Ist ja ein Beinbruch!

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und auch ich bilde da keine Ausnahme. In unserem täglichen Chaos haben sich daher gewisse Rituale etabliert. So nehme ich immer den Bus um 7:38 Uhr oder um 7:58 Uhr auf Arbeit, gestern war es der Einrücker um 7:48 Uhr. Bei den zahllosen Besprechungen sitze ich immer auf dem gleichen Platz, gestern allerdings war nur der Platz zwei Stühle weiter rechts noch frei. Von den Kabinen auf der Damentoilette nehme ich immer die rechte, gestern musste ich jedoch auf links ausweichen. Und jede Menge anderer kleiner Abweichungen.

Alles nichts Gravierendes, aber mir fiel es gestern schon auf und da ich überhaupt nicht abergläubisch bin, tat ich es nur als zufällige Merkwürdigkeiten ab, die es eben immer wieder mal gibt. Wäre ich abergläubisch, hätte ich es wohl als Omen gesehen und mich gewappnet für das, was später noch auf uns zukommen sollte.

Nachmittags fuhr ich mit dem Großen wie gewohnt zum Fußballtraining und während der Rabauke sein Ballgeschick verbesserte, nutzte ich den schönen Nachmittag und las in meinem Buch, da mir so gar nicht der Sinn nach den eher inhaltsarmen Gesprächen mit den anderen Fußballmüttern stand. Plötzlich gellte ein markerschütternder Schrei über den Platz, als dessen Ursprung ich umgehend meinen Sohn ausmachte und der mich sofort mein Buch zuklappen ließ. Der Sprößling wälzt sich gerne mal aufm dem Platz rum, sobald ein Spieler ihn nur minimal berührt oder ihm den Ball abgeluchst hat. Wir nennen ihn deshalb manchmal unseren kleinen Italiener 😉
Gestern jedoch blieb er liegen und die Tonlage des Schreis war weit von dem üblichen Mimimi-Gejaule entfernt. Der Trainer trug ihn an den Spielfeldrand, wo ich meine rudimentären medizinischen Kenntnisse ausbuddelte und eine erste Anamnese erstellte.

Es tat an der Innenseite des rechten Unterschenkels weh. Dort war der gegnerische Spieler mit seinem Knie reingerutscht. Ich dachte an eine heftige Prellung und so warteten wir ein paar Minuten. Dann sollte er versuchen, aufzustehen, was aber nicht ging, da die Schmerzen zu heftig waren. Ich entschied, mit ihm ins Krankenkaus zu fahren und es röntgen zu lassen, um einen Bruch oder eine Bänderverletzung auszuschließen. Eine der Mütter meinte, wir sollten doch ins Notfallzentrum fahren, das wäre direkt um die Ecke und nicht so weit wie die Uniklinik. Ok, na gut, hatte ich nicht daran gedacht, können wir machen.

Nach einem kurzen Abstecher nach Hause, wo ich die Kinderkrankenversichertenkarte und die Familienpackung Gummischlangen holte, hielten wir am Notfallzentrum und ich schleppte das mittlerweile 24 Kilo schwere Kindlein zum Eingang, wo mir aber direkt gesagt wurde, dass wir falsch seien, da nur Erwachsene dort behandelt würden. Ich schleppte das Kind zurück zum Auto und fuhr zur Klinik, lautstark fluchend, weil der direkte Weg durch Baustellen versperrt war. Ich fand zum Glück einen Parkplatz in der Nähe des Eingangs, was wirklich keine Selbstverständlichkeit ist. Ich trug das Kind die dennoch gut 200m zur Anmeldung und 5 Minuten später durften wir in die Kindernotfallambulanz. Eine freundliche Schwester nahm uns die eben ausgedruckten Patientenunterlagen ab und wies mich darauf hin, dass um die Ecke Rollstühle standen, von denen wir einen nehmen könnten.

Ich holte einen dieser Rollstühle und setzte das Kind rein, was es total cool fand. Vor wenigen Wochen schauten wir immer wieder mal die Paralympics und der Große wollte seitdem wissen, wie es ist, mit einem Rollstuhl zu fahren und jetzt konnte er es selber ausprobieren. So kurvte er durchs Wartezimmer, bis er die Lust verlor und vor einem großen Aquarium parkte.

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Da wir nicht die einzigen Patienten waren, durften wir ziemlich lange warten. In der Zwischenzeit freundete sich der Große mit einem anderen Jungen an, der beim Lasertag einen heftigen Schlag auf die Nase bekommen hat. Die beiden tauschten ihre ganzen Verletzungen und Unfälle aus. Ich hörte zu und war tatsächlich erstaunt, dass wir 7 Jahre gebraucht hatten, um eine Notaufnahme von innen zu sehen.

Endlich wurden wir aufgerufen und ich rollte das Kind in den Behandlungsraum. Ein freundlicher Arzt ließ sich berichten, was genau passiert ist und seiner skeptischen Mine entnahm ich, dass er ebenso wie ich davon ausging, dass es nur eine ordentliche Prellung, aber keinesfalls etwas ernsthaftes ist. Er untersuchte das Bein ausführlich, streckte und beugte es, drückte hier und da und jedes Mal, wenn er hinten auf die Wade drückte, jaulte das Kindlein auf. Alle anderen Untersuchungen ließ er stoisch über sich ergehen. Weil aber vorn am Schienbein nichts weh tat, dachte ich, dass evtl. das Wadenbein gebrochen ist. Der Arzt blieb bei seiner Meinung, steigerte sie sogar, indem er „wettete“, dass da nichts kaputt sei. Dennoch schickte er uns zum Röntgen, sicher ist sicher.

Ich rollte das Kind zum Röntgen, wo wir zur Abwechslung mal nicht warten mussten. 3 Minuten später kam der Junge aus dem Röntgenraum zurück und die Schwester meinte, sie würde die Aufnahmen fertig machen und direkt zum Rechner des Arztes schicken und wir sollten drauf achten, dass der Große den Fuß auf gar keinen Fall belaste.

Mir schwante übles, da war wohl doch mehr als angenommen kaputt gegangen. Wir meldeten uns wieder zurück und warteten, bis wir erneut zum Arzt vorgelassen wurden. Dieser bestätigte dann meine Vermutung, es war tatsächlich etwas kaputt gegangen, aber nicht das Waden-, sondern das Schienbein. Schöner sauberer Bruch, zum Glück nichts abgesplittert oder verrutscht.

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Die Schmerzen, die beim Drücken auf der Wade entstanden, wurden dadurch verursacht, dass das Wadenbein dann immer auf den Bruch drückte.

Umgehend wurde der Gips vorbereitet und während ich mit dem Arzt noch organisatorisches klärte (Schulbesuch, Weiterversorgung, Lagerung, etc.), kümmerten sich eine Schwester und eine Schwesternschülerin um mein Kind. Als ich dazu kam, lag er auf dem Bauch und ließ sich neugierig jeden Handgriff, der gerade gemacht wurde, erklären. Ich saß daneben und schaute zu, wie eine große Gipsschiene erst angepasst und dann mit Mullbinden ans Bein gebunden wurde. Ich dachte, er würde einen Vollgips bekommen, aber die erste Versorgung sollte mittels Liegegips erfolgen, mit dem der Patient, wie der Name schon sagt, hauptsächlich liegt und das Bein keinesfalls belasten darf.

Wieder daheim angekommen, durfte ihn zur Abwechslung der Papa in den 3. Stock tragen, während ich die Trainingsgruppe und die Großeltern über das Ergebnis informierte. Alle zeigten sich gleichermaßen erschrocken. Die Trainingsgruppe, weil sie damit einen der besten Spieler auf unbestimmte Zeit verlieren. Die Großeltern, weil der Junge die erste Oktoberwoche bei ihnen Urlaub macht und sie schon jede Menge Pläne geschmiedet hatten, die jetzt alle über den Haufen geworden wurden. Während von allen Seiten Genesungswünsche eintrudelten, überlegten wir, wo wir das Kind schlafen legten. Sein Hochbett fiel definitiv aus, dort wird er eine ganze Weile nicht mehr schlafen können.
Kurzerhand verfrachteten wir die Matratze auf den Boden vor den Kleiderschrank, da fiel er nicht so tief, falls er aus dem Bett rollte.

Die Nacht hat er gut überstanden. Der Toilettengang gelingt nach anfänglichen Schwierigkeiten gut, da sich der Patient mit dem steifen Bein nicht wie gewohnt auf die Schüssel setzen kann. Die eigentliche Herausforderung werden aber die nächsten Tage sein. So ein aktives Kind zur Untätigkeit auf der Couch liegend zu verdonnern, kommt schon Folter gleich. Ganz egal, wie lange KIKA läuft oder wie oft es Kekse oder Gummibärchen gibt.

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Am Montag werde ich einen Kinderchirurgen anrufen und mit ihm das weitere Vorgehen abstimmen. Mal schauen, was dieser sagt und wann es einen ordentlichen Gehgips gibt.

Wie schaffen die anderen das?!

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe und völlig gleich, auf welche persönlichen Belange ich verzichte, am Ende des Tages sind immer noch zu viele unerledigte Aufgaben übrig.

Ein typischer Wochentag sieht derzeit bei mir so aus:

  • 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Dies ist der frühestmögliche Zeitpunkt an dem ich so etwas ähnliches wie ausgeschlafen bin und meiner Umgebung nicht mehr zwangsläufig schade. Experimente mit früheren Aufstehzeiten sind grandios gescheitert, entweder weil ich verschlafen hatte oder den ganzen Tag dauergrummelnd und -motzend herumgelaufen bin.
  • 7:10 Uhr wird das große Kind geweckt. Es ist zum Glück mittlerweile in der Lage, selbstständig aufs Klo zu gehen und sich danach die Klamotten anzuziehen, die ich ihm kurz zuvor rausgelegt habe. Experimente, die Auswahl der Anziehsachen dem Kind zu überlassen, scheitern regelmäßig, da bei -10 Grad die kurzen Hosen und bei +35 Grad der Rollkragenpullover gewählt werden. (Kein Scherz, beides exakt so geschehen.)
  • 7:25 Uhr bin ich hoffentlich mit meiner Morgentoilette fertig und kann mich der Draußenwelt präsentieren. Das Kind übernimmt jetzt das Bad, putzt sich die Zähne und befummelt seine Frisur.
  • 7:30 Uhr schmiere ich die Frühstücksbrote für die Schule, fülle die Wasserflasche auf, überprüfe nochmals den Ranzeninhalt.
  • 7:35 Uhr laufen wir los zur Schule.
  • 7:40 Uhr sind wir wieder daheim, weil die Sporttasche vergessen wurde. Manchmal überspringen wir diesen Punkt, weil uns auf dem Schulweg nicht auffällt, dass der Turnbeutel noch daheim liegt.
  • 7:45 Uhr liefer ich das Kind an der Schule/Straßenecke/auf halbem Weg ab und hetzte zurück zur Bushaltestelle.
  • 8:00 Uhr piepse ich mich auf Arbeit ein. Wenn ich den 48er Bus verpasst habe, kann es auch mal 8:10 Uhr sein, wenn der Bus noch Verspätung hat, 8:15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich schon, ob ich an diesem Tag Minusstunden (oder -minuten) machen werde.
  • 16:35 Uhr piepse ich mich wieder auf Arbeit aus.
  • 16:38 Uhr kommt der Bus. Sagt der Fahrplan. Die Realität packt 3-10 Minuten drauf.
  • 16:57 Uhr hole ich das Kind aus dem Hort ab. Der Große ist typischerweise das letzte Kind, die Hortnerin hat schon die Handtasche über der Schulter, der Hausmeister wischt gerade den letzten Treppenabsatz.
  • 17:10 Uhr gehen wir im Supermarkt um die Ecke kurz einkaufen, weil wir sonst zum Abendbrot nur trocken Brot haben. Oder trocken Wurst, je nachdem, was gerade ausgegangen ist.
  • 17:45 Uhr kommen wir in der Wohnung an. Der Große bettelt, dass er ganz dringend noch eine Runde im Hof spielen will, also lass ich ihn, bis der Papa mit der Kleenen nach Hause kommt.
    In der Zwischenzeit mache ich mir etwas zu trinken und werfe eine Maschine Buntwäsche an.
  • 18:15 Uhr kommt der Rest der Familie nach Hause. Große Freude ob des Wiedersehens.
  • 18:30 Uhr bereiten wir das Abendbrot vor, decken den Tisch, räumen all die leckeren Sachen aus dem Kühlschrank auf den Esstisch. Die Kinder helfen fleißig mit. Die Süße kippt die offene Wurstpackung aus, der Große muss ganz dringend aufs Klo.
  • 18:45 Uhr gibt es Abendbrot. Die Kleene kann sich nicht entscheiden, was sie haben möchte und heult stattdessen lieber rum. Der Große mault, dass ausgerechnet das nicht da ist, worauf er gerade Appetit hat. Bloß gut, dass wir eine Stunde zuvor im Supermarkt waren, wo wir eben dies hätten mitbringen können. Als ich ihn auf diesen Umstand hinweise, heult auch er.
  • 19:15 Uhr ist die Kleene mit dem Abendbrot fertig und schmiert ihre fettverkrusteten Hände am Sofa ab, während ich ins Bad renne, um einen Waschlappen für eben jene Hände zu holen. Der Große hockt vor zwei belegten Scheiben Brot, offensichtlich pappsatt, aber weil er dies nicht zugeben möchte, knabbert er immer wieder an einer der Brotscheiben herum.
  • 19:30 Uhr räumen wir den Abendbrottisch wieder ab. Der Große starrt immer noch seine Brotscheiben an, die Kleene ärgert die Katze, die daraufhin die Krallen ausfährt und sie kratzt. Die Kleene heult.
  • Um 19:45 Uhr breche ich das Abendbrot ab, von den zwei angeknabberten Brotscheiben sind noch 4/5. übrig. Der Große wird zum Zähneputzen und Schlafanzug anziehen weggeschickt. Ich schnappe mir die Kleene und bereite sie aufs Bett vor.
  • 20:00 Uhr sind beide Kinder bettfertig. Es werden ausgiebige Gutenachtwünsche und Küsse verteilt. Dann bringe ich die Süße ins Bett, während mein Mann den Großen in sein Zimmer bringt und ihm noch eine Gutenachtgeschichte vorliest.
  • 20:15 Uhr beginnt quasi unser Feierabend. Ich checke meine Emails, rege mich über irgendwelchen Unsinn tierisch auf. Überfliege kurz Facebook, rege mich über den Unsinn auf, der da gepostet wird. Nebenbei läuft irgendeine Serie. Es ist völlig egal welche, wir kriegen eh nichts vom Plot mit.
  • 21 Uhr checke ich den Ranzen des Großen, überprüfe das Hausaufgabenheft und die Postmappe, finde einen Elternbrief samt Belehrung, die wir unterschrieben vorgestern hätten abgeben müssen und eine Mathehausaufgabe, die bis morgen erledigt werden müsste. Ich wappne mich für den Eintrag der Lehrerin, dass ich das Schreiben – mal wieder – verspätet abgegeben habe und hoffe inständig, dass der Große am Nachmittag im Hort die Hausaufgaben gemacht hat.
  • 21:30 Uhr fällt mir die Wäsche in der Waschmaschine ein. Mir fällt auch ein, dass beide Wäscheständer mit trockener Wäsche voll belegt sind, ich diese aber nicht wegräumen kann, weil ich dann eines oder beide Kinder wecken würde. So verschiebe ich Wäsche abnehmen und aufhängen auf den nächsten Tag.
  • 22 Uhr lese ich die neuen Blogbeiträge bei WordPress oder den interessanten Zeitungsartikel, der mir per Chat geschickt wurde oder klicke mich durch ein Quiz, dass mir wieder mal sagt, ich wäre ein Hufflepuff, obwohl ich im Innersten genau weiß, dass ich ein Gryffindor bin.
  • Um 23 Uhr stelle ich entsetzt fest, dass es bereits 23 Uhr ist und ich doch vor einer halben Stunde ins Bett wollte. Also lese ich fix den Artikel zu Ende, verkneife mir einen weiteren Kommentar in einer spannenden Diskussion und mache mit bettfertig.
  • 23:30 Uhr liege ich erschöpft im Bett und denke daran, dass ich noch Gymnastikübungen für den Rücken machen wollte, damit die Ischiasreizung nicht wieder kommt. Weil ich aber zu müde bin, reicht es nur, um mein Harry Potter Hörbuch anzuwerfen. Da ich mich nur noch an das Kapitel, aber nicht mehr die genaue Stelle erinnern kann, an der ich am Vorabend eingeschlafen bin, höre ich mir zum 5. Mal den selben Satz an.
  • 23:33 Uhr bin ich eingeschlafen.

Leider sind diese Tagesabläufe eher theoretisch. Die letzten Wochen war ich Montags immer mit dem Großen in der Stadt, dringende Einkäufe für die Schule erledigen oder Termine wahrnehmen. Dienstags und Donnerstag holt mein Mann den Großen vom Hort ab, da darf ich länger arbeiten. Je nach Einpiepszeit am Morgen schaffe ich 45-55 Minuten extra. Wenn ich länger als eine Stunde mehr arbeite, wird mir ab der 60. Minute 15 Minuten zusätzlicher Pause abgezogen, so dass ich mindestens 9 Stunden und 16 Minuten arbeiten muss, um überhaupt einen Nutzen zu haben. Wie an anderer Stelle erwähnt, bekomme ich Mehrarbeit erst ab Minute 31 gutgeschrieben, so dass ich, wenn ich nach 8 Stunden und 25 Minuten Nettoarbeitszeit auspiepse 25 Minuten der Firma schenke. Völlig beklopptes System, aber wohl rechtlich in Ordnung.

Mittwochs und Freitags hat der Große Fußballtraining, welches um 16:30 Uhr beginnt. Um mein Kind pünktlich zum Trainingsstart in Fußballmontur auf dem Feld stehen zu haben, muss ich spätestens um 15:35 Uhr von Arbeit los. Wenn dann alles passt, kann ich das Kind um 15:55 Uhr aus dem Hort mitnehmen. Sollte er draußen rumtoben und ich ihn erst suchen müssen, kann es sein, dass wir erst 16:10 Uhr vom Hort wegkommen. Dann nach Hause, umziehen, ins Auto, ab zum Sportplatz. Bei optimalem Verlauf sind wir 16:25 Uhr auf dem Trainingsgelände, bei suboptimalem erst 16:45 Uhr, weswegen ich versuche, einen Bus eher zu erwischen, was aber eben auch 20 Minuten weniger Arbeitszeit bedeutet. Da ich es mit viel Glück auf 1 3/4 Stunden Mehrarbeit pro Woche bringe, aber durch die Trainingszeiten jeweils mindestens eine Stunde einbüße, mache ich im Schnitt eine halbe Stunde pro Woche minus.

Zum Glück hat sich die Frau des Trainers bereit erklärt, den Großen Mittwochs aus dem Hort abzuholen und zusammen mit ihrem Sohn zum Training zu bringen. Wir hatten es erst mit den Eltern eines Klassenkameraden, der in der gleichen Mannschaft trainiert, probiert, aber dort gab es Missverständnisse, weil jene Eltern von einer einmaligen Sache ausgingen, während ich der Meinung bin, klar kommuniziert zu haben, dass dies jeden Mittwoch so wäre. Da ich niemandem zur Last fallen möchte und mich zudem noch der Hort wegen des Aufstands der Mutter in der zweiten Woche angerufen hat, fiel diese Option flach. Glücklicherweise sprang die Trainerfrau ein, da sie wohl eh immer Mittwochs in der Gegend wäre und da könnte sie den Großen problemlos mitnehmen. Das rettet mir ungefähr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit und wenn es gut läuft, stehen am Ende der Woche +20 Minuten auf meinem Arbeitszeitkonto.

Wenn es gut läuft. Und nichts dazwischen kommt. So wie diese Woche, wo wir die Sporttasche mit den Trainingssachen, der direkt neben dem Schulranzen stand, am Morgen vergessen hatten, mitzunehmen. Weil ich nicht wollte, dass mein Kind ohne Schienbeinschoner spielt – der Rest ist mir absolut rille – bin ich eine halbe Stunde eher als geplant los, nach Hause geeilt, die Sporttasche eingesackt und zum Sportplatz gerast. Nur eine Viertelstunde nach Trainingsbeginn war ich da und echt stolz, es so schnell geschafft zu haben, um dann festzustellen, dass das Kindlein neben einem kompletten Trikotsatz richtige Fußballschuhe und Schienbeinschoner geborgt bekommen hat. Die Mama erzählte mir dann, dass sie mittlerweile 4 komplette Trikotsätze hätten und das überhaupt kein Problem wäre.

Ich stellte mir die Frage, wie sie das machen. Unser Kind hat gerade mal den Trikotsatz vom Verein, aber nicht ein einziges irgendeiner Profimannschaft. Wir können uns die 70 oder mehr Euro für ein Shirt schlicht nicht leisten. Und das, obwohl ich 40 Stunden und mein Mann zwischen 30 und 35 Stunden arbeiten geht und wir beide mehrere Euros überm Mindeststundenlohn liegen. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht, wie ich hier im Blog oft genug erwähnt habe. Dann höre ich, dass die Trainerfamilie (Mutter, Vater, Kind) ein Haus gebaut hat, ein Sky-Abo besitzt, ein Auto aus deutscher Produktion fährt und zweimal pro Jahr in den Urlaub fliegt. Ich gönne ihnen das, ich bin auch nicht neidisch, nur stelle ich mir eben die Frage, wie sie das schaffen. Und warum wir das nicht hinkriegen.

Aufgrund der sehr knappen Zeit in der Woche müssen wir einen Großteil der Dinge am Wochenende erledigen. Wäsche waschen, Einkaufen, Wohnung putzen. Wenn ich dann erzähle, dass ich den Großen am Wochenende eben nicht auch noch zum Ligaspiel fahren kann, weil da ein halber Tag drauf geht, werd ich seltsam angeschaut. Immerhin wurde mir von einer anderen Mama angeboten, den Großen abzuholen und zum Ligaspiel zu fahren. Damit kann ich leben, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, dass wir das nicht selber hinbekommen. So habe ich aus lauter Verzweiflung zugesagt, am kommenden Wochenende das Kind wieder selber zum Spiel zu begleiten. Bedeutet um 7 Uhr aufstehen am Sonntag, um 8 Uhr auf dem Sportplatz sein, um 9 Uhr startet das Spiel, um 10:30 Uhr ist Spielende, um 11 Uhr kommen wir vom Sportplatz weg, um 11:30 Uhr sind wir pünktlich zur Sendung mit der Maus daheim. Dann ist Mittagsschlaf, wo Lärm machen tabu ist. So komm ich erst gegen 16 Uhr dazu, zusammen mit meinem Mann die Wohnung zu putzen. Um 20 Uhr werde ich das Badezimmer feudeln und mir um 20:30 Uhr mein erkaltetes Abendessen aufwärmen und versuchen, die erste halbe Stunde des Sonntagsfilms aus dem Restprogramm zu eruieren.

Sollte an einem solchen Wochenende noch ein Heimspiel des lokalen Bundesligavereins stattfinden, wird jegliche Planung über den Haufen geworfen. Da gehen inklusive An- und Abreise locker 6 Stunden drauf und erfahrungsgemäß können wir an solchen Tagen sämtliche andere Vorhaben vergessen. Da bin ich doch echt dankbar, dass Heimspiele nur aller zwei Wochen vorkommen und dieser Rhythmus durch Länderspiele zusätzlich unterbrochen wird.

Und als wenn die Wochen nicht schon dicht genug gepackt sind, kommen in den nächsten Monaten weitere Zeitfresser hinzu. Wenn ich die Rehasportmaßnahme von der Krankenkasse genehmigt bekomme (Termin dazu am nächsten Montag um 17:15 Uhr), bin ich im nächsten halben Jahr Dienstags und Donnerstag ab 18 Uhr für 1,5 Stunden damit beschäftigt, meinen Rücken zu stärken. Ich benötige einen Routinezahnarzttermin. Ab Herbst, also quasi heute, muss ich mich wieder um die 2. Folge der Hyposensibilisierung kümmern. Das ist immens wichtig, denn mein allergisches Asthma wird mit jedem Tag schlimmer und aktuell röchel ich in bester Darth Vader Manier vor mich hin, Asthmaspray hin oder her. Die Hyposensibilierung geht nur nachmittags, früh schaff ich es wegen Schulstarttermin und Kernarbeitszeit nicht und ich muss bis spätestens 17 Uhr beim Arzt sein, da ich ja jedes Mal eine halbe Stunde vor Ort warten muss, ob sich eine allergische Reaktion zeigt. Entweder ich lege das auf Dienstag oder Donnerstag, wo ich kinderfrei und so mehr Zeit zur Verfügung habe, damit aber riskiere, beim Rehasport nicht richtig mitmachen zu können, weil der Arm wegen der Injektion zu weh tut, oder ich probiere Montag, muss dafür aber eher von Arbeit los, weil ich den Großen ja noch aus dem Hort abholen muss.

Dann merke ich, dass dieser ganze Terminstress mir sehr aufs Gemüt schläfgt und ich würde gerne meine Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin weiter führen. Den spätesten Termin, den sie mir anbieten kann ist 15:30 Uhr. Da sie am anderen Ende der Stadt ihre Praxis hat, müsste ich sogar die Kernarbeitszeit, die bis 15 Uhr geht, verletzen, um den Termin wahrnehmen zu können. Was das mit meinem Arbeitszeitkonto macht, darüber möchte ich nicht mal ansatzweise nachdenken.

Beim letzten Elternabend empfahlen uns die Mathematik- und die Deutschlehrerin, dass wir mit den Kindern üben sollten. Jedes Wochenende ein Diktat, eine Leseübung und eine einseitige Rechenübung. Bei Bedarf gerne mehr. Vor den angekündigten Lernzielkontrollen (früher hieß das Klassenarbeit) müsste der Stoff mit den Kindern wiederholt werden. Dies alles ist nötig, weil die Bewertungsmaßstäbe so extrem hoch angesetzt sind. So gibt es nur bei erreichten 95% eine 1, bis 80% eine 2, bis 65% eine 3, bis 45% eine 4, bis 25% eine 5, darunter 6. Bei einem Diktat oder bei unangekündigten Kurzkontrollen gibt es die 1 nur bei 0 Fehlern.
Nichtüben verschafft uns mehr Luft, verbaut dem Kind aber auch die Chancen, also ist es keine Option. So werden wir dies also auch noch mit ins Wochenende stopfen.

Ja, ich weiß, eine Lösung wäre, verkürzt arbeiten zu gehen. Aber das ist finanziell nicht drin. Ich bin Hauptverdiener, von meinem Konto gehen sämtliche Fixkosten (Miete, Internet, Kindergarten, Hort, Versicherungen, Steuer, Kredit, etc.) ab, so dass am Ende nur um die 300 Euro an frei verfügbarem Geld übrig bleiben. Bei Teilzeit würde dieser Betrag gegen Null gehen, es gäbe keine Urlaube mehr, keine Klamotten für die Kinder, keine Fußballdauerkarten, keine Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke.

Und erneut frage ich mich, wie schaffen andere das? Meine Cousine und ihr Mann haben ein Haus gebaut. Er ist angestellter Handwerker, sie Rettungssanitäterin, beides durchaus ehrenwerte Berufe, aber keine, die den großen Reichtum mit sich bringen. Dennoch haben sie das Haus. Und egal, ob meine Mama meint, dass sie das Grundstück billig bekommen haben und er als Handwerker Hinz und Kunz kennt und die kostengünstig beim Bauen mitgeholfen haben, das Haus wird dennoch mindestens um die 100.000 Euro gekostet haben. Ein Betrag, den wir nie aufbringen könnten bzw. bei dem wir uns über 20 Jahre per Kredit an eine Bank binden würden, was mir völlig widerstrebt. Denn wenn mir mein Lebenslauf eins gelernt hat, dann dass nichts so beständig ist wie die Veränderung. Das Maximum, was wir derzeit verkraften ist der Kredit fürs Auto, welcher genau 2 Jahre lang läuft, genauso lang wie mein befristeter Arbeitsvertrag. Mag mein Chef noch so oft sagen, dass er mich so bald es geht entfristet, ich plane aktuell nicht länger als bis Oktober 2017.

Also kämpfe ich mich durch den Alltag, immer gehetzt von einem Termin zu anderen, die aktuellen Busfahrpläne, mein Arbeitszeitkonto, den nächsten Spieltag und die Arztöffnungszeiten im Hinterkopf.
Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal in Ruhe und mit Genuss einen Spielfilm angeschaut haben. Oder etwas mit unseren Freunden unternommen. Oder ausgeschlafen. Oder jenseits des Urlaubs entspannt.
Das letzte Mal mit meinem Mann intim? Ich würde laut loslachen, wäre ich nicht so erschöpft.

Dann sehe ich auf Facebook ein Foto eines Regenbogensmartieskindergeburtstagskuchen, selbstgebacken und wunderschön und breche in Tränen aus, weil wir es nicht mal hinbekommen, eine Kindergeburtstagsfeier zu organisieren, bei der ein solcher Kuchen den Höhepunkt darstellen könnte …

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Fußballschuheerstkauf

Am Freitag geht die Freiluftsaison los. Zwar nicht im Schwimmbad, sondern beim Fußballtraining des Großen. Während des Winters fand das Training in der Turnhalle einer nahe gelegenen Schule statt, aber diese Zeiten sind nun vorbei, denn nur die Harten komm‘ in Garten!

Mir wurde von verschiedenen Seiten* mittlerweile bestätigt, dass mein Rabauke ein durchaus talentierter Spieler ist und außerdem steht Ende April die nächste Talentsichtung an, diesmal im Freien auf Rasen. Das rief förmlich nach richtigen Fußballtöppen, in schick, mit ordentlichen Stollen an der Sohle. Der Uropa hat zum kürzlichen 7. Geburtstag einen kleinen finanziellen Beitrag geleistet, den ich mangels anderer Ideen in besagte Schuhe investieren wollte, natürlich in Absprache mit dem Kind. („Du, wir gehen Fußballschuhe kaufen und ich nehm dazu das Geld vom Uropa, ok?“ – „Ööööööööhm …“ – „Ok?“ – „Also eigentlich …“ – „O!K!?!“ – „nagut“ 😉 )

Also sind wir heute nach der Schule in die Stadt gefahren, um Schuhe zu kaufen. Beim großen orangenen Sportartikelverkäufer eingekehrt und vor das Regal mit den Kinderfußballschuhen gestellt. Mit Freuden festgestellt, dass fast alle Exemplare im Ausverkauf und damit ordentlich preisgesenkt waren. Den Großen schon mal eine grobe Vorauswahl treffen lassen, die sich mehr oder weniger an seiner Sichthöhe orientierte. Eine Verkaufsfachkraft gesucht und nach einiger Zeit gefunden. Ihr unser Anliegen geschildert und ihr unsere ausgewählten Modelle präsentiert. Ihr „Oh, da muss ich schauen, ob wir die überhaupt noch in der 33 vorrätig haben, ist ja schließlich Ausverkauf, da haben wir nicht mehr alle Größen, da muss ich wirklich im Lager schauen.“ geduldig ertragen. Am Ende kam sie tatsächlich mit 3 Kartons wieder. Riss die Einlegesohle aus einem der Schuhe und forderte mein Kind auf, sich mit dem entsprechenden Fuss drauf zu stellen, um zu schauen, ob die gewünschte Größe auch denen der Fußballschuhhersteller entspricht. Tat sie erstaunlicherweise. (Ich hatte vorher im Internet gelesen, dass bei bestimmten Marken 2 Größen größer gekauft werden sollte, weil die Schuhe so klein sind.)

Ich hatte dem Großen vorher schon erklärt, dass sich Schuhe mit Stollen beim Laufen auf normalem Boden ungewohnt und seltsam anfühlen, dafür aber auf Rasen echt unschlagbar sind. Ich wiederholte meinen Hinweis bei der Anprobe und die Verkäuferin ergänzte noch, dass der Fußboden richtig glatt sei mit den Stollenschuhen und er doch bitte vorsichtig laufen solle. Interessierte meinen Süßen die Bohne, der stopfte seine Füße in die Schuhe und rannte eine Runde um die Regale. Dann wurde ein Schuh gegen den des nächsten Modells getauscht, wieder eine Runde gerannt und dann wurde der andere Schuh gegen das letzte Modell ersetzt.

Und dann schlug die Stunde der Wahrheit. Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

„Eene mene muh, und raus bist du.“ Mein Kind entschied tatsächlich mit einem Abzählreim, was sein zukünftiges Sportgerät sein sollte?!

Parent for the rescue!

Ich versuchte zu ergründen, ob es irgendwelche Vor- oder Nachteile bei den einzelnen Modellen gab. Eines war sowohl für Echt- als auch für Kunstrasen geeignet. Da bei uns im Stadtgebiet fast nur Echtrasenacker existiert, hab ich den Hybriden aussortiert. Blieben noch zwei.

„Eene mene muh.“

Och nö, nicht schon wieder. Also erneut befragt, wie sich die Sohle anfühlt, ob der Schuh an der Seite drückt, ob die Zehen genug Spielraum haben, welches Muster schöner ist.

„Eene mene muh.“

Hmpf. Ganz vorsichtig fragte ich, wie sich die Sohle anfühlte. Das Stollenmuster war unterschiedlich, ein Schuh hatte jeweils 3 Stollen an der Fußballenaußenseite und einen Stollen in der Mitte, der andere statt des einen mittigen Stollens zwei kleinere Stege. Beide hatten 4 Stollen am Absatz. Ich ließ den Kurzen nachspüren, welches Stollenmuster angenehmer für ihn sei und wies ihn abermals darauf hin, dass die Schuhe sein Sportgerät für die nächsten 1,5 Jahre seien und das mit Sicherheit nicht durch Abzählreime entschieden würde.

„Eene mene …“

Ne, jetzt mal im Ernst! Entweder, du lieferst mir jetzt ein echtes Argument für oder gegen einen Schuh oder wir lassen das heute. Und siehe, der einzelne Stollen in der Fußballenmitte war doch irgendwie doof, weil er durch die Sohle drückte, wohingegen die beiden Stege das Gewicht gleichmäßiger verteilten und angenehmer waren.

Tadaaa, wir hatten ein paar Fußballschuhe. And the winner is:

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Nike JR Tiempo Genio Leather FG

Das einzig Doofe an den Schuhen ist, dass sie richtige Schnürsenkel haben. Bisher waren alle Schuhe mit Klettverschluss ausgestattet gewesen, aber nun ging es ans Eingemachte. Mein Großer hatte mir zwar beteuert, dass er schon Schnürsenkel binden kann, aber das Demonstrationsergebnis war einerseits sehr langwierig und zweitens sehr labbrig. Da wird er die nächsten Tage nicht nur seine Dribbelkünste verbessern müssen und ich weiß auch schon wie. Nämlich mit dieser Schnürsenkelschleifenbindehilfe:

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*Sein Vereinstrainer stellt ihn mittlerweile bei jedem Turnier auf und er darf dort den Abwehrchef machen, weil er der Einzige ist – so traurig und gleichzeitig lustig das auch ist – der sich nicht wie ein Irrer mit 3 oder 4 anderen Spielern seiner Mannschaft auf den Ball stürzt, ihn dann einmal erwischt, sich umdreht, ganz stolz zu Mama oder Papa lächelt, und dabei völlig das eigentliche Spielgeschehen außer Acht lässt. Außerdem hat meiner ein gutes Abwehrverhalten und grätscht sehr gut in angreifende Spieler oder spitzelt ihnen gekonnt den Ball vom Fuß. Das alles ohne Gewalt und Härte, was ich wirklich erstaunlich finde.
Sein Schulfußballtrainer sprach mich letztens in der Schule an, als ich den Großen vom Hort abholte, ob „dass denn meiner sei“, was ich bejahte. Der Trainer beschwerte sich bitterlich bei mir, dass der Kleene immer wieder mal ein Training verpasse, was total doof ist, weil er doch einer seiner besten Spieler sei und er sich gerne darauf verlassen können möchte, dass er ihm auch zur Verfügung steht, denn es gibt auch zwischen den Schulfußballgruppen Turniere und da „darf sein bester Mann nicht fehlen“. Oar, das geht runter wie Öl.

Bambinitraining

Ich hab mir beim heutigen Fussballtraining des Großen mal Notizen zum Trainingsverlauf gemacht. Er übt seit Frühjahr in der kleinsten Gruppe und heute war das erste Training nach der Sommerpause 🙂

Das Aufwärmen

  • Die Kinder sollen auf Zehenspitzen von einer Seite des Minispielfelds auf die andere laufen: die Hälfte der Kinder hat die Aufgabe nicht verstanden, 2 fallen hin und bleiben liegen, 3 weitere legen sich aus Sympathie dazu
  • Der Weg zurück soll auf den Hacken gelaufen werden: 4 Kinder geben mittendrin auf, werfen sich auf den Rasen und sprinten nach Ermahnung des Trainers zur Ziellinie
  • Über den Platz hüpfen: 10 Kinder fallen hin, der Rest läuft normal rüber
  • Mit Trippelschritten zur anderen Seite laufen: die eine Hälfte rennt rüber, die andere trippelt, 5 Kinder fallen hin
  • Der Platz soll mit so wenigen Schritten wie möglich überquert werden: die Hälfte läuft normal, hat die Aufgabe nicht verstanden, 4 machen Trippelschritte, 5 haben die Aufgabe tatsächlich verstanden, davon fallen 3 hin, weil sie durch die Riesenschritte das Gleichgewicht nicht halten
  • Zurück sollen sich die Kinder vorstellen, sie wären Zwerge und müssten beim Laufen nach oben schauen: ein Kind fällt hin, 4 weitere purzeln drüber, 3 weitere fallen einfach so hin, 2 andere laufen im Halbkreis über den Platz
  • im 4-Füsslerlauf über den Platz: alle Kinder fallen hin

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Mannschaftsgeist oder Neudeutsch Teambuilding

Es werden 4 Mannschaften à 4 Kindern gebildet. Es geht um Staffellauf, also ein Kind rennt los, macht was, rennt zurück, klatscht das nächste Kind in der Reihe ab, das rennt los, ….

  • Am Anfang ganz einfach, einmal übers Feld, zurück, abklatschen: bei einer Mannschaft laufen alle Kinder los, bei einer nur 2, 3 Kinder fallen hin
  • übers Feld, Kreis um Wendepunkt drehen, zurück, abklatschen: 5 Kinder vergessen den Kreis, 2 drehen 2 Runden, 4 Kinder fallen hin
  • Die Teams werden aufgeteilt, 2 Mann auf der einen Seite, 2 auf der anderen, das erste Kind läuft los, klatscht das Kind auf der Gegenseite ab, das läuft los, …: 3 der 4 Mannschaften verstehen die Aufgabe nicht, trotzdem fallen 6 Kinder hin
  • das Gleiche, diesmal aber mit Ball in der Hand als Staffelstab: 8 Kinder fallen hin, zwei Mannschaften finden kein Ende und klatschen ab und klatschen ab …
  • das Gleiche, diesmal soll der Ball übers Feld gedribbelt und dann dem Mitspieler übergeben werden: 3 Kinder enden in der falschen Mannschaft, 2 vergessen den Ball unterwegs

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Spieltraining

Die Spiele werden auf zwei Kleinstfeldern ausgetragen, ca. 20×10 Meter. Es gibt auf jeder Seite 2 Tore, markiert durch flache Plastehütchen.

  • Der Trainer erklärt aller 2 Minuten, was und wo die Tore sind.
  • Minütlich einmal verlagert sich das Spielgeschehen auf das Feld nebenan.
  • Auf beiden Feldern finden in loser Folge Purzelbäume und spontane Sitzstreiks statt.
  • Es gibt immer wieder Unsicherheiten, was das eigene Tor und das des Gegners ist.
  • Bei einem Tor jubeln grundsätzlich beide Mannschaften.
  • Zwischenzeitlich gibt es 3 Torhüter in einer Mannschaft.
  • Beim Mannschaftswechsel gelb-rot/schwarz-weiß zu gelb-schwarz/rot-weiß spielen die ersten Minuten 4x buntgewürfelte Teams, bis auch der letzte Spieler den Wechsel verstanden hat.
  • Grundsätzlich liegen mindestens 2 Spieler ohne erkennbaren Grund auf dem Boden.

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Abgerundet wurde das Training durch ein Elfmeterschießen mit dem Trainer als Torwart. Überraschenderweise haben alle Kinder dies verstanden und es fiel auch keines hin.

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Jeder zweite Satz während des gesamten Trainings: Hände aus den Taschen!

So ein Kindergarten

Am Dienstag hatten wir das Gespräch mit der Erzieherin des Großen. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen, ist ein ganz liebe, noch recht jung.

Wir sprachen über den Großen und sein mitunter unterirdisches Benehmen. Sie fragte, seit wann das so wäre und wir sagten, seit G., sein ehemaliger Erzieher, von heute auf morgen den Kindergarten verlassen hat. Mehr oder weniger zu diesem Zeitpunkt wurde auch seine Schwester geboren. A., die Neue, erklärte, dass der Weggang Gs für alle überraschend kam und niemand weiß, warum er gegangen ist.

Sie selber hat versucht, den Kontakt zu ihm herzustellen, bekam jedoch keine Antwort. Sie meinte, wir könnten noch bei der Leitung nachfragen, aber mein Mann schüttelte nur den Kopf. Hätte er schon gemacht, aber keine Antwort erhalten. Uns wundert das alles sehr und natürlich gibt es die wildesten Spekulationen. Ich vermute, er hat sich mit dem Chef oder einem Elternpaar überworfen, denn in einer Infomail vom Kindergarten wurden alle darüber informiert, dass G nach 3-monatiger Kündigungsfrist den Kindergarten verlässt und bis dahin freigestellt ist. Sollten schwerwiegendere Sachen vorgefallen sein, wäre er mit Sicherheit fristlos gekündigt worden.

Unser Kind erzählt leider nur sporadisch vom Kindergarten, aber wenn er erzählt, dann bezeichnet er sich selber immer noch als Gs Kind. Dazu muss man wissen, dass 2 bis 3 reguläre Kindergartengruppen in einer großen Gruppe auf einer Etage zusammen sind und jedes Kind einen sogenannten Bezugserzieher hat, der die Entwicklung des Kindes überwacht und bei Fragen und Problemen von Kindern und Eltern bereit steht.
Von sich aus hat unser Großer noch nie von A erzählt, erst auf Nachfrage bestätigte er, dass er jetzt ein A-Kind sei.

Mit dem Weggang Gs gab es zudem strukturelle Umbauten im Kindergarten. Mehrere andere Erzieher haben sich krank gemeldet oder gekündigt, so dass die heißgeliebten, regelmäßigen Montagswanderungen in ein nahe gelegenes Wäldchen ausfallen mussten.
Jeden Freitag war Experimentetag, wo G sehr anschaulich den Kindern ein bestimmtes Thema näher gebracht hat. Einmal erklärte er bspw., warum frische Blätter grün und alte Blätter braun sind und warum die braunen Blätter gut brennen, die grünen hingegen gar nicht.
Auch die anderen Tage hatten bestimmte Themen, aber ich gehe davon aus, dass diese, da nicht so umfangreich, fortgeführt wurden.

Auf jeden Fall sind allein die Ereignisse im Kindergarten schon ziemlich heftig und müssen von so einem kleinen Kind erstmal verarbeitet werden. Dass dann zusätzlich noch die kleine Schwester kam, hat dem ganzen die Krone aufgesetzt. Er brauchte einfach einen Prellbock, um seine ganze Wut, den Ärger und seine Ängste irgendwie abzubauen. Und diesen Job mussten und müssen wir wohl oder übel übernehmen.

Wir sprachen dann noch über Möglichkeiten, den Kleenen dabei zu unterstützen. Ganz wichtig dabei ist, ihm immer wieder zu erklären, warum G nicht mehr da ist. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er eine Arbeit in seiner Heimatstadt gefunden und deswegen weggegangen ist. Nur deswegen und nicht, weil er den Großen nicht mehr mag oder was auch immer er sich eingeredet hat.

A sucht zusätzlich das Gespräch mit dem Großen, sobald sie dazu Gelegenheit hat, denn derzeit sind mehrere Erzieher krank und sie kümmert sich zeitweise allein um 25 Kinder, und will auch noch mal ausloten, was sie in Sachen G ausrichten kann. Außerdem meinte sie, dass sie Gs Ansichten nicht unbedingt teile, was die Vorschulbildung angehe. Es ist durchaus angezeigt, dass er Lesen, Schreiben und Rechnen lernen kann, wenn er das von sich aus möchte. Es wäre entwicklungstechnisch jetzt eh an der Reihe, dass er einfache Rechenaufgaben lösen und seinen Namen schreiben könne. Na, wenn es nur das ist, das kriegen wir hin. Ich hab von einer Freundin vor einiger Zeit einen Tipp zu altersgerechten Lernhilfen bekommen und da werden wir einfach mal aktiv werden. (Werde dazu evtl. noch einen separaten Beitrag verfassen.)

Zum Schluss tauschten wir uns noch über die Macken unseres Rabauken aus. Wie er genau weiß, dass es falsch ist, der Katze auf den Schwanz zu latschen. Wie entnervend es ist, wenn er gefragt wird, warum er das tut und dann entweder gar keine Reaktion oder ein genuscheltes „ich weiß nicht“ kommt. Er kennt alle Regeln, entscheidet sich dennoch, diese nicht zu befolgen. Als er das jetzt zu Hause machte, fragte ich ihn, warum. Als erstes kam wieder „ich weiß nicht“, doch das ließ diesmal ich nicht gelten. Ich hakte nach, er zierte sich und ich zählte von 3 runter. Seltsamerweise wirkt dieser kleine Countdown immer. Spätestens beim Luftholen zu 1 hat er plötzlich eine Antwort parat. Selbst bei so simplen Sachen wie „welche Eissorte möchtest du?“ muss der Countdown her, sonst stehen wir ewig vor der Eistheke.
Als ich also von 3 runter zähle, sagt er mir bei 2, dass es ihm Spaß mache. Auch, wenn er keine 2 Sekunden später die Aussage widerrufen hat, denke ich, dass das der Wahrheit recht nahe kommt.

Nun stellt sich die Frage, warum macht ihm das Spaß? Weil er sich als Rebell fühlen kann? Weil die Trotzigen im Kindergarten die Helden sind? Geht der Gruppendruck schon los? Ist es der Versuch, unsere Aufmerksamkeit zu kriegen? Oder Eifersucht auf seine Schwester? Weil der eigentlich coole Job als großer Bruder in echt ziemlich uncool ist?
Vermutlich wird es eine Mischung aus allem sein.

A und wir sind uns ziemlich sicher, dass es für den Großen besser wird, wenn er offiziell als Vorschulkind zählt. Dann bekommt er wesentlich mehr Geistesfutter, es gibt wieder regelmäßig Ausflüge, diesmal in Schulen, und er ist mit seinen besten Freunden, nachdem einer davon, ein chinesischer Junge wegen Sprachdefiziten zurückgestellt wurde, in einem kleinen, elitären Kreis.
Seit letzter Woche geht er jeden Donnerstag zur Ballschule, exklusives (Fußball-)Training nur für ihn. Es gefällt ihm, er mag den Trainer und er lernt neue Tricks.

Ich bin zwar noch skeptisch, aber die letzten beiden Tage waren recht friedlich, vielleicht entspannt sich die Situation ja langsam. Unser Verständnis für seine schwierige Situation ist aber mit Sicherheit ein guter Anfang.