Grundgesetz

Und dann redest du zwischendurch und völlig unvorbereitet, weil halt gerade der 9. November ist, mit deinem 9-jährigen Kind über das Grundgesetz.

Woraus es entstanden es, wie fortschrittlich es damals war, welche Bedeutung es heute hat. Und irgendwann fragst du bei deinem Kind mal nach, wie es denn ausgerechnet jetzt auf dieses Thema kommt. Es antwortet, weil das Grundgesetz in verschiedenen Sprachen in der Schule aushängt und es sich wundert, was es eigentlich damit auf sich hat.

Als Ossi ist mir die Geschichte des Grundgesetzes nur mäßig vertraut, dennoch versuchte ich mein Bestes. Damals, nach dem 2. Weltkrieg mit sämtlichen Ungeheuerlichkeiten, wollte Deutschland eine Verfassung etablieren, die eben jene Grausamkeiten, wenn nicht gar unmöglich, so doch sehr schwierig wiederholbar machen sollte. Es wurden schlaue Menschen gefragt, was alles im Grundgesetz stehen sollte und die beauftragten Menschen waren nicht nur schlau, sondern auch sehr weise.

Artikel 1 des Grundgesetzes kennt hoffentlich jeder: die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch wenn dieser Satz eher abstrakt und wenig greifbar ist, fußen doch alle anderen Artikel darauf.

Damals revolutionär und noch ein paar Jahre im Brutkasten der Demokratie inkubiert, steht da auch, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Vor allem dieser Artikel ist wichtig für Flüchtlinge, da leider sehr oft in vornehmlich muslimisch geprägten Ländern das Frauenbild doch einer anderen Realität entspringt.

Post- und Briefgeheimnis. Du darfst halt keine fremden Briefe öffnen, egal, wie sehr dich der Inhalt interessiert und du denkst, hey, das ist nur ein Infobrief, was soll da schon drinstehen. Wir halten es in unserer Familie genau so, direkt adressierte Briefe dürfen nur vom Empfänger geöffnet werden. Da tut es auch nichts zur Sache, dass wir letztendlich keine Geheimnisse voreinander haben und den Inhalt trotzdem erfahren.

Die Unabhängigkeit des Journalismus ist fundamental, eine Zensur findet nicht statt. Ein weiteres, fundamentales Gesetz in einer freien Demokratie. Es muss jederzeit möglich sein, auch unbequeme Wahrheiten zu veröffentlichen.

Dann schwand Juniors Interesse, aber ich denke, er hat den Grundgedanken unserer Verfassung verinnerlicht. Den vorurteilsfreien Umgang mit sämtlichen Menschen hat er schon viel früher gelernt!

Sie werden so schnell groß

Der Große ist jetzt 9 Jahre alt. Die Kleene 4.

Seit einem guten Jahr geht der Große allein zur Schule und vom Hort wieder nach Hause. Er darf alleine in die Bibliothek um die Ecke gehen, um sich dort Bücher auszuleihen. Eventuelle Strafgebühren darf er von seinem Taschengeld bezahlen.

Sein Taschengeld beträgt 3€ pro Woche, entsprechend seiner Klassenstufe, wird also jeden Sommer automatisch erhöht. Um sein „Einkommen“ aufzubessern, darf er aller zwei Wochen den Hausflur fegen, gibt 2€, falls er anfängt, ihn auch noch zu wischen, bin ich bereit 5€ zu zahlen. Mit seinem Taschengeld darf er machen, was er will. Das letzte Mal hat er 12€ für 3 Lego-Zeitschriften ausgegeben.

In der Woche darf, wenn er seinen Ranzen gepackt und alle Hausaufgaben gemacht hat, runter in den Hof und dort bis 18:30 Uhr spielen. Am Wochenende darf er ebenfalls raus in den Hof, aber dann mit seiner Schwester, muss auf sie ein Auge haben und sie dürfen nur im hinteren Teil spielen. Heimkommzeit ist dann 18 Uhr. Der Hof ist eingezäunt und wenn irgendwas sein sollte, dann reicht Klingeln und wir sind sofort unten.
Bislang funktioniert dieses Arrangement reibungslos.

Heute durfte er das erste Mal zu einem Freund nach Hause gehen. Ich habe ihm extra einen Zettel für den Hort mitgegeben, dass er den Hort, anstatt wie üblich 16:30 Uhr, bereits um 15 Uhr verlassen darf. Er ging dann zu Bruno, zusammen mit Erik, weil Bruno eine Playstation mit 3 Controllern hat. Dort haben sie Minecraft gezockt, bis er um 18:30 Uhr nach Hause musste. Klappte tadellos.

Manchmal mache ich mir Sorgen, dass ihm auf den Wegen was passiert, er im Einkaufszentrum beklaut wird oder er von einem Auto angefahren wird. Andererseits zog ich, seit ich denken kann, in unserem gesamten Viertel (mal grob übern Daumen gepeilt so um die 9 km²) um die Häuser und besuchte reihum alle meine Klassenkameraden. OK, anderes Land und andere Zeit, aber Autos und doofe Menschen gab es auch schon damals.

Ich erinnere mich an die Infoveranstaltung im Februar, wo über die Schulformen und Bildungswege informiert wurde (Quintessenz: schicke dein Kind nur aufs Gymnasium, wenn es intellektuell und persönlich reif genug dafür ist; Mittelschule ist keine Schande.). Ein Junge, kaum größer und älter als der Rabauke erzählte, wie er jeden Tag mit der Straßenbahn quer durch die Stadt fährt, um in seine Sport(mittel)schule zu kommen. Mir machte das Angst.

Freunde von uns eskortierten ihre Tochter jeden Tag zur Schule, bis sie mit 14 oder 15 sagte, dass es sie nervte. Das Mädchen hatte vor allem Angst, traute sich kaum was zu und war unsicher wie sonstwas.
Wenn ich hingegen meinem Großen sage, dass eine Filiale unseres Lieblingsbäckers keine 100m entfernt aufgemacht hat und er jetzt wochenends die Brötchen holen darf, rollt er mit den Augen und meint, „och nö, das ist langweilig“.

Fazit: Elternsein ist eine ständige Gratwanderung zwischen Freiheiten ermöglichen und Schutz bieten.
Und ja, sie werden viel zu schnell groß!

Erste Liebe

Hach, die Liebe. So wundervoll. Und wie immer bei ersten Malen mit einem besonderen Zauber versehen.

Letzte Woche hole ich den Großen aus dem Hort ab und schau wie immer in seinen Ranzen, ob alles drin ist, was reingehört und ob in der Postmappe Schreiben der Klassenlehrerin, der Hort- oder Schulleitung liegen.
Wie ich so stöber, fällt mir ein kleines, selbstgebasteltes Büchlein in die Hände, welches mit pinkfarbenem Kräuselband zusammengebunden wurde.

Scherzhaft frage ich meinen Sohn, ob das denn ein Liebesbrief sei. Ganz stolz und überhaupt nicht schüchtern erzählt er mir, dass das von Zoe sei und auf dem ersten Bild sind er und Zoe zu sehen und jede Menge Herzen. Also ist Zoe jetzt deine Freundin, hake ich nach, was mein knapp 8-jähriger Rabauke bejaht.

Im Augenwinkel bemerke ich ein anderes Hortkind, das gerade Luft holen will, um eine dieser typischen abfälligen Bemerkungen zu machen oder in diesen nervigen Singsang zu verfallen: „Zoe und Großer, Zoe und Großer“. Man kennt das ja noch aus der eigenen Kindheit.
Um dem ganz schnell einen Riegel vorzuschieben, rufe ich, wie toll ich das finde und dass die Liebe doch was ganz Wunderbares sei. Und gerade in den heutigen Zeiten kann es gar nicht genug Liebe auf der Welt geben.

Aus dem Hintergrund ruft die Hortnerin: Oh, ja, das stimmt!

© Foto von Flickr/Evangelisches Schuldekanat Schorndorf/Waiblingen „Herz1“, CC BY 2.0

Schmerzgrenze

Was ich ja überhaupt nicht mag ist, wenn mich Menschen frühmorgens zutexten und nicht mal in Ruhe abwarten können, bis ich ausreichend wach bin. Noch dazu montags, wenn mein Gehirn sich noch krampfhaft an den vergangenen Sonntag klammert und die Nacht wie so oft viel zu kurz war.

Während heute morgen mein Rechner auf Arbeit gerade startete, tapperte ich mit müde verquollenen Augen und meiner Wasserflasche zum Wasserspender. Diese Gelegenheit nutzte ein Kollege sofort aus, kam auf mich zu und fragte mich, wie gut ich denn im Schmerzen aushalten bin. Dass es mich nur zur Wasserstelle trieb, damit ich die zwei Paracetamol gegen meine Rückenschmerzen nicht trocken herunterwürgen musste, konnte er ja nicht ahnen. Vielmehr wollte er mir ganz stolz von seinem neuen Tattoo berichten und wie sehr es doch an seiner Wade zwicken und jucken würde.

Mein Mitleid hielt sich in Grenzen und ich murmelte was von „selbstgewähltes Schicksal“. Er meinte, es würde mich vielleicht interessieren, wenn ich dann selber mein Tattoo stechen ließe. Ja ok, wir hatten uns ein paar mal darüber unterhalten und ich hätte auch gerne eins, aber im Moment habe ich weder das Geld noch irgendeine Idee, was wo wie hin soll. Wahrscheinlich war ich der erste Mensch abseits der sozialen Medien, dem er davon erzählen konnte, was mich schon traurig machte und normalerweise hör ich auch gern zu. Nur heute hatte er sich einfach einen sehr ungünstigen Moment ausgesucht.

Der erste Schultag nach den Herbstferien, dazu der erste Tag, wo der Große mit Krücken zur Schule und dort in den 4. Stock musste. Mein Plan, deswegen extra zeitig loszugehen, ging nicht auf, weil ich die einbeinigen Hygiene- und Bekleidungskünste meines Kindes maßlos überschätzte. So machten wir uns eine Viertelstunde vor Schulbeginn auf den Weg und die 500 m, für die wir sonst 5 Minuten benötigen, dauerten 20 Minuten. Dann noch die nicht enden wollende Treppe hinauf zum Klassenzimmer, wohin ich den Rabauken heute ausnahmsweise begleitete, denn Eltern dürfen sonst nur bis zum ersten Treppenabsatz mit und müssen sich dann von ihrem Nachwuchs verabschieden.
Die Lehrerin war aber verständnisvoll, ließ mich das Kind samt Ranzen an seinem Platz parken und erkundigte sich, ob wir den Schulstoff nachgeholt hatten, was ich bejahte.

Alsdann flitzte ich zur Haltestelle, wo ich meinem Bus nur noch hinterherwinken konnte. Machte aber nichts, denn der nächste Bus sollte bereits 3 Minuten später kommen. Die 3 Minuten dauerten aufgrund eines Fehlers im Raum-Zeit-Gefüge (oder wegen einer Baustelle) 15 Minuten , so dass ich knapp eine Stunde nach meiner üblichen Zeit endlich auf Arbeit war.

Das Schmerzmittel hatte noch nicht angefangen zu wirken, als ich den ersten Anruf in einer langen Reihe von Telefonaten bekam, alle mit dem gleichen Inhalt. Man warte auf Zuarbeiten meines Chef, ob ich ihm denn Bescheid sagen könnte. Kann ich, wenn ich ihn sehe, was aber unwahrscheinlich ist, denn erstens ist sein Terminkalender lückenlos bis zum späten Nachmittag voll und zweitens ist für die nächsten drei Tage eine wichtige Revision anberaumt. Aber Sie sagen ihm Bescheid? Ja, wenn ich ihn sehe, dann tue ich das, aber wie gesagt, es ist nicht sicher, dass ich ihn überhaupt sehe. Aber Sie sagen ihm Bescheid?!
Aaaaargh! Kopf -> Tisch!
Und nach dem 5. Mal tut es schon weh.

Ich rettete mich bis zum Mittag, wo ich mir zwei Ibuprofen einwarf, denn die Schmerzen waren immer noch unerträglich. Wie ich es bis 15 Uhr geschafft habe, wo ich erneut 2 Paras schmiss, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, woher diese unsäglichen Schmerzen kommen, aber ich weiß, dass sie mir aktuell den Nerv rauben und ich kaum noch klar denken kann. 😦

Mulmig

Einer der Gründe, warum wir damals so vehement versucht haben, den Großen auf eine andere Schule als die für ihn vorbestimmte zu schicken war, dass der Schulweg wesentlich kürzer und sicherer ist. Das Ziel war, dass er später mal alleine zur Schule und auch wieder nach Hause laufen kann.

Während sich mein Mann sehr gegen diese Vorstellung sträubt, sehe ich die Sache ein wenig entspannter. Als ich so klein war, musste ich mehr oder weniger von Anfang an alleine in den Frühhort laufen und nach dem Hort oder der Schule auch alleine wieder zurück nach Hause. Dabei galt es, eine große und relativ viel befahrene Hauptstraße zu überqueren – natürlich ohne Ampel. Nun war dies in einem anderen Land und in einem anderen Jahrtausend, wo es bei weitem noch nicht so viel Verkehr gab wie heute, dennoch barg diese Straßenquerung einiges an Gefahr.

Definitiv kein Vergleich zum Schulweg des Großen. Der führt durch eine 30er Zone entlang, um dann an einer gut befahrenen Straße zu münden. Dort gibt es aber direkt vor der Schule eine Fußgängerampel. Allerdings ist diese derzeit außer Betrieb, weil die komplette Straße aufgerissen wurde und da sowieso keine Autos mehr fahren. Sehr viel gefahrloser kann ein Schulweg fast nicht sein.

Mein Mann vertritt die Ansicht, dass das Kind bis zum Ende der 4. Klasse gebracht und abgeholt werden muss, ganz egal wie sicher der Schulweg ist, allerdings denke ich, dass man dem Kind durchaus mehr Vertrauen entgegen bringen und es mehr Verantwortung übernehmen lassen kann. Und so habe ich schrittweise den gemeinsamen Schulweg verkürzt, immer in Absprache mit dem Kind, denn nur wenn es sich sicher genug fühlt, den Rest des Weges alleine zu bewältigen, wird er auch die Ruhe haben, um mögliche Gefahren vernünftig einzuschätzen.

Als erstes durfte er allein über die Ampel. Dann durfte er von der einen Straßenecke bis zur Ampel alleine gehen. Seit der Baustelle darf er von der Straßenecke ohne Ampel alleine über die Straße laufen.
So lief es jetzt eine ganze Weile und immer wieder fragte ich, ob er denn ein Stückchen mehr alleine laufen möchte, doch das traute er sich nicht zu. In der Zwischenzeit übte ich mit ihm, wo gute Stellen zum Überqueren der Straße sind oder zeigte, wie groß Auto sind und wie klein er ist und wie leicht er übersehen werden kann, wenn er zwischen Autos auf die Straße läuft. Immer wieder betonte ich dabei, dass wenn er sich in einer Situation unsicher ist, er lieber stehen bleiben und warten soll, bis das Fahrzeug vorbei ist, als einfach über die Straße zu rennen in der Hoffnung, dass es noch reicht. Das gilt vor allem, wenn er befürchtet zu spät zum Unterricht zu kommen, denn es ist weit weniger dramatisch, eine Tadel fürs Zuspätkommen zu erhalten, als in einen Unfall verwickelt zu werden.

Heute nun meinte er völlig unvermittelt auf halber Strecke, er wolle ab da alleine gehen. Ich fragte, ob er sicher ist, was er bejahte und fügte hinzu, dass ich so auch noch meinen Bus erwischen würde. Als ich sagte, dass dies nicht so wichtig wäre, winkte er nur ab. Also umarmte ich ihn, verabschiedete mich und gab ihm als letztes mit auf den Weg, dass ich stolz auf ihn bin. Dass mir plötzlich ganz mulmig wurde und mir das alles wieder viel zu schnell ging, sagte ich ihm nicht.

Ich sah ihm noch nach, bis er an die Straßenecke kam, wollte schauen, ob er wohlbehalten auf der anderen Straßenseite ankommt, aber leider verstellten mir Zäune und Autos den Blick. Ich wartete ein wenig, ob ich quietschende Reifen, lautes Meckern oder Schreie hörte, aber alles blieb ruhig. So drehte ich mich irgendwann um, lief zur Haltestelle und erreichte meinen Bus ganz bequem.

Autoritätsproblem

Bei meiner ersten stationären Therapie bescheinigte mir die für mich zuständige Psychologin ein Autoritätsproblem, was ich vehement verneinte. Diese Verneinung sah die Psychologin wiederum als Bestätigung ihrer Diagnose. :/

Nun bin ich immer noch der Meinung, dass ich kein Autoritätsproblem habe, denn wie sonst könnte ich seit Jahr und Tag als Angestellte mit unterschiedlichsten Vorgesetzten erfolgreich zusammenarbeiten? Ich habe kein Problem damit, wenn mir jemand Anweisungen gibt und in der Regel befolge ich diese auch. Allerdings folge ich nicht willenlos wie ein Schaf, sondern ich mache mir schon Gedanken über die Sinnhaftigkeit meines Tuns. Würde mein Chef von mir verlangen, dass ich für den Rest des Monats nur noch Büroklammern sortiere, dann werde ich sehr wohl nachfragen, zu welchem Zweck ich dies tun soll. Ob das dann als Autoritätsproblem gilt, darf jeder für sich selbst beantworten, ich habe mich jedenfalls dagegen entschieden.

In letzter Zeit muss ich jedoch öfter an mein Autoritätsproblem denken und stelle mir immer wieder die Frage, ob denn die Psychologin recht hatte. Denn ich komme mit der Klassenlehrerin des Großen überhaupt nicht klar. Im Grunde halte ich sie für eine doofe Nuss.
Natürlich sage ich das nicht in der Gegenwart des Großen und halte mich auch sonst mit negativen Einschätzungen zurück, denn ich möchte den Kleenen ja nicht mit meiner Meinung belasten oder sein Verhältnis zur Lehrerin stören.

Gestern war wieder so eine Situation, die sofort meinen Blutdruck in die Höhe schießen ließ. Ich hatte am Wochenende den Ranzen ausgeräumt, alle Sachen durchgesehen, den Ferienanmeldezettel des Horts gefunden, ausgefüllt und wieder in die Postmappe gelegt, das Hausaufgabenheft und alle Schulmaterialien durchgesehen, mich ein wenig über die sehr ramponierten Schutzumschläge geärgert und alles wieder ordentlich für den Montag fertig gemacht. Am Montag selbst habe ich wieder alles durchgeschaut, festgestellt, dass der Hortferienzettel vom Hortpersonal gefunden wurde und die Postmappe wieder leer ist. Weitere Zettel oder Mitteilungen fand ich nicht.

Dennoch prangte gestern im Hausaufgabenheft in dicker grüner Tinte der Satz:

Unterschrift Deutschtest fehlt!

Mein erster Reflex war zu sagen: Und jetzt? Das ist ein toller Aussagesatz, aber was soll ich damit anfangen? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nirgendwo einen zu unterschreibenden Deutschtest gefunden habe.

Ich dachte an mein Autoritätsproblem und versuchte herauszufinden, warum dieser olle Satz mich so nervte. Zum einen sicherlich, weil kein Deutschtest im Ranzen war, aber den konnte ja auch das Kind verschlampt haben, wofür die Lehrerin nichts kann. Zum anderen aber deswegen, weil es nur eine Feststellung ist, es aber eigentlich eine Aufforderung ist, die ganz wunderbar passiv-aggressiv verpackt wurde. Und den passiv-aggressiven Scheiß kenne ich von meiner Mutter zur Genüge, den brauch ich nicht noch von der Lehrerin. Zumal von einer Deutschlehrerin, die sich der Vielfältigkeit und Interpretationsfülle von Sprache bewusst sein sollte. Wäre es denn so schlimm, den Satz als Aufforderung zu formulieren?

Bitte Deutschtest unterschreiben!

Dies ist eine klare Ansage, eine höflich formulierte Bitte, nicht länger als die ursprüngliche Feststellung und ohne versteckte Anklage (du vergesslicher Elternteil hast dich nicht gekümmert und jetzt fehlt die Unterschrift). Ich könnte daraufhin schauen, wo der Deutschtest geblieben ist, ob ihn das Kind nur vergessen hat einzupacken oder ob ich ihn in dem Wust von Kinderzeichnungen, Sachkundearbeitsmaterialien und der Papierfliegerarmada übersehen habe. Ich würde dies tun, ohne mich in die „du hast das verschlampt“ Ecke gedrängt zu fühlen.

So aber bin ich automatisch im Abwehr- und Rechtfertigungsmodus, was mich extrem nervt.

Diesen Satz hatten wir jetzt übrigens schon mehrmals im Hausaufgabenheft, weil ich tatsächlich oft vergesse, jeden Tag in die Postmappe zu schauen. Ich finde das auch nicht dramatisch, weil ich der Meinung bin, dass niemandem ein Zacken aus der Krone fällt, wenn der Test erst eine Woche später unterschrieben zurück geht. Ändert am Ergebnis ja eh nix mehr.

Schön war auch die Aufforderung im Hausaufgabenheft, dass wir mit dem Großen doch bitte Schreiben üben sollen, weil seine Handschrift noch sehr krakelig und unleserlich ist. Ich habe ungelogen 10 Minuten gebraucht, um den Satz zu entziffern, denn er sah vom Schriftbild her sehr schön und gleichmäßig aus, war aber einfach nur unleserlich, was nicht zuletzt an der dicken grünen Tinte lag, die die einzelnen Striche ineinander verlaufen ließ. Zugegeben, die dadurch entstandene Ironie hat mich mehr amüsiert als aufgeregt.

Mein persönliches Highlight ist bislang allerdings ein Satz aus dem Zwischenzeugnis.

Das Kindlein hatte im Herbst eine sogenannte Projektwoche, auf die uns die Lehrerin mit einem Zettel hinwies und auf dem stand, was die Kinder für Materialien bräuchten und wie es ablaufen sollte. Unter anderem stand da, dass die Kinder bis zur 4. Stunde Unterricht haben. Ich packte also den Ranzen und schickte das Kind damit zur Schulprojektwoche. War aber falsch, denn da hätte ein Rucksack mit Federmappe und Hausaufgabenheft genügt.

Weil ich wissen wollte, ob ich schlicht zu doof für die deutsche Sprache bin, hab ich den Zettel bzw. dessen Inhalt bei Facebook gepostet und meine Freundescrowd gefragt, wie diese den verstehen würde. Die jüngeren Bekannten und die projektwochenerfahrenen Wessis hatten ihn im Sinne der Lehrerin interpretiert, die nur im Osten zur Schule gegangenen so wie ich. Der Text war schlicht nicht eindeutig formuliert.

Mir tat mein Junge leid, weil er sich den einen oder anderen doofen Kommentar wegen meines Falschpackens anhören musste. Nachdem ich ihm das so gut es ging erklärt habe, war er es zufrieden und hat mir meinen Fehler auch schnell verziehen.

Irgendwann hatte ich unabhängig davon im Montagmorgenpackstress vergessen, eines der 5 verschiedenen Deutschhefte einzupacken, was natürlich sofort mit einem dickgrüntintlichen Satz im Hausaufgabenheft quittiert wurde. Ich ärgerte mich natürlich darüber, aber der Ärger war nichts im Vergleich zu dem, was ich empfand, als ich das Zwischenzeugnis las. Nach einer längeren, im Allgemeinen guten Einschätzung des Kindes stand als Abschluss:

Leider hat K. nicht immer die erforderlichen Unterrichtsmaterialien parat.

Ernsthaft jetzt? Wegen EINES vergessenen Heftes und EINMAL Ranzen statt Rucksack steht jetzt dieser Satz für alle Zeit auf dem Zeugnis? Der Satz, der so klingt, als würde ich den Kleenen jeden Tag nur mit einem Blatt Papier und einem angenagten Bleistift in die Schule schicken. Leider gab es seitdem keinen Elternabend mehr, denn dazu hätte ich der Lehrerin gerne ein paar Takte gesagt!

Aber die Frau ist eh ein wenig weltfremd. Der Kleene trägt den Spitznamen „Kleener“ nicht nur, weil er im Vergleich zu uns so klein ist, sondern weil er auch im Vergleich zu Gleichaltrigen ein wenig kleiner ist. Außerdem ist an dem Kerl nix dran, da kannste Klavier auf den Rippen spielen. Ich bemühte mich daher, seinen Schulranzen so leicht wie möglich zu packen und eine Maßnahme war, ihm seine Trinkflasche leer mitzugeben und er füllt sie dann am Waschbecken im Klassenzimmer auf.

Das wiederum fand die Lehrerin überhaupt nicht witzig. Das Kind durfte seine Flasche nämlich nicht am Waschbecken auffüllen, da die Lehrerin der Meinung war, das Wasser wäre mit Bakterien verseucht und überhaupt nicht zum Trinken geeignet, weil die Wasserleitungen total veraltet sind.

Ja ne, is klar. Eine vor 20 Jahren modernisierte Schule, eine Wasserleitung, aus der regelmäßig Wasser entnommen wird, ein dichtes Kontrollnetz gerade bei öffentlichen Einrichtungen, aber das Wasser ist bakterienverseucht. Immerhin hat sie ihm Wasser aus ihrer Wasserflasche abgefüllt. Seltsamerweise darf er im Hort, zwei Stockwerke darunter, Wasser aus dem Wasserhahn nehmen und die Hortner schüttelten nur mit dem Kopf, als ich mich wegen des Wassers erkundigte.
Wie auch immer, seitdem muss das Kind jetzt jeden Tag mit einem halben Kilo zusätzlich auf dem Rücken zur Schule laufen :/

Und dann war noch die Füllergeschichte. Beim allerersten vorbereitenden Elternabend wurde uns mitgeteilt, dass die Kinder zunächst mit Bleistift schreiben lernen und erst, wenn sie das gut können, auf Füller gewechselt wird. Typischerweise findet das um Weihnachten herum statt, so dass es sich anbietet, den ersten Füller als Weihnachtsgeschenk zu präsentieren. Wir würden aber vorher entsprechend informiert und das Kind erhält einen sogenannten Füllerpass und erst mit diesem Pass wäre ihm erlaubt, auch mit Füller zu schreiben.

Wir warteten auf den Füllerpass, aber Weihnachten und Neujahr, sogar die Winterferien vergingen, ohne dass das Thema Füller aufploppte. Beim Durchsehen der Postmappe fand ich eines schönen Donnerstags einen Zettel, dass die Kinder ab Montag mit Füller anfangen zu schreiben. Datiert war der Zettel auf den vergangenen Dienstag. Da ich tags zuvor die Postmappe ebenfalls kontrolliert habe, wusste ich, dass der Zettel wirklich erst am Donnerstag da reingelegt wurde. Blieben uns also 2,5 Tage zum Füllerkauf. An diesem Abend war es bereits zu spät zum Einkaufen, am Freitag ist Fußballtraining und den Sonnabend hatten wir komplett verplant. Mir blieb also nichts weiteres übrig, das Risiko einzugehen, einen erneuten grünen Eintrag ins Hausaufgabenheft zu bekommen, weil das Kind am Montag füllerlos in der Klasse auftauchte.

Als ich das Kind am Montag von der Schule abholte, fragte ich, ob sie denn schon mit dem Füller geschrieben hätten. Das Kind verneinte, denn es hätten zu wenige Kinder überhaupt einen Füller dabei gehabt.
Puhh, waren also auch andere Eltern von der Kurzfristigkeit des Anliegens überrascht worden.

Ich bin direkt an diesem Montag mit dem Kind in die Stadt gefahren und wir haben im gut sortierten Einzelhandel jede Menge Füller probiert, bis wir zwei fanden, die dem Kind gut in der Hand lagen, nicht den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens hatten und vom Design her den hohen kindlichen Ansprüchen genügten. Wir kauften dazu auch ein Glas mit 100 Tintenpatronen, denn man kann ja nie wissen.
Stolz packte ich die Füller in die Federmappe und freute mich, dass mein Kind bei der morgigen Frage nach dem Füllerbestand die Hand heben konnte.

Ich fragte am nächsten Tag nach, ob sie denn heute mit dem Füller geschrieben hätten. Das Kind verneinte erneut. Nach zwei Wochen verneinte es immer noch, da sie noch nicht alle Buchstaben gelernt hatten. Nach drei Wochen auch.
Aber bloß gut, dass wir den Füller so dringend besorgen mussten.

Einen Füllerpass haben wir übrigens bis heute nicht zu sehen bekommen.

Aber hey, liegt bestimmt alles nur an meinem Autoritätsproblem.

© Foto von Flickr/Roberto Verzo „Teacher“, (CC BY-NC-ND 2.0)

Bei uns piept es!

Demnächst. Vielleicht. Und wenn, dann hoffentlich nicht allzu häufig.

Doch der Reihe nach.

Gestern stand der nächste Kontrolltermin für den Großen an wegen seines nächtlichen Einpullerns. Beim letzten Mal hatten wir den Auftrag bekommen, ein sogenanntes Miktionstraining mit ihm durchzuführen. Dabei sollen zu festgelegten Zeiten 5 mal pro Tag 200 ml Wasser getrunken werden. Zeitgleich erfolgt ein Toilettengang. Dies eben täglich über mehrere Wochen soll die Blase so trainieren, dass sie mehr fassen kann und der nächtliche Harndrang nicht so groß ist bzw. die Blasengröße nachts ausreicht, um ein Überlaufen zu verhinden.

Doch kaum hatten wir mit dem Training angefangen, wurde das Bettnässen eine echte Plage. Waren es bis dahin 2-3 Nächte hintereinander und dann bis zu 2 Wochen nichts, steigerte es sich auf tägliches Einnässen ohne Pausen länger als eine trockene Nacht, so dass wir zwangsläufig nachts auf Windeln umsteigen mussten. Fand der Kleene natürlich nur suboptimal, aber nachdem sich der Wäscheberg 2 Meter hoch in der Wanne stapelte, musste ich die Notbremse ziehen. Wir konnten das Training auch nicht wirklich kontrollieren, da der Junge tagsüber in Schule und Hort war und wir uns darauf verlassen mussten, dass er sich tatsächlich an die Zeiten und Vorgaben hält. Um das Training verfolgen zu können, gab es ein Protokoll, wo er verschiedene Bildchen ausmalen oder abhaken konnte, so er denn getrunken und gepullert hatte.

Leider blieben diese Protokolle fast immer leer 😦

Als Vorbereitung für den gestrigen Termin musste ein ausführliches Protokoll angefertigt werden, in dem erfasst wurde, wann er wie viel getrunken und wann er wie viel gepullert hat. Dazu wurde noch gemessen, wie die Urinproduktion nachts verläuft. Er wurde dazu eine Stunde nach dem Einschlafen geweckt und dann die Urinmenge gemessen. Nach weiteren 5 Stunden Schlaf das nächste Wecken und Messen und am Morgen nach dem Aufwachen ebenso.

Es gibt sicherlich schönere Aufgaben, aber mitten in der Nacht völlig durchweichte Bettwäsche in einem knapp 2 Meter hohen Hochbett zu wechseln ist definitiv auch kein Vergnügen. Das müde und traurige Kind abduschen zu müssen, ist Folter. Für beide Seiten.

All dies wurde gestern bei dem Gespräch ausgewertet und es kam heraus, dass beim Großen 3 Probleme aufeinander treffen:

  1. Seine Blase ist für sein Alter zu klein. Sie müsste um die 250 ml fassen, schafft aber maximal 200 ml, im Schnitt aber nur 160 ml.
  2. Die Urinproduktion wird nachts so gut wie gar nicht gedrosselt. Obwohl er in den Abendstunden relativ wenig trinkt (aus eigenem Antrieb, wir lassen ihn nicht dursten), werden im Verlauf der Nacht 350 ml Urin produziert, was quasi die Hälfte seiner Tagesproduktion ist.
  3. Er schläft zu tief und lässt sich nur sehr schwer wecken. Damit hat das Blase-voll-Signal des Körpers fast keine Chance, registriert zu werden und die Blase läuft dann eben irgendwann über.

Nun könnte man medikamentös behandeln, indem man das urinproduktionshemmende Hormon vorm Schlafengehen in Tablettenform verabreicht. Wie aber alle Medikamente hat auch dieses Nebenwirkungen und wir waren uns schnell einig, dies nur als letzte Option nutzen zu wollen. Denn im Grunde ist der Kleene ja nicht so weit weg von der Norm, so dass mit erneutem Miktionstraining, diesmal konsequenter verfolgt, durchaus Erfolge zu verzeichnen wären.

Es gibt aber eine sehr vielversprechende Methode ohne Medikamente oder strenge Trainingspläne und das ist die sogenannte Klingelhose. Die heißt wirklich so 🙂
Das Prinzip ist recht simpel. Das Kind bekommt eine spezielle Unterhose an und sobald diese nass wird, registriert das ein Sensor und fängt laut an zu piepen, einem Rauchmelder nicht unähnlich. Das Kindlein wird davon hoffentlich wach, stellt das Pullern ein, schleppt sich Richtung Klo, wo ein weiterer Sensor darauf wartet, das Piepen zu deaktivieren. Und wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich aufs Klo gehen.
Dieses Vorgehen scheint recht erfolgversprechend zu sein, bis zu 90% der Anwender würden so trocken.

Leider muss das Gerät erst bestellt werden, aber das übernimmt alles das Krankenhaus und die Krankenkasse trägt die Kosten dafür. Wir hoffen, in spätestens 3 Wochen mit dieser Methode starten zu können, so dass wir vielleicht sogar schon vor unserem Urlaub erste Erfolge verzeichnen können.

Und als Bonus haben wir ein Rezept für Windeln bekommen. Denn wenn die Diagnose Enuresis nocturna lautet, werden die Windeln ab einem gewissen Alter des Patienten (ich glaube, es muss älter als 3 Jahre sein) von der Krankenkasse übernommen. Zwar machen uns die von uns verwendeten Windeln mit knapp 6 Euro für 18 Stück nicht wirklich arm, aber derzeit können wir jegliche finanzielle Unterstützung gut gebrauchen.

In 3 Monaten müssen wir zur Kontrolle wieder hin und ich hoffe, dass wir dann endlich erste Erfolge sehen. Denn auch wenn wir dem Kind keinerlei Vorwürfe machen oder mit ihm schimpfen oder irgendwas dergleichen, fängt es an sich zu schämen. Außerdem soll er in den nächsten Sommerferien (2017) ins Ferienlager fahren dürfen und spätestens dann sollten trockene Nächte Standard sein, denn Kinder in dem Alter können unglaublich gemein und verletzend sein und ein einpullerndes 8-jähriges Kind ist immer ein willkommenes Opfer – egal, ob es was dafür kann oder nicht.

© Foto von Flickr/Harald Henkel „Das ist ja zum piepen …!“, (CC BY-ND 2.0)

The Day The Music Died

Duschen ist eine wunderliche Sache. Es wäscht nicht nur den Dreck von der Haut, sondern reinigt immer auch ein wenig die Seele und manchmal bricht es den verkrusteten Schmodder um lang vergessen geglaubte Erinnerungen auf. Als heute morgen das heiße Wasser in kleinen Rinnsalen gen Abfluss strömte, musste ich an eine einschneidende Szene von vor 23 Jahren denken.

Es war im Musikunterricht in der 9. oder 10. Klasse. Ich liebte das Fach Musik, ich war mit Begeisterung dabei, ich sang eifrig alle Lieder und lauschte gebannt den meist von Platte abgespielten Musikstücken. Meine Eltern hatten es nicht so mit Klassik und die viel zu seltenen Stunden in der Schule öffneten für mich jedes Mal neue Fenster in unbekannte Welten. Von den wenigen im Unterricht vermittelten Anhaltspunkten brachte ich mir selber das Notenlesen bei, so dass ich Liederbücher benutzen und danach singen konnte.

Damals gab es noch kein Internet, kein Youtube, keine Wikipedia. Wir hatten eine übersichtliche Schallplattensammlung daheim, die zu 40% aus Heavy Metal Scheiben von Uriah Heep, Black Sabbath oder Deep Purple und zu 50% aus Schlageralben von Roland Kaiser, Udo Jürgens oder Andy Borg bestanden. Die restlichen 10% waren Märchenplatten. Mein Papa hatte noch ein Tonbandgerät und viele Bänder dazu, aber die Qualität war doch eher bescheiden, das Einlegen kompliziert und das Finden eines bestimmten Liedes fast unmöglich, da im Inhaltsverzeichnis der selbst aufgenommenen Bänder die Zeitangaben fehlten. Erst Anfang der 1990er Jahre hielten bei uns zuhause Kassetten und CDs Einzug. Meine Eltern hatten nie gelernt, ein Instrument zu spielen und standen daher meinem Wunsch wenig verständnisvoll gegenüber.

Aber all dies war kein Problem, es gab Radio, später gab es MTV und ich hatte meine Stimme. Ich trällerte gern und viel und vor allem schief, wie mir immer wieder von allen Seiten gesagt wurde. Allerdings gab es auch niemanden, der mir Tipps gab, wie ich denn weniger falsch singen könnte. Der einfachste ist sicherlich, sich in ein Ohr einen Finger zu stecken, mir war es lange Zeit ein Mysterium, warum das beispielsweise Chorsänger immer machten.

Was mir jedoch tatsächlich und nachhaltig die Liebe zur Musik vergällt hat, war die Musiklehrerin in besagter 9. und 10. Klasse. Wer dort keine engelsgleiche Stimme hatte, nicht im Chor sang und auch kein Instrument spielte, hatte sich gefälligst ganz hinten anzustellen und vor allen Dingen die Klappe zu halten. Sie sagte dies nicht mit so offenen Worten, aber wie sie die Worte zu den jeweiligen Schülern sagte, war Offenbarung genug. Also stand ich in der musikalischen Nahrungskette ganz unten.

Eines Tages nun ging es darum, auf eine bekannte Melodie, ich glaube es war „Lady in Black“ von Uriah Heep, einen deutschen Text zu singen. An einer Stelle passten jedoch Text und Melodie nicht ganz aufeinander, es war zu viel Text für zu wenig Melodie. Da ich nun Noten lesen konnte, sah ich, dass an der betreffenden Stelle eine halbe Note für ein zweisilbiges Wort stand. Meine einfache Rechnung war nun, auf die halbe Note die zwei Silben zu singen, was dann auch den Takt nicht stören würde. Ich machte eben jenen Vorschlag, formulierte es eben so wie es ein Musiklaie tut und wurde darauf hin von der Lehrerin angeblafft, dass dies überhaupt nicht ginge, man kann nicht einfach auf eine Note zwei Silben singen und überhaupt.

Letztendlich ging es irgendwie doch, nur hat das Verfahren einen speziellen Namen, den ich nicht kannte und mit dem man aus der halben zwei Viertelnoten macht. Das Lied wurde entsprechend umgebaut, die Lehrerin und ihre Lieblinge feierten sich für ihe Kreativität und ich war heilfroh, als ich nach der 10. Klasse endlich Musik als Schulfach abwählen konnte.

Schade, dass eine einzelne bornierte Person so einen Schaden anrichten kann 😦

© Foto von Flickr/Dennis Skley „Music makes me happy 320/365“, (CC BY-ND 2.0)

Manic Monday

Montag! Heute einer der feineren Sorte :/

Fing ja gestern Abend schon an und setzte sich dann in der Nacht fort. Wegen des verkürzten Feierabends beschloss ich spontan, dass 6 Stunden Schlaf auch ausreichen würden und bin erst eine Stunde nach meiner üblichen Zeit ins Bett gegangen. Allerdings meinte meine Süße um 3:30 Uhr, dass die Nacht vorerst vorbei ist.

Leider konnte ich ihr da nicht zustimmen, aber das machte nichts, sie tobte trotzdem durchs Bett. Erst gute 1,5 Stunden später fand sie wieder in den Schlaf, bis dahin robbte sie zwischen meinem Mann und mir herum, drehte sich mehrmals um sämtliche Achsen und wenn ihr langweilig wurde, fummelte sie an meinem Kopf rum.

Um kurz vor sechs schielte ich auf den Wecker und überlegte kurz, ob ich vielleicht ein wenig eher aufstehen sollte und dadurch einen Bus früher auf Arbeit fahren könnte. Die Überlegungen wurden jäh durch das Klingeln des Weckers unterbrochen, der mich wie vereinbart um 6:30 Uhr aus meinem halbstündigen Tiefschlaf holte, in den ich übers Nachdenken gefallen war.

Maximal grummelnd stand ich auf und schleppte mich unter die Dusche. Weckte danach das große Kind, dass mir sofort eine Diskussion über Schnee und das passende Schuhwerk aufs Auge drückte. Es hatte nämlich des nächtens geschneit, was mich sehr freute, da es das viel zu selten bei uns tut. Das Kindlein freute sich auch und musste mir diese Freude wortreich und lautstark kund tun.

Nun bin ich aber ein ausgesprochener Morgenmuffel, der morgens am Besten überhaupt nicht angesprochen werden sollte, wenigstens nicht vor 9 Uhr. Interessierte den Großen nicht die Bohne und keine 2 Minuten später erklärte er mir, wie ich seinen Schulfrühstücksapfel denn bitte zu schnitzen hätte und quittierte meinen Einwand, dass ich nicht mit der Messerspitze das Kerngehäuse aus der Apfelhälfte puhlen würde, mit lautem Gejammer. Macht meines Elterndaseins stellte ich ihn vor die Wahl, entweder die Apfelhälften mit Kerngehäuse nehmen oder aber den Apfel zu vierteln und dann den Griebsch rauszuschneiden. Über dieses Theater hatte ich ein wenig die Zeit aus dem Blick verloren und es war genau Abmarschzeit, nur hatten wir weder Zähne geputzt noch Schuhe und Jacken angezogen.

Siedendheiß fiel mir zu diesem Zeitpunkt ein, dass ein mit den aktuellen Schulbüchern (Montags Deutsch) bestückter Ranzen wesentlich zum Lernerfolg des Kindes beitragen würde, ebenso wie ein vollständig ausgerüsteter Turnbeutel. Also suchte ich hastig den Kram zusammen, dachte daran, dass am nächsten Wochenende bereits am Sonntag zu machen, lachte mich kurz innerlich selbst für diesen absurden Vorschlag aus, stürmte fix ins Schlafzimmer, Sehhilfe und Handy holen und keine 2 Minuten später standen wir vor der Tür.

An der Haltestelle angekommen zeigte mir die große Uhr an der Abfahrtszeitentafel, dass ich exakt 9 Minuten hatte, das Kind zur Schule zu schaffen und wieder zurück zur Haltestelle zu gelangen, wobei eine Strecke ca. 5 Minuten dauert. Uh, das könnte jetzt ein wenig eng werden. Ich nahm den Kind den Ranzen wieder ab und gemeinsam eilten wir der Schule entgegen. Kind, Ranzen und Turnbeutel an der Schultür übergeben und zur Haltestelle gerannt, wo mir die Anzeigetafel 2 Dinge anzeigte:
1. Ich hatte es eine Minute vor Abfahrtszeit zur Haltestelle geschafft!
2. Der Bus hat geschlagene 8 Minuten Verspätung.

Der Bus hat IMMER Verspätung, meist 2-3 Minuten, was mich jedes Mal wundert, denn vom Busstartpunkt bis zu uns sind es nur 3 Haltestellen und ich frage mich, wie man auf einer derart kurzen Strecke schon einen solchen Rückstand ansammeln kann. Trotzdem verlasse ich mich nicht darauf, dass der Bus tatsächlich verspätet eintrudelt, denn bei meinem Glück ist er nämlich dann an genau diesem Tag pünktlich. So wie vor 2 Wochen, als ich zum Feierabend 2 Minuten vor der Zeit an der Haltestelle stehe und den Rücklichtern des Busses hinterherschaute. Da dies der letzte Bus vor der Hortschließzeit war, kam das einer mittleren Katastrophe gleich und ich hatte damals Glück, dass mein Chef mich zur Schule gefahren hat.

Also stand ich mir in der Kälte die Füße in den Bauch, hundemüde, durchgeschwitzt, frustriert und genervt, während aus den 8 Minuten 12 wurden. Damit konnte ich es heute vergessen, überhaupt meine 8 Stunden auf Arbeit zu erfüllen. Irgendwann bog der Bus dann doch noch um die Ecke und brachte mich meiner Arbeitsstätte näher. Kurz vorm Ziel kam noch eine Durchsage, dass es aufgrund der Witterungsverhältnisse technische Probleme gab, die zur Verspätung führten.

@#*§$! Es lagen ganze 3 Schneeflocken pro Meter auf der Straße, die Temperaturen waren noch im Plusbereich und der Wetterumschwung inklusive Schneefall seit mindestens 3 Tagen in jedem Wetterbericht angekündigt. Zumal ja jedes Jahr auch bei uns in der Stadt Winter ist und es jedes besch… Mal zu technischen Problemen kommt, die man deswegen auch unmöglich vorhersehen kann.

Und das alles vorm ersten Tee und noch weit vorm Frühstück.

Ich hab daher beschlossen, überpünktlich Feierabend zu machen, das Kind vom Hort abzuholen, schnell neue Äpfel für morgen einzukaufen und mich daheim aufs Sofa zu hauen, in der Hoffnung, ein wenig Schlaf nachholen zu können, bevor dann Mann und kleines Kind nach Hause kommen. Ich muss jetzt nur noch die Zeit bis zum Feierabend überstehen *gähn*

Schulchaos

An sich dachte ich ja immer, dass uns die NichtOrganisation im Kindergarten gegen sämtliche Unbilden des Bildungsalltags abgehärtet hat, aber weit gefehlt, es geht nahtlos so in der Schule weiter.

Wir bekamen zum Informationselternabend eine lange Liste mit all den Sachen, die das Kindlein für einen erfolgreichen Schulstart benötigt. Da waren Bleistifte gelistet, farbige Hefter und dazu passende farbige Buchumschläge, Schere, Leim, Bastelschürze, weiße Blätter, Turnschuhe für drinnen und draußen, etc.

Alles wurde nach den Vorgaben besorgt, vieles eignete sich ganz wunderbar zum Verteilen auf Onkel, Tanten und Großeltern, so eine Zuckertüte braucht eben auch substantiellen und nicht nur zahnschädigenden Inhalt.

Heute nun kam das Kind zum dritten Mal aus der Schule und zum dritten Mal fand ich im Ranzen Arbeitsmaterialien, für die wir nichts vorbereitet hatten. Keinen passenden Umschlag, keine gewünschten Tüten oder Bänder. Dafür haben wir jede Menge „Alt“material, dass hier rumliegt und Staub ansetzt, weil es bislang noch nicht benötigt wird.

Ich weiß nun nicht, was von mir erwartet wird. Soll ich jeden Tag loslaufen und die fehlenden Materialen besorgen? Bleiben die Sachen solange daheim, bis wir die Umschläge geholt haben? Pack ich das jeden Tag dem Kind in den Ranzen, auf die Gefahr hin, dass er das völlig unnötig durch die Gegend trägt und den ohnehin schweren Ranzen zusätzlich belastet?

Zu allem Überfluß haben die neuen Materialien so wunderbare Formate wie 23 x 16,5 cm, so dass ich Standardsachen glatt vergessen kann. Das Kind fragen nützt auch nichts, es leidet an hochgradiger Amnesie und ich bin froh, wenn es mir immerhin sagen kann, dass sie die Lehrerin begrüßt und verabschiedet haben. Was dazwischen passiert ist, daran kann er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

Zum Glück ist nächsten Dienstag der erste Elternabend, da werden hoffentlich einige Fragen geklärt.