Härtetest

Ich war mal wieder für ein langes Wochenende mit den Kindern bei meinen Eltern zu Besuch. Was an sich wie eine gute Sache klingt, war in mehrfacher Weise ein echter Härtetest. Ich konnte viele Verhaltensweisen bei meiner Mutter beobachten, die mich tatsächlich dankbar sein lassen, dass wir relativ weit weg voneinander wohnen. Mehrmals gab es Situationen, die kurz vor der Eskalation standen und ich war heilfroh, als ich wieder nach Hause fahren konnte.

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Bereits der Start war holprig. Ich hatte am Dienstag ein Video meiner brabbelnden Süßen bei Facebook gepostet, was meine Mutter daran erinnerte, dass sie ihre Enkel schon ewig nicht mehr gesehen hat. Mittwochs rief sie unvermittelt an und fragte, ob wir am nächsten Tag bis Sonntag vorbei kommen wollten. Nun hat mich die Erfahrung gelehrt, dass die Frage an sich gar keine Frage ist, sondern mehr ein Befehl, dessen Nichtbefolgung mir noch ewig aufs Brot geschmiert werden wird. Ich hatte zwar für den Rest der Woche einige Pläne gemacht, doch konnte ich diese ohne große Probleme verschieben. Spontanität stört mich grundsätzlich nicht, was mir aber sauer aufstieß, war, als mir meine Mutter im Laufe des Wochenendes ihr Leid klagte, dass sie durch ihrer beiden sehr unterschiedlichen Schichtsysteme ihre freien Tage nur ganz selten miteinander verbringen könnten und es sie nervte, wenn sie die Wochenenden alleine zuhause rumsitzen würde, während Papa arbeitet. Und dieses Wochenende wäre seit Ewigkeiten mal wieder das erste, wo sie beide nicht arbeiten müssten. Statt also dieses Wochenende zu zweit zu genießen, laden sie uns ein und machen sich weiteren Stress. Und dass es meine Mutter stresst, war nicht zu übersehen.

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Denn sie kann nicht einfach nur einladen und wir sind dann da und freuen uns an der Anwesenheit des anderen. Nein, es müssen die Essen für die Tage vorgekocht und extra spezielle Wurst oder Süßigkeiten besorgt werden. Die Tage vertrödeln geht auch nicht, da muss jeden Tag ein Programm her, ganz egal, ob meine Mutter nach ihrer Schicht schon völlig alle ist. Im Gegenzug regte sie sich über Freunde auf, zu denen man mal nicht eben spontan zum Grillen gehen kann, weil die Freunde immer so viel vorbereiten. Dass die Freunde das für sie aus dem gleichen Grund machen wie sie für uns, nämlich dem anderen zeigen, dass er wertvoll genug ist, sich eine solche Mühe zu machen und dass die Mühe gerne in Kauf genommen wird, übersieht sie. Außerdem will sie eh nichts mehr mit so verlogenen Menschen zu tun haben. Sollen sie doch frei heraus sagen, wenn sie keine Zeit oder Lust haben, anstatt sich durch den Grillabend zu quälen. Als wenn meine Mutter immer ehrlich wäre.

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Meine Mutter lebt permanent nach Pippi Langstrumpfs Motto „Ich mache mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“. Wenn sie etwas macht, ist das in Ordnung, macht jemand anderes genau das gleiche, dann ist das zumindest kritisierbar. So waren wir unterwegs zu ihrem Lieblingsbiergarten, dieser war aber wegen einer naheliegenden Veranstaltung hoffnungslos überfüllt. Wir zogen also weiter zu einem anderen Biergarten, wo wir entgegen der ersten Annahme auch einen schönen Platz fanden. Allerdings bediente uns dort eine Kellnerin, die vor Jahren mal eine etwas unglückliche Bemerkung meiner Mutter gegenüber gemacht hatte. Sie war also schon bedient, bevor wir überhaupt bestellt hatten. Nun war die Lokalität gut gefüllt, weswegen es zwei Minuten dauerte, bis sich die Bedienung um uns kümmerte. Sie begrüßte uns gut gelaunt, meine Mutter deutete etwas in Richtung „hat ja lang genug gedauert“ an, worauf die Kellnerin, wie ich fand, gekonnt und höflich reagierte. Meiner Mutter allerdings schlief bei der Antwort wortwörtlich das Gesicht ein, ich schaute alarmiert meinen Papa an und wir wussten, dass die nächsten Sekunden entscheidend sind, ob wir dort blieben oder überstürzt und unter lautem Geschimpfe aufbrechen müssen. Wir durften bleiben.

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Etwas später fragte uns meine Mutter, wie wir denn den Spruch fanden und wir antworteten wahrheitsgemäß, dass wir ihn ok und gar nicht flapsig oder gar frech fanden. Ich war ehrlich überrascht, dass sie unsere Rückmeldungen einforderte, dies passiert höchst selten, allerdings war sie bitter enttäuscht, dass wir nicht ihre Meinung teilten. Ich versuchte, die Gunst der Stunde zu nutzen und ihr die Perspektive der Bedienung zu zeigen, aber das wollte sie nicht hören. Sie blaffte mich an, ich solle es gut sein lassen. Erst, als ich ihr ein Kompliment machen konnte, wie viel besser sie doch als andere Verkäufer oder Kellner ist, entspannte sich die Situation.

Dieses Verhalten ist mir an diesem Wochenende das erste Mal so richtig bewusst geworden. Meine Mutter kann sich nur gut fühlen, wenn sie sich über andere stellen kann. Sei es, dass sie schlanker ist (und sie ist selber weit entfernt von gertenschlank), oder ihre Klamotten besser sind, oder man bei ihr nicht die Unterwäsche unterm Kleid durchschimmern sieht oder was auch immer. Es muss bei anderen Personen immer etwas schlechtes gefunden werden, einen Menschen einfach so, wie er ist zu akzeptieren, vielleicht sogar sein Anderssein kommentarlos hinzunehmen, geht gar nicht.

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Ich freute mich, als ich ihr von unseren Urlaubsplänen erzählen durfte. Gerne zeigte ich ihr am Computer, wo wir hin wollten, wie unsere bereits gebuchten Unterkünfte aussehen und welche Tagestouren wir vorhaben. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber bestimmt nicht, dass wir nicht so viel herum fahren sollten, dass wir uns doch viel lieber entspannen und „zur Ruhe kommen“ sollten. Ich hab bisher immer noch nicht verstanden, was sie damit meint, denn wir haben nicht das Gefühl, zur Ruhe kommen zu müssen. Wir wollen uns die Gegend anschauen, ein bisschen was erleben und möglichst jeden Abend die eine oder andere Runde am Strand drehen. Wir haben das in der Form bereits in England gemacht und es hat uns allen, auch unserem Kind, sehr gut gefallen. Außerdem waren wir alle ganz wunderbar erholt hinterher. Warum also sollten wir das jetzt anders handhaben?

Wie auch immer, das ganze Wochenende redete sie auf mich ein, dass wir den Urlaub doch anders machen sollten. Nicht so lange, nicht so weite Fahrten, nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Nicht einmal kam „oh, das wird meinem Enkel bestimmt gefallen“, wenn ich von expliziten Kinderaktivitäten erzählte, kein „schreibt uns von dort doch bitte eine Karte oder bringt uns etwas mit“, kein „Rom hat ja so viel zu bieten“, nur ständige Einwände.

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Als ich erzählte, dass meine Cousine mit ihrer Familie dieses Jahr eine zweiwöchige Kreuzfahrt macht, kam als Reaktion „na, die können es sich ja auch leisten, die geben ja auch nichts an ihre Mutter (meine Tante) ab, während diese kaum weiß, wie sie die Miete zahlen soll“. Meine Mutter kennt die Geschichte meiner Cousine genauso gut, vermutlich sogar wesentlich besser als ich, und sollte wissen, dass meine Cousine meiner Tante genau nichts schuldet, aber meine Cousine kann einfach nichts recht machen. Vor einigen Monaten regte sich meine Mutter über meinen Opa auf, über seine Marotten und Ansprüche und dass er sich auch nicht wundern braucht, dass ihn niemand mehr besucht. Jetzt am Wochenende allerdings hieß es, dass sie es unmöglich findet, dass meine Cousine ihren Opa nie besucht oder sich bei ihm meldet. Wie es eben gerade passt.

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Es gab am Wochenende einen Moment, da saß ich alleine mit meiner Mutter relativ entspannt zusammen. Das wäre an sich der perfekte Moment gewesen, vertraulich über Probleme, Wehwehchen, Sorgen und Nöte zu reden, aber ich konnte es mir beim besten Willen nicht vorstellen, ihr mein Herz auszuschütten. Denn anstatt Mitgefühl, Anteilnahme oder auch nur interessiertem Zuhören wären nur Vorwürfe gekommen oder sie hätte gejammert, dass sie sich ja jetzt noch viel mehr Sorgen machen müsse, aber helfen könne sie uns ja doch nicht, weil kein Geld/keine Zeit/keine Ideen/keine Nerven/… Dass die beste Hilfe darin bestehen würde, einfach nur mal über diese Sachen reden zu können, einen Zuhörer zu haben, der einen am Ende in den Arm nimmt und sagt, dass alles gut wird, das wird sie nie verstehen.

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Ein wenig Verständnis für die Leiden eines kleinen Babies könnte auch nicht schaden. Meine Süße zahnt gerade wie wild. Sie sabbert, stopft sich beide Fäuste in den Mund, lutscht voll Inbrunst an eigenen oder fremden Fingern und ist generell eher unleidlich. Sie jammert viel und weint gerne und laut. Dass sich das mit Arbeitsstress und Erschöpfung nicht gut verträgt, ist mir auch klar, nur hat ein Baby leider keinen Ausschalter, den ich nach Belieben umlegen kann. Ich habe mich sehr bemüht, die Kleene zu beruhigen und es ist mir ganz gut gelungen. Was ich allerdings nicht beeinflussen konnte, war ihr Fremdeln. Alles normal, nur das Verständnis der Oma hielt sich in engen Grenzen. Klar versteh ich, dass sie sich auf ihre Enkel gefreut hat und jetzt enttäuscht ist, doch auch ihr sollte mittlerweile klar sein, dass Kinder unberechenbar sind.

Naja, das Wochenende ist vorbei, aber es wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen.

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P.S. Die Fotos sind mit unserer neuen Kamera entstanden und haben nicht wirklich etwas mit dem Text zu tun 🙂

Wenn es läuft, dann läuft es!

Oder wie der Brite sagt: when it rains, it pours!

Hatte ich mich letzte Woche noch gefreut, dass es mal so gar nichts zum Meckern gibt, so holt das Universum gerade wieder mit der Anti-Keule aus. Ich persönlich glaube ja, dass es ein kleines Männchen gibt, dass guckt, wie es den Leuten geht und wenn es ihnen zu gut geht, dann wird ein Gegengewicht im Schicksal der Leute kreiert. Nur fröhliche Leute hält ja auch keiner aus 😉

Es fing am Freitag Nachmittag an, wie es solche Geschichten üblicherweise tun. Das Kind wird just dann fiebrigkrank, wenn der Kinderarzt gerade ins Wochenende gegangen ist. Das Klopapier geht prompt dann aus, wenn die Supermärkte vor einem langen Wochenende gerade geschlossen haben.
Bei uns war es die Spülmaschine, die kurz nach 18 Uhr einen undichten Abwasserschlauch meldete. Zum Glück war die Pfütze nicht allzu groß und konnte schnell beseitigt werden. Bei der Inspektion unseres fleißigen Helferleins zerbröselte mir der Abwasserschlauch förmlich in den Händen und brach direkt an der Austrittsstelle ab. Eine weitergehende Untersuchung des Geschirrspülers ergab, dass ich es wohl nicht selber reparieren kann, weil ich nicht mal ansatzweise einen Einstieg ins Maschineninnere fand. Wir riefen am Sonnabend einen Reparaturdienst an und verabredeten einen Termin für Montag.

An selbigem Sonnabend fiel mir auf, dass ein Hängeschrank in der Küche, in dem wir unsere sämtlichen Gläser lagern, schiefer als üblich hängt. Die Küchenwand ist arg bröselig, es war schon eine Kunst, da überhaupt 3 Schränke halbwegs sicher in die Wand zu dübeln, doch so recht traute ich dem Frieden nie, vor allem beim Glasschrank. Wir räumten also alle Gläser auf die ohnehin schon mit dreckigem Geschirr volle Anrichte und hängten den Schrank ab. Tatsächlich war der eine Dübel recht locker in der Wand und drehte immer wieder mit. An diesem Tag war es schon zu spät zum Bohren neuer Löcher und am Sonntag wollte ich die Nachbarn mit dem Lärm nicht belästigen.

Am Montag kam der Reparaturmensch und nahm sich unseres Geschirrspülers an. Er brauchte 3 Anläufe, um das Teil an der richtigen Stelle zu öffnen, da das Ding von innen mächtig-gewaltig zugebaut ist. Erschwert wurde die Reparatur durch den Zustand des noch recht jungen Handwerkers. Ganz offensichtlich hatte er die Nacht ordentlich gefeiert und war nur mäßig begeistert, in Bodennähe nach der Schlauchansatzstelle zu suchen. Ich fragte ihn, ob seine Nacht kurz war, aber er antwortete nur: welche Nacht? Er kämpfte sich aber tapfer weiter voran und packte irgendwann sogar die beiden mitgebrachten Ersatzschläuche aus, um dann festzustellen, dass der eine viel zu kurz war und beide vom Ansatzstutzen nicht passten. Ganz großes Kino.
Er fotografierte noch die Seriennummer ab, verschloss notdürftig den Spüler und verabschiedete sich. Sie würden sich melden, wenn der passende Schlauch geliefert würde.

Da mir das genug Handwerkskunst für einen Tag war, verschob ich die Lochbohraktion für den Glasschrank auf den heutigen Dienstag. Ganz vorsichtig bohrte ich mit einer 6er Bohrer zwei Löcher in die Wand und traf einmal Ziegel und einmal festen Putz mit Kiesel. Auf jeden Fall kam mir nicht gleich die halbe Wand entgegen, wie bei den ersten Versuchen. Zuversichtlich bohrte ich mit einer 10er Bohrer nach, klopfte die Dübel in die Wand und machte mich daran, die Schrauben einzudrehen. Das ging soweit gut, bis der Schraubwiderstand meine zarten Frauenhände überforderte. Aber wozu gibt es Göttergatten?

Während der Aktion hatte ich ein wenig das Zeitgefühl verloren und plötzlich war es 14:42 Uhr und um 15 Uhr hatte meine Kleene den nächsten Impftermin beim Kinderarzt. Uff, das könnte jetzt ein wenig eng werden. Ich schnell uns beide in Schale geworfen, die Süße im Kindersitz verstaut und ab ins Auto. 3 nach 3 waren wir in der Praxis, wo mir siedendheiß einfiel, dass ich die Krankenkassenkarte vom Großen vergessen hatte, ich aber eigentlich noch eine Überweisung für den Kardiologentermin von vor 1,5 Wochen brauchte. Muss ich also nochmal hin.

Der Impftermin dauerte länger als gedacht, was insofern doof war, als dass wir um 16:30 Uhr einen Termin mit der Kindergärtnerin des Großen wegen seines anstrengenden Verhaltens hatten. Außerdem war die Kleene übermüdet und schrie eigentlich die ganze Zeit, bei der Schluckimpfung, bei der allgemeinen Untersuchung, bei den zwei gespritzten Impfungen. Als wir endlich fertig waren, packte ich die Kleene schnell wieder ins Auto, welches mangels Alternativen schön in der Sonne vor sich hinbrutzelte.

Um uns schnelle Abkühlung zu verschaffen, bis die Klimaanlage einsetzte, öffnete ich das Fahrerfenster. Als ich es wieder schließen wollte, knirschte es unheilvoll in der Tür und das Fenster blieb auf halber Strecke stecken. Während ich also unter Zeitdruck versuchte, so schnell wie möglich durch den Berufsverkehr zu kommen, schob und drückte ich bei jeder Ampelpause die Scheibe nach oben, doch die letzten 2 Zentimeter wollten einfach nicht gelingen. Ich lud meinen Mann ein, wir fuhren zum Kindergarten und suchten erstmal die Erzieherin im Haus, wo wir uns verabredet hatten. Sie saß nur leider unten im Garten und hatte gehofft, uns vorfahren zu sehen. Das passte irgendwie alles zum Tag. Das Gespräch war sehr angenehm, dazu gibt es einen eigenen Eintrag.

Wieder daheim, schlug mein Mann vor, wir könnten doch nach dem Stress Pizza bestellen. Gesagt, getan, geliefert. Mein Mann will mit EC-Karte bezahlen und kann sich spontan nicht mehr an seine PIN erinnern. Um einer Sperrung seiner Karte zu entgehen, übernahm letztendlich ich den Bezahljob. Hmpf.
Wenigstens hat der Göttergatte die Schrauben mit lautem Schnaufen und Fluchen bis zum Anschlag in die Wand gedreht, so dass wir den Glasschrank – diesmal bombensicher – an die Wand hängen konnten.

Morgen muss ich wegen eines Termins in der Autowerkstatt anrufen und hoffen, dass es bis zur letztendlichen Reparatur nicht regnet. Und ich muss hoffen, dass die Reparaturen nicht zu teuer werden, denn sonst können wir unseren Italienurlaub nämlich vergessen.

Wie gesagt, wenn es einmal läuft, dann läuft’s!

Schlaf, Kindlein, schlaf

Als ich vor knapp einem Monat einen Beitrag über meine Ängste bezüglich des plötzlichen Kindstods veröffentlichte, bekam ich vom Kat in den Kommentaren eine wunderbare Linkempfehlung, welche wiederum einen Link zum Thema Familienbett enthielt. Beide Artikel bestätigten das, was ich schon vermutete, was ich aber durch die alles verblendende Angst nicht sehen konnte.

Gerade beim Thema Familienbett war ich sehr verunsichert, wurde doch eine schottische Studie angeführt, welches ein höheres Risiko für SIDS zeigte, wenn das Kind bei den Eltern im Bett schläft. Die Ergebnisse der Studie widersprachen aber ganz grundlegend meinem und dem Bedürfnis meiner Tochter nach Nähe, so dass ich die ersten Wochen nur mit sehr schlechtem Gewissen und ständiger latenter Panik ins Bett gegangen bin.

Bei meinem großen Kind handhabten wir es damals so, dass er die ersten beiden Wochen bei uns im Bett lag. Dann las ich irgendwo oder jemand empfahl mir, dass Kind in seinem eigenen Bett schlafen zu lassen. Da unsere damalige Wohnsituation es nicht zuließ, das Kinderbett mit ins Elternschlafzimmer zu stellen, schlief mein Junge also im eigenen Zimmer im eigenen Bett. Ich tigerte aller 20 Minuten zu ihm, um zu schauen, ob es ihm noch gut geht. Wenn er nachts wach wurde, weil er Hunger hatte, setzte ich mich in sein Zimmer, stillte ihn, fror mir dabei den Hintern ab, da es dort ja nur die empfohlenen 16-18 Grad hatte und legte ihn danach wieder ins Bett. Dann wartete ich, bis er auch wirklich eingeschlafen war, schlich mich wie ein Dieb aus dem Zimmer und versuchte, selber ein wenig zu schlafen.

Aber wirklich geschlafen habe ich in dieser Zeit nie, ich war ständig mit einem Ohr im Kinderzimmer und unzählige Male auch mit dem restlichen Körper. Nach zwei Wochen wurde es mir zu blöd, ich hab mir gesagt, dass es das doch nicht sein kann, dass ich ständig müde und in Sorge bin. Ich holte ihn wieder zurück ins Familienbett und schlief endlich wieder normal. Dem Kleinen war das zum Glück alles egal, der ratzte hier wie dort.

Irgendwann kam er ins mobile Alter und robbte im Schlaf trotz Schlafsacks quer durchs Bett, drängelte uns an den Rand und weckte uns, weil wir einen Fuß im Gesicht hatten oder ähnliches. Ein Beistellbett ist bei uns konstruktionsbedingt nicht möglich, da der Rand unseres Bettes zu breit ist.
Wir wechselten also unsere Taktik: Er schlief am Anfang in seinem Bett in seinem Zimmer und wenn er wach wurde, kam er zu uns und schlief dort weiter.
Aber auch das jagte mir eines Morgens einen Riesenschreck ein, als ich aufwachte am helllichten Tage und kein Baby neben mir fand. Sämtliche Schreckensszenarien in meinem Kopf durchspielend bin ich ins Kinderzimmer gerannt, aber der Bub lag friedlich schlafend in seinem Bett. Seit diesem Zeitpunkt hat er eigentlich immer durch geschlafen.

Bei meinem Mädchen ist es wieder ganz anders. Wir haben zwar das Kinderbett keinen Meter vom Elternbett entfernt im Schlafzimmer stehen, aber sie hat noch nicht eine Nacht darin geschlafen. Sie braucht Kontakt, um überhaupt einschlafen zu können. Wenn ihr niemand die Hand hält, wird sie unruhig und kann sich regelrecht in Panik brüllen. Und auch mich beruhigt es ungemein, wenn ich ihre Hand in meiner halte.

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Unser Bett ist genügend groß, 2 x 1,80 m. Wir haben die großen Kopfkissen aus dem Bett verbannt und schlafen mit Huschelkissen (35×35 cm). Damit bleibt für die Kleine genug Platz und sie kann sich nicht unter ein Kissen wühlen. Da ich ihre Hand festhalte, spüre ich jede Bewegung. Auch, wenn ich mich dabei nicht beobachten konnte, gehe ich davon aus, dass ich, ebenso wie im Artikel oben beschrieben, im Schlaf mein Kind beruhige und automatisch die Vitalzeichen checke. Ich glaube, diese Fähigkeit bekommt man beim Mama werden kostenlos mit.

Seit ich das so mache und seit den beiden Artikeln schlafe ich endlich wieder gut und die Ängste sind nur noch minimal vorhanden. Ganz werden sie eh nie verschwinden, aber derzeit praktizieren wir alles uns Mögliche, um Schaden vom Kind abzuwenden.

Wir pucken nicht. Wir haben das beim Großen gemacht und es hat ihn beruhigt. Bei der Kleenen habe ich es einmal im Krankenhaus gemacht, weil ich zu erschöpft war, um sie noch länger zu tragen, sie sich aber nach 2 Stunden Schreien einfach nicht beruhigen wollte.
Wenn es jetzt solche Situationen gibt, dann packe ich sie tagsüber ins Tragetuch, umarme und streichel sie beruhigend und Sch-sch-sche leise auf sie ein. Sie beruhigt sich dann meist recht fix. Nachts halte ich ihr beide Hände fest, was ja quasi nichts anderes als beim Pucken ist, und je nach Tagesform fängt sie sich mal schneller, mal weniger schnell wieder.

Mir hilft es auch zu wissen, dass Schreien für die Kinder DAS Mittel zur Stressverarbeitung ist. Und auch Babys können schon gestresst sein. Der unangenehme Besuch beim Arzt, die unbedingt kuscheln wollende Oma, Straßenlärm beim Shopping, Hundegebell in der Nachbarschaft oder das dauernd dudelnde Radio. Zu grelles Licht, zu viele Lichtwechsel. Alles neu für das Baby, alles ungewohnt, alles Sinneseindrücke, die verarbeitet werden müssen. Was meiner Erfahrung nach dann gut hilft, ist eine reizarme Umgebung schaffen und sich selber nicht stressen. Kinder spüren den Stress ihrer Eltern und das verstärkt ihren eigenen Stress.

Auch hier wieder: Tragetuch, Sch-sch-sch, sanft streicheln, Licht und Ton aus, laufen oder im Sitzen hin und her wiegen. Falls sich noch jemand fragt, wofür Schaukelstühle erfunden wurden: genau dafür. Wir haben 2 Poängs und ich hab einen genialen Bürostuhl mit herrlicher Kippelfunktion 🙂

Aber gerade abends im Bett merke ich, dass man als Elternteil es auch einfach mal aushalten muss, wenn das Kind den Tag verarbeitet. Sie ist frisch gewickelt, randvoll gestillt, sie liegt in einem dunklen, ruhigen Raum, ich halte ihre Hände und sie schreit und schreit. Es ist kein Schmerzschrei und auch kein Hunger, das höre ich, das ist purer Stress. Mir tut das auch jedes Mal leid und ich wünschte, ich könnte ihr irgendwie helfen, aber alles, was ich tun würde, würde einen weiteren Reiz erzeugen und ihren Stress vergrößern. Das Schwierigste ist, dabei nicht die Nerven zu verlieren.
Manchmal würde ich sie gerne anbrüllen und bitten: so sage mir doch, was los ist. Ich merke, wie meine Nerven blank liegen und dann zwinge ich mich, ganz tief durchzuatmen, mir mantramäßig immer wieder zu sagen „ich bin ganz ruhig, ich bin ganz ruhig“ und meinen Unterkiefer und meine Schultern zu lockern. Ich weiß, sie wird sich beruhigen. Sollte ich aber meine Nerven verlieren, dann verliert sie einen Teil des Vertrauens in mich als Fels in der Brandung und das werde ich nie wieder gut machen können.

Meine Süße ist ein sehr unruhiges, nervöses Kind, aber wir haben uns aufeinander eingestellt und die Abläufe sind eingespielt. Ich höre weiter auf meinen Bauch und so lange der mir sagt, dass sie unmöglich alleine in ihrem Bett schlafen kann, schläft sie neben mir. Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, sondern kann beruhigt schlafen.

Ich wünsche allen eine Gute Nacht!

Shoop Shoop

Das war er also, der 5-Wochen-Schub.

An sich geb ich nicht viel auf Schübe oder Phasen, weil man letztendlich nicht viel dagegen machen kann, außer sie so nehmen, wie sie gerade kommen.

Dementsprechend wurde das Kind gestern den ganzen Tag getragen und gefühlt aller 5 Minuten gestillt. Nützt ja alles nix.

Was mich erstaunte war meine Gelassenheit. Ich kann mich noch erinnern, wie ich beim Großen an solchen Tagen gelitten habe. Wie ich jeden einzelnen Nervenstrang separat zerfasern spüren konnte. Wie ich am Ende des Tages auf dem Zahnfleisch gekrochen bin. Wie ich einmal, als es gar nicht anders ging, ans andere Ende der Wohnung gegangen, mit der flachen Hand voller Wucht gegen die Wand und mir halb die Seele aus dem Leib geschrieen habe.

Die vergangenen beiden Tage hingegen tanzte ich mit dem Kind im Tragetuch durch die Wohnung, erzählte ihm Geschichten oder ertrug stoisch sein Weinen im Tragetuch, während ich beruhigend seinen Rücken streichelte. Kein Verkrampfen, kein Angenervt sein. Vielleicht ist das die Gelassenheit des Alters 😉

Feuerprobe

Ich bin seit ich denken kann leidenschaftlicher Fußballfan. Meine Eltern nahmen mich bereits als Kind mit zu Spielen und in meiner Jugend kickte ich selber einige Jahre im Verein, bis dieser aufgrund mangelnder Spielerinnen die Frauenmannschaft dicht machte.

Für mich war es daher keine Frage, dass meine Kinder dies auch erleben sollten. Als mein Großer 6 Monate alt war, ging ich mit ihm das erste Mal zu einem Spiel. Ihm hat es gut gefallen, nur beim Torjubel der Menge oder sehr lauten Aufregen über fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen erschrak er sich ordentlich und weinte auch ein wenig. Da damals „meine“ Mannschaft noch in einem überschaubar großen Dorfstadion und in der Oberliga kickte, hielt sich die generelle Lautstärke doch in engen Grenzen.

Seit dem hat sich einiges geändert. Die Mannschaft ist in der 3. Liga angekommen. Mein Mann teilt mittlerweile meine Leidenschaft und die gesamte Familie hat Dauerkarten. Das Stadion und auch der Lautstärkepegel sind ungleich größer.

Heute stand nun ein sehr wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Spiel der Saison an und ich überlegte hin und her, ob ich mit der Kleenen zum Spiel gehen sollte oder nicht. Meine Jungs waren schon ganz heiß das Duell. Ich jedoch machte mir Gedanken, ob mein Mädchen schon bereit ist dafür. Wir haben im Vorfeld schon Kinderohrenschützer gekauft, doch waren die geradezu riesig auf dem winzigen Babykopf. Sie dämpfen nur die Geräusche und wenn es ausreichend laut ist, dann ist es vielleicht doch noch zu viel fürs Baby. Würde sie den Stress verkraften? Wie mach ich das mit dem Windeln wechseln, gibt ja eher selten Wickelräume in Stadien und die Toilettenkabinen sind sehr eng.

Aber wenn ich es nicht probiere, werde ich es nie wissen und der Eintritt ist ja nun schon bezahlt, da ist es auch egal, ob ich für 5 Minuten oder 90 oder gar nicht gehe. Ich beschloss, es zu versuchen und im Zweifelsfall einfach wieder zu gehen, falls es meinem Mädchen zuviel werden würde.

Sie wurde direkt vor der Abfahrt noch mal ausgiebig gestillt, frisch gewickelt und ins Tragetuch gepackt. Vorm Einlass gab es die Ohrenschützer auf und ich mummelte sie zusätzlich noch in meine Jacke ein.

Bis auf kurze Unruhephasen und einen Minibrüller hat sie wunderbar bis zur 70. Minute durchgehalten. Dann wurde sie hungrig und es gibt eben Dinge, die dulden keinen Aufschub. Ich verließ den Fanblock mit ihr, setzte mich ein wenig außerhalb auf den Rasen und stillte sie. Dabei konnte ich zwar nicht das Spiel sehen, aber immerhin noch die Atmosphäre genießen. Kurz vor Abpfiff packte ich sie wieder ins Tragetuch und ging wieder an meinen Platz, um mit den Jungs den Sieg zu feiern.

Die Kleene schlief wieder friedlich und hat bis jetzt keinerlei gesteigerte Stressreaktion gezeigt. Ich sag mal: Feuerprobe erfolgreich bestanden 🙂

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Da drin ist ein Kind versteckt 🙂

Große Leistungen

Aus Zeiten, als es mir psychisch nicht so besonders gut ging, hab ich mir ein paar Problembewältigungsstrategien zugelegt, bei denen „normale“ Menschen bestimmt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Mir aber helfen sie, um überhaupt mit für mich schwierigen Situationen zurecht zu kommen.

Und schwierig ist für mich so einiges. Zum Beispiel finanziell enge Situationen oder unerwartete Geldforderungen, Telefonanrufe bei Fremden oder ungeplante Termine oder Besorgungen.
Leider kündigten sich kurz vor Weihnachten gleich mehrere dieser Ereignisse an, aber zwischen den Jahren kriegt man ja eh niemanden ans Telefon, also konnte ich das erstmal gut verdrängen.

Aber irgendwann geht das eben nicht mehr und so setzte ich mir den heutigen Tag als Tag X, an dem ich den ganzen unangenehmen Kram erledige. Jeder andere hätte das vielleicht noch im alten Jahr geregelt oder bereits in der vergangenen Woche, aber ich brauche einfach den mentalen Vorlauf, um mich darauf einstellen zu können. Immerhin verdränge ich es nicht mehr komplett wie früher, wo ich mich in mich zurückgezogen habe und gar nicht mehr für die Welt da draußen erreichbar war, auch mit den entsprechenden Konsequenzen. So mag es für Außenstehende befremdlich klingen, für mich ist es ein Erfolg.

Und was genau hab ich jetzt Großes vollbracht?
Ich habe einen Blick auf meinen Kontostand geworfen, habe den Betrag für die Kfz-Versicherung überwiesen und mich damit wieder ins Minus gebracht *seufz*
Wir haben die Betriebskostenabrechnung für unsere aktuelle Wohnung für 2011 bekommen, wo wir nur die letzten 3 Jahresmonate hier gewohnt haben und sollen über 360 Euro nachzahlen, was mir doch recht viel erscheint, reine Heizungsmonate hin oder her. Also hab ich telefonisch einen Termin bei der Verbraucherzentrale vereinbart, damit die das mal checken.
Ich habe telefonisch einen Friseurtermin vereinbart.
Ich hab mein Emailpostfach gecheckt. Zum Glück nix Neues drin.

Klingt jetzt alles nicht so übermäßig aufregend, aber für mich sind das tatsächlich sehr stressige Aufgaben, die mich belasten. Besonders Telefonate bringen mich regelmäßig an meine Grenzen. Deswegen hab ich den Anruf wegen meiner 3 Schöffentermine Mitte des Jahres erstmal verschoben, vielleicht kann ich morgen da anrufen.
Aber so ein bissl stolz, dass ich das heute geschafft habe, bin ich schon 🙂

Und falls es wen interessiert: ich hab mal 2,5 Jahre in einer PC-Support-Hotline gearbeitet. Ja, auch damals hatte ich schon die Telefonphobie. Aber das sind wieder ganz andere Geschichten 🙂

Weihnachtsstress – Nachtrag

Uff, mal wieder überstanden.

Entgegen den ersten Befürchtungen blieben die großen Dramen aus. Wir durften auch, ganz unserem ursprünglichen Plan folgend, in Ruhe in die Apotheke fahren, das Läusemittel kaufen, um es dann bei meinen Eltern daheim anzuwenden. Meiner Ma ist in der Zwischenzeit auch aufgefallen, dass sie sich beim letzten Besuch des Enkels hätte anstecken können.
Zeichen und Wunder 😉

Trotzdem war es anstrengend. Meine Eltern wollten außerdem dieses und jenes an ihren Rechnern eingerichtet haben und gleichzeitig motzte der WLan-Router rum. Das neue Handy meines Mannes wollte auch versorgt werden, zum Glück hatte mein Guter seine Pin-Nummer nicht im Kopf. Also war ich den Großteil der Zeit damit beschäftigt, die Technik auf Vordermann zu bringen. Ob es geklappt hat, wird sich die nächsten Tage zeigen.

Der Krümel tobt seit einigen Tagen auch wieder wie verrückt und probiert alle möglichen Positionen mal aus, so dass ich wahlweise Tritte auf die Blase, in die Seite oder gegen die Rippen kriege. Alles immer atem- und schlafraubend. Dazu noch ne dicke Erkältung bei meinem Mann und bei mir ein leichter Schnupfen, so dass wir uns nachts gegenseitig durch unser Schnarchen wach halten.

Jetzt will ich die nächsten Tage einfach mal nix tun, viel schlafen und erholen und vielleicht auch wieder mal bloggen, hab so ein paar Themen auf Halde, für die mir aber in der letzten Zeit der Nerv fehlte.

Weihnachtsstress

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Alle Geschenke eingepackt \o/

Was ich so mitbekomme, wenn ich links und rechts in die Blogs schaue oder mich mit meinen Mitmenschen unterhalte, ist, dass so ziemlich jeder im Stress ist und es kaum abwarten kann, dass endlich Weihnachten da ist und dieser ganze Wahnsinn (mal wieder) ein Ende hat.

Auch bei uns ist es nicht viel anders und auch wir werden froh sein, wenn wir mit leckerem Essen vollgestopft, die ersehnten Geschenke in den Händen haltend, auf der großelterlichen Couch zusammensacken werden. Doch bis dahin sind es noch ein paar Tage und ich glaube nicht, dass ich in dieser Zeit großartig zum bloggen kommen werde.

Deswegen wünsche ich allen frohe und besinnliche Weihnachten, dass die richtigen Geschenke unterm Baum liegen und die ganz großen Pannen ausbleiben!