Eiskalt (ab-)serviert!

Die Beiträge in letzter Zeit sind ein wenig rar, weil ich schlicht zu beschäftigt bin, um ausschweifend zu schreiben und für kurze Notizen bin ich nicht der Typ. Ich hätte sicherlich darüber berichten können, wie sich unser neues Auto fährt oder wie unverschämt hoch ich die Bereitstellungsgebühren der Bank für die Anzahlung eben jenes Autos fand oder wie ungerecht, dass die Ärztin mir erst so ein schickes Sitzkissen für meinen gebrochenen Steiß verschrieben hat, als ich meinte, ich wolle unbedingt wieder arbeiten gehen, fürs zuhause Rumlungern hätte es das nicht gegeben, da kann man ja auch die Schmerzen ertragen.

Genug Aufregpotential wäre also vorhanden, doch gab es heute Neuigkeiten, die ein bisschen wieder meinen Glauben ans Karma hergestellt haben.

Ganz unschuldig erkundigte sich gestern einer meiner ehemaligen Kollegen, wie denn die Sache mit dem Anwalt und der Abfindung ausgegangen sei. Ich erzählte ihm kurz von der endgültigen Vereinbarung und wie menschlich enttäuscht ich von meiner ehemaligen Chefin bin, aber dass dafür meine neuen Kollegen ganz großartig sind und mein angeschlagenes Ego gut wieder aufbauen. Darauf erwiderte er ganz kryptisch, ich solle doch bei meiner alten Firma anrufen und Susi verlangen, den Rest könne ich mir ja selbst zusammenreimen.

Oar, sowas kann ich ja gar nicht. Für mich bedeuten solche Aussagen alles Mögliche: Kündigung, Beförderung, Versetzung, …

Ich hakte nach, schwor hoch und heilig, dass ich es nicht weiter tratschen würde – schließlich sind wir hier unter uns – und letztendlich offenbarte mir der Kollege, dass Susi hochkant aus dem Unternehmen geflogen ist. Nichts genaues weiß man nicht, aber das Gerücht geht, dass sie Firmeninterna ausgeplaudert habe und deswegen fristlos entlassen wurde.

Am liebsten würde ich am Montag in der Mittagspause in meine alte Firma fahren, mich vor meine ehemalige Chefin stellen und laut „Ällerbätsch Ällerbätsch“ rufen. Ich weiß, in dieser Hinsicht bin ich nie übers Kindergartenstadium hinaus gekommen, aber für mich ist das ein wahres Inneres Bratkartoffelessen 🙂

Ich bin dann mal eine ausgiebige Runde tanzen und zwar dazu:

Nach Diktat verreist

Ich habe Post von meiner Anwältin bekommen, denn meine alte Firma hat auf ihr Schreiben reagiert. Sie hat mir eine Kopie der Antwort zukommen lassen. Seit ich dieses gelesen habe, rast mein Herz und ich möcht am liebsten irgendwas kaputt machen oder jemanden anschreien. Da mir meine Sachen aber doch recht teuer und meine Familie sehr lieb ist, schreibe ich lieber einen Blogeintrag dazu.

Am besten zitiere ich mal das Schreiben:

Tatsächlich ist der Arbeitsplatz Ihrer Mandantin auch entfallen.

Unrichtig ist, dass sich Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten auf einem anderen Arbeitsplatz ergeben haben oder bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist am 30.06.2015 hinaus ergeben werden. Die Position einer Projektassistentin im IT-Bereich gibt es nicht mehr. Susi (meine Vertretung) bekleidet diese auch nicht. Susi war ursprünglich als Vertreterin Ihrer Mandantin als Projektassistentin im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik im Bereich IT eingesetzt. Nachdem der Arbeitsplatz in der IT für eine Projektassistentin aufgrund der betrieblichen Veränderungen entfallen war, ergab sich eine Einsatzmöglichkeit für Susi aufgrund der besonderen gezeigten organisatorischen und kaufmännischen Leistungen im kaufmännischen Bereich (Finanzbereich) des Unternehmens. Susi hat im Gegensatz zu Ihrer Mandantin auch ein universitäres Studium, das sie zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben im Finanzbereich befähigt. Susi ist nunmehr direkt der kaufmännischen Leiterin unterstellt und seit einiger Zeit dort tätig. Für diese Tätigkeit hatte Ihre Mandantin keine Qualifikationen und wäre Ihre Mandantin auch nicht geeignet. Die Tätigkeit verlangt eine andere Qualifikation, die Ihre Mandantin nicht vorweisen kann. Susi ist in dem Finanzbereich im Übrigen nicht erst seit Ausspruch der Kündigung dort eingesetzt. Dementsprechend hätte unsere Mandantin ohnehin keine Verpflichtung gehabt, Einsatzmöglichkeiten Ihrer Mandantin auf dem Platz von Susi zu prüfen. Der Arbeitsplatz ist nach Ausspruch der Kündigung nicht neu entstanden und auch nicht frei geworden.

Einzig und allein im Vergleich zu der ursprünglich einmal ausgeübten Tätigkeit als Projektassistentin im IT-Bereich ist geblieben, dass Susi ihren Arbeitsplatz in demselben Büro hat, in dem ursprünglich Ihre Mandantin gearbeitet hat. Dies ist aber den begrenzten örtlichen Möglichkeiten geschuldet, weil für Susi ein anderes Büro nicht zur Verfügung stand. Über ihren konkreten Einsatz, ihre Stellung und Zuordnung im Unternehmen besagt dies aber nichts.

Der Einsatz Ihrer Mandantin war hingegen auf den reinen IT-Bereich beschränkt. Ein arbeitgeberseitiges Direktionsrecht zu einem Einsatz in einem anderen Bereich bestand nicht. Die Assistenztätigkeit bezog sich ausschließlich auf IT-Themen. Dies ist mit den von Susi ausgeübten Tätigkeiten nicht vergleichbar.

Wir bitten deshalb um Verständnis dafür, dass unsere Mandantin keine Veranlassung sieht, die Abfindung zu erhöhen.

Boar, ich koche!

Nehmen wir das Schreiben mal auseinander.

aufgrund der besonderen gezeigten organisatorischen und kaufmännischen Leistungen im kaufmännischen Bereich (Finanzbereich) des Unternehmens.

Susi hatte genau die gleichen Aufgaben wie ich. Auch ich habe organisatorische und kaufmännische Leistungen erbracht!

Susi hat im Gegensatz zu Ihrer Mandantin auch ein universitäres Studium, das sie zur Übernahme von Projektmanagementaufgaben im Finanzbereich befähigt

Dieser Satz kommt einem Schlag ins Gesicht gleich. Es ist richtig, ich habe „nur“ einen Fachhochschulabschluss. Allerdings ist dies ein Diplom, für das ich 5 Jahre studiert habe. Im Fach Wirtschaftsinformatik. Susi hingegen hat einen Universitätsabschluss. Bachelor. Auch Wirtschaftsinformatik.

Die wollen ernsthaft behaupten, dass ein Bachelor höherwertiger ist als ein Diplom? 2 Jahre besser als 5 Jahre? Ernsthaft? Ob ich eine Anzeige wegen Beleidigung deswegen schreiben kann?

Für diese Tätigkeit hatte Ihre Mandantin keine Qualifikationen und wäre Ihre Mandantin auch nicht geeignet. Die Tätigkeit verlangt eine andere Qualifikation, die Ihre Mandantin nicht vorweisen kann.

Und weiter geht es mit den Beleidigungen. Wie gesagt, Susi hat nur den Bachelor und hatte während und nach dem Studium nur Stellen, die nie auch nur im Geringsten etwas mit Finanzwesen zu tun hatten. Logistikbranche ja, aber keine Finanzen.

Ich hingegen habe in meinem minderwertigen Fachhochschulstudium mehrere Semester Buchhaltung, Kosten-Leistungsrechnung, Betriebliche Steuerlehre, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre gehabt. Ich habe dort Prüfungen ablegen müssen und habe alle bestanden. Wo ist das bitte keine Qualifikation, um im Finanzbereich arbeiten zu können?

dass Susi ihren Arbeitsplatz in demselben Büro hat […] aber den begrenzten örtlichen Möglichkeiten geschuldet

Rein zufällig hab ich ein ganz gutes geografisches Gedächtnis und weiß, dass mindestens ein Büro frei geworden ist, in das Susi hätte umziehen können, um auch eine räumliche Trennung vom IT-Bereich vorzunehmen. Und mit Sicherheit übernimmt sie auch keinerlei finanzfremde Aufgaben, nachdem sie bereits längerfristig dem IT-Chef unterstellt war und immer noch in dessen Büro sitzt.

Wen wollen die eigentlich verscheißern?

Der Einsatz Ihrer Mandantin war hingegen auf den reinen IT-Bereich beschränkt.

Ähm. Ja. Nein!

Weil ich immer nur in der IT rumgehangen habe, haben mich die Buchhaltungs- und Controllingkollegen auch nie zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Klar, die lassen immer artfremde Kollegen ihre Kuchen und Mettbrötchen wegfuttern, weil sie einfach so wahnsinnig nett sind.

Ich hatte durchaus Aufgaben aus dem Finanzbereich, mehr als einmal kam die kaufmännische Leiterin auf mich zu und bat mich um Zahlen und Hilfe. Die Leiterin übertrug mir ebenso Aufgaben wie mein direkter Chef und sie war mir weisungsbefugt.

Nochmal: wen wollen die verscheißern?

Dies ist mit den von Susi ausgeübten Tätigkeiten nicht vergleichbar.

Ja ne, ist klar.

Leider kann ich derzeit nicht besonders viel tun, weil meine Anwältin gerade im Urlaub ist. Ich werde meine ehemaligen Kollegen befragen, vielleicht können mir diese ein paar Antworten geben.
Als kleines Highlight fand ich allerdings, dass wegen des Urlaubs unter dem Anschreiben der Anwältin tatsächlich stand:
„nach Diktat verreist“ 🙂

Ring Frei – Zwischenstand

Ich hatte also am Montag den Termin mit der Anwältin, um zu klären, welche Möglichkeiten und Chancen ich habe, da nun meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung immer noch im Unternehmen war, während ich der Arbeitslosigkeit entgegen sehe.

Bevor es losgehen konnte, musste ich diverse Formulare ausfüllen, haufenweise gespickt mit juristischen Formulierungen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass wenn meine Rechtsschutzversicherung nicht für die Kosten aufkommt, ich automatisch meine Seele verkauft habe, zusammen mit meinem Sparbuch. Je nachdem, was mehr wert ist.

Die Anwältin nahm sich dann der Sache an, studierte meinen Arbeitsvertrag und die Kündigung, ließ sich von den näheren Umständen berichten und besprach dann mit mir meine Optionen.

Da in der Kündigung bereits eine Abfindung vereinbart wurde, so ich denn keine Klage gemäß Kündigungsschutzgesetz erheben, sind meine Möglichkeiten ein wenig begrenzt. Durch diese Formulierung hat sich das Unternehmen quasi freigekauft, aber das widersprach der Berufsehre der Anwältin, die sich generell recht kampfeslustig gab.

Ich kann natürlich jederzeit auf Wiedereinstellung klagen und hätte damit vermutlich sogar Erfolg, müsste dann aber mit den Konsequenzen leben, die laut der Anwältin sehr häufig in Mobbing und über kurz oder lang einer Kündigung durch den Arbeitnehmer, diesmal dann ohne Abfindung, münden würden. Es hat schließlich Gründe gegeben, warum man mich nicht mehr haben wollte. Würde ich in einem großen Unternehmen arbeiten, wo ich nur ein oder zwei Mal im Jahr mit dem Vorgesetzten zu tun habe, könnte man durchaus klagen. Da ich mir aber mit meinem Chef ein Büro teile und jeden Tag mit ihm zusammen arbeite, würde sie von einer Klage abraten. Das entspricht auch meiner Einschätzung und ich hätte sowieso nicht mehr dort arbeiten wollen. Ich finde, so eine Kündigung ist deutlich genug in der Aussage.

Allerdings könnte sie versuchen, eine höhere Abfindung herauszuschlagen, auch wenn ich darauf an sich keinen Anspruch habe. In der Kündigung wurde als Abfindung 0,5 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vereinbart, was wohl üblich und gesetzeskonform ist. Die Anwältin würde ein Schreiben aufsetzen, in dem sie 1,0 Monatsgehälter fordert und dann warten wir einfach ab, was passiert.

Mein Risiko ist dabei überschaubar, da ich eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung habe und mir so aller Wahrscheinlichkeit keinerlei Kosten entstehen. (Es gab auch da wieder jede Menge Klauseln, dass bestimmte Aktionen nicht von der Versicherung gedeckt sind, aber ehrlich, mir ist das alles zu hoch, ich vertraue einfach darauf, dass ich da ohne Eigenleistung davon komme.) Die Erfolgsaussichten sind 50:50. Wenn das Unternehmen sich auf die höhere Abfindung einlässt, gut, wenn nicht, hab ich zumindest nichts verloren und es immerhin probiert.

In diesem Zusammenhang betonte die Anwältin immer wieder, dass ohne Rechtsschutzversicherung das finanzielle Risiko recht hoch ist. Die Gebühren richten sich nämlich nach dem Streitwert und es ist in der Vergangenheit mehr als einmal vorgekommen, dass die herausgeschlagene Abfindung nicht mal die Anwaltskosten deckte.

Wir haben uns also darauf geeinigt, dass die Anwältin ein knackiges Schreiben aufsetzt und wir aufs Beste hoffen.
Zwei Tage später hat sie mir per Email eine Kopie des Schreibens geschickt und das war in der Tat knackig. Wäre ich das Unternehmen, ich würde die Abfindung sogar noch freiwillig auf 1,5 oder sogar 2 erhöhen 😉

Meine Versicherung hat sich in der Zwischenzeit auch gemeldet und bestätigt, dass sie sämtliche Kosten, bis auf die üblichen verklausulierten Ausnahmen, übernehmen, ich sie doch aber vor Klageerhebung bitte erneut kontaktieren sollte.

Jetzt bleibt nur noch die Reaktion der Gegenseite abzuwarten, von der ich natürlich berichten werde.

Ring Frei!

Manchmal gibt es Zufälle, die man sich in seinen wildesten Fantasien nicht vorstellen kann.

So surfte ich heute Abend nichtsahnend durch meinen Facebook-Newsfeed, schaute, was meine Freunde und Bekannten so machen und sah, dass Susi (wir erinnern uns: meine Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung und das Beste seit der Erfindung von geschnitten Brot) auf einem Foto markiert wurde, inmitten meiner alten Arbeitskollegen, ganz offensichtlich immer noch dazu gehörend. Das Foto selbst wurde an die Pinnwand einer Kollegin, die heute Geburtstag hat, mit herzlichsten Glückwünschen gepostet.

Ich wurde stutzig, hieß es doch damals, dass Susis befristeter Vertrag nicht verlängert wird. Was macht sie also noch in der Firma?

Ich schrieb umgehend einen Kollegen an, mit dem ich immer gut konnte und fragte nach. Er bestätigte mir, dass Susi noch im Unternehmen ist, mit den gleichen Aufgaben wie vorher und sogar noch ein paar mehr, aber nichts, wofür man extra Qualifikationen braucht. So wie er und ich es verstehen, sitzt sie auf meinem Posten.

Morgen werde ich einen Anwalt für Arbeitsrecht anrufen, damit er sich dieser Sache mal annimmt. Denn soweit ich weiß und es meinem Rechtsverständnis entspricht, ist dieser Vorgang so nicht rechtens.

Mal schauen, was dabei heraus kommt, ich werde berichten.

Was mich aber wieder massiv ankotzt ist, dass ich immer für jeden Scheiß kämpfen muss. Es kann doch zur Abwechslung auch mal was für mich laufen 😦

Flutlicht

Es geht mal wieder um Susi, meine Schwangerschaftsvertretung. Susi hält sich ja eh für das größte Geschenk an die Menschheit seit der Erfindung von geschnitten Brot und hat grundsätzlich zu allem und jedem eine Meinung.

So begab es sich Mitte der letzten Woche, dass die zweite Runde des DFB-Pokals anstand und wir als Familie im Stadion zugegen waren, um unsere Mannschaft anzufeuern. Leider gab es bei diesem Spiel ein etwas unappetitliches Problem, da die Damentoiletten massiv verunreinigt worden sind, welches ich danach im Fanforum zur Sprache brachte. Klar passiert es mal, dass jemand daneben pinkelt und ein paar Tropfen auf der Brille landen oder in der Aufregung das Spülen vergisst. Doch dieses Mal wurden gezielt die Hälfte aller Toiletten beschmutzt und das fand ich schon eklig.

Es entbrannte eine Diskussion, dass man das als Fan wohl abkönnen muss und man sollte gar nicht bei den Männern schauen, da wäre alles viel schlimmer und in anderen Stadien erst und so weiter. Ich konterte, dass es während der letzten Jahre nicht ein einziges Mal diesbezüglich Probleme gab und es mich eben wundert, warum ausgerechnet an diesem Abend. Ich fügte hinzu, dass ich notgedrungen wegen der zwei Kinder häufig auf den Örtlichkeiten zugange bin.

Diese Äußerung nahm Susi zum Anlass, um mitten in die Diskussion zu fragen, ob denn meine Kinder, allen voran die Kleine, um diese Uhrzeit nicht viel besser zuhause aufgehoben seien.
Dieser Kommentar find ich aus zwei Gründen unmöglich:

  1. Das hat überhaupt nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun.
  2. Susi kann auf einen riesigen Erfahrungsschatz in Sachen Kindererziehung zurückgreifen, immerhin hat sie selber genau Null Kinder und weiß genau nicht, wovon sie spricht.

Am meisten allerdings kotzt mich an, und dafür kann Susi nichts, dass mich dieser Kommentar, von ihr nur kurz hingerotzt und nach drei Sekunden vermutlich schon wieder komplett vergessen, so ewig lang beschäftigt. Ich kann nicht, wie von anderen immer wieder bei (Internet-)Diskussionen gefordert, solche Bemerkungen einfach ignorieren, ich nehm mir den Kram zu herzen. Selbst, wenn ich mir hundert mal einrede, dass es das nicht wert ist, es beschäftigt mich trotzdem.

Nun liegt es mir fern, mich zu rechtfertigen, dennoch möchte ich beschreiben, wie ein typischer Stadionbesuch aussieht, um unsicheren Eltern zu zeigen, dass man mit Kindern durchaus auch solche eher ungewöhnlichen Veranstaltungen mitnehmen kann. Ich weiß, dass Kinder unterschiedlich sind und es eben nicht jedem Kind gefallen wird. Doch habe ich zwei sehr unterschiedliche Exemplare hier daheim, aber beide lieben bislang diese Besuche.

Der Kleene war mit 6 Monaten das erste Mal bei einem Fussballspiel, bei einer kleinen Dorfmannschaft, wo knapp 500 Zuschauer dabei waren. Er fand das gut, nur beim Torjubel hat er sich erschrocken, weil der so plötzlich kam. Er ist dann quasi in das Fandasein reingewachsen und er freut sich heute immer auf jedes einzelne Spiel, auch weil er dort „seine“ Stadionfreunde wieder sieht und auch mal richtig die Sau rauslassen kann.

Meine Süße war mit 4 Wochen das erste Mal dabei, mittlerweile ist das Dorfstadion einer richtigen Arena gewichen und die Zuschauerzahlen sind entsprechend höher. Deswegen haben wir Kinderohrenschützer geholt, diese bekommt sie noch vor dem Stadion aufgesetzt und sie kann sich ganz ungestört dem Umschauen und fremde Leute angrinsen widmen. Wenn sie Hunger hat, wird sie gestillt, entweder auf der Toilette oder direkt auf dem Rang. Auf der Toilette hat es den Vorteil, dass ich ihr die Ohrenschützer abnehmen und gleich vor Ort wickeln kann. Auf dem Rang verpasse ich nichts vom Spiel, kann aber auch nicht die Ohrenschützer abnehmen und manchmal drücken die etwas doof auf den Arm. Ob die umstehenden Fans etwas davon mitbekommen, ist mir egal, am Ende sind es eh nur ca. 10 mögliche Personen und wenn ich doch mal unvorsichtig genug bin und ein entblößter Nippel für Millisekunden aufblitzt, dann ist es eben so.

Am wahrscheinlichsten verschläft mein Baby das meiste. Sie kuschelt sich dann an mich, ich mach die Schotten vom Bondolino dicht und für mindestens eine Stunde ist dann Ruhe. Wir sind bei uns im Block mittlerweile eine kleine Berühmtheit, viele kennen uns schon und noch nie hat uns jemand darauf angesprochen, wie unverantwortlich das ist. Warum auch, alle sehen ein ausgeglichenes, lächelndes Kind. Sollte ich das Gefühl haben, dass es der Kleenen nicht gefällt, geh ich entweder kurz aus dem Trubel raus oder ganz nach Hause. Letzteres war bislang noch nie nötig.

Wir haben das beim Großen angefangen, ihn zu allen möglichen Veranstaltungen mitzunehmen, mit ihm ins Restaurant zu gehen, zu Freunden auf Geburtstagsfeiern und führen das jetzt mit der Kleinen fort. So sind die Kinder von klein auf so etwas gewöhnt und wir als Eltern müssen nicht komplett auf gesellschaftliches Leben verzichten.

Wie auch immer, ich geh jetzt mit meiner Familie zum Montagsspiel, mit Flutlicht, und werde mich überhaupt nicht schlecht oder als Rabenmutter fühlen.

Watn Glück

Susi war heute nicht da, sondern dienstlich unterwegs 🙂

Ich haderte ja die halbe Nacht mit meinem Schicksal und war drauf und dran, meinen Plan doch wieder zu verschieben, aber dann hab ich meinen Schweinehund weggesperrt und bin trotzdem auf Arbeit gefahren.

Mein erster Weg führte mich zu unserer Personalerin, sie sollte den Bescheid meiner Ärztin über den Entbindungstermin bekommen. Sie freute sich, mich zu sehen, erkundigte sich nach meinem Befinden und wir quatschten noch eine Weile über die Entwicklungen in der Firma und welche Auswirkungen der Weggang meines großen und kleines Chefs bisher hat. Nach ihrer Aussage geht alles so weiter wie bisher. Weil es sich im Gespräch so ergab, erkundigte ich mich nach der Kündigungspolitik. Ich hatte da zwar noch nichts negatives mitbekommen, aber so lange war ich auch nicht dabei und bei uns in der IT kommt ja kaum Tratsch an. Sie beruhigte mich und meinte, sie könne sich aktuell an keinen Fall erinnern, wo ein Mitarbeiter nach der Probezeit gekündigt wurde. Ich erzählte ihr von meinen Befürchtungen, aber sie sieht das ganz entspannt und sie muss es wissen, sie ist quasi Gründungsmitglied des Vereins.

Danach habe ich meinen Buchhaltungsmädels einen Besuch abgestattet. Sie waren wie immer völlig im Stress, der noch durch den Jahresabschluss und die bevorstehende Betriebsprüfung verstärkt wurde. Trotzdem haben sie sich ein wenig Zeit genommen, sich nach meinem Befinden erkundigt und ich hörte mir im Gegenzug ihr (durchaus berechtigtes)  Gejammer an. Es tat ihnen echt leid, dass sie nicht mehr Zeit erübrigen konnten, aber ich versprach, relativ zeitnah nach der Geburt zum Baby angucken vorbei zu kommen. Dann wäre auch die Prüfung vorbei und alles ein wenig entspannter.

Dann zu den IT-Kollegen, mein Notebook abgeben, ich brauch das nun wirklich nicht mehr. Zu meinem Erstaunten freuten sie sich auch, mich zu sehen. Für mich komplexbeladenen Menschen ist das tatsächlich und immer wieder eine Überraschung, aber auch eine Bestätigung, dass sich die Quälerei der letzten Jahre gelohnt hat. Ich fragte, wie es denn so mit den neuen Chefs läuft und die einhellige Meinung war: entspannt, besser als früher, als unser kleiner Diktator noch an der Macht war. Die neuen Chefs haben zwar jede Menge Ideen, wollen aber nicht auf Biegen und Brechen alles umkrempeln. Stattdessen tasten sie sich vorsichtig vor, prüfen die aktuellen Strukturen und Gepflogenheiten. Klar preschen sie auch mal vor, können aber mit Argumenten immer noch rechtzeitig wieder eingefangen werden. Gerade heute hatten sie ein Treffen außerhalb, weswegen Susi auch nicht da war, um dort das weitere Vorgehen mit den IT-Leitern der Außenstellen zu besprechen und generell eine Marschrichtung abzustecken.

Alles also ganz entspannt und meinen Job wird es wohl auch in einem Jahr noch geben – puhhh 🙂

Während ich so über Gott und die Welt mit meinen Kollegen quatschte, gab es einen unerwarteten Seitenhieb auf Susi. O-Ton war, dass es ja durchaus Kollegen gibt, die einen nur vom Arbeiten abhalten und zudem noch den wertvollen Sauerstoff wegatmen. Klar lästern unsere beiden IT-ler-Gruppen gern mal über- und gegeneinander, aber so krasse Kritik an einer bestimmten Person war auch mir neu. Ich hakte vorsichtig nach und siehe, mein Eindruck damals hatte mich nicht getäuscht. Susi hatte es sich bereits gründlich und nachhaltig mit den Kollegen verscherzt, was eine echte Leistung ist, denn meine Jungs sind hart im Nehmen und es dauert lange, bis man sie aus der Ruhe bringt.

Auf dem Weg nach draußen „entdeckte“ ich noch einen unserer externen Dienstleister und er brachte mich beim aktuellen Projektgeschehen auf den neuesten Stand. Er deutete auch an, dass mein alter großer Chef noch ein wenig im Hintergrund die Fäden zieht und es da durchaus spannende Entwicklungen gibt. Seltsamerweise beruhigte mich das, denn ich war damals sehr verwundert und auch ein wenig enttäuscht, dass er sein „Baby“ so bereitwillig durch seinen Weggang aufgegeben hat.

Zum Abschluss wurde ich von einer Kollegin noch ein Stückchen auf dem Nachhauseweg mitgenommen und wir tauschten uns angeregt und sehr angenehm über unsere Kinder und meine bevorstehende Geburt aus. Wieder war ich verwundert und erstaunt, dass sich jemand Zeit für mich nimmt, war die Kollegin doch erst einen Monat vor meinem Urlaub und dem direkt anschließenden Beschäftigungsverbot aus ihrem Erziehungsurlaub zurück gekommen und wir hatten eigentlich kaum Berührungspunkte. Als sie mich fragte, ob sie mich zur Verabschiedung umarmen könne, war ich endgültig baff.

Ich muss jetzt erst einmal diese ganzen positiven Eindrücke verarbeiten und auch ein bisschen genießen 😉

Ach menno

Eigentlich bin ich doch ein großer Schisser. Da schiebe ich nun schon seit mehreren Wochen einen Besuch auf Arbeit vor mir her, und nur, weil mir meine Schwangerschaftsvertretung mächtig gewaltig an den Karren gepinkelt hat.

Dabei sind meine restlichen Kollegen echt lieb und überraschen mich immer wieder aufs Neue und allermeistens auch positiv. Wenn da eben nicht Susi wäre, die mir mit einem Satz unseren kompletten England-Urlaub klein redete.

Denn nach ihrer Aussage ist einzig und allein Schottland ein würdiges Ziel in Großbritannien. Ich weiß, dass mich das nicht so anfichten sollte, tut es aber trotzdem. Sicher mag Schottland schön sein, nur war ich dort noch nicht und erlaube mir daher auch kein Urteil. Und genauso erwarte ich im Gegenzug auch von Anderen kein Urteil, wenn sie nur jeweils eine Seite des Vergleichs kennen.

Ausserdem hab ich den Fehler gemacht und sie bei Facebook hinzugefügt. Dort kommentierte sie meine Englandbilder auch wieder mit ihrem Schottland-Kram. Ist ja schön, dass sie sich 6 Wochen Urlaub da leisten kann, wir hatten schon genug an den 3 Wochen zu knabbern und es hat ein gutes halbes Jahr und einen Teil unserer Notfallreserve gebraucht, um uns zu erholen. Ich hab nämlich keinen reichen Freund, der mir alles in den Hintern bläst. Wir müssen uns alles hart erarbeiten, aber dafür können wir das dann auch richtig geniessen und Wert schätzen!

Überhaupt schafft es Susi, jeden außer ihr klein zu reden. So musste ich mir anhören, dass nur ein bestimmter Bereich im Fanblock im Stadion der richtige sei und ich da auch und unbedingt mit meinem 4-jährigen Sohn hin müsse. Der Sektor direkt daneben gültet nicht. Genauso muss ich doch als echter Fan auch zu allen Auswärtsspielen fahren.

Ganz ehrlich, ich will sie sehen, wie sie das mal mit ihren Kindern macht, ob die auch mit 3 Jahren im größten Gewühl stehen. Und wo war sie eigentlich vor 5 Jahren, als ich mit meinem 6 Monate altem Kind im Stadion war, wo der Verein noch Oberliga spielte? 3 Jahre und ein paar Erfolge später kann sich jeder als Fan outen!

Und immer dieses Oberlehrerhafte. Da werden Beiträge von mir verbessert, die ich in voller Absicht genauso erstellt habe und für die ich auch bekannt bin. Und da wird nicht etwa sanft drauf hingewiesen, dass mir evtl. ein Fehler unterlaufen ist, sondern es wird immer die große Keule ausgepackt. Und irgendwie reagier ich darauf mega sensibel.

An sich sollte es mir egal sein, denn nach meiner Elternzeit ist sie wieder weg, aber so sicher ist das leider überhaupt nicht. Denn durch den Weggang meines Chefs gibt es jetzt einen neuen Häuptling und wer weiß, was der alles für neue Strukturen und Abläufe einführt. Und ich kann nichts tun, um mich einzubringen oder zu empfehlen und am Ende gibt es meinen Job so gar nicht mehr und ich steh mit leeren Händen da, während sich Susi alles schön zurecht gebastelt hat.

Ich kann nur hoffen, dass meine Kollegen ähnlich pikiert sind von ihrer Art (bei meinem letzten Besuch meine ich, so etwas gespürt zu haben) und sich dagegen wehren. Ich weiß nur, dass ich auf lange Sicht mit so einem Typ Mensch nicht zusammenarbeiten kann. Und das bereitet mir Bauchschmerzen und lässt mich meinen Besuch auf Arbeit immer wieder verschieben. Geh ich hin, seh ich die Zustände, hab ich Gewissheit, aber bis dahin kann ich mir immer noch wunderbar in die Tasche lügen.

Aber es nützt alles nichts, ich muss dahin, muss das mit meinem Mutterschutz regeln und mein Arbeitsnotebook zurück geben.

Aber moag ni *seufz*

Den Spiegel vorgehalten

Nachdem mich gestern ein Hilferuf meiner Schwangerschaftsvertretung Susi auf Arbeit erreichte, habe ich also heute meinen Kollegen mal wieder einen Besuch abgestattet. Da heute der Nachfolger meines Chefs, welcher uns leider zum Jahresende verlässt, um in meiner alten Firma anzufangen, zur Einarbeitung da war, saß Susi heute bei den IT-Kollegen im Büro.

Susi hatte beim ersten Kennenlernen einen ambivalenten Eindruck bei mir hinterlassen, den ich nicht richtig einordnen konnte. Sie war nicht wirklich unsympathisch, aber irgendwie konnte ich sie auch nicht richtig leiden, ohne genau zu wissen, warum.

Wir unterhielten uns über ihre Fragen und kamen auf ihre bevorstehenden Dienstreisen zu sprechen und ich fragte sie, ob sie schon mal in unserer Außenstelle an der Ostsee war, einfach um zu wissen, ob sie schon Bekanntschaft mit den Kollegen dort gemacht hat. Stattdessen erzählte sie mir ausführlich, dass sie die Kollegen nicht kannte, aber dafür die Stadt oder besser gesagt das Stadion, schließlich fahre sie ja zu fast jedem Auswärtsspiel ihrer Lieblingsmannschaft.

Einige Zeit später kam das Gespräch irgendwie auf ihren Freund und dessen Dienstfahrzeug und sie erzählte stolz, dass er damit heute nach Stadt-irgendwo-in-Hessen unterwegs ist. Meine Bewunderung hielt sich in Grenzen, immerhin war das sein Job. Sie fing darauf hin an, von Waffen zu sprechen und glänzte dadurch, dass sie wusste, dass ein bestimmter Gewehrtyp bei Stargate benutzt würde. Um das ganze zu toppen, posaunte sie hinaus, dass sie ALLE Science Fiction Serien auswendig könnte und zählte diese auch kurzerhand auf. Wir wurden kurz darauf sehr schief von ihr angeschaut, dass wir nicht sofort sämtliche Erzählstränge aller Bud Spencer und Terence Hill Filme parat hatten.

Es gipfelte darin, dass ich mir einen unfreiwilligen Witz wegen des fremdländischen Nachnamens eines neuen Kollegens, der gerade 4 Tage an Bord ist, erklären lassen musste. Susi meinte abschließend, sie hätte ja nur Russisch in der Schule gehabt, worauf hin ich erwähnte, dass ich auch Russisch hatte, dazu Englisch, Französisch und ein wenig Latein. Aber Susi hatte dafür Naturwissenschaften in der Schule, jawollja!

Und hier merkte ich dann endlich, was mich so unglaublich nervte: bei allem, was man sagte, trat man unbewusst in einen Wettkampf mit Susi, den sie unbedingt gewinnen musste. Sie übertrumpfte die Aussagen der anderen immer und freute sich diebisch, dass sie in ihren Augen besser ist als die anderen. Und ständig den anderen unter die Nase zu reiben, dass diese selber schlechter sind, bringt keine Sympathiepunkte.

Was für mich allerdings sehr erschreckend war ist, wie sehr mich Susi an mich selber erinnert hat. Als ich jünger war, war ich haargenauso wie sie. Ich musste mir auch ständig beweisen, dass ich besser bin als die anderen. Ich wusste mehr, ich hatte mehr erlebt, ich war klüger und ich interessierte mich nicht die Bohne, wie es anderen damit ging. Kurz, ich war ein arrogantes Arschloch. Ich konnte auch nie verstehen, warum andere mich nicht mochten, wo ich doch so toll war.

Ich habe lange und hart lernen müssen, dass ich mich nicht darüber definiere, um wie viel ich besser war als andere, dass Wissen und Intelligenz mangelnde Empathie und fehlenden Respekt nicht aufwiegen und es tatsächlich nicht schaden kann, sich selber nicht als Nabel der Welt zu sehen. Ich reagiere immer noch ein wenig empfindlich, wenn mich jemand in einen solchen Wettkampf drängt, zu tief sitzen die Mechanismen, die mich auch gern diesen Kampf gewinnen, mich auch über den anderen erheben lassen wollen. Ich habe mich heute nur jeweils ganz kurz auf diese Kämpfe eingelassen, mir ist es schlicht nicht mehr wichtig, diese zu gewinnen. An den Reaktionen meiner Kollegen konnte ich sehen, dass diese auch keine Lust auf solche Auseinandersetzungen hatten.

Susi hat mir also heute wunderbar einen Spiegel vorgehalten, ein Zeitportal zu einem jüngeren Selbst von mir. Zugleich hat sie mir auch gezeigt, dass sich die Quälerei der vergangenen Jahre gelohnt hat, dass ich doch eine ganze Menge an meiner Persönlichkeit gearbeitet und auch schon ein großes Stück geschafft habe. Es hat mir aber auch gezeigt, dass noch ein gutes Stück Weg vor mir liegt.

Aber der Anfang ist gemacht und darauf bin ich stolz 🙂