Fußballschuheerstkauf

Am Freitag geht die Freiluftsaison los. Zwar nicht im Schwimmbad, sondern beim Fußballtraining des Großen. Während des Winters fand das Training in der Turnhalle einer nahe gelegenen Schule statt, aber diese Zeiten sind nun vorbei, denn nur die Harten komm‘ in Garten!

Mir wurde von verschiedenen Seiten* mittlerweile bestätigt, dass mein Rabauke ein durchaus talentierter Spieler ist und außerdem steht Ende April die nächste Talentsichtung an, diesmal im Freien auf Rasen. Das rief förmlich nach richtigen Fußballtöppen, in schick, mit ordentlichen Stollen an der Sohle. Der Uropa hat zum kürzlichen 7. Geburtstag einen kleinen finanziellen Beitrag geleistet, den ich mangels anderer Ideen in besagte Schuhe investieren wollte, natürlich in Absprache mit dem Kind. („Du, wir gehen Fußballschuhe kaufen und ich nehm dazu das Geld vom Uropa, ok?“ – „Ööööööööhm …“ – „Ok?“ – „Also eigentlich …“ – „O!K!?!“ – „nagut“ 😉 )

Also sind wir heute nach der Schule in die Stadt gefahren, um Schuhe zu kaufen. Beim großen orangenen Sportartikelverkäufer eingekehrt und vor das Regal mit den Kinderfußballschuhen gestellt. Mit Freuden festgestellt, dass fast alle Exemplare im Ausverkauf und damit ordentlich preisgesenkt waren. Den Großen schon mal eine grobe Vorauswahl treffen lassen, die sich mehr oder weniger an seiner Sichthöhe orientierte. Eine Verkaufsfachkraft gesucht und nach einiger Zeit gefunden. Ihr unser Anliegen geschildert und ihr unsere ausgewählten Modelle präsentiert. Ihr „Oh, da muss ich schauen, ob wir die überhaupt noch in der 33 vorrätig haben, ist ja schließlich Ausverkauf, da haben wir nicht mehr alle Größen, da muss ich wirklich im Lager schauen.“ geduldig ertragen. Am Ende kam sie tatsächlich mit 3 Kartons wieder. Riss die Einlegesohle aus einem der Schuhe und forderte mein Kind auf, sich mit dem entsprechenden Fuss drauf zu stellen, um zu schauen, ob die gewünschte Größe auch denen der Fußballschuhhersteller entspricht. Tat sie erstaunlicherweise. (Ich hatte vorher im Internet gelesen, dass bei bestimmten Marken 2 Größen größer gekauft werden sollte, weil die Schuhe so klein sind.)

Ich hatte dem Großen vorher schon erklärt, dass sich Schuhe mit Stollen beim Laufen auf normalem Boden ungewohnt und seltsam anfühlen, dafür aber auf Rasen echt unschlagbar sind. Ich wiederholte meinen Hinweis bei der Anprobe und die Verkäuferin ergänzte noch, dass der Fußboden richtig glatt sei mit den Stollenschuhen und er doch bitte vorsichtig laufen solle. Interessierte meinen Süßen die Bohne, der stopfte seine Füße in die Schuhe und rannte eine Runde um die Regale. Dann wurde ein Schuh gegen den des nächsten Modells getauscht, wieder eine Runde gerannt und dann wurde der andere Schuh gegen das letzte Modell ersetzt.

Und dann schlug die Stunde der Wahrheit. Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

„Eene mene muh, und raus bist du.“ Mein Kind entschied tatsächlich mit einem Abzählreim, was sein zukünftiges Sportgerät sein sollte?!

Parent for the rescue!

Ich versuchte zu ergründen, ob es irgendwelche Vor- oder Nachteile bei den einzelnen Modellen gab. Eines war sowohl für Echt- als auch für Kunstrasen geeignet. Da bei uns im Stadtgebiet fast nur Echtrasenacker existiert, hab ich den Hybriden aussortiert. Blieben noch zwei.

„Eene mene muh.“

Och nö, nicht schon wieder. Also erneut befragt, wie sich die Sohle anfühlt, ob der Schuh an der Seite drückt, ob die Zehen genug Spielraum haben, welches Muster schöner ist.

„Eene mene muh.“

Hmpf. Ganz vorsichtig fragte ich, wie sich die Sohle anfühlte. Das Stollenmuster war unterschiedlich, ein Schuh hatte jeweils 3 Stollen an der Fußballenaußenseite und einen Stollen in der Mitte, der andere statt des einen mittigen Stollens zwei kleinere Stege. Beide hatten 4 Stollen am Absatz. Ich ließ den Kurzen nachspüren, welches Stollenmuster angenehmer für ihn sei und wies ihn abermals darauf hin, dass die Schuhe sein Sportgerät für die nächsten 1,5 Jahre seien und das mit Sicherheit nicht durch Abzählreime entschieden würde.

„Eene mene …“

Ne, jetzt mal im Ernst! Entweder, du lieferst mir jetzt ein echtes Argument für oder gegen einen Schuh oder wir lassen das heute. Und siehe, der einzelne Stollen in der Fußballenmitte war doch irgendwie doof, weil er durch die Sohle drückte, wohingegen die beiden Stege das Gewicht gleichmäßiger verteilten und angenehmer waren.

Tadaaa, wir hatten ein paar Fußballschuhe. And the winner is:

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Nike JR Tiempo Genio Leather FG

Das einzig Doofe an den Schuhen ist, dass sie richtige Schnürsenkel haben. Bisher waren alle Schuhe mit Klettverschluss ausgestattet gewesen, aber nun ging es ans Eingemachte. Mein Großer hatte mir zwar beteuert, dass er schon Schnürsenkel binden kann, aber das Demonstrationsergebnis war einerseits sehr langwierig und zweitens sehr labbrig. Da wird er die nächsten Tage nicht nur seine Dribbelkünste verbessern müssen und ich weiß auch schon wie. Nämlich mit dieser Schnürsenkelschleifenbindehilfe:

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*Sein Vereinstrainer stellt ihn mittlerweile bei jedem Turnier auf und er darf dort den Abwehrchef machen, weil er der Einzige ist – so traurig und gleichzeitig lustig das auch ist – der sich nicht wie ein Irrer mit 3 oder 4 anderen Spielern seiner Mannschaft auf den Ball stürzt, ihn dann einmal erwischt, sich umdreht, ganz stolz zu Mama oder Papa lächelt, und dabei völlig das eigentliche Spielgeschehen außer Acht lässt. Außerdem hat meiner ein gutes Abwehrverhalten und grätscht sehr gut in angreifende Spieler oder spitzelt ihnen gekonnt den Ball vom Fuß. Das alles ohne Gewalt und Härte, was ich wirklich erstaunlich finde.
Sein Schulfußballtrainer sprach mich letztens in der Schule an, als ich den Großen vom Hort abholte, ob „dass denn meiner sei“, was ich bejahte. Der Trainer beschwerte sich bitterlich bei mir, dass der Kleene immer wieder mal ein Training verpasse, was total doof ist, weil er doch einer seiner besten Spieler sei und er sich gerne darauf verlassen können möchte, dass er ihm auch zur Verfügung steht, denn es gibt auch zwischen den Schulfußballgruppen Turniere und da „darf sein bester Mann nicht fehlen“. Oar, das geht runter wie Öl.

Stolz wie Oskar!

Freitags, 16 Uhr ist das Fußballtraining des Großen. Also eile ich kurz nach 15 Uhr zur Schule, hole den Kurzen vom Hort ab, hoffe inständigst er hat seinen Turnbeutel nicht im Klassenzimmer vergessen, dann gehen wir kurz nach Hause, ich packe den Turnbeutel mit seinen Fußballsachen voll und dann ab zur Turnhalle, wo im Winter das Training stattfindet.

Diesen Freitag nun das gleiche Spielchen, alles klappte soweit, wir waren pünktlich beim Training und während ich es mir auf einem Stapel Turnmatten in der eher spärlich geheizten Halle gemütlich machte, kam der Trainer an und wünschte der neben mir sitzenden Mutter und mir ein gesundes neues Jahr und fragte dann im gleichen Atemzug an, ob unsere beiden Kinder denn am nächsten Tag an einem Turnier teilnehmen können. Start um 9 Uhr, Treff 8:15 Uhr.

Mein erster Impuls war, abzusagen, da der Termin noch mitten in meiner Tiefschlafphase lag. Doch dann dachte ich, es wäre eine coole Möglichkeit, das Kindlein zum einen wertvolle Spielerfahrung sammeln zu lassen und andererseits stellte ich mir vor, dass bei solchen Turnieren Talentscouts der großen Vereine zu finden sind, die nach talentiertem Nachwuchs schauen.

Mir persönlich ist es völlig egal, ob mein Kind mal Profifußballer oder Elektriker wird, Hauptsache er kann das machen, was ihm wirklich Freude bereutet. Und aktuell ist sein größter Wunsch, Fußballer zu werden. Glücklicherweise haben wir in der Stadt einen Klub, der ihm dies ermöglichen könnte und der Verein hatte im Dezember relativ kurzfristig einen Talentsichtungstermin für die 2009er Jahrgänge angesetzt, zu dem ich den Großen angemeldet hat. Denn er möchte nicht irgendein Fußballer werden, sondern ein Fußballer bei eben jenem Verein. Die letzten Trainings waren ganz gut verlaufen, er machte gut mit, war konzentriert und immer auf den Ball und die generelle Spielsituation fokusiert – so gut dass eben ein 6-jähriges Kind hinbekommt.
Beim Sichtungstermin allerdings holte er sich beim Aufwärmen eine Schürfwunde am Knie, daraufhin störten ihn seine kurzen Hosen, deren unterer Saum ständig über diese Schürfwunde schabte und er war mehr damit beschäftigt, die Hosenbeine hochzuziehen als wirklich Fußball zu spielen. Zudem hatte er nach einer Stunde keinen Bock mehr, hampelte rum, hörte den Trainern nicht mehr zu, führte die Übungen nur halbherzig oder gar nicht aus und bei den Testspielen lag (!) er lieber im Tor rum, als sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Entsprechend kam eine Woche später die Absage, allerdings mit dem Zusatz „wir werden ihn im Auge behalten“. Ob das nur eine abmildernde Floskel ist oder die jetzt mein Kind für die Zukunft auf dem Zettel haben, weiß ich nicht.

Jedenfalls wollte ich kein Risiko eingehen und dem Kind die Gelegenheit geben, zu zeigen, was wirklich in ihm steckt, falls es eben nicht bloß eine Floskel war. Außerdem war der Trainer die letzten Male ganz angetan von seine Leistungen, steckte ihn aber durch Zufall immer wieder mit den Schwächsten zusammen in eine Gruppe.
Es gibt in der Bambinigruppe des Vereins zwei Kinder, die sind einfach nur unmöglich. Der eine Junge kann nur Gewalt, er tritt, er beißt, er schlägt, klaut anderen Kindern den Ball, oder semmelt volle Kanne gegen den Ball, wenn ein anderes Kind ihn aufheben will. Mein Großer hat dadurch schon diverse blaue Flecken abbekommen, weil sie eben wie gesagt bei jedem Training in das gleiche Team gesteckt werden.
Beim zweiten Jungen bin ich mit immer noch nicht sicher, ob er geistig beeinträchtigt oder einfach nur so doof ist. Wenn man dem Kind was sagt, dann starrt es einen verständnislos an und macht dann irgendwas, meist das Gegenteil vom Gesagten. Selbst wenn ihn der Trainer an die Hand nimmt, die Abläufe Schritt für Schritt erklärt und außerdem noch vormacht, weiß das Kind hinterher nicht, was es tun soll. Ständig müssen ihm Oma, Mutter oder Vater erklären, was es zu tun hat. Es peilt nicht mal, auf welches Tor es zu spielen hat. Und tja, dieses Kind war auch jedes Mal im Team des Großen.

Also ein weiterer Grund für das Turnier, weil dann die AKs nicht dabei sein werden, sondern nur die eher besseren Spieler und der Große bei den Spielen nicht so frustriert ist. Mein Mann fand die Idee nicht so toll, hauptsächlich wegen der Uhrzeit und weil wir eigentlich schon andere Pläne hatten. Nichtsdestotrotz machten wir uns am Sonnabend morgen ein wenig zu spät auf den Weg, wurden mit Turnierklamotten versorgt, der Trainer gab noch kurze Anweisungen und dann ging das Turnier los. Es gab zwei Gruppen, die in der Vorrunde die Teilnehmer des Halbfinales ermittelten. 1. und 2. jeder Gruppen kamen ins Halbfinale.

Für unseren Verein ging es fantastisch los, das erste Spiel wurde 2:0 verloren. Das zweite Spiel  endete 0:0. Da die anderen Spiele ganz gut für uns liefen, reichte ein Sieg im dritten und letzten Spiel der Vorrunde, um noch das Halbfinale zu erreichen. Jedoch waren sowohl Trainer als auch Eltern ob der bisher gezeigten Leistung mehr als skeptisch, dass die Kleinen das schaffen würden. Aber die knieten sich voll rein und schafften tatsächlich einen 1:0 Sieg und zogen als Gruppenzweite ins Halbfinale ein. Dort trafen sie auf den Gruppenersten der zweiten Gruppe und der hatte in der Vorrunde alle Gegner mit mindestens 2:0 platt gemacht.

Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen, aber erneut überraschten uns die Kinder. Sie spielten konzentriert und als Team, passten aufeinander und den Gegner auf und kassierten erst in den letzten Sekunden der Spielzeit ganz unglücklich den Gegentreffer. Der Trainer lobte sie trotzdem und zu Recht über den grünen Klee und immerhin bestand ja noch die Chance auf Platz 3, wenn sie den Verlierer des zweiten Halbfinales im kleinen Finale schlagen sollten.

Im Unterschied zu früheren Turnieren hatte der Trainer dieses Mal sogar eine taktische Aufstellung gebastelt. Es gab zwei Spielerblöcke, da wir zu viele Spieler hatten und damit jeder mal dran kommt, wurde ein Auswechselplan geschmiedet, bei dem es fliegende Wechsel wie beim Eishockey geben sollte. Zu Anfang jedoch stand immer die stärkste Mannschaft auf dem Platz. Taktisch wurde in einem 1-2-2 System gespielt, also Torhüter, davor ein Verteidiger, dann zwei Mittelfeldspieler und dahinter zwei Stürmer. Meiner Erfahrung nach war eine solche Aufstellung bisher immer völlig sinnlos, denn in dem Alter spielen die Kinder Fußball, in dem sich alle auf den Ball stürzen und schauen, was dann passiert.

Mein Großer jedenfalls wurde als Verteidiger im ersten Block gesetzt, was ich schon mal gut fand. Mir war in den Trainings aufgefallen, dass er ganz gut in die Gegner grätschen kann und durchaus Talent bei der Balleroberung hat. Wenn er dann allerdings den Ball hat, weiß er nicht, was er damit machen soll und ihm fehlt bislang jeglicher Zug zum Tor, was ihn als Stürmer eher unbrauchbar macht.
Es ist nun einem Kind eher schwierig beizubringen, dass ein Verteidiger ebenso ein ganz wichtiger Spieler ist, wenn bei den Profis fast immer nur die Stürmer oder Torhüter im Fokus stehen. Dementsprechend fand mein Kind das auch eher doof und vorm letzten Spiel – dem alles entscheidenden Spiel um Platz 3 – fragte er den Trainer, ob er nicht auch mal als Stürmer spielen darf. Der Trainer meinte daraufhin, dass er den Wunsch versteht, aber ihn ganz unbedingt als Verteidiger braucht und nicht auf ihn in dieser Position verzichten kann.

Oar, das ging runter wie Öl. So ein Kompliment hatte der Trainer noch nie gemacht. Die beiden vereinbarten dann einen Kompromiss, der Große würde zu Anfang wie gewohnt als Verteidiger spielen und wenn er dann erneut eingewechselt wird, darf er als Stürmer ran. Leider hatte der Trainer die Spielzeit nicht im Blick und so konnte mein Großer nicht nochmal eingewechselt werden.

Das Spiel ging übrigens 0:0 aus und wurde im Elfmeterschießen entschieden, wo unsere Schützen zweimal sicher verwandelten und unser Torhüter spektakulär zweimal hielt. Und so belegte die Mannschaft des Großen mit nur einem während der regulären Spielzeit erzielten Tor und insgesamt nur 3 Gegentoren den 3. Platz im Turnier. Effektiver geht’s nicht.

Die Kleinen konnten die Siegerehrung kaum abwarten, sie wollten endlich den Pokal in die Höhe recken, mussten aber noch das Finale abwarten. In der Zwischenzeit diskutierten sie, wer als erstes den Pokal bekam und ob ihn wirklich jeder mal anfassen dürfte.
Bei der Siegerehrung wurden noch der Torschützenkönig und der beste Torhüter geehrt. Den Torschützenkönig stellte der 2.-platzierte, der beste Torhüter kam natürlich von uns.

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Alles in allem ein gelungenes Turnier und vielleicht hat ja doch ein Scout zugeschaut 😉