Bei uns piept es!

Demnächst. Vielleicht. Und wenn, dann hoffentlich nicht allzu häufig.

Doch der Reihe nach.

Gestern stand der nächste Kontrolltermin für den Großen an wegen seines nächtlichen Einpullerns. Beim letzten Mal hatten wir den Auftrag bekommen, ein sogenanntes Miktionstraining mit ihm durchzuführen. Dabei sollen zu festgelegten Zeiten 5 mal pro Tag 200 ml Wasser getrunken werden. Zeitgleich erfolgt ein Toilettengang. Dies eben täglich über mehrere Wochen soll die Blase so trainieren, dass sie mehr fassen kann und der nächtliche Harndrang nicht so groß ist bzw. die Blasengröße nachts ausreicht, um ein Überlaufen zu verhinden.

Doch kaum hatten wir mit dem Training angefangen, wurde das Bettnässen eine echte Plage. Waren es bis dahin 2-3 Nächte hintereinander und dann bis zu 2 Wochen nichts, steigerte es sich auf tägliches Einnässen ohne Pausen länger als eine trockene Nacht, so dass wir zwangsläufig nachts auf Windeln umsteigen mussten. Fand der Kleene natürlich nur suboptimal, aber nachdem sich der Wäscheberg 2 Meter hoch in der Wanne stapelte, musste ich die Notbremse ziehen. Wir konnten das Training auch nicht wirklich kontrollieren, da der Junge tagsüber in Schule und Hort war und wir uns darauf verlassen mussten, dass er sich tatsächlich an die Zeiten und Vorgaben hält. Um das Training verfolgen zu können, gab es ein Protokoll, wo er verschiedene Bildchen ausmalen oder abhaken konnte, so er denn getrunken und gepullert hatte.

Leider blieben diese Protokolle fast immer leer 😦

Als Vorbereitung für den gestrigen Termin musste ein ausführliches Protokoll angefertigt werden, in dem erfasst wurde, wann er wie viel getrunken und wann er wie viel gepullert hat. Dazu wurde noch gemessen, wie die Urinproduktion nachts verläuft. Er wurde dazu eine Stunde nach dem Einschlafen geweckt und dann die Urinmenge gemessen. Nach weiteren 5 Stunden Schlaf das nächste Wecken und Messen und am Morgen nach dem Aufwachen ebenso.

Es gibt sicherlich schönere Aufgaben, aber mitten in der Nacht völlig durchweichte Bettwäsche in einem knapp 2 Meter hohen Hochbett zu wechseln ist definitiv auch kein Vergnügen. Das müde und traurige Kind abduschen zu müssen, ist Folter. Für beide Seiten.

All dies wurde gestern bei dem Gespräch ausgewertet und es kam heraus, dass beim Großen 3 Probleme aufeinander treffen:

  1. Seine Blase ist für sein Alter zu klein. Sie müsste um die 250 ml fassen, schafft aber maximal 200 ml, im Schnitt aber nur 160 ml.
  2. Die Urinproduktion wird nachts so gut wie gar nicht gedrosselt. Obwohl er in den Abendstunden relativ wenig trinkt (aus eigenem Antrieb, wir lassen ihn nicht dursten), werden im Verlauf der Nacht 350 ml Urin produziert, was quasi die Hälfte seiner Tagesproduktion ist.
  3. Er schläft zu tief und lässt sich nur sehr schwer wecken. Damit hat das Blase-voll-Signal des Körpers fast keine Chance, registriert zu werden und die Blase läuft dann eben irgendwann über.

Nun könnte man medikamentös behandeln, indem man das urinproduktionshemmende Hormon vorm Schlafengehen in Tablettenform verabreicht. Wie aber alle Medikamente hat auch dieses Nebenwirkungen und wir waren uns schnell einig, dies nur als letzte Option nutzen zu wollen. Denn im Grunde ist der Kleene ja nicht so weit weg von der Norm, so dass mit erneutem Miktionstraining, diesmal konsequenter verfolgt, durchaus Erfolge zu verzeichnen wären.

Es gibt aber eine sehr vielversprechende Methode ohne Medikamente oder strenge Trainingspläne und das ist die sogenannte Klingelhose. Die heißt wirklich so 🙂
Das Prinzip ist recht simpel. Das Kind bekommt eine spezielle Unterhose an und sobald diese nass wird, registriert das ein Sensor und fängt laut an zu piepen, einem Rauchmelder nicht unähnlich. Das Kindlein wird davon hoffentlich wach, stellt das Pullern ein, schleppt sich Richtung Klo, wo ein weiterer Sensor darauf wartet, das Piepen zu deaktivieren. Und wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich aufs Klo gehen.
Dieses Vorgehen scheint recht erfolgversprechend zu sein, bis zu 90% der Anwender würden so trocken.

Leider muss das Gerät erst bestellt werden, aber das übernimmt alles das Krankenhaus und die Krankenkasse trägt die Kosten dafür. Wir hoffen, in spätestens 3 Wochen mit dieser Methode starten zu können, so dass wir vielleicht sogar schon vor unserem Urlaub erste Erfolge verzeichnen können.

Und als Bonus haben wir ein Rezept für Windeln bekommen. Denn wenn die Diagnose Enuresis nocturna lautet, werden die Windeln ab einem gewissen Alter des Patienten (ich glaube, es muss älter als 3 Jahre sein) von der Krankenkasse übernommen. Zwar machen uns die von uns verwendeten Windeln mit knapp 6 Euro für 18 Stück nicht wirklich arm, aber derzeit können wir jegliche finanzielle Unterstützung gut gebrauchen.

In 3 Monaten müssen wir zur Kontrolle wieder hin und ich hoffe, dass wir dann endlich erste Erfolge sehen. Denn auch wenn wir dem Kind keinerlei Vorwürfe machen oder mit ihm schimpfen oder irgendwas dergleichen, fängt es an sich zu schämen. Außerdem soll er in den nächsten Sommerferien (2017) ins Ferienlager fahren dürfen und spätestens dann sollten trockene Nächte Standard sein, denn Kinder in dem Alter können unglaublich gemein und verletzend sein und ein einpullerndes 8-jähriges Kind ist immer ein willkommenes Opfer – egal, ob es was dafür kann oder nicht.

© Foto von Flickr/Harald Henkel „Das ist ja zum piepen …!“, (CC BY-ND 2.0)

Reiselust

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick!

Kaum schauen die Schneeglöckchen der Sonne entgegen, machte sich in mir eine Unruhe bemerkbar, die ich zunächst nicht zuordnen konnte. Erst nach und nach kristallisierte sich heraus, was mich umtrieb. Verstärkt wurde dies durch Gespräche von Kollegen und diversen Zetteln in Schule und Kindergarten. Alles drehte sich um den Sommerurlaub und alle Welt schien bereits bestens darauf vorbereitet, nur wir hatten mal wieder gar keinen Plan.

Wir wussten noch nicht mal, wann hier die Sommerferien sind. Oder wann der Hort schließt. Oder der Kindergarten.
Von einem Reiseziel ganz zu schweigen.

Früher hatten wir den Plan, nach Holland zu fahren, weil das nicht so weit weg ist. Dann war das nicht exotisch genug, also liebäugelten wir mit dem Baltikum. Weil sich dort aber so eine komische russische Exklave dazwischen gemogelt hat, war die Anreise an Land ziemlich lang, so dass ich testweise den Seeweg probierte. Der war aber so unglaublich teuer, dass ich dachte, wir könnten auch gleich nach Finnland fliegen. Da sind aber die Mietwagenpreise jenseits von gut und böse, also schied das als Option auch wieder aus.

Kurz nochmal zu den Inseln geschielt, Schottland oder Irland, aber da fehlte mir der Enthusiasmus. Griechenland wollte ich immer schon mal hin, ist ja geschichtlich nicht ganz uninteressant und wirtschaftlich kann das Land jeden Cent gebrauchen, aber in der aktuellen Situation sind Strandbesuche ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Italien waren wir erst, Spanien und Frankreich interessieren mich gerade nicht und Portugal ist zu weit.

Tja, und das war’s auch schon fast, was europäische Ziele mit Strandzugang angeht. Zurück auf Anfang: was nochmal sprach gegen Holland?

Eigentlich nichts, dafür gab es aber diverse Pros:

  • mein Cousin wohnt seit über 20 Jahren in Utrecht
  • ein sehr guter Freund stammt aus der Ecke
  • vor 20 Jahren machten wir als Abiabschlussfahrt einen einwöchigen Segeltörn übers Ijsselmeer
  • Amsterdam würde ich mir gerne näher anschauen
  • die Belgier und Niederländer können sehr lustige Grenzen ziehen
  • ich hab auf Anhieb eine sehr preiswerte Unterkunft im Zielgebiet gefunden

Und weil wir schon mal in der Gegend sind, hängen wir zu den 2 Wochen Holland eine Woche Belgien dran. Einfach weil wir es können und wir vergangenes Jahr keinen Urlaub, nicht mal einen ganz kurzen, hatten.

Habt ihr Ziele in Belgien oder den Niederlanden, welche man unbedingt gesehen haben muss? Kindgerechte Aktivitäten, außer am Strand Steine oder Sand ins Wasser werfen? Gibt es irgendwas zu beachten?
Ich bin wie immer für jeden Tipp dankbar!

© Foto von Flickr/Moyan Brenn „Holland“, (CC BY 2.0)