Mein Ex, der ein Auto und Geld ohne Ende hatte, schaffte es nicht, mich zu besuchen und meine Welt kennenzulernen, sondern verlangte stattdessen, dass ich jedes Wochenende die nervenaufreibende Heimfahrt antrat, damit er es auch schön bequem hat. Derjenige hingegen, der jeden Cent zweimal umdrehen musste, fand Wege und Mittel, um an meinem Leben teilzuhaben, um mich und meine Freunde kennenzulernen. Diese Offenheit für Neues, auch die damit verbundene Neugier entsprach viel mehr meinem Naturell und war ein weiterer riesiger Pluspunkt.

Weiterhin klopfte ich meinen Mann auf Herz und Nieren ab und irgendwann ging es auch ans Eingemachte. Mittlerweile war ich 27 Jahre alt. Meine biologische Uhr tickte. Laut. Für Experiemente hatte ich weder Zeit noch Nerven. Für mich ist es wichtig, dass mein Partner in Grundzügen ähnliche Lebensentwürfe verfolgt wie ich. Mir nützt es gar nichts, wenn ich ihn nach der Zukunft und Kindern frage, und er mir erzählt, er geht in einem Jahr für immer ins Kloster oder sein Lebensziel ist, mit den Eingeborenen in Papaneuguinea zu leben und das doch bitte ohne Kinder. Nicht, dass solche Ziele schlecht sind, sie passen nur nicht zu meinen Vorstellungen und eine Beziehung würde vermutlich sehr holprig und von sehr vielen Kompromissen geprägt sein, und das wo Partnerschaften per se schon harte Arbeit sind.
So fragte ich ihn also eines Abends, so ganz allgemein und generell, ob er sich denn vorstellen könnte, mich zu heiraten. Wie gesagt, ich wollte damit nur wissen, ob er sich generell für Ehe und Familie erwärmen kann. Und was macht der Kerl? Statt zu antworten, ja, nein, vielleicht, irgendwann mal, warum nicht oder etwas in ähnlichem Tenor, fragt er: Ja klar, wann?

Die Geister die ich rief. Was sollte ich im Gegenzug darauf antworten? Ich ging schnell meine Checkliste durch, dachte über die letzten Wochen nach, über meine Gefühle, meine Erfahrungen, dachte an vergangene Beziehungen, eigene und fremde. Erinnerte mich an die legendären 3 Pärchen in meinem Bekanntenkreis, die das wunderschöne Datum 9.9.1999 nutzten, um sich das Ja-Wort zu geben. Alle Beziehungen waren mindestens 5 Jahre alt, eine hatte sogar schon das 10-jährige Bestehen gefeiert und alle Ehen waren ein Jahr später in die Brüche gegangen, die Scheidungspapiere eingereicht. Was nützt es da, sich lang und breit zu prüfen, da kann man auch direkt ins kalte Wasser springen. Als Datum böte sich der 1.11. an, leicht zu merken und auch noch mein Geburtstag.

All dies ging mir innerhalb einer Sekunde durch den Kopf und letztendlich sagte ich, ok, wie wär es mit dem 1.11.? Da haben wir noch ein wenig Zeit, falls wir uns in der Zwischenzeit doch total doof finden sollten, es wäre aber auch nicht so ewig weit weg. Er war einverstanden und so schmiedeten wir die nächsten Wochen und Monate Hochzeitspläne. Für mich stand von vornherein fest, dass es eine Trauung im ganz kleinen Rahmen werden würde, nur das Paar und jeweils ein Trauzeuge, und es sollte geheim bleiben. Wir wollten in meiner Heimatstadt heiraten, weil mein Mann in seiner so bekannt war wie ein bunter Hund und es zu wahrscheinlich gewesen wäre, dass uns irgendein Bekannter zufällig über den Weg lief. Mein Mann kümmerte sich um das Aufgebot, fuhr zweimal alleine zum Standesamt, einmal fuhren wir zusammen und mussten vor Ort feststellen, dass zum Einen an Dienstagen grundsätzlich nicht geheiratet werden kann. Mein Geburtstag fiel in jenem Jahr auf einen Dienstag, so dass der 1.11. ausfiel und wir auf den 5.11., einen Sonnabend, umschwenken mussten.
Zum Anderen heirate ein Pärchen am gleichen Tag, zur gleichen Zeit und die Frau hatte den gleichen Nachnamen wie ich, was für einige Verwirrung sorgte. Wie sich im weiteren Verlauf herausstellte, war das meine Cousine, zu deren Hochzeit nur meine Eltern, nicht aber ich eingeladen waren. So ganz ungelegen kam mir das nicht, wusste ich doch so ganz genau, wo sich meine Eltern zum entsprechenden Zeitpunkt aufhalten würden und auch, wenn uns nur 500 m Luftlinie trennten, lagen doch Welten und ein Fluss zwischen uns.

Alles klein und geheim hielt uns nicht davon ab, trotzdem alles Drum und Dran mitzunehmen. Mein Mann kaufte einen Verlobungsring, wofür er seinen Arbeitgeber, bei dem er als Student nebenbei jobbte, um einen Vorschuss bitten musste. Bereits damals merkte ich, dass Normal irgendwie auf andere besser passte und so machte auch der eigentliche Heiratsantrag keine Ausnahme. Es war an einem wunderschönen Wochenende im September. Die gesamte WG meines Mannes war mit den Vorbereitungen für ein kulturelles Großereignis beschäftigt, welches am Sonntag stattfinden sollte. Seit Wochen werkelten sie an den Kostümen und so langsam wurde die Zeit knapp und natürlich fehlten immer genau die Materialien, die man am nötigsten brauchte. Als einziger WG-Bewohner, wenn auch nur temporär, besaß ich ein Auto und erklärte mich bereit, zur Materialienbesorgung die Baumärkte der Umgebung abzufahren. Mein Mann begleitete mich und nach einer intensiven Hatz durch Hochregale und Gartenzubehör saßen wir wieder im in der Sonne ordentlich aufgeheizten Auto. Mein Mann hatte etwas im Kofferraum vergessen, stieg aus und öffnete kurz danach die Fahrertür. Er sank vor mir auf die Knie, gekleidet in einen beigefarbenen Blaumann, den Verlobungsring im geöffneten Schmuckkästchen in der Hand und stellte mir die Frage aller Fragen. Natürlich sagte ich Ja, und obwohl die Tatsache, dass er mich heiraten möchte, nicht wirklich überraschend kam, war ich ordentlich durch den Wind und es brauchte eine Viertelstunde, bis sich die Aufregung gelegt hatte und ich wieder fahrtüchtig war. Das Wochenende war ein großer Erfolg, denn auch das Großereignis ging wie geplant über die Bühne und „meine“ Jungs räumten mit ihren Kostümen den ersten Platz ab, mal wieder.

Wer schon einmal eine Hochzeit vorbereitet hat, weiß, dass es unendlich viele Dinge gibt, die organisiert und geplant werden müssen. Die Größe der Veranstaltung spielt da nur eine untergeordnete Rolle, denn Kleid, Schuhe, Anzug, Aufgebot, Ringe und Essen werden genauso gebraucht. Man kann sich das Probeessen, die Einladungen und den Alleinunterhalter sparen, den Stress allerdings nicht.
Ich fand im Internet ein wunderschönes, weinrotes Ballkleid, welches ich zur Trauung tragen wollte. Weiß kam für mich nie in Frage, denn ich mag bestimmt vieles sein, aber Unschuldig bin ich mit Sicherheit nicht. Außerdem war früher Rot die traditionelle Hochzeitsfarbe und erst später setzte sich die Kirche mit dem keuschen Weiß durch. Die Farbe des Kleides bestimmte auch alles andere. Meine Handtasche, die ich preiswert und nach nur kurzer Suche in einem Kaufhaus fand. Meine Stiefel, die ich wesentlich länger suchte. Den Haarschmuck beim Schmuckdiscounter, denn es gibt nirgendwo auf der Welt rote Schleier oder Tiaras. Das Hemd meines Mannes, das wir im kleinsten Herrenausstattergeschäft der Stadt kauften, weil nur dieses weinrote Hemden führte. Der Anzug war dagegen harmlos, eine gute Marke von der Stange, kostenlos umgenäht, da mein Mann eben keine Modelmaße hat. Ich bekam sogar im Vorfeld noch eine schicke Frisur für fast kostenlos, weil eine meiner Mitfahrerinnen ein Haarmodell für ihre Bekannte suchte, die kurz vor der Friseurinnenabschlussprüfung stand.
Ein richtiges Killerthema waren allerdings die Ringe. Da ich nur Silberschmuck trage, sollte auch der Ring silberfarben sein. Reine Silberringe fanden wir nicht passend, Platin konnten wir uns nicht leisten, also blieb nur Weißgold. Aber selbst da gab es eine riesige Auswahl, aber fast jeder Ring war in irgendeiner Form verziert. Furchen, Rillen, Edelsteine, zweifarbiges Metall, Schnörkel, wasauchimmer. Einen schlichten Ring ohne alles fanden wir erst im 5. Geschäft, bei einem Trauringspezialisten. Alle Juweliere zuvor nannten sich zwar auch Trauringfanchgeschäft, aber hatten nichts passendes im Angebot und verwiesen uns auf den Spezi am Rande der Stadt. Man sieht es den Ringen nicht an, aber sie haben zusammen 700 € gekostet, wofür mein Mann erneut einen Vorschuss von seinem Arbeitgeber bekam.

Endlich hatten wir alles zusammen, das Aufgebot war bestellt, die Trauzeugen gefragt, der Urlaub eingereicht, damit ich die Woche davor bei meinem Mann sein konnte, die Haare gerichtet, Anzug und Kleid gebügelt. Vor dem großen Tag allerdings war es mir noch wichtig, dass meine Eltern meinen zukünftigen Mann kennenlernen. Quasi als letzte Veto-Möglichkeit. So fuhren wir zwei Tage vorm Termin zu mir nach Hause und gingen mit meinen Eltern essen. Sie verstanden sich gut mit meinem Mann, es war ein schöner gemütlicher Abend, wie ich fand und der Hochzeit stand nichts mehr im Wege.

Am 5. November 2005 stand ich in aller Herrgottsfrühe auf, um mich im Rahmen meiner Möglichkeiten aufzubrezeln. Es durfte aber nicht zuviel sein, damit ein zufällig ebenso zeitig wacher Mitbewohner keinen Verdacht schöpfte. Mein Stresslevel war entsprechend hoch und so blieb auch der obligatorische Streit am Hochzeitstag nicht aus. Von solchen Kleinigkeiten ließen wir uns aber nicht aufhalten und so fuhren wir zu viert in meine Heimatstadt. Da niemand sonst in Besitz eines gültigen Führerscheins war, fuhr ich selber. Zwischendurch kaufte einer der Trauzeugen in einem Einkaufszentrum einen Blumenstrauß, denn daran hatten wir überhaupt nicht gedacht. Erstaunlich pünktlich kamen wir am Standesamt an, wo wir dann mehr oder weniger ungeduldig auf den Beginn der Zeremonie warteten. Mein Trauzeuge half mir, mein Kleid zu richten, denn obwohl es massgeschneidert war, passte es nur bedingt gut. Endlich wurden wir in den Raum geführt, musikalisch untermalt von unserer Musik, die wir mit tatkräftiger Hilfe unseres Trauzeugen zusammengestellt hatten und für die uns die Standesbeamtin nach der Trauung beglückwünschte, da sie wirklich ganz wunderbar passend war. Dies mag verwundern, jedoch bekamen wir während der Vorbereitungen eine Liste vom Standesamt in die Hand gedrückt mit Liedern, welche dort „vorrätig“ waren, weil sie eben bei mindestens einer Hochzeit gespielt wurden. Diese Liste umfasste so grandiose Titel wie „Highway to hell“, „Time to say goodbye“ und andere Klassiker.
Von der eigentlichen Trauung weiß ich fast gar nichts mehr. Die Standesbeamtin hielt ihre Rede, sprach über Liebe und Partnerschaft und Höhen und Tiefen. Sie hätte auch die Relativitätstheorie erklären können oder die 10 Gebote vorlesen, für mich war es einerlei. Ich stand so unter Strom und hoffte alleinigst, dass ich meinen Einsatz „ja, ich will“ nicht verpasse. Was mir allerdings immer noch sehr lebhaft vor Augen steht ist der Bauzaun, auf den man eine unverstellte Aussicht vom Fenster des Zeremonienzimmers hatte. Nach 20 Minuten war alles vorbei und wir wurden in die Freiheit entlassen. Der Trauzeuge meines Mannes machte noch Fotos innerhalb und außerhalb des Standesamts, mit seiner sehr guten Spiegelreflexkamera. Meine Kamera hatte zwei Tage vorher den Geist aufgegeben und so waren wir dankbar, überhaupt irgendwelche Fotos zu haben. Leider hatte die Spiegelreflex eine Macke, so dass der Blitz bei sämtlichen Innenfotos übersteuerte und alle Fotos ein wenig überbelichtet waren. Hinzu kam, dass der Aushilfsfotograf – ein auf eine andere Hochzeit wartetender Gast, der uns seine Hilfe anbot – überhaupt keinerlei Talent für Bildaufteilung hatte und bei den Gruppenfotos überall die Füße fehlten, dafür aber ein Drittel Luft über den Köpfen ist.
Immerhin sind unsere Fotos dadurch superindividuell geworden!

Nach der Trauung machten wir einen kleinen Stadtrundgang, bei dem es anfangs nieselte und später richtig regnete. Mein Kleid sog sich mit Wasser voll und die durchweichten Stiefel drückten ganz unangenehm auf meine Knöchel. Dermassen derangiert trafen wir beim Griechen ein, wo wir unser Festmahl zu uns nehmen wollten. Wir waren die einzigen Gäste und so störte es niemanden, dass ich meine Stiefel auszog und fortan nur in Strümpfen wandelte.
Das Essen war gewohnt lecker, nur hatte ich das Problem, dass mein Kleid im Bauchbereich so eng war, dass nach der Vorspeise einfach nix mehr reinpasste. Der Reißverschluss hatte sich allerdings so an einem Abnäher verklemmt, dass er sich weder vor noch zurück bewegen liess. Bei Essen kenne ich keine Gnade, da musste eine Lösung her. Der Trauzeuge meines Mannes wusste auch eine, kramte ein Taschenmesser hervor, schnitt kurzerhand den Reissverschluss auf und wir konnten endlich alle ungestört das Festgelage fortsetzen. Anschließend fuhr ich alle wieder heim, wir wollten eine Mittagspause einlegen, bevor wir uns am Abend zu den eigentlichen Feierlichkeiten wiedertrafen. So hatte ich Gelegenheit, mich in bequemere und vor allem nicht kaputte Klamotten zu werfen und ein wenig die Aufregungen des Tages zu verdauen.
Für den Abend hatten wir uns zum Billard- und Dartspielen verabredet, was wir dann auch bis in die Morgenstunden und mit reichlich Alkohol taten. Sicherlich nicht gewöhnlich für eine Hochzeit, aber für uns genau richtig und selbst mit 10 Jahren Abstand würde ich es wieder so machen.

Da waren wir nun verheiratet. Ein Ehepaar. Mann und Frau. Für mich hatten diese Begriffe einen unwirklichen Klang, ich konnte sie nicht mit mir, mit uns vereinbaren. Verheiratet waren doch immer nur andere. Selbst die Ringe konnten mich nicht so recht von den Tatsachen überzeugen. Es dauerte ungefähr ein halbes Jahr, bis ich das alles letztendlich verinnerlicht hatte, bis ich sagen konnte, ja, ich bin verheiratet.
In dieser Zeit offenbarten wir uns Stück für Stück in der Familie und im Freundeskreis. Meinen Eltern sagten wir es zu Weihnachten und ich hatte furchtbare Angst vor der Reaktion meiner Mutter. Sie hatte zwar immer gesagt, dass sie das völlig in Ordnung finde, wenn man nur ganz klein heiratet und dass man das Geld doch für nützlichere Dinge verwenden könne. Als dann eine Freundin, die zugleich auch die Tochter eines der besten Freunde meines Papas ist, ganz klammheimlich auf den Maledivien (oder war es Mauritius) heiratete, befürwortete meine Mama lautstark diese Entscheidung. Doch trotz all dieser Äußerungen konnte ich nicht abschätzen, wie meine Mama letztendlich reagieren würde, wenn es um ihre eigene Tochter ging. Mein Mann und ich vereinbarten deswegen, dass wir es erst am 1. Feiertag erzählen wollten und bis dahin auch nicht die Ringe tragen, um meiner Ma ihren hochheiligen Heiligabend nicht zu verderben.
Meine Mama überraschte mich allerdings, denn als sie von der Hochzeit erfuhr, meinte sie, oh, dann sind wir das Problem jetzt los und Papa, mach mal den Sekt auf. Auch wenn mich der Spruch immer noch ein wenig wurmt, hätte alles doch viel schlimmer kommen können.

Ein großes Problem stand allerdings nach wie vor im Raum, denn mein Mann und ich führten von Beginn an eine Fernbeziehung. Er studierte und konnte nicht so einfach den Studienort wechseln und ich brauchte dringend einen Job, hatte Kredite an der Backe und Schulden bei meinem Exfreund, welcher mir zinslos Geld für den Autokauf geliehen hatte. Ich suchte verzweifelt einen neuen Job, nicht nur wegen der Fernbeziehung, sondern auch weil das Verhältnis zwischen meiner Firma und mir komplett zerrüttet war. Die Vorkommnisse von damals raubten mir damals und heute den Schlaf und ich wollte nur weg von dort. Jobs im Osten waren zu jener Zeit Mangelware, der Aufschwung kam nur langsam in Gang. Durch Zufall fand mich ein Headhunter und machte mir ein vielversprechendes Angebot, welches ich nicht ablehnen konnte. Mit dem allergrößten Vergnügen reichte ich Ende Januar 2006 meine Kündigung ein und bereitete mich vor, in 4 Wochen in eine neue Stadt zu ziehen. Glücklicherweise, oder leider, je nachdem von welcher Warte aus man es betrachtet, brach ich mir am Wochenende nach der Kündigung beim Schlittschuhlaufen das Handgelenk an und war 4 Wochen krank geschrieben, so dass sich immerhin die Wohnungssuche und die Umzugsorganisation ein wenig entschärfte.

Wir fanden tatsächlich eine schnuckelige kleine Wohnung in der bevorzugten Gegend und mit Hilfe von 3 Freunden schafften wir es, an einem Wochenende meine alte Wohnung leer und die neue Wohnung voll zu räumen. Der Umzug meines Mannes war weniger zeitkritisch, da sein Möbelbestand aus dem WG-Zimmer nicht wirklich überlebenswichtig war. Da der neue Job in meiner Heimatstadt war, pendelte ich ab März täglich 120 Kilometer einfache Strecke. Mir war das egal, Hauptsache ich konnte am Abend zuhause bei meinem Mann sein. Über 6 Jahre Fernbeziehung in meinem Leben reichten mir. Meine damalige neue Firma hatte mir zugesagt, dass die ersten 3 Monate zur Einarbeitung genutzt werden und ich erst danach in Projekte vermittelt würde. Anfang April kam die Anfrage, ob ich dann eine Woche später bei einem großen Projekt bei Frankfurt mitmachen möchte. Wobei „Anfrage“ nett formuliert ist, denn mitten in der Probezeit bei generell prekärer Jobsituation in der Gegend ist es völlig egal, wie die Frage formuliert ist oder ob einem noch die Pistole auf die Brust gesetzt wird, die Antwort lautet immer gleich. So wurden aus geplanten 3-4 Monaten Einrichten im Eheleben 6 Wochen und ich war wieder mitten drin in der so verhassten Fernbeziehung. Als einziges Zugeständnis machte mir meine Firma den Vorschlag, nur Montags bis Donnerstag im Projekt zu arbeiten, Freitags sollte ich wie gewohnt pendeln. Klingt toll, war es aber nicht, denn der Projektpartner geht davon aus, dass man die vereinbarten Stunden bringt, egal wie. Durch die An- und Abreise konnte ich zwei Tage nur halbtags anwesend sein und musste die Fehlstunden an den verbleibenden 2 Tagen nacharbeiten, statt die Stunden auf 3 Tage strecken zu können. Hieß letztendlich, 3 Tage 11-12 Stunden Arbeit. Gaaaanz toll.
Als ich dann darum bat, im letzten Monat der Probezeit 2 Wochen Urlaub nehmen zu können, um unsere Flitterwochen in Frankreich zu verbringen, durfte ich nur eine Woche nehmen. All diese Kleinigkeiten belasteten das junge Eheglück, indem wir gerade versuchten uns einzurichten und aneinander zu gewöhnen. Mein Mann hatte ein Jahrzehnt in teilweise sehr großen WGs gewohnt und wurde quasi von jetzt auf gleich mehr oder weniger zur Einzelexistenz verdonnert, während ich es mir im Singleleben gemütlich gemacht hatte und nun wieder Rücksicht nehmen musste. Natürlich gab es Spannungen, doch ging ich Streits oft aus dem Weg, denn ich wollte meine kostbare Zeit daheim nicht damit vergeuden.

Die Flitterwochen rückten näher und es zogen das erste Mal große dunkle Wolken auf. Es waren auch keine richtigen Flitterwochen. Der beste Freund meines Mannes hatte vor Jahren eine Französin kennengelernt, hatte mir ihr ein Kind und war dann nach Frankreich ausgewandert. Nun wollten die beiden heiraten, in Frankreich, und sie luden alle Freunde aus Deutschland zur Feier ein und boten an, anschließend gemeinsam ein paar Tage in einem Haus in der Bretagne zu verbringen. Dieses Angebot konnten wir unmöglich ausschlagen, denn einen echten Urlaub mit Hotels und Restaurants hätten wir uns damals nie leisten können. Wir kamen finanziell irgendwie über die Runden, lebten aber mehr oder weniger komplett von meinem Einkommen, welches aber durch die Kreditratenzahlungen und die Rückzahlung des Darlehens meines Ex-Freundes merklich geschmälert wurde. Er ging zwar nach wie vor jobben, mehr als ein Zubrot war das jedoch nicht. Natürlich übernahm ich alle Fixkosten wie Miete, Internet, Telefon, Versicherungen, etc. Mein Mann musste nur die Stromrechnung zahlen. Dies hatte er schon in der WG übernommen, wo einer eben für Strom, der andere für Telefon, der nächste für Wasser, usw. verantwortlich war.
Als endlich, nach über einem Jahr, der erste gemeinsame Urlaub anstand, konnte ich es kaum abwarten, loszufahren. Ich war einfach komplett urlaubsreif, ich hatte die Nase vom neuen Job voll, die ewigen Geldsorgen nervten und meine Psyche hatte noch keine Gelegenheit gehabt, sich ein wenig zu erholen. Wenigstens konnte ich mich auf meinen Mann verlassen.

Dachte ich. Einen Tag vor unserer Abreise nach Frankreich klingelte es an der Tür und ein netter Herr von den Stadtwerken stand davor. Wir wären mehrere Monate im Verzug mit unserer Stromrechnung und entweder zahlten wir sofort den offenen Betrag plus Bearbeitungsgebühr oder er klemmt die Stromzufuhr an, dann müssten wir das wieder freischalten lassen, was ungefähr nochmal soviel kostet.
Wie jetzt, Stromrechnung nicht bezahlt, Zahlungserinnerungen ignoriert, mehrere Monate lang? Ich fiel aus allen Wolken und das mit 180 Puls!
Tags zuvor war ich bei der Bank und hatte unser Urlaubsbudget in bar vom Automaten geholt. Von diesem bezahlte ich den Strommann und halbierte damit unser Urlaubsgeld. Was für ein toller Start in die Flitterwochen.
Der Urlaub selbst war dann auch nicht so dolle, was mit daran lag, dass ich zum damaligen Zeitpunkt ein ziemlich unsympathischer Mensch war und mir große Menschenansammlungen eher nicht so lagen. Und mein Mann tat sein Übriges. Nach dem gut durchorganisierten Hochzeitswochenende war die Restwoche frei gestaltbar. Nur abends kamen alle zusammen, aßen die gemeinsam gekochten Mahlzeiten und spielten oder unterhielten sich. Tagsüber konnte jeder nach eigenem Gutdünken gestalten.
Da ich mir gerne die Gegend anschaue, in der ich gerade bin, plante ich Tagesausflüge in nahe gelegene Kloster, auf Burgen, zu Leuchttürmen, in Städte. Ich versuchte, meinen Mann so gut es ging mit in die Planungen einzubeziehen, aber ihm war das alles egal bzw. kannte er eine solche Urlaubsgestaltung nicht. Für mich hingegen war es normal, auch mal eine oder anderthalb Stunden zu einem Ziel zu fahren. Als wir eines Tages einen solchen längeren Ausflug unternahmen, kam abends die Bitte meines Mannes, nie wieder so etwas zu machen, er hätte sich ganz furchtbar gelangweilt. Auf mein Anraten, mir dann doch bessere und nähere Ausflugsziele zu nennen, kam nur ein Schulterzucken.
Irgendwie überlebten wir den Urlaub und ich begab mich anschließend zurück ins tägliche Joch, genannt Arbeit, wo sich aber mehr und mehr herauskristallisierte, dass ich am Ende meiner Kräfte bin. Seit September war ich aus dem Projektgeschäft raus, ab November ging ich nur noch sporadisch auf Arbeit, entschuldigte mich immer öfter mit Home Office und ab dem neuen Jahr war ich fast komplett krank geschrieben. Ich hatte Panikattacken, je näher ich dem Arbeitsort kam und eines Tages bin ich noch vorm Erreichen der Autobahn in meinem Auto zusammengebrochen. Ich bemühte mich bei meiner Firma um Kündigung, damit ich nicht in die Sperrfrist des Arbeitsamtes laufe, wenn ich selber kündige oder den Vertrag aufheben ließ. Erst, nachdem ich hoch und heilig versprochen hatte, nicht gegen die Kündigung zu klagen, wurde ich entlassen.
Damals dachte ich, ein paar Monate Ruhe würden reichen, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich wollte nochmal studieren oder eine Lehre anfangen oder vielleicht würde ich einen gänzlich anderen Job finden. Irgendwas, nur nicht mehr das verhasste Projektgeschäft. Ende Februar war ich gekündigt und genoss meine neue Freiheit genau eine Woche lang. Danach begann für mich der endgültige Absturz in Depressionen und Angststörungen. Gab mir der Job bis dahin wenigstens ein bisschen Halt, verlor ich diesen nach der Kündigung komplett. Mein Mann war völlig überfordert mit dieser Situation, wusste nicht, wie er mir helfen sollte und zog sich zurück. Meine Krankheit gipfelte darin, dass ich das Haus nicht mehr verlassen konnte, nicht mal mehr, um einen wichtigen Termin beim Arbeitsamt wahrzunehmen, worauf hin mir meine Leistungen prompt gekürzt wurden. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits in psychotherapeutischer Behandlung, aber die konnte angesichts der schieren Größe der Problematik nichts mehr ausrichten und tat das Einzig mögliche: sie organisierte mir einen Platz in einer stationären Therapieinrichtung.
Ab Mai war ich so 12 Wochen weg vom Fenster, durfte das Klinikgelände nicht verlassen. Mein Mann besuchte mich am Wochenende und Dienstags für ein paar Stunden und bemühte sich so gut er konnte um mich. Nach den 12 Wochen wurde ich entlassen und wurschtelte mich ein Jahr lang mit der Krankheit durch. Ich habe das Haus immer noch nur sehr selten verlassen. In der Therapie wurden meine ganzen Schutzmechanismen zerstört, ohne mir neue an die Hand zu geben. Ich fand die ganze Welt bedrohlich und konnte nichts dagegen tun. Einmal wöchentlich sah ich meine Therapeutin, so ich es denn aus der Wohnung schaffte. Manchmal sah ich sie 4 Wochen lang nicht.

Mein Mann war in dieser Zeit mein einziger Bezugspunkt. Er kümmerte sich um mich, ging für uns einkaufen oder erledigte Gespräche mit Behörden oder Ärzten, zu denen ich nicht in der Lage war. Er tröstete mich, wenn die gesamte Welt über mir zusammenbrach, er ermutigte mich, falls ich doch mal so etwas wie Ehrgeiz oder Motivation zeigte.
Und langsam ging es bergauf. Ich lernte neue Mechanismen und war nicht mehr ganz so schutzlos. Um aber wirklich wieder in der Welt zurecht zu kommen, bedurfte es einer zweiten Therapie. Einer, in der ich mich erproben konnte, ohne ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen. Wieder sprang meine Therapeutin ein und organisierte mir den nächsten stationären Therapieplatz. Im Juni 2008 ging es los, aber diesmal mit wesentlich mehr Freiheiten. So durfte ich während der Freizeit das Klinikgelände verlassen und jedes Wochenende Sonnabend früh nach Hause, um erst Sonntag abend wieder zurück sein zu müssen. Mein Mann besuchte mich wiederum jeden Dienstag nachmittag und wir nutzten die Zeit, um über unsere Beziehung zu reden. Ich lernte während der Therapie, was unser beider Verhalten bei jeweils anderen auslöst. So hatte mein Mann nie gelernt, mit Kritik umzugehen. Sobald man auch nur den kleinsten Fehler bemängelte, stellte er sich als gesamte Person komplett in Frage und machte dicht. Und ging zum Angriff über. Ich wiederum konnte die daraus resultierende Spannung nicht ertragen und gab über kurz oder lang klein bei, was mich immer als Verlierer dastehen ließ. Und ich bin ein lausiger Verlierer.
So schaukelten sich kleinste Dinge zu ausgewachsenen Streits hoch, bei denen wir uns anschrien und sämtliches Schlechtes vor die Füße warfen. Dabei waren die Kritikpunkte immer die gleichen: die mal wieder angemahnte Stromrechnung und der nicht erledigte Abwasch. Er ließ dreckiges Geschirr immer so lange liegen, bis ich entnervt einen Teller abwaschen musste, um überhaupt essen zu können. Das Entnervtsein bleib meinem Mann nicht verborgen und so machte er sich widerwillig an den Abwasch, für den er dann gerne auch mal 4 Stunden in der Küche stand. Hinterher beklagte er sich bei mir über sein Schicksal, gerade 4 Stunden in der Küche gestanden zu haben. Was mich nervte, denn hätte er eher abgewaschen, wäre es nur eine Stunde gewesen.
Aber komm mir nicht mit Logik!

In der Therapie lernte ich, dieses Teufelskreis aufzudröseln. Zu erkennen, was die entstehenden Spannungen bei mir auslösen und das bewusst auszuhalten. Meinen Kommunikationsstil zu ändern, weg vom „du“, hin zum „ich“. („Du hast mal wieder den Strom nicht bezahlt.“ <–> „Ich mache mir Sorgen, dass uns der Strom wieder abgeklemmt wird.“). Stück für Stück verbesserte sich unser Umgang miteinander, die Auseinandersetzungen wurden weniger und wenn sie doch auftraten, waren sie weniger heftig. Allerdings konnte ich nicht verhindern, dass sich mein Mann bei Kritik weiterhin in Frage stellte.
Hinzu kam, dass es mit seinem Studium überhaupt nicht voran ging. Als wir uns kennenlernte, fragte ich ihn, wie lange er noch studieren müsste. 2 Jahre war damals seine Antwort. Als ich ihn 3 Jahre später fragte, waren es immer noch 2 Jahre. Er hatte es sich gut in unserer Beziehung eingerichtet und sah überhaupt keinen Grund, etwas zu ändern. Ich war da anderer Meinung und drängte ihn dazu, endlich in die Pötte zu kommen. Nach längerer Diskussion machten wir einen Deal: er darf noch ein Jahr studieren, muss aber in dieser Zeit die Prüfung zum großen Latinum ablegen. Wenn er durchfällt, bricht er sein Studium ab und geht Vollzeit bei seinem Arbeitgeber (wo dies tatsächlich problemlos möglich war) arbeiten. Wenn er besteht, studiert er die besagten 2 Jahre weiter und macht seinen Abschluss. So oder so wäre in 3 Jahren Schluss. Für uns beide endlich ein realistisches Ziel, denn ich hatte keinen Bock, ihn bis ans Ende der Tage durchzufüttern, schon gar nicht, wenn er daheim rumlungert, während ich malochen gehe.
Obwohl ich ihn nach besten Kräften unterstützte, spannende lateinische Texte für ihn suchte, ihm den Rücken freihielt, fiel er durch beide Prüfungen durch. Aber er hielt sein Wort und ging fortan arbeiten. Sein Studentenvertrag wurde in einen 20-Stunden-Plus-Vertrag gewandelt, mehr war damals nicht drin. So hatte er endlich einen geregelten Tagesablauf mit verlässlichem Einkommen, denn das war in der Zwischenzeit dringend nötig geworden.

Während der zweiten stationären Therapie wurde ich nämlich schwanger und das änderte sämtliche Rahmenbedingungen. Ich hatte einen enorm wichtigen Grund, richtig gesund zu werden und mein Mann einen Anreiz, auch sein Leben zu ordnen. Wir brauchten eine größere Wohnung und mussten für das Baby vorsorgen, Klamotten, Möbel, Informationen.
Wir machten uns beide an die Bewältigung dieser Aufgabe. Ich suchte die Wohnung, er ging arbeiten. Ich organisierte den Umzug, er ging arbeiten. Ich besorgte Klamotten und Möbel, er ging arbeiten.
Damals war diese Arbeitsaufteilung völlig in Ordnung. Durch die Schwangerschaft konnte ich nicht arbeiten gehen bzw. war ich noch durch die Krankheit arbeitslos und der Vermittler der Arbeitsagentur versuchte gar nicht erst, mich in Lohn und Brot zu bringen. Ich organisierte eh gern, etwas, was meinem Mann völlig fremd ist. Er packt an, wenn man ihm sagt, was wann wo gemacht werden muss, aber sich Gedanken über was wann wo zu machen, ist überhaupt nicht sein Ding. Mir fiel also gar nicht auf, dass wir bereits in die nächste große Krise schlitterten, so abgelenkt waren wir durch das Baby.

Er war völlig überfordert mit dieser Situation und der Verantwortung, die sie mit sich brachte. Aktive Konfliktbewältigung hat mein Mann nie gelernt, für ihn hat immer die Strategie „Wegducken und abwarten“ am Besten funktioniert, so dass er sie auch jetzt wieder anwandte. Er zog sich in sich selbst zurück, hat nicht über die ihn beschäftigenden Gedanken geredet. Er ging viel arbeiten, was im Gegenzug bedeutete, dass ich viel allein war. Als der Große dann da war, spitzte sich die Überforderung zu. Er bemühte sich zwar nach Kräften, mich zu unterstützen, aber definierte er Unterstützung völlig anders als ich. Ihm war es wichtig, für die Familie zu sorgen, finanzielle Sicherheit zu schaffen, den Kühlschrank zu füllen. Mir hingegen war seine Teilnahme am Familienleben wichtig, gemeinsame Unternehmungen, Arbeitsteilung.

Als er das erste Mal Windeln wechseln sollte, wurde seine Überforderung deutlich. Er stand vor der Wickelkommode, der kleine Wurm recht entspannt drauf liegend, die Hebamme neben ihm erklärte geduldig die einzelnen Schritte, ich stand als stummer Beobachter daneben. Meinem Mann zitterten die Hände und er war fahrig, traute sich kaum, den Kleinen anzufassen. Einen Arm in einen Ärmel stopfen trieb ihm die Schweißperlen auf die Stirn und er war mehrmals kurz davor, das Zimmer zu verlassen.
Ich glaube ihm, wenn er sagt, er hatte Angst, dem Kerl irgendwie weh zu tun, doch erklärt das nicht die Reaktion. Denn wenn man sich einer bestimmten möglichen Auswirkung bewusst ist, dann setzt man alles daran, es nicht so weit kommen zu lassen. Die Sinne sind geschärft und schon das kleinste Unbehagen wäre registriert worden.
Was ihm so zu schaffen machte war, dass er in eine ihm unbekannte Situation gezwungen wurde, in der er Verantwortung übernehmen musste, aus der er jedoch nicht fliehen konnte. Alles in ihm war auf Flucht ausgerichtet, aber es gab keinen Ausgang.
Im Übrigen machte er das mit dem Windelwechsel großartig, der Kleine war die ganze Zeit entspannt und hat nicht ein einziges Mal gejammert. Und nach dem ersten erfolgreichen Mal waren alle weiteren ein Kinderspiel.
Die Situation mag banal erscheinen, sie zeigt aber genau das Problem der meisten zukünftigen Konflikte und einen der Hauptgründe, warum die Ehe on so unruhiges Fahrwasser geriet.

Wegducken, um keinen Preis Verantwortung übernehmen, Konflikte mit sich selber ausmachen. Seit der Geburt intensivierte sich dieses Muster mit jedem Tag. Ich brauchte einen Partner, mit dem ich über alle anstehenden Dinge reden konnte, mit dem ich gemeinsam Probleme klärte, mit dem ich mich in die Verantwortung teilen konnte. Aber diesen Partner gab es nicht. Sehr oft in jener Zeit bezeichnete ich meinen Mann als weiteres Kind. Die gesamte Last jeglicher Entscheidungen lag auf meinen Schultern. Es ist ja auch wahnsinnig bequem, wenn jemand anderes die Verantwortung übernommen hat, denn dann kann man ihm auch wunderbar die Schuld geben, wenn etwas nicht wie geplant klappt.

Ich merkte, wie sehr mich die Gesamtsituation belastete. Im Jahr nach der Geburt waren wir auf Hartz-IV angewiesen. Da ich vor der Geburt ein Jahr Krankengeld und ein Dreivierteljahr Arbeitslosengeld bezogen hatte, hatte ich nur Anspruch auf den Basissatz Elterngeld, denn Kranken- und Arbeitslosengeld gelten nicht als Einkommen. Mein Mann hatte nur seinen 20-Stunden-Vertrag und in Summe reicht das einfach nicht, um eine dreiköpfige Familie durchzubringen. Zudem war unsere Wohnung für die Behörde zu groß, so dass wir den vollen Mietzuschuss nur im ersten halben Jahr bekamen, danach fehlten uns monatlich 150€. Nur weil absehbar war, dass wir nach der Elternzeit vorerst nicht mehr auf Hartz-IV angewiesen sein werden, sah das Amt davon ab, uns zum Umzug zu zwingen.
Direkt nach der Geburt bemühten wir uns um einen Krippenplatz, auf den damals noch kein Rechtsanspruch bestand. Wir rannten pausenlos zum Jugendamt, wir scannten minütlich das Kindergartenplatzportal der Stadt nach freien Plätzen, wir sprachen persönlich in allen Kindergärten der Umgebung vor. Vergeblich. Dadurch ergab sich die Situation, dass mein Arbeitslosengeld gefährdet war, auf das ich nur Anrecht hatte, wenn ich dem Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur Verfügung stehe und das ging nur, wenn ich einen Kinderbetreuungsplatz hätte. Für den man allerdings vom Jugendamt nur bevorzugt berücksichtigt wird, wenn man einen Arbeitsplatz hat, der eine Kinderbetreuung nötig macht. Katze -> Schwanz. Es war zum Verzweifeln.
Gleichzeitig liefen alle meine Bewerbungen ins Leere. Eine Absage nach der anderen, sofern sich die angeschriebenen Unternehmen überhaupt meldeten. Selbst die vom Arbeitsamt genehmigte Weiterbildung brachte keinen Erfolg. Das Jahr Arbeitslosengeld näherte sich dem Ende und wir standen erneut vor Hartz-IV. Ich machte mir wahnsinnige Sorgen um die Zukunft, ich lag nächtelang wach und überlegte hin und her. Ich versuchte, mit meinem Mann darüber zu sprechen, fand aber keinen Zugang zu ihm. Ich spürte, wie ich wieder in das schwarze, bodenlose Loch der Depression glitt, aus dem ich gerade eben erst so mühsam herausgekrabbelt war. Nur gab es diesmal keinen Mann, der mir seine rettende Hand reichte.

Kurz vor knapp ergatterte ich doch einen Job und zumindest die finanziellen Sorgen waren damit erledigt. Ich lernte nette Kollegen kennen und konnte endlich wieder über anderen Themen als Windeln wechseln oder Babybrei reden. In der Zwischenzeit hatten wir einen Tagesvater für die Betreuung des Kindes gefunden, dieser stellte sich jedoch als sehr unzuverlässig heraus, so dass wir mitunter ganz schön rotieren mussten, um Kind und Arbeit unter einen Hut zu kriegen.
Durch die Gespräche mit den Kollegen wurde mir mehr und mehr bewusst, wie gestört unsere Ehe eigentlich war. Ich selber hatte das nicht so gesehen, doch der unverstellte Blick von außen zeigte ein anderes Bild. Ich versuchte, mit meinem Mann darüber zu reden, aber er hatte sich bereits so sehr in sich selbst zurück gezogen, dass ich keinerlei Zugang zu ihm fand. Ich weinte, ich schrie ihn an, er reagierte Null.
So dermassen allein gelassen, kam es wie es kommen musste, auf einmal waren andere Männer wieder attraktiv. Ich verliebte mich in einen Kollegen. Zuerst stemmte ich mich noch dagegen, versuchte weiterhin meinen Mann zu Gesprächen zu bewegen, aber als ich wieder und wieder scheiterte, gab ich auf. Ich setzte mich eines Abends mit ihm hin, mit den berühmten Worten „wir müssen reden“ und erklärte ihm, dass ich unsere Ehe für gescheitert erachte und ich die Beziehung beenden möchte. Natürlich mit Rücksicht auf unser Kind so stressfrei wie möglich, wir müssten auch nicht überstürzt ausziehen. Wir könnten alles in Ruhe regeln, selbst die Scheidung muss nicht sofort forciert werden.

Ein Zeichen dafür, wie gestört die Beziehung war, ist die Reaktion meines Mannes, der ernsthaft glaubte, dass „wir müssen reden“ darin münden würde, dass ich ihm sage, ich bin wieder schwanger, während ein weiteres Kind das allerletzte war, was ich in der Situation wollte.

Die Beziehung mit dem Ex-Kollegen war eine absolute Katastrophe und im Nachhinein eine der größten Dummheiten, die ich je verzapft habe. Selten hat mich etwas emotional so kaputt gemacht, so nachhaltig zerstört wie die drei Monate mit diesem narzistischen Egomanen, dessen einziges Ziel war, sein Ego um jeden Preis zu pushen. Natürlich hab ich das erst nach und nach mitbekommen, am Anfang hoffte ich nur auf einen Anker, der mit in diesen turbulenten Zeiten Halt gibt, mich emotional unterstützt und mir ein wenig den Rücken freihält. Denn zum Beziehungsende hatte ich auch gleich den Arbeitsplatz gewechselt. Und zu allem Überfluss war die alte Wohnung bereits gekündigt. Bei mir war also alles im Umbruch.
Mein Mann derweil wachte endlich aus seinem Verantwortungskoma auf. Vermutlich war dieser harte Schnitt das einzige Mittel, um ihn wirklich aufrütteln zu können. Er bemühte sich nach Kräften, um selbst nicht den Halt zu verlieren. Vor allem aber wollte er nicht so einfach aufgeben. Also kümmerte er sich um eine Paartherapie, die zunächst nur darauf ausgerichtet war, einen vernünftigen Umgang zwischen uns beiden sicherzustellen. Doch schon bei der ersten Sitzung merkten wir beide, dass wir noch lange nicht miteinander fertig waren. Als er gefragt wurde, was ihm an mir denn ursprünglich so gefallen hatte, machte er mir eine glühende Liebeserklärung. Im Gegenzug konnte ich ebenso jede Menge toller Sachen auflisten, an die ich mich kaum mehr erinnert hatte, weil die akuten Probleme des Alltags all dies übertüncht hatten. Nach der zweiten Sitzung beendete ich die Nebenbeziehung mit dem Ex-Kollegen und fühlte mich seit Monaten wieder frei und erleichtert.
Bei einem gemeinsamen Abendessen redeten mein Mann und ich ausführlich über alles, was uns bewegt, was für Sorgen wir haben, was wir voneinander erwarten, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Erneut stellten wir fest, dass wir grundsätzlich in die gleiche Richtung schauen und uns viel mehr eint als trennt. Wir beschlossen, unsere Ehe fortzuführen, gemeinsam in die von mir ausgesuchte Wohnung zu ziehen und generell ein wenig besser aufeinander aufzupassen.

Das klappte am Anfang auch ganz gut. Mein Mann kümmerte sich wieder um die Familie und um sich selbst. Denn in seiner Abgeschottetheit hatte er nicht nur uns, sondern eben auch sich aus den Augen verloren. Durch die Trennung reaktivierte er seinen Freundeskreis, traf sich mit Kumpels, ging abends weg.
Er war zudem bereit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. So wollte er endlich den Führerschein machen, vor dem er sich immer gedrückt hatte. Es wäre ihm zu stressig, zu viel Verkehr, die vielen anderen Autos. Letztendlich eine Ausrede nach der anderen, um bloß keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Denn sitzt man einmal am Steuer eines Autos, dann entscheidet man, wohin die Reise geht und ist zuständig für die Sicherheit aller Insassen und teilweise auch für die der anderen Verkehrsteilnehmer. Ein Wegducken ist nicht möglich. Dennoch meldete er sich bei einer Fahrschule an und machte sogar den Erste-Hilfe-Kurs. Dann jedoch war die Vermeidungsstrategie zu stark und das ganze Vorhaben verlief im Sand.

Während der Paartherapie bekamen wir von der Therapeutin Aufgaben gestellt, die unsere Kommunikation und das Zusammenleben verbessern sollte. Eine dieser Aufgaben beinhaltete, dass wir einen regelmäßigen Termin etablieren sollten, an dem wir uns einmal die Woche 90 Minuten füreinander Zeit nehmen. Dabei sollten für das Zuhören neu lernen. Jeder Partner bekam einen festen Zeitblock, 30 Minuten, eingeräumt, in dem er alles erzählen könne, was ihn beschäftigt. Der andere darf ihn in dieser Zeit nicht unterbrechen, sondern hört sich alles aufmerksam an. Nach den 30 Minuten ist der andere dran und darf ungestört erzählen. Hinterher kann man gemeinsam über das Gehörte sprechen. Ich fand die Idee klasse, denn das war genau das, was ich mir gewünscht hatte. Gehör zu finden. Es mag bezeichnend sein für unsere Beziehung, dass wir es nicht ein einziges Mal schafften, einen solchen Termin zu realisieren.
Eine andere Aufgabe war, dass mein Mann eine gemeinsame Unternehmung ganz allein planen sollte. Er suchte das Ziel aus, er sagte, wann es los ging, er bestimmte, welche Sachen wir dazu benötigten. Ich sollte ihn einfach machen lassen, nicht reinreden und vor allem nicht bereits vorher kritisieren. Allerdings wäre mir das nie in den Sinn gekommen. Ich wollte immer schon, dass wir mehr gemeinsam unternehmen, aber jedes Mal, wenn ich einen Vorschlag brachte, wurde der abgelehnt. Zu weit, zu teuer, interessiert mich nicht, keine Lust, schlechtes Wetter. Völlig gleich.
Dieses Mal erklärte sich mein Mann dazu bereit, er schaute im Internet nach interessanten Zielen in der Umgebung und eine Woche später fuhren wir zu einem kleinen Dorf im Umland, wo wir uns eine kuriose Kirchenattraktion anschauten. Anschließend ging es in einen nahe gelegenen Wald, wo wir zwei Stunden durch frisches Frühlingsgrün spazierten. Der Kleene konnte durchs Unterholz toben, wir Großen redeten. Entspannt und glücklich fuhren wir danach heim und alle fanden, das dies ein gelungener Ausflug war.

Ich hoffte, dass dieses positive Beispiel meinen Mann motivieren würde, sich auch in Zukunft mehr zuzutrauen, mehr Ausflüge zu planen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Leider blieb es bei diesem einen Ausflug und meine Vorschläge wurden wie gewohnt abgeschmettert. Ab und zu kam mal ein „wir könnten doch dies oder jenes machen“, aber es blieb immer beim Konjunktiv.
Dazu kam, dass uns der Alltag schnell wieder im Griff hatte, neue Wohnung, endlich ein Kindergartenplatz, die neue Arbeitsstelle. So viele Dinge, die unsere Aufmerksamkeit verlangten, zu wenig Zeit und Energie, um sich den Nebenkriegsschauplätzen widmen zu können. Immerhin hatten wir einen Teil der alten Vertautheit wieder gefunden und dies blieb nicht folgenlos.

Im Juni 2013 war ich erneut schwanger und erneut änderten sich wieder die Rahmenbedingungen. Zwar wussten wir beide ungefähr, was auf uns zukommt, doch trieb uns zugleich die Sorge um, ob und wie wir das mit zwei Kindern hinbekommen würden. Die Sorge stellte sich zunächst als unbegründet heraus, denn wie aufmerksame Blogleser wissen, endete diese erste zweite Schwangerschaft in einer Fehlgeburt in der 6. Woche. Und auch diese Situation stellte sich im Nachhinein als Zustandsbeschreibung unserer Beziehung heraus.
Mein Mann und ich waren gemeinsam beim ersten Vorsorgetermin, bei dem ich kurz vor der Untersuchung eine leichte Blutung feststellte. Die Ärztin bemerkte vermutlich das Gleiche, denn sie wollte mir keinen Mutterpass ausstellen, obwohl im Ultraschall eine schöne Fruchthöhle zu sehen war. Intuitiv spürte ich, dass etwas nicht stimmte und brach innerlich völlig zusammen. Ich hatte mich so auf ein zweites Kind gefreut und diese Freude wandelte sich on pure Verzweiflung.
Da wir nach der Untersuchung noch den Kleenen vom Kindergarten abholen mussten, riss ich mich zusammen, um nicht völlig verheult an der Bushaltestelle zu stehen, war aber still geworden und antwortete meinem Mann nicht mehr. Dieser erzählte und erzählte und bekam gar nicht mit, dass ich nicht zuhörte, dass ich am ganzen Körper zitterte und mit den Tränen kämpfte. Erst als wir daheim waren, über eine Stunde später, fiel ihm die Veränderung auf. Zu meiner Verzweiflung kam noch bittere Enttäuschung, irgendwie hatte ich mehr erwartet, mehr Rücksicht oder mehr Aufpassen oder mehr Sensibilität.
Am nächsten Tag war deutlich, dass es zu einem vorzeitigen Abbruch gekommen war, ich wurde drei Tage krank geschrieben und pflegte in dieser Zeit meine Verzweiflung.

Zufall? Schicksal? Karma? Glück? Was auch immer es war, ich wurde jedenfalls direkt im nächsten Zyklus wieder schwanger und diesmal blieb das Kind. Die Vorzeichen und Sorgen änderten sich jedoch nicht. Was sich änderte, war meine Einstellung zum Leben.
Schon lange Zeit hatte ich eine Rundreise durch den Süden Englands geplant. Zuerst wollte ich die Reise alleine antreten, denn nach dem Frankreichdesaster war ich der Auffassung, dass mein Mann einen hauptsächlich im Auto stattfindendenden  Urlaub generell ablehnen würde. Als ich ihm von meinem Plan erzählte, protestierte er, er würde sehr wohl so eine Reise mitmachen und auch das viele Autofahren würde ihn nicht stören. Blieb noch die Frage, was wir mit dem Kind machen. Ich fand, dass diese Art Urlaub nichts für ein kleines Kind von 2 oder 3 Jahren wäre. Wir versuchten, unseren Urlaub mit denen der Großeltern zu synchronisieren, aber ein ums andere Jahr wollte uns das nicht gelingen. Als ich dann schwanger wurde, sah ich mich mindestens die nächsten 10 Jahre im immer gleichen Nest an der Ostsee Urlaub machen, weil man solche Urlaube eben mit kleinen Kindern macht und ging fest davon aus, als Konsequenz niemals mehr nach England zu kommen.
So organisierte ich innerhalb von 2 Monaten die 3-wöchige Rundreise – nachzulesen auf 9erblogunterwegs. Mein Mann half mir tatkräftig bei der Planung und tat durch Internetrecherchen und Freundesbefragung unzählige Ziele auf, die einen Besuch lohnten. Wir warfen alle unsere Ziele zusammen und stellten dann gemeinsam den Urlaubsreiseplan auf, der die Vorlieben und Wünsche jedes Beteiligten berücksichtigte. Wie allgemein bekannt, war der Urlaub ein voller Erfolg, noch heute schwärmen wir drei davon.
Es ist ein neuerlicher Beweis, dass mein Mann völlig unbegründet diese Panik vor der Verantwortung hat, denn alles, was er bislang angepackt hat – vom leidigen Stromrechnungsthema mal abgesehen – hatte Hand und Fuß und gelang.

Aber irgendwie will das einfach nicht in den Kopf meines Mannes. Denn je mehr die Schwangerschaft fortschritt, desto mehr begann er sich wieder zurückzuziehen, wieder in die alten Muster zu verfallen. Die Fahrschule war schon lange ad acta gelegt, sämtliche Entscheidungen rund ums Kind hat er mir überlassen. Selbst beim Thema Namen drückte er sich davor. Beim ersten Kind war er noch aktiv beteiligt, machte Vorschläge und wir palaverten lang und breit, bis wir uns auf einen Namen einigen konnte. Da wir das Geschlecht vorher nicht wussten, hatten wir sogar Jungen- und Mädchennamen parat. Beim zweiten Kind kam gar nichts. In meiner Verzweiflung bat ich die Ärztin, nachzuschauen, was es wird, um wenigstens die Auswahl eingrenzen zu können. An unserem Hochzeitstag gingen wir wie üblich essen und ich wollte die gemeinsame Zeit nutzen, um über mögliche Namen zu diskutieren. Ich schlug meinen Favoriten vor, er sagte, ok, geht klar. Fertig. Einerseits freute es mich, dass mein Vorschlag angenommen wurde, andererseits fühlte es sich an, als hätte ich jeden x-beliebigen Namen (außer vielleicht Stahlfrieda) nehmen können und es wäre ihm genauso egal gewesen. In den Monaten vor der Geburt überlegte ich hin und her, wie wir das platzmäßig hinkriegen. Dass das Kinderbett bei uns im Elternschlafzimmer stehen würde, war klar. Aber wohin mit den Anziehsachen, Wickeltisch, etc.? Ich entschied alles alleine, organisierte alles alleine, baute alles alleine um. Mein Mann war schon längst wieder in seiner eigenen Welt und ich hab es wieder mal nicht mitbekommen.

Das Kindlein kam und wir hatten erstmal genug zu tun, uns in der neuen Situation zurecht zu finden. Die Kleene war außerdem richtig anstrengend, knapp an der Grenze zum Schreikind. Die OP und der Krankenhausaufenthalt kurz nach der Geburt waren ebenso wenig zuträglich für die Gesamtsituation. Um nicht komplett einzugehen, widmete ich mich den damaligen Urlaubsplänen, 3 Wochen Italien. War bei der Englandplanung mein Mann noch voll dabei und machte einen Vorschlag nach dem anderen, was wir uns anschauen könnten, so war bei Italien nach dem initialen Enthusiasmus ganz schnell Feierabend. Ich versuchte wieder und wieder, mit ihm die Pläne durchzusprechen, aber er hörte, wenn überhaupt, dann nur mit halbem Ohr hin.
Natürlich drückte das alles auf die Grundstimmung, aber ich dachte, dass ein Urlaub, ein Ausbrechen aus dem Alltag, uns allen gut tun würde und sich dadurch vielleicht auch etwas ändert.

Leider war dem nicht so. Der Urlaub war nicht so toll wie erhofft, was unter anderem daran lag, dass die meisten Pläne auf meinem Mist gewachsen waren und sich mein Mann dementsprechend nicht darin wieder fand. Dies wiederum quittierte er durch ausgiebiges Grummeln, was sich auf meine Stimmung niederschlug und er mir immer wieder vorwarf, ich hätte schlechte Laune. Die Erholung hielt sich in Grenzen, selbst wenn wir jetzt mit einigem Abstand durchaus positiv auf die Reise und die damit verbundenen Erinnerungen zurückschauen können.
Aber es hatte sich eben nichts an der Gesamtsituation geändert. Mein Mann lebte immer noch mehr oder weniger für sich, ich war mehr oder weniger frustriert und wir lebten mehr oder weniger nebeneinander her. Der Urlaub hatte ein ordentliches Loch in unseren Geldbeutel gerissen, welches durch andere ungeplante Ausgaben noch vergrößert wurde. Mich belasten finanzielle Sorgen seit je her stärker als es andere Personen belasten würde, weswegen ich auch nie ein Haus auf Pump kaufen könnte. Es nervt mich jetzt schon massiv, dass ich das neue Auto in den nächsten 2 Jahren abstottern muss. Meinen Mann lassen solche Sorgen kalt. Es mag sein, dass ich an dieser Einstellung maßgeblich Schuld bin, denn in der Vergangenheit habe ich es immer wieder geschafft, eine schnelle und wirksame Lösung für solche Engpässe zu finden. Doch dieses Mal waren alle unsere Reserven aufgebraucht und das Ende der Fahnenstange definitiv erreicht. Ich konnte meinem Mann von den Sorgen erzählen, hätte dies aber genauso gut auch der Wand sagen können, wobei ich bei der Wand gar nicht erst erwartet hätte, dass sie mir zuhört.

Das Ende vom Lied war, dass mein Mann bei der Studentenfaschingsfeier im November eine Studentin kennenlernte und sich Hals über Kopf in sie verliebte. Sie verkörperte alles für ihn, was er so vermisste. Freiheit, Unabhängigkeit, die Möglichkeit, eigene Ziele zu verfolgen, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen, Zeit zu haben, um kreativ sein zu können.

Ich hatte nach der Geburt des Großen versucht, mir all dies in Teilen zu erhalten. Ich nahm mir in Absprache mit meinem Mann heraus, spontan mit Kollegen nach Feierabend noch wegzugehen. Ich traf mich mit Freunden, um die eine oder andere Kneipentour zu veranstalten. Ich bloggte wie wild, um meiner Kreativität eine Bühne zu geben. Ich wechselte den Job, weil ich mir dadurch mehr Perspektiven erhoffte. Das sind alles keine großen Dinge, nichts, was die Familie komplett ins Abseits stellt, was mich aber als Person, als Individuum bestärkte und mich eben nicht auf die Rolle „Mutter“ oder „Ehefrau“ beschränkte.
Mein Mann hingegen hatte sich abgeschottet. Nicht nur von mir, sondern auch von seinen Freunden. Immer wieder kamen Einladungen von Kumpels zu Konzerten, Geburtstagsfeiern, Parties. Immer wurde ich gefragt, ob es ok ist, wenn er da hin geht. Bis auf ein einziges Mal war es das auch, und das eine Mal war schlicht zu kurzfristig. Nach einem superanstrengenden Tag war es mir einfach zuviel, zwei Stunden vor Ultimo vor die Frage gestellt zu werden, ob ich den Abend noch alleine die Kinder versorgen könnte. Dabei kam diese Einladung nicht mal spontan, sondern er wusste mindestens seit einer Woche davon. Und hätte ich ebenso davon gewusst, hätte ich mich darauf einrichten können und dann wäre es auch gegangen.
Es wäre letztendlich trotzdem egal gewesen, denn am Ende ist er keiner dieser Einladungen gefolgt. Zu den jeweiligen Terminen war er zu müde, hatte keine Lust, waren die Kinder zu anstrengend oder sonstwas. Er hat schlicht seinen Hintern nicht hochbekommen. Machte mir nun aber nach der verhängnisvollen Faschingsfeier den Vorwurf, dass ich an seiner Eingeschränktheit Schuld sei.

Nachdem ich damals den ersten Schock überwunden und einigermassen wieder klar denken konnte, versuchte ich mehr über die andere Frau und denn allgemeinen Sachstand herauszufinden. Anscheinend war es für sie wohl nur ein netter Flirt gewesen oder sie war nüchtern betrachtet doch nicht so attraktiv, jedenfalls druckste mein Mann immer öfter herum, als ich fragte, wie es weitergehen sollte. Ob er eine eigene Wohnung bezieht oder gleich mit ihr zusammen wohnt. Wie er sich das mit den Kindern vorstellt.

Er wollte erstmal weitermachen wie bisher. Er wollte es auch niemandem sagen und wollte auch nicht, dass ich es jemandem sage. Vor allem wollte er das alles vor den Kindern geheim halten, wenigstens bis nach Weihnachten, denn das wolle er ihnen unbedingt nicht verderben. Da wir Weihnachten immer bei meinen Eltern feiern, konnte ich es auch nicht meinen Eltern sagen, da diese sich mit Sicherheit nicht zurückgehalten hätten. Ich stand also ziemlich allein auf weiter Flur und musste sehen, wie ich mit der Situation klar komme.

Eines Abends war mir das alles zu blöd und ich sagte ihm, dass er gerne mit der Frau durchbrennen kann, nur dass es dabei genau ein Problem gäbe. Dass er nämlich beim Durchbrennen mit dabei sei und dass er seine Persönlichkeit, seine Lethargie, seine Problembewältigungsstrategien und seine Probleme mitnimmt und dass dadurch über kurz oder lang jede Beziehung mit wem auch immer scheitern muss. Ich war so wütend auf ihn, weil er mir die Schuld für das Scheitern gab und er sich – mal wieder – vor der direkten Verantwortung drückte. Und ich sollte den Scheiß jetzt ausbaden, den ich nicht verursacht hatte. Ich tobte vielleicht eine halbe Stunde lang, ich schrie ihn an und zählte bis ins kleinste Detail die Unzulänglichkeiten seiner Lösungsmechanismen auf und fragte ihn, was ich denn seiner Meinung nach hätte tun sollen, was ich hätte anders machen können. Ich hatte seit Jahren seine ungeteilte Aufmerksamkeit und wollte das unbedingt ausnutzen.

Er hörte sich das alles an und sagte nichts. Ich merkte aber, dass ich diverse wunde Punkte getroffen hatte. Letztendlich hatte ich in der halben Stunde ein Psychogram von ihm erstellt, soweit mir das mit meinen bescheidenen psychologischen Mitteln möglich war, und schonungslos vor den Latz geknallt. Dabei habe ich ihn weder beleidigt noch nieder gemacht oder beschimpft, sondern ihm nur ganz offen geschildert, was ich sehe bzw. worin ich die Ursachen seines Verhaltens und damit unserer Situation sehe.

Als er das nächste Mal mit mir sprach, räumte er ein, dass ich mit jedem Punkt recht habe. Er hätte lange darüber nachgedacht und er wäre zu dem Entschluss gekommen, sich nun doch nicht mehr trennen zu wollen. Na toll.

Nach einigem Nachdenken liess ich mich darauf ein, aber nur unter der Bedingung, dass er sich psychologische Hilfe holt. Es gibt gravierende Defizite und ich bin weder emotional nach fachlich in der Lage, ihm dabei zu helfen. Das kann nur ein Profi. Außerdem bezweifelte ich, dass sich ohne professionelle Hilfe grundlegend etwas an der Situation ändern würde. Er stimmte zu und wir versuchten es erneut.

Kurz darauf bekam ich die Kündigung meiner alten Firma und die Kleene musste erneut wegen einer OP ins Krankenhaus. Zusammen mit den Problemen der vorangegangen Monate war das zu viel für meine kleine geschundene Seele, das Depressionsloch tat sich neuerlich unter mir auf und erst im April, nachdem ich endlich einen Termin bei meiner Psychotherapeutin bekommen hatte, normalisierte sich mein Zustand langsam wieder.

In der Zwischenzeit drängelte ich meinen Mann, sich einen Therapeuten zu suchen. Ich half ihm mit Adressen und dabei, was er sagen sollte. Immer wieder fragte ich nach, auch auf die Gefahr hin, ihn zu nerven und das Gegenteil zu erreichen. Nach langer langer Zeit hatte er dann einen ersten Termin, zu dem er auch ging. Aber spätestens nach dem zweiten Besuch war Schluss. Hin und wieder frage ich noch nach, ob er denn mal wieder dort gewesen sei, aber das wird immer verneint. Ich weiß, ich müsste da mehr hinterher sein, aber mein neuer Job und die Kinder lenken gut ab.

Dennoch gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen damals und heute. Ich bin radikaler in meinen Ansagen.
Wenn ich ihm sage, dass ich bspw. mehr Unterstützung bei ihm in einer bestimmten Sache erwartet hätte, geht er sofort in Abwehrhaltung, relativiert alles oder versucht, mir die Schuld zuzuschieben. Ich weise das konsequent von mir, woraufhin er mürrisch wird und halt schlechte Laune hat. Woraufhin ich wiederum ihn frage, wie ich ihm denn sonst mitteilen soll, wenn mir etwas nicht gefällt oder wenn ich etwas an der Situation ändern möchte. Irgendeine Form der Kritik muss mir doch möglich sein oder wie sollten wir sonst unser Zusammenleben regeln. Danach grummelt er zwar immer noch, aber eine wirkliche Antwort hat er darauf nicht.
Anmerkung für die Psycho-Erfahrenen: Natürlich sage ich nicht „du hast mir dabei nicht geholfen“, sondern „ich bin enttäuscht, dass du mir dabei nicht geholfen hast“. Immer brav die Ich-Aussagen, ohne Schuldzuweisung und übertriebene Emotionalität, so dass er immer einen Handlungsspielraum hat und nicht automatisch in die Verteidigungsecke gedrängt wird, wie das bei „du hast das und das (nicht) gemacht“ geschieht.
Ebenso agiere ich, wenn er anfängt zu grummeln, was er ziemlich häufig macht. Sein Grummeln überträgt sich fast sofort auf mich, dann fange ich an zu grummeln und dann schaukelt sich das oft schnell hoch. Wenn er also anfängt zu grummeln, dann sage ich ihm, dass er grummelt. Oder wenn er mir zu aggressiv reagiert, ich ihn etwas frage und er für meinen Geschmack überzogen heftig antwortet. Er schaut mich dann meist verwundert an und meint, er hätte gar nicht gegrummelt oder wäre gar nicht aggressiv. Woraufhin ich erwidere, dass dieses Verhalten schon so zu seiner zweiten Natur geworden ist, dass er das gar nicht mehr bemerkt.
So mache ich das auch bei allen Situationen, bei denen ich merke, dass er sich aus der Verantwortung stehlen will. Klare Ansage, immer situationsbezogen, fast immer sachlich. Ich kann ihn nicht ändern, aber ich kann mein Verhalten ändern und damit sein Verhalten beeinflussen. Ist zwar immer noch nur suboptimal, aber besser als gar nichts. Und zumindest im Moment scheint es einigermassen stabil zu laufen.

Noch nicht gut, dennoch denke ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Natürlich wäre es hilfreich, wenn er (s)eine Therapie durchzieht. Ich kann allerdings auch verstehen, dass bei seiner Vergangenheit dies ein unglaublich schmerzhafter Prozess ist und Vermeidung so verlockend ist. Zu seinem Glück zwingen kann ich ihn jedoch ebenso wenig.

Und so wurschteln wir uns durch denn Alltag und versuchen, das gegenseitig verlorene Vertrauen wieder aufzubauen. Mir fällt das zugegeben sehr schwer, die Angst, dass wieder alles vorbei sein soll, ist mein ständiger Begleiter.
In einem früheren Leben war ich immer auf der Suche nach dem Traummann und ich denke, ich habe ihn gefunden. Mag er auch nicht der Idealmann sein, so ist er für mich die beste Ergänzung, denn nicht immer ist das, was man möchte, auch das, was man braucht!

In unsere Eheringe haben wir auch einen Spruch gravieren lassen, war schließlich mit im Preis drin. Wir haben sehr lange nach den passenden Worten gesucht. Gefunden haben wir

Nunc scio quit sit armor!

Dunkle Wölkchen

Nachdem ich nun schon gute 3 JahreWochen hier in meiner neuen Firma tätig bin, hat sich die erste Euphorie gelegt und ich durfte ein wenig hinter die Kulissen schauen. Und wie so oft, tummeln sich da in den dunklen Ecken die Wollmäuse und man findet die arbeitstechnischen Rattenköttel, die der Außenstehende auf gar keinen Fall zu sehen bekommen darf.

Die Kollegen sind zum Glück immer noch zum größten Teil nett, nur kann ich diese mittlerweile in supernette, nette und schön-dass-sie-gerade-Urlaub-haben Kollegen unterteilen. Eine Kollegin ist ein wahrer Wirbelwind und bei den gemeinsamen Mahlzeiten gibt sie das Thema vor. Ich finde sie laut und völlig überdreht, aber bin mir dennoch nicht sicher, ob ich sie nun voll doof oder doch supersympathisch finde. Was ich allerdings doof finde ist, dass ich dadurch nichts von den anderen Kollegen erfahre, was diese so erlebt haben oder wie ihre Meinung zu den gerade besprochenen Themen ist. Und bei so manchem Kollegen bin ich mir ziemlich sicher, dass deren Geschichten viel interessanter sind als ihre.

Nur das Genie beherrscht das Chaos! Dies scheint manchmal das Motto der Firma zu sein. Mich wundert das wenig, so etwas habe ich bisher in jeder Firma erlebt, die innerhalb kurzer Zeit enorm gewachsen ist. Und innerhalb von 15 Jahren von einer Handvoll Mitarbeiter auf über 1000 anzuwachsen, ist schon eine Leistung, bei der die Prozessoptimierung und -dokumentation immer in den Hintergrund rückt. Da sich jetzt die Mitarbeiterzahlen eingependelt haben, nimmt man das Versäumte in Angriff, was aber zunächst erstmal bedeutet, sich durch einen riesigen Haufen ungeordneter Dokumente zu wühlen und das Wissen aus den Köpfen der Mitarbeiter zu ziehen, die dafür natürlich keine Zeit haben. Ist so ein bisschen wie Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen, lohnt sich aber am Ende. (Im Übrigen habe ich ein ähnliches Chaos auch in den ganz ganz großen Firmen erlebt, nur wurde es dort schon wesentlich besser verwaltet 😀 )

Das Chaos beschert mir jede Menge Arbeit. Ich darf Formulare entwerfen, mit den Kollegen sprechen, Arbeitsanweisungen schreiben, mir das Gejammer der Kollegen anhören, vorhandene Prozesse überarbeiten, den Weltschmerz der Kollegen lindern und nebenbei versuchen, nicht selber völlig im Chaos zu versinken. Ich mag zwar eine technische Ausbildung haben, aber trotzdem kenne ich noch nicht alle Systeme und Programme und gleich gar nicht die Zusammenhänge. Wer sagte, dass neue Mitarbeiter in der Probezeit noch nicht so produktiv sind, weil sie sich ja erst einarbeiten und angelernt werden müssen, der hat noch NIE in einem aufstrebendem IT-Unternehmen gearbeitet. Die Schonfrist endet dort nach der Mittagspause des ersten Arbeitstages 😉

Da das Unternehmen seine Brötchen hauptsächlich mit der Erbringung von Dienstleistungen für andere Unternehmen verdient und diese Dienstleistung vorwiegend darin besteht, papierne Belege in ein elektronisches System zu klöppeln und es extrem uncool kommt, wenn auf den Belegen Marmeladenflecke oder Kaffeeränder prangen, ist der Verzehr von Speisen und Getränken an sämtlichen Arbeitsplätzen im Unternehmen untersagt. Es gibt zwar auf jeder Etage einen Wasserspender und im Kantinen- und Konferenzbereich Soft- und Kaffeegetränkespender zur kostenfreien Benutzung, aber mir nützt das wenig. Denn wenn mein Blick nicht ab und zu auf ein in der Nähe befindliches Getränk fällt, vergesse ich schlicht, etwas zu trinken. Meist werd ich dann erst durch nervige Kopfschmerzen dran erinnert, dass ein Besuch an der Wasserstelle längst überfällig ist. Bei uns im Bereich, wo keine Belege bearbeitet werden, hat es sich etabliert, Wassertrinkflaschen, wie man sie von Sportlern kennt, zu benutzen, aber dennoch darf man sich dabei nicht erwischen lassen, da sonst eine Abmahnung droht. Cheffe ist da relativ entspannt, der stiefelte auch schon mit seiner Kaffeetasse durchs Büro, aber wenn hier jemand – was gar nicht so unüblich ist – vom Vorstand aufkreuzt, dann sollte die Wasserflasche gut versteckt sein.

Das gleiche gilt für Handies. Absolutes Handyverbot in der gesamten Firma. Weil auf den Belegen vertrauliche, personenbezogene Daten stehen und mittlerweile jedes Handy eine mehr oder minder leistungsfähige Kamera hat, ist die Benutzung untersagt. Muss ich es trotzdem benutzen, dann muss ich mich auspiepsen und das Gebäude verlassen.
Der Datenschutz hat auch eine recht interessante Konseqenz: Es dürfen nur bestimmte Fenster zum Lüften geöffnet werden. Diese Fenster sind alle mit Fliegenschutzgittern versehen und zwar nicht, damit die Insekten draußen bleiben, sondern damit die Belege bei Durchzug drin bleiben. Es ist wohl in der Vergangenheit mal passiert, dass beim Lüften ein Windstoss einen Packen Belege nach draußen pustete und dann eine Heerschar Mitarbeiter versuchte, die davonflatternden Papiere wieder einzufangen.

Was mir allerdings ganz schön dolle ein wenig die Stimmung verhagelte war, als ich letzte Woche erfuhr, wie das Zeitabrechnungssystem hier funktioniert. Die Zeit wird mittels Chipkarte beim Kommen und Gehen erfasst, ebenso die Pausenzeiten. Das Ganze wird in einem elektronischen System verarbeitet und man kann recht zeitnah den aktuellen Stand seines Zeitkontos abfragen. Es wird minutengenau abgerechnet, allerdings nicht die ersten 30 Minuten der Mehrarbeit. Wenn ich also ganz dringend noch etwas fertig machen möchte und deswegen 20 Minuten länger bleibe, dann schenke ich diese 20 Minuten der Firma. Bleibe ich 30 Minuten mehr oder länger da, wird mir das wiederum komplett angerechnet. Ich dachte nun in meinem jugendlichen Leichtsinn, ich arbeite jeden Tag 20 Minuten länger, da kann ich Freitag eine Stunde eher gehen, weil da der Große Fußballtraining hat.
Ha, falsch gedacht. Ich muss jetzt jeden Tag zirkeln und nachrechnen (lassen), ob ich es schaffe, 30 Minuten länger zu arbeiten oder ob ich nach Punkt 8 Stunden nach Hause gehe. Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass das im Sinne des Erfinders ist. Zumal mein Arbeitstag quasi vom Busfahrplan und den Hortzeiten des Großen bestimmt wird und der Bus hier nur alle 20 Minuten kommt.
Mein Chef hat sich auch tierisch über diese Regelung aufgeregt, aber sie scheint wohl rechtlich wasserdicht zu sein. Er versucht trotzdem immer wieder mal, dagegen anzugehen, vielleicht lässt sich ja eines Tages der Vorstand erweichen und diese Regelung wird wieder rückgängig gemacht.

Es ist also nicht alles so rosig hier im Paradies, aber derzeit sind es nur kleinere dunkle Wölkchen. Hoffen wir, dass es nicht mehr werden!

Mein erster Tatort

Tatortfolge: 949 „Schwerelos“

In unserer säkularisierten Welt fehlen mitunter Götzenbilder, welche man anbeten und verehren kann. So bildete sich vor einiger Zeit ein neuer, weltlicher Kult heraus: die Tatortfangemeinschaft, die sich allsonntaglich 20:15 Uhr vor den TV-Empfangsgeräten der Nation einfindet und den neuen Göttern huldigt. Solche Gemeinschaften sind mir per se suspekt und vergangene Kritiken und Drehbuchskandale wirkten auf mich nicht sonderlich werbewirksam. Meine Eltern sind große Fans des Münsteraner Tatorts, wobei sie den eigentlich nur wegen der Wortgefechte zwischen Boerne und Thiel schauen. Bin ich gerade zu Besuch, wenn eine dieser Folgen läuft, so hab ich eben mit halben Auge mitgeschaut.

Mein Mann hatte gestern den ganzen Tag frei bekommen, die Kinder waren auch zeitig im Bett, das restliche Fernsehprogramm war absolut unterirdisch, also gab ich dem Tatort eine Chance. Ich wollte doch mal schauen, was dran ist an diesem Hype.

Als erstes überraschten mich die ruhige Kameraführung und der ebenso ruhige Schnitt. In letzter Zeit scheint es einen Konkurrenzkampf zu geben, wer mehr verwackelte Bilder in Videoclipmanier mit millisekündlich wechselnden Schnitten packen kann. Mir steht da noch sehr lebhaft ein Wallander vor Augen, bei dem ich nach 10 Minuten wegschalten musste, weil ich vom Zuschauen seekrank geworden bin.
Doch dieser Tatort nahm sich Zeit, zeigte lange Schwenks, hielt die Kamera absolut ruckelfrei. Es passte zu meiner gestrigen Stimmung. Die Musik folgte leider einer Unsitte, wirklich jede Sekunde untermalen zu müssen, fügte sich aber gut in das Gesamtbild ein.

Die Story ist schnell erzählt und das ist auch genau das Problem, dass ich mit diesem Tatort habe. Jeder, wirklich jeder der Protagonisten musste nebenher seine privaten Probleme lösen. Das jüngere Ermittlerpärchen hatte wohl in vergangenen Folgen eine Affaire, die vermutlich er beendet hat und sie jetzt zutiefst seelisch getroffen und zu allem Überfluss auch noch schwanger zurückblieb. Das ganze wurde noch in die Ermittlungsgeschichte eingebettet, damit es noch ein Tatort und nicht ein reines Beziehungsdrama blieb.

Irgendeine dieser TV-Analyse-Satire-Formate, Switch oder Walulis sieht fern oder ähnliches, hatte auch mal den Tatort im Allgemeinen aufs Korn genommen und zeigte, wie die privaten Probleme den eigentlich Fall verdrängen und es ohne großes Rumgeheule einfach nicht mehr geht. Damals dachte ich, dass dies eine übliche satirische Überhöhung war, seit gestern weiß ich es besser. Ganz massiv fiel es mir auf, als mein Mann kurz vor Tatortende heim kam und ich ihm versuchte, die Geschichte zu erzählen. Ohne die Nebenschauplätze reichten 3 Sätze, um den kompletten Fall zu erzählen.

Die Auflösung lies mich zudem mit einigen Fragen zurück. Warum musste das Tatwerkzeug unorthodox entsorgt werden, wo doch der Täter eh nicht belangt werden konnte? Woher hatte der Täter das notwendige Wissen, die Tat zu begehen? Kommt das Pärchen nun wieder zusammen?

Als Fazit bleibt bei mir hängen, dass mehr Krimi und weniger Privates der Geschichte ganz gut getan hätte. Dass die privaten Probleme über mehrere Folgen thematisiert werden, macht das Ganze zu einem Fortsetzungsroman, bei dem mir wichtige Teile verborgen blieben, was ich insofern doof finde, da ich bislang davon ausging, dass jede Folge für sich allein stehen kann.
Dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt, und das ist wohl das entscheidenste aller Kriterien. Ob ich mir allerdings noch weitere Tatorte antun werde, ist eher unwahrscheinlich.

Wie sind eure Erfahrungen? Gibt es Ermittlerteams, die generell mit besseren Drehbüchern und weniger Privatkrams versorgt werden? Welche Teams kann man eher abhaken, welche sollte man unbedingt mal gesehen haben?

Zerrbild

Dresden steht in letzter Zeit wegen Pegida im Fokus der Öffentlichkeit. Gierig stürzen sich die Medien auf sämtliche Nachrichten zu dem Thema, endlich wieder ausländerfeindliche Nachrichten aus dem Osten, nach dem es dort schon seit einiger Zeit ruhig geworden war, könnte man meinen. Warum dabei so viele Menschen an den „Spaziergängen“ mitmachen, ist mir ein Rätsel, da ich Dresden als weltoffene und vielfältige Stadt kenne. Ich vermute, dass die Veranstaltung als das Original viele Anhänger von außerhalb anzieht und ich weigere mich, dies als repräsentativ für die Dresdner Bevölkerung anzusehen.

Was mich aber derzeit richtig wurmt ist die Berichterstattung über ein geplantes Asylbewerberheim in Dresden, welches durch Anwohnerproteste nun doch nicht eröffnet wird. Als indirekter Anwohner, meine Eltern wohnen 300 Meter vom Ort des Geschehens entfernt und ich bin öfter für mehrere Tage dort zu Besuch, finde ich das, was die Medien, allen voran ARD und ZDF, da veranstalten unter aller Sau.

Es wird in jedem zweiten Satz ein Bezug zu Pegida oder zum Rassismus hergestellt. Schaut man sich allerdings die Hintergründe ein wenig genauer an, und dafür muss man gar nicht großartig recherchieren, entsteht ein ganz anderes Bild.

Im Dezember 2014 beschließt die Stadt Dresden, dass sie ganz dringend Flüchtlingsheime braucht und findet ein Dutzend Örtlichkeiten. Diese werden ohne Einbeziehung der Bevölkerung einfach so festgelegt, Hauptsache, man bekommt die gewünschte Quote an Flüchtlingen untergebracht.

Eine dieser Örtlichkeiten ist das 4-Sterne-Hotel „Prinz Eugen“ im Stadtteil Laubegast. Dieses Hotel ist derzeit immer noch als solches in Betrieb und es gab nie Hinweise, dass es in wirtschaftlicher Schieflage oder zu gering ausgelastet war. Die Anwohner von Laubegast fühlen sich ob der Entscheidung ein wenig vor den Kopf gestoßen und möchten gerne informiert werden, wie denn die Unterbringung der Flüchtlinge genau erfolgen soll und welche Betreuungskonzepte es gibt.

Dazu wurde eine Ortschaftsratsversammlung (o.ä.) anberaumt, diese aber kurzfristig und ohne Angabe von Gründen wieder abgesagt. Der Dresdner Stadtrat beschließt kurz danach ganz offiziell, dass der „Prinz Eugen“ Flüchtlingsunterkunft wird. Wenige Wochen danach zieht der Betreiber des Hotels angeblich auf Drängen der Anwohner seine Zusage wieder zurück, dass Hotel bleibt weiterhin Hotel.

Soweit das bisherige Geschehen.

Was aber die Anwohner umtreibt, sind die Dinge, die nicht angesprochen worden.

  • In dem Heim sollten ausschließlich Männer untergebracht werden, über 90 Personen
  • es wird einmal die Woche ein Sozialarbeiter für einen halben Tag zur Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt
  • ein weitergehendes Betreuungskonzept gibt es nicht

Da kommen also Männer aus Kriegsgebieten, die wahrscheinlich schreckliches erlebt haben und traumatisiert sind, in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur ihnen fremd ist. Die Männer gehören verschiedenen Religionen und Bevölkerungsgruppen an, möglicherweise sind diese untereinander verfeindet. Sie sind von ihren Familien getrennt, was sicher nicht zu einer Entschärfung der Lage beiträgt. Diese Menschen werden die meiste Zeit sich selbst überlassen in einer Gegend, in der sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und in der es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten gibt.

Die Anwohner machen sich Sorgen, welche Probleme daraus erwachsen können. Vielen sind die Vorfälle vor wenigen Wochen in Chemnitz noch gut im Gedächtnis, wo 5 männliche Flüchtlinge miteinander in Streit gerieten, dieser eskalierte und am Ende 2 Menschen tot waren. Reicht es, wenn es im Hotel rund um die Uhr einen Wachdienst gibt? Verhindert das solche Situationen?

Meine Eltern berichteten von einer Bekannten, die in einem dörflichen Supermarkt beobachtete, wie ein Flüchtling versuchte, ein paar Sachen einzukaufen. Er suchte sich seine Waren zusammen, ging zur Kasse und hielt der Kassiererin einen 20-Euro-Schein, den er als Taschengeld erhalten hatte, hin. Er verstand aber nicht, dass er noch Wechselgeld zurück bekam und die Kassiererin, gestresst und auf die lange Schlange an der Kasse schauend, reagierte ungehalten und verständnislos. Beide diskutierten einige Zeit lang ergebnislos, bis sich die Bekannte, die hinter dem Mann in der Schlange stand, einmischte, das Wechselgeld nahm, ihre Einkäufe bezahlte und dann dem Mann in Ruhe und mit viel Geduld, aber ohne gemeinsame Sprache, versuchte zu erklären, wie das mit dem Geld funktioniert. Übernimmt der Sozialarbeiter die Einweisung in solch praktische Dinge?

Das sind ganz praktische Probleme, an die vermutlich die wenigsten, schon gar nicht die Entscheider, denken. Laubegast wurde zwar vor gut einem Jahrhundert eingemeindet, hat sich aber über all die Jahre seine dörfliche Struktur bewahrt. Weder beim Fleischer noch beim Bäcker wird es Verkäufer geben, die Englisch können und ob die Kassierer in den örtlichen Discountern das können, ist auch eher fraglich. Und wer sagt denn, dass die Flüchtlinge mehr als ihre Muttersprache sprechen. Stehen überhaupt genügend und die richtigen Dolmetscher zur Verfügung?

Ich denke, dass sind ganz normale und berechtigte Sorgen, die nichts mit Rassismus zu tun haben. Natürlich gibt es unter den Anwohnern auch welche, die Fremde ganz grundsätzlich ablehnen, aber es werden dort nicht mehr wie anderswo sein. Genauso bin ich der Überzeugung, dass wenn man die Anwohner frühzeitig mit einbezieht, sich ihrer Ängste, Sorgen und Bedenken annimmt und ganz viel erklärt, Stichwort Transparenz, dass man dann auch gemeinsam Konzepte finden kann, wie die Flüchtlinge untergebracht und betreut werden können. Es wird sicherlich Freiwillige geben, die sich um die Menschen kümmern möchten und tatkräftig zur Seite stehen können.
Die Anwohner aber einfach vor vollendete Tatsachen stellen, stößt alle möglichen Helfer vor den Kopf und vergiftet das Klima. Leider passiert dies viel zu oft und nicht umsonst wird dieser Punkt gerne von Pegida aufgegriffen, er kommt nicht von ungefähr.

So beruhigend es für die Flüchtlinge sein mag, eine ordentliche Unterkunft in einem kriegsfreien Land zu haben, so reicht das alleine eben nicht aus für ein menschenwürdiges Leben. Ich bin der Überzeugung, dass die allermeisten Flüchtlinge bereit sind, sich hier ein neues Leben aufzubauen, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen. Nur so ganz ohne Hilfe wird dies sehr schwer. Allein die Traumabewältigung dürfte für viele ein unüberwindbares Hindernis sein und die Hilfsangebote stoßen bereits jetzt an ihre Grenzen.

Vor diesem Hintergrund ärgert mich die Berichterstattung, weil da ein Stadtteil völlig zu Unrecht in Verruf gebracht wird. Viel besser wäre es, wenn die Vorgänge der Dresdner Stadtverwaltung näher beleuchtet und die fehlende Transparenz der Entscheidungen sowie die mangelnden Betreuungskonzepte angeprangert werden.

Aber die rechte Ecke ist so viel quotenträchtiger!

Alles auf Anfang

Manchmal, wenn ich einen Film anschaue und dieser dann eine unerwartete Wendung nimmt, denke ich mir, ach komm, hört doch auf, das Leben funktioniert niemals so, ihr wollt doch jetzt nur unnötig die Spannung hoch halten, weil ihr noch 10 Minuten Sendezeit übrig habt. Doof nur, wenn dann das wahreechte Leben dann genau solche billigen Wendungen vollführt.

Setzt sich also mein Mann gestern wieder an den Tisch, genauso wie vor zwei Wochen, knetet dabei seine Hände und schaut recht verzweifelt auf die Tischplatte. Haargenauso wie vor zwei Wochen. Ich spiele also wieder meine Rolle als Stichwortgeber und frage, was denn los ist. Er meint nur, später, wenn die Kinder schlafen. Großartig, darf ich mir also wieder nen Kopp darüber machen, was denn jetzt noch kommen möge, was es denn diesmal für eine Katastrophe sei.

Nachdem dann der Große im Bett ist, setzt sich mein Mann neben mich auf die Couch und sagt mit leiser Stimme, dass das alles doof ist und er doch lieber bei seiner Familie bleiben würde und nicht mehr weggehen will. Ganz großes Kino. Ich hatte mich gerade gedanklich soweit in meinem neuen Leben eingerichtet, dass ich Pläne für eine Post-Marriage-Era geschmiedet habe, hatte mich emotional soweit gelöst bzw. wieder gefangen, um auf eigenen Füßen zu stehen, und jetzt kommt dieser (sorry) Idiot an und will nun doch weiter machen?

Was mach ich denn jetzt?

Soll ich den Typ einfach so zurück nehmen? Oder ihn, so wie er es geplant hatte, vor die Tür setzen?

So auf die Schnelle fiel mir nichts Gescheites ein. Dass unsere Beziehung einige Probleme hat, ist jetzt nichts Neues, denn so ganz aus dem Nichts kommen dann zwei Kurzzeittrennungen auch wieder nicht. (Kurze Anmerkung: ich hatte mich vor 2,5 Jahren für 3 Monate getrennt, aus mehr oder weniger den gleichen Gründen, die er jetzt angab.)

Ich habe gestern folgende Bedingung gestellt. Jeder von uns schreibt bis Weihnachten für sich auf, was seine persönlichen Ziele im Leben sind, was er noch vom Leben erwartet, wo er mal hin möchte und wie er sich das zukünftige familiäre Zusammenleben vorstellt. Dabei ist es völlig egal, wie absurd oder unmöglich diese Wünsche sind, es soll alles aufgeschrieben werden. Zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn der Große Urlaub bei den Großeltern macht, setzen wir uns intensiv zusammen und reden darüber und über alles andere, was uns noch so einfällt.
Bis dahin hat sich hoffentlich jeder soweit sortiert, dass man vernünftig, in Ruhe und ohne verletzte Gefühle darüber reden kann.

Und dann schauen wir mal, wo wir so stehen und ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann.

Wenigstens ist jetzt erstmal die Anspannung raus und der Eiertanz hat vorerst aufgehört. Das fand ich mit jedem Tag anstrengender und nerviger und ich hatte ehrlich keine Ahnung, wie lange ich das noch durchgehalten hätte. Und auch das Weihnachten bei meinen Eltern hat seinen Schrecken verloren.

Ich finde es übrigens eine starke Leistung von meinem Mann, zuzugeben, dass er sich geirrt hat, dass er seinen Stolz heruntergeschluckt hat. Ich kenne zu viele Beispiele, wo der Stolz oder das Ego stärker war. Die meisten ehelichen Rosenkriege oder eskalierten Nachbarschaftsstreitereien beginnen so.

Beim Gute-Nacht-Kuss gestern, so flüchtig er auch war, hatte ich so ein leichtes Kribbeln im Bauch. Darauf kann man doch aufbauen, oder?

So ein Kindergarten

Am Dienstag hatten wir das Gespräch mit der Erzieherin des Großen. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen, ist ein ganz liebe, noch recht jung.

Wir sprachen über den Großen und sein mitunter unterirdisches Benehmen. Sie fragte, seit wann das so wäre und wir sagten, seit G., sein ehemaliger Erzieher, von heute auf morgen den Kindergarten verlassen hat. Mehr oder weniger zu diesem Zeitpunkt wurde auch seine Schwester geboren. A., die Neue, erklärte, dass der Weggang Gs für alle überraschend kam und niemand weiß, warum er gegangen ist.

Sie selber hat versucht, den Kontakt zu ihm herzustellen, bekam jedoch keine Antwort. Sie meinte, wir könnten noch bei der Leitung nachfragen, aber mein Mann schüttelte nur den Kopf. Hätte er schon gemacht, aber keine Antwort erhalten. Uns wundert das alles sehr und natürlich gibt es die wildesten Spekulationen. Ich vermute, er hat sich mit dem Chef oder einem Elternpaar überworfen, denn in einer Infomail vom Kindergarten wurden alle darüber informiert, dass G nach 3-monatiger Kündigungsfrist den Kindergarten verlässt und bis dahin freigestellt ist. Sollten schwerwiegendere Sachen vorgefallen sein, wäre er mit Sicherheit fristlos gekündigt worden.

Unser Kind erzählt leider nur sporadisch vom Kindergarten, aber wenn er erzählt, dann bezeichnet er sich selber immer noch als Gs Kind. Dazu muss man wissen, dass 2 bis 3 reguläre Kindergartengruppen in einer großen Gruppe auf einer Etage zusammen sind und jedes Kind einen sogenannten Bezugserzieher hat, der die Entwicklung des Kindes überwacht und bei Fragen und Problemen von Kindern und Eltern bereit steht.
Von sich aus hat unser Großer noch nie von A erzählt, erst auf Nachfrage bestätigte er, dass er jetzt ein A-Kind sei.

Mit dem Weggang Gs gab es zudem strukturelle Umbauten im Kindergarten. Mehrere andere Erzieher haben sich krank gemeldet oder gekündigt, so dass die heißgeliebten, regelmäßigen Montagswanderungen in ein nahe gelegenes Wäldchen ausfallen mussten.
Jeden Freitag war Experimentetag, wo G sehr anschaulich den Kindern ein bestimmtes Thema näher gebracht hat. Einmal erklärte er bspw., warum frische Blätter grün und alte Blätter braun sind und warum die braunen Blätter gut brennen, die grünen hingegen gar nicht.
Auch die anderen Tage hatten bestimmte Themen, aber ich gehe davon aus, dass diese, da nicht so umfangreich, fortgeführt wurden.

Auf jeden Fall sind allein die Ereignisse im Kindergarten schon ziemlich heftig und müssen von so einem kleinen Kind erstmal verarbeitet werden. Dass dann zusätzlich noch die kleine Schwester kam, hat dem ganzen die Krone aufgesetzt. Er brauchte einfach einen Prellbock, um seine ganze Wut, den Ärger und seine Ängste irgendwie abzubauen. Und diesen Job mussten und müssen wir wohl oder übel übernehmen.

Wir sprachen dann noch über Möglichkeiten, den Kleenen dabei zu unterstützen. Ganz wichtig dabei ist, ihm immer wieder zu erklären, warum G nicht mehr da ist. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er eine Arbeit in seiner Heimatstadt gefunden und deswegen weggegangen ist. Nur deswegen und nicht, weil er den Großen nicht mehr mag oder was auch immer er sich eingeredet hat.

A sucht zusätzlich das Gespräch mit dem Großen, sobald sie dazu Gelegenheit hat, denn derzeit sind mehrere Erzieher krank und sie kümmert sich zeitweise allein um 25 Kinder, und will auch noch mal ausloten, was sie in Sachen G ausrichten kann. Außerdem meinte sie, dass sie Gs Ansichten nicht unbedingt teile, was die Vorschulbildung angehe. Es ist durchaus angezeigt, dass er Lesen, Schreiben und Rechnen lernen kann, wenn er das von sich aus möchte. Es wäre entwicklungstechnisch jetzt eh an der Reihe, dass er einfache Rechenaufgaben lösen und seinen Namen schreiben könne. Na, wenn es nur das ist, das kriegen wir hin. Ich hab von einer Freundin vor einiger Zeit einen Tipp zu altersgerechten Lernhilfen bekommen und da werden wir einfach mal aktiv werden. (Werde dazu evtl. noch einen separaten Beitrag verfassen.)

Zum Schluss tauschten wir uns noch über die Macken unseres Rabauken aus. Wie er genau weiß, dass es falsch ist, der Katze auf den Schwanz zu latschen. Wie entnervend es ist, wenn er gefragt wird, warum er das tut und dann entweder gar keine Reaktion oder ein genuscheltes „ich weiß nicht“ kommt. Er kennt alle Regeln, entscheidet sich dennoch, diese nicht zu befolgen. Als er das jetzt zu Hause machte, fragte ich ihn, warum. Als erstes kam wieder „ich weiß nicht“, doch das ließ diesmal ich nicht gelten. Ich hakte nach, er zierte sich und ich zählte von 3 runter. Seltsamerweise wirkt dieser kleine Countdown immer. Spätestens beim Luftholen zu 1 hat er plötzlich eine Antwort parat. Selbst bei so simplen Sachen wie „welche Eissorte möchtest du?“ muss der Countdown her, sonst stehen wir ewig vor der Eistheke.
Als ich also von 3 runter zähle, sagt er mir bei 2, dass es ihm Spaß mache. Auch, wenn er keine 2 Sekunden später die Aussage widerrufen hat, denke ich, dass das der Wahrheit recht nahe kommt.

Nun stellt sich die Frage, warum macht ihm das Spaß? Weil er sich als Rebell fühlen kann? Weil die Trotzigen im Kindergarten die Helden sind? Geht der Gruppendruck schon los? Ist es der Versuch, unsere Aufmerksamkeit zu kriegen? Oder Eifersucht auf seine Schwester? Weil der eigentlich coole Job als großer Bruder in echt ziemlich uncool ist?
Vermutlich wird es eine Mischung aus allem sein.

A und wir sind uns ziemlich sicher, dass es für den Großen besser wird, wenn er offiziell als Vorschulkind zählt. Dann bekommt er wesentlich mehr Geistesfutter, es gibt wieder regelmäßig Ausflüge, diesmal in Schulen, und er ist mit seinen besten Freunden, nachdem einer davon, ein chinesischer Junge wegen Sprachdefiziten zurückgestellt wurde, in einem kleinen, elitären Kreis.
Seit letzter Woche geht er jeden Donnerstag zur Ballschule, exklusives (Fußball-)Training nur für ihn. Es gefällt ihm, er mag den Trainer und er lernt neue Tricks.

Ich bin zwar noch skeptisch, aber die letzten beiden Tage waren recht friedlich, vielleicht entspannt sich die Situation ja langsam. Unser Verständnis für seine schwierige Situation ist aber mit Sicherheit ein guter Anfang.

Kabel Deutschland

Eigentlich sollte hier ein ganz anderer Artikel stehen, aber letztendlich kann ich wohl froh sein, dass hier überhaupt ein Artikel steht.

Doch von Anfang an.
Unsere Internetverbindung war ja immer schon ein wenig wacklig, sehr zum Unmut meines Mannes, der sowas überhaupt nicht ab kann. Ich dokterte ein bisschen an unserem Heimnetzwerk herum, wechselte unsere Wlan-Modems und kaufte am Ende sogar ein neues Gerät, auch weil das alte nur WPA und nicht WPA2 verschlüsseln konnte. Doch so richtig glücklich wurden wir auch damit nicht.

Doch jedesmal, wenn wir einen Speedtest anwarfen, spuckte der brav die von uns beauftragte Übertragungsrate aus, aber unser Gefühl sagte etwas ganz anderes, was aber nicht greifbar genug war, um deswegen bei Kabel Deutschland anzurufen. Im Dezember jedoch wurde es fast unerträglich, die Übertragungsraten schwankten im Minutentakt, aber irgendwie ging es doch. Kurz vor Weihnachten ging aber gar nichts mehr, Netz komplett weg. Kabel D angerufen, eine Woche später wurde dann das Problem angeblich behoben.

Nur wir hatten immer noch ein doofes Gefühl, die Raten schwankten nach wie vor und immer wieder mal war das Netz kurzfristig weg. Schön ist definitiv anders.

Heute war es den ganzen Tag recht mühsam, Seiten luden nicht oder nur sehr langsam, ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um einen Kommentar hier im Blog freizuschalten. Ich löschte alle Browserdaten, installierte die empfohlenen Updates, startete den Rechner und das Modem mehrfach neu, schaltete das Wlan aus und verband das Notebook direkt mit dem Modem, was aber alles keinen Erfolg brachte. Eher das Gegenteil, es wurde immer schlimmer und dann war das Netz ganz weg und wollte auch nach einer halben Stunde nicht wieder auferstehen.

Also rief ich bei Kabel D an. Ich kam fix durch und schilderte mein Problem. Ich erklärte, was ich alles versucht habe und dass das alles nicht geholfen hatte. Doch die gute Dame von der Hotline glaubte mir nicht, für sie war das Modem online und damit musste ich auch Internet haben. Sie ging mit mir Schritt für Schritt nochmal alles durch: Modem neu starten, PC neu starten, WLan deaktivieren. Meine Hinweise, dass ich all dies bereits mehrfach getan hätte, wurden ignoriert. Sie fragte mich sehr angenervt, ob ich auf die Administrationsseiten des Kabelmodems zugreifen könne, was ich verneinte, einfach weil ich das noch nie gemacht habe und gar nicht wüsste, wie ich da drauf kommen sollte. Daraufhin verwies sie mich an eine kostenpflichtige PC-Hotline, 99 Cent pro Minute. Als ich protestierte, weil es für mich definitiv ein Kabel- und kein PC-Problem ist, meinte sie nur, sie könne gerade nichts weiter für mich tun.

Ich verabschiedete mich, legte auf und wählte erneut die Hotlinenummer. Wieder kam ich fix durch, schilderte wieder mein Anliegen, teilte mit, was bereits als Problemlösung versucht wurde, aber auch diese Dame wollte mir wieder die kostenpflichtige Hotlinenummer andrehen. Nach meinem Einspruch unternahm sie immerhin mit mir den Versuch, auf die Administrationsseiten des Kabelmodems zuzugreifen, was auch auf Anhieb gelang, so dass der Fehler wohl doch bei Kabel D liegen musste. Das Internet funktionierte mittlerweile auch wieder, so dass wir erstmal von einer erfolgreichen Problemlösung ausgingen, auch wenn eigentlich gar nichts gemacht wurde.

Ich baute also die Versuchsanordnung ab, startete das Wlan und kaum saß ich wieder gemütlich auf dem Sofa, als das Internet schon wieder die Mitarbeit verweigerte. Same procedure as last year? Same procedure as every year. Notebook wieder direkt ans Modem gestöpselt, Wlan aus, alles neu gestartet – Internet immer noch weg. Also wieder zum Telefon gegriffen, Wahlwiederholung rein und mehrfach an der übervollen Hotline gescheitert. Irgendwann kam dann doch der Anruf zustande, ich sagte wieder mein Sprüchlein auf und bat um eine nachhaltige Lösung. Der Hotliner schaute sich das im System an und meinte dann, er wolle versuchen, den sogenannten Bridge-Modus im Modem zu aktivieren, damit würde das Modem nicht mehr als Router agieren, sondern das Signal einfach nur zum Rechner durchleiten. Gleichzeitig würde er das Modem von IPv6 auf IPv4 umstellen.

Richtig glücklich war ich damit nicht und teilte dies dem Hotliner auch mit. Nur sah er leider keine andere Möglichkeit, um herauszufinden, wo denn nun das eigentliche Problem liegt. Also willigte ich ein. Der Hotliner  musste dafür einige Dinge am Modem umstellen und es neu starten und damit auch die Telefonverbindung, die auch über das Modem läuft, unterbrechen. Er würde mich aber in ca. 15 Minuten zurückrufen.
Ich war gespannt und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Nach 15 Minuten checkte ich die Versuchsanordnung, Internet funktionierte wieder, nur konnte ich leider nicht mehr auf das Modem zugreifen. Ich wollte mich gerade ärgern, als der Rückruf kam. Ich unterhielt mich mit dem Hotliner über die jetzt verfügbaren Optionen.

Er erklärte mir, dass an das Modem im jetzigen Zustand nur genau ein Gerät angestöpselt werden kann. Außerdem wäre die IP-Adresse des Geräts öffentlich im Netz. Beides rief nicht gerade Begeisterungsstürme bei mir hervor. Ich meinte, dass so ein Router ja an sich ganz praktisch ist, weil er als erste Firewall gegen die böse Internetwelt fungiere und das jetzt nicht mehr gegeben wäre. Er stimmte mir zu und bot mir an, die Routerfunktion des Modems wieder herzustellen, indem er den Bridge-Modus wieder ausschalte, die Einstellungen aber auf IPv4 beließe. In der Vergangenheit habe diese Option ganz gute Ergebnisse gebracht bei ähnlichen Problemen.

Ahja, wir waren also nicht die ersten und es gab protokollierte Lösungen dafür. Hätte man den beiden Damen eventuell auch mal mitteilen können.

Der Hotliner besprach noch das weitere Vorgehen mit mir, nämlich dass das Modem noch zweimal neu gestartet werden müsse, damit auch sämtliche neuen Einstellungen ans Modem geschickt und von diesem umgesetzt werden können. Das würde so um die 10 Minuten dauern, aber danach sollte das Internet schnell und störungsfrei funktionieren.

Im Moment scheint es auch so, als wenn er recht hätte und ich bin vorsichtig optimistisch.
Ein Gutes hatte diese ganze Aktion aber: sie hat mich von meinen ziemlich heftigen Steißbeinschmerzen abgelenkt, über die ich ursprünglich hier jammern wollte.

Nachtrag: Wie ich gerade mit Freuden feststelle, lädt Candy Crush nun auch wieder. Endlich hat mein Leben wieder einen Sinn 😀

Große Leistungen

Aus Zeiten, als es mir psychisch nicht so besonders gut ging, hab ich mir ein paar Problembewältigungsstrategien zugelegt, bei denen „normale“ Menschen bestimmt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Mir aber helfen sie, um überhaupt mit für mich schwierigen Situationen zurecht zu kommen.

Und schwierig ist für mich so einiges. Zum Beispiel finanziell enge Situationen oder unerwartete Geldforderungen, Telefonanrufe bei Fremden oder ungeplante Termine oder Besorgungen.
Leider kündigten sich kurz vor Weihnachten gleich mehrere dieser Ereignisse an, aber zwischen den Jahren kriegt man ja eh niemanden ans Telefon, also konnte ich das erstmal gut verdrängen.

Aber irgendwann geht das eben nicht mehr und so setzte ich mir den heutigen Tag als Tag X, an dem ich den ganzen unangenehmen Kram erledige. Jeder andere hätte das vielleicht noch im alten Jahr geregelt oder bereits in der vergangenen Woche, aber ich brauche einfach den mentalen Vorlauf, um mich darauf einstellen zu können. Immerhin verdränge ich es nicht mehr komplett wie früher, wo ich mich in mich zurückgezogen habe und gar nicht mehr für die Welt da draußen erreichbar war, auch mit den entsprechenden Konsequenzen. So mag es für Außenstehende befremdlich klingen, für mich ist es ein Erfolg.

Und was genau hab ich jetzt Großes vollbracht?
Ich habe einen Blick auf meinen Kontostand geworfen, habe den Betrag für die Kfz-Versicherung überwiesen und mich damit wieder ins Minus gebracht *seufz*
Wir haben die Betriebskostenabrechnung für unsere aktuelle Wohnung für 2011 bekommen, wo wir nur die letzten 3 Jahresmonate hier gewohnt haben und sollen über 360 Euro nachzahlen, was mir doch recht viel erscheint, reine Heizungsmonate hin oder her. Also hab ich telefonisch einen Termin bei der Verbraucherzentrale vereinbart, damit die das mal checken.
Ich habe telefonisch einen Friseurtermin vereinbart.
Ich hab mein Emailpostfach gecheckt. Zum Glück nix Neues drin.

Klingt jetzt alles nicht so übermäßig aufregend, aber für mich sind das tatsächlich sehr stressige Aufgaben, die mich belasten. Besonders Telefonate bringen mich regelmäßig an meine Grenzen. Deswegen hab ich den Anruf wegen meiner 3 Schöffentermine Mitte des Jahres erstmal verschoben, vielleicht kann ich morgen da anrufen.
Aber so ein bissl stolz, dass ich das heute geschafft habe, bin ich schon 🙂

Und falls es wen interessiert: ich hab mal 2,5 Jahre in einer PC-Support-Hotline gearbeitet. Ja, auch damals hatte ich schon die Telefonphobie. Aber das sind wieder ganz andere Geschichten 🙂

O2 gibt mir Spaß

Das wird jetzt ein wenig länger, da dies ein persönlicher Erfahrungsbericht der letzten 3 Monate ist. Ich bin mir sicher, dass ich einfach nur Pech hatte und deren Service sonst absolut makellos ist. Ich versuche, die Abläufe so objektiv wie möglich darzustellen, obwohl mir das Thema zwischendurch doch mächtig an die Nieren gegangen ist.

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Alles begann damit, dass meine Bank, nachdem sie innerhalb kurzer Zeit den 2. neuen Besitzer bekommen hatte, die Bankleitzahl änderte. Sie tat dies mit entsprechendem Vorlauf und ausreichend Informationen und ich machte ich daran, alle relevanten Stellen zu informieren. Irgendwann kam ich auch zu meinem Mobilfunkanbieter und ich versuchte mein Glück auf dessen Homepage. Nach verzweifelter ergebnisloser Suche brach ich den Versuch ab und machte mir eine mentale Notiz, mich da später nochmal darum zu kümmern. Leider wurde diese Notiz im Ordner „Erledigt“ abgespeichert, so dass mir die Sache vollkommen entglitt und ich eben nicht zum Stichtag die neue Bankleitzahl mitgeteilt hatte. Hätte ich allerdings geahnt, welche Auswirkungen dieser durchaus menschliche Fehler hat, wäre ich natürlich hartnäckiger geblieben.

So kam es nun, wie es kommen musste, die Abbuchung für die Augustrechnung lief ins Leere. Keine 3 Wochen später hat das O2 auch mitbekommen und schickte mir folgende SMS:

Guten Tag. Bitte rufen Sie uns dringend wegen eines Abgleichs Ihrer Bankdaten zurück. Vielen Dank. Ihr O2 Team.

In diesem Moment fiel mir wieder ein, was ich vergessen hatte. Na egal, war jetzt nicht mehr zu ändern. Also rief ich die angegebene Telefonnummer an, wo mir eine freundliche Stimme vom Band mitteilte, dass diese Nummer nur aus dem Festnetz angerufen werden kann. Also rief ich die Kurzwahlnummer an, für 20 Cent pro Anruf. Alsbald bekam ich eine Hotlinemitarbeiterin an Ohr, der ich versuchte zu erklären, was passiert war. Sie teilte mir mit, dass ich einer Sperrung des mobilen Internets nur noch dadurch entgehen könnte, wenn ich sofort in einen O2-Shop gehen und dort den offenen Betrag bezahlen würde. Eine Überweisung würde zu lange dauern und die Sperre nicht mehr verhindern. Als ich der Dame erklärte, dass ich derzeit mit einem mittelschweren grippalen Infekt darnieder liege und ich eben nicht mal fix in den nächsten O2-Shop gehen könne, interessierte sie das nicht die Bohne. Sie versuchte gar nicht erst, irgendeine Lösung zu finden, sondern beharrte auf ihrer Shop-Lösung. Sie meinte außerdem, dass es doch meine Pflicht wäre, möglichst jeden Tag im O2-Online-Portal nach den Rechnungen und deren Zahlungsstand zu schauen. Ich empfand das als ziemlich weltfremd und wies sie darauf hin, dass die Info, dass etwas schief gelaufen ist, doch etwas kurzfristig kam, um tatsächlich noch vernünftig aktiv zu werden und ich das für wenig kundenfreundlich hielt. Sie fiel mir während meiner Ausführung ständig ins Wort, weswegen ich sie bat, mich doch bitte ausreden zu lassen. Daraufhin meinte sie, sie müsse sich das nicht länger bieten lassen und dass sie jetzt auflegte. *klick*

Ich war zugegeben während des Gesprächs empört, aber weder war ich ausfallend noch beleidigend oder ähnliches, was eine solche Reaktion gerechtfertigt hätte. Einigermaßen perplex schaute ich in das stumme Telefon und war jetzt richtig stinkig.

Da ich mir dachte, dass in dem Zustand ein erneuter Anruf bei der Hotline eher kontraproduktiv sein würde, suchte ich im O2-Portal nach anderen Möglichkeiten und fand die Online-Tickets. Ich eröffnete solch ein Ticket, indem ich um Stellungnahme zu dem Vorfall und zum Verhalten der Mitarbeiterin bat. Ich wies darauf hin, dass die Angelegenheit eilte, da wir 2 Tage später für 3 Wochen wegen Urlaubs das Land verlassen. Außerdem bat ich darum, nachzuforschen, ob denn die Änderung der Bankleitzahl, die ich eingangs des Hotline-Gesprächs veranlasst habe, auch wirklich durchgegangen sei, da ich dazu keinerlei Rückmeldung erhalten habe. Ich schickte das Ticket ab und wartete.

Doch sollte sich an diesem Tag nichts mehr tun.

Am nächsten Morgen wollte ich mir den Status des Online-Tickets anschauen, konnte aber auf der O2-Seite den entsprechenden Link nicht finden. Ich weiß nicht, ob ich zu doof zum Suchen bin, aber ich finde mich auf deren Seiten einfach nicht zurecht. Ich fand allerdings die Möglichkeit, per Chat mit einem Servicemitarbeiter Kontakt aufzunehmen. Ich startete den Chat und nach kurzer Zeit schon kümmerte sich jemand um mich. (Der nachfolgende Chat entstammt meinem Gedächtnisprotokoll, sollte aber den Verlauf recht gut abbilden.)

Servicedienstmitarbeiter [SDM]: Guten Tag, was kann ich für sie tun?
Ich: Hallo, ich hab gestern ein Online-Ticket eröffnet und würde mir jetzt gern den Status des Tickets anschauen, finde aber den entsprechenden Link nicht mehr.
SDM: Können Sie mir bitte Ihre Kundennummer nennen?
Ich: Leider nein, ich kann Ihnen aber meine Handynummer geben. Aber eigentlich suche ich nur den Link zu den Online-Tickets.
SDM: Ich habe jetzt mal geschaut, ich finde unter Ihrem Namen leider keinen Eintrag. (Anmerkung der Redaktion: mein Name ist nach Recherchen einmalig in D *ein bissl stolz guck*)
Ich: Ist ja nicht dramatisch. Ich habe gestern ein Online-Ticket aufgemacht und suche jetzt den Link, mit dem ich den Status dieses Tickets einsehen kann.
SDM: Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen, ich leite Sie weiter an die Fachabteilung.

Echt jetzt? Es gibt eine Fachabteilung für Links? Nun gut, ich wartete einfach mal ab. Nach ca. 2 Minuten meldete sich ein anderer Mitarbeiter bei mir im Chat.

SDM2: Guten Tag, Sie haben ein Problem mit Ihrer Rechnung?
Ich: Das auch, aber eigentlich brauch ich nur den Link, mit dem ich den Status des gestern eröffneten Online-Tickets abrufen kann.
SDM2: Meinen Sie diesen hier: Link/bla/blubb?
Ich: Super, das ist genau das, was ich gesucht habe, vielen Dank!
Ich: Ciao!

Natürlich war der Link total einfach, hätte ich auch selber drauf kommen können, kam ich aber nicht. Und anscheinend stand ich mit diesem Problem ja nicht alleine da.

Es hatte sich in der Zwischenzeit nichts bei dem Ticket getan und das sollte auch so bis zum Mittag des nächsten Tages so bleiben. Danach sind wir erstmal in den Urlaub geflogen, sollten sie mir doch mein mobiles Internet sperren, war mir in dem Moment auch grad egal.

Wir ließen es uns also gut gehen und ich vergaß die ganze Angelegenheit, bis mein Mann mitten in London einen Anruf auf seinem Handy bekam. Unsere beiden Handys laufen beide über mich und werden über die selbe Rechnung abgerechnet. Nur hatte mein Mann, im Gegensatz zu mir, sein Handy nicht ausgeschaltet. Er verstand die Anruferin nicht so richtig, hörte aber O2 raus und gab mir das Telefon. Ich musste zweimal nachfragen, eh ich verstand, wen ich am Ohr hatte und das lag nicht an der schlechten Verbindung. Ich erklärte dann kurz, dass wir gerade im Ausland wären und ich nicht sicher bin, wer da gerade die zusätzlichen Kosten für diesen Anruf trägt. Die nette Dame verstand dies zum Glück auf Anhieb, entschuldigte sich kurz und meinte, sie würde mir dann per Email antworten und legte auf.
Klasse mitgedacht, fand ich gut.

Ich checkte also ein- oder zweimal täglich meine Emails, aber nix von O2 dabei. Erst 2 Tage später kam die Antwort:

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort. Schade, dass wir den Sachverhalt telefonisch nicht klären konnten. Dafür schreibe ich Ihnen gerne.

Sie schreiben uns von der E-Mail Adresse mail.neu@mail.de. Als Online-Rechnungsadresse haben wir mail.uralt@mail.de hinterlegt. Informieren Sie uns bitte, wenn wir eine Änderung der Online-Rechnungsadresse vornehmen sollen.

Gerne können Sie auch die Möglichkeit nutzen, uns direkt über unser Online-Portal eine E-Mail zu senden oder mit uns zu chatten. Gehen Sie dafür einfach auf http://www.o2.de/goto/kontakt und wählen Sie anschließend die Rubrik ?Kontakt per E-Mail für Kunden? oder ?Chat starten?.

Beachten Sie bitte, dass Sie zum Schutz Ihrer Daten Ihr persönliches Portalkennwort in unserem Kontaktformular eingeben. Das Portalkennwort haben Sie mit der Registrierung auf http://www.o2online.de selbst festgelegt.

Frau XYZ, ich verstehe Ihre Verärgerung über den geschilderten Sachverhalt. Eine Änderung Ihrer Kontaktdaten bzw. Bankdaten ist im Online-Portal erst dann möglich, wenn kein Zahlungsverzug mehr auf Ihrem Kundenkonto besteht.

Grundsätzlich ist es bezüglich der an Sie verschickten SMS so, dass wir nicht verpflichtet sind, Sie kurzfristig über einen Rückstand zu informieren. Der Versand der SMS ist lediglich eine Serviceleistung. Dennoch kann ich Sie verstehen.

Ich werde Ihr Anliegen zu der SMS entsprechend weiterleiten.

Am 4. September 2013 haben wir versucht, die aktuelle Rechnung von xx,xx EUR vom Ihrem Bankkonto

<Bankverbindung mit veralteter Bankleitzahl>

abzubuchen. Leider teilte Ihre Bank mit, dass diese Bankdaten nicht korrekt sind. Ihre neue Bankverbindung ist seit 12. September 2013 in unserem System hinterlegt:

<Bankverbindung mit neuer Bankleitzahl>

Natürlich sind wir bemüht, jegliche zusätzliche Kosten zu Ihren Lasten zu vermeiden, daher haben wir um Barzahlung des Rückstands xx,xx EUR in einem unserer o2 Shops gebeten.

Die Sperrung des mobilen Internets auf Ihren beiden Mobilfunkanschlüssen ist am 16. September 2013, nicht nach einem Tag, erfolgt, Frau XYZ.

Mit Ausgleich Ihres gesamten offenen Rechnungsbetrages wird von unserem System die Freischaltung automatisch veranlasst. Überweisen Sie bitte den Betrag in Höhe von xx,xx EUR umgehend an folgende Bankverbindung:

<Telefónica Germany GmbH & Co. OHG Bankverbindung>

Geben Sie als Verwendungszweck nur Ihre Kundennummer 12345678 an. Alternativ hierzu bieten wir Ihnen die Möglichkeit, in einem unserer o2 Shops den oben genannten Betrag gebührenfrei bar einzuzahlen.

<Hinweise zum Bezahlen im Shop>

Der Mahnlauf wird erst nach Ausgleich des gesamten, offenen Rechnungsbetrages gestoppt. Sollte kein Zahlungseingang über den gesamten offenen Betrag erfolgen, kann dies weitere Mahnkosten etc. zur Folge haben.

Ich verstehe Ihren Unmut, hoffe aber, dass ich Ihr Anliegen abschließend und positiv klären konnte.

Besuchen Sie für den Versand einer E-Mail an uns bitte unsere Internetseite http://www.o2online.de/goto/kontakt und wählen Sie anschließend die Rubrik ?Kontakt per E Mail für Kunden?. Beachten Sie bitte, dass Sie zum Schutz Ihrer Daten Ihr persönliches Portalkennwort in unserem Kontaktformular eingeben. Das Portalkennwort haben Sie mit der Registrierung auf http://www.o2online.de selbst festgelegt.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Wir bitten Sie, bei Ihrer Antwort stets den gesamten Schriftverkehr sowie den Betreff in der E-Mail zu belassen.

Vielen Dank, für Ihre Mithilfe.

Freundliche Grüße

Ihr o2 Team

Das ist ja schön, wenn mir der mobile Internetanschluss erst so spät gesperrt wird, aber dem gegenüber steht immer noch die Aussage der Hotlinerin, dass der Anschluss am nächsten Tag gesperrt wird. Auch schön, dass O2 nicht zum Versand der SMS verpflichtet ist, ich werde das nächste Mal sofort dankbar auf meine Knie fallen. Und mit Sicherheit werde ich die vielen Kontaktmöglichkeiten auf der O2-Onlineseite nutzen, hab ich doch so wunderbare Erfahrungen damit gemacht.

Nutzt ja alles nichts, also schrieb ich eine freundliche Email zurück:

Sehr geehrtes O2-Team,

Derzeit befinde ich mich für 3 Wochen im Ausland und kann daher weder in einem O2-Shop noch per Überweisung die offene Rechnung begleichen. Gerne können Sie den offenen Betrag zusammen mit der nächsten Rechnung abbuchen.

Ich hatte wegen der Reise auf eine schnelle Bearbeitung meines Anliegens gehofft, um noch selber die Überweisung veranlassen zu können, leider vergeblich. Bitte sehen Sie aus diesem Grund von Mahnungen ab. Sollte die Rechnung nach meiner Rückkehr immer noch offen sein, werde ich noch um eine zeitnahe Zahlung bemühen.

Beste Grüße

Drei Tage später bekam ich folgende Antwort per Email:

Guten Tag Frau XYZ,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich habe versucht Ihr Anliegen persönlich mit Ihnen zu klären. Leider konnte ich Sie telefonisch nicht erreichen.

Ich verstehe Ihre persönlichen Umstände, kann aber den Mahnlauf nicht aufhalten. Auch ist die Abbuchung mit der nächsten Rechnung nicht möglich.

Bitte überweisen Sie den offenen Betrag über xx,xx EUR umgehend an die folgende Bankverbindung:

<Telefónica Germany GmbH & Co. OHG Bankverbindung>

Geben Sie als Verwendungszweck bitte nur Ihre Kundennummer 12345678 an. Alternativ hierzu bieten wir Ihnen die Möglichkeit, in einem unserer o2 Shops den oben genannten Betrag gebührenfrei bar einzuzahlen.

<Hinweise zum Bezahlen im Shop>

Frau XYZ, die Sperre Ihres mobilen Internets ist bereits erfolgt. Mit Ausgleich Ihres gesamten offenen Rechnungsbetrages wird von unserem System die Freischaltung automatisch veranlasst. Der Mahnlauf wird erst nach Ausgleich des gesamten, offenen Rechnungsbetrages gestoppt. Sollte kein Zahlungseingang über den gesamten offenen Betrag erfolgen, kann dies weitere Mahnkosten etc. zur Folge haben.

Besuchen Sie für den Versand einer E-Mail an uns bitte unsere Internetseite http://www.o2online.de/goto/kontakt und wählen Sie anschließend die Rubrik ?Kontakt per E Mail für Kunden?.

Um bei zukünftigen Anliegen zeitnah mit uns in Kontakt zu treten, bieten wir Ihnen auch gerne die Möglichkeit mit uns zu chatten. Gehen Sie dafür einfach auf http://www.o2.de/goto/kontakt und wählen Sie anschließend die Rubrik ?Chat starten?.

Beachten Sie bitte, dass Sie zum Schutz Ihrer Daten Ihr persönliches Portalkennwort in unserem Kontaktformular eingeben. Das Portalkennwort haben Sie mit der Registrierung auf http://www.o2online.de selbst festgelegt.

Die Zahlweise zur nächsten Fälligkeit entnehmen Sie bitte Ihrer nächsten Rechnung. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Wir bitten Sie, bei Ihrer Antwort stets den gesamten Schriftverkehr sowie den Betreff in der E-Mail zu belassen.

Vielen Dank für Ihre Mithilfe.

Freundliche Grüße

Ihr o2 Team

Die Antwort kam von einem anderen Mitarbeiter als die erste Email. Absprachen untereinander scheinen nicht stattzufinden. Verstehendes Lesen auch nicht. Dafür funktioniert aber copy & paste hervorragend. Ich verstehe auch nicht, warum es O2 nicht möglich ist, den offenen Betrag vom Konto abzubuchen, sie haben meine schriftliche Erlaubnis und die Buchung schlug auch nicht wegen fehlender Kontodeckung, sondern „nur“ wegen einer falschen Bankleitzahl fehl. Ich beschloss in diesem Moment, mir nicht weiter den Urlaub verderben zu lassen, sondern die ganze Angelegenheit erstmal zu vergessen.

Nach 3 Wochen England kamen wir also wieder zurück nach D, ohne weitere Emails von O2 erhalten zu haben. Der mobile  Internetzugang war wie mitgeteilt gesperrt, aber ich konnte noch per Handy anrufen. Am Montag nach meinem Urlaub hatte ich nach meinem ersten Arbeitstag nach insgesamt 4 Wochen Abwesenheit keinen Nerv mehr für O2, so dass ich mich erst am Dienstag nachmittag in den um die Ecke liegenden Shop begab, um die Angelegenheit zu klären.

Ich sagte also dem freundlichen O2-Mitarbeiter, was ich wollte und dieser suchte angestrengt in seinem System. Er wurde fündig und nannte mir den offenen Betrag, welcher ca. 2,5 mal so hoch wie der ursprünglich offene Betrag war. Ich bat ihn daraufhin, doch bitte zu schauen, was denn in diesem Rechnungsbetrag alles drin sei, da ich mir die Höhe nicht so recht erklären konnte. Er wühlte weiter im System, entschuldigte sich mehrmals, dass das System so langsam und umständlich sei und er auch nicht Zugriff auf alle Angaben hätte. Nach ca. 10 Minuten Suche schaffte er es, mir eine Rechnung mit den einzelnen Posten auszudrucken.

Ich schaute mir die Rechnung an und siehe, da war nicht nur der offene Augustbetrag drauf, sondern mittlerweile auch der Septemberbetrag und 2x die Gebühr für die Internetsperre. So sehen also die Bemühungen von O2 aus „jegliche zusätzliche Kosten zu Ihren Lasten zu vermeiden„. Dann will ich gar nicht erst wissen, was passiert, wenn sich O2 nicht mehr bemüht.
Der Shop-Mitarbeiter meinte, ich solle bei der Hotline anrufen und das klären, da diese umfangreicheren Zugriff auf das System hätte.

Also gut, nach Hause, Hotlinenummer rausgesucht und angerufen. Ich wurde sofort per Bandansage informiert, dass mit meiner Rechnung etwas nicht stimmte und ich deswegen direkt in die Rechnungsabteilung verbunden werde. Gut, ich wollte eh dahin, und sparte mir so das lästige Hangeln durch das Telefonmenü.

Ich bekam eine nette Dame von der Rechnungsabteilung ans Ohr, erklärte ihr mein Anliegen und meinte auch, dass ich durchaus bereit bin, die offenen Rechnungen zu bezahlen, ich aber mit den Gebühren für die Internetsperre nicht sonderlich einverstanden bin. Sie verstand meine Situation und versuchte, eine Lösung zu finden. Sie erklärte mir, ich solle den offenen Betrag im Shop bezahlen, aber dazu sagen, dass die Bezahlung nur „unter Vorbehalt“ getätigt wird. Ich kenn diese Möglichkeit, wenn ich per Hand Überweisungen anstieß, machte also durchaus Sinn für mich. Ich fragte vorsichtshalber noch nach, ob denn der Shop auch wirklich die Möglichkeit hätte, diesen Vermerk bei der Bezahlung anzugeben.
Die Dame versicherte mir dies.
Sie erklärte mir danach noch, wohin ich den Einspruch gegen die strittigen Rechnungsposten schicken sollte. Ich fragte noch, ob denn nach dem Bezahlen wieder auf Lastschrift umgestellt wurde. Ach dies wurde mir bejaht.
Ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass mir tatsächlich jemand von O2 helfen wollte.

Ich begab mich also am nächsten Tag wieder in einen O2-Shop, diesmal einen anderen, weil der gestrige ein wenig überfüllt war. Der nächste Shop lag keine 300 m vom ersten entfernt und war wesentlich weniger gut besucht. Ich schilderte also der freundlichen Mitarbeiterin mein Anliegen und bat darum, dass die Zahlung mit dem Vermerk „unter Vorbehalt“ erfolgt. Die Mitarbeiterin schaute im System, konnte aber keine Möglichkeit finden, diesen Vermerk irgendwo auszuwählen oder dazu zu schreiben.

Ehrlich, so langsam hatte ich keinen Bock mehr.

Doch die Mitarbeiterin griff beherzt zum Telefon und rief in der Zentrale an. Mit erstaunlicher Präzision schilderte sie dort mein Anliegen und wurde weiter verbunden. Dort bekam sie dann jemanden ans Ohr, der wohl auch was zu sagen hatte, und dieser stimmte doch tatsächlich zu, den Rechnungsbetrag um die strittigen Posten zu kürzen und eben nur die offenen Rechnungsbeträge zu bezahlen. Ich hätte die Frau knutschen können. Ganz ehrlich.
Ich bezahlte also normal meine Rechnungen und fragte nochmals nach, ob denn jetzt auch wieder auf Lastschrift umgestellt würde. Jaja, natürlich.

Erleichtert und gut gelaunt ging ich nach Hause und dachte, die Angelegenheit wäre erledigt.

Aber nicht bei O2.

Anfang November erhielt ich folgende SMS:

Guten Tag. Ihre letzte Rechnung wurde nicht bezahlt. Bitte zahlen Sie innerhalb von 3 Werktagen, um eine Sperre des Internetzugangs zu vermeiden. Ihr O2 Team.

Parallel dazu erhielt ich auch noch eine Email:

Sehr geehrte Frau XYZ,

sicher haben Sie übersehen, dass Ihre letzte Rechnung nicht beglichen ist.

Ihr Konto weist einen offenen Betrag in Höhe von xx,xx Euro aus.
Bitte zahlen Sie innerhalb von 3 Werktagen.

Wir buchen vorübergehend nicht mehr von Ihrem Konto ab.

[…]

Och nö. Wozu hab ich noch 2 mal nachgefragt, ob wieder auf Lastschrift umgestellt wird? Ich bezahlte also den offenen Betrag fix per Onlineüberweisung, immerhin hatte ich ja diesmal 3 Werktage Zeit, das sollte hoffentlich reichen.

Dazu antwortete ich noch auf die Email:

Sehr geehrtes O2-Team,

vielen Dank für die Mahnung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe.

Ich lasse seit 12 Jahren, die ich nun Kunde Ihres Unternehmens bin, meine Rechnungen per Lastschrift abbuchen, da dies bisher auch immer vorbildlich funktioniert hat. Und ich bin davon ausgegangen, dass dies nach Abschluss des unsäglichen Vorgangs vor einem Monat auch weiterhin passieren wird. Immerhin wurde mir dies an der Hotline UND im O2-Shop so bestätigt.

Können Sie mir bitte erklären, warum Sie nicht mehr von meinem Konto abbuchen, obwohl ich alle offen stehenden Beträge beglichen habe? Obwohl Sie mir gegenteiliges zugesagt haben?

Nochmals: bitte aktivieren Sie wieder das Lastschriftverfahren, Sie haben alle dafür nötigen Daten von mir bekommen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich habe bis zum heutigen Tag, 3 Wochen später, keine Antwort darauf erhalten.

Dafür erhielt ich aber Anfang der Woche einen Anruf von O2, wo mir ein netter Herr mitteilte, dass mein Vertrag doch völlig veraltet sei – der Vertrag ist keine 2 Jahre alt – und er hätte fantastische neue Angebote für mich. Da ich die letzten Wochen bei allen Konkurrenten Angebote eingeholt hatte, war ich gespannt, was der Herr mir denn offerieren würde. Doch zuvor fragte ich ihn allerdings, ob denn mittlerweile die Umstellung auf Lastschrift erfolgt sei. Er schaute kurz ins System und meinte, nein, Lastschrift wäre nicht eingestellt. Er hätte jetzt aber den entsprechenden Haken gesetzt.

Dann fragte er, ob ich denn soweit mit meinem Vertrag zufrieden sei, was ich bejahte. Ich brauchte nicht viel, und für das war mein Vertrag in der Tat ausreichend. Ich teilte ihm allerdings mit, dass das Handy meines Mannes, welches jetzt kostenlos nebenbei mitläuft, eventuell, bei einem entsprechend guten Angebot, verbessert werden könnte.

Ohje, jetzt holte der Mitarbeiter aus. Er hätte ein superfantastisches Angebot inklusive Samsung S4 mini und Alles-Flat und Schleifchen drum für nur 30 Euro im Monat. Ich unterbrach ihn und meinte, wir bezahlen jetzt für 2 Handys 22,50 + evtl. Gesprächskosten meines Mannes, da finde ich jetzt die 30 Euro für nur ein Handy ein wenig übertrieben, immerhin kommen da ja noch die Kosten für mein Handy obendrauf und das wären dann schon lockere 50+ Euro. Der Herr meinte aber, dass Angebot wäre so fantastisch, das müsste ich nehmen. Ich sagte ihm, für den Preis bekomme ich mein Handy auch von der Telekom, da bräuchte ich O2 nicht. Um ihm eine Vorstellung zu geben, erzählte ich ihm von einem real existierenden Konkurrenzangebot, wo ich für mein Handy samt vergleichbarer Internetflat und einem Neuhandy für meinen Mann samt Miniinternetflat knappe 25 Euro zahlen würde.

Daraufhin meinte der Herr, dass so ein Angebot nicht existieren würde, das könnte gar nicht sein, und bezichtigte mich indirekt der Lüge. Für mich war das Gespräch an diesem Punkt beendet, ich wünschte ihm einen guten Tag und legte auf.

Tja, und jetzt bin ich gespannt, was da evtl. noch kommt. Morgen geh ich auf jeden Fall zur Konkurrenz und werde meinen Mobilfunkanbieter wechseln.

Update: Um mich auf den Anbieterwechsel auch richtig vorzubereiten, schaute ich nochmal im O2-Portal vorbei. Dabei stieß ich auf folgende Unregelmäßigkeiten:

  • der angeblich erlassene Betrag der Internetsperre wurde bei der nächsten Rechnung einfach wieder draufgebucht
  • der Vertragsbeginn meinen Surfflatvertrags ist der 6.1.2012, Vertragsende erst am 4.1.2015
  • die Warteschleife der O2-Hotline wird nach 30 Minuten gnadenlos beendet
  • beide Verträge wurden jetzt von mir zur Kündigung vorgemerkt, ich mag echt nicht mehr mit dem blauen Riesen in Geschäftsbeziehung stehen :/