Hello again!

Hat mich eigentlich jemand vermisst? Anyone? Nein?

Egal, ich texte euch auch so zu 🙂

Ganz offensichtlich gibt es mich noch, ich hab mir nur eine kurze Auszeit gegönnt. In dieser waren meine Familie und ich 3 Wochen im Urlaub und unsere Tochter mit mir eine Woche im Krankenhaus. Der Krankenhausaufenthalt war schon länger geplant und musste leider zweimal verschoben werden, so dass er sich jetzt direkt an die Ferien anschloss. Fand ich nicht so dolle, da die damit verbundene OP wie ein Schatten über dem kompletten Urlaub hing.

Ich konnte in der Vergangenheit schon schlecht mit dem Thema umgehen und während der Reise fragte ich mich immer wieder, ob dies die letzten schönen Tage gemeinsam sein werden und tröstete mich, dass wir immerhin noch tolle Erinnerungen sammeln konnten. Ein wirkliches Erholen war aber unter diesen Bedingungen nicht möglich, ganz egal wie entspannt die insgesamt drei Urlaubswochen ansonsten waren.

Der Krankenhausaufenthalt hat dann den minimalen Erholungseffekt umgehend zunichte gemacht, auch wenn sich alle Ärzte, Schwestern und Angestellte unendlich Mühe gaben. Die OP war für letzten Dienstag geplant, doch direkt nach der Ankunft auf Station teilte uns der Arzt mit, dass sie auf Mittwoch verschoben wurde. Dafür durften wir nach den Aufklärungsgesprächen und Voruntersuchungen wieder nach Hause gehen und sollten erst am Mittwoch eine Stunde vor OP-Beginn wieder im Krankenhaus sein. An sich eine gute Sache, bedeutete für mich jedoch einen Tag länger Bangen und Sorgen machen und sämtliche schreckliche Szenarien im Kopf durchspielen.

Am Mittwoch morgen hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch unter der Dusche, die Anspannung der letzten Tage und Wochen war schlicht zu viel für mich. Dazu kam die Befürchtung, mein Kind einem großen Risiko auszusetzen, was am Ende vielleicht völlig unnötig wäre, denn es könnte ja auch weiterhin mit dem Antibiotikum leben. Und mögen Narkosemittel und Operationen heutzutage relativ sicher sein, aber immer wieder liest man von Eingriffen, die eben schief gingen. Da ist es auch wenig tröstlich, wenn sich hinterher herausstellt, dass der Patient einen unentdeckten Herzfehler oder unwissentlich eine Allergie entwickelt hatte.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, schnappte ich mir das Kind und ab ging es ins Krankenhaus. Dort wurden wir bereits erwartet und kurze Zeit später wurden wir zum Aufwachraum gebracht, wo meine Süße 10 Minuten später zur OP abgeholt wurde. Seltsamerweise war ich ab Verlassen der Wohnung total ruhig und gefasst, sämtliche Aufregung und Nervosität verschwunden. Ursprünglich dachte ich, ich könnte während der Wartezeit nix essen, aber als dann die Frühstücksdame mit ihren Essenswagen vor der Tür stand, hab ich mir ein Brötchen geben lassen und das zu meinem größten Erstaunen mit Appetit gegessen.

Nach 1,5 Stunden kam der Oberarzt ins Zimmer und an seinem Lächeln konnte ich ablesen, dass es meinem Mädchen gut ging. Man konnte bestimmt noch in der Nachbarstadt die mir vom Herzen fallenden Steine purzeln hören. Leider teilte mir der Arzt mit, dass die OP nicht wie geplant durchgeführt werden konnte. Durch die Doppelniere und den zusätzlichen Harnleiter lag im Blasenraum nichts da, wo es eigentlich liegen sollte und zusätzlich war die Ureterozelenschleimhaut im Weg und so konnte der Reflux, der zudem am gesunden Harnleiter und nicht wie vermutet am zusätzlichen, erweiterten Harnleiter existiert, nicht behoben werden.

Der Arzt entschied trotzdem, dass in 3 Tagen das Antibiotikum abgesetzt wird und wir schauen, was passiert. Die Chancen stehen wohl relativ gut, dass gar nichts passiert und die Kleene ihr Leben lang ohne Harnwegs- oder Nierenbeckeninfekte bleibt. Sollten vermehrt Infekte auftreten, müsste operiert werden und der Harnleiter verlegt und dann unterspritzt werden. Es könne auch sein, dass der zusätzliche Anteil der Doppelniere Probleme macht, weil er nicht vollständig ausgebildet ist und dann im Körper putzige Dinge auslöst, die zu Bluthochdruck führen. Dann müsste wiederum operiert und der zusätzliche Teil entfernt werden.

Tolle Aussichten, oder?

Eine halbe Stunde nachdem der Arzt mir das alles erklärt hatte, durfte ich in den Aufwachraum gehen und meinem Kind beim Schlafen zuschauen. Nach einiger Zeit ereilte mich ein menschliches Bedürfnis und weil es im Aufwachraum keine Toiletten gibt, tapperte ich wieder in mein Zimmer und auf dem Rückweg nahm ich mir ein Buch mit, war es doch völlig unklar, wie lange die Süße ihren Rausch ausschlafen würde.

Wieder im Aufwachraum angekommen, turnte da ein kleines Mädchen in seinem Bettchen rum, gut umsorgt von einer Schwester. Eben jene Schwester meinte ob meines erstaunten Blicks, dass es bei Kindern häufig so ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde. Es ging der Kleenen also gut, nur war sie noch sehr wacklig auf den Beinen und fiel immer wieder mal beim Hüpfen um.

Als wir wieder im Patientenzimmer waren, wurde gerade das Mittagessen verteilt. Ich fragte die Schwester, ob und wann die Kleene was essen dürfte. Erstmal solle sie etwas trinken und wenn das drin bliebe, könnte man über feste Nahrung nachdenken. Der Vorschlag stief auf wenig Gegenliebe beim Patienten und etwas eigenmächtig gab ich ihr einen Pudding, den sie mit großem Appetit vertilgte. Eine Stunde später ließ ich sie aus ihrem Kinderbett frei, woraufhin sie sofort ins Spielzimmer stürzte, sich den Puppenwagen schnappte und diesen fortan 3 Stunden lang über die Krankenhausgänge schob. Die Schwestern schauten ein wenig verwundert, war mir aber egal, dass Theater, bis sie endlich „frei“ gelassen wurde, wollte ich niemanden antun.

Am nächsten Vormittag wurden wir entlassen und wir nutzten den Rest der Woche, diese weniger schönen Erlebnisse wegzukuscheln.

Tja, und seit heute hat mich die Arbeits- und Blogwelt wieder.

Lernen durch Schmerz

Wer auch immer der Meinung war, Lernen durch Schmerz funktioniere und das auch noch gut, hat unsere Kinder nicht erlebt.

Fing beim Großen damit an, dass er den Kater immer wieder am Ohr oder Schwanz zupfte, und im Gegenzug nähere Bekanntschaft mit den Katzenkrallen machen durfte. Gingen wir anfangs davon aus, dass sich das wegen der nicht unbeträchtlichen Schmerzen schnell von selbst geben würde, gaben wir diese Hoffnung bald auf und kauften stattdessen Jodtinktur, damit sich die zahlreichen Kratzer nicht entzündeten.

Allerdings hofften wir, dass Mädchen anders drauf sind und das sind sie tatsächlich. Die können noch viel mehr einstecken, zumindest unseres. Wo der Große schon lange lautestes Wehklagen angestimmt hätte, schüttelt sich die Kurze nur und weiter geht’s. Aber manchmal tut es eben doch richtig weh und wir hofften, dass schmerzliche Lerneffekte besser greifen.

Aber nö. Katzenkratzer noch und nöcher. Blutige Wunden am Kopf, weil das Kindlein nicht begreift, dass es mittlerweile zu groß ist, um aufrecht unter meinem Schreibtisch lang zu laufen und sich deswegen immer wieder die Rübe an der Unterkante des Tisches rammelt. Das Wäscheständer umfallen, wenn man zu sehr an einer Seite zieht, will auch nicht in das kleine Babyhirn rein und so mussten wir die Süße mehr als einmal unter der frisch gewaschenen Wäsche hervorziehen.

Jetzt hoffe ich einfach mal drauf, dass sie größer wird und die Vernunft einsetzt. Wobei, wenn ich mir ihren Bruder so anschaue – ach, lassen wir das 🙂

Leben in Warteposition

Es gibt Situationen, in denen sich alles ändert. Dinge laufen viel langsamer ab als sonst, die bekannte Welt schrumpft und Prioritäten verschieben sich dramatisch.

Für mich begann ein solche Situation mit dem Anruf, dass wir am nächsten Tag stationär ins Krankenhaus sollten. Gleichzeitig begann damit auch eine quälende Warterei.
Ich wartete. Darauf, dass es endlich los ging. Darauf, dass ein Arzt kam. Darauf, dass mein Mädchen wach wird. Ich wartete auf alles mögliche und fürchtete zugleich diese Momente. Die daraus resultierende Zerrissenheit ist unglaublich zermürbend.

Wir packten also am Mittwoch Morgen unsere Sachen und begaben uns zur vereinbarten Zeit ins Krankenhaus, wo wir auch schon erwartet wurden. Während ich an der Anmeldung sämtliche Formalitäten klärte, wurde die Kleene bereits auf der Station aufgenommen, vermessen und das erste Mal begutachtet. Als ich dazu kam, war dieser Teil fast abgeschlossen und mir wurde das Zimmer gezeigt. In einer Ecke stand ein offensichtlich bereits belegtes Bett, in einer anderen ein schwarzer Sessel. Dieser wurde mir als meine zukünftige Bettstatt vorgestellt, was ich allerdings für einen Scherz hielt.

Es war nur keiner, denn fünf Minuten später meinte die Schwester, sie würde versuchen, ein Klappbett zu organisieren, aber falls keines mehr da wäre, könnte der Sessel ausgeklappt werden. Das war das erste von ganz vielen Malen, an dem ich am liebsten sofort wieder nach Hause gegangen wäre.
Mir wurde mein Spind gezeigt, mein Nachtschränkchen, das Bad, die Schwesternstation, die Getränkestation, die Küche, alles nur mit knappen Erklärungen begleitet, wenn überhaupt. Ich hatte ja die nächsten Tage genügend Zeit, alles selbst heraus zu finden.

Als nächstes wartete ich auf die Blutabnahme.
Bei selbiger war mein Mädchen unglaublich tapfer. Die Schwestern wollten ihr Blut vom Kopf abnehmen, weil dort die Venen am besten zu sehen waren. Sie meinten zudem, sie hätten gerne, wenn das Kind richtig schreit, weil dann das Blut durch die Anstrengung besser fließen würde und bei so kleinen Babies wäre es schwierig, die benötigte Menge an Blut zu bekommen. Nur hatten sie die Rechnung ohne mein Kind gemacht. Nach einem kräftigen Brüller direkt nach dem Einstich beruhigte sie sich wieder und lang dann friedlich auf der Liege und harrte der Dinge, die da noch kommen mögen, während die Schwestern an ihrem Kopf rumdrückten und fieberhaft versuchten, die drei kleinen Röhrchen mit Blut zu füllen, was ihnen letztendlich auch gelang.

Danach war es Zeit fürs Mittagessen und ich war gespannt, wie es schmecken würde, hatte ich doch die verschiedensten Horrorgeschichten im Hinterkopf. Da ich mich am Vortag nicht für ein bestimmtes Gericht anmelden konnte, musste ich nehmen, was mir angeboten wurde und das war Hühnerbrust mit Kartoffeln und Möhrengemüse. Durchaus essbar, wenn auch fad gewürzt, was jedoch zu erwarten war.

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Dann wieder warten. Auf die OP-Aufklärung. Die Anästhesie-Aufklärung. Das Klappbett. Welches im Laufe des Nachmittags kam, im noch zusammengeklappten Zustand. Ich wartete auf einem harten Stuhl, der mit jeder Minute unbequemer wurde. Gerne hätte ich mich auf das Bett gelegt, durfte es aber alleine nicht aufbauen.

Wie ich sehr viele Dinge nicht alleine durfte. Mir beispielsweise Obst vom Essenswagen nehmen, das durfte aus Hygienegründen nur die Essensausgeberin, wie sie mir unmissverständlich klar machte.

Alleine allerdings durfte ich das Kind wickeln, das Babybett sauber machen, gefühlt permanent Temperatur beim Kind messen. Am späten Nachmittag kam der Papa nochmal vorbei und wir sind raus in den Park gegangen, ein wenig Sonne und Ruhe abfassen. Meine Zimmergenossin hatte seit Mittag erst ihre Mutter zu Besuch, ab Nachmittag kamen dann noch Mann und Kind dazu und alle waren ständig am Schwatzen, über was, weiß ich nicht, da sie sich auf Russisch unterhielten.
Durch den Spaziergang verpasste ich das reguläre Abendessen und durfte dann bei der Essensdame, bei der ich schon zum Kaffee negativ aufgefallen bin, um zwei Scheiben Brot und etwas Wurst betteln. Ich musste alles ganz fix essen, denn um 19 Uhr musste das gesamte Geschirr abgewaschen sein und sie dürfe nachträglich nichts per Hand spülen, besagt die Krankenhausvorschrift.

Die Nacht verlief einigermaßen ruhig, außer dass aller Stunden eine Schwester mit Taschenlampe in den Zimmern nachschaute, ob alle Patienten noch da sind.
Ich hatte mir vorsorglich den Wecker auf 3 Uhr gestellt, zu diesem Zeitpunkt durfte das Kind zum letzten Mal vor der OP gestillt werden. Das klappte auch ganz gut und wir waren gerade wieder eingeschlafen, als mich die Nachtschwester weckte und meinte, ich solle doch das Kind stillen, wäre ja das letzte Mal vor der OP. Hmpf.
Ich hoffte, dass sich das Kind ordentlich voll gefuttert hatte und bis zum Morgen schlafen würde, aber nein, mein Mädel wurde um 5 Uhr wach und hatte Hunger. Zwei Stunden lang.
Ich versuchte, sie so gut es eben ging zu beruhigen und zählte die Minuten bis 7:30 Uhr, wollte aber gleichzeitig die Zeit anhalten, um mein Mädchen nicht hergeben zu müssen.

Pünktlich holte uns eine Schwester ab und brachte uns in den Aufwachraum, wo wir noch so lange miteinander kuscheln durften, bis das OP-Team komplett war. Mit uns wartete ein ca. 14-jähriger Junge, der immer wieder zu uns herüber schaute. Sicher bereute er in diesem Moment seine Entscheidung, die Mama nicht vor der OP dabei haben zu wollen, er wäre doch kein Kind mehr, aber so aufgeregt und unsicher wie er aussah, hätte ihm eine mütterliche Umarmung bestimmt gut getan.
Meine Kleine wurde mir dann von einer Schwester abgenommen und in den OP gebracht, während ich auf wackligen Beinen und den Tränen nahe wieder auf mein Zimmer ging und wartete.
Es gab Frühstück und ich würgte appetitlos das Brötchen herunter und zählte wiederum die Minuten. Ich sah der Putzfrau staunend zu, wie sie mit dem Wischer das ganze, ca. 30 Quadratmeter große Zimmer in einem Rutsch reinigte nass machte. Eine weitere Schwester wischte Staub. Dazwischen eine Meute Weißkittel, die Visite hielt. Ein wenig Abwechslung bei der Warterei.

Ich war so durch den Wind, dass ich gar nicht checkte, dass der Arzt, der kurz nach 9 Uhr das Zimmer betrat, zu mir wollte. Erst, als er schon zwei Sätze auf mich eingesprochen hatte, begann mein Gehirn die Informationen auch zu verarbeiten. Die OP ist gut verlaufen, die Ureterozele wurde geschlitzt und ist sofort in sich zusammengefallen. Es gab keine Komplikationen und mein Kind liegt bereits im Aufwachraum, wohin ich in Kürze gehen dürfte.
So richtig kapiert hab ich das in dem Moment alles nicht, ich nickte automatisch und bedankte mich beim Arzt. Und wartete wieder.

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit, obwohl es in Wirklichkeit nur 10 Minuten waren, kam eine Schwester und brachte mich zum Aufwachraum. Als erstes sah ich das leere Kinderbett, in dem noch ihr Drache hockte. Erst als mich die Aufwachraumschwester in Empfang nahm, bemerkte ich, dass mein Kind in einem Wärmebettchen lag und ein Monitor ihre Vitalwerte anzeigte  und munter vor sich hin piepte. Die sehr nette Schwester erklärte mir, dass sie nach der Operation ein wenig ausgekühlt sei und sie deswegen im Wärmebett liegt, bis sichergestellt ist, dass sie alleine die Temperatur halten kann. Wenn der Monitor hektisch zu piepsen anfinge, solle ich mir keine Sorgen machen, die Sensoren messen mitunter nicht richtig, besonders bei so kleinen Kindern. Erst wenn die Schwester herbei geeilt käme, wäre es mehr als nur ein verrutschter Sensor.
Ahja.

Ich setzte mich neben das Wärmebett, schaute mein Mädchen an und wartete.
Die Schwester schaute immer wieder mal vorbei, stellte erst die Wärmelampe über dem Bett aus, dann die Heizung des Bettes selber und prüfte, ob alles so ist, wie es sein sollte. Das Kindlein schlief.
Zwischendrin wurde der Jugendliche vom Morgen in den Aufwachraum gebracht. Ich war froh und erleichtert, dass er seine OP auch gut überstanden hatte. Ich musste schmunzeln, als er, einigermaßen wieder zu sich gekommen, darum bat, dass seine Mama darüber informiert würde, dass alles gut gegangen ist, sie mache sich sicher Sorgen.
Nach zwei Stunden im Aufwachraum, davon eine Stunde lang ohne äußere Wärmezufuhr durften wir zurück auf die Station, natürlich nur im Begleitung einer Schwester.
Auf Station angekommen, wartete ich, dass die Kleene wach wird. Sie aber schlief und schlief und schlief. Sehr zum Leidwesen meiner Brüste, die mir zu verstehen gaben, dass 8+ Stunden ohne Entleerung nicht im Sinne des Erfinders und vor allem schmerzhaft sind.

Meine Warterei wurde durch das Mittagessen unterbrochen, diesmal irgendetwas Fischiges mit Reis und nennen wir es mal Gurkensalat.

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Ich rief meinen Mann an und fragte, ob und wann er denn an diesem Tag vorbei kommen wollte, was dieser wiederum als Startschuss verstand und sich sofort auf den Weg machte. Während ich also darauf wartete, dass die Kleene aufwacht, wartete ich auf meinen Mann. Als dieser dann kam, war er recht enttäuscht, dass sein Nachwuchs immer noch seinen Rausch ausschlief. Auch die Schwestern schauten immer wieder nach.

Da meine Brüste mittlerweile heftig schmerzten, versuchte ich, mein Mädchen sanft zu wecken. Dort ein Kitzeln, da ein Streicheln, aus dem Bett nehmen, mit ihr sprechen – alles nur mit mäßigem Erfolg.

Gegen 14 Uhr zeichnete sich ein Ende der Aufwachwartezeit ab, eine halbe Stunde später wollte sie dann tatsächlich das erste Mal etwas trinken.
Riesengroße Erleichterung.
Der Familienanhang meiner Zimmerkollegin hatte sich in der Zwischenzeit wieder vollständig eingefunden. Da ich dafür keinen Nerv hatte und draußen herrlich die Sonne schien, fragten wir, ob wir mit der Kleinen eine Runde in den Park dürften. Durften wir nicht, es wäre zuviel für sie. Kurz darauf ging mein Mann wieder heim und ich wartete alleine.
Auf die Vesper. Auf das Abendessen. Auf die nächste Wachphase des Kindes. Darauf, dass irgendwas passiert.
Aber außer einem Kontrollultraschall, bei dem festgestellt wurde, dass sich die Stauung bereits verkleinert hatte, wurde meine Warterei durch nichts unterbrochen.

Ich las mein Buch zu Ende, spielte mit meinem Handy und wartete, dass ich endlich schlafen gehen konnte.
Kaum lag ich im Bett, war ich auch schon eingeschlafen. Gegen Mitternacht weckte mich mein Kind und hatte Hunger. Und was für welchen. Nach über einer Stunde Dauertrinken und Nuckeln an der Brust, konnte ich nicht mehr, die Schmerzen wurden zu groß. Dem Baby war das egal, es wollte mehr. Mehr trinken. Oder mehr kuscheln. Oder was auch immer. Auf jeden Fall schrie es, was ich bisher gar nicht kannte.
Ich wartete darauf, dass sie sich beruhigt, doch erst gegen 2 Uhr, nachdem ich sie improvisiert gepuckt und eine Stunde durchs Zimmer geschleppt hatte, selber ständig kurz davor, vor Erschöpfung umzufallen, hörte sie auf und schlief einfach ein.
Und schlief, bis wir morgens von den Schwestern geweckt wurden.

Wir sollten an diesem Tag entlassen werden, aber niemand konnte uns sagen, wann das ungefähr sein wird. Ich wartete wieder, diesmal darauf, dass uns irgendjemand informiert. Die Warterei wurde durch einen neuerlichen Ultraschall unterbrochen, bei dem die Ärztin jedoch keine weitere Veränderung feststellen konnte.
Gegen 11 Uhr fragte ich bei den Schwestern, die sich bis dahin außergewöhnlich rar gemacht hatten, nach, ob und wann ich denn nach Hause könne, wurde aber auf die noch ausstehende Visite vertröstet.
Ich weiß nicht, wann genau, aber letztendlich tauchte die Armada der Weißkittelberockten auf und gaben uns grünes Licht für die Entlassung. Ich solle am Montag zum Kinderarzt zur Kontrolle und in 3 Wochen zur Nachsorge in die Klinik. Mach ich alles, nur lasst mich endlich da raus.

Ich rief meinen Mann an, er solle uns abholen. Während ich auf ihn wartete, führte ich mir ein letztes Krankenhausmittagessen zu Gemüte, Geflügelkräuterbällchen mit Kartoffelmus und Wurzelgemüse, das unleckerste der drei Gerichte.

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Mein Mann kam und erlöste uns endlich von dieser unsäglichen Warterei. Das Leben findet wieder in Normalgeschwindigkeit statt, der Horizont erweitert sich. Knapp drei Tage war ich der Welt entrückt, keine Nachrichten, kein Fernsehen, keine Zeitung. Nur Sorge um mein Mädchen und warten.

Äußerlich hat sie den Krankenhausaufenthalt gut überstanden. Seelisch hat sie noch eine Menge zu verarbeiten. Seit gestern schreit sie nach jedem Stillen, lässt sich frühestens nach 10 Minuten Dauerbrüllens beruhigen und kommt nur noch im Tragetuch zur Ruhe. Vom tiefenentspannten, pflegeleichten Kind ist fast nichts mehr übrig. Ich hoffe, dass sich das bald legt und sie ihr sonniges Gemüt wiederfindet.

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