Tja

Hier sollte ein nichtlustig-Comic erscheinen, aber WordPress verweigert die gescheite Einbettung. Wer trotzdem neurierig ist, hier entlang: http://static.nichtlustig.de/toondb/071213.html

Ich sollte einen reinen Arbeitsblog aufmachen.

Ehrlich, was hier gerade abgeht, das kann man sich nicht vorstellen. Wenn man das in einem Film sehen würde, fragte man sich, was für Drogen die Drehbuchschreiber genommen haben. Doch der Reihe nach.

Seit ich hier angestellt bin (vermutlich auch schon seit langer Zeit davor) fährt die Firma voll auf Verschleiß. Es gibt gerade genügend Mitarbeiter, um die anfallenden Arbeiten zu schaffen. Fällt einer aus, wegen Krankheit oder Urlaub, bleiben die Aufgaben dieses Mitarbeiters liegen, weil es niemanden gibt, der sie fachlich und zeitlich übernehmen kann. Eine Kollegin hatte sich beim Skifahren das Bein gebrochen und stand 6 Wochen nicht zur Verfügung. Dieses Ereignis ist jetzt knapp 2 Jahre her, die betroffenen Kollegen, die versuchten einzuspringen, haben sich bis heute nicht davon erholt.

Nicht nur, dass es keine Vertreter gibt, es wird auch nichts dokumentiert. Das Wissen ist allein in den Köpfen der Mitarbeiter und selbst wenn man versucht, die Aufgaben zu übernehmen, muss man sich alles allein durch Versuch und Irrtum erarbeiten. Es gab immer wieder Versuche, wenigstens die zu erledigenden Aufgaben schriftlich festzuhalten, aber nach 2 Mitarbeitern war Schluss, weil wichtigere Dinge dazwischen kamen.

Es gibt keine gescheite Projektkoordination, obwohl es haufenweise Projektmanager gibt. Die Geschäftsführung leiert einfach irgendwelche Sachen an, pocht auf deren zeitnahe Umsetzung, kümmert sich aber Null darum, ob überhaupt genügend Ressourcen dafür vorhanden sind. Und kosten darf es natürlich auch nichts. Das aktuellste Projekt verdeutlicht das am Besten. Es sollen ca. 100 Mitarbeiter von Standort A nach Standort B ziehen, im Gegenzug wechseln 100 Mitarbeiter von B nach A. Jede andere Firma würde dafür ein ordentliches Projekt aufsetzen, mit Projektplan und Budget. Hier hingegen wird das Ganze ad hoc über die Bühne gebracht und die Umzugshelfer sind die Mitarbeiter des IT-Service, welche jetzt 3 Wochen lang nichts anderes machen, als Kartons, Tische und Rechner von A nach B zu schleppen. In der Zwischenzeit bleiben natürlich alle anderen Aufgaben einfach liegen. Ein professionelles Umzugsunternehmen dafür zu beauftragen, wäre zu naheliegend gewesen.

Blöd nur, dass gerade ich jetzt ein Anliegen habe, dessen Umsetzung sehr eklig und nervenaufreibend ist, welches aber trotzdem bis zum 31.3. fertig werden muss. Ich versuche seit drei Monaten, dieses Thema anzubringen, aber immer wurde mir gesagt, dass dies gerade nicht möglich ist, weil andere Projekte wichtiger sind. Nun können sie es aber nicht mehr ignorieren, können es aber auch nicht umsetzen, weil ja alle gerade Umzugskisten schleppen müssen.

Seit 2 Monaten hat die IT-Abteilung einen neuen Chef und dieser schlägt gerade sehr unsanft in der Realität auf. Hatte er am Montag noch euphorisch verkündet, dass er Ordnung in den Laden bringen möchte und die alten Strukturen aufbrechen wird, motzt er die letzten 2 Tage nur noch rum, was das für ein Saftladen hier ist. Am Montag hat ihm mein alter Chef einen ersten Teil von Aufgaben und Projekten übergeben, für die der neue Leiter jetzt zuständig ist. Da sind schon einige Brocken dabei, die einem die gute Laune vermiesen können. Ich hatte ihm gestern mein Thema übergeholfen, welches er – Überraschung – wegen zu hoher Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter abgelehnt hat. Da er aber meinte, wir können das gerne persönlich klären, war ich gerade bei ihm und habe ihm von der Dringlichkeit berichtet und auch, welche Unannehmlichkeiten daraus resultieren könnten.

Er verstand erstens nicht, warum wir nicht schon längst eine solche Übersicht haben und zweitens warf er mir vor, warum ich erst so spät damit ankomme. Tja, weil eben alles andere immer wichtiger war als das. Ich verstehe, dass es nervig und zeitaufwändig ist, die gewünschte Übersicht zu erstellen, aber wir kommen schlicht nicht darum herum. Er meinte dann, ich hätte das eher eskalieren sollen. Joar, weil sich mein Chef in der Vergangenheit bei Eskalationen so gut bewährt hat. „Frau Xayriel, da müssen Sie einfach energischer darauf hinweisen, wie wichtig das Thema ist, dann helfen Ihnen die IT-Kollegen auch.“ Ich kann ihn förmlich in meinem Kopf hören.

Neulich kam eine Kollegin an, die die Projektleitung für die Umzüge übernommen hatte, und meinte, sie freue sich auf den nächsten Mittwoch. Sie hätte da eine Zahnwurzelbehandlung und alles wäre besser, als hier auf Arbeit zu müssen.

Teilumzug

Ganz still und heimlich habe ich einen Teil des Blogs ausgelagert. Und wer hat’s bemerkt? Mal wieder keiner 😉

Ich hatte die letzten Tage wieder Bock, das Reisetagebuch von annodazumals weiterzuführen, fand es aber irgendwie seltsam, so völlig aus der Kalten und zwischen die ganzen Alltagsprobleme einen Urlaubsbeitrag reinzuhauen. Also habe ich sämtliche bisherigen Reisebeiträge in einen separaten Blog exportiert und diesen in einem Anflug von völlig überbordender Kreativität 9erblogunterwegs genannt.

Hoffentlich komme ich nun auch dazu, weiter von unseren Abenteuern in Italien zu erzählen und noch viel hoffentlicher kommen bald neue Abenteuer hinzu.

P.S. Hat einer von euch eine Ahnung, was ich wo einstellen muss, dass die Bilder im Text die gleiche Breite wie der Text haben? Ich hab mir nen Wolf gesucht, finde aber nüschd und diese mickrigen, so verloren zwischen den Zeilen rumschwirrenden Bilder finde ich eher störend als illustrierend, ganz gleich, ob die Bilder beim Anklicken schön groß werden.

Leichtes Gepäck

Seit einigen Tagen wirbele ich durch die Wohnung, als gäbe es kein Morgen. Und irgendwie ist das auch der Grund für die Wirbelei. Falls mir etwas im Urlaub zustoßen sollte, dann muss ich mich nicht schämen, wenn die Nachlassverwalter unseren Haushalt auseinander nehmen.

Im Grunde könnte es mir ja egal sein, ich krieg es ja nicht mehr mit, aber es ist mir eben nicht egal. Außerdem kann ich gleichzeitig einer weiteren Leidenschaft frönen, dem Wegwerfen nämlich. Ich entrümpele und miste unglaublich gerne aus. Ich finde, das hat etwas befreiendes.

Einer meiner Ex-Schwiegerväter war gelernter Schreiner, aber als ich ihn kennenlernte bereits mehrere Jahre im Ruhestand. Trotzdem lagen im nicht gerade kleinen Garten diverse Holzstapel, ordentlich mit Planen abgedeckt, vom Unkraut teilweise schon halb zugewachsen. Als ich ihn fragte, warum er denn das noch aufhebt, man könnte den Garten doch sicherlich anders nutzen, meinte er, dass er das Holz bestimmt noch mal gebrauchen kann. Falls er mal wieder einen Schrank zimmern möchte.
Leider war dieses Sammelgen auf seinen Sprößling übergegangen. Der konnte auch nichts wegschmeißen. Ist doch noch gut, kann man sicherlich noch mal gebrauchen. Nach 1,5 Jahren habe ich ihn dann entsorgt.

Mein anschließender Auszug war die erste echte Entrümpelungsaktion meines Lebens. Ich nahm meine Studienunterlagen, meinen Computer, den Hasen und das Meerschweinchen und meine Bücher mit. Ein oder zwei Regale waren wohl auch noch dabei. Die Wohnung möblierte ich mit meinen alten Kinderzimmermöbeln und preiswert zusammengesuchten Schränken. Ich wohnte genau 2 Wochen in diesem Heim, bevor ich meinen jetzt Ex-Freund kennenlernte und mehr oder weniger bei ihm einzog. 2 Jahre später gab ich dann tatsächlich die Wohnung auf, weitere 3 Jahre später war die Beziehung vorbei und ich zog ins Württembergische.

Mit 13 Bücherkisten und einer Reisetasche voll Klamotten. Und einem oder zwei Regalen. Ohne Computer diesmal, Hase und Meerschweinchen waren mittlerweile altersbedingt gestorben.
Also wieder alles auf Null. Immerhin bewohnte ich diese Wohnung ein gutes halbes Jahr und das auch nur, weil ich so schnell keinen neuen Job in meiner alten Heimat fand, denn nach nur 4 Wochen im nicht ganz so trauten Heim allein lernte ich meinen Mann kennen.

Diesmal nahm ich tatsächlich alle Möbel und Gegenstände mit, mein Mann hatte als WG-bewohnender Student nur ein oder zwei Regale zur Einrichtung beizutragen. Die erste gemeinsame Wohnung war anfangs mehr improvisiert katalogreif möbliert. Die Matratze auf dem Boden, Garderobenständer als Kleiderschränke, Schwerlastregale in der Küche, aus einem dichtgemachten Jugendclub mitgenommene Stühle. Als ich nach 3 Jahren im trauten Heim schwanger wurde und der nächste Umzug anstand, gab es das nächste große Entrümpeln. Ich wollte alles wegwerfen, mein Mann klammerte sich verzweifelt an alles. Also schmiss ich mein überflüssiges Zeug weg und seines zog mit um.

Weitere 3 Jahre später der nächste Umzug und diesmal entrümpelte mein Mann auch ordentlich. Er hatte gemerkt, dass er viele von den Dingen, die man ja noch mal gebrauchen könnte, in den 3 Jahren nicht gebraucht hat. Und wenn keine speziellen Erinnerungen dran hängen, dann bringt es auch nichts, diesen Ballast weiter mit sich rum zu schleppen.

Und auch, wenn wir im Alltag schon relativ viel nicht aufheben, sammelt sich noch genug an, um mich immer wieder in Erstaunen zu versetzen. Heute war das Bad dran und eine mittelgroße Einkaufstüte überflüssigen Krams sind da auf den 8 m² zusammengekommen. Alte Shampoo-Pröbchen, eingetrocknete Creme-Tiegel und Erfrischungstücherpackungen, fast leere Schaumbadflaschen mit fingerdicker Staubschicht, ungenutzte Rasierer und Nahrungsergänzungsmittel, siffige Haarbürsten und brüchige Haargummis und ähnlicher Kram.

Das Wohnzimmer war vorgestern dran. Da war es eine große Einkaufstüte. Aber das Zimmer ist ja auch größer. Morgen folgt die Küche.

Für leichtes Gepäck auf der Reise des Lebens.

Jeannie, Teil 2

Am nächsten Morgen sahen wir, dass die kleine Katze gefressen, getrunken und ihr Katzenklo bestimmungsgemäß genutzt hatte und sie rannte auch nicht mehr vor uns weg. Also öffneten wir die Küchentür und die Katze konnte anfangen, die gesamte Wohnung zu erkunden.

Was sie tat. Gerne. Und viel. Und rennend. Und springend. Und kratzend.

Was jetzt noch fehlte, war ein Name. Mein Mann hatte gelesen, dass Katzen besser auf Worte mit i und a hören und deswegen ein Katzenname diese Buchstaben enthalten sollte. Wir grübelten und schmissen dann unsere Vorschläge zusammen, aber so richtig konnte uns keiner überzeugen.
Ich weiß nicht mehr, wie wir auf Jeannie gekommen sind oder wer den entscheidenden Vorschlag gemacht hat, aber wir waren uns sofort einig: das ist er.

Nachdem das nun geklärt war, blieb noch das Thema der Allergie. Als ich die Zusage für die Katze gemacht habe, konnte ich es nicht ahnen, aber ich war in der Zwischenzeit schwanger geworden. Somit erledigte sich auch das Thema mit der Medikamentenunterstützung. Und wie Katzen nunmal sind, sie gehen immer dahin, wo sie am wenigsten erwünscht sind. In diesem Fall zu mir.
Sobald ich mich auf dem Sofa lang gemacht hatte, kam Jeannie an, hüpfte auf mich drauf und legte sich auf meinen Bauch und schlief dort ein. Ich wurde dann mit schöner Regelmäßigkeit von einem Niesanfall nach dem anderen geplagt, aber das interessierte die Katze wenig.

Aber ich konnte Fortschritte entdecken. Von Tag zu Tag wurden die Niesanfälle weniger und nach 4 Wochen tränenden Augen und krabbelnder Nase waren die schlimmsten Beschwerden vorbei. Nur noch, wenn sie mich kratzte oder ich mir direkt nach dem Streicheln in den Augen rieb, gab es noch unschöne Reaktionen. Aber selbst die haben sich im Laufe der Zeit gegeben.

Jeannie hatte in der Zwischenzeit auch Fortschritte gemacht. Sie ist unglaublich gewachsen, unglaublich frech geworden und stellte sich als unglaublich intelligente Katze heraus. Wenn sie in ein bestimmtes Zimmer wollte, setzte sie sich vor die Tür und wartete, bis wir ihr aufmachten. Dabei beobachtete sie sehr genau, was wir machten und nach 3 Tagen Beobachtung schaffte sie es, von selbst die Türen zu öffnen, in dem sie an die Türklinken sprang und sich mit ihrem Gewicht solange dran hängte, bis sie auf war.
Da wir nur zwei abschließbare Räume hatten, nämlich Küche und Bad, und ich wegen der Allergie nicht wollte, dass sie zu uns ins Schlafzimmer kommt (ich wollte wenigstens einen allergenfreien Raum haben), schlossen wir sie nachts in der Küche ein. Außerdem konnten wir so auch verhindern, dass sie uns nachts sämtliche Pflanzen im Wohnzimmer zerlegt.

Jetzt im Nachhinein war das vielleicht nicht die klügste Entscheidung, aber damals wussten wir es nicht besser. Sie ist lange Zeit nicht so richtig zutraulich geworden, sondern rennt bei jedem etwas lauterem Geräusch erschrocken weg und versteckt sich in der hintersten Ecke. Sei es die Türklingel oder ein knarzender Stuhl – Jeannie macht den schwarzen Blitz. Das wurde dann besonders spannend, als wir schwangerschaftsbedingt umgezogen sind.

Wir hatten sie vorsorglich ins Bad gesperrt, damit sie aus dem größten Trubel raus ist, aber so richtig hat das nicht funktioniert. Als ich das erste Mal nach ihr schaute, hockte sie völlig verängstigt in einer Ecke und zitterte vor sich hin. Ich hab dann meinem Mann Bescheid gesagt, wo ich bin und da ich wegen meines dicken Bauches eh nicht mit tragen helfen könnte, hockte ich mich zu ihr ins Bad, packte sie mir auf den Schoss und streichelte sie beruhigend. Es dauerte ziemlich lange, bis sie mit dem Zittern aufhörte, aber sie rannte auch nicht weg, sondern blieb bei mir.

Und so haben wir gemeinsam den Umzug überstanden.

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