Xayriel orakelt: Fußball-Europameisterschaft 2016

Wales: Fangen wir den Reigen mit dem zweitteuersten Spieler an: Gareth Bale. Der gehört zur walisischen Nationalmannschaft und hat kürzlich die Champions League gewonnen. Zusammen mit dem teuersten europäischen Spieler, aber der kickt für Portugal. Sonst hat das walisische Team nicht viel zu bieten, außer dass es den nicht mehr so geheimen Favorit Belgien in der Qualifikation mit 1:0 vom Platz geschickt hat, nachdem es im Hinspiel schon ein Unentschieden erspielt hatte. Könnte mit viel Glück fürs Viertelfinale reichen.

Schweden: Noch so eine Mannschaft, bei der DER Star es sich eigentlich schon lange auf dem Altenteil hätte gemütlich machen sollen. So aber kickt Ibrahimović weiter und wird dies auch noch tun, wenn sich seine einstmals prächtige Mähne bereits endgültig auf die Auswechselbank verzogen hat. Zu seiner Verteidigung sei allerdings gesagt, dass ein Stürmer der alten Klasse ja quasi nur vor dem Tor rumsteht und wartet, bis ihm der entscheidende Pass vor die Füße fällt und Rumstehen geht meist auch im hohen Alter noch recht gut. Mit Forsberg hat er einen exzellenten Passgeber und wenn die beiden ein gutes Gespür füreinander entwickeln, können so schöne und zahlreiche Tore entstehen. Ansonsten ist die Qualität des Kaders eher überschaubar, eher so im Sinne von Hauptsache dabei.

England: Wie immer hoch gehandelt, vermutlich ebenso wie immer in der Vorrunde oder direkt danach raus. Nach dem überaus strittigen WM-Sieg 1966 reden viele vom Fluch von Wembley und wenn die Engländer endlich zugeben würden, dass das Tor irregulär war, dann würden sie auch wieder bei Turnieren erfolgreich sein. Da dies immer noch nicht geschehen ist, wird die englische Mannschaft wie gewohnt spätestens im Achtelfinale ausscheiden. Völlig unabhängig davon, ob Cahill, Rooney, Sturridge, Hart oder Kane im Kader stehen. Sicherlich werden die Tweets von Gary Lineker über das frühe Ausscheiden hinweghelfen.

Polen: Lewandowski. Und dann eine ganze Weile nichts. Und dann Piszczek und Błaszczykowski, deren Namen den an sich schon viel Leid gewohnten Dortmunder Trikotbeflocker regelmäßig in den Wahnsinn trieben. (Błaszczykowski ist zum AC Florenz gewechselt, aber ich bin sicher, dass Dortmund adäquaten Namensersatz finden wird.) Der Rest der Mannschaft wird zur einen Hälfte aus europäischen Legionären und zur anderen aus daheimgebliebenen Spielern gebildet. Bis auf drei Abwehrspieler verdienen alle Spieler ihre Brötchen in unterschiedlichen Mannschaften, was für das Mannschaftsgefüge sicherlich eine Herausforderung wird. Könnte aber tatsächlich zum allerersten EM-Spiel-Sieg überhaupt reichen. Aber bitte nicht gegen Die Mannschaft!

Rumänien: Fußballerisch lange Jahre von der Landkarte verschwunden, untergegangen im Mittelmaß, versenkt von Korruption und Machtmissbrauch. Jetzt Auferstanden aus Ruinen und das mit einer bärenstarken Abwehr, die dem Land endlich wieder eine EM-Endrundenteilnahme sicherte. Mir sagen die Spielernamen durchweg nichts, was daran liegen mag, dass von den 25 Spielern zwar 16 im Ausland spielen, darunter in Spanien, Italien oder England, aber dort meist nur in den weniger bekannten Vereinen der Oberklasse. Könnte einer der vielen, vielen Geheimfavoriten sein.

Tschechien: EM-Finale 1996. Deutschland-Tschechien. Golden Goal von Oliver Bierhoff. EM-Halbfinale 2004. Griechenland-Tschechien. Silver Goal von Traianos Dellas. Tragik hat einen Namen, auch weil man den Tschechen irgendwie endlich den großen Erfolg wünscht. Allein der Torhüter Petr Čech könnte sämtliche EM-Spiele allein bestreiten und würde die Hälfte davon gewinnen. Mindestens! Der restliche Kader hat klingende, und vor allem bekannte Namen aufzubieten. Dass die Namen hauptsächlich deshalb bekannt sind, weil sie gefühlt seit Erfindung des Fußballs auf den Trikots stehen, dämpft ein wenig die Euphorie. Die ebenfalls klingenden Namen der Vorrundengegner tun ihr übriges. Könnte eng werden.

Portugal: Immer dabei, immer irgendwie auch Favorit, aber wirklich gerissen hat Portugal nie was – trotz (oder wegen?) CR7. Immerhin wurde der bei der letzten EM Torschützenkönig. Dieses Mal Gruppenerste in der Qualifikation. Ein sehr guter Kader mit vielen Juwelen und zwei Champions League Gewinnern. Also alles wie immer?!

Kroatien: Perišić, Rakitić, Mandžukić, Modrić, Kovačić. Was klingt wie Gäste in Pavels und Bronkos Talkrunde in der Bullyparade, sind aktuelle kroatische Nationalspieler und zwei davon haben dieses Jahr die Champions League gewonnen. Ansonsten glänzt die Mannschaft eher durch zwielichtige Machenschaften des Trainers und rassistische Aussetzer des Fanlagers. Wenn sich die Kroaten bei der Endrunde aufs Fußballspielen konzentrieren, könnte einiges drin sein.

Ungarn: „Wer spielt denn heute? – Österreich-Ungarn. – Und gegen wen?“ Mehr als diesen über seinen eigenen Bart stolpernden Witz weiß ich nicht über Ungarns Fußballnationalmannschaft. (Na gut, Wunder von Bern und so, aber das war ja kurz nachm Krieg und weeeeeit vor meiner Geburt.) Vom Kader kenne ich genau 4 Spieler, und das sind die, die in der 1. und 2. Bundesliga spielen. Mag aber auch daran liegen, dass der größte Teil der Spieler in der ungarischen Liga eine Heimat gefunden hat und die in der hiesigen Berichterstattung Null Beachtung findet. Was wiederum die Stärke der Mannschaft schwer einzuschätzen lässt. Ein deutscher Trainer hat ja bereits 2004 mit einer völlig unbekannten Mannschaft ein Wunder vollbracht und Andy Möller ist auch noch Co-Trainer. Viel kann da nicht mehr schief gehen!

Spanien: Die Zeiten des Tiki-Taka sind vorbei, obwohl die spanische Mannschaft immer noch einige Spieler aus den Hochzeiten des iberischen Kurzpassspiels enthält. Ein paar neue sind dabei, aber die drücken den Altersdurchschnitt nur unwesentlich. Ob sich das Übermass an Erfahrung gegen das Ungestüm und die Sorglosigkeit jüngerer Mannschaften auszahlt, wird sich im Turnierverlauf zeigen. Immerhin steht Iniesta nur noch im erweiterten Kader und Torres ist ganz raus, das gibt Hoffnung.

Türkei: Neben Russland und Italien die Mannschaft mit den meisten Heimspielern im Kader, nur 5 hat es ins Ausland verschlagen. Zwar gibt es immer wieder mal kleinere Berichte über die Süper Lig, aber bis auf die Spieler der Bundesliga sagen mir die Namen nichts. Immerhin hat die Türkei die Qualifikationsgruppe der Niederlande, Tschechien und Island überlebt, dennoch lässt sich die aktuelle Stärke schwer abschätzen. Unglückliches Aus in der Vorrunde.

Russland: Nur ein Spieler aus dem aktuellen Kader spielt nicht in der russischen Liga, damit belegt Russland bei den Heimspielern schon mal Platz 1. Beim Altersschnitt ist die Mannschaft ebenfalls weit vorn. Dann stehen noch so ein oder zwei Dopingvorwürfe im Raum. 3 der 5 letzten Spiele wurden verloren, ein Unentschieden. Favoriten sehen irgendwie anders aus. Auch die geheimen.

Island: Haben die überhaupt genug eisfreie Fläche für ein Spielfeld? Werden den Spielern regelmäßig von Trollen und Elfen die Beine gestellt? Und wie haben die eigentlich die Qualifikation geschafft? Ziemlich viele Fragen und nicht ganz unberechtigt, wenn man bedenkt, dass sich Island bislang weder für eine WM- noch für eine EM-Endrunde qualifizieren konnte. Der Kader sagt mir bis auf den Augsburger Finnbogason nix. Aber wer in der Qualifikation zweimal die Niederlande besiegt und Gruppenzweiter wird, hat sich den Stempel Geheimfavorit redlich verdient.

Irland: Wenn man sich anschaut, wo Irlands Nationalspieler kicken, könnte man die Mannschaft auch England II nennen. Nur der Kapitän spielt in den USA, ist wahrscheinlich ein Messfehler. Irland hat sogar ein Maskottchen dabei, Shay Given, der mit seinen 40 Jahren wohl kaum wegen seiner Spritzigkeit nominiert wurde. Auch sonst glänzt der Kader eher mit Erfahrung und einer robusten Spielweise. Könnte schwer werden in der Gruppe.

Belgien: Bei der letzten WM als Geheimfavorit gehandelt, bei dieser EM ebenso. Wobei das Geheim ziemlich offensichtlich ist, denn der Kader rekrutiert sich aus Spielern aus allen großen Mannschaften aus fast allen großen europäischen Ligen. Nur weil Kevin de Bruyne nicht mehr bei Wolfsburg kickt, ist die Bundesliga in der Aufzählung nicht dabei. Wenn sie die Vorrunde überstehen, kann es weit gehen.

Slowakei: Mein erster Gedanke war, dass irgendjemand den Bus vollmachen muss. Mein zweiter war, dass nach der Vorrunde auch 8 Mannschaften wieder nach Hause müssen. Der dritte, das es genau dafür die Slowakei gibt. Auch wenn sie Deutschland vor wenigen Wochen besiegt haben.

Italien: Der Angstgegner. Die Schauspieltruppe. Der Unsympath im blauen Dress. Aber so wirklich will sich die Abscheu dieses Jahr nicht einstellen, dafür sind die Spieler im Kader zu unbekannt, die großen gewohnten Feindbilder fehlen alle. Bis auf Buffon. Einerseits befreit das Italien von der Favoritenrolle, andererseits macht sie das gleichzeitig zum Geheimfavoriten. Verrückte, verkehrte Welt. Und ein Turnier folgt immer eigenen Gesetzen.

Schweiz: Seit sich die Schweiz mit Spielern mit Migrationshintergrund verstärkt hat, klappt’s auch im internationalen Geschäft. Trotzdem blieben die wirklich großen Erfolge bislang aus. Das könnte sich bei dieser EM ändern, der Kader dafür ist allemal stark genug. Es sei denn, es kommt zum Elfmeterschießen.

Österreich: Bei der EM im eigenen Land haben die Österreicher bereits zu überraschen gewusst. Seitdem scheint sich die ausgeprägte Nachwuchsförderung immer mehr bezahlt zu machen und der österreichische Kader weist ein paar klingende Namen auf, die im Verbund durchaus weit kommen können. Zudem führt mit Christian Fuchs ein Spieler die Mannschaft an, der gerade mit dem absoluten Underdog Leicester City englischer Meister geworden ist. Vielleicht schwappt ja diese Erfolgswelle bis rüber in die Alpenrepublik. Kriegt von mir ebenfalls den Stempel Geheimfavorit mitten auf die Stirn gedrückt.

Ukraine: Mein 7-jähriger Sohn hat das Konzept von Nationalmannschaften nur bedingt verstanden und denkt immer wieder mal, dass Bayern München gegen Deutschland spielt. Bei der Ukraine hätte er damit gar nicht so unrecht, nur hieße dort die Begegnung Schachtar Donezk gegen Dynamo Kiew. Wie immer bei solchen heimspielerstarken Mannschaften in eher wenig betrachteten Ligen ist die Einschätzung der tatsächlichen Stärke schwierig. Dazu hat die Mannschaft eine unbequeme Gruppe erwischt. Spätestens im Achtelfinale ist Schluss.

Albanien: Der niedliche Exot. Wie Costa Rica bei der WM 2014. Steht laut UEFA-Koeffizienten nur knapp vor Nordirland, welche bei dieser EM in der Hinsicht die rote Laterne tragen. Dazu eine eher leichte Gruppe und der eine (Mavraj) oder andere (Abrashi) bekannte Name. Kein Geheimfavorit, aber zum Überstehen der Vorrunde könnte es reichen.

Nordirland: Die rote Laterne der Teilnehmer, wenn es nach dem UEFA-Koeffizienten geht. Mit Deutschland, Polen und der Ukraine eher undankbare Vorrundengruppengegner erwischt. Hat sich aber immerhin direkt für die allererste EM-Endrundenteilnahme des Landes qualifiziert und wurde zum größten Teil in den englischen Ligen gestählt. Es wird dennoch nicht fürs Achtelfinale reichen.

Frankreich: Wenn eine Mannschaft die Höhen und Tiefen von EM- und WM-Turnieren kennt, dann die französische. Bei der WM 1998 im eigenen Land den Titel geholt, zwei Jahre später noch locker-flockig den EM-Sieg hinterher geschoben, um dann 2002 bei der WM sang-, klang- und vor allem torlos bereits in der Vorrunde auszuscheiden. Seitdem bestimmten Skandale das Auftreten Frankreichs bei internationalen Turnieren. Sei es Zidanes Kopfstoß 2006 oder der Eklat in Südafrika 2010. Dieses Jahr könnte sich das Blatt jedoch wenden. Wieder haben die Franzosen den Heimvorteil, und vor allem haben sie eine starke Mannschaft und vorsichtshalber die potentiellen Störenfriede daheim (nunja, woanders jedenfalls) gelassen. Griezmann ist ein ganz heißer Anwärter auf den Torschützenkönig des Turniers. Der Kader wartet außerdem noch mit anderen bekannten Namen auf. Und wenn sich Coman zusammenreißt und ein wenig auf seine Mitspieler achtet, könnte erneut der ganz große Wurf gelingen.

Deutschland: Wird gewinnen. Oder hat da irgendjemand Zweifel daran? Ist doch egal, ob der Kader überaltert ist, oder ob Langzeitverletzte wie Schweinsteiger, Hummels oder Tah oder Beinahe-Rentner wie Podolski, nochmals Schweinsteiger oder Gomez nominiert wurden. Neuer wird wie immer als doppelter Spieler, Torhüter und Libero, Der Mannschaft den Hintern retten. Und wenn Löw auch die mitgenommenen Jungspunde Kimmich, Weigl und Sané ran lässt, könnte es tatsächlich mit dem Titel klappen. Turniermannschaft, ein Spiel, 22 Mann, 90 Minuten und am Ende und so! Außerdem haben wir Müller und der kann wirklich in allen Lebenslagen ein Tor schießen.

Zusammenfassung: Überraschungen sind bei einer EM immer möglich, siehe Dänemark oder Griechenland oder Tschechien, die sich erst im Finale Deutschland geschlagen geben mussten. Wie der Pokal hat auch eine EM ihre eigenen Gesetze.

Gruppensieger: Sieger (2.-Platzierter)
Gruppe A: Frankreich (Schweiz)
Gruppe B: England (Wales)
Gruppe C: Deutschland (Polen)
Gruppe D: Tschechien (Türkei)
Gruppe E: Belgien (Italien)
Gruppe F: Portugal (Österreich)

Halbfinalteilnehmer: Schweiz, Portugal, Deutschland, Frankreich

Europameister: Deutschland

Torschützenkönig (Land): Frankreich

Bitte hört auf!

Hört auf, das Bild des ertrunkenen Kleinkinds zu posten, verpixelt oder unverpixelt – völlig egal. Hört einfach auf.

Jedes Mal, wenn ich dieses Bild sehe, sterbe ich innerlich ein bisschen mehr. Seit der Geburt des Großen vor 6,5 Jahren habe ich unglaubliche Probleme damit, wenn es um tote Kinder geht. Sobald ich irgendwo eine Meldung lese oder im Fernsehen einen Beitrag sehe, in dem Kinder gestorben sind, beutelt es mich, zerreißt es mich, treibt mir unweigerlich die Tränen in die Augen.

Dabei ist es völlig egal, ob ein Vater seine zwei Kinder beim Baden unbeaufsichtigt lässt und diese im Spiel den eingestöpselten Elektrorasierer von Daddy vom Waschbeckenrand ziehen. Oder eine junge Frau und ihr 3 Jahre altes Kind durch einen Geisterfahrer auf der Autobahn ums Leben kommen. Oder ob eine verzweifelte Frau ihr Neugeborenes irgendwo ablegt. Oder ob ein syrisches Kind bei der Flucht vor der türkischen Küste ertrinkt.

Ich kann mir den Schmerz und das Leid auch sehr gut ohne Fotos vorstellen. Ich brauche keine Bilder, um Mitgefühl mit den Angehörigen zu haben. Keines dieser Fotos rüttelt mich auf, ich bin bereits hellwach. Und das nicht erst seit ein paar Wochen, seit der Flüchtlingsstrom so dermaßen anschwillt. Mich hat es schon seit Jahren angekotzt, dass die Bundesregierung das Flüchtlingsproblem ganz brav an Spanien, Italien und Griechenland abgeschoben hat. „Ist deren Problem, dort kommen die Flüchtlinge zuerst an, dort werden die Verfahren abgearbeitet, sollen die sich doch kümmern.“ Als Mare Nostrum eingestellt wurde, weil Italien die Kosten dafür nicht mehr alleine tragen wollte, wäre ich am liebsten zur Bundeskanzlerin gegangen und hätte sie geschüttelt und sie angeschrieen, ob sie denn noch alle Tassen im Schrank habe.

10 Millionen Euro im Monat hat das Programm Italien gekostet. Ungefähr soviel wie ein Tag nichteröffneter Hauptstadtflughafen im Unterhalt kostet. Peanuts!

Vor ein oder zwei Wochen machte auf Facebook die Geschichte eines syrischen Flüchtlings die Runde. Es wurde erzählt, wie das Haus seiner Eltern zerbombt wurde, wie er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern floh, wie seine jüngere Tochter von einem Schlepper ins Meer geworfen wurde.

Die Geschichte ging noch weiter, aber ich konnte sie nicht weiter lesen. Ich konnte es einfach nicht, ich wollte nicht noch mehr Leid erfahren, ich wollte den Mann, seine Frau und seine verbliebene Tochter in meiner Fantasie überleben lassen und ein glückliches friedvolles Leben in Deutschland beginnen lassen.

In dieser Nacht wachte ich schreiend auf, in meinen Träumen war ich die Flüchtlingsfrau, wurde mir das Kind entrissen. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Meine eigene kleine Tochter, die friedlich schlafend neben mir lag, hat mir dabei sehr geholfen.
Diesen Alptraum hatte ich nach dem Lesen eines einfachen Textes, ohne Bilder, ohne krasse Beschreibungen.

Seit ich gestern das erste Mal das Bild des toten Jungen gesehen habe, habe ich Angst einzuschlafen. Wenn ein Text schon solche Reaktionen bei mir auslöst, was macht dann erst ein Bild?
Und immer wieder taucht das Bild in meiner Facebook-Timeline auf. Oder auf Twitter. Oder wenn ich Nachrichten schaue. Und jedes Mal sterbe ich innerlich ein bisschen mehr. Und jedes Mal wächst meine Angst.

Deswegen: Hört auf, dieses Bild zu posten!

Mitfühlende, sorgende Menschen brauchen keine Bilder, um endlich aufzuwachen! Alle anderen sollten sich schämen, dass sie erst ein solches Bild brauchen. Die Menschen sterben nämlich nicht erst seit Anfang des Jahres im Mittelmeer, sondern schon SEHR VIEL LÄNGER!

Aghet

Falls jemand noch unsicher sein sollte, ob es denn nun tatsächlich Völkermord war, dem empfehle ich diese wirklich sehr gute Dokumentation:

Den Begriff Völkermord erklärt dieser Artikel der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/begriff-voelkermord-entscheidend-ist-was-im-kopf-der-taeter-passiert-1.2448778

Außerdem denke ich, dass sich die Deutschen endlich mit ihrer Rolle in „der Blaupause für den Holocaust“ auseinandersetzen sollten. Ich mein, wir haben nun echt ’nen Haufen Scheiße in der Weltgeschichte gebaut, da brauchen wir uns deswegen jetzt nicht so zieren. Vielleicht hilft es sogar, zu verstehen, warum die Judenvernichtung so reibungslos klappte und warum währenddessen und hinterher niemand etwas davon gewusst haben will. Diese Mechanismen zu ergründen verhindert womöglich zukünftiges Leid!

Und was die Türkei angeht: Ehrlich? Lässt sich die Bundesregierung wirklich von einem Land erpressen, in dem immer wieder und immer noch die Menschenrechte mit Füßen getreten werden? In dem ein Präsident wie ein Diktator und Sonnenkönig herrschen kann? Welches bis heute jegliche Verantwortung für diese menschliche Tragödie ablehnt? Ja toll, die Türkei ist praktisch ein riesiger Puffer zwischen dem Nahen Osten mit seinen unzähligen Brennpunkten und Europa, aber rechtfertigt das, sich den Befindlichkeiten dieses Staates bedingungslos zu beugen? Oder ist es nicht viel eher die Feigheit davor, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn der türkische Schutzschild nicht mehr zur Verfügung steht? Wie heuchlerisch und menschenverachtend ist das denn?

Letztendlich bin ich froh, dass das Auslöschen einer ganzen Ethnie dank dem Einsatz vieler selbstloser Helfer nicht gelungen ist und die Menschheit mit einzigartigem Kulturgut bereichert werden konnte: