Mit spitzem Bleistift

Ende des Jahres ist bei mir immer der finanzielle Notstand angesagt. Aus nicht näher bekannten Gründen sind zum Jahresende die besonders großen Batzen fällig, als da wären Autoversicherung + Steuer, Jahreskarte des ÖPNV und zur Abrundung der Xing-Mitgliedsbeitrag. Weil das insgesamt mit knapp 1.500 € zu Buche schlägt und wir wie üblich keine Chance zum Ansparen haben, bringt mich das in arge Bedrängnis, der ich dieses Jahr nun den Kampf angesagt habe.

Das einfachste war, den Xing-Premium-Account zu kündigen und fortan mit der Basisversion zu leben. Da ich ich mich aktuell nicht im Bewerbungsprozess befinde, bringt mir die kostenpflichtige Variante nichts und mittlerweile habe ich meine Neugierde so gut im Griff, dass ich gut damit leben kann, nicht zu wissen, wer als letztes mein Profil besucht hat.

Das ÖPNV-Ticket war da schon ein wenig komplizierter, da mein eigener Schweinehund ins Spiel kommt. Statt täglich den Bus zur Arbeit zu nehmen, müsste ich aufs Fahrrad umsteigen oder das eigene Auto nehmen, wobei das mangels Parkplätzen nur eine suboptimale Alternative ist. Ich müsste das Auto ziemlich weit weg parken, dann entsprechend weit laufen, wäre dabei Wind und Wetter ausgesetzt und würde wenig bis gar keine Zeit einsparen. Dann doch lieber das Fahrrad, damit bin ich genauso flexibel wie mit dem Auto und es gibt genügend Fahrradabstellplätze direkt vor dem Firmeneingang. Die Sache hat nur zwei Haken: 1. habe ich gar kein Fahrrad und 2. muss ich den ÖPNV-Vertrag kündigen.

Der Vertrag läuft als Jobticket, wird von der Firma finanziell mit 1€ (echt jetzt) subventioniert, was mir allerdings einen Rabatt von 10% verschafft. Der Vertrag aber muss sowohl von der Firma als auch von mir selbst gekündigt werden, bis zum 10. des Vormonats, also mit ca. 6 Wochen Vorlauf. Da der Vertrag am 1.11. automatisch um 1 Jahr verlängert worden wäre, ich das alles aber erst Anfang September ausklamüsert und entschieden hatte, wurde es ein wenig eng bei der Kündigung. Erst mal bei der Hotline angerufen, die meinten, ich sollte mir ein Schreiben von der Personalabteilung geben lassen. Bei der Personalabteilung gewesen, die meinten, ich solle mir das Formular aus dem Service Center holen, welches sie dann gerne unterschreiben und abstempeln würden. In die Stadt zum Service Center gefahren, Formular geben lassen, Formular ausgefüllt, am nächsten Tag von der Personalabteilung abstempeln lassen, am übernächsten Tag wieder in die Stadt gefahren und im Service Center die endlich komplette Kündigung abgegeben, am 10.9. – exakt zum Stichtag. Damit sollte dieser große Posten wegfallen.

Jetzt brauche ich nur noch ein Fahrrad. Die einschlägigen Internetportale haben zwar eine riesige Auswahl, aber spielen auch in für mich unerreichbaren Preisklassen. Meine Eltern haben mir signalisiert, dass sie sich mit 100€ als Geburtstagsgeschenk am Fahrradkauf beteiligen wollen, dennoch ist es zuviel für meinen Geldbeutel. Ich erhielt den Tipp, dass das lokale Fundbüro immer wieder mal gefundene Fahrräder versteigert, aber natürlich sind gerade keine Versteigerungen geplant. Wann wieder eine ansteht, konnte mir auch niemand sagen.
Dann also Ebay Kleinanzeigen. Da gibt es viele Fahrräder, viele auch preiswert, die meisten davon aber auch uralt (>25 Jahre). Ab und zu jedoch ist eine kleine Perle dazwischen, bei der ich mein Glück versuchen werde. Ich werde berichten, wie das ausgeht.

Im Gegenzug werde ich selber einige Teile dort einstellen und hoffen, dass sich Käufer für die bei unserer Entrümpelungsaktion übrig gebliebenen Teile finden. Auch wenn dies bedeutet, mich von der heiß und innig geliebten Babyschale im Giraffendesign trennen zu müssen, aber diese für etwaige Enkel aufheben ist auch doof. Vielleicht kommt ja darüber so viel Geld zusammen, um den Autoversicherungsbatzen abfedern zu können.

Denn da flatterte mir am Wochenende die neue Beitragsrechnung in den elektronischen Briefkasten. Obwohl ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen, ist der Beitragssatz für Haftpflicht und Teilkasko nur um ganze 7€ gesunken. Weil mir das so gar nicht gefiel, warf ich eines der zahlreichen Vergleichsportale an und das spuckte mir für meinen Tarif bei der gleichen Versicherung einen um 100€ niedrigeren Beitragssatz aus. Da mir das spanisch vorkam, rief ich kurzerhand bei meiner Versicherung an und fragte freundlich nach, wie das kommt. Der ebenso freundliche Mitarbeiter bleib mir eine Erklärung schuldig, bot mir aber einen Nachlass von 15% an. Als ich erstaunt fragte, wie das denn geht, meinte er, in dem man die Hotline anruft und freundlich fragt.
Es scheint wohl, dass Versicherungen einen gewissen Spielraum haben, um Kunden nicht zu verlieren. Diesen Spielraum nutze ich jetzt aus und muss statt 650€ nur noch 550€ zahlen. Kein schlechter Deal für 5 Minuten Telefon.

Insgesamt ist damit die finanzielle Last auf irgendwas um die 600€ + Fahrrad gesunken und lässt uns dieses Jahr ein wenig entspannter auf Weihnachten zugehen. Hoffen wir mal, dass da jetzt nichts unvorhergesehenes reingrätscht.

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Ver(w)irrte Steuern

Es war in letzter Zeit ruhig an der Finanzfront. Zu ruhig.

Vor einem guten Jahr teilte mir meine Bank mit, dass sich die Bankverbindung ändern wird. Ich versuchte daraufhin, alle möglichen Stellen, die das interessieren könnte, zu kontaktieren. Wie sich der geneigte Leser vielleicht noch erinnert, gelang das mir nicht zu 100%.

Eine weitere Stelle, wo ich meine neue Bankverbindung nicht melden konnte, war bei der Stelle, die von mir die Kfz-Steuer für mein Auto haben will. Ich suchte mir einen Wolf auf der Internetseite der Zulassungsstelle, genauso wie auf der Seite der Stadt, ohne Erfolg. Als wir vor einigen Monaten beim Bürgeramt waren, um für das Kind einen Reisepass zu beantragen, fragte ich den freundlichen Mitarbeiter dort, ob er denn wisse, wo ich die Bankverbindung ändern lassen könne, aber er war auch ratlos.

Ich verließ mich darauf, dass Behörden, wenn sie Geld von einem haben wollen, recht hartnäckig sind und sich entsprechend zeitnah melden würden. Wir sind ja brav gemeldet und verstecken uns nicht vor der Öffentlichkeit. Ich wartete auf entsprechende Post, aber da kam nix und die Sache geriet in Vergessenheit.
Bis wir dann unsere Steuererklärung für 2012 machten.

Ja, wir sind da immer ein wenig spät dran, aber da wir uns vom Lohnsteuerhilfeverein helfen lassen, gibt es keine Repressalien und wir sparen uns das mühsame Zusammensuchen von Informationen und Schlupflöchern und sind bisher ganz gut damit gefahren. Auf jeden Fall viel besser als bei unseren eigenen Versuchen, bei denen wir, wenn auch nicht viel, immer nachzahlen mussten. Jetzt kriegen wir regelmäßig einen nicht unerheblichen Betrag zurück, der dann postwendend auf dem Sparbuch als Notgroschen landet.

Wir bekamen also vor zwei Wochen Post vom Finanzamt, welches uns in einem offiziellen Bescheid mitteilte, dass sie den von der Steuerberaterin errechneten Betrag auch heraus bekommen hatten. Außerdem stand in dem Schreiben, dass dieses Guthaben mit dem noch offenen Betrag der Kfz-Steuer gegengerechnet und der überschüssige Betrag auf das Konto der alten, ungültigen Bankverbindung überwiesen wird. Endlich mal eine Aussage und eine Telefonnummer.

Dort also angerufen und mein Problem geschildert. Der freundliche Herr teilte mir mit, dass er die alte Bankverbindung aus dem System löscht, er könne aber nicht per Telefon die neue Verbindung eintragen, dies müsse schriftlich erfolgen, mit SEPA und BIC und dem ganzen Schnickschnack. Ich fragte, ob das auch per Email ginge, was er bejahte und mir grob erklärte, wo ich denn die Emailadresse finden würde. Nach einer kurzen Suche auf der Finanzamtinternetseite fand ich eine Emailadresse. Soweit ich das ermitteln konnte, gibt es genau eine Adresse für sämtliche Belange. Mir soll es recht sein, ist ja nicht mein Chaos.

Ich schrieb also eine freundliche Email, im Betreff unsere Steuernummer und worum es geht, im Text die neue Bankverbindung, zusammen mit der Bitte, den offenen Betrag aus dem Steuerbescheid doch bitte auf das Konto zu überweisen. Ich gab auch meine Handynummer an, falls es Fragen geben sollte. Aber ich würde keinen Blogeintrag schreiben, wenn das Prozedere funktioniert hätte.

So bekamen wir denn heute Post vom Finanzamt, wo uns mitgeteilt wurde, dass wir keine Bankverbindung hinterlegt hätten. Wir sollten doch bitte beigefügtes Formular ausfüllen und ans Amt schicken, damit sie uns das Geld überweisen können. Immerhin hat es nur 2 Wochen gedauert, was für eine Behörde, die UNS Geld GEBEN will, echt fix ist. Solche Antwortzeiten kenn ich sonst nur, wenn die Konstellation anders herum ist.
Ich werde also morgen das Formular ausfüllen, einen freundlichen Hinweis auf die Email von vor 14 Tagen dazuschreiben und dann den guten alten Postweg nutzen.

Vermutlich dauert es doch noch zwei oder drei Jahre, bis auch die Behörden endgültig im digitalen Zeitalter angekommen sind.