Der Ratgeber für Frauen

Wie vor ungefähr einem Jahr angedroht und erst jetzt wieder im Entwurfsordner gefunden, folgt nun das Best-Of eines selbsternannten Karriereratgebers speziell für Frauen in Naturwissenschaften. Da ich selber zu dieser Spezies gehöre und viele meiner Freundinnen auch, glaube ich, mir tatsächlich ein Urteil über die Qualität bzw. Praktibilität der dargebotenen Ratschläge erlauben zu können. Das Buch wird mittlerweile erschienen sein, da es aber kein besonders tolles Buch ist und dieser Beitrag auch keine Rezension, werde ich so anonym wie möglich berichten. Außerdem habe ich Buchtitel und Autorinnenname vergessen.

Mich interessiert zudem, wie eure Meinung zu den jeweiligen Passagen ist.

Die Autorin beginnt damit, ihren Werdegang zu beschreiben. Wie sie davon träumte zu studieren und wie sie das Studium romantisierte.

Während meiner Promotion war dann leider nicht mehr alles so idealistisch, wie ich anfangs dachte.

Eine echte Blitzmerkerin! Ich hatte ebenso eine idealisierte Vorstellung vom Studium, aber diese wurde bereits nach wenigen Tagen von der Realität verdrängt. Das erst in der Promotion hinzukriegen ist eine echte Leistung.

Sie elaboriert danach seitenlang, ob man eine akademische Laufbahn einschlagen sollte oder doch besser in die freie Wirtschaft wechselt. Ausführlich werden die jeweiligen Arbeitsabläufe und Unterschiede beschrieben. Dabei wird der Eindruck erzeugt, als ob beide Optionen tatsächlich gleichrangig sowohl in der Anzahl der verfügbaren Stellen als auch den notwendigen Qualifikationen sind.

In meinem erweiterten Bekanntenkreis befinden sich ca. 50 Personen mit Studienabschluss, davon sind ca. 30 Doktoren und genau eine einzige Person arbeitet tatsächlich an der Uni und hat lang und hart für diese Stelle kämpfen müssen. Es wird sich also den allermeisten Akademikern gar nicht die Frage stellen, ob Uni oder Wirtschaft. Aber gut, dass darüber geredet wurde.

In den Ausführungen zur Wirtschaftskarriere beschreibt sie eine angestellte Akademikerin:

Sie trägt flache, braune Schuhe, eine cremefarbene Hose und ein rosa Hemd. Irgendwie eine komische Kombination, aber es steht ihr gut.

Auch nach dem 10. Lesen erschließt sich mir die Komik der Kombination nicht. Aber Hauptsache, es steht ihr gut.

ein Whiteboard auf dem eine chemische Formel gezeichnet ist

Mein Mann, nicht ganz fertig studierter Chemiker, hat bei dieser Zeile einen kleinen Herzanfall bekommen. Formeln werden geschrieben. Molekülstrukturen gezeichnet. Grundsätzlich bin ich froh, dass sie nicht das Wort „gemalt“ verwendet hat.

Die Autorin führte – angeblich – diverse Gespräche mit Frauen in der Wirtschaft und lässt eine der Wissenschaftlerinnen sagen:

Die Kehrseite ist allerdings, dass ich es auch mit vielen weniger anspruchsvollen Tätigkeiten zu tun habe, rein Administratives und manch dröges Meeting und natürlich nicht zu unterschätzen die Personalverantwortung . . .

Personalverantwortung und Mitarbeiterführung ist echt nur pillepalle, das erledigt sich komplett im Vorbeigehen. Und zum Glück muss man an der Uni nie auch nur ein einziges Formular ausfüllen!

Überhaupt ist in der Wirtschaft alles viel umständlicher:

Ich musste für jeden „Furz“ ein Formblatt ausfüllen –mit Datum und Unterschrift versteht sich! Selbst wenn ich Chemikalien entsorgen wollte, musste ich in einer Liste vermerken, wie viel mL ich wovon, wann, wo, wie und warum in den Kanister gegeben hatte.

An der Uni dagegen schludern sie einfach so mit der Salzsäure rum, da weiß niemand so genau, wie viel von irgendwas benutzt oder entsorgt wurde, wird eh alles ins Waschbecken gekippt, kurz mit Wasser nachspülen, fertig. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass mein Mann an dieser Stelle einen weiteren Herzanfall erlitten hat.

Ein spannender Karriereaspekt ist laut Autorin das Alter der Wissenschaftlerin:

Es gibt aber auch Karrieremöglichkeiten für Naturwissenschaftler, bei denen das Alter kaum ein Ausschlusskriterium darstellt. Das ist der Fall, wenn Sie in die Politik wechseln, als Quereinsteigerin ins Lehramt gehen, Trainerin werden oder sich selbstständig machen.

Mag ich mich jetzt darüber auslassen, dass nicht das Alter, sondern vielmehr die Gehaltsvorstellungen bzw. Lebenshaltungskosten einen späten Einstieg erschweren? Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass eine Späteinsteigerin genauso gute Chancen hat, wenn sie ebenso wie ein junger Berufsanfänger bereit ist, für ein vergleichsweise kleines Gehalt zu arbeiten.

„Ein bisserl was geht immer“ wie die Physiker so schön sagen.

Echt, sagen die das? Ich kenne ein paar Physiker und die reden eine ganze Menge, froh jemanden gefunden zu haben, der ihnen zuhört, aber das hat noch nie einer von denen gesagt.

„Ich war über zehn Jahre Laborleiterin bei einem Pharmariesen. Mein Partner musste dann für eine Stelle in eine strukturschwache Region umziehen und ich zog mit. Die beste Chance, die ich nun habe, ist an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt zu werden. Ich bin bereit das zu tun, doch ist es natürlich ein Rückschritt.“

Dieses Zitat ist so falsch auf so vielen Ebenen. Sie dackelt ihrem Partner brav hinterher, als ob es die Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte nie gegeben hat. Dazu noch eine strukturschwache Region, ich tippe auf Meck-Pomm, wo es außer Touristen und Steckrüben nur Ödnis gibt. Und Unis, die ihr armer Maus eine Stelle geben.
Ich möchte in die Tischkante beißen.

Wenn Sie also seit Monaten eifrig dabei sind, sich zu bewerben und noch nicht einmal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten haben, sollten Sie Ihre Unterlagen nochmal von Grund auf prüfen, Ihr Bild im Anschreiben ändern oder schlussfolgern, dass Sie erst relevante Erfahrungen sammeln müssen.

Es wird mit Sicherheit am Bild liegen! Es ist immer das Bild!

Während meiner Elternzeit von mehr als acht Jahren […]

Mein absoluter Lieblingssatz bisher. Solange sie in der Zeit nicht 4 oder 5 Kinder in die Welt gesetzt hat, wird jeder Arbeitgeber davon ausgehen, dass das Arbeiten als Angestellte vermutlich nicht so unbedingt ihr Ding ist.

Akademische Titel haben nicht nur Auswirkungen im Berufsleben, sondern auch im Privatleben: Beim Arztbesuch kann es sein, dass Sie als „Frau Dr.“ ins Behandlungszimmer gerufen werden und Ihr Doktortitel sogar auf dem Urinbecher verewigt wird.

Sollte ich mal in die Verlegenheit kommen, einen Doktortitel tragen zu wollen oder zu können, dann wird der Urinbecher meine Hauptmotivation sein. Oder wie es in einem Witz heißt: Bei Leuten, die ich mag, sag ich gerne „Lass den Dr. doch weg“, bei denen, die mir doof kommen „Dr. bitte, soviel Zeit muss sein.“.

„Vor ein paar Jahren musste ich als „Bittstellerin“ auf eine Behörde, um mich nach Fördermöglichkeiten für meine Firmengründung zu informieren. Das Gespräch nahm eine prompte Wende, als meine Gesprächspartnerin erfuhr, dass ich promoviert bin. Der Ton wurde respektvoll und die beantragten Kurse wurden sofort genehmigt.“

Ich mache da anscheinend was falsch, denn bei mir nehmen solche Gespräche keine Wende, sondern sie sind von Anfang an respektvoll und meine Kurse werden auch immer sofort genehmigt. Ohne Promotion. Skandal!

Damit wird die Vorbetrachtung verlassen und es geht über zum Bewerbungsabschnitt. Ich bin gespannt!

Was nun? Verzagen und Ihren Bekannten erzählen, dass es für Sie im Moment schlicht keine Stellen gibt? Nein, das ist sicherlich der falsche Weg, denn es gibt auch für Sie Jobs.

Öhm, ich mag nun völlig daneben liegen, aber ist dieser Weg nicht genau das, was man unter netzwerken versteht?

Falls Sie ein Angebot für eine Stelle erhalten, bei der Sie alle Anforderungen erfüllen, würden Sie sich wahrscheinlich sehr bald schrecklich langweilen.

Sagt wer? Nur weil es eine halbe Seite weiter oben lang und breit und vor allem anekdotisch aufgeführt wurde? Ich habe schon einige „passende“ Jobs gehabt, und nicht einer davon war langweilig.

Wenn Sie auf der Suche nach einer Teilzeitstelle sind, bewerben Sie sich auch auf Stellen, die als Vollzeitstelle ausgeschrieben sind. Holen Sie sich erstmal eine Einladung zum Gespräch und machen Sie sich dann einen Kopf um die Arbeitszeit. Sie müssen das auch nicht in Ihren Bewerbungsunterlagen erwähnen, sondern können das immer noch beim Gespräch tun.

Den Personaler will ich sehen, der dann jubelnd im Gespräch sitzt und sich freut, dass die Vollzeitkandidatin nur 20 Stunden möchte. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Gespräch eine sehr plötzliche Wende nehmen, recht frostig und vor allem schnell beendet werden, schließlich hat die Bewerberin schon genug kostbare Zeit gestohlen.

Sehen die Beschreibungen der Einstiegspositionen allesamt langweilig aus für Sie?

Ernsthaft? Seit mehreren Seiten elaboriert die Autorin, wie schrecklich es doch ist, dass in den Anzeigen immer die „eierlegende Wollmilchsau“ gefordert wird und plötzlich sind die Beschreibungen langweilig? Einmal mehr wünsche ich mir das fertige Werk als festgebundene Ausgabe, um es ihr um die Ohren zu semmeln.

Erstellen Sie sich also eine Übersicht, in der Sie Ihre [Bewerbungs-]Aktivitäten dokumentieren, das kann eine ganz einfache Excel-Tabelle oder eine alte Serviette sein.

Mist, ich brauche mehr alte Servietten. Mit Ketchupflecken!

Das spart nicht nur Zeit und schützt Sie vor peinlichen Situationen,
es gibt Ihnen auch einen persönlichen Informationsschatz für jede weitere Bewerbungsrunde.

Das müssen verdammt große Servietten sein!

die besten Bewerber schließlich einzuladen kostet Zeit und Geld,
denn die Arbeitgeber haben im Normalfall die Reisekosten zu tragen.

Und wieder mache ich was falsch, denn bei mir wurden bis jetzt genau einmal die Kosten übernommen und das hat mir einen netten Ausflug nach Hamburg beschert. Sonst stand in den Anzeigen immer „Reisekosten werden nicht erstattet“.

Sehr geehrte Damen und Herren,
bedingt durch meine Eltern, welche einen Gastronomiebetrieb führten, habe ich schon früh Erfahrungen im Dienstleistungssektor sammeln können.

Bei mir würde das Schreiben sofort in der Rundablage landen. Die weiteren Sätze aus einem Beispielanschreiben bestätigen nur meine Einschätzung. Zur Erinnerung, es geht um die Bewerbung einer Naturwissenschaftlerin.

Ich bemühte mich stets darum, über die Kernfächer hinaus Erfahrungen in den Bereichen Projektmanagement, Antragsstellung und Kommunikation zu erlangen.

Ob die Autorin schon mal was von Arbeitszeugnissen und den darin verwendeten Formulierungen gehört hat? Vermutlich nicht, war sie doch dauernd mit Promovieren beschäftigt, sonst wüsste sie, dass „stets bemüht“ der Note 6 gleich kommt. Aber hey, sowas kann man schon mal ins Anschreiben packen, da weiß der Arbeitgeber gleich, was ihn erwartet.

Legen Sie jetzt bitte das Buch für einen Moment beiseite und überlegen Sie, ob Sie wissen, was denn nun diese Bewerberin besonders interessant macht.

Das Buch beiseite legen ist ein großartiger Vorschlag. Rein zufällig könnte es dabei im Papiermüll landen.

Und dies war dann tatsächlich der Moment, wo ich das Buch beiseite gelegt habe, denn ich konnte keine weitere Seite, nicht mal einen weiteren Absatz von dem Geschmiere ertragen. Wer ernsthaft denkt, mit solch einem Geschreibsel echte und hilfreiche Tipps an Akademikerinnen weitergeben zu können, scheint entweder einen sehr schlechten Eindruck von Wissenschaftlerinnen im Allgemeinen oder ein völlig übersteigertes Bild der eigenen Ratgeberkompetenzen zu haben.
Oder beides!

© Foto von Flickr/Uwe Kaufmann „Problem-Management“ (CC BY 2.0)

 

Schreibblockade mal anders

Schon mal richtig Bock zum Schreiben gehabt und keine Ahnung, worüber?

So geht es mir gerade, ich hab das Gefühl, ich könnte Enzyklopädien verfassen, aber derzeit gibt es kein Thema, was mir auf der Seele liegt.

Vorschläge? Ideen? Themenwünsche? Mitleidende?

Aufregung im Buchformat

Mein Mann arbeitet bei einem Verlagsdienstleister als Korrekturleser. Das sind die, die schauen, ob die Setzer – diejenigen, die ein irgendwie zusammengeschustertes Word-Dokument so herrichten, dass ein schöner Blocksatz ohne Schusterjungen oder Hurenkinder entsteht – auch alle Vorgaben im Satz eingehalten haben. Mein Mann könnte auch gut als Copy Editor/Lektor arbeiten, zumindest in der Freizeit macht er da einen ganz ausgezeichneten Job, sehr zu meinem Leidwesen – und dem unserer Kinder 😉

Weil er in seinem ganz früheren Leben mal Chemie studiert hat, wird er gerne für naturwissenschaftliche Arbeiten eingesetzt. Außerdem befinde ich mich leider immer noch in der Bewerbungsphase und genau zu diesem Thema muss er gerade ein Werk lesen, im weitesten Sinne ein Karriereratgeber für Frauen. Da er weiß, wie gerne ich mich aufrege bzw. er dies selber gerade pausenlos bei dem aktuell vorliegenden Buch macht, schickte er mir eine Kopie davon.

Ich weiß nicht, wie gerne ihr meinen Aufregern folgt, aber falls es euch interessiert, könnte ich eine Best-Of-Sammlung veröffentlichen. Wenn ich eine ausführliche Buchkritik dazu schreibe und das Zitateurheberrecht  zugrunde lege, könnte eine interessante Diskussion entstehen 😀

Fazit: Falls ihr euch jemals mit dem Gedanken getragen habt, ein Buch zu schreiben, ganz gleich über welches Thema: tut es! Schlechter als dieser Schund einer promovierten Biologin kann euer Werk definitiv nicht sein!

P.S.: Je mehr ich von dem Buch lese, bitte bitte bitte schreibt alle eure Bücher, über welche Themen auch immer. Wenn dieses Machwerk bei einem so renommierten Verlag wie Wiley verlegt wird, dann sind eure Bücher demnächst alle bei Reklam erhältlich!

Nach Diktat verreist

Ich habe Post von meiner Anwältin bekommen, denn meine alte Firma hat auf ihr Schreiben reagiert. Sie hat mir eine Kopie der Antwort zukommen lassen. Seit ich dieses gelesen habe, rast mein Herz und ich möcht am liebsten irgendwas kaputt machen oder jemanden anschreien. Da mir meine Sachen aber doch recht teuer und meine Familie sehr lieb ist, schreibe ich lieber einen Blogeintrag dazu.

Am besten zitiere ich mal das Schreiben:

Tatsächlich ist der Arbeitsplatz Ihrer Mandantin auch entfallen.

Unrichtig ist, dass sich Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten auf einem anderen Arbeitsplatz ergeben haben oder bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist am 30.06.2015 hinaus ergeben werden. Die Position einer Projektassistentin im IT-Bereich gibt es nicht mehr. Susi (meine Vertretung) bekleidet diese auch nicht. Susi war ursprünglich als Vertreterin Ihrer Mandantin als Projektassistentin im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik im Bereich IT eingesetzt. Nachdem der Arbeitsplatz in der IT für eine Projektassistentin aufgrund der betrieblichen Veränderungen entfallen war, ergab sich eine Einsatzmöglichkeit für Susi aufgrund der besonderen gezeigten organisatorischen und kaufmännischen Leistungen im kaufmännischen Bereich (Finanzbereich) des Unternehmens. Susi hat im Gegensatz zu Ihrer Mandantin auch ein universitäres Studium, das sie zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben im Finanzbereich befähigt. Susi ist nunmehr direkt der kaufmännischen Leiterin unterstellt und seit einiger Zeit dort tätig. Für diese Tätigkeit hatte Ihre Mandantin keine Qualifikationen und wäre Ihre Mandantin auch nicht geeignet. Die Tätigkeit verlangt eine andere Qualifikation, die Ihre Mandantin nicht vorweisen kann. Susi ist in dem Finanzbereich im Übrigen nicht erst seit Ausspruch der Kündigung dort eingesetzt. Dementsprechend hätte unsere Mandantin ohnehin keine Verpflichtung gehabt, Einsatzmöglichkeiten Ihrer Mandantin auf dem Platz von Susi zu prüfen. Der Arbeitsplatz ist nach Ausspruch der Kündigung nicht neu entstanden und auch nicht frei geworden.

Einzig und allein im Vergleich zu der ursprünglich einmal ausgeübten Tätigkeit als Projektassistentin im IT-Bereich ist geblieben, dass Susi ihren Arbeitsplatz in demselben Büro hat, in dem ursprünglich Ihre Mandantin gearbeitet hat. Dies ist aber den begrenzten örtlichen Möglichkeiten geschuldet, weil für Susi ein anderes Büro nicht zur Verfügung stand. Über ihren konkreten Einsatz, ihre Stellung und Zuordnung im Unternehmen besagt dies aber nichts.

Der Einsatz Ihrer Mandantin war hingegen auf den reinen IT-Bereich beschränkt. Ein arbeitgeberseitiges Direktionsrecht zu einem Einsatz in einem anderen Bereich bestand nicht. Die Assistenztätigkeit bezog sich ausschließlich auf IT-Themen. Dies ist mit den von Susi ausgeübten Tätigkeiten nicht vergleichbar.

Wir bitten deshalb um Verständnis dafür, dass unsere Mandantin keine Veranlassung sieht, die Abfindung zu erhöhen.

Boar, ich koche!

Nehmen wir das Schreiben mal auseinander.

aufgrund der besonderen gezeigten organisatorischen und kaufmännischen Leistungen im kaufmännischen Bereich (Finanzbereich) des Unternehmens.

Susi hatte genau die gleichen Aufgaben wie ich. Auch ich habe organisatorische und kaufmännische Leistungen erbracht!

Susi hat im Gegensatz zu Ihrer Mandantin auch ein universitäres Studium, das sie zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben im Finanzbereich befähigt

Dieser Satz kommt einem Schlag ins Gesicht gleich. Es ist richtig, ich habe „nur“ einen Fachhochschulabschluss. Allerdings ist dies ein Diplom, für das ich 5 Jahre studiert habe. Im Fach Wirtschaftsinformatik. Susi hingegen hat einen Universitätsabschluss. Bachelor. Auch Wirtschaftsinformatik.

Die wollen ernsthaft behaupten, dass ein Bachelor höherwertiger ist als ein Diplom? 2 Jahre besser als 5 Jahre? Ernsthaft? Ob ich eine Anzeige wegen Beleidigung deswegen schreiben kann?

Für diese Tätigkeit hatte Ihre Mandantin keine Qualifikationen und wäre Ihre Mandantin auch nicht geeignet. Die Tätigkeit verlangt eine andere Qualifikation, die Ihre Mandantin nicht vorweisen kann.

Und weiter geht es mit den Beleidigungen. Wie gesagt, Susi hat nur den Bachelor und hatte während und nach dem Studium nur Stellen, die nie auch nur im Geringsten etwas mit Finanzwesen zu tun hatten. Logistikbranche ja, aber keine Finanzen.

Ich hingegen habe in meinem minderwertigen Fachhochschulstudium mehrere Semester Buchhaltung, Kosten-Leistungsrechnung, Betriebliche Steuerlehre, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre gehabt. Ich habe dort Prüfungen ablegen müssen und habe alle bestanden. Wo ist das bitte keine Qualifikation, um im Finanzbereich arbeiten zu können?

dass Susi ihren Arbeitsplatz in demselben Büro hat […] aber den begrenzten örtlichen Möglichkeiten geschuldet

Rein zufällig hab ich ein ganz gutes geografisches Gedächtnis und weiß, dass mindestens ein Büro frei geworden ist, in das Susi hätte umziehen können, um auch eine räumliche Trennung vom IT-Bereich vorzunehmen. Und mit Sicherheit übernimmt sie auch keinerlei finanzfremde Aufgaben, nachdem sie bereits längerfristig dem IT-Chef unterstellt war und immer noch in dessen Büro sitzt.

Wen wollen die eigentlich verscheißern?

Der Einsatz Ihrer Mandantin war hingegen auf den reinen IT-Bereich beschränkt.

Ähm. Ja. Nein!

Weil ich immer nur in der IT rumgehangen habe, haben mich die Buchhaltungs- und Controllingkollegen auch nie zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Klar, die lassen immer artfremde Kollegen ihre Kuchen und Mettbrötchen wegfuttern, weil sie einfach so wahnsinnig nett sind.

Ich hatte durchaus Aufgaben aus dem Finanzbereich, mehr als einmal kam die kaufmännische Leiterin auf mich zu und bat mich um Zahlen und Hilfe. Die Leiterin übertrug mir ebenso Aufgaben wie mein direkter Chef und sie war mir weisungsbefugt.

Nochmal: wen wollen die verscheißern?

Dies ist mit den von Susi ausgeübten Tätigkeiten nicht vergleichbar.

Ja ne, ist klar.

Leider kann ich derzeit nicht besonders viel tun, weil meine Anwältin gerade im Urlaub ist. Ich werde meine ehemaligen Kollegen befragen, vielleicht können mir diese ein paar Antworten geben.
Als kleines Highlight fand ich allerdings, dass wegen des Urlaubs unter dem Anschreiben der Anwältin tatsächlich stand:
„nach Diktat verreist“ 🙂

Viel zu viel

zu tun für zu wenig Zeit!

Ich war mal wieder für ein (sehr) langes Wochenende bei meinen Eltern und hab da so einiges erlebt, über das ich bei Gelegenheit mal schreiben muss. Außerdem spannen mich die Artikel meines Reiseblogs ordentlich ein, da ich mir vorgenommen habe, diese in beschwingt-leichter Form zu verfassen, ich aber nicht immer in der passenden Stimmung bin. Dann arbeite ich an zwei längeren Texten, einer davon über Boris. Der ist, im Gegensatz zum zweiten Text, schon fertig in meinem Kopf und muss eben nur noch zu Papier auf den Bildschirm gebracht werden.

Organisatorisch hängt auch einiges in der Warteschleife. Der Urlaub war teurer als gedacht und ich muss dringend zur Bank. Dooferweise war der erste Versuch daran gescheitert, dass ich den kontoauszuggleichen Wisch, der nach Aussage des Bankangestellten mein Sparbuch repräsentiert, nicht bei mir hatte. Vor einem Jahr ging es zwar auch ohne, wenn auch mit dem eindringlichen Hinweis, dass es ohne das Sparbuch nicht geht, letztendlich fand aber die nette Schalterdame doch einen Weg. So muss ich jetzt also wieder mitten in die Stadt.
Wir müssen noch das Schreiben an unsere Wunschschule fertig machen, damit der Große im nächsten Jahr dort und nicht in der bronxnahen Einrichtung eingeschult werden kann. Mein Mann macht sich diesbezüglich schlau, stolpert dabei jedoch ständig über neue Hindernisse. Aktuell geht es darum, alle Argumente zusammenzutragen, da nachträglich angebrachte Gründe nicht berücksichtigt werden.
Der in Italien passierte Hagelschaden muss auch noch begutachtet werden. Ich kann dazu zwar jederzeit wochentags bei der Dekra vorbei schauen, muss aber vorher mit dem Auto in die Waschanlage. Hab ich ewig nicht mehr gemacht. Ich hoffe, ich weiß noch, wie das geht und vor Allem hoffe ich, dass das Auto dabei nicht auseinander fällt, denn insgeheim denke ich, dass es größtenteils nur noch durch den Dreck zusammen gehalten wird. Wie auch immer, es hat heute so dolle geregnet, dass sich eine Wagenwäsche überhaupt nicht gelohnt hätte und jetzt kann ich das frühestens freitags nachholen, da ich morgen zur Bank will, weil die am Freitag nur bis 12 Uhr geöffnet hat.

Die Katzen wollen bespaßt werden, so richtig verkraftet haben die unsere 3-wöchige Abwesenheit noch nicht. Und auch wir wollen unseren Spaß und deswegen habe ich meinem Mann die Erweiterung für Diablo 3 gekauft. Da es aber blöd ist, wenn er alleine das spielt und mir die ganze Zeit den Mund wässrig macht mit den tollen Neuerungen und Items und überhaupt und das ganze gerade im Angebot war, hab ich mir die Erweiterung auch gekauft und würde jetzt am liebsten die ganze Zeit zocken. Tja, wären da nicht die ganzen oben stehenden Punkte und mein süßes Mädchen.

Das nämlich lenkt mich durch ihr Süßsein und ihr rasantes Wachstum von allen anderem ab und so sitze ich lange neben ihr und schau ihr beim Turnen und Glücklichsein zu.

Projektstart

Dem Beginn eines neuen Projekts, einer neuen Aufgabe wohnt immer der Reiz des Unbekannten und Unverbrauchten inne. Niemand kann vorhersagen, wohin die Reise gehen wird, welche Widrigkeiten einem unterwegs begegnen und auf welche Menschen und Geschichten man stoßen wird.

Und um das Thema Reise dreht sich auch mein neues Projekt. Angestachelt durch Libromanies Montagsfrage nach dem Traumjob im Büchergeschäft, dachte ich, wie schön es doch wäre, wenn mich jemand fürs Schreiben bezahlen würde. Nicht so journalismusmäßig, wo man über das schreiben muss, was der Auftraggeber verlangt, sondern individuell, worüber ich erzählen möchte.

Nun finde ich, meinem Narzissmus völlig konträr, mein Leben nicht so wahnsinnig spannend, als dass dafür jemand Geld ausgeben würde, um daran teilhaben zu wollen. Meinen Mann habe ich damals nur mit List und Tücke zur Ehe überreden können und er sucht bis heute einen Ausweg aus unserem Eheknebelvertrag. Alle anderen ertragen mich auf freiwilliger Basis.

Was aber immer geht, sind Kinder, Tiere oder Exotik. Am besten in Kombination. Und so arbeite ich derzeit an einem Projekt, welches Kinder und Exotik verbindet, und vielleicht ergibt sich auch die Gelegenheit, das eine oder andere Tier mit einzustreuen.

Das Blöde an solchen Projekten ist aber, dass man immer in Vorleistung gehen muss, um am Ende irgendeinen Gewinn zu machen. Und weil ich will, dass am Ende auch ein Gewinn heraus springt, sei er noch so klein, bin ich gerade ziemlich beschäftigt. Sollte sich im Ansatz ein Erfolg zeigen, werde ich davon berichten. Bei Misserfolg vermutlich auch, alleine leiden muss ja nicht sein. Was auch immer dabei heraus kommt, es wird eine spannende Erfahrung sein, die mich jetzt, nach 3 Tagen schon vieles gelernt hat.

Hach, bin ich aufgeregt 🙂

Gedankenstenograph

Oh, wie gerne hätte ich so ein Gerät, welches meine Gedanken beim Denken mitstenografiert.

Besonders nachts liege ich oft noch einige Zeit wach und denke nach. Über den Tag. Über zukünftige Pläne. Über Vergangenes.

In letzter Zeit „schreibe“ ich ganz häufig meine Blogeinträge in der Nacht. Ich feile in Gedanken an den Ausdrücken, an der Struktur, an den Kernaussagen. Um tatsächlich wieder aufzustehen, um mich an den Rechner zu setzen und die Geschichte wirklich niederzuschreiben, dazu bin ich meist zu müde. Was ich höchst schade finde, da ich besonders abends und nachts am kreativsten bin.

Vor einiger Zeit hatte ich sogar mal angefangen, einen Krimiroman in meinem Kopf zu schreiben. Tatort, Opfer und die ersten polizeilichen Ermittlungen waren alle schon fertig. Da ich aber nicht wusste, wer der Mörder sein sollte, stockte ich in meinen Gedanken und der Fall kam nie zur Auflösung. Auch, weil er eben nur in meinem Kopf existierte. Ich denke, wenn man erstmal die ersten 10.000 Wörter verfasst hat, kommen die nächsten 10-20.000 fast von allein.

So lange es also den Gedankenstenograf nicht gibt, werden viele Geschichten unerzählt bleiben, was ich sehr, sehr schade finde. Nicht unbedingt, weil ich finde, dass all diese Geschichten wirklich erzählens- oder lesenswert sind, aber weil sie wertvollen Platz in meinem Kopf wegnehmen.

Oder aber ich raffe mich eben doch mitten in der Nacht auf und halte alles auf herkömmliche Weise fest.